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Frankfurt a. M.
mtt oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Mrs Haus" und „LandwirtschaWche Beilage".
Marburg
Sonntag, 8. September
Aie „CUe'rl)tfii|rt)e Zeitung" ctjcytuu täglich nut ¥1usnuyme oer «oicn- j und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.26 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <A frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. 21. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroih), Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Rundschau.
Die Begründung des Urteils gegen Traub.
An der Sitzung des Ober-Kirchenrats vom 5. Juli, in der das Urteil gefällt wurde, haben teilgenommen: Der Präsident Wirkl. Geh. Rat D. Voigts, der Vizepräsident Oberhofprediger D. Dryander, die Wirklichen Geheimen Oberkonsistorialräte D. Möller und i>; Koch, der evangelische Feldpropst der Armee D. Wölfing, der Wirkliche Geheime Oberkonsistorialrat Hagemann, die Geheimen Oberkonsistorialräte Lic. theol. Wevers, Prof. D. Dr. Kaftan, Dr. Kapier und die Geheimen Konsistorialräte Propst Prof. D. Dr. Kawerau und Dr. Duske. In den Entscheidungsgriinden, die im Wortlaut morgen durch den Verurteilten veröffentlicht werden, wird die milde Auffassung des Breslauer Spruches betont. Das Verfahren war bekanntlich Berufungsverfähren. Es heißt darin: In der Berufungsrechtfertigung wird geltend gemacht, die Begründung der ersten Entscheidung enthalte insofern einen Widerspruch, als der Angeschuldigte, wenn er aus nicht unedlen Motiven gehandelt habe, sich der Achtung und des Vertrauens nicht unwürdig gezeigt, nicht einen sittlichen Mangel bekundet haben; das Anerkenntnis nicht unedler Motive hätte folgerichtig zur Freisprechung führen müssen. Wenn die Vorinstanz davon ausgehe, daß die literarische und publizistische Tätigkeit Traubs nur unter dem Gesichtspunkte außeramtlichen Verhaltens zu beurteilen sei, und daß es ihm dabei überall nur um die Sache, um die Besserung der kirchlichen Zustände in seinem Sinne zu tun gewesen sei, so wird diese Verurteilung dem Umstande nicht gerecht, daß der Angeschuldigte durch seine Angriffe gegen die Landeskirche, ihre Behörden und Einrichtungen gerade die besonderen Pflichten, welche sein. Beruf als landeskirchlicher Geistlicher ihm auferlegt, schwer verletzt hat Das Amt eines Geistlichen der Landeskirche bringt den Inhaber in ein Verhältnis nicht nur zu seiner Gemeinde, sondern ebenso zu dem Gesamtorganismus der verfaßten Landeskirche. Daraus ergibt sich für ihn ein doppelter Pflichtenkreis. Schaltet er einen dieser Pflichtsnkreise in seinem Verhalten aus, so macht er sich unwürdig der Achtung, des 2lnsehens und Vertrauens, die fein Amt erfordert. Dies hat der Angeschuldigte getan. Es hätten auch die Feststellungen über die Tätigkeit Traubs im Amte und feiner Gemeinde zurücktreten miisien, wobei dahingestellt bleiben möge, ob sie auf objektiv unanfechtbarer Grundlage ruhten. Neben den warm für Traub eintretenden Eingaben der Gemeinde, fehle es auch nicht an abweichenden Urteilen über seine amtliche Tätigkeit, wie dies auch in den ihm von dem Konsistorium erteilten Mahnungen, Mißbilligungen und Verweisen zum Ausdruck kommt. Von den drei Strafen, welche das kirchliche Disziplinargesetz als Entfernung aus dem Kirchenamt anerkennt: Strafversetzung, Amtsenthebung, Dienstentlassung, steht die von der Vorinstanz ausgesprochene Strafe der Versetzung mit den eigenen Ausführungen der Entscheidung nicht im Einklang, weil sie den Angeschuldigten gerade dem Gebiete seiner Tätigkeit entziehen würde, für welche die Vorentscheidung ihm noch Anerkennung zollt. Dann heißt cs: Sowohl nach den wiederholten Proklamationen des unentwegten Kampfes gegen die Landeskirche wie auch im Hinblick auf den während der Untersuchung zutage getretenen Mangel an Einsicht in die Verwerflichkeit seiner Kamvfesmittel und bei der mehrfach hervorgctretenen Unmahrhaftigkeit seiner Polemik muß dem Angeschuldigten das Vertrauen versagt werden, daß er hinfort seine grundsätzliche Stellung zur verfaßten Landeskirche ändern bezw. in einwandfreier Weise seinen Standpunkt zur Geltung bringen werde. Wer systematisch und in der Art, wie er, der verfaßten Lnndeskirck Existenzberechtigung überhaupt abspricht, sie in ihren k ^n und Einrichtungen bekämpft und verächtlich macht, entzieht sich selbst die Möglichkeit einer ferneren Wirksamkeit als Geistlicher und Diener dieser Kirche, und es kann der Landeskirche nicht zugemutet werden, einen solchen Mann im geistlichen Stande zu belasten und ihm damit die Möglichkeit des Wiedereintritts in ein landcskirchliches Pfarramt zu gewähren. Auch unter diesem Gesichtspunkt erscheint daher die Strafe der Dienstentlastung begründet. Die Entscheidung über die Erstattung der baren Auslagen des Verfahrens rechtfertigt sich aus § 38 des Kirchengesetzes vom IG. Juli 1886.
