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Reklamen
1912.
83
(Nachdruck verboten.)
Marburg
Donnerstag, 8. August
wenn ein vierter, unter irgend einem Vorwand, sich weigert, sie zu unterschreiben, wie soll man ihn dazu nötigen, wenn man nicht eine genügende Macht bewahrt hat, um ihn zwingen zu können? Und so kommen wir wieder auf einem Umwege zur Idee der organisierten Macht zurück, nicht um den Krieg zu entfesseln,aber um den Frieden durchzusetzen. Denken Sie auch noch hieran. Ich will annehmen, wir entschlöffen uns beide, abzurüsten. Ich sage Ihnen: Sie sind 40 Millionen, wir 63; Sie werden also 200 000 Mann Haben, wir 300 000. Werden Sie das annehmen? Aber wir sollen, die Hypothese zu- gelasien, dahin gelangen, uns zu verständigen, daß jeder nur 250 000 haben darf; nur Sie haben die zweijährige Dienstzeit, wir die dreijährige, am Ende würden Sie also mehr waffenkundige Leute haben als wir, oder vice-versa, Sie sehen, welche praktischen Schwierigkeiten sich aufbäumen, sobald man das Problem zu lösen versucht." Diese Ausführungen des Staatsministers besagen an sich nicht viel neues, trotzdem aber ist es zu begrüßen, daß er den unklaren Ideen von einer allgemeinen Abrüstung so scharf zu Leibe geht.
langt zugefandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Unlv.-Buchdruckerei I. A. Koch ________(Znh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Die „Befestigung des russisch - französischen Bündnisses".
P a r i s, 6. Aug. Die heutigen Morgenblätter beschäftigen sich eingehend mit der Reise des Ministerpräsidenten PoincarS nach Petersburg, von der sie sich allgemein eine weitere Befestigung des russisch-französischen Bündnisies versprechen im Sinne des bekannten Flottenabkommens. Das nationalistische „Echo de Paris", dessen intime Beziehungen sowohl zum Quai d'Orsay wie auch zum russischen Auswärtigen Amte bekannt sind, hat einen besonderen Berichterstatter nach Petersburg gesandt, der von Eydt- kuhnen aus seinem Blatte folgendes telegraphiert: „Während meiner Reise bis zur russischen Grenze ist es mir gelungen, über die Mission, die Herrn Poincar6 nach Petersburg führt, zu erfahren, daß es sich dabei in erster Linie um eine weitere Befestigung des russisch-französischen Bündnisses handelt und um die Beseitigung von Mißverständnissen (!), die sich während der letzten Jahre zwischen den beiden Staaten gebildet haben. Es läßt sich nicht leugnen, daß Kaiser Wilhelm in Baltischport vom Zaren von dem Abschlüsse eines russisch-französischen Flottenabkommens verständigt wurde. Für uns ist es aber von größter Wichtigkeit, daß die russische Regierung auf die Veranlassung Poincarss und des Direktors des französischen Auswärtigen Amtes sich bereit erklärt, mit Frankreich einen Vertrag abzuschließen, der Rußland ver-, pflichtet, mit Deutschland über keinerlei europäische Fragen zu unterhandeln, es sei denn, daß es sich vorher mit Frankreich darüber verständigt und dessen Zustimmung eingeholt hat. Die französische Negierung kann auf diese Weise unliebsame (!) Erfahrungen, wie die von Potsdam, Hintanhalten. Dieses Abkommen, das 14 Tage not der Baltischporter Zusammenkunft der beiden Kaiser unterzeichnet wurde, ist zwar nur auf die Dauer von drei Monaten vorgesehen worden, doch wird Herr Poicar6 zweifellos in Petersburg erreichen, daß es verlängert wird. Zu den bereits bekannten Fragen, die Poinrarö mit den russischen Staatsmännern besprechen wird, tritt auch noch die Angelegenheit der Besetzung der Aegäi- schen Inseln durch Italien, wobei der ganze Komplex der Balkan- ftagen in Verhandlung gezogen werden wird. Die ersten Paragraphen des Flottenabkommens wurden in Paris bei den Verhand- lungen zwischen Poincarch Delcassch Aubert und dem Fürsten
Eschenbach! Man hat mich zwar wie eine Diebin behandelt und mich sogar deinetwegen ins Gefängnis geworfen; aber der Dieb warst du! Du nahmst nicht nur das Geld, das ich, weil du es wolltest, meinem Vater stahl, sondern du nahmst mir auch Ehre und Leben, und darum sollst du auch nicht leben und glücklich sein!"
