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1912.

Marburg

Mittwoch, 28. August

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mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Ktrch

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

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Die Festlichkeiten in Merjelmrg.

Die Stadt war für die Manöverfestlichkeiten über und über bis in die kleinsten Gassen hinein mit Fahnen, Kränzen und Laub- gewinden geschmückt. Ehrenpforten sind errichtet und Tannen- guirlanden ziehen sich durch die Straßen, durch die der Kaiser seinen Einzug halten sollte. Um 11.30 Uhr trafen, wie schon gestern kurz berichtet, in seiner Vertretung der Kronprinz die Kron­prinzessin mit Gefolge auf dem Bahnhof ein. Hie» ,c.nd großer militärischer Empfang statt. Dann begann der Einzug in die Stadt bei strömendem Regen durch ein Spalier von Schulen, Ver­einen, Innungen, Bergleuten und einem überus zahlreichen Publi­kum, das durch Zuzug aus der Provinz vermehrt war. Die Kron­prinzessin fuhr mit der Oberhofmeisterin in einem offenen vier- spännigen a la Daumont gefahrenen Wagen mit Spitzenreitern. Dahinter ritt der Kronprinz in der Uniform des Leibhusarenregi­ments. Es folgten die Prinzen August Wilhelm, Oskar und Joachim zu Pferde. Vor dem Kriegerdenkmal standen die städti­schen Behörden. Bürgermeister Dr. Hacke begrüßte die kronprinz- lichen Herrschaften und bedauerte das Fernbleiben des Kaisers und der Kaiserin, für deren völlige Genesung er die innigsten Wünsche der Bürgerschaft ausdrückle. Er dankte dafür, daß der Kaiser zu seiner Vertretung den Kronprinzen und die Kronprinzessin ent­sandt habe, die er namens der Stadt herzlichst willkommen hieß. Der Kronprinz reichte dem Bürgermeister die Hand und dankte ihm mit freundlichen Worten. Der Kronprinzessin wurde von einem jungen Mädchen, das ein Gedicht vortrug, ein Blumenstrauß überreicht. Dann setzte sich der Zug nach dem Königlichen Schlosie fort, wo großer Zivilempfang für die Spitzen der Behörden der Provinz stattfand. Nach dem Zivilempfang begab sich das Krgn- prinzenpaar nach dem Rittergut Schkopau, wo es Quartier nahm.

Abends 7 Uhr war königliche Tafel für die Provinz Sachsen tm Ständehause. Auf der Fahrt dahin wurden der Kronprinz und die Kronprinzessin sowie die anderen Prinzen des königlichen Hauses von dem zahlreich herbeigeströmten Publikum mit patrioti­schen Kundgebungen empfangen. Bei der Tafel verlas der Kron­prinz eine kaiserliche Botschaft an die Provinz, in welcher der Kaiser sein Bedauern darüber ausdrückt, auf den Besuch der Pro­vinz Sachsen und Merseburgs verzichten zu müssen. Nach einem geschichtlichen Rückblick auf die Vergangenheit der Provinz heißt es in der Botschaft: Vorüber sind Gott sei Dank die Zeiten deutscher Zerrissenheit und fremder Einmischung. In gemeinsamer Abwehr äußerer Feinde fanden sich die deutschen Stämme unter preußischer Fahne auf blutiger Wahlstatt zusammen und schufen ein fest gefüg­tes zu Lande und zu Wasier wehrbares deutsches Reich. Auch die Söhne dieser Provinz haben dabei mit ihrem Herzblut ihre Treue besieaelt und mannhaft dazu mitgewirkt, das Fundament für einen gesunden Aus- und Ausbau des deutschen Vaterlandes zu schaffen. Nachdem die Botschaft dann der aufblühenden Industrie Sachsens gedenkt, heißt es schließlich: Möge es der Provinz Sachsen beschicden sein, sich auch ferner auf allen Gebieten des wirtschaft­lichen und geistigen Lebens erfolgreich zu betätigen und in der Treue zu König und Vaterland keinem anderen Teile der Mon­archie zurückstehen. In seinem Trinkspruch gab der Oberpräsident von Hegel der schmerzlichen Enttäuschung und dem Bedauern der Provinz über die Abwesenheit des Kaiserpaares und die Erkran­kung des Kaisers Ausdruck und sprach die innigsten Wünsche für die Wiedergenesung des Kaisers aus. Der Toast schloß mit einem Hoch auf den Kaiser.

