M.207
47. Jahrg.
1192.
Marvnrg
Mittwoch, 4 September
mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
. und den Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
.tei Anzeigenpreis betragt für C;e tfleipaltene yeu" oOet deien Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 L. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Feder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver- Kindlichkeit für Platz-, Datenoorschrift und Beleglieferung ausge- schloffen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
,e „CUeil-efiildje öeitung" cilctjeint lugt ich nm Ausnahme Oer er-oim- | anb Feiertage. — Ter Bezug SP reis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 dl (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21) 2.00 dl frei ins HauS. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Unio.-Buchdruckerei I. A. Koch
(Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Die Geldbeschaffung für den Kleinwohnungsbau seitens der Gemeinden.
\ Von Oberbürgermeister Dr. Scholz, Caffel.
| (Schluß.)
Sind somit der praktischen Verwendung des Erbbaurechts bei der heutigen Rechtslage verhältnismäßig enge Grenzen gezogen, so wird man sich weiter fragen, welche Ausgaben sich die Gemeindeverwaltungen aus dem Gebiete der Verbefferung unserer gegenwärtigen Realkredit- verhältniffe zurzeit stecken sollen und können. Hier muh in erster Linie daraus hingewiesen werden, daß das Hauptproblem der Geldbeschaffung in der Verschiebung öffentlicher Gelder auf die zweite Stelle, mit anderen Worten in der Gewährung der zweiten Hypothek liegt. Für die Hergabe von Darlehen gegen erststellige Hypothek wird dann schon das Privatkapital sorgen. Ist aber bereits für die Beleihung von Realitäten überhaupt in der Lokalinstanz die sicherste Beurteilung gewährleistet, da nur sie die in Betracht kommenden Verhältnisse in ihren Schwankungen mit hinreichender Sicherheit übersehen kann, so ist dies umsomehr der Fall bei dem exponierten Posten der zweiten Hypothek.
Ohne dauernde Mitwirkung der Gemeinde wäre ein Institut zur Ausleihung von durch zweitstellige Hypotheken gesicherten Darlehen kaum denkbar; das Normale und Richtige ist wohl die Begründung und Leitung durch die Gemeinde selbst. Durch diese Erwägungen veranlaßt, haben denn auch bereits einige Städte derartige Anstalten ins Leben gerufen — genannt seien Krefeld, Neuß, Remscheid, Trier — während andere, beispielsweise München, sich mit dem Plane tragen. Eine Zusammenstellung dessen, was die deutschen Städte bisher überhaupt auf dem Gebiete der Förderung des Realkredits durch eigene Einrichtungen geleistet haben, enthalten die „Mitteilungen des Statistischen Amts der Stadt München" vom 10. Mai 1910, sowie di» „Mitteilungen der Zentralstelle des Deutschen Städtetages" Band 2, Nr. 4 und 16. Die Erfahrungen, die die bisherigen Versuche ergeben haben, sind durchweg günstig; von Verlusten wird nirgends berichtet. Das immerhin vor- handene Risiko dürfte durch entsprechend erhöhten Zinssatz und eventuell durch eine Abschlußprovision ausgeglichen werden. Als Deleihungs- grenze dürsten 80 Proz. des Wertes — die oben erwähnten Städte beleihen nur bis 75 Proz. — als ausreichend anzusehen sein.