I „Bistkbu wahnsinnig, Weib? Zurück sage ich dir, oder ich laste dich wieder einstecken, damit du zur Vernunft kommst."
„Wage es doch, du Feigling!" lachte Fränze. „Meinst du, ich weiß nicht, wer du bist? Meinst du, ich wäre umsonst jahrelang durch die weite Welt geirrt, oft bettelnd und darbend, ohne geforscht ai^aben, was du wert bist? Richt mich allein haft du betrogzn, sondern Mich die andere, die du dein Weib nennst und die noch immer an dich glaubt weil sie das Matz deiner Schlechtigkeit nicht kennt. Aber wir beide' Heinrike Eehrmann und ich, sind nicht die einzigen, die du elend gemacht hast, und je weiter sich dein Leben spinnt, desto mehr werden dir fluchen. Tränen von Witwen und Waisen werden anklagend zum Himmel schreien, wenn das stolze Gebäude deiner Fabrik, von der man Fabeldinge erzählt, in die Lust fliegt. Ich lache darüber, denn ich kenne »acht mehr das Mitleid, nachdem ich erfahren, datz die Menschenherzen wie Stein sind. Weißt du, was es heißt, wie eine Bettlerin davongejagt zu sein, das Brandmal der Diebin auf der Stirn, bettelnd und darbend von Ort zu Ort wandernd, um den Rhein zu erreichen wo Verwandte meiner verstorbenen Mutter leben sollten? Weißt du, was es heißt, nicht eine Statte zu haben, wo man sein Haupt niederlegen kann, um dem Kinde das Leben zu geben, besten Vater ein ehrloser Wicht war. der die Mutter in Elend und Schande verkommen ließ, trotzdem er geschworen hatte, sie zu schützen und sie zu seinem ehrlichen Weibe zu machen?"
Sibo war erschrocken von Fränze, die seine Hände mit ihren Kiwchenfingern umschlossen ^Mt, zurückgewichen.
„Bei Gott, Fränze", stoMkte er, „das habe ich nicht geahnt. Ein Kind, sagst du, ein Kind?"
„Ja, dein Kind. In einer armseligen Bretterbude kam es zur Welt. Ich konnte ihm nichts geben; verhungern hätte es müssen, weil mich sein Vater verließ. Und da, in meiner Verzweiflung- und Rot, als das arme, kleine, hungernde und frierende Wurm das Leben von mir heischte, da entschloß ich mich, das Kind, das einzige Liebe, was ich noch besaß, von mir zu tun. Auf die Schwelle eines Klosters legte ich das arme, kleine Ding und wartete, hinter einer Hecke versteckt, bi«
Das Tor des Lebens.
Roman von Ann y Wothe.
(Fortfehung.)
Sibo war leichenblaß geworden. Instinktiv hob er drohend den Stock, aber er ließ ihn kraftlos wieder sinken. Kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn.
„Kennst du mich nicht?" höhnte das Weib. „Rein, gewiß nicht. Sorge und Entbehrung haben den schönen Leib der Fränze vom „Letzten Heller" vor der Zeit verunstaltet, so daß du sie neulich schon nut Fußtritten bedachtest. Was ist das aber gegen die Schmach, die Schande, die Scham, die Rot und Sorge, die ich erduldet habe, nachdem du mich fo grenzenlos elend gemacht!"
