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Marburg
Mittwoch, 21. August
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage"
,.'le .Cbcrhefiifdjc Zeitung" erscheint täglich mit «usnahme Der «onn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Bost bezogen 2.26 '<* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <K frei inS HauS. (Für unver. langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Znh.: Dr. T. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
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47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Die Steuerlasten der deutschen Städte.
Ueber die Steuerlasten der deutschen Städte im letzten Etatsjahr find, wie der „Inf." geschrieben wird, Erhebungen angestellt worden, durch die-rin Ueberblick über die Steuerfähigkeit der einzelnen Städte Deutschlands genommen werden kann. Es ergibt stch, daß in den verschiedenen Städten ganz beträchtliche Unterschiede in der Steuerleistung pro Kopf der Bevölkerung bestehen. Die hauptsächlichsten Ergebnisse nach dem durchschnittlich höchsten und niedrigsten Satz sind in den einzelnen Steuerorten folgende:
An Einkommensteuer betrug in Deutschland der Durchschnittssah pro Kopf der Bevölkerung 20,09 M. Wie verschieden die Erträgnisse aus der Vinkommensteuer in den einzelnen Städten gerechnet sind, geht daraus hervor, daß dieser gesamte deutsche Durchschnittssatz nach oben und nach unten ganz beträchtlich überschritten wurde. Den höchsten Steuerertrag hatte Frankfurt a. M. aufzuwcisen, denn hier betrug er im Durchschnitt pro Kopf der Bevölkerung 85,05 Den niedrigsten Satz an Einkommensteuer erbrachte Allenstein mit durchschnittlich 7,16 M. Don Zuschlägen zur Einkommensteuer wurden in einigen Städten bis zu 275 Proz. erhoben, während andere, wie z. B. Berlin, Eharlottenburg, Wiesbaden je 100 Proz. erhoben. Bei den indirekten Steuern erreichten Städte mit 7845,9 <44. den höchsten Satz während Brieg nur 24,8 erhielt. Bei den Verbrauchssteuern stand Wiesbaden mit dem höchsten Ertrag von 4,84 Mark an der Spitze, während Frankfurt a. M. den niedrigsten Satz mit durchschnittlich 0,85 <K ausweisen konnte. Der Gesamtdurchschnitt betrug in Deutschland 1,52 <44. An Grund- und Eebäudesteuer erzielte Altona mit 21,40 <44 im Durchschnitt den höchsten Betrag, den niedrigsten dagegen Brieg 3,62 <st. Der Gesamtdurchschnitt betrug in dieser Steuer 9,68 <41. Bei der Gewerbesteuer wurden in einzelnen Städten Höchstzu- schläge von 1.324.75 Proz. erzielt, während z. B. Altona nur einen Zu- schlag von 100 Proz. nachwics. Aus den Erhebungen ergibt stch ferner die bemerkenswerte Tatsache, dast in den einzelnen Städten die Belastung der Bevölkerung mit den verschiedenen Steuerarten ganz erhebliche Unterschiede aufzuweisen hat. Während z. B. eine Stadt in einer Steuer den höchsten Satz erzielt, hat fie In einer anderen Steuer den niedrigsten Satz aufzuweisen.
De? Kaiser in Frankfurt.
Wie gestern schon kurz gemeldet, ist der Kaiser um 12 Uhr in Frankfurt eingetroffen. Ueber die Ankunft und den Aufenthalt des Kaisers dort liegen uns folgende Nachrichten vor:
Frankfurt, 19. Aug. Punkt/2 Uhr lief der Hofzug auf dem Bahnsteig 4 ein. Auf dem Perron waren anwesend Oberpräsident Hengstenberg, Regierungspräsident v. Meister, Polizeipräsident Rieß v. Scheurnschloß, Prinz Friedrich Karl von Hessen in Eeneralsuniform und Eisenbahnpräsident Releaux. Der Kaiser, der Feldjägeruniform trug, gab dem Ptinzeu Friedrich Karl und dem Polizeipräsident die Hand und begab sich sodann in das Fürstenzimmer. Rach kurzem Aufenthalt erfolgtx die Fahrt im Automobil nach dem Hohenzollernplatz. Auf dem Wege durch die fahnen- geschmückte Stadt wurde er vom Publikum und den Schulkindern herzlich begrüßt. Um 12 Uhr 20 Min. erfolgte die Ankunft am neuen Osthafen; in seiner Begleitung befand sich Prinz Friedrich Karl von Hessen. Der Kaiser trug die Uniform der Königsjäger zu Pferde. An der Empfangshalle hatten sich eingefunden Oberbürgermeister Dr. Adickes, die Minister v. Breitenbach und Lentze, Oberpräsident Hengstenberg, kommandierender General v. Eichhorn, die Spitzen der Behörden, die Stadträte und die Stadtverordneten, soweit sie Mitglieder der Osthafenkommission sind, und andere. Zn der Empfangshalle wurden dem Kaiser Pläne und Skizzen des Hafens gezeigt und Oberbürgermeister Adickes hielt
(Nachdruck verboten.)
