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mit dem Kreisblatt für ore Krerse Marburg und Krrchham

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

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Marburg

Mittwoch, 14 August

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47. Jahrg.

1912.

Die Sicherheit auf See.

Mohrenwäsche" ist ein sehr lesenswerter Londoner Brief imBer­liner Lokalanzeiger" überschrieben, der sich mit der Art und Weise be­schäftigt, in der die Londoner Kommission denTitanic"-Fall behandelt hat. Ohne auf weitere Einzelheiten einzugehen, mutz ein in dem Brief x-iedergegebener Ausspruch des Kapitäns Smith hervorgehoben werden, beu dieser getan hat, als er nach der Kollision zwischen dem von ihm befehligten DampferOlympic und dem KreuzerHawke" von einem Freunde gefragt wurde, weshalb er nicht durch Ausweichen eine Kollision vermieden habe.

Ich hatte das Gesetz auf meiner Seite und manöverierte korrekt. Ein Ausweichen würde 20 Minuten gekostet haben, und hätte die Direktion erfahren, daß ich einen Umweg gemacht, wo ich geradeaus fahren konnte, so hätte ich meine Stellung verloren!"

Ist es bei einem derartigen Abhängigkeitsgefühl verwunderlich, daß dieser Kapitän ungeachtet der ihm gewordenen Warnungen mit unverminderter Geschwindigkeit in einem unsicheren Gebiet weiterfährt, zumal wenn er seinen allmächtigen Direktor an Bord hat? Es gibt wohl kaum eine Bestimmung in den die Schiffahrt regelnden inter­nationalen Vereinbarungen, gegen die so viel verstoßen wird, wie die Lber das Mäßigen der Geschwindigkeit bei unsichtigem Wetter. So be- jte-g bäuerlich das ist, so muß doch gleich betont werden, daß der Kapitän eines Schiffes Hier nur der Sündenbock, aber nicht der Schuldige ist. Der DruckDu mußt zur rechten Zeit kommen!" leitet den Kapitän in erster Linie. Dazu kommt dann noch die Rekordrennerei, die wohl als die Hauptursache der zahlreichen Verstöße anzusehen ist. Aber auch hierin ist der Kapitän unschuldig. Sein Name wird bei Erringung desblauen Bandes" selten genannt; er hat also nicht viel davon. Den Rubm stecken andere ein. Kommt aber so ein unglücklicher Schnelldompferkapitän ein paarmal, es brauchen nur zwei- oder dreimal zu sein, zu spd.t wegen unsichtigen Wetters, dann wird er sich sehr bald auf einem kleineren Frachtdampfer wiederfinden. Die Hauptschuld tragen also die Reede­reien, und zwar nicht eine, sondern sie alle zusammen, die sich gegen­seitig überbieten wollen im Wettlauf über den Ozean! Spielen denn . bei einer derartigen Reise die wenigen Stunden, die der eine oder der sM6- Cnbere früher kommt, für den Passagier eine große Rolle, daß man des­wegen das Leben von Hunderten leichtfertig aufs Spiel setzen darf? Was ist dagen zu machen? Die sachgemäße Ausrüstung, oder besser ge­sagt die den Bestimmungen eittsprechende Ausrüstung der Auswanderer­schiffe wird durch Reickskommissare, die als Beamte die Schiffe vor ihrer Ausreise besichtigen, überwacht. Wo aber bleibt die Kontrolle des. Reiches, nachdem das Schiff den Hafen verlassen hat? Wer will ver­hindern, daß ein großer Teil dessen, was vor der Ausreise schön in Ord­nung war, nicht schon nach kurzer Zeit weniger gebrauchsfähig ist? Die Aufsicht des Reiches muß sich auch auf die in Fahrt befindlichen Schiffe erstrecken, und zwar auf diese noch mehr, wie auf die im Hafen liegen­den. Dies würde sich erreichen lassen, wenn ein vom Reich als Beamter Angestellter Kontrolleur mitführe, der am Ende jeder Reife seiner vor­gesetzten Behörde einen Bericht einreicht, in welchem er alle ihm aus­gefallenen Mängel zur Sprache bringt, so zum Beispiel das Fahren mit zu großer Geschwindigkeit bei unsichtigem Wetter. Diese Beamten würden sich zweckmäßig aus ehemaligen Marineoffizieren ergänzen, wie ja auch als Auswandererkommissare Seeoffiziere angestellt sind. Auf jeden Fall muß für eine erhöhte Sicherheit auf See nicht nur durch Vermehrung der Rettungsmittel und Verbesserungen im Schiffbau ge­sorgt werden, sondern auch dadurch, daß eine strikte Beachtung der zu gleichem Zwecke erlassenen Bestimmungen unbedingt gewährleistet wird.

