Mch'Wc Zeilmg
mit Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
f M 216
Die „Obcrhcfiische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <M. frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch | (Inh.: Dr. C. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonnabend, 14. September
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeil- oder deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, ffli Reklamen die Zeile 60 A. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Varrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosttn — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Wochensl-au.
■ In der vergangenen Woche weilte der Kaiser in der Schweiz, wo er begeisterte Aufnahme fand. Des Kaisers Triumphe bereiteten den Todfeinden der Monarchie natürlich einen großen Schmerz. Welcher Dünkel zugleich aber auch die Sozialdemokratie bereits beseelt, zeigten die unverschämten Worte, mit denen der „Vorwärts" sein Schweigen zum Jubel der Schweizer rechtfertigte: „Wir brauchten über die Reise nichts zu berichten, weil sich Wilhelm H. in der Tat völlig einwandfrei benommen hat." Die Sozialdemokratie fühlt sich also. 4% Millionen Stimmen hat sie erhalten, 110 Sitze im Reichstag hat sie inne. Die Streiterzahl der unter der weißen Flagge für das rote Banner aufgebotenen freien Gewerkschaften beträgt 2 320 986, ihre jährlichen Einnahmen stiegen auf 72 086 957 M, ihr Vermögen auf 62105 821 X Auch die sozialistischen Konsumvereine sind ein bedeutender Machtfaktor. Wie groß aber wird die Macht dieser internationalen Eenosienschaft erst werden, wenn es ihr gelingt, durch das feste Band einer Volksverstcher- ung die Masten an sich zu fesseln. Gegen diese schwere Gefahr muß die Regierung eine großzügige, zielbcwußte, energische Politik treiben und die staatserhaltendem Parteien um sich sammeln zu vereintem Handeln.
Wenn auch ein besonderes politisches Ziel bei der Reise des Kaisers nach der Schweiz nicht verfolgt wurde, so kann man in der großartigen Aufnahme des hohen Gastes durch die eidgenöstischen Behörden, sowie in dem liebenswürdigen Entgegenkommen der Schweizer Bevölkerung einerseits, und in der herzlichen Freundlichkeit, mit der unser Kaiser feinen Gastgebern begegnete, sowie in besten lebhaft bekundetem Intereste an dem Schweizer Milizwesen andererseits, doch wohl die Anknüpfung von Fäden wahrnehmen, die sich vielleicht, wenn auch nur auf wirtschaftlichem Gebiete, weiterspinnen lasten. — Mit der Rückkehr des Kaisers aus der Schweiz fiel die Reise des Reichskanzlers nach Bvchlau zusammen, wo ein Meinungsaustausch mit den. ;itei der auswärtigen Politik der verbündeten Doppclmonarchie die völlige llebcreinstimmung der Berliner und Wiener Regierung in der vom Grafen Verchtold ins Seen gerufenen Aktion in bezug auf die Valkanfragcn ergeben hat. Daß dl^B«chtoldschen Vorschläge eine Notwendigkeit für die Entwirrung des Chaos im südöstlichen Europa bedeutet, zeigen die Zustände in Albanien und Mazedonien, sowie die daruas entstandene kriegslustige Haltung der drei slawischen Königreiche aus der Balkan-Halbinsel. Und während die Kriegsmüdigkeit bei Italien und bei der Pforte mit Gewalt zum Frieden drängt, steigt die Gefahr neuer Verwicklungen für die Türkei mit jedem Tage. Bisher ist es nur den wiederholten Schritten der Mächte in Sofia, Belgrad und Cetinje zu danken, daß es nicht zu offenen Feindseligkeiten gekommen ist.
In Marokko haben die Franzosen in der Einnahme von Marrakesch und der Vertreibung des Prätendenten El Hiba einen bemerkenswerten Erfolg zu verzeichnen, der in Spanien gemischte Gefühle erweckt, die in der neuen Verzögerung der französisch-spanischen Marokkoverhandlungen bereits zum Ausdruck kommen. In diese Verhandlungen hat die deutsche ; Regierung dadurch eingegriffen, daß sie, gestützt aus das deutsch-fran- , höfische Marokko-Abkommen vom 4. November 1911, gegen jedwede i Zollformalitäten für deutsche Waren an der französisch-spanischen Grenze in Marokko erfolgreich protestierte.
