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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

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DieOberhtfsische Zeitung" erscheint tätlich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 *<Ä lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <H frei in? Haus. (Für unver» langt zngesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Dienstag, 13 August

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 A, bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 -4, für Reklamen die Zeile 60 L. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ler- bindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausge­schlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg.

1912.

Der französische Besuch in Petersburg.,

Wieder einmal steht Ruhland im Mittelpunkt der politischen Erörterung. Wie vor Wochen in Baltischport, so jetzt in Peters­burg verhandelt der Zar mit dem Vertreter einer anderen Macht. Es ist natürlich, dah die Versicherungen der Friedenssehn­sucht aller der Bündnisse ebenso laut offiziell betont wird, wie ^inoffiziell kombiniert wird. Was die Zusammenkunft an neuen Kriegsabmachungen bringen soll, kann im Gründe gleichgiltig Hleiben. Für uns Deutsche heiht es in jedem Falle: Die Augen auf.

Hebei den Besuch liegen folgende Meldungen vor:

Petersburg, 10. Aug. Ministerpräsident Poincarö ist an Bord der JachtNowa" hier eingetroffen. Am Landungsplätze erwarteten ihn Kokowtzow und Sassonow sowie mehrere Vertreter des Auswärtigen Amtes und des Hofministeriums, der Chef des Generalstabs der Marine Fürst Lieven und der französische Bot­schafter. Kokowtzow und Sassonow begrüßten Poincar6 herzlich.

Petersburg.il. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin emp- . fingen heute mittag im großen Petershofer Palais den französi­schen Ministerpräsidenten Poincars. Nach dem Empfang verließ die Kaiserin das Palais. Nachdem dem Kaiser die Begleiter Poin- can's vorgestellt waren, wurde das Frühstück serviert. Rechts vom Kaiser saß Poincar6, links der französische Botschafter. Anwesend waren Ministerpräsident Kokowtzow und der Minister des Aeußern Sassonow, der russische Botschafter in Paris Iswolski sowie die Begleiter Poincar<5s. Der Kaiser verlieh Poincars den Alexander- Rewskyorden.

Petersbu tg, 11. Aug. Der Kaiser mit Familie ist gestern nachmittag in Peterhof eingetroffen. Ministerpräsident Poin- car6 legte gestern am Grabe Alexanders III. im Namen der fran­zösischen Regierung einen Kranz nieder und besichtigte sodann das Volkshaus und die französischen Wohltätigkeitsanstalten. Nach dem Frühstück auf der Botschaft hatte er eine Unterredung mit dem Minister des Aeuhern Sasionow und sodann mit dem Minister­präsidenten Kokowtzow. Poincarä stattete darauf den Botschaftern Besuche ab und empfing gegen Abend die französische Kolonie. In einer Ansprache betonte Poincar6, die französische Kolonie bilde - ein natürliches Band zwischen Frankreich und Rußland. Abends fand zu Ehren Poincar^s im Ministerium des Aeußern ein Diner statt, an dem Ministerpräsident Kokowtzow, sämtliche Minister und die französische Botschaft teilnahmen.

Petersburg, 11. Aug. Die Nachricht derNeuen Freien Presie", daß während des Aufenthalts des Ministerpräsidenten Poincar6 in Petersburg die Dardanellenfrage aufgeworfen werde, wird von amtlicher russischer Seite als unrichtig bezeichnet.

K ö l n, 10. Aug. Der Petersburger Korrespondent derKöln. Ztg." drahtet zum Besuche Poincarös: Die Stimmungsmache nach Innen und außen, die wahrscheinlich in den nächsten Tagen noch steigen wird, fängt, wie mir ein maßgebender russischer Diplomat sagt, sogar an, die Rusten zu ärgern. Von Festlegung neuer Richt­linien in der äußern Politik könne gar keine Rede sein, auch nicht davon, daß Rußland völlig neue Verpflichtungen politischer oder militärischer Art eingehen werde. Poincar^ werde jedoch mit der Freundlichkeit, die man dem Haupte einer verbündeten Nation schulde, ausgenommen. Bezüglich des Marineabkommens kann ich bestimmt versichern, daß außer Besprechungen und Verabredungen Liewens in Frankreich nichts weiter erfolgen wird; es wird kein besonderes Abkommen mehr geschloßen werden.