Trotz aller dieser Erwägungen werden sich wohl zurzeit verhälitnis- maßig wenige XBemeinben — deren Finanzlage überwiegend nicht gerade besonders rosig ist — auf das immerhin nicht risikofreie Experiment der „Bank für zweite Hypotheken" einlaffen. Es müßte daher nach einem weiteren Faktor gesucht werden, der ihneb derartige Einrichtungen schmackhafter erscheinen ließe. Und hier drängen sich folgende Erwägungen aus: Der Staat ist zweifellos in erheblichstem Maße an der Wohnungsfürsorge interessiert; das ergibt sich aus ihrer eminenten Wichtigkeit für das physische und moralische Wohl der Bevölkerung und damit für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowohl als für die Wehrkraft des Volkes: Zn Preußen ist das teilweise auch schon anerkannt, insofern nämlich, als für Wohnungsfürsorge der Arbeiter in staatlichen Betrieben viele Millionen zur Verfügung gestellt sind. Warum sollte es nicht möglich sein, eine staatliche Aktion in die Wege zu leiten, die die finanzielle Fürsorge zwar auf den gesamten Kleinwohnungsbau erweitert, die aber andererseits sich beschränkt auf die Uebernahme einer Ausfallsgarantie bei Gemeindeanstalten für zweite Hypotheken? Diese Garantie würde nach den Erfahrungen kaum je realisiert werden, ein verhältnismäßig kleiner Fonds würde also zunächst für diesen Zweck genügen. Andererseits würde dies Vorgehen des Staates unzweifelhaft eine große Zahl von Gemeinden ermutigen, Gelder an zweiter Stelle zur Förderung des Kleinwohnungsbaues auszuleihen. Eventuell wäre, em von vornherein ein Korrektiv gegen leichtsinnige Beleihungen zu schaffen, an eine Bestimmung zu denken, nach der stets ein gewiffer Teil des Ausfalls (10 oder 20 Proz.) definitiv zu Lasten bei Gemeinde verbliebe, so daß der Staat nur für 90 bezw. 80 Proz. des Schadens aufzukommen hatte. Das Beispiel Oesterreichs, das durch Gesetz vom 22. Dezember " "> einen Wohnungsfürsorgefonds errichtete, der im wesentlichen te. ’tantie an zweiten Hypotheken dient, dürfte anspor- netib zu wirten geeignet fein.
56 (Nachdruck verboten.)
Das Tor des Ledens.
.! Roman von A n n y Wot he.
t< (Copyright 1910 by Boll & Pickardt, Berlin.) "
' (Fortsetzung.)
„Quälen Sie mich nicht, Rolf. Sie wiffen ja selbst am besten, wie es in mir aussieht. Sie wiffen, daß meine Seele weh und wund ist, und daß ich keinen anderen Wunsch habe, als auszuruhen."
„Za, ich weiß aber auch, daß Sibos letzte Tat Sie innerlich für immer von ihm trennt, daß Sie nicht mehr lieben können, wo Sie verachten, und weil ich Sie kenne, Heinrikc, weil ich weiß, daß es hier nichts mehr zu halten und aufzubauen gibt, darum möchte ich wenigstens ein einziges Mal ausfprcchen, was ich all die langen Jahre im Innersten meiner Brust verschlossen hielt. Niemals hätte ich gewagt, Zhnen von meinen Gefühlen zu sprechen! solange ich Sie glücklich wußte, solange ich eine Möglichkeit sah, Ihnen und Sibo zu helfen, dem ich Freunves- Ireue gelobt und gehalten habe. Nun ich aber einsehen gelernt, daß alle Sorge und Treue den Bruch nicht aufhalten konnte, ver Sie für immer von dem Manne scheidet, der Sie verraten, da will ich einmal wenigstens sagen" —
„Nichts, lieber Freund, können Sie mir sagen, was mir nicht mein eigenes Herz gesagt", unterbrach ihn Heinrike mit schmerzlichem Blick. „Niemals habe ich Ihren Wert höher schätzen gelernt als in der Stunde, da Sie mir, die ich nichts anders zu geben hatte als Freundschaft, ein Freund im wahrsten Sinne des Wortes wurden. An dieser Freunves- treue habe ich mich emporgerichtet, wenn meine Kräfte versagten, wenn die Last, die ich mir aufgebürdet, zu schwer wurde, so daß ich zusarnmen- tzubrechen drohte. Sie haben mir gezeigt, daß man groß im Lieben sein kan, aber noch größer im Entsagen, und wenn ich jetzt Ihrem Beispiel folge und Entsagung übe, wo meine arme, gemarterte Seele nach Glück schreit, so hat Ihre treue Liebe, Rolf, mich dazu so stark gemacht.
Und nun lassen Sie uns scheiden für immer, Rolf, oder doch für lange, lange Jahre, bis wir ruhiger geworden sind. Ich fühle nicht mehr die Kraft in mir, Seite an Seite mit Ihnen dahinzuleben, wie disher, seitdem ich erkannt habe--daß ich Sie unendlich liebe."
Alles in allem können die vorstehenden Ausführungen in folgende Sätze zusammengefaßt werden:
1. Das Erbbaurecht kommt für die Frage der Förderung des Kleinwohnungsbaues durch öffentlich rechtliche Korporationen nur insofern in Betracht, als diese Land in Erbbaurecht vergeben und selbst das Baugeld gewähren; eine Beleihung des Erbbaurechts seitens öffentlich-rechtlicher Korporationen oder ihrer Sparkaffen kann bei der gegenwärtigen Rechtslage kaum in die Praxis umgesetzt werden.