„Fränze?" kam es tonlos und stotternd von Sibos Lippen. „Fränze? Bei Gott, ich habe dich nicht erkannt, und das — das habe ich auch nicht gewollt, daß du so elend bist."
„Nicht gewollt!" lachte das Weib grimmig auf. „Als ob ein solcher Leichtfuß wie du überhaupt einen anderen Willen hat als den zur Schlechtigkeit! Jahrelang habe ich dich gesucht", fuhr sie fort, mit der hageren, braunen Hand über das von Wind und Regen zerzauste Haar streichend. „Die Schande solltest du von mir nehmen, die Schande, um die mich der eigeneVater aus dem Hause wies!"
„Beruhige dich doch, Fränze", bat Sibo unschlüssig. „Hier ist doch wahrhaftig nicht der Ort, derartige Dinge zu besprechen. ®enr. ' etroas von mir willst, so komm' morgen zu mir in mein Kontor, ex. fifitc dich, mein Wohnhaus zu betreten und meine Frau mit deinen .Anliegen zu behelligen, sage gleich, was du haben willst", fuhr er st>ri^ „aber mach'? kurz. Ich habe wirklich »füs deinesgleichen keine
Er sprach mit ziemlich lauter Stimme, um sie einzuschüchtern, während ihm doch eine heimliche Angst die Kehle zuschnürte, irgend jemand könnte ihn sehen oder sein Gespräch mit Fränze belauschen.
Aber die Nacht war so dunkel, und der Sturm raste so wild.
Nur von Rolf Bandeners Sanatorium schimmerten flimmernde Lichter.
„Deinesgleichen?" nahm Fränze seine Worte auf. „Glaubst du denn, daß ich mich mit dir auf eine Stufe stelle? Nein, Sibo von
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den. BeUagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
j Herr v. Kiderlen Wächter
weilt bekanntlich zur Zeit in Kissingen zur Kur. Dahin ist nun auch ein französischer Journalist, ein Redakteur des „Figaro", Georges Bourdon, geeilt und hat Gelegenheit genommen, sich mit ^. unserem Staatssekretär eingehend über die politische Lage zu
-unterhalten. Darüber berichtet er nun in einem längeren Artikel. Zunächst plaudert er von dem Leben, das Herr v. Kiderlen in Kissingen führe, und kommt dann auf den Kern der Sache, auf die politisch interessanten Auslassungen des Ministers zu sprechen. Herr v. Kiderlen hält danach nichts von der sogenannten „großen Politik", da sie nur geeignet sei, Enttäuschungen hervorzurufen. Heute müßte ein Statsmann, um etwas zu erreichen, nach Art der Präriejäger vorgehen, „die bei jedem Schritte von der Gefahr umlauert sind und langsam und geduldig vorwärts- fchreiten". Dies bezeichnende Wort ergänzt er noch, indem er sagt: „Eine kleine Politik gewiß, aber eine, die vielleicht die Vorbedingung für eine Politik auf breiterer Grundlage ist. Sie ist in jedem Fall die Politik der Gegenwart, der momentanen Interessen." Diese „kleine Politik" könnte sich z. B. in der Türkei versuchen. Dort könnten Deutschland und Frankreich im Interesse des Friedens zusammenwirken, da sie beide ohne Territorial- wünsche seien.