Die Lac;e in Marokko

P a r i s , 26. Ang. Nach einer gestern eingetroffenen Depesche aus Casablanca hat der in Süd-Marokko operierende Oberst Man-

1nnT~nanr« j

50 (Nachdruck verboten.)

Das Tor des Lebens.

Roman von AnnyWothe.

(Copyright 1910 by Boll & Pickardt, Berlin.)

(Fortsetzung.)

Und dann fuhr sie satt, und ihr Atem wurde schneller und kürzer, und ihre Augen bekamen wieder einen unruhig flackernden Ausdruck: Dann Herr Doktordann sagen Sie vielleicht auch einmal dem alten Mann dort, der mich kaltherzig von seiner Schwelle und von seinem Herzen wies, daß ich nicht aufgehört habe, ihn zu lieben und für ihn zu beten, und sagen Sie ihm, daß die arme Franze nicht schlecht war, sondern, daß sie nur den Mann über alles geliebt hat, der sie be­trog. Wollen Sie den letzten Wunsch einer Sterbenden erfüllest?"

Einen Augenblick schwankte der Doktor. Es war das Dokument, befien Vernichtung Franze verlangte, mit dem er Sibo zwingen konnte zu Heinrikes Heil.

Da aber hob auch Heinrike bittend die Augen zu ihm auf, und er neigte still und ergeben sein Haupt und sagte, mit seiner Hand fest die bet Kranken umschließend:

Ihr Wille sollgeschehen, Franze. Und wenn ich zu Ihrem alten Vater komme, so will ich ihm sagen, daß seines Kindes Liede den Fluch, den er ihm nachgesandt, in Segen verwandelt hat, und daß die Liebe doch die große Macht ist, die unsere armen Menschenherzen bewegt. Und nun schlafen Sie, Franze, schlafen Sie, bald ist es Morgen."

Die Augen der Kranken strahlten noch einmal aus. Dankbar küßte sie des Doktors Hand, dann machte sie mit zitternder Hand das Zeichen des Kreuzes über Jxmeles Stirn, die plötzlich laut aufwelnend beide Aermchen um Fränzes Hals schlang. Roch einmal preßte dle Kranke bas Kind an sich, dann gab sie cs ruhig in Schwester Renates Hand, die hereinkam, das weinende Kind aus dem Zimmer zu tragen.

Run saßen Heinrike und Rolf Bandener an Fränzes Lager und sahen da» fliehende Leben immer mehr entschwinden.

gin die Vortruppen des Stellvertreters des Eegenfultans El Hiba bei Ohama vorgestern überrumpelt. In dem Kampf, der von 7 Uhr morgens bis mittags dauerte, waren auf französischer Seite 4 Kom­pagnien, 4 Schwadronen und eine Artillerie-Abteilung verwickelt. Die Kolonne Mangin und Joseph sollen sich bereits vereinigt haben. Eine Hauptaktion gegen den Prätendenten El Hiba steht unmittel­bar bevor. Die französischen Verluste während der letzten drei Tage sollen drei Tote und 25 Verwundete betragen.Echo de Paris" berichtet aus Casablanca: 19 Franzosen, die in Marakesch einge­schlossen waren und sich bei El ©laut in Sicherheit befanden, sind von diesem trotz vorheriger gegenteiliger Versicherung zu dem Prä­tendenten El Hiba gebracht worden. Es sind ein Kommandant, ein Leutnant, der französische Konsul, der französische Vizekonsul und 5 andere französische Staatsangehörige. Diese Auslieferung geschah, um die Genannten vor dem Fanatismus der Eingeborenen zu schützen. Der Prätendent hat die Versicherung abgegeben, das Leben der Franzosen in Schutz zu nehmen.

