mtt oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <Ä sahne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen ... Spedition (Markt 21) 2.00 «Ä frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Unio.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Freitag, 30. August
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47. Jahrg.
1912.
Der Kronprinz in Dresden.
Der Kronprinz ist am Mittwoch vormittag 11 Uhr 40 Min. im Sonderzug zu den Manöverfestlichkeiten nach Dresden abgefahren. Im Sonderzuge befand sich auch Prinz Eitel-Friedrich, der um 11 Uhr. 30 Min. in Merseburg mit dem fahrplanmäßigen Zuge von Halle eingetroffen war. Nachmittags 3 Uhr trafen die beiden Prinzen im Sonderzug auf dem Hauptbahnhof in Dresden ein, wo sich zur Begrüßung der König und der Kronprinz von Sachsen eingefunden hatten. Es fand großer militärischer Empfang statt. Das Wetter hat sich aufgeklärt. Am Vormittag war bereits der Eroßherzog von Baden aus dem Hauptbahnhofe angekommen, wo sich der König zur Begrüßung eingefunden hatte. Der König fuhr mit seinem Gaste in das Residenzschloß, wo der Eroßherzog wohnt. Auch Generalfeldmarschall von Bock und Polach sowie der Kriegs- minister von Hceringen sind nach Dresden gereist. Am Nachmittag trafen ferner der Eroßherzog von Sachsen und die Herzöge von Cachscn-Koburg-Eotha ein und am Abend noch der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, sowie Prinz Sizzo zu Schwarzburg. — Zum Empfange des deutschen Kronprinzen waren weiter auf dem Bahnsteig erschienen Kriegsminister Freiherr v. Hausen, General der Infanterie v. Treischke, die Generalität und der preußische Geschäftsträger Freiherr v. Welczek. Der König und der Kronprinz, der wie Prinz Eitel Friedrich die Uniform seines sächsischen Regiments angelegt hatte '.begrüßten sich herzlichst. Nach dem militärischen Empfang schritten der König und der Kronprinz die vom 2. Grenadierregiment Nr. 101 gestellte Ehrenkompagnie ab, auf deren rechten Flügel die direkten Vorgesetzten standen. Auf dem Bahnhofsplatz wurden die Fürstlichkeiten von einer zahlreichen Menschenmenge mit Hochrufen begrüßt. Bei der Fahrt nach dem Schlöße saßen der König und der deutsche Kronprinz im ersten offenen Vierspänner, Prinz Eitel Friedrich folgte mit dem sächsischen Kronprinzen. Durch die Prager Straße über den Altmarkt bis zum Schloße bildeten Militär, Kadetten, Zöglinge der Sol- datenknabenerziehungs-Anstnlt, Vereine, Innungen und Schulen. Spalier. Der Kronprinz nahm im Königlichen Schloße Wohnung, wo Empfang durch die übrigen Prinzen des Königshauses und die obersten Hofchargen stattfand. Nachmittags 5%. Uhr fand in den Festräumen des neuen Rathauses feierlicher Empfang der anwefen-, den Fürstlichkeiten statt. Die städtischen Behörden waren im Fest- faal versammelt, auch die Ehrenbürger der Stadt und die Ehrengäste, darunter Staatsminister Graf Vitzthum v. Eckstädt, Kreishauptmann v. Oppen, von den Künstlern, die an der Ausschmückung des Hauses beteiligt waren, Proseßsr Klinger und Prell. Weiter fanden sich ein der Eroßherzog von Baden, Prinz Ludwig von Bayern, der Herzog von Sachsen-Altenburg, der Kronprinz, Prinz Johann Georg von Sachsen und Prinz Eitel Friedrich von Preußen. Zuletzt erschien der König und der deutsche Kronprinz, die bei der Vorfahrt vor dem Rathause von der Galerie des Hauses mit Fanfaren begrüßt wurden. In dem Festsaale hielt Oberbürgermeister v. Beutler eine Ansprache. Er hieß den König im Namen der städtischen Kollegien und der Bürgerschaft Dresdens willkommen und begrüßte die Gäste des Königs, an deren Spitze den Kronprinzen des deutschen Reiches. Er sprach das lebhafteste Bedauern aller darüber aus, daß der Kaiser durch Krankheit verhindert ist, an dem Besuch des Rathauses teilzunehmen. Der glänzende Aufschwung und die Blüte der Stadt Dresden seien nächst der landesväterlichen Fürsorge des Königs vor allem der Zugehörigkeit zn Deutschen Reiche und dem von des Kaisers starker Hand gefestigten Frieden zu danken. Rat und Stadtverordnete hätten beschloßen, eine Stiftung ins Leben zu rufen, die den Namen des Kaisers tragen solle, um den Uebclständen der Großstadt auf dem Gebiet des
52 (Nachdruck verboten.)
