mit Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
M 217
Die „Oberhcsiische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expäütion (Markt 21) 2.00 <Ä frei in» Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der llniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 15, September
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47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Vie Wende werden langer,
sodaß eine reichhaltige Tageszeitung für alle unentbehrlich ist.
Die Oberhessische Zeitung unterrichtet schnell und genau über alle Ereignisse im Reich und Ausland, Stadt, Umgebung und Provinz und nimmt zu ihnen sofort und selbständig Stellung. Mehrere
Unterhaltungs-Beilagen
und ein interessantes Feuilleton ergänzen den Nachrichtenteil bestens. Leber die Reichstags- und Landtagsverhandlungen wird fortlaufend und ausführlich berichtet, ohne den Stoff der Zeitung dadurch zu beschränken.
Die Oberhesstsch« Zeitung steht auf monarchischem Boden und vertritt eine nationale Politik. Sic verzichtet darauf, sich in den Dienst irgend einer Partei zu stellen und legt besonderen Wert darauf die Interessen unserer Stadt und engeren hessischen Heimat mit besonderem Nachdrucke wie von jeher zu fördern.
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Die Beisetzung des Kaisers von Japan.
Tokio, 13. Sept. Die Leiche des verewigten Kaisers wurde gestern abend kurz nach 8 Uhr aus dem Kaiserpalast nach dem Aoyamo-ParadeKld gebracht. Beim Scheine eines auf dem Hofe -brennenden Wachtfeuers und aufgesteckter Fackeln fuhr uralter Sitte gemäß der von fünf Ochsen gezogene Leichenwagen zum Palasteingang, wo der Sarg ausgenommen wurde. Der Kaiser in der Galauniform des Daigansui (Oberbefehlshaber aller Land- und Seestreitkräfte) mit Trauerflor, die Kaiserin und die Kaiserin-Witwe in altjapanischer Tracht (dunkelbraun und orange) mit aufgelöstem Haar, der Kronprinz, seine beiden jüngeren Brüder und der junge Prinz von Korea geleiteten den Sarg bis zum Portal, schlossen sich jedoch nicht dem übrigen Trauergefolge an, sondern fuhren auf einem anderen Wege nach dem Aoyanofelde, um dort die sterblichen Ueberreste des Kaisers bei der Ankunft zu empfangen Der große Zug, welcher der Leiche folgte, nahm inzwischen den Weg nach dem Paradefeld. Zu dem militärischen Ehrendienste hatte das Landheer 20 000, die Kriegsflotte 10 000 Mann gestellt. Alle Truppenteile, einschließlich der in Korea und der Mandschurei, auf Formosa und Sachalin stehenden Truppen, waren vertreten. Die gesamte kaiserliche Leibgarde-Division eskortierte den Sarg, während die anderen Truppen Spalier bildeten. Der endlose Trauerzug, in dem Sonnenbanner, Mondbanner und viele andere kriegerische Embleme getragen wurden, gewährte in seiner fremdartigen Mannigfaltigkeit ein seltsames, höchst eindrucksvolles Schauspiel.