In China beherrscht nach wie vor die große Geldnot der Regierung die Situation. Es wird nach verschiedenen Seiten wegen Anleihen verhandelt. u m der als Bedingung für die große Staatsanleihe von dem Fünf-Möchte-Konzern geforderten Finanzkontrolle zu entgehen.
Das Kaisernmnöver.
Oschatz, 12. Sept. Die blaue fünfte Armee beabsichtigte, heute den roten nördlichen Flügel umfastend anzugreifen und zu diesem Zweck, heute morgen um 5 Uhr die Linie Schloß Hubertus-
Illi II" IIII
65 (Nachdruck verboten.)
Das Tor des Lebens.
Yr " Roman von AnnyWothe.
<’7'" (Copyright 1910 by Boll & Pickardt, Berlin.)
V (Schluß.)
Geläutert und gebestert trat er zum letzten Gang durch das dunkle Tor, das ihm nun im hellen Eoldglanz winkte.
Und als sie den Toten so still daliegen sah, den Ausdruck des Friedens in dem bleichen Gesicht, da ging sie — sie konnte nicht anders — still in das Nebenzimmer. Da hing noch die alte Fridunenmütze ihres Vaters an der Wand und das verblaßte blauweißgoldene Band, und sie nahm beides und legte sie mit einem stummen Gebet auf das Lager des Toten, dorthin wo noch die Blumen der Kinder lagen, die sie dem Vater gebracht.
Band und Mütze, deren er wieder würdig geworden durch seine Reue, die sollte er mitnehmen auf die letzte Reise.
Aus dem Garten wehte der Duft der Rosen in das stille Gemach, und ein kleiner Vogel schmetterte sein Liebeslied.
' Da kamen Heinrike die ersten lindernden Tränen.
*
Unb wieder hatte sich der Lenz erneut, und auch der Herbst war gekommen.
Purpurn glühte der Wein in den Eeländen, und der Rhein schimmerte im goldenen Licht.
Da schritt eine hochgewachsene Frau im dunklen Trauerkleid vom Dom zu Köln durch die weiten Straßen dem großen Totenfeld zu, das sich da draußen so weit, so unabsehbar dehnte.
Sie hielt einen Strauß blaster Astern in der Hand. In ihren braunen Augen lag es wie Feierglanz.
Von Bonn, wo Heinrike bei Onkel Heinrich mit den Kindern bis turn Kloster der heiligen Anna gefahren, den frommen Klosterfrauen tzuten Tag zu sagen und der Oberin von Jrmele und von Jrmeles Mutter, der Klostermagd, zu berichten. Rat und Trost wollte sie sich von der stillen Klosterfrau holen, die ein Menschenleben hindurch das Getriebe der Welt mit anderen Augen sah als die welche im Kampf da draußen den besten Platz für sich erobern wollten. Getröstet und ge- | stärkt hatte st« den Abschied genommen vs» den stillen Frauen.
bürg, Deutsch-Luppa-Dahlen zu überschreiten. Rot wollte den Vormarsch fortsetzen und mit seinem starken linken Flügel seinerseits die gegenüberstehenden blauen Kräfte umfassend angreifen. Die Fronten der Gegner, die einander westöstlich gegenüberstanden, dürften sich also nordsüdlich verschieben. Blau brachte nach ungeheuren Märschen seine Truppen an den Feind. Es scheint, daß ihm die Umfassung von Nordwesten und Norden her geglückt ist. Bei Liebschütz, nördlich von Oschatz, entwickelte sich zeitig ein Gefecht aller Waffengattungen. Das blaue vierte Korps drängte hier das rote Kavalleriekorps und die rote Infanterie von der sechsten Division des dritten Armeekorps nach Süden zurück. Auf dem Liebschützer Berge waren auch der Kaiser und der König von Sachsen längere Zeit anwesend. Die Luftschiffe und die Flieger sind an der Arbeit. Das Gelände ist sehr abwechselungsreich. Das Wetter ist schön. Das Publikum ist in gewaltigen Mengen hinausgeströmt. Der Kaiser besuchte heute mittag den König von Sachsen auf dessen Jagdschloß Nermsdorf bei Hubertusburg.
