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mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Fürs Haus" und „Lanbroirtschaftttche Beilage".
ES«
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M 193
1912.
Erttes Blatt.
• Marburg
Sonntag, 18. August
Die , CUtrljefiifdje Zeitung" erscheint täglich nut Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 dl (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 dl frei ins Haus. (Für unver» taugt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzerolh), Markt 21. — Telephon 55.
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Politische Umschau.
Die Anregung de» Grafen Berchtold.
Zu der Anregung des Grafen Berchtold zu einer Aussprache der Erohmächte schreibt die gestrige Ausgabe der „Neuen Freien' Presse": Ueber die vom österreichisch-ungarischen Minister des Aeuhern ergriffene Initiative verlautet noch folgendes: Vor allem muß betont werden, daß durch den Schritt des Grafen Berchtold keine Interventionspolitik eingeleitet werden soll. Die Jn- terventionspolitik ist tot und begraben. Eine Wiederaufnahme einer solchen Politik würde die Türkei nur schrecken und das Gegenteil von dem erzielen, was mit der vom Wiener Auswärtigen Amt angeregten Aktion beabsichtigt ist. Es liege kein spezielles Programm vor: vorläufig sei nur die Einladung an die Mächte Mangen. Es handle sich nicht um eine große Aktion, nicht um die „Lösung der orientalischen Frage", wie überhaupt keines der großen politischen Probleme des Orients zur Besprechung kommen soll. Die Konversation soll durch die Botschafter geführt werden. — Also keine Konferenz." *
Ueber die Aufnahme der Anregung ist noch nicht viel bekannt. In Italien soll sie mit ziemlicher Zurückhaltung ausgenommen sein. Die Blätter enthalten sich bis jetzt jeden Kommentars. Herr v. Kiderlen sprach sich, wie ein Berliner Mittagblatt hört, sym- Mthisch über den Vorschlag des Grafen Berchtold aus, behielt sich • 'jedoch eine endgiltige Antwort und Stellungnahme vor. Man nimmt an, daß diese in wenigen Tagen erfolgen wird. Herr von Kiderlen begab sich heute vormittag nach Schloß Wilhelmshöhe, um an der Kaisertafel zu Ehren des Kaisers Franz Josef am 18. August teilzunehmen. Er wird dort Gelegenheit haben, mit dem Kaiser persönlich über die Angelegenheit Rücksprache zu nehmen und wird verWMlich nach seiner Rückkehr die Antwort der deutschen Regierung Wannt geben. Der „Eaulois" ist bis jetzt das einzige Pariser Organ, welches die Initiative des Grafen Berchtold einer Beurteilung unterzieht. Das Blatt schreibt: Es ist von Wichtigkeit, der Entwickelung einer Krise vorzubeugen, deren Folgen für die Aufrechterhaltung des Status guo auf dem Balkan hätte besonders verhängnisvoll werden können. Es handelt sich folglich darum, dem versuch, welchen das türkische Kabinett in diesem Augenblick gemacht hat, eine Hilfe zu gewähren, damit es in den Stand gesetzt wird, die Anarchie zu bemeistern, und damit die anarchistischen Einflüffe, welche denk'Reiche innere Schwierigkeiten machen könnten, unterdrückt werden. Trotzdem verlangt die Initiative Oesterreichs Aufklärung. Wir müsien wisien, welches der Hintergedanke derjenigen ist, die sie hervorgerufen haben. Handelt es sich um Inspirationen Deutschlands? Soll man sie als eine Antwort auf die Reise des Ministerpräsidenten Poinvarö bezeichnen? Als eine geschickte Taktik, ulh gewissen Plänen zuvorzukommen, die im Laufe der Unterhaltung von Petersburg ausgearbeitet worden sind?" ♦
, Au» der Türkei.
Konstantinopel, 16. Aug. In einem langen Interview im „Jeune Turc" über die inneren Fragen betont der Justizminister, die Regierung mache den Albanesen keine speziellen Konzessionen, den Albanesen würden nur jene verfassungsmäßigen Rechte, die, alle Elemente der Bevölkerung genießen, zugestanden. Nur Luxuswaffen würden sowohl den Albanesen wie den Griechen und Bulgaren zurückerstattet. Die Regierung beabsichtige, zur Sicherung der Erenzverteidigung Landmilizen zu bilden und eigene Waffendepots unter der Kontrolle der Militärbehörden fU errichten. Der Bezirksmilitärdienst werde sowohl den Albanesen als auch der ganzen Bevölkerung der europäischen Wilajets gewährt. Die Deputiertenwahlen sollen im ganzen Lande gleichzeitig am 14. Oktober stattsinden.
