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Politische Umschau.
Die Lage in der Türkei.
Budapest, 15. Aug. Der „Pester Lloyd" erfährt aus Wien von eingeweihter Seite: Wir glauben zu massen, daß man in unseren leitenden Kreisen angesichts der Verhältnisse in der Türkei den Augenblick für gekommen erachtet, in eine Unterhaltung mit den übrigen Mächten über die Fragen einzutreten, welche eine allgemeine Beruhigung bei der ottomanischen Bevölkerung, insbesondere bei den Nationalitäten Hervorrufen sollen. Es handelt sich hierbei nicht um eine Rückkehr zur Politik der Intervention, sei es auch in versteckter Form. Dies liegt der österreichisch-uigarischen Politik sicherlich ganz fern; die Absicht einer solchen Aktion kann nur darauf gerichtet sein, durch wohlwollende Rtschläge nach allen Seiten die günstigen Dispositionen auf Seiten der Türkei zum Wohle der Balkanvölker und der Türkei selbst auszunützen. Das Motiv dieser Politik ist das freundschaftliche, bewährte Interesse der Monarchie an dem Wohlergehen der Türkei und der Balkanvölker und die Zuversicht, mit der sie erfüllt ist, kann nur aus dem Vertrauen zum neuen Regime in der Türkei geschöpft sein.
Wien, 15. Aug. Die Initiative Verchtolds verfolgt den Zweck, die Pforte in der von ihr eingeschlagenen dezentralistischen Richtung zu bestärken und für ihre gegenwärtige Politik auch alle Balkanvölker zu gewinnen, deren Jnteresien hierdurch ebenso wie die der ottomanischen Regierung am besten gewahrt werden könnte.
K o n st a n t i n o p e l, 15. Aug. Der Ministerrat beriet nachts die türkisch-montenegrinische Frage auf Grund des Berichts des türkischen Grenzkommissars, wonach König Nikolaus bezüglich Her montenegrinischen Mobilisierung erklärte, Montenegro müsie seine Rechte verteidigen. — Ein Kommission von fünf jungtürkischen Deputierten ist nach Saloniki abgereist, um die Haltung der Partei zu beraten. Der Mufti, Bürgermeister und die Notabeln von Kotschana verlangten telegraphisch vom Kriegsministerium Verstärkungen, weil die Bulgaren angeblich ein neues Attentat beabsichtigen.
Sofia, 15. Aug. Bon zuständiger Stelle wird die Existenz eines Bündnisies zwischen Serbien und Bulgarien oder einer sonstigen bindenden Abmachung mit Serbien entschieden bestritten. Trotzdem sind eingeweihte Kreise der Meinung, daß über die letzten Ereignisse in Albanien und Makedonien im Zusammenhang mit dem Gemetzel in Kotschana und eventuellen Weiterungen mit Serbien ein Meinungsaustausch gepflogen wird.
S a l o n i k i, 15. Aug. Der Artilleriehauptmann Zia Effendi Ist auf dem Markt von Mitrowitza von einem Unbekannten erschossen worden. Der Täter entkam. — In der Nähe der Station Aamatovo an der Eisenbahnlinie Saloniki-Uesküb wurde kurz vor dem Passieren eines Zuges eine an den Schienen befestigte Bombe entdeckt. — Aus Uesküb wird gemeldet, daß etwa 3000 Arnauten, von denen viele bewaffnet sind, unter Führung von Bairam Zurs »on Verisevitsch eintrafen. Sie verhalten sich ruhig. Eine Kommission zur Verpflegung der Arnauten ist gebildet worden.
Der alte und der neue Sultan.
Marseille, 15. Aug. Mulay Hafid ist gestern abend hier eingetroffen und vom Präfekten namens der Regierung begrützt worden. An Land wurden dem Sultan militärische Ehrenbezeugungen erwiesen. — Mulay Hafid erklärte den Vertretern der Regierung, die ihn bei seiner Ankunft begrüßten, dah er glücklich sei, Frankreich zu sehen, dem er viel verdanke. Mulay Hafids Gefolge und die offiziellen Persönlichkeiten fuhren dann in einem Lotsendampfer durch den Hafen. Ein Regiment Infanterie erwies ihm im Augenblick der Landung die militärischen Ehrenbezeugungen, während die Musik die Marseillaise spielte. Der Zug bewegte sich durch die spalierbildenden Truppen zum Hotel.