Hoffnungen, die getäuscht wurden.
Ein Landmann schreibt uns: Es gibt ein kleines, bekanntes Bildchen. Im Vordergründe sieht man ein Roggenfeld mit Halmen und einer Körnerbildung, wie sie nur ein sorgsam zubereitetes Feld und eine günstige Witterung zeitigen kann. Ein Landmalln in Hemdärmeln und mit der langen Pfeife im Munde, aus dem naheliegenden Dorfe, besten weiße Gebäude aus dem Hintergründe im Sonnenlichte herüberleuchten, läßt wohlgefällig die schweren Halme prüfend durch die Hände gleiten; der weiße Spitz zu des Bauern Füßen schaut aufmerksam zu seinem Herrn empor. Aus dem ganzen Bild leuchten Zufriedenheit und Hoffnungsfreudigkeit auf eins gute Ernte freudig hervor. So sah es denn auch vor Beginn der diesjährigen Körnerernte auf den Feldern wirklich aus. Allenthalben setzte man die größten Hoffnungen auf eine gute Ernte, die nach den Mißerfolgen des Vorjahres um so wünschenswerter war. Und heute! Alle Hoffnungen, selbst die auf eine gute 'Ernte der Hackfrüchte, sind zuschanden geworden. Wo es auch immer sei, allenthalben hat der anhaltende und noch währende Regen die Felder in Wasserflächen verwandelt, auf denen der Fuß einsinkt und die Eettesfrucht verdierbt. Die Halmfrüchte sind aus«
I gewachsen, das Stroh fault und alle Mühe, Arbeit und in den Boden eingesteckte Werte sind verloren. Dafür hebt die Sorge ihr graues Haupt empor, und der Landmann fragt sich, wo kriege ich die Zinsen, die Leutelöhne her, woher das bare Geld, um die nötigsten Lebensbedürfnisse zu befriedigen? Womit halte ich den Viehstand? Denn auch die Kartoffeln fangen an unter der Feuchtigkeit zu leiden. Auch die Zuckerrübe versagt, die Kraft geht in die Blätter und die Rübe bleibt zuckerarm. Getäuschte Hoffnungen und halbleere Scheunen, wenige Kartoffelmieten werden die sichtbaren Zeichen einer Mißernte sein. Dem Volksvermögen gehen aber Milliarden verloren. Ist es da nicht ein Frevel, wenn die Linksparteien von einem Wohlergehen der Landwirtschaft fabeln, wenn sie die alten abgedroschenen Schlagworts von Brot- und Fleischwucher immer wieder in neue Münze umprägen, nur, weil es nun einmal in ihr politisches Programm hineinpaßt? Vor ein paar Tagen erschoß sich ein Großbauer auf seinem Felds angesichts seiner vernichteten Hoffnungen, weil er sich dem vollständigen Ruin gegenübersah. Und tausende mögen „abschreiben". Aber der Wühlarbeit der mehr oder weniger verhüllt landwirtschaftsfeindlichen Parteien dürfte durch alles dieses noch längst kein Einhalt geboten werden. Sie werden fortfahren, sich auch fernerhin am Volkswohl zu versündigen.