W i e n , 16. Aug. Amtlichst wird aus Eetinje gemeldet: Der 'Arnautenstamm Rugovo griff gestern die christliche Bevölkerung im Bezirk Berane an der Grenze Montenegros an und metzelte zahlreiche Christen nieder. Die christlichen Familien flüchteten in großer Zahl nach Montenegro. Unter den Grenzbewohnern herrscht große Erregung.
Konstantinopel, 16. Aug. Das Organ der Entente Liberale „Tanzimat" veröffentlicht Enthüllungen über die durch Kaid Hakim Pascha mit den italienischen Delegierten geführten Friedensverhandlungen. Die Verhandlungen seien so weit fortgeschritten gewesen, daß die Friedenspräliminarien, die bereits paraphiert waren, und unterzeichnet werden sollteli, als die Nachricht vom Sturz des Kabinetts Said eintraf. „Tanzimat" erklärt,' über die damals beschloßenen Friedensbedingungen habe er Stillschweigen zu beobachten. Das Blatt enthüllt nur die Bedingung, wonach Italien sich verpflichtete, an die Kallen der jungtürkischen Komitees einen größeren Geldbeitrag zu überweisen, der angeblich zur Unterstützung der durch das Komitee gegründeten oder zu gründenden Schulen verwendet werden sollte. Der Betrag sollte nicht im italienischen Budget erscheinen, sondern aus Geheimfonds oder durch die Banca di Roma oder die Banca di Commercio bezahlt werden.
Konstantinopel, 15. Aug. Die Zeitung „Jkdam", die als das Organ der Militärliga gilt, führt eine heftige Sprache gegen das Kriegsgeschrei der bulgarischen Nationalisten und sagt: Sollte Bulgarien einen Angriff gegen die Türkei versuchen, so würden die politischen Zwistigkeiten der Ottomanen verschwinden Mnb bie bulgarische Armee würde einer Armee gegenüberstehen.
die ungeduldig sei, daß sie seit Monaten Krieg führe, ohne den Feind zu finden. — Der Albanesenchef Hasian Bey sandte aus We- risowitsch ein Telegramm an das Blatt „Sabah", in dem er die Gerüchte über angeblich zwischen den Albanesenchefs entstandene Zwistigkeiten als unrichtig bezeichnet und erklärt, der Versuch der Jungtürken, gegen die jetzige Negierung zu agitieren, würde ihren völligen Ruin herbeiführen. — Bei der Pforte eingegangene Nachrichten besagen: Die Harka Said Jdris', 3000 Mann mit drei Kanonen, unternahm einen Angriff auf die türkischen Truppen bei El Hafa, sei aber mit großen Verlusten zurückgeschlagen worden. , Die türkischen Truppen hätten 6 Tote und 4 Verwundete gehabt.
Paris, 16. Aug. Der bulgarische llnterrichtsminister Bob- tschew hat in einer Unterredung mit einem Korrespondenten des „Matin" folgendes erklärt: Es besteht eine Verständigung zwischen Bulgarien und Serbien, aber keine Allianz. Serbien und Bulgarien haben gemeinsame Jnteresien und Bestrebungen. Selbstverständlich wollen sie in Uebereinstimmung handeln. Dieser Zweck kann ohne endgiltige Engagements, ohne Bindung erreicht werden, und es ist unerläßlich, daß wir an dem Tage, desien Morgenröte nahe ist, und wo die europäische Frage für immer gelöst werden wird, die Hände frei haben, unsere Rechte geltend zu machen. Melleicht, schloß der bulgarische Minister, können in zwei oder drei Wochen wunderbare Veränderungeir' vorliegen. Jede Stunde bringt uns der unvermeidlichen Lösung näher.
Die Dämpfer und die Gedämpften.