Von dem kaiserlichen Eingang zum Palast am Nijubashi-Tor' bis zum Babasaki-Tor an der Grenze des Palastes bewegte sich der Trauerzug durch gigantische Trauerbäume. Von den Wipfeln der Bäume hingen lange schwarze und weiße Papierwimpel herab. Zwischen den Bäumen loderten Fichtenfackeln auf 8 Fuß hohen Dreifüßen. Zehn Reihen von mächtigen Bogenlampen warfen außerdem das Licht von oben auf den breiten Weg herab. Auf Anordnung der Stadtverwaltung hängte jedes Haus Trauer- latcrnen mit japanischen Schriftzeichen aus, die bedeuten: Wir trauern um unseren Kaiser! Die Prozession bewegte sich langsam zur großen Dopvelbrücke über die den Palast umgebenden Gräben, die nur vom Kaiser selbst und von den fremden Gesandten oder hohen Würtenträgern am Neujahrstage benutzt wird. Die geisterhaften Töne der heimischen Leichenmusik der besonders kleinen Bambusflöten, die mit ihren durchdringenden, klagenden Tönen übernatürliche, geheimnisvolle Wirkung verliehen, verkündeten die Annäherung des Zuges der wartenden Menge, die den ausgedehnten Raum außerhalb der Brücke erfüllte. Die brennenden Fackeln, das An- und Abschwellen der seufzenden, klagenden Töne der japanischen Instrumente, die rhythmische Bewegung der Soldaten über die kiesbedeckten Wege, die altertümlichen Kostüme der Hofbeamten zusammen mit den glänzenden Uniformen, und das Ganze sich durch ein wahres Menschenmeer bewegend, ohne einen anderen I Ton als den Klang der Musik und gelegentliches krampfhafte» 1 Schluchzen, ergab ein recht wundersames Bild von tiefstem Eindruck. Die große Stadt war totenstill, doch waren die Straßen die ganzen drei Meilen bis nach Aoyoma an den Seiten gedrängt voll von Menschen. Von der Zahl der auf dem Paradefeld selbst versammelten Menschen auch nur eine Schätzung zu geben, ist unmöglich.
Am oberen Ende des Paradefeldes war eigens für die Leichen» I feier ein Gebäude hergestellt, an dem tausend Arbeiter einen Monat gearbeitet haben. Am Nordende dieses reservierten Platzes ^befand sich das Sojoden, oder die Leichenhalle, die zur Aufnahme
des Sarges und für die Feier der Begräbniszeremonien bestimmt ist, ein heiligenschreinähnliches Gebäude, auf der Vorderseite offen, hinten und auf den Seiten mit weißen Vorhängen verhängt. Zu beiden Seiten befanden sich die Gebäude für den Kaiser und die kaiserliche Familie, für Priester und Musiker, während weiter vom Sojoden entfernt zwei bedachte Gebäude sich befanden, die von den Würdenträgern und ihren Frauen eingenommen wurden. Auch dem diplomatischen Korps waren die Plätze in diesen -Gebäuden angewiesen. Die ganze Szene war von Hunderten von Bogenlampen glänzend erleuchtet. Zwischen den einzelnen Abteilungen schritten Gruppen von Fackelträgern, im ganzen 800 Mann, i)er.cn Fackeln unheimlich flackerndes Licht auf den Zug warfen. Unmittelbar vor dem Sarge schritten der Oberzeremonienmeister und der Minister des kaiserlichen Hauses, beide in altjapanischen schwarzen Leinengewändern. Den Leichenwagen selbst umgab eine glänzende Gruppe von hohen Offizieren des Heeres und der Marine, sowie die Hofbeamten, unter letzteren der Oberstkämmerer, der auf Kisten die kaiserlichen Sandalen trug. Dann folgte Prinz Kanin als Vertreter des Kaisers, Prinz Fushini als Präsident der kaiserlichen Vestattungskommission, die übrigen Prinzen und die Staatsminister, die koreanischen Peers und die Vertreter beider Häuser des Reichstags. Den Schluß bildete eine militärische Ehrengarde. Alle Beamten und Würdenträger erschienen in alten Nationalkostümen und trugen mit weißem Papier umkleidete Holzstäbe. Der von der Stadtverwaltung hergestellte Trauerschmuck der Straßen, durch die der Leichenzug sich bewegte, erforderte einen Aufwand von 250 000 Pen.
Der Kaiser hat eine Amnestie erlassen, deren Ausführung in den Einzelheiten den Behörden überlastend, und eine Million für wohltätige Zwecke gestiftet.
Das Kaisermanöver.