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Politische Umschau-

Prinz Heinrich geht nach Japan.

Als Vertreter des Kaisers zu den Veisetzungsfeierlichkeiteii für 'ftoHi'r Mntfnhito begibt sich Prinz Heinrich von Preußen nach,

(Nachdruck verlöten.)

Das Tor des Lebens.

Roman von A n n y W o t h e.

88 (Forttebung.i

Sibo nickte. Eine plötzliche Schwäche kam über ihn.' Die kräftigen "Glieder versagten vollkommen, und zitternd ruhte er in einem Sessel, während Rolf die Rezepte schrieb.

Heinrike sah ihm unverwandt ins Gesicht.

Denkst Du noch immer daran, das Fest zu geben, Sibo?" fragte sie sanft.Ich bitte Dich, es abzusagen; es ist ja gar nicht möglich, bei Deiner Verfassung."

Erst recht!" fuhr Sibo auf.Ich bin gar nicht krank! Wie oft soll ich es denn beteuern? Und das Fest steigt! Meinst Du, ich will wich blamieren? Die Mordsgeschichte, die Rolf erzählte, ist mir eben in die Glieder gefahren, weil ich augenblicklich von dem vielen geschäft­lichen Aerger etwas angegriffen bin."

Er winkte Rolf noch freundlich einen Gruß zu; dann verließ er das Zimmer.

Ich will mich doch ein wenig niederlegen!" rief er Heinrike zu. Dann war die junge Frau mit ihrem East allein.

Hastig eilte sie auf den Doktor zu und sprach, seine beiden Hände mit den ihren umfassend:

Was ist mit Sibo? Ich bitte, ich beschwöre Sie, sagen Sie mir alles! Etwas Furchtbares, Schreckliches bedrückt ihn. Die ganze Nacht seufzt und stöhnt er. und Furcht treibt ibn bei Tage ruhelos umher. Ist etwas mit der Fabrik? Ich vergehe fast vor Angst. Heute machte er wir eine heftige Szene, in der er verlangte, ich sollte Irmele wieder fortgeben. Ich begreife ihn nicht! So zerfahren und haltlos war er nie, nicht mal in den schwersten und unglücklichsten Zeiten seines Lebens." Sie müssen ruhiger werden, verehrte Freundin. Sie sehen überall Gespenster. Sibo sckieint mir etwas überarbeitet. Ich will gern ver­suchen, ihn zu einer ernsthaften Kur zu überreden. Er ist wirklich so kerngesund, daß Sie ganz ruhig fein können. Sie wissen ja aus eigener Erfahrung, wie leicht er selbst tiefe, seelische Verstimmungen überwindet. Also Mut, Frau Heinrike, bann läkbelt auch Ihnen wieder die Sonne."

Die junge Frau hatte beide Hände gegen ihre klopfende Brust ge­preßt. In den sanften, braunen Augen schimmerte es wie von Tränen.

Ich war so stolz so glücklich", sprach sie leise,daß ich Tag und Nacht mir für ihn leben durfte. Sie wissen es ja selbst, lieber Freund, wie Wein ängstliches Herz in fröhlicher Kraft erstarkte, wenn ich für ihn Mndeln und denken konnte. Aber jetzt versage ich vollständig. Ich

Japan. Der Prinz fährt etwa den 20. August über Sibirien nach Kiautschou, Für die Ueberfahrt nach Japan wird ein deutsches Kriegsschiff benutzt. Als Begleitung ist dem Prinzen der Hof- marfchall Frhr. v. Seckendorfs und als Adjutant Kapitänleutnant v. Tyßka und Leibarzt Dr. Billfinger, ferner Generalleutnant von Boehm, vom Admiralstab der Marine und Korvettenkapitän Koehler. Der Prinz wird dem Vernehmen nach auf seiner Rück­reise das Kreuzergcschwader und Kiautschou besichtigen.

Mulay Hafid dankt c6.