Der Parteibericht der Sozialdemokratie, der zum Parteitag regelmäßig erscheint, konnte diesmal natürlich nicht vorübergehen an dem famosen Eegenscitigkeitsvertrag mit den Fortschrittlern, nachdem Rosa Luxemburg den nationalen Parteien das Verdienst erwies, das wunderbare Dokument ans Licht zu ziehen. In dem Bericht wird zunächst wieder angedeutet, daß die Verhandlung nicht von den Genoßen, sondern von den Fortschrittlern ausging.' Der Bericht sagt dann: Der Parteivorstand habe es entschieden i^urückgewiesen, irgend eine Kandidatur zurückzuziehen oder auch., nur dort preiszugeben, wo die Sozialdemokratie aus eigener Kraft einen Sitz zu erobern hoffen konnte. Die Fortschrittliche Volkspartei hat sich verpflichtet, in 31 Wahlkreisen die sozialdemokratischen Stichwahlkandidaten zu unterstützen. Dagegen hat der sozialdemokratische Porteivorstand versprochen, in 16 Wahlkreisen, die die Sozialdemokratie nach der Meinung des Vorstandes nicht habe gewinnen können, den Wahlkampf zu „d ä m p fe n". Der Bericht fügt dann hinzu, daß die Fortschrittliche Volkspartei in etwa 16 Wahlkreisen den Sieg der sozialdemokratischen Kandidaten entschieden habe. Dann folgt der Dank. Wörtlich heißt es: „Von Wahl zu Wahl hatte die Sozialdemokratie bei den Stichwahlen schlechter abgeschnitten. Je stärker unsere Partei wurde, um so eher einigten sich die Gegner zum gemeinsamen Kampfe gegen uns bei den Stichwahlen. (Folgt eine entsprechende Zusammenstellung aus der Zeit von 1884 bis 1907.) Bei den Stichwahlen im Januar 1912 fielen un^von den 124 Mandaten, um die wir in engerer Wahl zu kämpfen hatten, 46 zu. Das waren 37 pro Hundert. Dies günstige Resultat konnte nur erzielt werden auf der Grundlage eines Stichwahlabkommens mit der Fortschrittlichen Volkspartei." Und zum Schluß: „Zum ersten Mal hat die Zentralleitung der Fortschrittlichen Volkspartei für das ganze Reich eine Stichwahlparole ausgegeben, die, wenn auch nicht mit ausdrücklichen Worten, doch mit aller Deutlichkeit zur Unterstützung der Sozialdemokratie gegenüber allen anderen Parteien, mit Ausnahme der Nationalliberalen, aufforderte."
Man kann dieser parteiamtlichen Feststellung, daß der Freisinn den Genoßen planmäßig in die Hände gearbeitet hat, nur Dank wißen. Man — d. h. kaum die Freisinnigen, denen diese neuerliche Blosstellung jedenfalls wiederum sehr ungelegen kommt. Ein freisinniger Abgeordneter hat einmal gesagt: „Die Freisinnigen sind der beste Wall gegen die Sozialdemokratie." Deshalb dämpfen die Genoßen noch den Wahlkampf, und deshalb fordert der freisinnige Wahlvorstand „in einem vertraulichen Zirkular die lokalen Instanzen auf. in einunddreißig Kreisen für die Sozialisten einzutreten". Herr Scheidemann hatte recht: „Die Sozialdemokratie hat das größte Jntereße an einer solchen Partei) wo diese vorgearbeitet hat, braucht die S"'.'aldemokratie nicht soviel Zeit zu vergeuden."
Niedriger hängen!
Deutsche Reich.
