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mit Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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und den Beilagen:Nach Feierabend«,Fürs Haus« undLandwirtschaftliche Beilage«.

DieOberhestische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. - Der Bezugspreis betragt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 A söhne Bestellgeld), bei unseren Ze'tungsstellen und der Expedition l Markt 21) 2.00 * frei tn8 Hau». (Für unver. langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Vuchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 2L Telephon 55.

Marburg

Dienstag, 17 September

Ter Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 L, für Reklamen die Zeile 60 3>. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver. bindlichkeit für Platz., Datenvorschrift und Beleglieferung ausge- schlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jchrg.

1912.

Erstes Blatt.

Tie Beisetzung des Kaisers von Japan.

Kioto, 14 Sept. Der Leichenzug glich im ganzen der Pro­zession in vergangener Nacht in Tokio, nur daß die Mitglieder der Kaiserfamilie mit dem glänzenden Gefolge von Hofleuten, Mili­tärs und Marineoffizieren nicht dabei waren. Zur Ueberwindung der letzten steilen Strecke zum Berggipfel war eine Drahtseilanlage hergestellt, mittelst deren der riesige Sarg auf dem Wagen empor­gezogen wurde. Die Beisetzung im Grabe vollzog sich nur in Gegen­wart der Priester, der kaiserlichen Vertreter und der obersten Be- gräbnisbeamten und der notwendigsten Zeugen. Alle anderen blieben am Fuß des Hügels zurück. Das von Granit eingefaßte Grab ist vollkommen fertig. Der Bau des kaiserlichen Mausoleums beginnt, ehe der hundertste Tag nach dem Tode des Kaisers vor­über ist. An diesem Tage wird über dem Grabe ein Weihegottes­dienst gehalten, worauf die Osuya abgerissen und der Bau des stän­digen Mausolerrms begonnen wird. Nach dem heutigen Begräbnis wird die Bahrd, auf der der Sarg getragen wurde, verbrannt.

Der Zug mit der Leiche des Kaisers Mutsuhito traf heute Abend auf dem für diese Gelegenheit eigens erbauten Bahnhof auf der kaiserlichen Besitzung Momoyama (ungefähr fünf Meilen südöstlich von Kioto) ein. Zum Empfang erschienen hohe Beamten, Reichs­tagsmitglieder und andere hervorragnede Persönlichkeiten in gro­ßer Anzahl, viele in Begleitung ihrer Frauen. Die Besitzung, die in mannigfachen historischen Beziehungen zur kaiserlichen Familie steht, besteht teileise aus bewaldeten Hügeln, deren größter etwa 800 Fuß hoch ist und als Sitz der Götter betrachtet wurde. Die riesi­gen Kiefern auf diesem Berge sind Jahrhunderte alt. Sein Gipfel von dem aus man einen großartigen Ausblick über die Umgebung hat, ist zur letzten Ruhestätte des verstorbenen Kaisers auserwählt. Wegen der Steilheit des Geländes ist ein besonderer Weg vom Bahnhof nach Sojoden, der Leichenhalle, angelegt. Die mit anderen zum Schutz der Trauerversammlung bestimmten Gebäude sind et­was unterhalb des Grabes errichtet. Auf jeder Seite dieses Weges find mächtige Bogenlampen, an Trauermasten offene Easfackeln angebracht. An verschiedenen Punkten brannten große Scheiter­haufen, die für kaiserliche Begräbnisie in Japan charakteristisch sind. Vom Bahnhöfe wurde der große Sarg durch doppeltes Trup­penspalier auf der Bahre nach Sojoden gebracht. Die Träger be­standen aus Gruppen von je fünfzig jungen Bauern aus der Um­gebung von Kioto.

Tokio, 14. Sept. Prinz Heinrich von Preußen reist am 17. September von Iokohama an Bord desScharnhorst" über Kobe Und Nagasaki nach Tsingtau ab.

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Politische Umschau.

Nachträgliches vom KaifermanSver.