Das Tor des Lebens.
Roman von A n n y W o t h e.
44 (Fortsetzung.)
„Haben Sie stch nicht gewundert, mein gnädiges Fräulein, daß ich die Einladung Ihres Vaters annahm, nachdem ich glücklich schon seit Monaten immer einen Ausweg gefunden habe, sie abzulehnen?"
„Zn der Tat, ich war überrascht."
„Es hat einen ganz besonderen Grund, mein gnädiges Fräulein. Ich habe eine Bitte an Sie."
„Sie an mich? Was könnte das sein?"
„Sie wird mir nicht leicht, und doch muß ich sie aussprechen. Zn unserem Krankenhause befindet sich seit einigen Wochen ein Patient, der mir besonders ans Herz gewachsen ist. Er wurde aber gänzlich hoffnungslos bei uns eingeliefert."
„Ja, aber, bester Herr Profesior, was gehen mich denn Zhre Patienten an?"
„Ich wünsche, und ich erwarte von Ihnen, mein Fräulein, daß Sie wenigstens einmal an das Lager dieses armen Kranken treten, für den ich freudig mein eigenes Leben hingeben würde, um ihn zu retten."
„Klaus Wolfert!" kam es wie ein Schrei von Mirjams Lipven, »nd etwas wie irre, sinnlose Angst zuckte in ihren schillernden Rixen- äugen auf.
„So ist es!" entgegnete Bendheim der fast sprachlosen Mirjam. „Klaus Wolferts Leben ist zum zweiten Mal in meine Hand gegeben. Wo ich einst vernichtete, kann ich jetzt vielleicht heilen. Seit Wochen habe ich um fein Leben gerungen mit der dunklen Gewalt, die alle Lebenspforten schließt, und oft wollte ich bitter und mutlos verzagen. Aber seit einigen Tagen, da glimmt mir ein kleiner, wenn auch nur ganz schwacher Hoffnungsstrahl. Gelingt es mir, ihm zu helfen, ihn dem Leben und seiner alten Mutter wiederzugeben, dann wäre meine — unsere Schuld .gesühnt. Und darum möchte ich Sie bitten, nein, es von Ihnen fordern, daß Sie mir helfen, Klaus Wolfert dem Leben zurückzugewinnen." ’ „Und wie soll das geschehen?" fragte Mirjam, noch immer die Augen gesenkt, während ihr Herz stürmisch klopfte.