Der Ministerrat ratifizierte die Abmachungen zwischen General Lyautey und Mulay Hafid, wonach Mulay Hafid vor seiner Ab­reise nach Frankreich abdankt. Die Bedingungen wurden ent­sprechend den früheren Abmachungen festgesetzt. Der neue Sultan, voraussichtlich der Bruder Hafids, wird nach scherifischer Tradition gewählt. Die französische Regierung hat beschlossen, die Nach­folge dem Prinzen Mulay Jussuf, d"r gegenwärtig Kalifa in Fez ist, zu übertragen. Mulay Jessus stammt von demselben Vater und derselben Mutter wie Mulay Hafid. Der abgedankte Sultan wird sofort seine Reise nach Vichy antreten.

Durch das französische Protektorat ist die Würde, die Mulay Hafid jetzt niedergelegt, ja völlig bedeutungslos geworden. Mulay Hafid wurde am 5. Januar 1908 Sultan von Marokko.

Prinz Heinrich und eineSttotegifche Autostraße DöberihMetz".

Prinz Heinrich von Preußen hat sich vor einigen Tagen auf eine An­regung, strategische Auto- und Flugstraßen in Deutschland zu schaffen, zustimmend geäußert. Er schreibt:Ich halte den Gedanken für gut, und zwar im Interesse unserer Mobilmachung, für welche solche Straßen meines Erachtens von ganz besonderer Bedeutung sein dürften, zur Ent­lastung der Eisenbahnen. Direkte Automobilstraßen-Verbindungen vom Norden zum Süden und vom Osten zum Westen der Monarchie sind, meiner Ansicht nach, ein schon jetzt empfundenes Bedürfnis . . ." Es handelt sich in erster Reihe um die Schaffung einer strategischen Auto- und Flugstraße von Döberitz nach Metz. Die günstigen Erfahrungen, welche unsere Verkehrstrupoen mit dem feldkriegsmäßigen Kraftwagen gemacht haben, lassen erhoffen, daß die vorhandenen Landstraßen für Lcstwagenzüge wertvolle Dienste leisten können. Damit ist aber noch keine Fürsorge dafür getroffen, daß der Befehlsstab der Erenzarmee, das Hauptquartier der Armeeleitung und die rückwärtige Etappenverbin­dung zwischen beiden freie Bahn behält. Bei den großen Geschwindig­keiten, die eine moderne Mobilmachung erfordert, reichen weder über­

lastete Eisenbahnlinien noch überfüllte Landstraßen aus, um einen ftotfungsfreien Verkehr für den Armeestab freizuhalten. Da empfiehlt sich die Anlage einer durchgehenden Auto-Straße aus verschiedenen schwerwiegenden Gründen. Die Franzosen haben Bereits gezeigt, daß die Anlage von Ueberlandstraßen für Automobilverkehr möglich und durch Sportbenutzung verzinslich ist. Besonders die strategische Erenzstraße vom Genfer See zur Riviera durch die Savoyischen Alpen beweist, daß selbst die schwierigsten Geländeverhältnisse hinreichend zu überwinden sind. In unserem norddeutschen Tiefland und im mitteldeutschen Hügel­land sind bei weitem nicht die Schwierigkeiten vorhanden, die die Anlage und den Verrieb einer solchen militärischen Strecke erschweren könnten. Der Gedanke einer Autostraße zwischen Aachen und Trier ist in sport­lichen Kreisen seit zehn Jahren immer wieder erwogen worden, und eine Fortsetzung einer Autostraße nach Metz, von der die Teilstecken Döberitz Potsdam und FrankfurtWiesbaden zum Teil fertig sind, würde den Aufmarsch einer Westarmee in unermeßlich wertvoller Weise unterstützen. Die weitere Verbindung mit dem Truppenübungsplatz fn Altengravow, mit den Flugplätzen in Magdeburg und Gotha, und dem Truppenübungs- platz bei Orb und dem Flugplatz in Frankfurt erscheint von ebenso hohem

finde mich selber nicht mehr zurecht, und sehe nur Schreckgebilde. Nicht mal Jobst mit seinem frohen Geplauder kann mir darüber hinweghelfen. Ich zittere jede Stunde vor Angst, daß irgend etwas Schreckliches pas­sieren könnte, und wenn dieser Amerikaner hier ist, dieser Mister Derham und er ist oft hier dann habe ich immer das Gefühl, als wäre ich eia armer Vogel, der rettungslos in einer Schlinge hängt."

Rolf war bei Erwähnung Mister Derhams dunkelrot geworden.

Der Kerl ist Ihnen doch nicht etwa zu nahe getreten? brauste er auf.

Alle feine sonstige Gelassenheit hatte ihn verlassen, und in seinem hageren Gesicht zuckte jeder Nerv. Seine grauen Augen funkelten in die ihren.