■v**— Das Tor des Ledens.
Roman von AnnyWothe.
(Copyright 1910 by Boll & Ptckardt, Berlin.)
(Forttehung )
„Das könnte dir wohl so gefallen, mein Püppchen!" lachte Sibo, der nach und nach seine Sicherheit wiederfand, in dein befreienden Gefühl. daß Franze tot eai und nicht mehr reden konnie „Das glaube ich, auf und davon, dem sauberen Herrn Doktor in die Arme, der all das belastende Material gegen mich gesammelt hat! Wirklich ein edler Freund, der einem nicht nur die Ehre, sondern auch das Weib stiehlt!" „Halt, kein Wort weiter! Wenn er damals nicht gewesen, dann wäre die Geschichte mit der Fridunia wohl anders für dich ausgefallen, und du hättest nicht Gelegenheit gehabt, umzukehren. Man hätte dich schon damals zu den Toten geworfen. Vielleicht wäre es bester für dich gewesen, wenn dich die wohlverdinte Strafe erreicht hätte. Du darfst Rolf Bandener nicht schmähen, der deinetwegen tausend Schmerzen litt und der dir doch immer in jeder Notlage treu zur Seite stand. Deinet- ' wegen wandte ich mich einst von ihm, deinetwegen stieß ich das treueste und edelste Herz zurück, um schließlich einznsrhev., daß ich einen Kieselstein für Gold getauscht!"
„Willst du schließlich nicht deine Frechheit so weit treiben, mir zu sagen, daß du diesen gemeinen Kerl, der die Beweise, die mich vernichten, gegen mich gebrauchen will, liebst?" versetzte Sibo lauernd und höhnisch zugleich, die vor Wut hervorquellenden Augen fest auf Heinrike gerichtet.
„So ist es!" gab Heinrike zurück. „Ich liebe ihn, tief und rein, ich liebe ihn über alle Maßen, und wenn ich auch nie ihn besitzen werde, so soll dieses Bekenntnis hier vor die ein Dank für ihn, für feine Treue |ein!"
„Und du schämst dich gar nicht, mir das alles ins Gesicht zu sagen?!"
„Nein! Seitdem ich mich innerlich dort oben an dem stillen Totenlager ganz frei von dir gemacht, soll mich nichts mehr hindern, dir schonungslos den Spiegel vorzuhalten, damit du selber endlich deine häßliche Larve erkennst. Du hast mir einst mit heiligen Eiden gelobt.
Wohnungswesens und der Jugendfürsorge entgegenzutreten. Die Wünsche für die baldige Genesung des Kaisers und die Verehrung und Liebe zum.König faßte der Redner in den Ruf zusammen: Der König und Kaiser hoch! hoch! hoch! Der König erwiderte. Hiernach besichtigten die Fürstlichkeiten den Sitzungssaal der Stadtverordneten, den Empfangssaal und die anderen Festräume des Hauses. Auf den Rundgang folgte die Rückkehr nach dem königlichen Schlosse, wobei die hohen und höchsten Herrschaften wiederum vom Publikum, das sich in dichten Scharen eingefunden hafte, mit Jubelrufen begrüßt wurden.
