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aufßwtommen.
47. Jahrgr
1912.
Marvnrg
Freitag, 23. August
Eine Militärdebatte in der bayrischen Abgeardneteukammer.
Der neue Kriegsminister, Frhr. v. Kreß, erklärte sich gegen jede Verringerung der Militärdienstzeit, sonst bekäme das Heer den Charakter einer Miliz. Eindringlich warnte der Minister sodann vor der Fremdenlegion. Niemals werde jemand im bayrischen Heer einem Mitglied der königlichen Familie weichen müssen. Nach dem Kriegsmtnifter sprach der Abgeordnete v. Vollmcu. „Wir wollen bett Frieden, wenn aber die Erhaltung des Friedens nicht gelingt, wird die Sozialdemokratie alles andere hinter der Not des Vaterlandes zurücktreten lasten und der Sozialdemokrat wird der schlechteste Landesverteidiger nicht fein!“ Gegen den Erlag des vorigen Kriegsministers, der bei den letzten Landtagswahlen den inaktiven Offizieren die Einhaltung des liberal-sozialdemokratischen Wablabkommens verbieten wollte, protestierte er und der liberale Oberbürgermeister Dr. Castelmann-Bayreuih schloß sich ihm an. Casselmann beklagte auch die gemeinen Denunziationen, die nach seinem Erlag beim Kriegsministerium eingelaufen seien. Dann wandte sich
die Kronprinzessin von Griechneland sind dann nach 21/? Uhr nach Cronberg im Automobil abgefahren. Um 3^ Uhr erfolgte die Ankunft in Cronberg.
Auf seiner Reise in die Schweiz wird der Kaiser von dem Fürsten zu Fürstenberg begleitet sein. In dem voraussichtlich 6us 13 Herren bestehenden Gefolge, von denen drei mit dem Kaiser der Villa Wesendonck in Zürich wohnen werden, werden sich u. a. befinden: der Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg, der Hausmar- fchall Freiherr von Lynrfer und der Gesandte Freiherr von Dürfet« Jänisch. Die Abordnung der Baseler Regierung zu« Begrüssung des Kaisers am 3. Septemb-r bei seinem Eintritt in die Schweiz besteht aus dem Vizepräsidenten Dr. Aemmer und den Regierungsräten Dr. Burrfhardt und Dr. Speiser.
heute früh gewährt worden. Es bestätigt sich, daß die Montene» gritwt Berana besetzten. Die Höhen der Umgebung sollen noch hl Händen der türkischen Truppen sein. Die Türken entsandten von Ipek und anderen Orten Truppen nach Berana.
Konstantinopel, 21. Aug. Wie amtlich gemeldet wird, sind sämtliche Schwierigkeiten mit den Albanesen glücklich beigelegt worden, und zwar auf Grund der von der Regierung ausgestellten Bedingungen. Die Albanesen verlassen Uesiub und Prischiina, um in ihre Ortschaften zurückzukehren. Sie werden in zwei bi« drei Tagen sämtlich in ihrer Heimat angelangt sein.
äußerte dem Oberbürgermeister gegenüber seine Freude über die fröhlichen Kinderscharen, die er auf seinem Wege gesehen hatte und nahm mit Vergnügen Kenntnis von der fortschreitenden Ausdehnung des Stadtweichbildes durch die Erschließung des früheren Festungsgeländes. Um 12(4 Uhr war Frühstückstafel im Schlosse.
Die Lage in der Türkei.
Konstantinopel, 21. Aug. Justizmimster Hussein Htlmi Pascha gab, wie es heißt, seine Demission: sie soll angenommen worden sein.
Saloniki, 20. Aug., 9 Uhr abends. Hassan Bey bemühte sich nochmals, die Arnautenführer zur Räumung lleskübs zu veranlassen, was teilweise gelang, doch blieben die Leute von Jena Boletinaz und Riza Bey sowie Bairam Zur hier, deren Zahl über 15 000 betragen soll. Die Arnauten erfüllen die ganze Stadt. Sie leiden bereits Mangel an Nahrungsmittel und haben sich zu verschiedenen Hebelgriffen hinreißen lassen, wodurch sich die Lage gestern sehr bedenklich gestaltete. Wie verlautet, beabsichtigen die Arnauten, auch die Befreiung Abdul Hamids herbeizuführen.
Konstantinopel, 21. Aug. Der Ministerrat beschloß, die albanesische Frage als erledigt anzusehen. Diejenigen Albanesen, die nicht in die Heimat zurürfkehren wollen, werden als Briganten betrachtet. Für ihre Unterwerfung ist eine Frist bis
Politische Umschau.
r ; Der Kaiser in Mainz.