P a r i s, 26. Äug. Die Verluste, welche die Kolonne Mangin in Marokko erlitten hat und die Schwierigkeiten, welche sie erfah­ren hat, um ihre Verbindung mit der Kolonne Joseph zu bewerk­stelligen, wirken beunruhigend. El Hiba erscheint als ein ernst­hafter Gegner und man wagt nicht an das Schicksal der in seine Gewalt gefallenen Franzosen zu denken, wenn er sie als Geiseln in seinem Lager behält, anstatt sie an die Küste führen zu lassen. Echo de Paris" schreibt: Trotz der Erfolge der Koloitne Mangin bietet die Lage ernste Gefahren und man ist noch immer auf-Ver­mutungen darüber beschränkt, welche Mittel General Lyautey zur Anwendung bringen wird um den französischen Konsul, die fran­zösischen Offiziere und unsere Landsleute aus der Gefangenschaft bei El Hiba zu befreien. Die Verhandlungen, die in solchen Fällen angezeigt wären, scheinen künftig nicht mehr möglich, seitdem, ein Fatum, welches El Hiba allerdings gesucht hat, seine Truppen mit der Kolonne Mangin in einem Gefecht gehabt hat. Ueber die Lags, in Mogador schreibt der Korrespondent vonLe Journal" aus Tanger: Man ist hier sehr gereizt über die ebenso unbegreif­liche als unerträgliche Haltung des spanischen Konsuls in Moga­dor, welcher versucht, uns ernsthafte Schwierigkeiten zu machen, in­dem er El Hiba und seine Parteigänger unterstützt und die Bevöl­kerung aufreizt, sich gegen Mulay Jnsiuf zu empören. Unter den gegenwärtigen Umständen kann das übelwollende Vorgehen dieses Konsuls die schwerste Katastrophe herbeiführen. Es ist um jeden Preis nötig, daß unsere Regierung von der spanischen Regierung verlangt, daß diese ihrem Vertreter in Marokko ernste Instruk­tionen regelt, um dessen schädliche Aktion aufzuhalten, wenn wir nicht wollen, daß unsere bereits so schwierige Aufgabe noch mut­willig verwickelter gemacht wird. Die regierungsfreundliche Autors" schreibt: Wenn es bewiesen ist, daß unsere Kräfte zu be­schränkt sind, so darf nicht gezögert werden. Es müssen die Opfer, welche die Situation verlangt, gebracht werden. Die zuständigen Männer und die militärischen Autoritäten, welche Marokko ken­nen, sind nicht weit davon entfernt zu glauben, daß diese Opfer un­erläßlich und dringend sind. Es scheint, daß die Stunde geschlagen hat, an praktische Entschlüsse zu denken.

P a r i s, 26. Aug. Mulay Hafid kommt heute im Auto von Vichy nach Paris mit sehr wenig Dienerschaft zu einem kurzen und inkognito wahrzunehmenden Aufenthalt. Wie verlautet, wird et hier europäische Tracht tragen, um nicht aufzufallen.

Die Gedanken der Kranken hatten sich verwirrt. Sie sprach bald taut, bald in leisem, geheimnisvollen Flüsterton. Sie sah die Studenten mit fliegenden Fahnen und bunten Mützen, sie sah Sibo in strahlender Jugendschönheit und sie sah ihn als Versucher und als ihren Gebieter, dem sie blindlings gehorchte. Sie klagte ihn an, und sie fluchte ihm, und dann wieder sprach sie in leisen, klagenden Liebeslauten zu ihm, daß er sie verlassen.

Heinrike litt unsagbar unter diesen Erinnerungen der Sterbenden. Rolf Bandener hatte umsonst versucht, sie zu entfernen. Sie wollte den letzten Hauch von diesem sterbenden Munde nehmen, den letzten Blick dieser leidvollen, dunklen Augen, die sich so früh schließen mutzten, weil Sibo sie verraten.

Immer stiller wurde die Kranke. Rur ab und zu stahl sich leise ein Lächeln über ihre Züge, wenn sie Heinrikes weiche Hand fühlte, die sich liebkosend auf ihre bebenden Hände legte.

Und als dann tief und feierlich die Glocken zur Frühmesse läuteten, da floh, ein Lächeln auf den Lippen zurücklassend, ihr Geist in jene lichte Fernen, deren Tore sie weit geöffnet sah, ihre gläubige Seele zu empfangen.