einen kurzen Vortrag über die Geschichte des Frankfurter Hafens und dessen großzügigen Neuanlagen. Er schloß mit einem dreifachen Kaiserhoch. Auf dem Wege von der Empfangshalle zum Hafen bildeten Krieger-, Turner- und Sport-Vereine mit ihren Fahnen Spalier, der Kaiser durchfuhr unter den Hochrufen der Mitglieder die Reihen. Am Hafenkai lag der Regierungsdampfer „Adler" für den Kaiser bereit, zahlreiche Boote der Frankfurter Rudervereine bedeckten das Wasser. Die Lastschiffe hatten Fahnen und Wimpeln gehißt. Um 1 Uhr 15 Min. bestieg der Kaiser den Regierungsdampfer unter den Klängen einer Musikkapelle. Der Dampfer durchfuhr die Hafenanlagen und nahm dann den Kurs an der Eerbermühle vorbei nach dem Fahrtor, von wo aus der Kaiser mittels Automobil zum Römer fuhr. Hier waren Gesangvereine mit ihren Fahnen aufgestellt. In den unteren Hallen des Römers, wo alte Fahnen von der Decke hängen und Tannengewinde sich um die alten Säulen schlingen, präsentierte die Ratswache ihre Hellebarden. Das Frühstück wurde im Kaisersaal eingenommen. Hierbei saßen rechts vom Kaiser zunächst Prinz Friedrich Karl von Hessen, Generaloberst v. Plessen, Exzellenz Ehrlich, Direktor des Königlichen Instituts für experimentelle Therapie, Wirklicher Geheimer Rat v. Valentini und Regierungspräsident v. Meister; links Oberbürgermeister Dr. Adickes, Oberhofmarschall Graf Eulenburg, Minister v. Breitenbach, Generalleutnant Scholtz (21. Division) und Oberlandesgerichtspräsident Spahn. Gegenüber dem Kaiser saß kommandierender General v. Eichhorn, zwischen Oberstallmeifter Freiherrn v. Reischach und Stadtrat v. Metzler. Nach der Tafel trat der Kaiser auf den Balkon des Römers. Der ganze Römerberg war von einer dichten Menschenmenge besetzt, auch die Fenster und Dächer der Häuser waren gedrängt voll. Der Kaiser dankte freundlich für die jubelnden Zurufe des Publikums. Im Bürgersaal wurde der Kaffee gereicht. Der Kaiser besichtigte hier die neuen Gemälde von Professor Brütt und die Kaiserbüste von Professor Varnesi. Der Kaiser verlieh dem Oberbürgermeister seine Photographie im Rahmen mit Unterschrift. Um 4 Uhr erfolgte die Abfahrt des Kaisers mit Automobil nach Eronberg, wo er Wohnung im Schloß Friedrichshof nimmt.
Eronberg, 19. Aug. An der Abendtafel auf Schloß Friedrichshof nahmen außer dem Kaiser und seinem Gefolge, der Schloß- Herrschaft und der Kronprinzessin von Griechenland teil der englische Botschafter Sir Frank Lascelles, Lord Acton. Colonel Sir Arthur Davidsohn, Regierungspräsident v. Meister und Gemahlin, Polizeipräsident Rieß v. Scheurnschloß, Freiherr v, Tücher, Lord und Lady Wellington. — Bei der Auffahrt des Kaisers nach Friedrichshof warf der frühere Schutzmann Pfeiffer aus Wiesbaden einen Brief in das kaiserliche Automobil, in dem er Klage über seine Entlassung führt. Trotzdem die Wiesbadener Kriminalbeamten und die Gendarmerie Kenntnis von feinem Vorhaben hatten und ihn gut bewachten, gelang es ihnen nicht, Pfeiffer an der Ausführung der Tat zu verhindern. Er sprang kurz vor dem Automobil über die Straße, trat dicht an den Wagen und warf den Brief hinein, der direkt vor die Füße des Kaisers fiel.
Von einer Gründung der Universität Frankfurt durch ben_ Kaiser, die man, wie gemeldet, bei der gestrigen Gelegenheit in Frankfurt erwartet hatte, ist nichts bekannt geworden.
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Aus der Türkei.
Zur Lage in Albanien.
Trotz aller Beschönigungsversuche muß zugegeben werden, daß die dortige Lage noch keineswegs zum Optimismus berechtigt. Es erscheint zweifelhaft, ob die türkische Regierung die
„Daß Sie Klaus Wolfert aussuchen, daß Sie zu ihm kommen und ihn Bitten: „Verzeihe mir!“ Er ist so weit, der Kranke, daß ich es wagen kann. Ich gestehe, es ist ein Experiment, das auch entgegengesetzt wirken kann. Aber es läßt mir keine Ruhe, noch diesen einen, letzten Versuch zu wagen."
„Und wenn er mißlingt, wenn Klaus sich in Verachtung von mir abwendet?"
Groß und ernst ruhten Gerhards Augen auf dem schönen Mädchen, das jetzt scheu und zaghaft, voll sanfter Lieblichkeit, wie er sie gar nicht bei ihr kannte, zu ihm aufsah.