Mügeln, 12. Sept. Der Kaiser weilte auch am Nachmittag im Manövergelände. Die südlichen Flügel der roten zweiten und fünften blauen Armee, die beiden sächsischen Korps, das zwölfte auf roter und das 12 auf blauer Seite waren heute nachmittag auch aneinander geraten und kämpften im Süden des Hubertnsburger Forstes. Dort kam cs um 4 Uhr zum Sturmangriff.
—,—----- j 'j ',
Politische Umschau.
München — Sitz portugiesischer Royalisten?
München, 12. Sept. Unter der Spitzmarke „das bayrisch- portugiesische Komplott" bringt die sozialdemokratische „Münchener Post" eine aufsehenerregende Mitteilung: Es sei nicht richtig, daß der Exkönig Dom Manuel von Portugal nach München gekommen sei, um sich mit einer Tochter Dom Miguels von Vraganza zu verloben. Vielmehr halte er sich in München im Hause der verwitweten Herzogin Cakl Theodor, Maria Herzogin von Vraganza, Infantin von Portugal, auf, wo er mit seinem Agenten, dem Grafen Almeida, konspiriere und mit dem Gelds der Herzogin Maria die finanzielle Ausrüstung der Royalisten, welche in Portugal die gegenwärtige Regierung stürzen sollen, unterstütze. Solange Herzog Carl Theodor lebte, floffen die Geldmittel aus dem herzoglichen Hause nur spärlich. Seit dem Tode des Herzogs ist es anders geworden. Die von ihrer „historischen Mission" erfüllte Herzogin hat bereits einen ganz erheblichen Teil des bedeutenden Vermögens, das ihr ihr sparsamer Gemahl hinterließ, den portugiesischen Umsturzzwecken geopfert, und da nun auf dem Wege einer Verlobung Dom Manuels mit der Tochter Dom Miguels der Frie- denspakt zwischen den feindlichen Vraganza geschloffen werden soll, scheint es, daß der Münchener Verschwörungszirkel auch den Rest der 10 Millionen noch daran setzen will, um das hohe Ziel zu erreichen. Die „Münchener Post" läßt durchblicken, daß der Ministerpräsident Frhr. v. Hertling offenbar eingeweiht in die Aktionen ist, die im Palais der Herzogin Carl Theodor vorgehen. Die Veröffentlichung, für die man dem Münchener Blatt der Verantwortung überlassen muß, macht großes Aufsehen und man wird guttun, ihr mit dem größten Mißtrauen zu begegnen.
Der „bajuvarische" Müller.
Der „Bote aus dem Riesengebirge" kann in diesem Jahre auf sein hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaffe nun erhielt er von dem Abgeordneten Müller-Meiningen ein Schreiben, das wörtlich lautet: „Lieber Bote! Hundert Jahre bist
Wehmütig hatte sie hinüber nach der weißen Villa geblickt, der Zeugin ihres ehemaligen Glanzes und tiefster Erniedrigung. Auch den* Turm von Rolf Vandeners Sanatorium hatte sie durch das falbe Herbstlaub schimmern seben. und ihr Herz hatte so wild und leidenschaftlich dabei geklopft. Aber, sie war doch vorübergefahren.
Wie gut hatte Re das Leben doch noch geführt. Nach Aufhebung des Konkurses Über den Nachlaß ihres Mannes war ihr, da die Verbältniffe sich doch nicht ganz so schlimm dargestellt hatten, als es erst den Anschein hatte, noch eine bescheidene Summe zugefallen, die es ihr ermöglichte, wenn' auch unter allerlei Einschränkungen, leidlich mit den Kindern zu leben. Sie hatte eine Anzahl Schülerinnen, die sie in Sprachen und Musik unterrichtete, und Tante Babett sorgte nach wie vor treu und gewiffenhaft für ihre Küche.
Die Kinder sollten dermaleinst ihre Erben sein.
So war auch für diese gesorgt.