Auch die elsaß-lothringische Frage wurde in dem Interview besprochen. „Wir hatten, sagte Herr Bourdon, die einzige Frage, die zwischen den beiden Ländern steht, die elsaß-lothringische Frage berührt. Der Minister hatte mir erlaubt, mich völlig frei auszusprechen, und er selbst antwortete mir zwar mit äußerster Delikatesse, aber auch mit völliger Aufrichtigkeit. Wenn der Frankfurter Vertrag nicht existierte, was würde Frankreich noch von Deutschland trennen? Aber da er unantastbar ist und Frankreich sich nicht entschließt, ihn anzuerkennen, so bleibt es gegenüber Deutschland im „Zustande der Schmollerei". Aber was hat bie Politik des gelegentlichen Zusammengehens und Rutzen- ziehens mit dem Frankfurter Vertrage zu tun? Wenn der „große Tag" gekommen fein wird — falls er einmal kommen soll —, wird j Frankreich deshalb, weil es ohne Ostrazismus seinen Anteil an dem europäischen Leben genommen hat, weniger stark sein, um auf der Wahlstatt zu erscheinen? Kann es nicht seinen Geschäften nachgehen und den Frieden noch durch andere Methoden als durch rein oratorische stärken und dabei doch seine Hypothek auf die Zu- kunft bewahren? Sieht es nicht, welches Interesse beide Länder daran haben, datz es eine Feindseligkeit aufgibt, die sich auf alle Gegenstände erstreckt? Muß, weil Deutschland und Frankreich einander gegenüberstehen, der eine rot sagen, sobald der andere blau gesagt hat?" Ueber Marokko sprach sich der Staatsminister äußerst optimistisch aus. Für ihn hat der Vertrag vom 4. November die marokkanische Debatte zwischen I Frankreich und Deutschland vollständig geschlossen. „Es gibt — | so führt er aus — von jetzt ab zwischen den beiden Nationen keine I marokkanische Frage mehr. Ohne Zweifel, „Spezialfälle" können I sich noch ergeben, die gemeinsam geprüft werden müssen; aber I diese „Spezialfälle" können weder zu „Zwischenfällen" noch zu I „Fragen" werden", so schließt Herr v. Kiderlen mit wunderlichem Optimismus. Auf die Frage, ob er die Abrüstungsidee I Nicht nur für morgen, sondern auch für übermorgen und für immer I verwerfe, hat Herr v. Kiderlen-Wächter folgendermaßen geant- I wortet: „Glauben Sie, es genüge, um die allgemeine Abrüstung zu I verwirklichen, daß zwei oder drei Staaten sie proklamieren? Und |
I ßt™" ^gestellt, und in Petersburg wird das Abkommen ver- vollstand igt werden. Es versteht sich von selbst, datz England von allen Einzelheiten der Verhandlungen in Paris auf dem Laufen-
I «f*! ^halten wurde, ebenso wie dies auch bei den Konferenzen in Petersburg der Fall fein wird. Der französische Botschafter in Wien ist beauftragt worden, die österreichisch-ungarische Regierung
| über die Folgen, die das Flottenabkommen auch für die habsburgische Monarchie haben wird, zu belehren. Der russische Botschafter tn Paris, Herr Iswolski, der sich zurzeit in Tegernsee bei München aufhalt, wird sich zu kurzem Aufenthalte nach Rußland begeben, um dort gleichzeitig mit PoincarS anwesend zu sein, den er selbst
I Kronstadt empfangen wird. Die Behauptungen der deutschen I Presse, daß bet neue Flottenvertrag nur der Preis sei, den Ruß- land an Frankreich für eine neue große Anleihe bei seinem Ver-
I bündeten zahle, zeigen die Bedeutung, die man in Deutschland dem I russisch-französischen Flottenabkommen beimißt, deutlich genug. Es
ist wahr, daß PoincarS und Kokowzew, die ja beide früher Finanz- mintster waren, im Laufe ihre Unterhaltungen in Petersburg die
I f'uanziellen Folgen des Flottenabkommens für Rußland ins Auge I fassen werden; desgleichen auch die wirtschaftspolitischen Fragen, welche die beiden Länder bewegen, und man wird auch die finanzielle Beihilfe Frankreichs erwägen, die aber nur (!) für den Bau neuer Eisenbahnen und nicht für die Verwirklichung des russischen Flottenbauprogramms in Frage kommen kann." Was von diesen Ausführungen des „Echo de Paris" zu halten ist, wird man ja erst
I abwarten müssen, immerhin aber haben sie einiges Interesse.
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Deutsches Reich.