Mainz, 21. Aug. Der Kaiser traf im Automobil von Cronberg kommend gegen 7. Uhr auf dem großen Sand bei Mainz ein, mit ihm Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Bei dem Empfangszelt hatten sich der Eroßherzog und die Großherzogin von Hessen eingefunden. Prinzessin Friedrich Karl -und die Großherzogin trugen die Uniform ihrer Regimenter, der Kaiser diejenige des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm (2. Eroßherzoglich Hessisches) Rr. 116, und der Eroßherzog diejenige des Earde-Dra- goner-Regiments (1. Großherzoglich Hessisches) Rr. 23. Rach herzlicher gegenseitiger Begrüßung bestiegen die Herrschaften die Pferde. Um 2 Ühr begann ein Exerzieren des Eardedragonerregi- ments Rr. 24. Hieran schloß sich eine Gefechtsübung, woran teilnahmen: die 41. Brigade, die 42. Brigade, das Magdeburgische Dragonerregiment Rr. 6 und zwei Batterien des 1. Nassauischen Feldartillerieregiments Nr. 27 Oranien. Die Gefechtsübung leitete Generalleutnant Scholtz (21. Division). Das Wetter ist schön. — Nach Beendigung der ilebung setzte sich der Kaiser und der Eroßherzog, wie gestern schon kurz gemeldet, an die Spitze der Truppen. Heber den Einzug in Mainz wird ferner berichtet: Unter dem Geläute der Glocken traf der Kaiser mit dem Eroßherzog um 12 Uhr vor dem Großherzoglichen Schlosse ein, wo er die Fahnenkompagnie und die Standarten-Eskadron noch einmal vorbeimarschieren ließ. Im Vestibül des Schlosses wurde der Kaiser von Oberbürgermeister Dr. Eöttelmann namens der Stadt Mainz begrüßt. Der Kaiser
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Preußischer Gemeindebeamtentag.
S. &^I. Frankfurt a. M., 21. Aug. 1918,
I.
Mit einer geschlossenen Delegiertenversammlung, in bet geschifft" liche Angelegenheiten interner Art erledigt wurden, begannen heut« hier die Beratungen bet 17. ordentlichen Hauptversammlung des Zen- tralverbandes der Gemeindebeamten Preußens. Die 49. Unterverbänd« der Monarchie haben vollzählig Vertreter entsandt. Der der Tagung vorliegende Geschäftsbericht weist nach, daß der Zentraloerband am 1 April d. 33/53 253 Mitglieder zählte. Der Zugang im Berichtsjahr bezifferte sich auf 1006 Mitglieder. Die Entwickelung des Verbandes ist damit als günstig zu bezeichnen. Die teilweise Absonderung bet Polizeibeamten und die Gründung von Sonberorganifottonen hat dem Vorstande des Zentralverbandes Veranlassung gegeben, ein aufklärendes Rundschreiben an sämtliche Verbandsvereine zu versenden. Es ist dort nachgewiesen worden, daß der Vorwurf, bei Zentralverband berücksichtige nicht genügend die Interessen der Polizei und Unterbeamten, jedweder Grundlage entbehrt. Auch bei den Vollziehungsbeamten sollen sich Ab- sonderungsbestrebungen bemerkbar gemacht haben. Was damit erreicht werden soll, ist unverständlich. Das zwecklose Beginnen, jede Beamtenklasse für sich zu organisieren, kann nur die Interessen und die Stoßkraft der Gesamtheit beeinträchtigen. Als Gegensatz zu den Ab- sonderungserscheinungen ist zu vermerken, daß bet Rheinische Gemeinde- Försterverein und der Verein der Kommunalforstbeamten des Regierungsbezirkes Wiesbaden den Anschluß an den Zentralverband in ernstliche Erwägung gezogen haben. Dem Sonderausschuß für die Bestrebungen auf Abänderung des Kommunalbeamtengesetzes lag die Aufgabe ob, das Erhebungsmaterial über die Besoldungsverhältnisse und über besonders krasse Fälle in den Anstellung-.- und Versorgungsverhältnissen der ffiemeinbebeamten aufzuarbeiten. Der Sonderausschuß für das Anwärter- und Lehrlingswesen in den Gemeindeverwaltungen wurde durch die Hauptversammlung in Posen zu einer ständigen Einrichtung des Zentralverbandes bestimmt und ihm die Aufgabe zugewiesen, bi< Heran- und Fortbildung, sowie die Art der Annahme der Anwärter für den Eemeindebeamtendienst aufmerksam zu verfolgen, dem Zentral- verbände in bestimmten Zeitabschnitten Berichte über die gemachten Erfahrungen zu erstatten, die Presse auf dem Laufenden zu erhalten und auf Wunsch des Zentralverbandes erneute Erhebungen