Paris, 15. Aug. Die „Agence Havas" meldet: Sultan Mulay Hafid hat am 12. August abgedankt. Bevor er Rabat ver-
Borsitz. Im Mittelpunkt bet Verhandlungen stand die Schulfrage, wozu die Versammlung ohne Debatte eine Reihe von Forderungen annahm, die im wesentlichen im folgenden gipfeln: 1. Die katholische Kirche muh, abgesehen von dem Recht der Erteilung des Religionsunterrichts und der Ueberwachung desselben den Einfluß auf das Schul- und Erziehungswesen erhalten, dessen sie zur Erfüllung ihres Auftrages die Völker zu lehren und zu erziehen bedarf: dieses Recht muß durch eine entsprechende Teilnahme an der Schulaufsicht gesetzlich gewährleistet werden. 2. Es ist Pflicht aller Kreise der katholischen Bevölkerung, für die Einrichtung und Förderung konfessioneller Schulen und Anstalken einzutreten. 3. Eltern, Lehrmeister, Arbeitgeber u. s. w., welche für die Erziehung der Jugend zu sorgen haben, dürfen nur solche Unterrichts- mb Erziehungsanstalten wählen, welche eine religiöse Erziehung im katholisch-kirchlichen Sinne gewährleisten. 4. Gemeinde- und Schulverwaltungsorgane dürfen nur mit solchen Männern besetzt werden, welche die Anwendung und Aufrechterhaltung von konfessionellen Schuleinrichtungen, sowie deren Förderung verbürgen. 5. Die Vorbildung bet katholischen Lehrer und Lehrerinnen muß in Seminaren erfolgen, welche in katholischem Geiste geleitet werden. 6. Sy: Anschluß möglichst aller katholischen Lehrer und Lehrerinnen an die bereits machtvoll entwickelten Verbände katholischer Lehrer und Lehrerinnen ist dringend zu wünschen. 7. Die Tagespresse soll mehr als bisher allgemein, fortgesetzt und planmäßig die Schulfrage im Sinne der vorstehenden Leitsätze behandeln, um der Bevölkerung zum Bewußtsein zu bringen, daß die Schulfrage eine bedeutsame Eewissenssache ist und jeder die Pflicht hat, das Interesse für die Schule zu bekunden. 8. Die allgemeine Einführung der im Jahre 1911 in Mainz beschloßenen Organisation der Katholiken Deutschlands für Verteidigung der christlichen Schule und Erziehung ist dringen zu empfehlen. — Ferner gelangten verschiedene Anträge zur Annahme, in welcher der engere Zusammenschluß der akademisch gebildeten Katholiken, sowie die Unterstützung des Hildegardis-Verein» für katholische, studierende Frauen usw. empfohlen wird. Im Zusammenhang mit einem Antrag, welcher die Notwendigkeit der Verbreitung guter Lektüre betont, worüber Generalsekretär Braun referierte, betraf ein weiterer Antrag die „sogenannte schlechte Preße", der in umfangreichen Aussührungen gegen die glaubens-, kirchen-, autoritäts- und staatsfeindlichen Zeitungen, sowie gegen die sogenannten farblosen Zeitungen polemisiert. — In der vierten und letzten öffentlichen Generalversammlung sprach Laudtagsabgeordneter Gymnasiallehrer Stang (Würzburgs über den „Bonifaziusvetein", Pater Eohausz (Köln) über „Atheismus und soziale Gefahr".
Der Präsident des Katholikentages Landtagsabgeordneter Schmitt feierte in feinem Schlußwort Wind horst als den Schöpfer der Einigkeit der deutschen Katholiken und gab dann einen kurzen Rückblick über den Verlauf der Tagung. — Mit der Absingung des Liedes „Großer Gott wir loben Dich" wurde der 59. Katholikentag geschloßen.
. Jahrg. 1912.
Deutscher Kat'olikentaa.
S. & H. Aachen, 15. August 1912.
In der heutigen fünften und letzten geschloßenen Generalversammlung führte der erste Vizepräsident Graf Henkel o. Donnersmarck den
Jungen werden ja doch nicht ohne euch Mädel fertig. Das ist ein Getue und ein Gerenne, und sogar die Mutter ist so ganz dabei, als wäre sie noch selber eine Studentenbraut."