D r esdem , 14. Sept. Der Kaiser richtete an den König von Sach­sen folgendes Handschreiben:Durchlauchtigster, Großmächtigster Fürst, Freundlich Lieber Vetter und Bruder! Seit dem Hinscheiden Ew. Majestät in Gott ruhenden Vaters hielten in diesem Jahre die beiden König!. Sächsischen Armeekorps zum ersten Male vor Mir Manöver ab. Die dabei gezeichten Leistungen der Armeekorps befriedigten Mich durchaus. Ich bin zu Meiner lebhaften Freude erneut von der Ueber- zeugung durchdrungen, daß die königl. sächsischen Trupen auf der Höhe kriegstüchtiger Ausbildung stehen und allen an sie herantretenden An­forderungen gewachsen sein werden. Ew. Majestät wollen sich Meines herzlichsten Dankes hierfür versichert halten. Die aufrichtige Freund­schaft und Zuneigung für Ew. Majestät lasten Mich zugleich heute den Wunsch hegen, Ew. Majestät Meinem Heere, dem Sie schon so wohl­gesinnt nahezustehen geruhen, noch enger verbunden zu wisten. In dieser Empfindung möchte ich Ew. Majestät daher bitten, die Stellung eines Generalfeldmarschalls in der preußischen Armee anzunehmen. Meine Armee wird stolz sein, Ew. Majestät auch in der Reihe der preußischen Eeneralfeldmarschälle begrüßen zu dürfen, in der Würde, die Ihre unvergeßlichen, in Gott ruhenden Vorfahren in der Regierung, des Königs Albert und des Königs Georg von Sachsen Majestät, viele Jahre begleitete. Die von Mir Eurer Majestät Kriegsminister, dem Generalobersten Freiherrn v. Hausen, gezollte Anerkennung für die Führung des Oberkommandos der blauen Armee wollen Ew. Majestät aus Meiner Abschrift beigesügten Ordre an denselben entnehmen. Ich würde Mich herzlich freuen, wenn Ew. Majestät auch Ihre braven Truppen und deren Führer Meine ganz besondere Zufriedenheit mit ihren hervorragenden Leistungen wisten und Ew. Majestät Landesein­wohnern mitteilen lasten möchten, daß es Mir eine besondere Genug­tuung gewesen ist zu erfahren, daß Meine Truppen trotz der erheblich verwehrten Einquartierungslast überall freundliche und fürsorgliche Aufnahme gefunden haben. Mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung und wahren Freundschaft verbleibe Ich Eurer Majestät Freundwilliger Vetter und Bruder. Lager bet Oschatz, gez. Wilhelm.«

Berlin, 14. Sept. Die Militärflieger, die am Kaisermanöver teilnahmen, traten gestern abend und heute früh trotz ungünstiger Witterung den Rückflug nach Döberitz auf verschiedenen- Wegen an. Aus vielen Städten laufen Meldungen ein, daß mehrere Flugzeuge in großen Höhen in der Richtung nach Berlin vorbeiflogen. Jüterbog allein wurde bis 9 Uhr vormittags von acht Flugzeugen postiert.

München, 15. Sept. DieKorrespondenz Hoffmann" meldet aus Berchtesgaden: Der Kaiser richtete anläßlich des Abfchlustes der Kaisermanöver an den Prinzregenten ein Handschreiben, in J>cm et seinen Dank für die Zustimmung zur Teilnahme der bayerischen Kavallerie- Regimenter sowie seine vollste Anerkennung für deren Leistungen und kriegsgemäße Ausbildung ausspricht.

Berlin, 14. Sept. Auf Wunsch des Kaisers sind kinematogra- Phische Aufnahmen vom Kaifermanöver gemacht worden, so von dxn Kavallerieattacken und den Brückenschlägen über die Elbe sowie dem Aebergang des roten Heeres.

Gefangennahme eines Generals im französischen Manöver.