Aber oft da wandten sich von dem stillen Grabe Sibos plötzlich ihre sehnenden Gedanken einem zu, den sie seit Sibos Bestattung nie wieder gesehen, von dem sie nicht wußte, ob er ihrer noch dachte.
' Heute, am Allerseelentag, wo alles den Toten Liebesspenden brachte, da dachte sie auch den Toten ihres Herzens.
Mirjam, die inzwischen Bendheims glückliche Gattin geworden, hatte so viel von Rolf geplaudert und erzählt, daß er so einsam, und Ditta, die eifrig an ihrer Aussteuer nähte, denn diesen Herbst noch sollte ihre Hochzeit sein, hatte ernsthaft gesagt:
„Rolf Bandener muß heiraten, sonst geht er zugrunde, ich suche ihm noch eine Frau!"
Immer mußte Heinrike daran denken.
Und sie schritt durch die endlosen Reihen der Gräber immer weiter und weiter, hin zu dem Grab, das man ihr als das von Jrmeles Mutter . bezeichnet hatte.
Und wohin fie blickte, schimmerte es von funkelnden Kerzen.
Wie Silbersterne flammte es zwischen hellen Blumen und Kränzen über die Gräber.
Und dann stand fie an dem schmalen Hügel der Frau, an der Sibo so viel gesündigt, und fie sah auch auf diesem Grabe Kerzen stammen. Und plötzlich wußte fie, wer fie der armen Toten entzündet.
„Rolf Bandener!" sagte sie leise, die Astern auf den sttllen Hügel legend, „Rolf Bandener!-
du kraftstrotzend im urstarken Gebirge gewandert — jährlich bist Du — ursprünglich ein jämmerlich klein Bübchen! — kräftiger und tüchtiger geworden! Im Kampf mit der Dummheit dem kraftstrotzenden Rückschritt, den zwei blöden Niesen, bist Du gediehen zur Freude aller Aufwärtssteigenden. Halt aus! Bleib tapfer im Zug auch im zweiten Jahrhundert, alter Führer! Tapfer im Hiebs Schreit aus mit Riesenschritten, immer nach oben! Den blöden Nückwärtsern, den Kannegießern der Angst, dem heuchlerischen schwarzen Otterngezücht hau mit dem Wanderstab kräftig auft Maul! Frohe Wanderschaft: dem deutschen Liberalismus werd' Bote froher Kunde!" — Der „Bote aus dem Riesengebirge" fühlt selbst die Unziemlichkeit solcher Ausdrücke und sucht sie in mildere« Licht zu setzen, indem er sie „kräftig bajuvarisch" nennt. Es genügt wohl, dies Sammelsurium von Kraftausdrücken niedriger z« hängen.
-----♦-----
Deutsches Reich.
— Vom deutschen Pfarrertag. Stuttgart, 12. Sept. Der deutsche Pfrarertag nahm heute auf Antrag des Württembergischen Pfarrer-Vereins eine Resolution betreffend des Jesuitengesetzes an, die von Pfarrer Traub begründet wurde. Die Resolution hat folgenden Wortlaut: Der deutsche Pfarrertag erklärt sich gegen die Aufhebung des Jesuitengesetzes sowie gegen Umdeutung seines Sinnes, wodurch dem Jesuitenorden im Deutschen Reich freie Bahn geschaffen würde. Er bittet Bundesrat und Reichstag, nicht dis Hand zu bieten, daß der Jesuitenorden seine für den Frieden der Konfessionen, die Schule und den Staat gleich gefährliche Wirksamkeit in Deutschland wieder aufnehmen kann. Er ist bereit, zum Abwehrkampf die wertvolle Arbeit des Evangelischen Bundes wtb des Gustav Adolf-Vereins eifrig zu fördern.