Nein, nicht mit Worten; aber es gibt auch Blicke, die verletzen können, Mienen, die viel sagen, wofür man keine Rechenschaft fordern kann. Ich habe meinen Mann schon hundertmal gebeten. Derham unserem Hause fernzuhalten, aber es scheint so. als ob ich dadurch gerade das Gegenteil erreiche. Ich weiß nicht, ich traue dem Amertkaner nicht. Sibo tut blindlings, was er verlangt, und habe ich die Ueberzeugung, daß sie innerlich gar nicht gut miteinander stehen."

Rolf hatte sich schon wieder gefaßt. Er nahm langsam Heinrikes weiße Hand und berührte sie leise mit den Lippen, während er zum Abschied sagte:

Mir ift nicht bange um Sie, Heinrike. Sie werden diesem Ameri­kaner gegenüber gewiß immer das rechte Wort finden und ihn in den Schranken halten, die Sie selbst gezogen zu sehen wünschen."

Heinrike lächelte.

Sie denken zu gut von mir. Ich bin so müde geworden, und oft ist es mir, als ob alle Kraft in mir versagt. Da habe ich nur eine Sehnsucht: einen Platz zum Ausruhen zu suchen."

Heinrike!" schtte er auf, ganz erblaßt.

Fall abwehrend hoben sich seine Hände.

Fürchten Sie nichts lieber Freund, ich halte aus! Meines Lebens Tor ift verbaut, und ewig muß ich als Bettlerin vor feiner Pforte stehen."

Wie eine Heilige liebe ich Sie", kam es tonlos von Rolf Bandeners Lippen.Wie ?,u der gnadenreichen Gottesmutter könnte ich zu Ihnen beten. Könnte ich Ihnen doch mit meinem Leben nut einen Glücksschein erlaufen, der Ihr Herz erwärmt und es wieder froh macht!"

Sie lächelte noch immer mit jenem sanften Wehmutslächeln, das ins Herz schneidet.

Ich weiß, daß ich keinen treueren Freund habe als Sie, Rolf, und das gibt mit oft Kraft, weiter zu leben, wenn ich unter meiner Last zu­sammenzubrechen drohe. Doch jetzt gehe« Sie, bitte, und vergessen Sie, |

sportlichen wie militärischem Wert, als die Fortführung zu dem Lust- fchiffhafen in Metz und zum Truppenübungsplatz von Elsenborn in der Eifel."

Herr Poincare in Petersburg.

Petersburg, 12. Aug. In Krasnoje Sselo war gestern nachmittag in Gegenwart des Kaisers, der Großfürsten und der russischen Minister Zapfenstreich, dem Ministerpräsident PoincarS und die französischen Offiziere beiwohnten. Während des Zapfen» streiches wurden dem Kaiser die neuernannten Kommandeure der drei preußischen Regimenter, deren Chef der Kaiser ist, vorgestellt. Rach dem Zapfenstreich nahm Poincarö an einem Diner beim Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch teil, zu dem Baron Fredericksz, Ministerpräsident Kokowtzow, die Minister Sassonow und Suchern- linow sowie der Botschafter Iswolski geladen waren. Am fltenb fand im Theater von Krasnoje Sselo in Gegenwart des Küifirs und der Großfürsten Galavorstellung statt, der Poincarch seine Le» gleiter, die französischen Offiziere des KreuzersCond6" und W* Kommandeure der drei preußischen Regimenter beiwohnten.

Petersburg, 12. Aug. Kaiser Nikolaus hielt heute in Krasnoje Sselo eine Truppenrevue ab, der Ministerpräsident Poim carö und seine Begleiter auf dem Kaiserhügel beiwohnten. Der Kaiser begrüßte die anwesenden deutschen Offiziere. Nach der Revue fand ein Frühstück im Kaiserzelt statt.