— Nachweisung des „Zrsei-Kinder-Systems" in deutschen Großstädte«. Wie mitgeteilt wird, wird der Geburtenrückgang In den Großstädten am besten dadurch gekennzeichnet, daß nach den amtlichen statistischen Zahlen in einigen Großstädten wie z. B. Berlin bereits die Durchführung eines „Zwei-Kinder-Systems" nachgewiesen werden kann. Im Jahre 1880 waren noch ein Drittel sämtlicher Geborenen vierte bis sechste Geburten. In den letzten Jahren nehmen die Erstgeburten und Zweitgeburten verhältnismäßig den größten Raum ein. Im Jahre 1880 betrugen die ehelichen Erstgebutten nur 18,5 Proz., die Zweitgeburten 20 Proz., die Drittgeburten 18 Proz., die vierten bis sechsten Geburten 32 Proz. und spätere Geburten noch 12 Proz. Im Jahre 1906 war nicht nur die Gesamtzahl der Geburten überhaupt erheblich zurückgegangen, sondern das Verhältnis innerhalb dieser Zahl hatte sich auch sehr zu Gunsten der Erst- und Zweitgeburten verschoben, die allein zusammen fast 60 Proz. sämtlicher Geburten beanspruchten. Also nur 40 Proz. wurden von den späteren Geburten eingenommen. Die Familien, in denen nur ein Kind vorhanden vorhanden war, waren um 33 Proz. gewachsen. Ueber den Rückgang in den Eesamtgeburten geben folgende Zahlen Auskunft: Im Jahre 1900 kamen auf 106 Personen der durch
schnittlichen Berliner Bevölkerung int Monat Januar 25,56 Geburten, im selben Monat des Jahres 1905 23,48 Geburten und 1909 nut 22,37 Geburten. Einen ähnlichen Rückgang hatten sämtliche Monate zu verzeichnen, so hat z. B. der Juli des Jahres 1900 25,26 Geburten aufzuweisen, während der gleiche Monat des Jahres 1905 nur noch 22,79 und des Jahres 1909 nut noch 22, 01 Geburten aufzuweisen hatte. Die geringste Geburtenziffer war in allen Jahren int Monat Ooktober zu verzeichnen. Im Jahre 1900 wurden nämlich in diesem Monat nur 23,57 Geburten auf 1000 Personen gezählt, int Oktober 1906 21,09 und im Oktober 1909 20,12. Die anderen Großstädte wie Breslau, Hamburg, Hannover. Eßen haben weniger große Geburtsabnahmen aufzuweisen.
— Anreißermanieren und Schokolade als „Agitationsmittel. Di« nationalliberale „Breisgauer Zeitung" wendet sich gegen die „unquali- fizierbaren Anreißermanieren", mit denen man die nationalliberal« Partei als liberale Partei an die zweite Stelle zu schieben suche. Di« „Süvdeutsche Rationalliberale Korrespondenz" meint, daß diese Stelle sich gegen den fortschrittlichen Abgeordneten von Schulze-Gävernitz richte, der ganz neue Agitationsmethoden erfunden habe: er verteile zum Beispiele eigenhändig Schokolade an die Kinder der Wähler mit einer schönen Empfehlung an die Herren Väter. — Wenn's stimmt, ist's nett!
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Stadtverordneten-Sitzung
Marburg, 16; Aug.
Die Tagesordnung der heutigen Sitzung umfaßte 19 Punkte. Den Vorsitz führte Stadtverordneten-Borsteher Justizritt Dörffler.
Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme zirkulierten die übliche« Kaßenüberstchten.
Bei dem folgenden Punkt handelte es sich um Herabsetzung der Elektrizitätszählermiete. Die Kommißion hat beschloßen, den neuen Tarif am 1. Oktober in Kraft treten zu laßen. Wie aus den vorgelesenen Ziksern herr-orging, ist eine Verbilligung bet Zählermiete eingetreten.
Betreffs der Neuwahl der Mitglieder der Einkommensteuer-Bor- einschätzungs-Kommission schlägt der Magistrat als Mitglieder vor die Herten Estot, Spörhase, Keßler, Bös, Storck und I. Brauet, als Stellvertreter die Herren Bang. Reising, Ernst, E. Rabe, Keppler und Dietrich. *
Weiter handelt es sich um die Wahl des Stellvertreters für de« Vezirksvcrsteher des VI. Bezirks. Der früher gewählte Herr Gust. Fischet hat abgelehnt, an seiner Stelle wurde Herr C. Plitt gewählt.
Der Punkt Verteilung der UeberschLsse der elektrische« Straßenbahn aus dem Jahre 1911 wurde abgesetzt.
Dem Abschluß eines Vetttages wegen Erwerb einer Parzelle am Grün zur Verbreiterung des Bürgersteigs wurde zugestimmt.
Betreffs der Bewilligung von jährlich 300 dl zu der Unterhaltung eines Kranken-Automobils wurde mitgeteilt, daß es sich um eine Beihilfe zu einem Automobil handelt, das die Direktoren der hiesige« Kliniken zwecks schnellerer Beförderung der Kranken bei der Staats- regierung beantragt haben. Die Stadt soll zur Unterhaltung einen Beitrag von 300 M leisten. Trotzdem niemand ge-gen den Antrag sich er» , klärte, wurde die Sache abgesetzt, da erst noch Verhandlungen mit der Sanitätskolonne geführt werden sollen.