$7 (Nachdruck verboten.)

Tas Tor des Lebens.

Roman von A n n y W o t h e.

(Fortsetzung.)

Wo haben Sie denn so lange gesteckt, bester Doktor?" fragte sie, bemüht, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.Mein Teetisch war alle Tage verwaist, denn auch Sibo war wenig zu Hause."

Du vergißt, daß Derham doch säst täglich hier war", warf Sibo ein, froh, daß die Unterhaltung eine andere Richtung nahm.

Ein leises Rot stieg in Heinrikes Antlitz, als sie unter den forschen­den Augen Rolf Bandeners bemerkte:

Ja, er war reichlich oft hier, dein Freund Derham. Er plagt mich halb tot mit den Vorbereitungen zu unserem Fest, und jeden Tag bat er neue Ideen, die er mit mir durchsprechen will. Mir ist der Kopf schon ganz wirr von all seinen Vorschlägen."

Run", lächelte Sibo nichtswürdig,Derham ist doch ein so feiner Gesellschafter, daß es wirklich erträglich für eine junge und ich darf wohl sagen schöne Frau", fügte er mit einer ironischen Verbeugung hinzu,ist, wenn sie ein paar Stunden angenehm mit ihm verplaudert, besonders dann, wenn der (Satte absolut nicht eifersüchtig wird."

Befremdet blickte Rolf Vandener von einem zum andern. Das war ja ein ganz neuer Ton. Den kannte er bisher noch nicht zwischen dem Ehepaar, das seinem Herzen so nahestand. Der Ton tat ihm weh.

Ich konnte wirklich in diesen Tagen nicht abkommen", wandte sich der Doktor wieder zu Heinrike.Sie haben gewiß schon von dem Unglück gehött, das sich an dem Abend, als ich zuletzt bei Ihnen war, zugetragen hat."

Was ist denn geschehen?" fragte Heinrike.Ich habe gar nichts gehört."

Ja, denken Sie nur, als ich heimwärts ging, kam ich gerade dazu, wie der alte Fischer Battens eine Frau aus dem Master zog."

Was ist denn aus der Leiche geworden?" fragte Sibo. in seinem Gang durch das Zimmer plötzlich innehaltend, mit ganz erblaßtem Gesicht.

Leiche? Wer jagt denn, daß die Frau tot war?" entgegnete Rolf erstaunt.

Natürlich, ich meine nur. Man nimmt doch an, wenn einer ins Master fällt, daß et auch ertrinkt. Also sie lebt; das ist ja ein Glück, Wirklich ein Glück!"

Parir, 10. Aug. DerFigaro,, schreibt über den Besuch des Ministerpräsidenten Poincarö in Petersburg: Das Programm ist geändert worden. Ministerpräsident Polncar6 verbringt nicht nur einen, sondern zwei Tage in unmittelbarer Nähe des Zaren in Peterhof. Dies sowie der sehr warme Ton der russischen Blätter ist der Beweis, daß das Bündnis in den beiden Ländern heute ebenso fest und volkstümlich ist wie jemals. Viele Fehler hätten vermieden werden können, von denen einige sehr peinliche Folgen gehabt haben. Wir haben unsererseits nicht beständig alles das getan, was nötig war, um den vollständigen Kontakt mit unserem Verbündeten zu erhalten. Die Einheit des Willens und die Be­ständigkeit des Handelns hat unserer Politik bisweilen gefehlt, aber trotzdem und trotz einiger Irrtümer bleiben die Richtungen bestehen. Die Rusten wisten, daß sie auf uns zählen können, wie wir auf sie zählen können. (Natürlich nur im Frieden!? D. Red.)

Tie ßiifle in der Türkei.

K o n st a n t i n o p e l, 10. Aug. Aus Skutari wird ein neuer Zusammenstoß der Truppen mit den Malissoren gemeldet. An der türkisch-montenegrinischen Grenze dauern die Scharmützel fort. Auf die diesbezüglichen neuerlichen Schritte des montenegrinischen Geschäftsträgers antwortete der Minister des Aeußern, daß ver­mutlich die Befehle des Kriegsministeriums, das Feuer einzu­stellen, den Erenzbehörden noch nicht zugegangen seien. Authen­tischen Meldungen zufolge beteiligten sich an den komiteefreund­lichen Demonstrationen in Saloniki bloß 30 Offiziere, welche mei­stens der Gendarmerie sowie der Truppenabteilung angehören, die den Vewachungsdienst Abdul Hamids versieht. Die Demonstration gilt als fehlgeschlagen.