„Dann müssen wir es eben als Strafe nehmen für das, was wir einst gefehlt. Darf ich Sie erwarten? Sie haben zwar einst behauptet, Sie könnten keine Kranken sehen, aber zu Ihrer Ehre will ich annehmen, daß Sie nicht unversucht lassen werden, ein Menschenleben zu retten, wenn die Möglichkeit dazu in Ihre Macht gegeben ist."
„Sie überschätzen meine Macht, Herr Professor!"
„Rein, denn ich kenne sie!" gab er, tief aufatmend, zurück.
„Und dann wünschen Sie, daß ich komme? Ich kann « noch nicht versprechen, zu viel ist in mir, was dagegen spricht."
„Zch weiß, ihr Stolz und ihr Eigensinn. Verzeihen Sie. Ich habe ja den meinen auch so elend zerbrechen müssen, indem ich jetzt als Bettler vor Ihnen stehe, Mirjam, als Bettler."
Sie schauerte unter den weichen Lauten seiner Stimme bis ins innerste Herz zusammen. Scheu, wie geblendet von einem grellen Licht, sah sie in seine Augen.
„Ich werde kommen!" sagte sie bann mit einem tiefen Atemzuge „Wann soll es geschehen?"
„Morgen sind Sie bei Eschenbachs, also da geht es nicht. Vielleicht am Montag. Paßt es Ihnen da?"
Sie neigte das goldflimmernde Haupt.
„Zch danke Ihnen, Mirjam, und gebe das Schicksal, daß Ihr Opfer — ich sehe es Ihnen an, wie schwer es Ihnen fällt — nicht umsonst gebracht ist."
Sie sprachen nicht mehr miteinander. Schweigend schritten sie abwärts am Rhein entlang, dem Hause Professor Hellwigs zu. Hebet den Schnee, über die Burgen und Hügel flog ein letztes Glühen. Von versunkenem Leben, von alten Geschlechtern redete« mahnend die alten
Macht besitzt, den Albanesen in ihren immer weiter gehenden Forderungen entgegenzutreten. Dadurch wird auch die Eesamtlage tu der Türkei neuerdings recht ernst.
Konstantinopel, 19. Aug. Rach dem Einmarsch der Albanesen in Keprülü wurden die Kaufläden geschlossen. Infolge der Maßnahmen der Regierung wurden sie wieder geöffnet und die Ordnung sichergestellt. Die Pforte erfuhr, daß Montenegro die Reservisten und die Artillerie mobilisiere. Sie ordnete militärische Maßnahmen an, um einem plötzlichen Angriff vorzubeugen. — Dem „Jkdam" zufolge gab der Ministerpräsident Eeschow dem türkischen Gesandten die Versicherung, daß Bulgarien von der Linie seiner bisherigen Haltung nicht abweiche. Wie verlautet, wird der Sultan an den Eroßwesir ein Reskript betreffend der Wahlen richten und darin die Notwendigkeit betonen, daß sich die Kammer vor allem mit der Revision der Verfassung beschäftige. Gestern sollte in Uesküb eine Besprechung zwischen den Chefs der Albanesen und Zbrahim Pascha stattfinden. Als die Albanesen« sührer in Begleitung von 900 bewaffneten Albanesen erschienen, forderte Zbrahim Pascha, daß die Waffen entfernt werden. Die Albanesenführer zogen hierauf resigniert ab. Es heißt, daß Besorgnisse gehegt werden, die Albanesen könnten die Waffendepot» plündern. Diese sind von starken Truppenabteilungen bewacht. Die Banken und Handelshäuser stellten den Geschäftsverkehr ein; Truppen bewachen alle bedeutenden Punkte der Stadt. Auf den umliegenden Höhen find Geschütze postiert. Es heißt, daß zwischen den Albanesenführern Zwiespalt herrschte. Hassan Bey soll die Rückkehr der Albanesen aus Uesküb wünschen, während Riza Bey die Verteilung von Waffen unter die Albanesen verlangt, widrigenfalls er die Waffendepots würde plündern lassen.
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Deutsches Reich.