Am Freitag beabsichtigten beide Parteien den Angriff früh zu erneuern. Frühmorgens begann auch schon der Kampf auf der ganzen Linie mit großer Heftigkeit. Lenkballons und Flieger arbeiteten: sie wurden von Ballonkanonen und Salven beschoßen. Blau legte Gewicht auf den nördlichen Flügel, rot wollte die eingeleitete Umfassung des Südflügels von blau fortsetzen. Die 40. Division wurde vollständig umzingelt, und größtenteils vernichtet. Der Tag hatte für blau nur mit einer schweren Niederlage enden können. — Die Truppen werden heute, soweit sie nicht in ganz nahen Garnisonen liegen, einquartiert. Morgen beginnt die Abbeförderung. Zur Beförderung mit der Bahn kommen hunderttausend Mann. An den Manövern nahmen Über 125 000 Mann teil, nämlich 36 Jnfanterieregimenter, 7% selbständige Bataillone, 22 Maschinengewehrabteilungen, 33 Kavallerieregimenter und 18 Feldartillerieregimenter, dazu Fußartillerie, Ballonkanonen, zwei Luftschiffe, vier Fliegerabteilungen zu je sechs Flugzeugen, Fernsprechabteilungen, Funkentelegraphenabteilungen, Korpstelegraphenabteilungen, Nachrichtenabteilungen, Feldluftschiffabteilungen, Kavallerie- Pionier-Abteilungen und Vrückentrains. Dazu kamen der Wagenpark des Freiwilligen Automobilkorps und die Boote des Motoryachtklubs von Deutschland. — Die Truppen beider Parteien erduldeten sehr große Anstrengungen, traten aber trotzdem sehr frisch in den Kampf. Bemerkenswert ist, daß die Kavallerie mehrfach entscheidend eingriff. So begann das Mißgeschick von Blau gestern mit einer erfolgreichen Attacke der dritten roten Kavallerie-Division. Die Flieger brachten, wie die Armeeführer bestätigten, sehr gute entscheidende Meldungen. Sie waren diesmal besonders ebenso wie die Luftschiffe am Platze, da die Elbe und Mulde den Truppen starke Abschnitte boten, die die Aufklärung durch Kavallerie erschwerten. Wiedrum zeigten die ersten Tage mit ihrem nebligen Wetter, das Luftschiffe und Flieger lahmlegte, daß ein Verzicht auf Aufklärung durch Kavallerie unmöglich ist. Jede der vier Fliegerabteilungen stand unter dem Kommando eines Eeneralstabs- offiziers. Diese flogen bei wichtigen Aufträgen mit. — Der Kaiser übernachtete im Barackenlager, da's er Freitag morgen um 4% Uhr verließ. Das Manöver wurde um 10 Uhr abgebrochen. Hier hielt der Kaiser in der Nähe von Oschatz längere Kritik ab. Das Wetter ist schön, nachdem am frühen Morgen starker Nebel geberrscht hatte. Der Kaiser ist mit Gefolge im Sonderzug nach Wildpark abgereiit. Bet der Abreise waren zugegen der König von Sachsen sowie die anderen fürstlichen Teilnehmer am Kaisermanöver. Auch am Freitag war das Manövergelände von vielen tausend Zuschauern besucht, die dem Kaiser überall herzliche Kundgebungen bereiteten. Dieser traf am nachmittag 4 Uhr mittels Sonderzuges auf der Station Wildpark ein. Zum Empfang hatten sich die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Adalbert ein- gefunden. Nach herzlicher Begrüßung begaben sich die allerhöchsten Herrschaften nach dem Neuen Palais in Potsdam.
Oschatz, 13. Sept. Heute morgen stürzte in der Nähe des Waster- turms ein Fliegeroffizier ab. In der Nähe von Leisnig stnd die Offizierflieger Hauptmann v. Hundstedt und Hauptmann Hofer abgestürzt, die beide in das Earnisc-nlazarett von Oschatz eingeliefert wurden. Während Rundstedt nur leicht verletzt ist, wurde Hofer namentlich am Kopf und im Gesicht schwer verletzt.
