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mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

Mftes Blatt.

M 214

iitLvertzeffstche Zerrung" erfetjenu tagiulj um «usuayme der «onn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.26 Jt söhne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition lMarkt 21) 2.00 M frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Vuchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hiheroih), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 12. September

4-ir Anzeige-, preis betragt für die /geipaucne *eue ober deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 .Z, für Reklamen die Zeile 60 -j. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Varrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver­bindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieserung ausge­schlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portökosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg.

1912.

Das Kaisermanöver.

M ü g e l n, 10. Sept. Vom Manövergelände wird mitgeteilt: Vlaue Reservetruppen standen am 6. September in den Pässen des Erzgebirges, an der Elbe van Dresden bis Wittenberg, in der Linie Wittenberg-Brandenburg-Rathenow. Am 7. September hatte sich die böhmische Gruppe des roten Heeres bis auf etwa zwei Tage­märsche dem Erzgebirge genähert. Die nördliche Gruppe hatte die untere Reisie und Oder erreicht. Der Aufmarsch der blauen Armee wurde soweit nach vorn gelegt, als es die Lage erlaubte, also an die Saale und in die Nähe von Magdeburg. Die angenommene rote Heeresleitung wird versuchen, ihre beiden getrennten Heeres­gruppen zum gemeinsamen Handeln gegen die blauen zu bringen. Die beiden wirklich vorhandenen Manöverparteien blau und rot find in diesem Jahre als die mittleren Armeen der blauen und roten Heere gedacht, daher hängen ihre Entscheidungen und Be­wegungen sowohl von den Absichten der beiderseitigen, angenom­menen obersten Heeresleitungen und ihrer Nachbararmeen, wie von den Meldungen, die ihnen durch die Kavallerie und durch Luftaufklärung zugehen, ab. Die Heereskavallerien sind durch Funkspruch mit Armee-Oberkommandos verbunden. Das Wetter ist trocken und windig.

O s ch a tz , 10. Sept. Am Blauen Berge bei Lonnewitz, unweit von Oschatz, kam es mittags zu einem großen Treffen zwischen starken Kavalleriemasicn beider Parteien. Die rote Kavallerie schlug die blaue in einer prächtigen Attacke zurück. Auch die rei­tende Feldartillerie und die Maschinengewehre traten in Tätigkeit. Auf der roten Seite wurden auch sächsische Schützen bemerkt. Der Kaiser, in sächsischer Ulanenuniform, hielt längere Zeit auf dem Blauen Berge und beobachtete den Verlauf des Treffens. Auch der König von Sachsen und der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin waren zeitweilig anwesend, ebenso Prinz Waldemar, Ehef des freiwilligen Automobilkorps, in dessen Uniform. In der Suite des Kaisers befanden sich u. a. Fürst zu Fürstenberg, der Ehef des Eeneralstabes, der alte Graf Zeppelin kn Ulanenuniform, die Schweizer Offiziere Sprecher von Vernegy und Oberst Wille.

SozraldemokratWer Parteitag.

8. & H. Coemnitz , 10. Sept.