„Das werde ich auch stets bleiben!" erwiderte Frau Maria Hellwig mit leisem Lächeln, das ihr sanftes Antlitz ungemein verschönte. „Wenn ich die frischen Jungen sehe, Heinrich, dann wird immer unsere ganze Jugend wach, und unter jener Studentenmütze meine ich dich zu sehen."
„Na, na!" lachte der Profeßor dröhnend. „Ich gefalle mir in meiner gegenwärtigen Verfassung bester. Ich will ja auch gar nichts gegen eure Gefühle einwenden, aber ihr verwöhnt die Jungen. Was ist denn alles diese Woche los? Fridunia, Germania, Alemannia. Ist es da nicht unrecht, gerade bei der Germania abzusagen?"
„Der Grund liegt tiefer!" bemerkte Mirjam, umständlich ihre Briefe zusammenfaltend. „Fips kommt!"
Die jüngere Schwester fuhr ganz wild herum. Ihre blauen Augen blitzten zornig zu Mirjam hinüber.
„So wer sagt denn das?"
„Mau muß nicht gewiße Briefe auf den Treppenabsätzen verlieren, wenn sie kein anderer lesen soll."
Ditta wurde brennend rot.
„Du hast hoffentlich nicht gelesen, was nicht für dich bestimmt war!"
„Run, Kleine, wenigstens nicht ganz, aber doch genug, um zu wißen, daß wir natürlich nicht auf den Studentenball gehen, wenn dein alter Freund Fips hier erscheint, der wahrhaftig bester in Wiesbaden geblieben wäre."
„Zankt euch nicht, Kinder!" gebot der Profeßor. „Es ist doch schließlich egal, ob ein gewesener oder ein wirklicher Student zu uns kommt. Studenten kommen ja alle Tage. Fips, das ist doch der Erwin Dunker? Soll ein brillantes Examen gemacht haben. Ra, als Referendar in Wiesbaden wird er ja auch keine Seide spinnen."
„Ja, wer auf ihn wartet, kann es auch zu einer ewigen Studentenbraut bringen", tarn es mit leichtem Hohn von Mirjams Lippen, während
(Nachdruck verboten.)
Das Tor des Leivns.
Roman von A n n y W o t b e.
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Am unteren Ende des Tisches saß Ditta und stickte mit Goldfäden an einem bunten Zerevis.
„Willst du uns nicht endlich sagen, Mirjam", bemerkte Frau Pro- feffor Hellwig jetzt gereizt, „was Heinrike eigentlich schreibt? Wenn sie heute mit Mister Derhain mitkommt, bann ist es doch wirklich Zeit, daß ich das Fremdenzimmer rüste." I
„Du brauchst dich nicht zu bemühen, Mama, sie kommt nicht."
„Wieder nicht!" tief die Professorin ärgerlich. „Ich glaube, es ist das sechstemal, daß sie absagt."
„Ich weiß gar nicht, warum ihr bas Unglückswurm quält, daß es zu uns kommen soll", warf bet Profeßor ein, sich ben rötlichen, stark ins Weiße übergehenben Vollbart streichend. „Heinrike ist ja ein lieber Kerl, aber für eure Allotria taugt sie nicht."
„Aber, lieber Papa, erlaube mal“, mischte sich jetzt bie Jüngste ins Gespräch, bas Zerevis, an bem sie arbeitete, sich keck auf das Blonbyaar fetzend. „Wir sinb boch jetzt so unheimlich solibe geworben, baß mir beinahe vor mir selber graut.“
„Bitte, liebe Ditta, nicht übertreiben!“ lächelte bie Mutter. '
„Aber beste Mama, habe ich nicht soeben erst bie drei Chargierten bet Germania, bie hier waren, um ben Herrn Profeßor mit seinen Töchtern zu bitten, als Ehrengäste beim Stiftungsfest zu erscheinen, ebenso elegant wie sicher abgewimmelt, baß sie sich mit hochroten Köpfen verlegen zur Tüt schlängelten und glücklich waren, nach bet verunglückten Mission brauße» zu sein? Ach, es ist mir so bitter schwer geworden, aber mit zweiundzwanzig Jahren noch immer auf jeden Stuben« tenball, ich glaube, es geht boch nicht mehr. Nicht wahr, Papa?“
„Na, meinetwegen kannst bu noch mit ben Stubenten tanzen, wenn | tu st» alt wie Methusalem geworben bist!" grollte bet Batet. „Die
’ X- cüerbef't(<l>e Teilung" ettcheu'.l ragttch nut Ausnahme Oer «ciuu und Feiertage. — Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch bie Volt bezogen 2.25 'M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins Haus. (Für unvet- langt gugefanbte Manuskripte übernimmt bie Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchbrucketei I. A. Koch Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Deutsches Reich-
— Zum Tobe Wallots. Berlin, 15. Aug. Anläßlich des Ao- lebens des Erbauers des Reichstagsgebäudes, Geh. Vaurats Prof. Wallot, richtete der Staatssekretär Dr. Delbrück an die Witwe eine Beileidsdepesche und beauftragte den bautechnischen Referenten des Retchsamts des Innern Hückes, in seiner Vertretung der Trauerfeier in Oppenheim beizuwohnen und am Sarge einen Kranz niederzulegen. Die Kranzschleife trägt die Aufschrift: „Dem genialen Schöpfer des Reichstagsgebäudes in dankbarem Gedenken. Das Reichsamt des Innern."