2. Innerhalb des Rahmens unserer gegenwärtigen Realkteditvet- hältnisse liegt das Problem darin, öffenliche Gelder in die zweite Be- lastungsstelle zu schieben, d. i. zweite Hypotheken zu geben, während die Gewährung von Darlehen an erster Stelle den Prlvat-Geldgebern überlaffen bleibt.
8. Als Darlehengeberin für zweite Hypotheken kann im wesentlichen nur die Gemeinde in Frage kommen, da sie allein in der Lage ist, die örtlichen Verhältniffe dauernd zu übersehen.
4. Es muß daher den Gemeinden empfohlen werden, Beleihungs- institute für zweite Hypotheken zu errichten. Als Beleihungsgrenze dürften 80 Proz. des Wertes ausreichen. Das Risiko — das nach den bisherigen Erfahrungen nicht allzugroß fein wird — wäre durch entsprechende Erhöhung des Zinsfußes und eine eventl. Provision auszugleichen. Private und gemeinnützige Bautätigkeit sind gleichmäßig zu berücksichtigen.
5. Da anzunehmen ist, daß zurzeit nur verhältnismäßig wenige Städte der Empfehlung der Gründung derartiger Institute folgen werden, so ist die llebernahme der Aussallsgarantie bei derartigen Ee- meindeanstalten durch den Staat, wie dies in Oesterreich durch Gesetz vom 22. Dezember 1910 geschehen ist, anzustreben. Eventuell wäre daran zu denken, daß der Staat die Garantie nur für einen bestimmten Teil der Ausfälle (90 oder 80 Proz.) übernimmt.
-----*-----
Politische Umschau.
lieber die Bi eh- und Fleischeinsuhr,
wie sie gegenwärtig gestattet ist, macht die „Volkswirtsch. Korr." folgende orientierende Angaben: Verboten ist die Einfuhr von Rindfleisch aus Belgien, Rußland, Rumänien, Serbien, Bulgarien und den Vereinigten Staaten von Amerika. Verboten ist die Einfuhr von Schweinefleisch von Dänemark, Schweden, Norwegen, Rußland, Rumänien, Serbien und bis zu einem gewissen Grade von den Vereinigten Staaten von Amerika. — Danach darf Schweinefleisch aus Belgien, Bulgarien und in beschränktem Maße aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Rindfleisch von Dänemark, Schweden und Norwegen, beide Sorten von Fleisch, also Schweinefleisch und Rindfleisch, aus Oesterreich-Ungarn, Italien, der Schweiz, Eroßbritannien und Irland, den Niederlanden, Kanada und Argentinien (!) eingeführt werden. Wir sehen, die Vezugsmöglichkeit ist reichlich vorhanden. Daß bei der Einfuhr von Fleisch überhaupt die aus sanitären Rücksichten unbedingt notwendige amtliche Prüfung und Untersuchung vorgenommen wird, ist selbstverständlich, wie es auch nur natürlich ist, daß eine derartige Kontrolle nur durchgeführt werden kann, wenn sowohl frisches, als Pökel- und Rauchfleisch nur in gewißen nicht zu unterschreitenden Größen und Eewichtsmengen eingeführt werden darf.
Deutsches Reich-.
— Kaiserparade. Berlin, 2. Sept. Heute vormittag begann bei günstigem Wetter die Parade über das Eardekorps und das 3. Armeekorps. Der Kaiser nahm den Frontrapport entgegen und begann, nachdem beide Armeekorps präsentiert und drei Hurras ausgebracht hatten, mit dem Abreiten der Fronten. Mit dem Kaiser ritten der Kronprinz, die Prinzen des Königlichen Hauses, —B———BanaB—ran —i» i n >
Rols taumelte einige Schritte zurück. Mit fast irren Augen sah er sie an, bann aber stürzte er Heinrike zu Füßen, und, ihre Knie umfangend, schluchzte er auf:
„Könnte ich doch jetzt zu deinen Füßen sterben, du Angebetete, du Süße!"
Heinrike strich zärtlich mit der Hand Über sein glattgescheiteltes Haar.
„Leben sollst du, Rolf, und weil ich das will, da habe ich dir in ber schweresten Stunde meines Lebens enthüllt, was mein Mund sonst nie verraten hätte, was dir Kraft geben soll, wenn ich von dir scheide."