Die Rechnung der Armenkasse für 1910 erstattete Stadtv. Tromm. Die Ausgaben betragen rund 54 561 dl, Rest 2574 dl, die Einnahme« 39 445 dl, und 2269 dl Rest, die Mehrausgabe beträgt 15918 dl.
Die Abhörung der Rechnung der Sparkaß« für 1910 gab Stadtv. Stroinsky. Aus den vielen mitgeteilten Kiffern sei erwähnt, daß die Einlagen am Schlüße des Rechnungsjahres rund 13 417 000 dl betrugen. Überschüße konnten an die Stadtkaße nicht abgeführt werden. Der Refe- rent verband damit längere Hinweise betreffs der Geschäftsführung.
Der nächste -Punkt betraf Bewilligung der Mittel zur Beschaffung von Medaillen. In den Gründen hieß es: Anläßlich der Abhaltung von Geflügel- und sonstigen Ausstellungen, Schützen-, Turnfesten tßw. ist seither von den betreffenden Vereinen an die Stadtverwaltung die Bitte um Stiftung eines Preises gerichtet worden. In der Regel hat der Magistrat dem entsprochen und die Manseld'sche Radierung zum Preise von 30 dl gestiftet. Der Magistrat hält jedoch die Stiftung einer künstlerisch ausgeführten Medaille in Silber oder Bronce für praktischer und mit der Zunahme der Verleihungen auch für billiger. Wir find daher mit der Firma Earl Poellath in Schrobenhausen vor Augsburg in Verbindung getreten, die Entwürfe für eine solche Medaille berge» stellt hat und der Magistrat hat am 28. vorigen Monats beschloßen, bei der Stadtverordneten-Versammlung aus deren Dispositionsfonds die Bewilligung der Mittel für Herstellung von 50 Stück in Bronce ä 11,33 und 1,20 dl (Etui) — 626,50 dl, 10 Stück in Silber ä 24,83 und 1,50 «* (Etui) = 248,30 dl, zusammen rund 875,00 dl zu beantragen. Di« Medaillen sind geprägt haben einen Durchmesser von 60 mm und die in Silber ausgeführten enthalten 990/1000 Silber. Stadtv. Engel beantragte, den Anttag abzulehnen und den seitherigen Usus beizubehalten. Die Manfeldsche Radierung sei eine- Reklame für Marburg und die Stadt unterstütze dadurch nut das Medaillen-Unwesen. Man wisse ja gar nicht, was die vielen Medaillen, die getragen würden, bedeuteten. Der Oberbürgermeister bemerkte berichttgend, daß solche Medaillen ja nicht getragen werden, sondern nur ein Andenken bilden sollten. Der Antrag wurde abgelehnt.
Betreffs der Abänderung der Sttaßenfluchtlinie vor dem Neubau des physikalischen Instituts xtu Renthos würbe folgenbes mitgeteiltz Die Bauverwaltung des Neubaues des Physikalischen Instituts hat beantragt, von der am 23. August 1906 festgestellten Straßenfluchtlinie vor dem Grundstück des obengenannten Instituts — früher Rubino — an der Renthofstraße abzufehen, und die jetzt vorhandene Straßenflucht- linie beizubehalten. Dieser Antrag ist damit begründet, daß die Zurück- rückung der Straßenflucht ein Zurückrücken des Geländes um rund 2 Meter notwendig mache und die längs dieses Grundstücks vorhanden« Straßenbreite zum Vorbeifahren und Ausweichen für zwei entgegenkommende Wagen ausreiche — engst« Stelle 5,15 Meter welche sich nach oben in einer Länge von 15 Meter auf 5,90 Meter und abwärts t« einer Länge von 7 Meter auf 6,50 erweitert —, auch der Verkehr auf bet Renthofstraße kaum erheblich zunehme. Bei Beibehaltung der fest- gestellten Straßenfluchtlinie würde die Zurücksetzung der Mauer notwendig werden, wodurch Kosten von rund 2400 dl entstehen würden. Daneben hätte die Stadt die Kosten des Erunderwerd» von 53,06 qm unb der Straßenpflasterung zu tragen. Der Antrag wurde angenommen njit dem Zusatz, daß auch im übrigen dafür gesorgt werden soll, daß di« Straße bis zur Einmündung in di« Wettergaße auf 6 Meter verbreitert wird.