Ein heiteres Vorkommnis hat der Verlauf der diesjährigen französischen Manöver gebracht. Der Oberkommandierende der blauen Partei General Marion wurde nämlich samt seinem gan­zen Stabe und der Hauptmaste seiner Korpsartillerie von der gegnerischen Kavallerie gefangen genommen. Dieser Zwischenfall erregt, so peinlich er ist, in den Pariser Zeitungen viel Heiterkeit. In militärischen Kreisen jedoch macht sich lebhaftes Unbehagen be­merkbar, zumal' festgestellt wurde, daß General Marion die Mel­dungen seiner Flieger über das Herannahen gegnerischer Ka­vallerie mißachtet, und die Artillerie ohne jegliche Deckung gelosten hatte. Der einzige Trost ist, daß der Erfolg der roten Armee durch die Meldungen der Flieger herbeigeführt wurde, was die guten Dienste des Flugwesens wiederum beweise. Ein schwacher Trost. Jedenfalls wirft der Vorfall ein eigenartiges Licht auf die Tüch­tigkeit des Generals Marion. Trotz alledem hat der Kriegs­minister Millerand bei einem Frühstück zu Ehren der fremden Offiziere in Moncontour in einer Rede gesagt, daß er dem Leiter der Manöver und allen Offizieren sein Lob ausspreche. Durch ihre Bemühungen sei die Armee ein Instrument der nationalen Sicher­heit und Würde. Er schloß mit einem Toast auf die fremden Offi­ziere, insbesondere auf den Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch, der mit einem Hoch auf Frankreich und sein Heer antwortete. Der Korrespondent desMatin", der sich auf dem Manöverfelde befand, hat dem General Eallieni über die Gefangennahme seines Gegners, General Marion, befragt, der ihm dazu folgendes er­klärte: Ich schreibe das ganze Verdienst des Erfolges den Kolo­nialkriegen zu, in denen ich ein bescheidener Mitkämpfer gewesen bin. Die dort gesammelten Erfahrungen habe ich hier einfach ver­wendet. Ich habe hier die Organisations-Methode angewandt, die ich dort praktisch erprobte. Ich kann sagen, es gibt mebrere Arten Kriegs-Operationen, aber was dort drüben richtig ist, kann auch hier zur Anwendung gelangen. Außerdem ist die Ausdauer und der gute Humor der Truppen derart gewesen, daß sich ein Chef schon erlauben konnte, alles zu wagen. Mas mich speziell anlangt, so habe ich nur die Abwesenheit meiner vortrefflichen Kolonial-Jnfanterie bedauert.

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Deutsches Reich-

Born Kaiser. Berlin, 15. Sept. Der Kaiser nahm gestern mittag den Vortrag des Reichskanzlers entgegen. Der Reichskanz­ler folgte darauf einer Einladung des Kaisers zur Frühstückstafel. Heute mittag um 12 Uhr 15 Min. trat der Kaiser von Station Wildpark aus die Reife nach Wilhelmshaven an.

Zur Schweizerreise des Kaisers. Berlin 14. Sept. Der halbamtliche BernerBund" schreibt auf einen Hetzartikel der France militaire" zum Kaiserbesuch:Deutschland hat 1870 durch seine Erklärungen durch die peinliche Beobachtung unserer Neu­tralität, seither durch eine vierzigjährige Friedenspolitik durch Offenhaltung der unbefestigten Rheingrenze von Basel bis zum Bodensee und durch seine ganze Friedenspolitik zu viel Beweise für seine loyalen und wohlwollenden Absichten gegenüber der Schweiz gegeben, als daß die Verhetzunasversuche der France militaire ver­fangen könnten. Den Kaiserbesuch mit den pangermanistischen Be­strebungen in Zusammenhang zu bringen, ist umso ungereimter, als bekanntlich die deutsche Negierung dieser Bewegung gegenüber stets eine ablehnende Haltung eingenommen hat und deshalb oft genug von alldeutscher Seite angegriffen worden ist."

Das Zefuitengefetz im Bundesrat. München, 14. Sept. Der Bayerische Kurier" will wißen, im Bundesrat fei die Formel für die Ausführung des Jefuitengefetzes bereits gefunden. Der Begriff Ordenstätigkeit solle dahin interpelliert werden, daß den Jesuiten gestattet sein solle: erstens das Lesen einer stillen Meße, zweitens wisienschaftliche Betätigung.

Manöverunfall. Merzig, 14. Sept. Gestern morgen kippte im Manövergelände des 16. Armeekorps ein Bagagewagen beim Fahren im bergigen Gelände um. Zwei Soldaten wurden verletzt, von den einer im Laufe des gestrigen Nachmittags gestorben ist, während die Verletzungen des zweiten leichter Natur sind.

Torpedobootsunglück. Wilhelmshaven, 15. Sept. Wäh­rend der Manöver-Uebungen wurde gestern das Torpedoboot G. 171 bei dem Versuch, zwischen zwei in der Kiellinie fahrenden Kriegsschiffen hindurchzufahren, von dem Linienschiff Zähringen angefahren und hinter dem zweiten Kamin glatt durchschnitten. Es handelt sich um die Ausführung einer Hebung, die von der eng­lischen Marine schon seit längerer Zeit abgeschafft sein soll. G 171 ist ein Boot von 600 Tonnen und hatte circa 90 Mann Besatzung an Bord, von denen 7 Mann bei dem Zusammenstoß umgekommen find. Außer diesen starb einer der Verletzten nach einiger Zeit. Dem Kaiser wurde sofort von dem Unfall Mitteilung gemacht. Die 2. Torpedoboots-Flottille, zu der das verunglückte Boot G. 171 gehört ist gestern Abend 6 Uhr hier eingelaufen und hatte die Flaggen auf Halbstock gesetzt.