Rolf zog ihre weißen Hände leidenschaftlich an seine heißen Lippen.
„Wer kann uns denn feffeln und halten, Geliebte? Wer kann uns hindern, alle Schranken niederzureißen, wenn das Herz sich zum Herzen drängt? Wir nehmen niemand etwas. Er, ber deine Liebe so gering schätzte, hat uns selbst den Weg gezeigt. Vertraue mir, Heinrike. Laß mir wenigstens die Hoffnung, daß du dereinst mir gehören willst, laß mich um dich kämpfen, dich erringen, allen Hindernissen zum Trotz."
„Nein, Rols!" wehrte sie seinem Ungestüm. „Das wäre eine schlechte Liebe, die alle Schranken mißachtet, welche uns unsere Liebe in das ferne, öde und trostlose Leben geleiten, nicht wie eine Schuld soll sie mit uns gehen. Und laß uns scheiden, Rolf. Fahr wohl!"
Sie senkte ihre gefalteten Hände wir zum Segen auf sein Haupt, und ihre weichen Lippen legten sich aus feine Stirn.
Da riß er sie wild und heiß an sein Herz, und seine Lippen preßten sich in langem Kusse auf die ihren.
„Was tust du?" schrie sie auf. „Rols, erbarme dich!"
Er ließ sie sofort los.
„Verzeihe Heinrike", bat er demütig. „Einmal wenigstens wollte ich das Glück von deinen Lippen trinken, einmal selig sein. Fahr wohl!"
Er preßte ihre Hände an seine tränennassen Augen und stürzte dann aus dem Zimmer. Er hatte aber kaum den Ausgang erreicht, als gedämpftes Stimmengewirr an Heinrikes Ohr drang.
Heinrike klammerte sich an einen Sessel und blickte mit weit auf» gerissenen Augen durch das Fenster.
Was war das? Was bedeutete das seltsame Gebühren der Menschen da draußen im (Barten, die sich so unstet gulammenbrängten?
die Prinzessin Viktoria Luise in Husarenuniform, die Prinzessin Eitel Friedrich in Dragoneruniform, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Prinz Leopold von Bayern, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Fürst Fürstenberg und die Militärbevollmächtigten sowie die fremdherrlichen Offiziere. Die Kaiserin folgte in, einem offenen sechsspännigen Wagen, mit ihr die anwesenden Schwestern des Kaisers; in einem weiteren Wagen folgten di« Prinzessinnen des Königlichen Hauses, die Söhne des Kronprinzen, die Kinder der Prinzessin Friedrich Karl von Hesien. Der Kaiser ritt alle drei Fronten vom rechten Flügel ab, während dessen er> schienen zwei Lenkballons und eine Fliegertaube über dem Paradefeld. Zeitweise setzte ein leichter Regen ein. Um 8 Uhr 45 Min. begann ein einmaliger Vorbeimarsch für die Fußtruppen in Regimentskolonnen, der Kavallerie in Eskadronfronten und der Artillerie in Abteilungsfronten. Den Vorbeimarsch eröffnete die Leibgendarmerie unter der vertretungsweisen Führung des Generals ü la Suite v. Chelius. Der Kaiser führte dann, nachdem ba% Kadettenkorps defiliert hatte, das erste Earderegiment zu Fuß, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen ging mit dem Regiment Franz vorüber. Inzwischen stiegen Militärflieger aller Systeme auf, acht zu gleicher Zeit, und überflogen nochmals den Paradcplah. Der Vorbeimarsch endete um 10 Uhr 45 Min. Die großen Tribünen waren dicht besetzt. Die historischen Paradestraßen vom Schloß bis zum Paradefeld waren schwarz von Menschenmassen, die den Majestäten lebhafte Ovationen darbrachten bei der Hinfahrt zur Parade wie bei der Rückkehr. Der Kaiser setzte sich nach der Kritik an die Spitze der Feldzeichen und führte diese ins Schloß. Die Fahnenkompagnie stellte das 1. Earderegiment zu Fuß. Im kleinen Schloßhof sah der Kaiser das Abbringen der Fahnen. Er nahm dann, noch immer im Sattel, militärische Meldungen und die Rapporte der Leibregimenter entgegen und hielt die Besprechung mit den Schiedsrichtern für das Kaisermanöver ab. Am Abend fand im Weißen Saale des Königlichen Schlosses Paradetafel statt, wobei der Kaiser die Kaiserin führte.
