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mit Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Freitag, 9. August

LieCbcrhcififdje Bettung" erscheint täglich nut Ausnahme Der eann- I und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <Ä (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei inS HauS. (§ür unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hihetoih), Markt 21. Telephon 55.

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

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unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

Rußland und Frankreich.

*** In Frankreich ist die öffentliche Stimmung eine recht ge- hobene, da man sich über die russische Freundschaft den glänzendsten Illusionen hingibt. Der Ministerpräsident Poincarö hat am Mon- ; tag von Dünkirchen aus auf einem Kriegsschiffe die Fahrt nach j Petersburg angetreten und kurz vorher ist noch die Nachricht ver- lLttitet worden, die engen Beziehungen beider Mächte sollten durch [ Hine Marinekonvention noch fester geknüpft werden, was durch den i Neubau der russischen Ostseeflotte eine besondere Spitze gegen : Deutschland erhalte. Da die Franzosen die Revancheidee noch im­mer in den Mittelpunkt ihrer politischen Kombinationen stellen, ist es begreiflich, daß sie die Besprechungen in Baltischport jetzt als ganz bedeutungslos ansehen und der Unterstützung von feiten des i russischen Verbündeten zu Wasser und zu Lande im Zukunftskriege ganz sicher zu sein glauben. Rußland, das noch lange Zeit zur ; Inneren Wiedererstarkung bedarf, ist vorläufig gar nicht in der ; Lage, einen größeren Krieg zu führen und denkt auch gar nicht daran, mit Deutschland zu brechen. Trotzdem greift es in die fran­zösischen Träumereien nicht störend ein, weil es in absehbarer Zeit den französischen Kapitalmarkt wieder für eine größere Anleihe in Anspruch nehmen möchte Das ist offenbar des Pudels Kern. An­dererseits aber darf auch nicht vergesien werden, daß die Ermunte­rung der französischen Revancheideen, die in jeder Militärkonven- tion oder deren Befestigung, wie die jetzt geplante liegt, für uns ; nicht ohne Bedeutung ist. Die Franzosen lieben nun einmal der- artige handgreifliche Umschmeichelungen ihres ruhmsüchtigen Jchs. : Nach Baltischportmußte" der tatsächliche Fortbestand des Zwei­bundes in besonderer Weise bekräftigt werden. Deshalb geht Herr Poincars nach Rußland. Haben wir es nicht schon gewußt, daß Frankreich mit Rußland ein Militärbündnis hat? Bezieht sich das nicht auch auf die Marine? Karl Eugen Schmidt spottet im Tag":Sind nicht am Ende noch besondere Konventionen für die Kosaken im besonderen oder die Kavallerie im allgemeinen nötig? Ist die Artillerie miteinbegriffen? Wer kann das wissen! Da wir jetzt auch eine besondere Lustschifferabteilung haben, wird es ohne Zweifel auch darüber zu neuen Konventionen und neuer Freude der französischen Presse kommen. Demnach stehen dem fran­zösischen Volke noch viele Freuden bevor, und vermutlich braucht es für die Anlage seiner Spargroschen nicht in Verlegenheit zu ge­raten." In der Tat ist die tatsächliche Bedeutung des neuen Ab­kommens gering, da doch eben jedermann weiß, daß, wenn einmal der Fall eintreten sollte, die Rtsssen den Franzosen (natürlich ge­gen uns!) Hilfe leisten müssen, sie tioit ihrerLuftschifferabteilung" und ihrer Flotte ebenso Gebrauch machen werden als von der Landarmee. Und daß die beiden Mächte sich verständigen wie die Flotte gebraucht werden soll, ist ebenso klar. Interessanter wäre es, wenn sich die Franzosen einmal über die Gegenleistung aus- tießen, die sie den Russen für ihre Freundlichkeit bieten.