zu veranstalten. Das gewonnene Erhebungsergebnis warf ein grelles Licht auf die vielerorts bestehenden ungünstigen Annahme- und damit in Verbindung stehenden Anstellungsverhältnisse innerhalb der Eemeindebeamtenlauf- bahn. Den Wünschen nach einer Reform des Disziplinargesetzes haben sich auch die Eemeindebeamten angeschlossen. Der Vorstand des Zentralverbandes ist daher In eine nähere Prüfung der Frage eingetreten. Die Bestimmungen in den preußischen Städte- und ßanbgemeinbeorb« nungen, wonach den Eemeindebeamten das passive kommunale Wahlrecht vorenthalten wird, erscheinen nicht mehr zeitgemäß. Neuerliche Entscheidungen, die den ohne Beamteneigenschaft beschäftigten Gemeinde angestellten bas erwünschte Recht bet Wählbarkeit zu Stabt- bezw Eemeindeverorbneten zusprechen, haben eine erneute Erörterung btefei wichtigen Gegenstandes hervorgerufen und den Anlaß gegeben, ernstlich« Schritte zu unternehmen, um die Gleichstellung der preußischen Gemeinde- beamten mit den übrigen Staatsbürgern in Beziehung auf das passive kommunale Wahlrecht herbeizuführen. Die Verbilligung und Verbesserung der Wohnungsverhältnisse hat der Vorstand in den Kreis er««
Dr. Casselmann scharf gegen die Ablehnung des Militäretats durch dir Sozialdemokraten, und betonte mit besonderem Nachdruck, mV welcher Freudigkeit die Liberalen die neuen Organisationen für Heer und Flotte bewilligt hätten. Gerade Bayern stimme ihnen um so lieber zu, als das Ausland immer noch zu meinen scheine, es gebe eine Main-Linie für den Reichsgedanken. Abg. Eerstenberger (Ztr.) meint, Vollmar wollte in der bekannten Art als Revisionist über die Taktik der Sozialdemokratie hinwegtäuschen und habe dafür das Zentrum angegriffen. Wenn das Zentrum im Reichstag den Militäretat abgelehnt habe, so sei dies lediglich geschehen, weil es sich nicht auf sieben Jahre binden wollte. Das Zentrum werde mit allen Mitteln die Beseitigung des Duells aus dem Heer erstreben.
Die Heimkehr Poincare's.
mtt Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend“, „Fürs Haus“ und „Landwirtschaftliche Beilage“.
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Dünkirchen, 21. Aug. Der Minister des Innern Steeg begab sich gestern vormittag an Bord des „Conde“ und hatte dort eine lange Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Poincare. Als beide an Land gingen wurden sie mit Salutschüssen und Hochrufen der Menge begrüßt. Die Straßen sind beflaggt. Jrn Rathaus fand ein Frühstück zu 150 Gedecken statt, dem Poincarö beiwohnte. Während des Frühstücks im Rathause hielt Poincare eine Rede. Nach einem warnten Lobe aus die Offiziere und die Besatzung des „Conde", in deren Mitte er, ohne den französischen Boden zu verlassen, die russischen Freunde besuchte, erklärte er, er sei von der Aufnahme, die er in Rußland gefunden, und die sich an die ganze befreundete und verbündete Nation gerichtet habe, tief gerührt. Als offizieller Vertreter Frankreichs sei er beauftragt, Frankreich die Sympathien Rußlands zu übermitteln. Poincare fuhr fort: Die Gefühle, die wir unseren Verbündeten dauernd bewiesen, finden Bet ihnen ein treues Echo. Die Freundschaft beider Länder ist unveränderlich. Die Zeit, weit davon entfernt, sie erkalten zu lassen, gab ihr neue Lebhaftigkeit. Rußland und Frankreich sind in gleicher Weise an bet Festigkeit des Bündnisses interessiert, das ihnen gestattet, sich jederzeit zu einer diplomatischen Aktion zusammenzutun und an der Aufrechterhaltung des Friedens zufammenzuarbeiten, indem sie dabei wachsam den sich abspielenden Ereignissen folgen und sich voller Uebereinstimm- ung gegen die Zufälligkeiten der Zukunft schützen. Dieses Bündnis ______ ________________..... , .. wird durch unsere Entente cordiale mit England vervollständigt und er« Der Kaiser Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen unbä - .»eitert Sicherlich kann niemand in dieser friedlichen Gruppierung -- - ' - - ■ - - - - - - •>«:---bei btei befreundeten Mächte Provokation oder Angriffslust erblicken.