Dresden, 13. Sept. Das Kriegsministerium veröffentlicht folgenden Armeebefehl: Wie Meinem hochseligen Vater, S. M. weiland König Georg, am 11. Sept. 1903 ist es auch mir nach Beendigung der diesmaligen Kaisermanöver ein Bedürfnis, der Armee für ihre vorzügliche Haltung und ihre hervorragenden Leistungen Meinen Königlichen Dank auszusprechen. Die hohe Anerkennung, die beide Armeekorps durch S. M. den Kaiser gefunden haben und die Se. Maj. auch mir gegenüber in warmen Worten zum Ausdruck gebracht hat, beweist, daß die Armee ein vollwertiges Glied im deutschen Heere geblieben ist. Sie läßt keinen Zweifel darüber, daß im Ernstfälle die Verteidigung des Vaterlandes die sächsischen Truppen mit an erster Stelle finden wird. Das Kriegsministerium hat diesen Befehl Meiner Armee bekanntzugeben. Wermsdorf, 13. Sept. 1912. Friedrich August.
Politische Umschau.
Die französische Flottenkonzentration im Mittelmeer hat besondere Beachtung gefunden, seitdem die Einwohner von Brest, denen naturgemäß die Entfernung des Geschwaders aus ihren Gewäsiem großen Schaden bringen muß, in erregten Eingaben an die Regierung gegen die angckündigten Maßnahmen protestiert haben. Die ganz« Aktion zeigt in Verbindung mit früheren Vorkehrungen, daß es sich um einen wohlerwogenen Plan Frankreichs und Englands handelt, einen Plan, der klar beweist, daß die Entente zwischen den beiden Mächten einem Schutz- und Trutzbündnisse gleichkommt. Man erinnert sich, daß England vor einiger Zeit beschloffen hat, den Schwerpunkt seiner maritimen Streitkräfte nach der Nordsee zu verlegen. Dadurch aber würde seine Position im Mittelmeer geschwächt.
Die Aufgabe Frankreichs ist nun dort die englischen Streitkräfte zu ersetzen, wodurch eben England seine Flotte frei bekommt für die Nordsee und damit gegen uns. Die starke Konzentration bet französischen Flotte im Miielmeer zeigt aber auch, daß sich die Aktion gegen Italien richtet. Zwar wird behauptet, daß die maritime Erstarkung Oesterreichs sie hervorgerufen habe, doch ist diesen Versicherungen wenig Glauben bei« zumessen, da die Lage Oesterreichs ein solches Beginnen allein nicht rechtfertigte. Jedenfalls beweist es aber wieder einmal, daß außerordentliche Kräfte am Werke sind, die gegen den Dreibund und das will nur heißen gegen Deutschland, arbeiten. Das muß immer wieder hervorgehoben werden gegenüber den radikalen und demokratischen Blättern und Blättchen, die sich nicht genug tun können mit ihrem Gefasel von der Kriegslust der „Prozent- und Panzerplattenpatrioten". Die Tatsache an sich zeigt aber, daß cs Unverstand ist, die Entente als ungefährlich zu ignorieren für uns gilt es auf alle Fälle, die Augen offen zu halten und rastlos ar der Ausgestaltung unserer Wehrkraft weiter zu arbeiten. —
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Deutsches Reich-
— Antrag auf Anwendung des Enteignungsgesetzes. Kiel, 12. Sept. Den „Kieler N. N." zufolge ging dem preußischen Staatsministerium aus der Ostmark ein Antrag auf Anwendung des Enteignungsgesetzes in vier einzeln bezeichneten Fällen zu.