In der großen sächsischen Industriestadt Ehemnitz, einer Hoch­burg der Sozialdemokratie im roten Königreich, tritt am kommen­den Sonntag der diesjährige sozialdemokratische Parteitag zu­sammen. Die Tagung in Chemnitz erweckt die Erinnerung an einen anderen Parteitag auf sächsischem Boden, an den von 1903 im Trianon-Saale zu Dresden, der sich zu dem bekanntenJung­brunnen" der Partei ausgestaltete. Auch der diesjährige Partei­tag wird des besonderen Jnteresies aller Parteirichtungen sicher fein, obwohl die Beratungsgegenstände überwiegend derartig sind, daß sie sich auf interne Angelegenheiten der Sozialdemokratie selbst beziehen. Zu dem Zwiespalt zwischen Radikalen und Revisionisten sind in der letzten Zeit noch verschiedene andere Momente getreten, welche die Parteileitung bezw. die Provinz-Organisationen mit Sorge erfüllen. Der erwähnte Zwiespalt zwischen Radikalen und Revisionisten wird voraussichtlich verschieden» Opfer fordern, in erster Linie wohl den Vertreter von Magdeburg, den Rechtsanwalt Dr. Landsbera, der beim Kaiserhoch des Präsidenten nicht wie sonst üblich den Saal verließ, sondern sich mit den bürgerlichen Abgeord­neten von seinem Platze erhob. Es liegen bereits Anträge vor, die den Ausschluß des Dr. Landsberg aus der Partei verle-^en. An erster Stelle wird, wie üblich, der Geschäftsbericht und der Kaffen­bericht des Parteivorstandes erstattet werden. Zu scharfen Aus­einandersetzungen wird es voraussichtlich bei dem Referat über die Reichstagswahlen kommen, das der ehemalige Vizepräsident des Reichstages, Scheidemann, erstatten wird. Obgleich das Stichwahl­abkommen mit der Freisinnigen Volkspartci der Sozialdemokratie eine ganze Reihe sonst zum mindesten unsicherer Wahlkreise ver­schafft hat, haben die Verhandlungen mit einer bürgerlichen Partei, wie vorauszusehen war, den Zorn der extremen Radikalen erregt. Eine ganze Reihe von Anträgen, überwiegend aus Norddeutsch­land ,fordert daher, daß in Zukunft eine strenge Scheidung zwischen der Partei und dem bürgerlichen Lager auch bei den Wahlen ein­trete. Es sind nur verschwindend wenige Resolutionen, die sich mit dem taktischen Vorgehen des Parteivorstandes einvcrstand-'n er­klären. Sehr intereffant dürften sich die Debatten ül:r die zu­künftige innere Struktur der Partei gestalten. Der Gegensatz zwischen Radikalen und Revisionisten hat, wie erinnerlich, sogar schon dazu geführt, daß die beiderseitigen Anhänger gewiffermaßen eigene Parteitage abgehalten haben, was man allerdings unter dem Decknamen eines Erholungsausfluaes zu verbergen suchte. Ledebour und seine Getreuen versammelten sich in Eisenach, wäh­rend der Führer der Revisionisten, Rechtsanwalt Frank (Mann­heim), seine Freunde nach Konstanz eingeladen hatte. Dieser Sonderbündelei soll der Parteitag den Garaus machen. Im übri­gen scheint man in der Provinz dem Parteivorstande nicht über den Weg zu trauen. Verschiedene seiner Maßnahmen sind als zu lax bezeichnet worden, man will ihm daher einen Parteiausschuß an die Seite zu setzen, der ihn gegebenenfalls kontrolliert und etwas mehr Leben in die Partei bringen soll. Wie aus dem Kaffenbericht hervorgeht, befinden sich die Ausgaben in jäh auf- steigender Linie. Allein die Kosten für die Reichstagswahl haben sich gegen die vor 5 Jahren fast verdoppelt. Auch die sonstigen Pro­

pagandakosten sind in erheblichem Maße gewachsen. Jnfolgedeffen wird von verschiedenen Provinzorganisationen beantragt, die Bei­träge zur Partei entsprechend zu erhöhen. Dieser Gedanke hat nur teilweisen Anklang gefunden. Namentlich in den weniger in­dustriell entwickelten Gebieten befürchtet man von der Beitrags­erhöhung eine Absplitterung der organisierten Mitglieder, weshalb man zum mindesten eine Uebergangszeit verlangt. Der jetzige Parteivorsitzende, Rechtsanwalt Haase (Königsberg), wird das ThemaDer Imperialismus" behandeln. Weiter stehen noch die Maifeier und der Internationale Kongreß in Wien auf der Tages­ordnung des Parteitages.

---------*--------- " 7: C'-':7.' ':' Deutsches Reich,

Deutscher Pfarrertag. Stuttgart, 10. Sept. Nachdem am 9. schon der engere Vorstand über die Aufhebung der Kommunal­steuerfreiheit, die Ortsschulinspektion und den weiteren Ausbau der Rechtsauskunst in geheimer Sitzung beraten hatte, begann heute um 9 Uhr die Abgeordnetenversammlung der Vereinigung preu­ßischer Pfarrervereine int Neuen Vereinshause. Sie wurde von dem Vorsitzenden Pfarrer Pasche (Dieskau) eröffnet. Es waren durch 43 Abgeordnete mit 82 Stimmen 14 Vereine vertreten. In geschloffener Sitzung wurde über die Aufhebung des Privilegs der Kommunalsteuerfreiheit der Kirche und ihre Folgen für die evan­gelischen Geistlichen verhandelt. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde Pfarrer Pasche (Dieskau) als Vorsitzender wiedergewählt. Ueber die Organisation der kirchlichen Arbeit berichtete Pfarrer Schollmeyer (Großwanzer). Den Jahresbericht erstattete der Vor­sitzende Pfarrer Pasche. In demselben wurde u. a. berichtet über Einrichtung kirchlicher Bauämter, Zusammenlegung kleiner Pfarr­stellen und über die neue Vaulast- und Feuerversicherung A. E. Ecclesia". Von 2 Uhr mittags an verhandeln die Vertrauens­männer des Württembergifchen Pfarrervereins.