Sehen wir einmal davon ab, daß die russische Flotte überhaupt noch nicht existiert, sodaß die ganzen Konventionen und Besprech­ungen Zukunftsmusik sind. Es läßt sich nicht verkennen, daß die Angelegenheit außer der Aufstachelung der französischen Re­vanchegelüste weiterhin eine größere Bedeutung hat und zwar für alle die, die an die Möglichkeit glaubten, daß Rußland nach und nach aus dem Konzern der Ententemächte sich lösen könnte. Die Zusamenkunft in Potsdam und die in Baltischport haben we­nig oder nichts geändert und wohl nicht mit Unrecht schreiben die L. N. R":Es liegt in der Wahl des Augenblicks für den Ab­schluß und die Veröffentlichung deutlich die Absicht vor, uns zu

84 (Nachdruck verboten.)

Das Tor des Lebens.

Roman oon AnnyWothe.

1 Fortsetzung.)

Franze hatte in der herrschenden Dunkelheit sich bemüht, seine Züge entziffern. Sie sah, daß er entschlossen war, nicht einen Zoll breit mehr nachzugeben, und die ganze Not und Verzweiflung ihres Herzens brach mit wilder Gewalt über sie herein.

Willst du mir freiwillig mein Kind wiedergeben?" keuchte sie mühsam.

Ich denke nicht daran. Beweise, daß es das deine ist. Da könnte jeder kommen. Welche Beweise hast du, daß Jrmele wirklich dein Kind ist und das meine? Jetzt aber mach' dich fort, du verstehst meine Nachsicht und mein Mitleid ganz falsch!"

Mitleid? Du, mit dem Herzen von Stein und nur von dem einen Gedanken an das liebe Ich erfüllt? Ich will dein Mitleid nicht, aber mein Recht, und wenn du mir nicht versprichst, mir morgen mein Kind auszuliefern, so schreie ich es hier durch die Nacht, daß du ein Betrüger bist, ein elender, gemeiner Betrüger!"

Weib, wirst du wohl schweigen!" schrie Sibo heiser, die schwarze Franze vorn Wege zurückdrängend. Aber da umschloß sie ihn mit ihren langen, dürren, knöchernen Armen und hielt ihn fest.

Laß mich los, du Wahnsinnige, ober ich schlage dich zu Boden!"

Nur zu!" höhnte Franze.Schlag' doch!"

Gib mir das Kind!" ächzte sie.Nur das Kind, kein Geld und Gut, nur Jrmele!"

.Nein! Laß mich los!"

Nicht eher, als bist du mir versprochen, daß Jrmele morgen bei mir ist."

Sie rangen in atemloser Hast miteinander.

Sibo fühlte die mageren, kalten Finger an seinem Hasse. Wie Geierkrallen hielten sie ihn gepackt. Da raffte er noch einmal seine ganze Kraft auf und schleuderte Franze weit von sich.

Ein Schrei, ein entsetzlicher Schrei, hallte durch die Nacht. Ein Gurgeln, ein leises Plätschern, und Franze war In den dunklen Wellen bes Rheins verschwunden.

I brouillieren, das wild wachsertde Unkraut der Kissinger Zuversicht­lichkeit zu kappen und uns wieder einmal die Lehre einzuprägen, daß höfliche Plaudereien zwischen Dynasten noch kein welterschüt­terndes Ereignis bilden. In Baltischport hat man unserem Kaiser nicht zum ersten Male Potemkinsche Kulissen der russischen Stim­mung gezeigt; als er die Schären verlassen hatte, riß man diese Kulissen gleichmütig nieder. Das Maß der Höflichkeit aber hat man erreicht, als man in Baltischport unsere Offiziösen behaup­ten freilich das Gegenteil von der bevorstehenden Konvention mit Frankreich nicht die geringste Andeutung machte."