Dank ihrer Politik der Klugheit, Kaltblütigkeit und Würde wußte die Republik die Stellung Frankreichs in der Welt zu behaupten. Unsere materielle und moralische Stärke ist es, die allein unserer Freundschaft Wert verleihen und uns draußen dauernde Unterstützung verschaffen kann. Wir müssen uns also bemühen, die vitalen Kräfte des Landes $1 erhalten und zu vermehren. Ich meine damit nicht lediglich das Heer und die Flöte, sondern vor allem ein einheitliches, gemeinschaftliches Nattonalgefühl, das die Größe, den Ruhm und die Unsterblichkeit des Volkes ausmacht. — Die Rede wurde oft von lebhaftem Beifall unterbrochen und mit zahlreichen Hochrufen auf den Ministerpräsidenten
(Nachdruck verboten.)
Das Tor des Lebens.
Roman von A nny W 0 the.
* (Fortsetzung.)
Mirjams grüne Augen leuchteten unter den goldigen Wimpern fo seltsam nixenhaft zu Derham herüber, daß er seine Selbstbeherrschung aufbieten mußte, nicht die schöne Rheinnixe an fein stürmisch klopfendes Herz zu reiße». Noch heute mußte die schöne Widerspenstige fein werden, noch heute.
Wie süßes Locken klang es noch einmal durch den Saal: „Und wer uns folgt in des Rheines Schloß, Der wird unser herziger Spielgenoß, , Dem küssen wir heiß die Lippen rot, Er kennt nicht Alter, er kennt nicht den Tod. Uns singen die Wellen zum Ringelieih'n, Kommt mit, kommt mit, wir wiegen euch ein.“
Und dann war der holde Spuk verflogen, des Rheines Töchter waren wie Schatten entschwunden.
Ein ungeheuerer Jubel brach los. Ein jeder wollte wissen, wer die schönen, märchenhaften Gestalten gewesen, die mit ihrer berauschenden Schönheit und ihrem süßen, lockenden Gesang alle Herzen erobert hatten.
Sibo mar ganz aufgeregt Mirjam nachgestürmt. Aber er hatte nur noch gesehen, wie sie in der Garderobe verschwand.
Ungeduldig stampfte er mit dem Fuß. Immer entwischte sie ihm. Sein ganzer, lang zurückgehaltener Groll kehrte sich nun gegen Heinrike.
Warum konnte sie nun nicht auch jo was? Sie sah ja ganz hübsch in ihrem poetischen Königskleide aus, aber ihr larmoyantes Gesicht machte ja doch alles zunichte.
Heinrike hätte es gewiß auch nicht schicklich gesunden, in so durchsichtigen Florgewiindern. wie hier die Hellwigschen Mädel, vor den Gästen zu tanzen. Heinrike war überhaupt nicht für die Geselligkeit zu gebrauchen. Ja, wer eine Frau wie Mirjam hatte, der konnte es noch zu etwas bringen. Donnerwetter, wenn es wirklich diesem Kerl, diesem Derham gelingen sollte, das schöne, bas herrliche Weib zu erringen! —
Sibo war es, als müsse er in feinem Ritterwams ersticken.
„Gr soll es wagen, sie anzurühren!“ rief et mit drohens erhobener Faust,
„Hältst du Monologe, Sibo?“ fragte mit leisem Hohn eine spöttische Stimme, und Dethams dunkle Augen richteten sich lauernd auf ihn.
Sibo sah verblüfft in das Antlitz des Amerikaners, der, ein Glas Sekt in der Hand, vor ihm stand und sich wohlgefällig feinen weißen, wallenden Bart strich.
„Na, das Theaterspielen ist Dir wohl Übet?“ fragte Sibo lässig. „Wei Dich hier so aus bet Rolle fallen sieht, wirb allen Respekt vor bem Rheingott verlieren. Ist bas Theater aus?“
„Das geht nie zu Gnbe, alter Freund. Theater spielen wir alle, solange wir leben, und Du am meisten.“
„Ich, was willst Du damit sagen?“ ,
„Daß doch alles hier Mumpitz ist!“
„Willst Du wohl schweigen! Warst Du es nicht, der mir selber zu diesem Feste riet? Meintest Du nicht auch, das Fest würde viel dazu beitragen, unseren Kredit ins Fabelhafte zu steigern?“
„Gemach, lieber Sibo. Die Leute wissen auch hier am Rhein ganz genau, was sie wollen. Zudem können wir ja nach jeder Richtung hin zufrieden fein."