— Aufsicht über höhere Privatschulen. Berlin, 13. Sept. Der preußische Kultusminister hat eine Verfügung erlassen, wonach künftig die schultechnische Aufsicht über die Direktions- und Mittelschulen ausschließlich dem Kreisschulinspektor verbleiben soll,
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Ausland-
* * Der Eucharistische Kongreß. Wien, 13. Sept. In der Ner- sammlung des Eucharistischen Kongresies kam es heute zu eine, begeisterten Huldigung für den Kaiser. Pater Andlau schildert! die Verdienste des Hauses Habsburg, insbesondere des Kaisers, um die Verherrlichung des heiligen Sakramentes und dankte dafür dem Haufe Habsburg. Die Versammlung erhob sich und jubelt« den Mitgliedern des Kaiserhauses zu, die sich dankend verneigten.
* * Mexiko. Newyork, 13. Sept. Eine Depesche aus Marfa in Texas meldet: Die Stadt Ojinaga hat sich den Aufständischen ergeben. Orozco setzte sich darin fest.
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Marburg und Umgegend-
Nachdruck aller Drginalartltel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nut mit bet deutlichen Quellenangabe „Oberhen sttg " gestattet)
Marburg, 14. Sept.
* Eine Gedenkfeier bei der Brückermühle. Wie schon eingangs dieser Woche mitgeteilt, soll am 2L Sept. b. I., an dem Tage, an dem vor 150 Jahren die letzte Schlacht des siebenjährigen Krieges bei der Brückermühle unterhalb Amöneburg geschlagen wurde, dort eine Gedenkfeier abgehalten werden. Die Feier beginnt um 4 Uhr nachmittags. Wir verweisen auf die im Inseratenteil enthaltene Einladung des Kreiskriegerverbandes Kirchhain.
* Erlös aus der städtischen Obsternte. Beim Verkauf des Obstes an den städtischen Straßen usw. wurden in diesem Jahre 2100 Jl gelöst. Im vorigen Jahre betrug der Erlös nut 885 J{.
* Die Haftpflicht bet Postbeamten. Das Reichsgericht beschäftigte sich mit der Frage, ob ein Postbeamter in den Fällen für sein Verschulden ba^c^ wo die lelbrr die c.'" '«t.
Die Reichspost haftet für Verzögerungen in der Beförderung nicht. Das Reichsgericht hat aber mit der Bestätigung eines Urteils der Oberlandesgerichts Celle erklärt, daß der Postbeamte haftpflichtig ist, der die Verzögerung verschuldet hat. Der Fall lag folgendermaßen: Dem Kläger drohte eine Zwangsversteigerung. Er schrick an seine Schwester, die ihm auf telegraphischem Wege 800 <-#( schickte. Die Sendung ging über Hannover und erlitt durch das Verschulden des Beklagten, der dort als Telegraphenafsistent tätig war, eine Verzögerung. Wegen dieser Verzögerung konnte die Zwangsversteigerung nicht mehr verhindert werden; dem Kläger ist dadurch ein beträchtlicher Nachteil entstanden, für den er jetzt vom Beklagten Ersatz verlangt. Das Landesgcricht Hannover und das Oberlandesgericht Celle haben den Anspruch des Klägers dem Grunde nach als berechtigt anerkannt. Zur Begründung führt« das Oberlandesgericht aus: Wenn der Beklagte einwendet, daß eigentlich keine gesetzliche Grundlage für den Schadensersatzanspruch vorhanden sei, weil die Post vertraglich nicht hafte, so ist diese Ausführung als verfehlt zu bezeichnen. Die Frage, welche Schadensersatzansprüche durch Vertrag begründet, und die Frage, welche Schadensersatzansprüche unerlaubter Handlung eines Beamten gerechtfertigt sind, haben grundsätzlich nichts miteinander zu tun. — In der Revision machte der Beklagte geltend, daß seine Haftung nicht größer sein könne, als die des Staates. Das Reichsgericht bestätigte jedoch das Urteil des Oberlandesgerichts Celle und wie» die Revision bes Beklagten zurück.