Einer unserer besten Beurteiler der gegenwärtigen Auslands­politik, Professor Schiemann, aber schreibt:Die Tatsache, daß die Erneuerung der russischen Seemacht sich direkt mit Frankreichs offenkundig feindseligen Absichten, und damit indirekt auch mit den Plänen der englischen Flottenpolitiker kombiniert, macht sie um so mehr zu einer wenig freundschaftlichen Demonstration, als sie trotz der Aussprache von Valtischport darauf berechnet war, durch Ueber- raschung zu wirken." Er erinnert zugleich daran, daß unmittelbar nach jener Entrevue der schwedische Ministerpräsident von Herrn Sassanow zu der Erklärung veranlaßt wurde, daß der schwedischen Politik nichts ferner liege, als jemals Hand in Hand mit Deutsch­land zu gehen, er weist auf die Bestrebungen Rußlands und Frank­reichs, Italien vom Dreibunde abzuziehen, auf das unter russischem Einfluß zwischen Serbien und Bulgarien geschlossene Bündnis, auf das Vorgehen Montenegros, auf all die unbegrenzten Möglich­keiten an den Hängen des Balkans hin, um zu dem Schluß zu ge­langen, daß nicht nur das Gleichgewicht längst eine Illusion gewor­den sei, sondern daß all diese Vorgängeim Effekt in einen Krieg ausmünden können, wie die Welt noch keinen gesehen hat."

Gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen verschlägt es wenig, wenn jetzt von offiziöser Seite wieder betont wird, daß die Sache keinen aggressiven Charakter habe usw. usw. Dem Vertreter des Wolffschen Telegraphenbureaus wird nämlich aus gut unterrichte­ter Quelle in Petersburg mitgeteilt, dis Verhandlungen der Chefs des russischen und französischen Admiralstabes trügen keinen ag­gressiven und abenteuerlichen Charakter; einige Pläne und Pro­jekte seien ausgearbeitet und die Marinekenvention technisch vor­bereitet. Bisher sei aber die Konvention nicht unterschrieben; die Ratifikation hänge von den endgültigen Besprechungen ab, die Ministerpräsident Poincarö über die politische Seite der Konven­tion in Petersburg pflegen wird. Diese Aeußerung besagt im Grunde genommen ja nichts anderes, als daß die Sache stimmt.

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Deutsches Reich-

Der Reichskanzler. Hohenfinow, 7. Aug. Der Reichskanz­ler, der gestern aus Swinemünde hier wieder eingetroffen ist, be­gibt sich abends zur Teilnahme an der Kruppfeier nach Essen. Morgen Abend gedenkt der Reichskanzler mit feiner Gemahlin nach Bad Gastein abzureisen.

Zur Berufung des sächsischen Iustizministers. Berlin, 7. Aug. Ein Berliner Blatt läßt sich aus Dresden schreiben:Eine interessante Vorgeschichte hat die Ernennung des neuen sächsischen Iustizministers Dr. Ragel. Dieser verdankt seine Berufung dem selbständigen Handeln des Königs Friedrich August. Der Köniz fragte, ohne die übrigen Minister zu Rate gezogen zu haben, bei der juristischen Fakultät der Leipziger Universität an, wen sie ihm alstüchtige und unparteiische Persönlichkeit" empfehlen könne. Darauf nannte diese dem Könige den Reichsanwalt Dr. Nagel." Tl----------------ITTITTilimmill lllllll II 11II ITTIBill ! M

Einen Augenblick war es Sibo, als müßte er ihr nachstiirzen und das armselige Weib den kalten Fluten entreißen.

Klang nicht der schauerliche RufSibo!" über bas Wasser?

Aber er blickte nicht zurück. Unaufhaltsam stürzte er vorwärts, über Gestrüpp und Gestein. Der Regen floß jetzt in Strömen vom Himmel, und immer dunkler und schauerlicher wurde die Nacht.

Der Weg bünfte ihm unendlich weit. Ganz von der Richtung war er abgekommen. Die Lichter von Köln verschwommen vor ihm wie in einem Nebelmeer.

Möder!" tönte es hinter ihm her.Mörder!" tiefen drohend tausend Stimmen an seiner Seite. Wie gejagt hastete Sibo dahin.

Es ist gut, daß sie tot ist", murmelte er, als er endlich einen Wagen fand, der ihn in den Klub bringen sollte, sich mit seinen trie­fenden Kleidern in die Polster lehnend.Sie hat es ja selber nicht besser gewollt. Sie hätte mich vernichtet, Heinrike, uns alle, da ist es besser so. Sie oder ich! Natürlich also sie!"