Heinrike drückte ihr sttll die Augen zu, bann sank sie zu kurzem Gebet auf die Knie an dem Lager der armen Franze, auf deren Lippen noch immer das Lächeln tag.

Es war nicht nur ein Gebet für die Tote, sondern es war auch ein Gelübde, das Heinrike da ablegte bei den tief herabgebrannten Kerzen, die in den grauen Wintertag hinausleuchteten wie zitternde Sterne.

Und dann schritt sie an Rolf Bandeners Hand hinaus aus dem Sterbezimmer, einen harten, strengen Zug um den sonst so weichen Mund und eine finstere Entschlossenheit in dem blassen Gesicht.

Ich habe Jrmele zur Ruhe gebracht!" bemertte Schwester Renate. ,D>as Kind war fo müde. Darf bk «Kleine bi» morgen hier bleiben, gnädige Frau?" -

Heinrike nickt«.

Politische Umschau.

Die türkische Frag«.

DieKölnische Zeitung" läßt sich aus Berlin schreiben: Rach den Erörterungen eines Teiles der internationalen Presie konnte

man den Eindruck gewinnen, als ob bei den bevorstehenden Aus­sprachen gewiffermaßen nach politischen Gruppen vorgegangen werde und daß es sich darum handele, die Ansichten und Jntcresien der einen dieser Gruppierungen zum Nachteile der anderen zur Gel­tung zu bringen. Wenn dieser Standpunkt irgendwo vorhanden wäre, möchten wir sehr wünschen, daß er so vollständig wie möglich verkästen würde. Es sollte sich umsoweniger darum handeln, den Jnteresten des Dreibundes oder der Entente zum Sicjc zu verhel­fen. als widerstreitende Interessen in dieser Frage kaum vorhanden sind. Den» das man darf wohl hoffen gemeinsame Ziel, ist, die orientalischen Angelegenheiten in Bahnen zu lenken, die bei gedeihlichen Entwicklung der Türkei und dem Frieden Europas von Nutzen wäre. Es wäre also widersinnig, wenn man in diesre Frag« die eine der politischen Gruppierung gegen die andere aufmar­schieren ließe, während alles daraus hinweift, daß sie hier sehr wohl zusammen gemeinsam operieren können. Es geschähe nicht zum ersten Male, daß der eine oder andere Staat feine Stellungnahmi lediglich danach einrichte, daß sie einem anderen Staate unange­nehm fein soll, doch wird man in einer solchen Politik der Verärge­rung die höchste Weisheit kaum erkennen können. Am wenigsten wäre dies zu finden, wenn man sie gerade jetzt anwendete, während alles darauf hinweist, daß'es sich hier nicht um Sonderinteressen des Dreibundes oder der Entente handelt, sondern um untätig« Dinge, bei deren Beratung alle Sonderinteresten ausgeschaltet wer­den könne. Wir sind überzeugt, daß nicht nur bei der deutschen, sondern auch bei anderen Negierungen diese Aussastung vorherrsch). Wir verzweifeln deshalb auch nicht, daß sie zur Geltung gsbrachi werden kann. Vom Dreibund und von der Entente hörten wir in der letzten Zeit genug. Wie wäre es, wenn man einmal Europa sprechen ober noch bester handeln ließe? Zu den zahlreichen fal­schen Nachrichten, die dieNowoje Wreinja" verbreitet hat, gehört auch die, daß Feldmarschall Freiherr von der Goltz sich in nächster Zeit im Auftrage des deutschen Kaisers nach Konstantinopel begebe und daß man in türkischen Kreisen aus diese Reise besonderen Wert lege. Da Marschall von der Goltz nicht beabsichtigt, eine solche Reise zu unternehmen, kann man auch diese Nachricht zu dem dicken Paket von Falschmeldungen derNowoje Wremja" legen.

Schutz gegen geisteskranke Verbrecher.