— Von einer Aufenthaltsbeschränkung franzöflscher Offiziere während der Manöver in Elsaß-Lothringen wußte der „Matin" zu berichten. Die Nachricht wird jetzt vom „Lorrain" bedeutend eingeschränkt: Die Verfügung könne höchstens den Teil des Elsaß betreffen, in dem die Manöver abgehalten werden. Aber in Lothringen seien Aufenthaltserlaubnisse an französische Offiziere auch für die Zeit nach dem 15. August erteilt worden. Von dem im „Matin" gemeldeten völligen Verbot der Aufenthaltserlaubnis für die Zeit vom 15. August bis zum Schluß der Herbstmanöver könne also keine Rede sein. — (Schade!)
— Die Arbeit der Reichspost. Berlin, 15. Aug. Nach amtlichen Mitteilungen erreichte die Zahl der im Jahre 1911 beförderten Briefsendungen die Höhe von über.6 MilliardemDazu
ließ, richtete er an den Kommißar des französischen Generalresidenten der französischen Republik in Rabat einen Vries, in dem er seine vollkommene Uebereinstimmung mit der französischen Regierung versichert und Mulay Jussuf als Nachfolger bezeichnet. Dieses Dokument stellt also in authentischer Weife die Freiwilligkeit der Abdankung des Sultans fest unter Zustimmung zur Wahl des neuen Sultans. Die Regierung der Republik hat von vorstehendem ihrem bei den Signatarmächten der Algecirasakte beglaubigten Vertretern Kenntnis gegeben.
P a r i s, 15. Aug. Aus Rabt wird unterm 13. d. M. gemeldet: El Mokri, der Maghzen und die Notabeln erschienen um 4 Uhr nachmittags bei dem Eeneralresidenten Lyautey, um ihre Anerkennung des neuen Sultans anzukündigen. Lyautey antwortete, der neue Sultan könne auf die Mitarbeit Frankreichs zählen, um in Marokko einen bisher nicht erreichten Aufschwung zu schaffen. Die Bevölkerung Rabats nahm die Proklamation Muley Jusiufs zum Sultan mit Gleichmütigkeit auf. Die Läden der Eingeborenen des arabischen Viertels blieben geschloßen.
Casablanca, 15. Aug. Der Scherif Moroni verlas heute früh in der Moschee einen Brief, in dem die Abdankung Mulay Hafids und die Proklamation Mulay Jußufs mitgeteilt wird. In dem Brief heißt es, Mulay Hafid sei sehr ermüdet und traut, und er habe deshalb dem Throne entsagt. Die Eingeborenen haben den Thronwechsel mit Gleichgültigkeit aufgenommen. Sie finden, daß des öfteren ein neuer Sultan zur Regierung tommt, geben sich aber teine Mühe, nach dem Grund dieses Wechsels zu fragen. Der Kaid, der die Proklamation von Rabat hergebracht hat, ist nach Marrakesch gereist.
Tanger, 15. Aug. Heute nachmittag wurde aus Anlaß der Proklamation von Mulay Jußuf ein Kanonensalut von hundert Schüssen gefeuert.
Frankreich und Rußland.