Er schauerte aber doch plötzlich zusammen. Er sah ein Paar große, leidenschaftliche, blaue Kinde rangen finster und trotzig auf sich gerichtet, r nd die Augen des Kindes sprachen:Du hast meine Mutter gemordet, die einst deine Liebste war!"

Heiß aufschluchzend barg Sibo plötzlich sein Anllitz in beide Hände.

Das Kind, bas Kind! Nein, er konnte es nie wiedersehen! Nein, gewiß nicht! Es mußte fort Heinrike mußte sich darein schicken.

Nies es da nicht wiederSibo!"? Klang nicht aus den Wassern der Ruf herauf? Nein! Der Rhein lag jetzt weiter hinter ihm. Schon fuhr et durch die Straßen der Stadt.

Der Dom strahlte in feierlichem Licht, und alle Glocken klangen. Sollte et hineingehen und beten?

Nein, et konnte nicht.

Ob sie tot war? Ob sie gelitten hatte? Nicht mehr als im Leben, dachte et dann, und daß sie nun erlöst sei von allem Leid. Die atme Fränze!

Und plötzlich kam ihm das große, heilige Mitleid, bas er nie ge­kannt, und bie Reue, die klopfte an seine Herzentür mit heißer Angst und wilder Qual.

Heinrike, hilf mir!" stöhnte er auf.

Der Wagen hielt. Mit schweren Schritten betrat Sibo das Ätnb= gebäude.

Die Hundertjahrfeier der Kruppsche» Werke. Anläßlich der Hunderjahrfeier der Kruppschen Werke und des hundertsten Geburtstages Alfred Krupps riefen Herr und Frau Krupp von Bohlen und Halbach und Exzellenz Frau F. A. Krupp Stiftungen der Familie und der Firma im Betrage von 14 Millionen Mark ins Leben. Hiervon entfallen drei Millionen Mark auf Jubi- läumsgeschenke an Arbeiter und Beamte. Jeder Arbeiter erhält je nach Länge der Dienstzeit fünf bis hundert Mark, jeder Beamte ein Monatsgehalt. Fünf Millionen werden zu einem besonderen Fonds verwendet, von dessen Zinsen älteren bewährten Arbeitern der Essener Eußstahlfabrik, soweit es die Betriebsverhältnisse ge­statten, zukünftig Erholungsurlaub unter Lohnfortzahlung ge­währt wird. Eine Million dient zu dem Beamten-llnterstützungs- fonds, dessen Verwaltung dem Vorstände der Beamtenpensionskasse übertragen werden soll, eine Million werden für verschiedene Zwecke verwendet, davon als besondere Stiftung von Frau Fried­rich Alfred Krupp 500 000 M zur Erleichterung der Unterbringung von Frauen und Kindern in den Kruppschen Kranken- und Er­holungshäusern. Von der Stadt Essen wurde Frau Friedrich Al­fred'Krupp anläßlich der Jahrhundertfeier zur Ehrenbürgerin er­nannt. Am Mittwoch überreichte ihr eine Deputation den Ehrcu- bürgerbrief. Dem Direktorium der Firma Krupp wurde aus An­laß der 100jährigen Jubelfeier der Firma von der Stadt eine Adresse überreicht, lieber 500 Werksangehörige erhielten vom Kaiser Ordensauszeichnungen verschiedener Abstufungen.

Der ermordete Deutsche Opitz. Berlin, 7. Aug. Nach Mel­dungen aus Marrakesch haben die Nachforschungen nach dem Ver­bleib des Deutschen Wolfgang Opitz ergeben, daß Opitz am 20. Juli drei Kilometer von dem Stadttor entfernt durch einen Schuß in den Kopf getötet und fein Leichnam verbrannt worden ist. Die Täter sind bekannt; einer von ihnen befi: det sich in Haft, auf den anderen wird gefahndet.

Spionage. In Metz sind zwei Militärperfonen, der Schirr­meister Maack und der Vizefeldwebel Wolk, unter Spionage­verdacht verhaftet worden. Beide waren auf der dortigen Forti- fikation beschäftigt. Vor einigen Tagen sind in Metz auch zwei Zivilpersonen verhaftet worden, die von Buchhandlungen umfang­reiches Material an Generalstabskarten und anderen militärischen Werken bezogen haben. Sie heißen Faßbender und Weißen.