K o n st a n t i n o p e l, 10. Aug. Wie die Blätter melden, hat Ibrahim Pascha dem Eroßwestr telegraphisch mitgeteilt, daß die Ruhe in Albanien zurückkehre, und daß er in den Verhandlungen mit 29 Albanesenchefs fortfahre. In der Depesche heißt es weiter, daß die Albanesenchefs Gerüchte von angeblichen Absichten der Al­banesen dementieren und erklärt hätten, daß sie die Lostrennung von der Türkei nicht wünschten. Der Präsident des Senats Ferid Pascha sandte an die Albanesenchefs eine Depesche, in der er ihnen den Rat erteilt, keine Forderungen aufzustellen, welche die Würde des türkischen Reiches verletzen.

Konstantinopel, 10. Aug. Die BlätterTanin" und Hakk" stellen ihr Erscheinen ein. Einige jungtürkische Beamte haben es vorgezogen, ihre Stellen niederzulegen, um die von der Regierung geforderte Erklärung nicht unterzeichnen zu müsten. Die Polizei hat Recherchen nach in der Stadt verstecken Bomben eingeleitet.

C et i n j e, 10. Aug. Reguläre Truppen wiederholten gestern die Angriffe auf die montenegrinische Grenze bet Velica. Das Ge­fecht dauerte den ganzen Tag. Die Angreifer wurden zurück­geschlagen. Die Regierung appelliert an die Großmächte, ein radi­kales Mittel zur Hebung eines Zustandes zu finden, welcher lange zum Nachteil der friedlichen Entwicklung Montenegros dauerte; mit der Türkei habe man keine Möglichkeit, sich direkt' zu ver­

ständigen.

Sofia, 11. Aug. In einer von den rnacedonifchen Wohl- tättgkeitsgelellschaften einberufenen Versammlung, an der Ver­treter aller politischen Parteien teilnahmen, wurde nach lebhaften

Sibo sagte es mit einem befriedigenden Atemzug, und dann lachte er plötzlich laut, so daß Rolf und Heinrike sich verständnislos ansahen.

Also das Weib lebt!" fuhr er fort.Aber nun erzähle doch mal, Rolf, ich brenne wirklich vor Neugierde."

Er ließ sich behaglich auf einen Sessel nieder und blickte fragend in Rolfs Augen, die sich nachdenklich, als suche et etwas in feiner Er­innerung, gesenkt hatten.

Ich glaubte auch erst, daß die Frau, die Bartens aus dem Master gefischt hatte, tot war. Aber als ich sie untersuchte, entdeckte ich, daß das Leben noch nicht ganz geschwunden war. Schnell versuchten wir künstliche Atmung, und ich hatte die Freude, die Fremde die Augen auf- fchlagen zu sehen. Ich ließ sie zu mir ins Sanatorium schaffen; aber ich muß leider gestehen, daß ich wenig oder gar keine Hoffnung habe, sie durchzubringeu.

Das ist ja s>zhr schön!" fuhr Sibo auf.Ich meine", verbesserte er sich,daß du dich der Unglücklichen angenommen hast. Hat man denn keine Ahnung, wer die Person ist, und ob das kalte Bad ein freiwilliges oder unfreiwilliges war?"

Es lag etwas Lauerndes in feinem Ton, besten Fremdheit und Schärfe Heinrike erschreckte.

Rein, sie hatte keinerlei Papiere bei sich", bemerkte der Doktor, und ich hätte gar keinen Anhalt über die Unglückliche, da die Frau ihre Besinnung noch immer nicht wieder erlangt hat, wenn ich nicht zu­fällig aus ihren Fieberphantasien entnommen hätte"

Was hast du gehött?" fragte Sibo hastig, mit hartem (griff die Hand des Freundes umfassend und ihm dabei erregt zuflüsternd:So schweige, schweige doch! Siehst du denn nicht, wie Heinrike sich aufregt?"