Der „Zeppelin" für die Marine — das größte Rekordluftschiff der Welt.
lieber Größe, Leistungen und Baufortschritte des ersten „Zeppelin" für die Marine werden der Korrespondenz „Heer und Politik" folgende Mitteilungen gemacht: Der Marine-Zeppelin wird alle anderen bisherigen „Zeppeline" an Größe übertreffen und dadurch der größte Luft- riese der Welt werden. Gleichzeitig wird es aber auch ein Relordluft- schiff hmsichtlich seiner Leistungsfähigkeit sein. Das neue Luftschiff wird nämlich vermöge seiner baulichen Vorzüge solange in der Lust bleiben können, daß es selbst das neue Pastagierluftschiff an Leistungsfähigkeit übertrift, sodaß besten Flugdauer von 48 Stunden weit hinter der des neuen „Zeppelin" zurückbleiben wird. Der Benzinvorrat, den das Luftschiff aufzunehmen vermag, wird so groß sein, daß das Schiff mindestens 60 Stunden ununterbrochen in der Luft bleiben kann. Es wird sogar der Versuch gemacht werben, fein.» Flugbauer bis zu 72 Stunden, also auf drei Tage, auszudehnen. Damit wird der Wert des Schiffes für die Marine ganz erheblich erböht. Es wird mit ihm möglich sein, zwei- bis dreitägige ununterbrochene Fahrten über See ohne die Notwendigkeit einer Zwischenlandung zu machen. Bei einer Geschwindigkeit von 90 Kilometer in der Stunde, die schon von den letzten Zeppelin-Luftschiffen nahezu erreicht wurde und die das neue Schiff sicher leisten wird, wäre also die größte Entfernung, die das Schiff zurücklegen könnte, bei 60 Stunden Flugdauer 5400 Kilometer, bei 72 Stunden 6480 Kilometer. Der theoretische Aktienradius, d. h. die Strecke, die das Luftschiff bis zum Ausgang seiner Betriebsmittel vom Aufstieg bis zur Landung am selben Ort zurücklegen kann, wird demnach im ungünstigsten Falle 2700, im günstigsten 3260 Kilometer betragen. Damit wird die für ein Marine- Luftschiff wünschenswerte Leistungsfähigkeit zwar noch nicht voll erreicht sein, aber der Marine-Zeppelin wird auf jeden Fall dasjenige Luftschiff der ganzen internationalen Luftflotte, das allein imstande ist, derartige Fahrten zu leisten. Die ausländischen halbstarren und unstarren Luftschiffe sind nicht im entferntesten in der Lage, auch nur annüfiernbc Leistungen auszuführen. Die Höchstleistung der französischen Luftschiffe gegen kaum über 20 Stunden hinaus und auf Fahrten über See sind sie überhaupt noch nicht erprobt worden, während die letzten Zeppelinschiffe die hervorragende Eignung des starren Systems für Flottenzweck« glänzend bewiesen haben. Die Bestrebungen gehen aber dahin, die Zeppelinschiffe für die Marine noch leistungsfäiger zu machen und eine Flugdauer von einer ganzen Woche zu erreichen. Nach den bisherigen Erfolgen des Systems kann kein Zweifel daran bestehen, daß diese Hoffnungen wohlbegründet sind und durchaus ernst genommen werden müssen. Eine Luftflotte von dieser Tüchtigkeit wäre vom Auslande schlechterdings unerreichbar, denn der deutsche Vorsprung in den Bauerfahrungen mit dem starren System ist vom Auslande kaum jemals einzuholen. Der Zeitpunkt der Fertigstellung des Marine-Luftschiffes ist noch nicht festgelegt, er dürfte aber nicht mehr weit entfernt {ein. Das Gerippe des Schiffes ist bereits vollendet, im lausenden Monat erfolgt zunächst der Einbau der Gaszellen, dann die Bekleidung des Gerippes mit der äußeren Hülle. Es kann also mit einer Inbetriebnahme des Luftschiffes für Anfang Oktober gerechnet werden.