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Ausland-

** Zum Attentat auf den Kammerpräsidenten Tisza. Buda­pest, 7. Aug. Der Untersuchungsrichter ordnete die Aufhebung der über den Abgeordneten Kovacs wegen Mordversuchs gegen den Kammerpräsidenten Tisza verhängten Untersuchungshaft an. Die Anordnung erfolgte auf Grund der Gutachten der Eerichtsärzte, welche besagen, Kovacs habe die Tat in dem Zustande der Geistes­verwirrung verübt, die sich bis zur Bewußtlosigkeit gesteigert habe. Sie könne ihm daher strafrechtlich nicht angerechnet werden. Der Staatsanwalt erhob Rekurs beim Anklagesenat, der morgen da­rüber entscheidet. Vis dahin bleibt Kovacs in Untersuchungshaft.

** Friedensverhandlungen? Köln, 7. Aug. DerKölnische, Zeitung" wird aus Petersburg gemeldet: Im Ministerium de, Aeußern wird mir bestätigt, daß in Zürich Verhandlungen zwischen türkischen und italienischen Diplomaten stattsinden. Die Türkei sei wegen den wachsenden inneren Schwierigkeiten, die nach Aus­sage russischer Diplomaten hier sehr ernst genommen werden, jetzt geneigter Frieden zu schließen. Die Verhandlungen find zwar kurze Zeit abgebrochen worden, jetzt aber wieder im Gange. Der

Niemand grüßte ihn, mit niemand sprach er; aber er spielt« die ganze Nacht, und als der Morgen tagte, da stand er müde und schwere fällig auf und ging wortlos hinaus, hinein in den dämmernden Herbst­morgen. Das gewonnene Geld ließ er zurück.

Run hatte wohl das Leben das letzte und grausigste Tor vor ihm aufgetan, und et konnte doch nicht hindurch. Er war zu felge.

Den Rhein entlang fuhren buntbewimpelte Schiffe. Studenten faßen darin. Sie hoben schimmernde Kelche von grünem Glas in den Händen und fangen von alter Burschenherrlichkeit.

Da kamen Sibo die Tränen und er weinte heiß und leidenschaftlich, weinte, als wollte sich seine ganze Seele in Tränen lösen. Immer sah er die großen, blauen Kinberaugen, bie feinem eigenen Kinde gehörten, feinem Kinde, dem er die Mutier geraubt.

Wer doch sterben könnte", flüfterte er.Nut sterben".

Aber er fuhr doch in die Fabrik und telephonierte an Heinrike, daß er nicht zu Tisch tarne, weil er Geschäfte hätte, und dann saß et und wartete auf die Zeitung. Ob sie wohl schon etwas wußte von dem Drama, das sich in der Nacht an dem stillen Rheinufer abgespielt? Ob vielleicht wohl gar Extrablätter von einem grausigen Mord berichteten?.

Et wartete und wartete. '

Stunde um Stunde oetan. Et war nicht mehr imstande, irgendeine j geschäftliche Anweisung zu geben.

Hundertmal lief et ans Telepho:., um die Zeitungen anjuftagett,' zu fragen, sich zu erkundigen; aber immer wieder ließ et davon ab. <Et hätte sich ja nut damit verraten. '

Als Mister Derham in fein Privatkontor trat und ihn lächelnd fragte, ob er Lust hätte, mit ihm und der schönen Lucy zu soupieren, er wüßte doch, dem reizenden, kleinen, felschen Ding von der Oper- da nickte et ganz mechanisch. Ja, das wollte et, denn nach Hause mochte er nitht, nein, um keinen Preis.

Henrike saß unterdessen in Todesangst zu Hause und konnte es nichj fassen, daß Sibo nicht nur die ganze Nacht, sondern auch den andere« Tag und die darauf folgende Nacht nicht heim kam. Derham hatte ihr zwar telephoniert, daß sie wirklich mächtige Geschäfte hätten, aber Hei» rike glaubte nichts mehr, seitdem sie zu hoffe» aufgehört. , j

(Fortsetzung folgt) j ß