— Der Reichskanzler. Wien, 31. Aug. Das „Fremdenblatt* meldet: Der deutsche Reichskanzler wird am 7. September hier eintreffen und sich zum Besuch des Grafen Berchtold nach Buchlau begeben. Der Reichskanzler verläßt am 6. September abends Buchlau und begibt sich nach Berchtesgaden zurück. In Buchlau werden zur selben Zeit auch der deutsche Botschafter in Wien und der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin als Gäste eintreffen. — Bad Gastein, 1. Sept. Die Jagdeinladung nach Linderhof, die der Prinzregent an den Reichskanzler ergehen ließ, bezieht sich auf Oktober. Der Reichskanzler kehrt nach dem Besuch beim Grafen Berchtold aus Schloß Vuchlau nach Berlin zurück.
— Steuerpflicht der Reservisten. Unter den im Herbste zur Entlastung gelangten Soldaten herrscht häufig die Ansicht, daß sie für das folgende halbe Jahr noch steuerfrei sind. Diese Ansicht ist irrig. Der Soldat ist sofort steuerpflichtig, wenn die gesetzliche Dienstpflicht erfüllt ist.
— llcbertritte und Austritte ans der Landeskirche. Berlin, 2. Sept. Nach dem von Pfarrer Schneider in Gütersloh heraus- gegebencn „Kirchlichen Jahrbuche" sind im Jahre 1910 im Königreich Preußen 6126 Uebertritte aus der katholischen zur evangelischen und 544 aus der evangelischen zur katholischen Kirche erfolgt. Für das Deutsche Reich sind die entsprechenden Zahlen 8310 Uebertritte vom KathclizismyS zum Protestantismus und 877 Uebertritte aus der evangelischen,zur katholischen Kirche. In demselben Zeitraum sind nicht weniger als 1?.29l> Angehörige der evangelischen Landeskirche aus dieser aus^Wst.HKe einer anderen Religionsgemeinschaft
Trug man nicht eitlen Toten ins Hops?
Mit einem verzweifelten Schrei'«Ute ffie^mn Zimmer hinaus, gerade in dem Augenblick, als Rolf Bandener dit-Tür zum Schlafzimmer öffnete und heiser sagte: 1"
„Bitte, hier hinein, damit Frau von Eschenbach nicht erschreckt wird.' „Wer ist es?" schrie sie auf, der Bahre zustürzend, die mehrere Männer trugen. „Ist er tot?"
„Nein, nur schwer verwundet, gnädige Frau", beruhigte sie ein alter Herr, augenscheinlich ein Arzt, der Rolf Bandener in das Schlafzimmer gefolgt war. „Ihr Herr Gemahl wollte, um eine Explosion des Dampfkessels zu verhinoern, eigenhändig ein Ventil öffnen, das durch Unachtsamkeit geschloffen geblieben oder böswillig geschloffen wurde, als das Unglück geschah. Wir haben bereits an dem Unglücksart die ersten Verbände angelegt und hätten Herrn von Eschenbach gern gleich ins Krankenhaus gebracht, aber er jammerte so, daß er nach Hause wollte, und so hatten wir nicht den Mut, es ihm zu versagen. Ich habe gleich eine fromme Schwester zur Pflege mitgebracht", fuhr der Arzt fort. „Es wird alles geschehen, die Leiden des Kranken zu lindern."
Heinrike sah starr auf den ganz in Verband gehüllten Körper, den man da vor ihr aufs Bett legte.
„Sibo!“ schrie sie erschüttert auf, nach seiner linken, nicht verbünde- non Hand greifend.
Ein Wimmern war die Antwort.
Rols hatte inzwischen geholfen, den Kranken zu betten. Jetzt stand er und sprach leise flüsternd mit dem Arzt der ihm augenscheinlich Verhaltungsmaßregeln gab.
„Nicht fortgehen, Heinrike!" kam es da von Sibos Lippen. „Erbarme dich mein! Laß mich nicht fo elend verkommen! Hilf mir!"
Sie sank an feinem Bett auf die Knie, und ihr Antlitz dicht an feine verbundene Wange legend, flüsterte sie ihm zu:
„Ich bleibe bei dir, Sibo, sei ruhig, ich gehe nicht von dir!"
Da zog etwas wie der Schein eines Lächelns über die eine Hälfte des Gesichts, die nicht verletzt war, bann schloß der Kranke ermattet die Augen.
(Fortsetzung folgt.)