Die schwedischen Journalisten. Bremen, 10. Sept. Von Essen kommend, sind heute mittag um 123^ Uhr die schwedischen Journalisten hier eingetroffen. Sie wurden auf dem Bahnhof von Vertretern der hiesigen Preffe und des Norddeutschen Lloyds emp­fangen. Die Herren begaben sich zunächst nach dem Effig-Haus, wohin die Verleger derWeser-Zeitung" und derBremer Nach­richten" Schünemann die schwedischen Gäste und ihre Begleiter zu einem Frühstück einlud. Gegen 3 Uhr wurde die Tafel ausaehoben und dann eine Rundfahrt durch die Altstadt angetreten. Um 5.48 Uhr begaben sich die Herren nach Bremerhaven, um einer Ein­ladung des Norddeutschen Lloyd zu einem Festmahl auf dem DampferBerlin" zur Besichtigung der Hafenanlagen Folge zu leisten.

Aufhebung der FuttermittelMe. Berlin, 9. Sept. Die Allg. Fleischerztg." will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die Regierung beabsichtige, den Zoll auf einzelne F-vermittel zu beseitigen oder zu ermäßigen. Es ist jedoch von einer solckien Absicht nichts bekannt,' ihre Ausführung würde auch ohne Mit­wirkung des Reichstags unmöglich fein.

Zum Fall Traub. Dortmund, 10. Sept. Das Presbyterium der hiesigen Reinoldigemeinde wurde vom Konsistorium aufgefor­dert, die durch das Ausscheiden des Pfarrers Traub freigewordene Stelle auszuschreiben. Das Presbyterium wird aber nicht eher in der Sache etwas tun, bis der letzte Schritt, Traub der Gemeinde zu erhalten, geschehen und die Antwort auf eine an den König zu richtende Eingabe erfolgt ist. Die Mitglieder der St. Reinoldi­gemeinde, zugleich Mitglieder der Ortsgruppe des Vereins der Freunde evangelischer Freiheit, veröffentlicht einen Aufruf zur Sammlung eines Traub-Fonds.

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Ausland.

* * Die amerikanischen Wahlen. Portland (Maine), 10. Sept. Die Republikaner gewannen den Staat Maine mit 3000 Stimmen Mehrheit zurück. Ferner gewannen sie zwei Mandate für den Kongreß.

* * Mexiko. Newyork, 10. Sept. Aus Marfa (Texas) wird gemeldet: Die Aufständischen griffen Ojanaga in Mexiko von zwei Seiten an. Gestern wurde ein Amerikaner bei Meüdio von einer Kugel getroffen. Amerikanische Offiziere sind dorthin abgcreist.

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Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß £ 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen QuellenangabeOderhess Zta " gestaltet 1

Marburg, 11. Sept.

* Som Spätsommer. Regen nichts als Regen, dazu Kälte und in Gebirgsgegenden sogar Schneefälle sind jetzt an der Tagesordnung. Die Lahn, Ohm, die Eder und andere Heimatflüffe treten aus den Ufern und überschwemmen die zum Teil noch nicht abgeernteten Fluren. Die Eder z. B. hat infolge der im oberen Edertal ununterbrochen niederge­gangenen Regenschauer einen bis jetzt noch nicht gehabten Hochwasser- stand (154 Zentimeter) erreicht und ist noch fortwährend im rapiden Stei­gen begriffen. Weitere Meldungen besagen: Auf dem Neckar bat das Hochwaffor die Schiffahrt vollständig lahmgelegt. Kleine Bergbäche sind zu reißenden Strömen angeschwollen. In allen Teilen Württembergs sind weite Strecken überschwemmt. Die Straßen mußten teilweise polizei­lich gesperrt werden. Auch zwei Menschenleben sind wieder zu beklagen. Vielfach sind die Brücken von der Strömung mit fortgeriffen und Damm­brüche eingetreten. In der Rheingegend bei Koblenz sind die Straßen und Bahndämme durch Felsstürze gefährdet. Ueberall am Mittelrhein und im Ruhrgebiet herrscht Hochwasser. Das Wasser, das teilweise über die Talsperren im Ruhrgebiet getreten ist, hat den letzten Rest der Ernte vernichtet. Auch von der oberen Fulda, der Weser und ihren Nebenflüssen wird ein vorher nie erreichter Wasserstand gemeldet.