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‘ Deutsches Reich-
— Das Befinden des Kaisers. Caßel, 28. Aug. Die Leibärzte des Kaisers sind mit dem bisherigen Krankheitsverlauf sehr zufrieden) der Kaiser hat die altgewohnte Spannkraft fast gänzlich wiederbekommen, sodaß zu hoffen ist, daß er nach wenigen Tagen der Ruhe und Schonung wieder vollständig wiederhergestellt ist. Nach dem heutigen Vormittagsspaziergang begab sich der Kaiser nach der gemeinschaftlichen Frühstückstafel, zu der dem Direktor der Kgl. Gemäldegalerie in Caßel, Dr. Gronau, eine Einladung zugegangen war, zur Ruhe, worauf nachmittags bald nach 5 Uhr ein Ausflug nach dem Reinhardswald unternommen wurde. Der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise saßen in einem geschloßenen Automobil) im Reinhardswald wurde ein kurzer Spaziergang unternommen, worauf die Rückfahrt nach dem Schloß angetreten wurde. Für morgen vormittag ist ein Ausritt nach der Rasenallee vorgesehen) am Freitag vormittag 10>/_. Uhr wird das Kaiserliche Hoflager nach Berlin übersiedeln: lieber die Schweizer- reife des Kaisers soll morgen endgültig Bescheid getroffen werden) in diesem Sinne ist auch der Kaiserliche Gesandte in der Schweiz, Herr v. Bülow, infomiert worden.
— Zum bevorstehenden Negierungsjubiläum des Kaisers. Berlin, 28. Aug. In vielen Kreisen der Bevölkerung ist die Absicht geäußert worden, anläßlich des bevorstehenden 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers die Verehrung für den Monarchen und die Freude über das Fest durch Geschenke und Darbietungen verschiedener Art auszudrücken. Durch mehrfache Anfragen kamen diese Wünsche auch zur persönlichen Kenntnis des Kaisers. Wie eine Berliner Korrespondenz hört, möchten indessen Seine Majestät bei aller Anerkennung der hierin ausgedrückten Gesinnung sich die Annahme von persönlichen Geschenken aus dem erwähnten Anlaß versagen. Dagegen würde es einem allerhöchsten Wunsche entsprechen, wenn die hierfür etwa in Aussicht genommenen Mittel wohltätigen, gemeinnützigen oder patriotischen Zwecken unter besonderer Berücksichtigung der Vedürfniße der betreffenden Bevölkerungskreise zugewendet werden.
— Prinz Heinrich von Preußen. Petersburg, 28. Aug. ' Der Eisenbahnzug, in dem sich Prinz Heinrich von Preußen befand, ist hinter Irkutsk zwischen den Haltestellen Eablon und Macom entgleist. Verletzt ist niemand.
— Eine neue Militärvorlage? Eine Berliner Korrespondenz will wißen, daß eine neue Militärvorlage vorbereitet werde. Gegenstand der Vorlage sei die Einführung eines automatischen Gewehres, die bereits im nächsten Winterhalbjahre erfolgen solle.
— Ein Deutscher in Nicaragua ermobret. Der Staat Nicaragua steht in hellem Aufruhr. Die Aufständischen sind Herren der Lage und die Ausländer müßen ernste Gefahren befürchten. Schon sahen sich daher die Vereinigten Staaten veranlaßt, einige Kanonenboote dorthin zu schicken, weitere Kriegsschiffe sind unterwegs. Aus Managua kommt nun die bedauerliche Nachricht, daß ein Reichsdeutscher in Matagalpa ermordet worden ist. Die niemals hätte irgend ein Band dich an das atme Mädchen, bas sich so blindlings für dich opferte, geknüpft. Du hast auch da gelogen, wie dn immer logst. Du hast nicht nur dein Kind verleugnet, nachdem du erkannt, daß ein Zufall es dir ins Haus geweht, sondern du hast auch in deinem brutalen Egoismus verlangt, das unschuldige Kind aus dem Hause zu weisen, aus dem Hause des Vaters, der soeben versucht hatte, sich der unbequemen Mutter des Kindes zu entledigen, des Vaters, der Feste geben konnte, die weit seine Verhältnisie übersteigen, während das arme Weib mit dem Tode rang. Ich schaudere, wenn ich mit vorstelle, wohin Leichtsinn und Genußsucht, in der Jugend nicht mtt der Wurzel auegerottet, führen können. Von Stufe zu Stufe bist du gesunken, durch eigene Schuld ist aus dem liebenswürdigen, leichtfertigen Jüngling, der nur den Schaum vom Leben schlürfen wollte, ein Verbrecher geworden !
Nun hat sich des Lebens Tor, von dem mein guter Vater damals auf dem Stiftungsfest der Fridunen sprach, für immer vor dir verschloßen.