Deutsches Reich-
— Einführung des neuen Berliner Oberbürgermeisters. Am Donnerstag fand in der Berliner Stadtverordnetenversammlung die feierliche Einführung des neuen Oberbürgermeisters Wermuth statt. Magistrat und Stadtverordnete waren in Amtstracht erschienen. Zunächst richtete Oberpräsident v. Eonrad eine Ansprache an den neuen Oberbürgermeister. Hierauf dankte Herr Wermuth für die freundliche Einführung in sein Amt. Er treffe die Stadt in einem schwierigen Hebergange, welcher ein Hand- inhandarbeiten der Staats- und Gemeindeorgane besonders erheische. Berlins Streben müsie dahin gehen, daß seine Jntereffen innerhalb des neuen Organismus in gleichem Stärkeverbältnis- vertreten seien, wie die Jntereffen der Mitgemeinden und daß die kommende Entwicklung das kostbare Gut der Selbstverwaltung ungeschmälert laffe. Zu den Stadtverordneten gewendet, sagte Oberbürgermeister Wermuth: Als ich mit herzlichem Danke Ihre Wahl annahm, bin ich die Verpflichtung eingegangen, ein redlicher Hüter der Selbverwaltung zu sein. Der Oberbürgermeier wies auf die Ansprüche einer Weltstadt und die vielfachen wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben hin. Ernste Fürsorge erfordere der Bedarf der Stadt an Lebensmitteln. Die Leistungen müßten aber mit dem Stadtsäckel im Gleichgewicht gehalten werden. Tunlichst sei daher die weitere Vereinfachung der Verwaltung anzustreben.
— Hauptmann Kostewitsch ist Donnerstag abend von Petersburg nach Berlin abgereist. Von hier aus wird er sich nach Leipzig begeben, um die Eröffnung des Verfahrens gegen seine Person zu
beschleunigen. Sobald diese Angelegenheit erledigt ist, wird sich Hauptmann Kostewitsch zu einer Studienreise nach Paris, Brüssel und London begeben.
— Bürgermeister Burchard f. Hamburg, 6. Sept. Der regierende Bürgermeister Burchard, der vor einigen Tagen an In- ftuenza erkrankte, ist heute nacht an einem Herzschlag verschieden. Die Flagge auf dem Rathaus und anderen Staatsgebäuden sowie auf zahlreichen Privathäusern und Schiffen des Hafens sind Halbstocks gehißt. Burchard feierte in diesem Jahr seinen 60. Eeburts- tag und erhielt kurz zuvor, als er auf eine 25jährige Wirksamkeit als Bundesratsbevollmächtigter zurückblickte, allseitig herzliche Beweise der Anerkennung und Verehrung. Dr. Burchard trat 1884 in die Bürgerschaft ein und wurde 1885 zum Senatsmitglied gewählt. 1901 erfolgte zum ersten Mal seine Wahl als Bürgermeister. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt zu seinem Ableben: „Der Tod des ausgezeichneten Mannes ist für die Hansastadt ein schwerer Schlag. Bürgermeister Dr. Burchard besaß in seltenem Maße die Eigenschaften, die zur Leitung des Hamburgischen Staatswesens erforderlich sind. Mit der genauen Kenntnis der heimischen Verhältnisse verband er einen weiten Blick für die nationalen und weltwirtschaftlichen Aufgaben Hamburgs. Seine echte Patrlzier- würde befähigte ihn zum weltmännischen, glänzenden Vertreter seiner Vaterstadt bei feierlichen Anlässen. Die verbindliche Feinheit seiner Natur, die der festen Zähigkeit nicht ermangelte, stellte er trotz häufig schwankender Gesundheit in den Dienst der Oeffent- lichkeit. Seit vielen Jahren vertrat Dr. Burchard Hamburg im Bundesrat. Auch im Reichstag nahm er bei Hamburg angehenden Fragen häufig das Wort. Die Berliner Universität zählte ihn zu ihren Ehrendoktoren. Der Kaiser beehrte den Verstorbenen mit besonderem Vertrauen und gab seiner freundschaftlichen Gesinnung für Dr. Burchard, namentlich bei den Regatten auf der Unter-Elbe, oft in herzlichen Worten Ausdruck. Weit über Hamburgs Grenzen hinaus reicht die Teilnahme an dem Hinscheiden dieses tüchtigen Hanseaten und guten Deutschen."