Straflosigkeit studentischer Schlägermensuren. Berlin, 14. Sept. Nach Mitteilungen mehrerer hiesiger Korrespondenzen soll die Kommission zur Vorberatung des neuen Strafgesetzbuches emp­fohlen haben, daß die sogenannten Studentenmensuren, d. h. die Zweikämpfe mit Schlägern unter Vorkehrungen die bestimmt und geeignet sind, die Kämpfenden gegen Gefährdung des Lebens zu schützen, straffrei bleiben sollen.

Keine Festsetzung des Osterfestes. Berlin, 14. Sept. Auf dem Deutschen Handelstag ist folgendes Schreiben des Staatssekretärs de» Innern eingegangen: Amtlichen Nachrichten zufolge besteht bei der römischen Kurie ebensowenig wie bei der für die griechisch-katholische

Kirche maßgebenden Stelle Geneigtheit, aus die Festlegung des Oster­festes einzugehen. Ich sehe deshalb zur Zeit keine Möglichkeit, die An­gelegenheit mit Aussicht auf Erfolg zu betreiben.

Aus dem Armeeverordnungsblatt. Berlin, 13. Sept. Da» Armeeverordnungsblatt veröffentlicht eine Kabinettsorder übet die Bil­dung einet siebenten Armee-Inspektion und die Aenderung in der Zu­sammensetzung der bestehenden Armeeinspektionen. Danach werden stall der bisherigen sechs Armee-Inspektionen am 1. Oktober deren siebet gebildet und folgendermaßen zusammengesetzt: Erste Armeeinspektion (Berlin) aus dem 2., 5 und 9. Armeekorps; zweite Armeeinspektion (Meiningen) aus dem 6., 11., 12. (1. Königlich Sächsischen) und 19. (2. Königlich Sächsischen) Armeekorps; dritte Armeeinspektion (Hanno­ver) aus dem 7., 10.. 18. und 13. (Königlich Württembergischen) Armee­korps; vierte Armeeinspektion (München) aus dem 3. und 4. Armeekorps und dem 1., 2. und 3. Königlich Bayerischen Armeekorps; fünfte Armee­inspektion (Karlsruhe) aus dem 14. und 15. Armeekorps) sechste Armee- Inspektion (Berlin) aus dem 1., 17. und 20. Armeekorps; siebente Armee­inspektion (Saarbrücken) aus dem 8., 16. und 21. Armeekorps.

Rückgang der Maul- und Klauenseuche. Berlin, 13. Sept. Während die vorletzte amtliche Nachweisung die Verseuchung von 127 Kreisen, 181 Gemeinden und 598 Gehöften erkennen ließ, weist der neueste Stand im ganzen nur 99 Kreise, 154 Gemeinden und 470 Gehöfte als verseucht auf. Auf Preußen entfallen davon 39 Kreise, 59 Gemeinden und 189 Gehöfte, und in Sachsen ist nur die Amtshauptmannschaft Leip­zig mit 1 Kreis, 1 Gemeinde und 2 Gehöften beteiligt. Am schwersten ist noch der Regierungsbezirk Cassel mit 92 Gehöften betroffen, aus ven der Regierungsbezirk Münster mit 4 Kreisen, 10 Gemeinden und 92 Ge­höften folgt. Ganz frei von der Seuche sind die Provinzen Ost- und Westpreußen, der Stadtkreis Berlin,, sowie die Regierungsbezirke Stral­sund, Merseburg, Schleswig, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Aurich, Min­den, Trier und Aachen.

Ausland.

** Der Eucharistische Kongreß. Wien, 14. Sept. Die feierliche Schlußsitzung des eucharistischen Kongresses fand heute vormittag in Anwesenheit von 20 000 Personen statt. Unter begeisterten Zu­rufen hob der Kardinallegat van Rosium den herrlichen Verlauf des Kongresses hervor. Er gedachte dankbar des Papstes und dankte unter brausenden Hochrufen dem Kaiser, der mit Ritterlichkeit, Liebe und Kraft seinen blanken Ehrenschild schützend über dem Kongreß gehalten habe. Der Kardinal dankte schließlich allen Veranstaltern und Teilnehmern des Kongreßes und schloß den Kongreß mit der Erteilung des apostolischen Segens.