Damals, ich empfinde es jetzt ganz deutlich, war schon dein Treuschwur falsch Damals schon konntest du nicht reinen Herzens begeistert mit den Burschen singen:
„Halten will ich stets auf Ehre, Stets ein braver Bursche sein!"
Damals schon hätte der blanke Schläger über deinem Haupte dich zerschmettern müßen!"
Einen Augenblick war es totenstill im Zimmer.
Unter der Wucht von Heinrikes Anklagen war Sibo haltlos in dem Gefiel zusammengesunken.
Warum rief sie auch den Tag heraus, den schwersten Tag seines Lebens, an dem ihm beim „Landesvater" erschreckend zum Bewußtsein gekommen, daß er unwert geworden, das Ehrenzeichen bet Fridunia zu tragen.
Er Wollte sprechen, ihr etwas entgegnen, er konnte nicht. Wie schön und ernst sie ihm dünkte in ihrer tiefen, leidvollen Entrüstung, ihrer Verzweiflung, ihrem großen Schmerz.
„Wenn ich dächte", fuhr Heinrike mit düsteren Augen fort, „daß «wis einziges Kind einst seinem Baier gleichen könnte, ich tötete es
„Deutsche Kabelgrarnm-Eefellfchaft" meldet dazu aus Guatemala: „In Matagalpa in Nicaragua wurde der deutsche Reichsangehörige Albert Nielsen ermordet. Der Täter ist ermittelt. Die deutsche Vertretung beauftragte die sofortige Festnahme und Bestrafung bei der Regierung in Nicaragua." Weitere Einzelheiten fehlen vollständig.
— Das Verlangen nach Sauberkeit. „. . . So viel politisch« Unehrlichkeit muß bloßgestellt und öffentlich gebrandmarkt werden; das erfordert das Verlangen nach Sauberkeit im politischen Kampfe." — So steht zu lesen in der Abendausgabe des — „Berliner Tageblatts" Nummer 431 vom 24. Augst 1912. Wirklich und wahrhaftig des „Berliner Tageblatts"!
— Würdelos! Aachen, 27. Aug. Etwa 200 Sänger aus Rheinland und Westfalen haben in den letzten Tagen unter Führung des Männergesangvereins Orphea (Dirigent Pütz) eine Cängerfahrt nach Paris veranstaltet und dabei wiederholt in großen Wirtfchaf- ten und auf den Straßen die — Marseillaise gesungen? Die natio nale Würdelosigkeit, die darin liegt, scheint den Teilnehmenden |i wenig zum Bewußtsein gekommen zu sein, daß man kein Bedenkei trägt, in einer Schilderung der Fahrt in einem hiesigen Lokalblatt u. a. auszuführen: „Nach dem Eßen sangen wir vor dem Hotel ft der Rue Honorö einige Lieder. Der Verkehr stockte. Hunderte vo» Wagen nach rechts und links standen still, und die Franzosen lausch ten unseren Liedern. Sämtliche Fenster waren besetzt, und die Ve geisterung wollte kein Ende nehmen, als wir die Marseillaise vier stimmig anstimmten. Die Verkehrsstockung war so groß, daß schlich lich ein Schutzmann erschien und uns bat, zur Vermeidung von lln- glücksfällen weiterzuziehen. Jedoch drohend wandte sich di« Menge gegen den Schutzmann und ungehindert sangen wir untel tosendem Beifall der Menge die Nationalhymne zu Ende. Es hält« nicht viel gefehlt, dann hätten die Franzosen unseren Pütz auf den Schultern davongetragen." Dazu bemerkt zutreffend die „Rhein.- Westf. Ztg.": „Jetzt waren 1200 Franzosen in Berlin. Ist es wohl einem davon eingefallen, „Deutschland über alles" zu singen? Deutsche aber singen dem Straßenpöbel in Paris die Marseillaise vierstimmig vor?
— Berufung ber verurteilten Kapläne. Straßburg, 28. Aug. Die am Sonnabend vom Oberkriegsgericht des 16. Armeekorps zu sechs Monaten Festung verurteilten vier Kapläne Adam, Mathieu, Spache« und Hennequin, sowie ber zu drei Tagen Mittelarrest öerurteilte Kaplan Hentinger haben beim Reichsmilitärgericht Berufung gegen das Urteil eingelegt. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, hat der katholische Geistliche Hennequin, ber vom Oberkriegsgericht des 16. Armeekorps zu sechs Monaten Festungshaft verurteilt worben war, an den Kaiser ein Gnadengesuch gerichtet.