Erstaunt befreite Rolf feine Reckte unb entgegnete ganz kühl:

Verzeihe. Was ick zu r~ 'wbe, erscheint mir doch sehr wichtig. Ans den Fieberphantasien d. emfen glaube ich zu entnehmen, daß sie ihres Kindes wegen, um diesem Kinde nahe zu fein Magddienste in einem Kloster angenommen hat. Sie, verehrte Freundin, haben mir nun doch wiederholt von dem merkwürdigen Verhalten der Klostermagd bei Jrmeles Wegsührung aus dem Kloster erzählt, und da habe ich vei- mutet

Daß die Kranke vielleicht die Klostermagd Traute und Jrmeles Mutter fei! ergänzte Heinrike ganz aufgeregt.Ach, liebster, bester Doktor, ich kann Ihnen ja garnicht sagen, wie nahe mir das geht, und wie mich Ihr Verdacht erschreckt. Wenn es so wäre, so hätte ja die arme Frau das erste Anrecht auf Jrmele. Aber freilich, ich hatte damals den Eindruck, als ob d'"termagb niiH ganz zurechnungsfähig fei;

Erörterungen, in denen das Vorgehen der Türkei gegenüber der bulgarischen Bevölkerung in Macedonien schärsstens kritisiert wurde, die Regierung auj^orbert, gegenüber der Türkei eine feste Haltung einzunehmen, eventuell mit einem Kriege vorzugehen. Es wurde ein Komitee gewählt und mit der Aufgabe betraut, nach Sofia und anderen Städten für Dienstag Volksversammlungen einzuberusen und eine entsprechende Resolution zu verfasten.

Konstantinopel, 11. Aug. Der frühere Deputierte Hustein Djabjb dementiert, daß er mit dem früheren Minister Sahib-Halim in der Schweiz mit italienischen Delegierten über den Frieden verhandelt hätte.

Konstantinopel, 11. Aug. Die mobilisierten Redifs in Smyrna sind entlassen worden.

Saloniki, 11. Aug. Auf dem österreichischen Postamt ep plädierte gestern abend eine Höllenmaschine, die von unbekannten" Tätern eingeschmuggelt worden war. Das Lokal wurde stark be­schädigt und die Einrichtung zerstört. Die Postsachen wurden ge­rettet. Zwei Beamte wurden leicht verletzt. Der österreichische Generalkonsul erschien sofort und veranlaßte, daß der Betrieb des Postamts weitergehe. Von den Behörden wurden Schutzmaßregeln ergriffen. Die Straße« sind militärisch besetzt. Untersuchung ist eingeleitet. Eine zweite Bombe platzte in einem Straßenbahn­wagen, der leer in die Remise einfuhr.

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Ein Erdbeben in den Dardanellen.

Konstantinopel, 11. Aug. Ein Erdbeben hat Konstantinopel und andere Orte ddr Küste des Marmarameeres, namentlich Jallipoli und Myriophito, schwer heimgesucht. Viele Häuser sind eingestürzt. Die Straßen sind mit Trümmern bedeckt. Kochendes Wasser füllt entstandene Spalten. Angeblich sind 300 Menschen tot oder verwundet. Berichte von Augenzeugen bestätigen, daß das Erdbeben das Dardanellengebiet schwer heimgesucht hat. Viele Häuser sind eingestürzt, darunter das Haus des persischen Konsuls, sowie zwei angrenzende Gebäude, in dem einen das österreichisch-ungarische Konsulat feinen Sitz hat. Eine Moschee, die griechische Kirche und das englische Konsulat wurden beschädigt. Der Uhrturm büßte feine Spitze ein. Die Mauern der Fassaden der am Meere gelegenen Häuser wurden weggettssen. Längs des Kais, zwischen dem österreichischen und dem englischen Konsulat wies der Boden große Risse auf. Das Kai wurde an mehreren Stellen von kochendem Wasser überflutet, welches auch die Spalten füllt. Sämtliche Straßen sind mit Trümmern bedeckt. Viele Personen wurden getötet. Auch die Landhäuser wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Stadt Gallipoli wurde noch mehr heimgesucht. Die Bevölkerung kampiert im Freien. Eanos und mehrere andere Orte an der Küste des Marmarameeres wurden durch Erdstllrze in Trümmer gelegt. Eine Hilfsexpedition ist dorthin abgegangen. In Adrianopel weifen mehrere Häuser Risse auf. Ueber das Schicksal Robustos fehlen nähere Nachrichten. Verletzte, die hier ein­getroffen sind, erzählen erschütternde Einzelheiten über die Erdbeben­katastrophe in Myriophito, Eanos, Chora und Peristori. Mehrere Brände brachen in Myriophito aus, welches vollständig in einen Trüm­merhaufen verwandelt wurde.