— Fremdsprachliche Kurse für Verketzrsbeamte. Die deutschen Eisen- bahnverwaltungen sehen sich immer mehr veranlaßt, für die Derkehrs- beamten Unterrichtskurse in fremden Sprachen einzurichten. Eine Erweiterung dieser Maßnahme kam in Bayern zur Durchführung, wo den Berkehrsbeamten Studienreisen ins Ausland zur Vervollkommnung ihrer Sprachkenntnisse ermöglicht werden. Hm das Interesse der Eisenbahnbeamten mit Einschluß des Zugbegleitpersonals an den Sprachen- kursen zu beleben, hat nämlich die bayerische Eisenbahnverwaltung denjenigen Beamten, die durch regelmäßige Teilnahme an den Hebungsstunden sich gute Kenntnisse in der englischen und der französischen Sprache angeeignet haben, die Vergünstigung gewährt, daß je zwei von ihnen je einen Monat im Jahre nach England und nach Frankreich beurlaubt werden können und eine tägliche Zulage erhalten. Auch die Postverwaltung dürfte in Kürze diesem Beispiel der Eisenbahnverwab tung folgen und ebenfalls Hnterrichtskurse in fremden Sprachen füi Postbeamte einrichten.
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Marburg und Umgsgend.
Nachdruck aller Orginaiartttel ist gemäß § 18 des Urheberrechte nut mit der deutlichen Quellenangabe „Oderheil Zig " gestaltet I
Marburg, 7. Sept.
* Universität. Dem Privatdozenten der medizinischen Fakultät und Oberarzt der chirurgischen Klinik, Dr. Hohmeier, wurde bei Titel Professor verliehen.
* Ins Manöver. Unser Jägerbataillon rückte heute früh kurz nach 9 Uhr mit klingendem Spiel zum Bahnhof, um mittels Extrazugs ins Manövergelände nach Thüringen zu fahren. Hoffentlich ändert sich nun das Wetter so, daß den Soldaten, die sowieso harten Strapazen ausgesetzt sind, der „Krieg im Frieden" nicht gar zu schlecht bekommt.
* Vom Luftschiff „Viktoria Luise". Wegen der andauernden ungünstigen Witterung ist die für heute früh angesetzte Fahrt des Luftschiffes „Viktoria Luise" von Frankfurt nach Hamburg, von wo die Fernfahrt nach Kopenhagen angetreten werden sollte, auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Obwohl heute früh ein für die Luftfahrt äußerst ungünstiges Wetter herrschte, waren dock viele Einwohner in Stadt und Land auf dem Posten, um, wenn das Luftschiff doch aufgestiegen sein sollte, dieses Schausviel zu ge nießen. Hoffentlich bessert sich das Wetter so, daß doch noch Ee. legenheit geboten wird, die „Viktoria Luise" wie an jenem sonnigen Maientag im Lahntal zu begrüßen.
* Kurse für Mittelschullehrer. Wie die Kgl. Regierung im letzten amtlichen Schulblatt mitteilt, werden die schon lange angekündigten Kurse zur Vorbereitung für die Mittelschullehrerprüfung voraussichtlich im Oktober in Cassel beginnen.
* Die Maul- und Klauenseuche wurde am 31. August im Regierungsbezirk Cassel in 92 Gehöften, welche sich auf 10 Gemeinden in 4 Kreisen verteilen, festgestellt. Die Schweineseuche herrschte in 22 Gehöften, welche sich auf 18 Gemeinden in 12 Kreisen verteilen. Der Regierungsbezirk Wiesbaden ist jetzt von der Maul- und Klauenseuche frei, dagegen herrscht die Schweineseuche in 27 Gehöften, welche sich auf 22 Gemeinden in 9 Kreisen verteilen. Im Eroßherzogtum Hessen ist die Provinz Rheinhessen völlig seuchenfrei, die Maul- und Klauenseuche herrscht dagegen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen zusammen in 9 Gehöften, welche sich auf 5 Gemeinden in 4 Kreisen verteilen und die Schweineseuche in Oberhessen in 4 Gehöften, die sich auf 4 Gemeinden in 3 Kreisen verteilen.
* Das Regenwetter. Die Aussichten auf besseres Wetter find wieder zunichte geworden. Seit Sonntag regnet es wieder wie alle Tage seit Anfang August. Die Ernte auf dem Felde gewährt einen trostlosen Anblick und mancher Bauersmann wird in seinen,