— Zum Befinden der Kaiserin. Stuttgart, 19. Aug. Au» Langenburg, der Residenz des greisen Oheims der deutschen Kaiserin, Fürsten Hohenlohe-Langenburg, erhält die „Berl. Morgenpost" Nachricht über das Befinden der Kaiserin, die die in Hofkreisen herrschende Unruhe erkennen läßt. Wenn das Befinden auch zu keinen ernsten Befürchtungen Anlaß gibt, lastet doch auf der kaiserlichen Familie eine Sorge, die sich der ganzen Umgebung mitteilt und darin ihren Ausdruck findet, daß die amtlichen Stellen über den Charakter des Krankheitszustandes, über den die Kaiserin selbst nicht im klaren zu sein scheint, jede Mitteilung an die Öffentlichkeit verweigern. Man begnügt sich, den alarmierenden Nachrichten beschwichtigend entgegen zu treten. Sicher ist, daß die Nauheimer Kur nur eine vorübergehende Besserung im Schwächezustande der Kaiserin herbeigeführt und daß die durch die unregelmäßige Herztätigkeit hervorgerufene Nervosität wieder einen stärkeren Grad erreicht hat, der zur Fernhaltung jeder Aufregung und der einfachsten Lebensweise zwingt.
— Der Kronprinz. Bregenz, 19. Aug. Das' deutsche Kronprinzenpaar ist von Hopfreben nach Danzig abgereist.
— Graf Berchtolds Borschlag und die Mächte. Die Behauptung einiger Blätter, Graf Berchtolds Vorschläge hätten bei der deutschen Regierung nicht unbedingt zustimmende Aufnahme gefunden, ist unzutreffend. Deutschland hat bereits offiziell zugestimmt. Dagegen stehen die offiziellen Antworten auch von Italien und Rußland, die verschiedentlich als bereits erfolgt gemeldet wurden, noch aus. Man ist indessen in Berlin der Ansicht, daß alle Mächte sich bereit erklären werden, in den angeregten Meinungsaustausch einzutreten. — Weniger hat die Anregung bei den Ententemächten Freude erregt. Es ist ja einealte Geschichte, daß die englische Politik
Ruinen, die in der Ferne jetzt im Nebel des Winterabends verschwanden.
Und die Wellen wanderten leise rauschend dahin, nur kurze Frist noch, dann würden sie auch in Eis erstarren und schwelgen, wo einst sie wild gebraust.
Studenten tarnen singend einher.
„Wenn nur der Rhein nicht wär' Und der Sonnenschein z
So strahlend darüber her, Unb der goldene Wein" P
klang's sehnsüchtig im Chore.
Da reichten sich Gerhard Bendheim und Mirjam zum erstenmal seit langer Zeit zum Abschied die Hände, und der Professor sagte:
„Wollen Sie mich, bitte, bei Ihrem Herrn Vater entschuldigen? Ich komme ein andermal. Es ist so spät geworden, und meine Patienten warten!" Und leise fügte er hinzu: „Also auf Wiedersehen!"
„Aus Wiedersehen!" gab sie wie im Traum zurück, und In der Feme verklang der Studenten Lied:
„Ach. wie studierten wir So gar fleißig Jus. v
Rhein, Rhein, es liegt an dir. Daß man bummeln muß."
Die Sonne war untergegangen, und es kamen die Schalten.
Die Eschenbach'sche Billa erstrahlte in einem Meer von Licht.
Das mußte man dem Amerikaner lassen, er verstand es, Zauberfeste zu arrangieren.
Eine glänzende Gesellschaft wogte durch die Räume. Zu einem Rhein- und Weinfeste hatte man geladen. Da gab es schmucke Winzerinnen und Rajaden, die sich fröhlich im Reigen schwangen, mittelalterliche Ritter in glänzenden Rüstungen und junge Schiffer in malerischen Trachten. Mister Derham als Vater Rhein mit eisgrauem Bart, Schilf und Tang in dem weißen, lang herabwallenden Haar, hielt in einem Raum, der in eine Rheingrotte verwandelt war, Hof. Ein» Schar von Rixen in durchsichtigen, flimmernden Gewändern lagert» stch zu Füßen seines Thrones oder wiegte stch vor Ihm tm Reigen.
(Fortsetzung folgt.) d
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