— Der Landtag in Schwarzburg-Rudolstadt war bekanntlich aufgelöst worden, weil die sozialdemokratische Mehrheit die txnt der Regierung eingebrachte Vorlage betr. Teuerungszulage der Beamten abgelehnt hatte. Der neue Landtag nun zeigt dieselbe Zusammensetzung wie der aufgelöste, so daß an eine Annahme der Regierungsvorlage nicht zu denken ist. Das Staatsministerimi hatte sich darauf an Profeffor Laband um ein Gutachten dariibefi gewandt, was zu tun sei, wenn mehrfach eine nicht auf dem Bode« der Verfaffung stehende Mehrheit gewählt wird, und wenn es bei Regierung nicht möglich sein sollte, in ordnungsmäßiger Weise bi« Beziehungen zwischen Regierung und Landtag zu pflegen? Dies« Frage scheint man jetzt aber umgehen zu wollen, denn die bürgerlichen Abgeordneten beschloffen ebenfalls, die von der Negierung dekretierten Teuerungszulagen abzulehncn und eine anderweitige Regelung der Beamtengehälter zu fordern. —■
— Eine eigentümliche Sedanrebe. Ein Oberlehrer am Gymnasium in Neumünster ist plötzlich von seinem Amte suspendiert worden. Er hatte bei der Sedanfeier vor seinen Kollegen und Schülern die Gedenkrede gehalten und dabei ausgeführt, die Unzufriedenheit der Elsaß-Lothringer sei erklärlich, da sie es unter französischer Herrschaft weit bester gehabt hätten und da sie 1871 nur durch Gewalt von Frankreich getrennt worden seien. Weiter machte der Herr einige taktlose Bemerkungen über das Kruppsche Jubiläum und schloß seine Rede, wie er sich ausdrückte, mit dem „üblichen" Kaiserhoch.
— Niedergang der Kleinbetrieb«. Darmadt, 11. Sept. Ueber den Rückgang der Kleinbetriebe äußert sich die Handelskammer für die Kreise Friedberg, Büdingen und Schotten in ihrem Jahres-
Und da stand er plötzlich vor ihr und streckte ihr über das Grab her- über beide Hände entgegen.
„Ich wußte, daß du heute hierher kommen würdest, Heinttke!" sprach er ernst, ihr tief in die goldbraunen Augen blickend. „Ich wußte, daß du mich nicht länger mehr allein lasten, daß du kommen würdest, mein« gestorbene Seele wieder zum Leben zu erwecken und auch mir ein Licht anzuzünden, wie es Brauch ist am Allerseelentag. Sieh, wie es sttahlt und glüht. Tausende von Kerzen verbreiten ihren heiligen Schein. Laß uns bei diesen Totenopfern geloben, uns das Leben leicht und licht z« machen und doch unseren Toten zu sein!"
Und sie konnte nicht anders, sie legte ihr tränenüberströmtes Gesicht in seine liebetreuen Hände, und er beugte sich hernieder und küßte ihre, bebenden Mund.
Dann schritt, fie still durch das weite, unermeßlich weite Totenfeld wo die Kerzen im Herbstwinde flackerten, und kamen hinab bis zum Rhein. Der lag im letzten Abendschein.
Und Rolf Bandener sah fragend in Heinrikes Gesicht. Da nickt« sie ihm zu, und er wußte, daß er sie geleiten durfte, nicht nur nach Bonn zu den Verwandten, zu den Kindern, die er liebte, sondern durch da« ganze fernere glückselige Leben.
Ein . Jauchzen, so überselig und voll, war in seiner Brust, und doch ein so großes, heiliges Schweigen.
Von Rolfs Arm umschlungen, stand Heinttke auf dem Deck de, Schiffes, das Haupt an Rolfs Schulter gelehnt, und blickte den Sttom entlang.
Der Tag ging zur Rüste. Von allen Türmen klangen die Glocken. Sie fangen und bebten über die rauschenden Master, und überall am Ufer, an jedem Dorf, an jeder Stadt, da flimmerten die Kerzen.
Allerseelen, das Fest der Toten, das wurde ihnen zu einem neuen Leben.
Und aus den dunklen Wolken, die über dem Rhein austtiegen, da hob sich leuchtend eine goldene Brücke in die funkelnde Nacht hinein. Und fie wölbte sich zu einem leuchtenden Tor, in das sie strahlend blickten.
Ein neuer, großer Wundergarten hatte sich vor ihnen aufgetan, und sie wußten, daß man den Garten pflegen und heilig halten mußte. Noch einmal erschloß sich ihnen mit seiner ganzen reichen Segcnssülle da»
| Tor des Leben».