— Bekämpfung ber Zigeunerplage. Berlin, 28. Aug. Im nächsten Monate soll in Dresden eine Vorkonferenz für einen Polizeikongreß der größeren Bundesstaaten stattfinden. Diese Vorkonferenz wirb sich auch mit ber Frage einer wirksameren Bekämpfung der Zigeunerplage befassen. Es schweben Erwägungen, ob nicht eine Vereinbarung zwischen den Bundesregierungen durchzusühren sei, daß die Polizeibeamten befugt sein sollen, auch über die Grenzen ihres Staates hinaus Zigeuner zu verfolgen und auf dem Gebiete des benachbarten Bundesstaates Amtshandlungen vorzunehmen, wenn und solange Polizeibeamte dieses Eebietes»nicht zur Stelle sind.
— Ernteschätzungen. Berlin, 26. Aug. Nach Mitteilung des Internationalen Landwirtschaftsinstituts in Rom wird das voraussichtlich« Ergebnis der Getreideernte Rußlands in 73 Gouvernements wie folgt geschäht (in Tonnen): Schätzung 1912: Weizen 20 410000 gegen bi. Ernte von 1911 13 866 200 bezw. gegen die Ernte von 1910 21110 900, Roggen 25 013 000 gegen 19 357 100 bezw. 22 038 700; Gerste 9 9757« gegen 8 951200 bezw. 10095 400: Hafer 14 988100 gegen 12 459 8« bezw. 15 182 500; Mais 1572 500 gegen 2 090 303 bezw. 1971200,
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mit eigener Hand. Und weil ich will, daß mein Sohn kein Tunichtgut wirb, kein Ehrloser, darum wirst bu beinen Sohn niemals Wiedersehen?
Noch heute verlasse ich mit den Kindern bas Haus. Irmele wirb deinen Namen fuhren — du selbst wirst die nötigen Schritte dazu tun — und ich werde sie fern von dir zu einem nützlichen und brauchbaren Menschen erziehen, du wirst auch sie nicht Wiedersehen!"
Sibo, dessen weiche Stimmung ebenso schnell verflogen, wie sie gekommen. und der sich immer sicherer fühlte in dem Gedanken, daß ihm doch nichts geschehen könnte, sah jetzt fast amüsiert in Heinrikes Gesicht.
„Darf ich vielleicht fragen, wie bu bir eigentlich benkst, deine hoch- fliegenden Pläne ins Werk zu setzen? Wovon willst bu denn mit bei Kindern leben, wenn ich meine Hand von euch abziehe?"
Heinrike sah ihren Mann stolz an.
„Es ist doch wohl überflüssig, davon zu reden. Du hast mir oft und wiederholt versichert, daß mein Vermögen fest und sicher außerhalb deiner geschäftlichen Unternehmengen angelegt ist, und da ich auch das alte Haus noch in Göttingen besitze, so dächte ich, dieser Punkt bedarf kaum der Erörterung."
Jetzt lachte Sibo aus vollem Halse.
„Daß du nicht sehr gescheit bist, habe ich ja, leider Gottes, schon lange gewußt, aber für so unverantwortlich bumm habe ich dich nicht gehalten. Meinst bu denn, ich hätte dich damals deiner schönen Auge, wegen, die sich nach mir tot weinten, genommen? Nein, mein Kind dein Geld brauchte ich, und du gabst es mir ja freiwillig. Das ist längs futsch, mein Liebling, und bas Haus in Göttingen — erlaube, baß ich mich noch mal setze — das ist ja schon seit Jahren so mit Hypotheken belastet, daß kein Mensch mehr eine Dreier daraus gibt."
..Halt!"
Wie ein Schrei bet Verzweiflung brach es von Heinrikes Sippen. Mit irren Augen sah sie um sich. Sie haschte nach einet Stütze, und sie griff ins Leere.
„Nicht weiter“, rang es sich bann mühsam aus ihrem Munde, „damit ich dich nicht in deiner ganzen Erbärmlichkeit zu sehen brauche. Du hast recht. Hier trage ich allein die Schuld, indem ich einem Ehrlosen verttautel" ... .
. ‘ i S*, ’ ."5! (Fortsetzung folgt.)