Paris, 15. Aug. Der Petersburger Korrespondent des „Figaro" meldet: „Das CommuniquS, welches am Sonnabend in Paris und Petersburg ausgegeben wird, wird sich darauf beschränken, die vollständige Einheit der Gesichtspunkte, zu der man in allen Fragen gelangt ist, zu betonen. Ich bin in der Lage, die Resultate, welche in einigen Fragen erreicht worden sind, näher anzugeben: Ministerpräsident Poincar6 hat sich bemüht, die Vorteile, welche Frankreich durch die Verhandlungen in Potsdam in Bezug auf die Bagdadbahn eingebiißt hat, durch reichliche Kompensationen auf anatolischen und serbischen Linien wieder einzuholen. In Bezug auf die Situation auf dem Balkan hat Ministerpräsident Poincar6 kategorisch erklärt, daß die französische und rufsische Diplomatie zusammen die absolute Aufrechterhaltung des Status quo verlange. Betreffs des italienisch-türkischen Krieges hat man auf beiden Seiten konstatiert, daß offiziöse Besprechungen zwischen Italien und der Türkei stattfinden, und daß Grund zu der Hoffnung vorliegt, daß bald ein neuer Bermittelnngsversuch von den Mächten unternommen werden kann. Es wurde offen nerkannt, daß für den Augenblick kein Schritt dieser Art getan werden kann. Auf militärischem Gebiete hatte Poincarr6 keine speziellen Unterhandlungen mit dem Kriegsminister und dem Chef des Eeneralstabes, aber gewiße Aenderungen in den Bestimmungen der Militärkonvention von 1892, die man für nützlich erachtet, sind bereits bis« , kuriert und auf beiden Seiten beschloßen worden. In dieser Hinsicht wird die nahe bevorstehende Reise des Großfürsten Nikolai, welcher offiziell nach Frankreich kommen wird, als ein Moment der vollkommenen Harmonie hervorgehoben, welche zwischen den Eeneralstäben der beiden verbündeten Armeen besteht."
Marburg
Sonnabend, 17. August
Ler Anzeige ^.prers betragt fut Oie rge'paliene Zci.e ober beten Raum 15 4, bei amtlichen unb auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen bie Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenoorschrist unb Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portökosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
ihre Augen flackernd zu Ditta hinüberirrten, bie einen Augenblick bet Schwester sprachlos ins Gesicht starrte.
„Das ist jebensalls beßer, als wenn man sich von einem solchen Menschen wie bem windigen Amerikaner bie Cour schneiden läßt, und sich nicht schämt, sogar mit verheirateten Männern anzubandeln. Jawohl, bas ist wahr! Ober meinst bu, ich habe es nicht gesehen, wie bu mit Sibo, diesem Waschlappen von einem Mann, kokettierst?"
„Na. nun ist es aber genug!“ gebot der Profeßor zornig. „Schämt ihr euch nicht, euch solche Dinge ins Gesicht zu schleudern? Mutter, Mutter, was ist aus unseren lieben Mädeln geworden?“ rief er seufzend zu seiner Frau hinüber, die ihm beruhigend zulächelte.
„Nimm's nicht so tragisch, Alter, bie Kinder meinen es nicht so schlimm. Für die Studentenbälle sind jetzt wirklich bie Möbel etwas zu alt, unb mit ben Philistern müßen sie erst lernen zu verkehren."
„Du finbest immer bas Rechte, Mütterchen", lächelte Ditta, unb küßte bet Mutter warm bie Hand.
Mirjam blickte finster vor sich hin. Warum reizte sie nut fortgesetzt bie kleine Schwester? Warum war sie so unbulbfam, so häßlich zu allen, die ihr in ben Weg tarnen?
Wie taktlos war es von ihr, Dittas Korrespondenz mit Fips, von bet sie zufällig Kenntnis erhalten, hier so aüszukramen.
Sie ftrefte Ditta bittend bie Hanb entgegen.
„Sei nicht böse, Kleine!"
„Ich verzeihe bir!" lächelte diese mit einer spöttischen Großmütigkeit. „Wenn ich bich nicht kennen würbe, Mirjam, müßte ich glauben, bu seiest ein ganz herzloses Geschöpf. Aber nicht wahr, Mama, Ich habe doch recht, mit bem Amerikaner ist Mirjams Freundschaft zu bick!"
„Mitjam ist ja stets ihre eigenen Wege gegangen“, bemerkte bie Professorin, ihren Schiüßelkorb aufnehmenb. „Sie muß es Ja am besten wißen, wem sie ihre Freundschaft schenkt.“
(Fortsetzung folgt.)
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und ben Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Hgus" unb „LanbwirtschaMche Beilage“.