Die behördlichen Nachforschungen haben mit ziemlicher Gewißheit zu dem Schluß geführt, daß man es bei dem Ueberfall auf die drei Damen im Nauener Vorortzuge wieder einmal mit einem geisteskranken Verbrecher zu tun hat. Die Untaten Geistesgestörter nehmen in letzter Zeit wieder überhand, und liefern den traurigen Beweis dafür, daß trotz aller wiederholter Mahnungen in unseren verschiedenen parla­mentarischen Körperfchaften die Behörden noch immer nicht genügende Vorkehrungen getroffen haben oder treffen können, um die menschliche Gesellschaft vor den gemeingefährlichen Ausbrüchen Irrsinniger zu schützen. Soweit die bestehenden Gesetze nicht den genügenden Schuh gewähren können, wird hoffentlich die Strafrechtsreform, die sich ein­gehend mit dieser Materie beschäftigt, Bestimmungen schassen, die geeig. net sind, die Gefahren, die der Oeffentlichkeit durch Geisteskranke drohen, auf ein Mindestmaß zu beschränken. Dagegen, daß Personen, bei denen sich die Geistesgestörtheit noch nicht bemerkbar gemacht hat, frei herum- laufen, ist allerdings nichts zu machen; man wird aber wohl verlangen können, daß solche Leute, die durch Handlungen beweisen, daß sie irr­sinnig sind, wenn sie auch noch nicht als gemeingefährlich anzusprechen sind, unter eine gewisse Polizeiaufsicht gestellt und scharf beobachtet werden, um sie bei wachsendem Irrsinn sofort unschädlich zu machen. Es muß mit der Zeit dahin kommen, daß die Menschheit von der furcht­baren Geißel geisteskranker Verbrecher befreit wird, und daß andrer­seits den beklagenswerten Geisteskranken ihr Los nach Möglichkeit er­leichtert wird. Jedenfalls lehrt uns die Erfahrung, daß es nicht allein genügt, geisteskranke Verbrecher nach vollbrachter Tat unschädlich zu machen, sondern daß man auch nach Mitteln und Wegen suchen muß, um die Untaten von Personen, die als geisteskrank erkannt sind, vor Ausbruch der Gemeingefährlichkeit zu verhindern.

Ich danke Ihnen. Schwester; ja, ich lasse das Kind, das heute fein Bestes verloren hat, gern in Ihrer treuen Obhut."

So, hat sie ausgelitten, die Arme", sprach die junge Schwester, still die Hände faltend.Wie wird ihr wohl sein!"

Sie trat leise in das Totenzimmer.

Heinrike aber ging an Rolfs Seite, der sich ihr schwelgend zuge- fellte, in den grauen Wintermargen hinaus, ihrem Haufe zu, das in dem weißen Schnee wie in gespenstischem Dämmern lag.

Ueber dem Rhein lagerten noch dichte Nebel. Der Elockenklang schwebte noch immer durch die schwere Luft, fönst aber war Totenstille, als sie den Weg gingen, den letzten, den Fränze gegangen.

Beide dachten das gleiche, aber keiner sagte ein Wort, wie sie so durch den Morgennebel schritten.

Als das Haus dicht vor ihnen lag, blieb Heinrike einen Moment stehen, und mühlselig kam es von ihren Lippen:

Eigentlich hatte ich dieses Haus hier nie wieder betteten dürfen, hier, wo man meine Ehre, mein innerstes, heiligstes Selbst in den Staub zwang, wo man mich und meine Liebe achtlos zertreten hat, da ist kein Platz mehr für mich."

Heinrike!" bat Rolf in angstvoller Besorgnis und doch voll heim­lichen, unterdrückten Jubels.Wäre es möglich, hätten Sie den Mut, sich von dieser unwürdigen Fessel freizumachen?"

Er verstummte erschreckt. Ein Blick in ihre Augen sagte ihm, daß es für ihn keine Hoffnung gab, daß sie den Kelch bis zur Hefe leeren würde, wenn auch ihr eigenes Wünschen sie drängte, die Fessel abzn- streifen, die sie erdrückt.

Soll ich mit Ihnen gehen?" fragte et leise.

Nein, Rolf! Das, was ich Sibo zu jagen habe, das muß unter uns beiden bleiben!

Noch einmal nickte sie dem DoWr zu, bann verschwand sie h» Innern des Hauses.

Er sah ihr lange nach. Der tobestraurige Blick, mit dem sie zu thm zurücksah, brannte in seiner Seele. Er fühlte, bas wat ein Abschied für tarnet, (Fortsetzung folgt)