# Die Universität Frankfurt. Die Frage eines Neubaues für di« Frankfurter Universität hat jetzt den Architekten- und Ingenieur-Verein zu einer Eingabe veranlaßt, die bezweckt, das Unternehmen zum Gegen- stand eines allgemeinen Wettbewerbs zu machen. Ob die Eingabe Er- folg haben wird, ist allerdings fraglich, da nicht die Behörde, sondern di« Administration der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften bi« Entscheidung trifft. Von vornherein müßte allerdings die Verlegung bei neuen Hochschule ins Auge gefaßt werden. Denn das arte Akademie-Ee< bäude, dessen eine Seite der Physikalische Verein, dessen Mittelbau da« Museum einnimmt, dürfte, wie dieNeudeutsche Bauzeitung" Betont, kaum für die Zwecke der neuen Universität genügen, auch wären Spiel- und Sportplätze für die akademische Jugend hier nicht anzulegen. Den Besuchern der Universität fehlt die ausgedehnte Möglichkeit, sich in kör­perlicher Bewegung zu erholen, und darauf sollte beim Bau dieser neuen Universität auch vor allem Rücksicht genommen werden. Es würde dem Sinne der Stifter sehr zuwider sein, wenn die neue Hochschule sich in nichts von den übrigen Hochschulen unterschiede. Der Architekten- und In­genieur-Verein bespricht in seiner Eingabe die finanzielle Frage: Ein« Umlegung läßt sich ohne Opfer nicht durchführen, doch würde ja auch das gegenwärtige Gebäude der Akademie kostspieligen Veränderungen unter­worfen werden, wenn es nicht ein ewiges Aergernis bilden soll. Ist aber eine anderweitige Verwendung der betreffenden Anlage überhaupt aus­geschlossen, so müßte der ganze Baublock unter dem Gesichtspunkt einet großzügigen Universitätsanlage zusammengefaßt werden. Die auch von uns gestern gebrachte Meldung derNeuen Pol. Eorr.", daß dem Land­tage demnächst ein Gesetzentwurf betreffend die Errichtung einer Uni­versität in Frankfurt a. M. zugehen werde, würde, wie diePost" fehl richtig hervorhebt, falls sie zutrifft, eine Veränderung der staatsrecht­lichen Auffassung der Staatsregierung bedeuten. Bisher hat diese daran festgehalten, daß es zur Errichtung einer Universität keines Gesetzes be­dürfe, die Entscheidung darüber vielmehr allein der Krone zustehe. Die­sen Standpunkt bat der Unterrichtsminister noch bei den Verhandlungen seines Haushalts in dem Friihjahrsabschnitt der Landtagstagung sehr nachdrücklich vertreten unb dadurch die Konservativen bewogen, von der Forderung gesetzlicher Regelung Abstand zu nehmen. Es ist daher nid*: unwahrscheinlich, daß jene Nachricht derNeue Politischen Korrespondenz" auf einem Mißverständnis beruht. Träfe sie zu, so könnte dies nur er­wünscht fein, denn dann würde die Gelegenheit gegeben sein, die schweren Bedenken, welche unter den verschiedensten Gesichtspunkten gegen die Er­richtung einer Universität gerade in Frankfurt a. M. sich erheben, mit Nachdruck in bet breiten Öffentlichkeit geltend zu machen.