** Die französische Flottenkonzentration. Paris, 14. Sept. Nach einer offiziösen Meldung werden die sechs Panzerschiffe des dritten Ee- schwaders voraussichtlich dem Hafen van Biferta zugeteilt werden, da man nicht daran denken könne, die Verproviantierung der gesamten Flotte dem Kriegshafen von Toulon allein zu überlassen, lieber di« Konzentrierung der Kriegsflotte im Mittelmeer erklärte der Deputiert« des Finnisterre-Departements, Danielou einem Berichterstatter: Di« Entscheidung des Marineministers war seit langem vorgesehen. Das aus veralteten Schiffen bestehende dritte Geschwader könnte, auf sein« eigenen Mittel angewiesen, gegen ein Dreadnought-Geschwader nichts ausrichten, aber als Nachhut des ersten Geschwaders werden die Panzer­schiffe des dritten Geschwaders einen wichtigen Faktor bilden. Fraglich aber ist es, ob es bester ist, die Konzentrierung unserer Seestreitkräst« im Mittelmeer oder in der Nordsee zu vollziehen. Von diplomatischen Gesichtspunkten aus, war die Regierung der Anschauung, daß unser« Geschwader im Süden vereinigt werden sollten. Ich hege jedoch vi< Uebergeugung, daß in einem Kriege die Hauptentfcheidung zur See im Norden fallen wird und ich fürchte, daß wir dann zu bedauern haben werden, unsere ganze Flotte in einem Meere vereinigt zu haben, da» ein mare clausum war und wieder werden kann. Paris, 15. Sept. Unter Hinweis auf die in Italien durch die Konzentrierung der fran- zösifchen Ceestreitkräfte im Mittelmeer bernorgerufcne Ileberrafchung und Beunruhigung schreibt derTemps": Italien hat eine doppelte Politik, eine kontinentale Politik, welche auf dem Dreibund und eine miritime Politik, die auf der französisch-englischen Entente beruht. Die erster« hat Italien gegen Oesterreich-Ungarn gedeckt, die zweite hat ihm gestattet, sich in Tripolis feitzusetzen. Italien hat wie gegenüber London und Paris so auch gegenüber Petersburg immer mehr und mehr den Weg der Ententen betreten. Es liegt auf der Hand, daß Fälle eintreten können, wo Italien diese Ententen nur schwer mit seinen Bündnissen in Einklang bringen dürfte, aber wenn Italien nach wie vor der Ansicht ist. daß es Deutschland keine Rechenschaft über seine Mittelmeerpolitik schuldig ist, so kann es sich in keiner Weise über die von Frankreich und England im Einvernehmen mit Rußland getroffenen Maßnahmen be­ruhigen. Diese Maßnahmen wären für Italien nur in dem einzigen Falle beunruhigend, wenn es die feit 1882 von ihm befolgte Politik ändern und bei der Erneuerung des Dreibundes der Aufforderung Deutschlands Folge leisten und den Dreibund auch auf das Mittelmeer ausdehnen würde. Dann könnte sich Italien selbstverständlich über die niederschmetternde Ileberlegenheit aufregen, welche den Mächten der Tripel-Entente für lange Zeit im Mittelmeer gesichert ist. Diese Ueberlegenbeit beruht darauf, daß Deutschland keine Flotte im Mittel- meer hat und daß Oesterreich-Ungarn nur eine im Werden begriffene Flotte besitzt, und daß die italienische Flotte nach einer einjährigen Kampagne im italienisch-türkischen Kriege völlig neu zu schaffen wäre. Wenn Italien also feinen Ententen entsagen würde, um sich ausschließ­lich seinem Bündniste hinzugeben, dann werde es seine Mittelmeer- ftellung gefährden. Aber diese Wahrheit ist so einleuchtend, daß man eine derartige Hypothese ohne weiteres beiseite lasten kann.

Zum Tode des Generals Rogi. Togio, 14. Sept, lieber die letzten Stunden des Generals Nogi werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Gestern früh ließ Nogi den Photographen zu sich kommen, der ihn und seine Gattin im ©arten der Wohnung photographieren mußte. Dann begab sich Nogi zur Trauerfeier in den Palast und verweilte dort längere Zeit in dem Gemache, wo die Leiche des Kaisers Mutsuhito auf­gebahrt war. Aus dem Rückwege nach seiner Wohnung sprach et im Palaste des Prinzen Fushimi vor, wo er noch als Obmann des Empfangskomitees tätig war. Der dramatische Selbstmord, der sich in einem der größten Augenblicke des nationalen Lebens ereignete, arirb | von hervorragenden Militärs und Landsleuten als eine herrliche Tat I und patriotische Handlung der Ergebenheit angesehen, aber da die ylattot