„Na, also. Was willst Du denn noch?“
„Dich daraus vorbereiten, daß ich um Deine Cousine Mirjam werben will. Von Dir erwarte ich, daß Du mir keine Schwierigkeiten bereitest!“
„Bist Du von Sinnen. Mirjam ist ein anständiges Mädchen aus tadelloser Familie. Ich habe Dir schon einmal gesagt, laß die Hand davon, und ich wiederhole es Dir heute abermals.“
Sibo bemühte sich vergeblich, seiner Stimme einige Festigkeit zu geben.
„Ich bezweifle durchaus nicht, daß Mirjam Hellwig ganz einwandfrei ist“, lächelte der Amerikaner, hastig ein neugefülltes Glas Sekt hin- unteistürzend. „Aber hast Du nicht auch eine ganz einwandfreie Frau, oder willst Du vielleicht sagen, daß ich schlechter bin als Du?“
„Laß meine Frau, bitte, aus dem Spiel.“
„Daß sie sehr tugenbfam ist, unangenehm tugendsam sogar, kann ich Dir auf Ehrenwort bescheinigen!“ kam es zynisch von Derhams Lippen,
„Du hättest Dich gefreut, wenn es anders gewesen wäre, denn es ist nicht immer ganz bequem, wenn der eine Teil so tadellos dasteht, während bet andere so viel auf dem Kerbholz hat. Im übrigen will ich Dir gewiß nichts tun, alter Junge, aber in Sachen Mirjam, verstehst Du, da lasse ich mir nicht dreinreden, und wagst Du es dennoch, so sollst Du mich kennen lernen!“
Ganz betäubt sah Sibo seinem Kompagnon nach.
Der Kerl war fähig, ihm das Messer an die Kehle zu setzen, aber Derham täuschte sich in der Annahme, er ließe sich von ihm unterkriegen. Er hatte auch noch Mittel, diesen Abenteurer zu meistern.
Verstimmt schritt Sibo dann zu feinen Gästen zurück. Wiederholt blickte er nach der Tür, ob Rolf Bandener — den er bestimmt erwartet hatte — nicht endlich erschien.
Eine fieberhafte Unruhe hatte ihn befallen, seitdem er wußte, daß die schwarze Friinze sich in Bandeners Pflege befand. Wenn er sie erkannte, oder sie ihn? Es drohte wohl, wie er nach heimlichen Erkundigungen ausfindig gemacht hatte, keine augenblickliche Gefahr, da Franze noch immer ohne Bewußtsein lag, aber man konnte es doch nicht wissen, wie der Zufall einmal spielte. Daß Rolf nicht kam, hielt er für ein gutes Zeichen, indem er mutmaßte, es stände schlecht mit Friinze. Hatte ihm der Gedanke, daß Friinze tot fein könnte, auch erst unglaubliche Pein verursacht, fo ertappte er sich jetzt, wo er wußte, daß sie nicht durch seine Schuld ums Leben gekommen, oft bei bem Wunsche, baß sie sterben möchte, bald, ohne das Bewußtsein roiebererlangt zu haben.
Mit dem Kinde würde sich die Sache bann schon einrichten. Aus bem Hause mußte es um jeden Preis. Er konnte die unschuldigen Kinderaugen nicht sehen. Heinrike war er dankbar, daß sie ihm Jrmele fern- htelt. Gesprochen hatte er mit ihr noch nicht wieder übet die Kleine.
Unterdes hatte Mister Derham den Tanzsaal ausgesucht. Sein Auge suchte Mirjam, die dort drüben soeben in den Saal trat.
Gin bewunderndes Raunen ging durch die Gäste, als Mirjam jetzt, im weißen ßoreleigeroanb, die goldene Leier im Arm, durch den Saal schritt. Wie eine leuchtende Goldflut hing ihr das üppige Haar in dichten Wellen bis weit über die Hüften hinab. In ihren grünschillernden Augen zuckten gelbe Flammen, als jetzt der Vater Rhein auf sie zuschritt «Uld ihr sacht die Leier aus dem Arm nahm. (Fortsetzung folgt)