* Zur Ausführung des Gesetzes über die Reinigung öffent­licher Wege, das im 1. April 1913 in Kraft tritt, find vom preu­ßischen Ministerium eingehende Anweisungen ergangen. Das neue Gesetz soll auf keinen Fall höhere Anforderungen für die polizei­mäßige Reinigung der Wege verursachen besonders auch nicht im Interesse der Automobile. Die Polizei soll überall nur das Not­wendige verlangen. Wo in Gemeinden und Kutsbezirken bisher kein Bedürfnis zur polizeimäßigen Reinigung öffentlicher Wege bestand, soll diese auch künftig nicht verlangt werden. Diese Rei­nigung soll auch nicht ohne Not auf andere Wege ausgedehnt wer­den. Die Teerung gehört überhaupt nicht zur polizeimäßigen Rei­nigung. Dagegen schließt sie das Bestreuen mit abstumpsenden Stoffen in sich. Außerhalb von Orten kann sie nur verlangt wer­den, Poetin festgestellt ist, daß sie überwiegend dem inneren Ver­kehr dient. Ortsstatute bedürfen außer der Genehmigung der poli­zeilichen Zustimmung. Die Genehmigung soll versagt werden, wenn eine Ueberbürdung der Eigentümer eintreten würde oder-, ihnen Leistungen übertragen werden sollen, die den Gemeinden zukommen. Die bestehenden Ort-statuten sind zu prüfen, ob sie mit dem Gesetz im Einklang Rehen.

* Herbsttnrnfohrt des Turnvereins. Man schreibt uns: Obs regnet schneit ober die Sonne auch sticht, das hindert einen modern Turner nicht . . . Mit diesen Gedanken beseelt, traten am Sonnabend 40 Mit­glieder des Turnvereins die diesjährige Herbstturnfahrt an. Sie sollte uns dieses Jahr nach den Gefilden des Spessarts führen, und auch zugleich einer Einladung der Turnaemeinde Hanau, mit welcher schon längere Zeit ein freundschaftliches Verhältnis besteht, Folge leisten. Strömender Regen gab uns den Abschied. Die Eilenbahnverwaltung hat uns bereit« willigst einen Waaen zur Verfügung gestellt, welcher wenigstens nur an wenigen Stellen undicht war. Doch bereits in Gießen begrüßte uns Heller Sonnenschein, und eröffnete uns die herrlichste Aussicht auf die frucht­baren Felder der Wetterau. welche bereits zum größten Teil abgeerntet waren. Nach kurier Fahrt war Hanau erreicht, wo sich am Bakwbof-Nord eine Anzahl Mitglieder der Turngemeinde zur herzlichen Begrüßung eingefunden hatten. Zugleich würbe auch hier wieder unsere Wander- Fahne enthüllt, welche uns nun schon sieben Jahre begleitet hatte, dies­mal geschmückt mit den Erinnerungsbändern der Fahrten, und unseren Marburger S^adtfarben. Unter freundlicher Führung der Hanauer Tur­ner wurden uns alle Sebenswürdiak-iten von Hanau gezeigt, viele Er­innerungen aus fturmberoegfen Zeiten, welche die alte Stadt Hanau durchgemachi h"t. Leider schien unsere treue schwarz-weiß-rote Fahne sich nicht da? Ansehen der polizeilichen Gewalten errungen zu haben. Von einem vielleicht etwas zu pflichteifrigen Beamten wurden wir auf­gefordert. die Fahne zusammenzurollen. Friedliebend wie wir sind, folg- , ten wir der Aufforderung, konnten uns jedoch nicht mit dem Gedanken betraut machen, daß das Tragen der bevff*en Reichsfarbe unstatthaft fei. Der Abend vereinte uns in Gemeinschaft mit den Mitgliedern der Turngemeinde nebst deren Damen zu einem gelungenen Unterbaltungs- cbenb in der Turnhalle. Begrüßungsreden, turnerische Vorführungen, gemeinschaftl-che Gesangsvorträge der beiden Gesangsabteilungen, sowie die Ueberreidjung eines Morborger Dippchens an die 5. Riege der Turn­gemeinde, trugen viel zur Unterhaltung des Abends bei und gar zu schnell verschwanden die Stunden. Mitternacht war lange vorüber als die freundlichst dargebotenen Freiquartiere der Hanauer Turnbrüder ausge­sucht wurden. Doch der Schlaf war kurz, denn puntt 1410 Uhr war Ab­fahrt nach dem Spessart. Aber sie fanden sich in großer Anzahl. Turner und Turnerinnen, wohl verwahrt gegen den Bindfadenregen. Doch Ge­sang und Scherz lassen keine gedrückte Stimmung auskommen. Bald war die Station erreicht, v.nb mutig ging es durch Feld und Wald durch di« Rückersbacher Schlucht aufwärts zum Sternberg. Staubig wars nicht in der Schlucht, mancher harte nasse Füsse bekommen, doch endlich war bitt Höhe erklommen und das Unterkunftshaus winkte. Raum ist in der klein­sten Hütte, so konnte man auch hier sagen. Das Haus war voll von