P etersburg, 12. Aug. Im Gespräche mit französischen Journalisten äußerte sich der Eeneralstabschef der russischen Ma­rine, Fürst Lieven: Wir bauen unsere Ostseeflotte wieder aus. Das kann für niemanden etwas Beunruhigendes haben. Man kennt ja die friedlichen Absichten Rußlands. Wir sind und wir wollen immer in den besten Beziehungen mit unserem deutschen Nachbarn bleiben. Wenn wir auch unsere Flotte wiederherstellen und an der Verteidigung unserer Häfen in der Ostsee arbeiten, so haben wir doch das Empfinden, daß wir gewissen Versuchen einen Riegel vorschieben. Auf die Frage, ob die russische Diplomatie die französische Flotte darin unterstützen würde, die Dardanellen und den Bosporus passieren zu dürfen, erwiderte Fürst Lieven: Was nützen alle Verträge auf dem Papier; derjenige, der die Mehrheit haben wird, wird im gegebenen Augenblick nach seinen eigenen Interessen handeln und nur die Gewalt wird ihm eine andere Handlungsweise vorschreiben.Rjetsch" führt in seinem Leit­artikel aus, daß die Verhandlungen zwischen den russischen Staats­männern und Poincarck über die Weltpolitik und das europäische Gleichgewicht nur zu einem vorläufigen Resultat führen könnten, da die endgültige Verwirklichung die Beurteilung und Zustim­mung des Dreibundes erfordert. Die vorliegenden Beratungs­gegenstände würden sich zum Teil als Programm für eine euro­päische Konferenz eignen, die ein alter Gedanke der russischen Diplomatie sei. Vielleicht entwickele sich die internationale Lage in einem dieser Idee günstigen Sinne. Unter einem Gesichtspunkt sei der Besuch Poincar^s nicht ein Gegensatz zu der Begegnung in Valtischport, sondern die Fortsetzung. Die Nachricht derNeuen Freien Presse", daß während des Aufenthaltes des Ministerpräsi­denten Poincar^ in Petersburg die Dardanellenfrage aufgeworfen werden würde, wird von amtlicher russischer Seite als unrichtig bezeichnet.

was ich Törichtes gefügt. Die arme Traute aber ,wenn sie es wirklich sein sollte werde ich aufsuchen. sobald Sie etz gestatten."

Auch gegen Sibas Willen?"

Ein stolzer Blick traf ihn.

Ich will und werde fetzen, ob die Frau wirklich Irmeles Mutter ist. ober ob es sich um die Wahnideen einer Kranken handelt. Das ist Pflicht, und Sibo hat nicht bas Recht, mich davon zurückzuhalten ober über mein Tun und Lassen in dieser Angelegenheit irgendeine Entscheid­ung zu treffen."

Noch einmal sah Rolf ihr ins Auge, bai.n griff er hastig nach feinem Hut. Wie gejagt, eilte er davon. Er konnte nicht mehr in diese leibvollen, braunen Augensterne sehen, bie jetzt von einer heißen, unbe­zwinglichen Sehnsucht rebeten, einer Sehnsucht, die ihn ganz wirr und toll machte.

Ein wilder Grimm gegen Sibo erfaßte ihn. Mit allen Mitteln wollte er ihn zwingen, Heinrikes Leben menschenwürbiger zu gestalten. Sie. die er feit feinen Iünglingsjahren mit scheuer, ehrfürchtiger Liebe umsorgt, bereit Glück fein ganzes Sinnen unb Denken ausmachte, bie durste nicht unglücklich fein, wenn sie auch ihm selbst auf ewig ver­loren war.

Er wollte ja so gern immer im Dunkeln stehen, wenn nur sie im Lichte wandelte.

Noch nie hatte sich irgend ein eigensüchtiges Begehren in fein Herz geschlichen. Wie ein stilles, reines Heiligenbild lebte Heinrike ift seinem Herzen. Nie waren sie beide in den langen Jahren ihrer Freundschaft über den lebensroarmen Ton guter Freunde hinausgegangen, unb heute mit einem Male, ba hatte jein Herz so wild geklopft, weil sie ves Amerikaners erwähnte, bet, wie er oft schon Gelegenheit hatte, zu be­merken. den Frauen so gefährlich war.

Was hatte Heinrike von Ausruhen gerebet, unb was hatte sie bamit sagen wollen? Doch nicht etwa, baß sie ihn ihrer Herzenseinsamkeit sich vielleicht gar roiber Willen diesem Derham zuneigen könnte? Nein, so hatte es Heinrike gewiß nicht gemeint. Die Frau, in deren Brust kein unlauterer ~e*>onte Platz fand, bie ganz in Sorge und Liebe für Sibo aufging, die konnte das nicht gedacht haben.

Liebte sie aber Sibo noch? Konnte sie ihn noch lieben?

Rolf Bandente schoß eine jähe Glut in bie Stirn. Mit hastigen Schritten stürmte er von bannen, seiner Anstalt zu.

Seine lange Gestalt war gebeugt, unb alle Glieber schlotterten ihm.

Richt vor bet schönen, stillen, reinen Frau dort in bet weißen Villa wußte er fliehen, sondern vor sich jelbft

(Fortsetzung folgt.)