Konstantinopel, 10. Aug. Das Erdbeben war besonder» stark in Kadikoej und auf den Prinzeninseln, doch scheint es sich auch auf das Wilajot Adrianopel erstreckt zu haben. Nähere Nachrichten fehlen, da die Telegraphenlinien zerstört sind. In Pera ist die Wasser­leitung beschädigt worden. In Tschorlu an der Eisenbahnlinie nach Adrianopel wurden etwa 400 Häuser sowie die Telegraphenstation durch Feuer zerstört. In Gallipoli sind einige Häuser und bas Telegraphen­

amt eingestürzt.

Konstantinopel, 10. Aug. Wie verlautet, sinb Eanos, Chor»

unb Myriophito sowie anbere an der europäischen Küste bes Marmara-

bie frommen Schwestern waren wohl derselben Meinung. Es kann doch nur eine fixe Idee der Kranken gewesen sein, daß Jrmele ihr gehöre."

Natürlich ist es eine fixe Idee!" polterte Sibo dazwischen.Ich weiß gar nicht, warum ihr nur im geringsten daran zweifelt!"

In ihm war ein Jubel ohnegleichen. Fränze war nicht tot, und so sehr er das einesteils bedauerte, so fiel ihm doch eine schwere Last von der Seele, daß er es nicht war, der schuld an ihrem jähen Ende trug.' Freilich, die Gefahr für ihn war noch schlimmer, wenn Fränze wieder zu sich kam unb wieber reden konnte und reden würde, aber Zeit gewon­nen, alles gewonnen. Er wollte schon Mittel und Wege finden^ ihr den Mund zu-ftopfen, und den Balg, um den sie sich so hatte, den würde et ihr mit Freuden dazugeben.

Die Arme!" rief Heinrike mitleidig.Wie sehr muß sie leiben! Wollen Sie mir gestatten, lieber Herr Doktor, die Kranke aufzusuchen? Vielleicht kann man sie trösten, auf sie einwirken unb ihr helfen in ihrer großen Not."

Ich wollte Sie eben darum bitten, verehrte Frau; aber nicht gleich. Es können Wochen vergehen, ehe die Kranke wieder bei klaret Besinnung ist. Ein hitziges Nervenfieber hat sie gepackt. Eben aber, weil sie ihrer Sinne nicht mächtig und nicht vernehmungsfähig ist, habe ich vorläufig davon abgesehen, bett Vorgang der Behörbe anzuzeigen."

Behörbe? Was geht denn die Geschichte die Behörde an? fragte Sibo, während ein Zittern durch seine Glieder rann.

Mehr als Du denkst; denn Bartens will gesehen haben, daß die Frau nicht freiwillig ins Wasser ging, sondern von einem Manne hin- eingeftoßen wurde, den er leider nicht erkannt hat, und der, wie Bartens behauptet, eiligst in der Richtung nach der Stadt zu verschwand."

Das ist ja alles der pure Blödsinn!" fuhr Sibo auf.Ihr seid doch alle miteinander verrückt. Der alte Bartens ist ja immer im Tran. Hoffentlich hat er die Person nicht selber ins Wasser geschuppst. Uebri- gens verbiete ich Dir," wandte er sich an Heinrike,jenes Weib zu be­suchen. Du willst uns wohl den Typhus ins Haus schleppen! Das fehlte auch noch! Du brauchtest Heinrike wirklich nicht noch zu solchen Dinge» aufzureden, Rolf", wandte er sich zu dem Freund.

Wieder flog Rolf Bandeners stahlgraues Auge prüfend über Sibatz Züge, die ihm ganz verzertt erschienen; dann sagte er bestimmt:

Geh zu Bett, mein Sohn. Du bist wirklich kränker, als Du geben willst. Ich werde Dir hier ein paar Pulver aufschreiben, bann es morgen gewiß wieder besser."

" - ... ; (Fortsetzung solgt.js