I — Som Kaiser. Swinemünde, 6. Aug. Der Kaiser hat vor- I mittags dem Schießen in See auf schwimmende Scheiben von bei I Festung beigewohnt. Unter dem Salut der Festung und de,
Kriegsschiffe fuhr er nach der Schießübung mit seinem Gefolge un ■ 11 Uhr 25 Min. im Automobil nach dem Hauptbahnhof, wo un I 11 Uhr 30 Min. die Abfahrt jm.Hofzug nach Wilhelmshöhe er
folgte. Die Ankunft daselbst erfolgte um 10 Uhr 15 Min. Dei * Reichskanzler ist um 11.22 Uhr nach Hohenfinow abgereist.
I ®cr türkische Botschafter beim Reichskanzler. Berlin
5. Aug. Auf Einladung des Reichskanzlers und seiner Gemahlin verbrachten der türkische-Botschafter Osman Risami und seine Ge- | mahltn den Sonntagnachmittag auf dem Lande in Hohenfinow. I Verliehen. Berlin, 6. Aug. Der „Reichsanzeiger" gibt be» I tonnt: Es wurden verliehen: Dem Ehef des Zivilkabinetts v. Ba- I lentini Kreuz und Stern der Komture des Hausordens der Hohen- I rollern; dem Obersten z. D. Blnmenbach-Hannover und dem Ee« I Heimen Medizinalrat Krause-Cassel der Kronenorden 2. Klasse. I — Ermäßigung der Gemeinde-Umsatzsteuer. Berlin, 5. Aug. I Folgender Ministerialerlass ist an die Regierungspräsidenten er- I gangen: „Im Hinblick auf die Einführung der Reichszuwachssteuer
vom 1. April d. I. haben wir für fernere Stellungnahme zu Anträgen erhöhter Kommunalumsatzsteuersätze beschlossen, hinfort grundsätzlich an einem Satze von 1 Prozent als dem regelmäßigen Höchstsätze der Umsatzsteuerordnung festzuhalten und eine Ueber- schreitung dieses Satzes nur in besonderen Fällen, und auch dann nur bis höchsten 2 Prozent zuzulassen."
— Eesetzesveröffentlichung. Berlin, 5. Aug. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz über die Abänderung und Er« I gänzung der Ausführungsgesetze zum Reichsgesetze über den Unterstützungswohnsitz.
man es gefunden und mildtätig aufnahm. Und dann — dann hatte ich nichts mehr als die Gier nach Rache, um meine Schande abzuwaschen. Wie lange hab ich dich, dein Tun und Treiben beobachtet, jede Minute bereit, den Schlag zu führen, der dich vernichten sollte! Roch immer schien mir der Augenblick nicht gekommen. Vom Gipfel solltest du hinab ins tiesste Elend. Jetzt, Sibo von Eschenbach, ist deine Stunde gekommen. Ich habe die Beweise in Händen."
„Halt!" unterbrach er sie rauh. „Nenne den Breis den vu erwartest — ich zahle ihn!"
„Preis?" fragte Fränze höhnisch. „Als ob du den zahlen könntest! Nicht genug, daß du mir Ehre und Vaterhaus nahmst, jetzt raubst du mir auch noch mein Einzigstes, mein Letztes. Mein Kind ist in deinem Hause, in dem Hause seines ehrlosen Vaters. Gestohren habt ihr es mir! MB will es wiederhaben, hörst du? Wieder will ich das Kind habenl^Es soll nicht in deinen ruchlosen Händen bleiben!"
Sibo rann eiskaltes Entsetzen durch die Glieder.
Jrmele, sein Kind? Das Kind dieser armseligen, gefährlichen Kreatur, deren Leidenschaftlichkeit keine Mittel scheute, ihn zu vernichten? Nein, das konnte ja nicht 'ein! Es durfte nicht fein! Mit eiserner Faust mußte er diese Möglichkeit abschneiden.
„Es tut mir leid, Fränze!" bemerkte er, sich gewaltsam zrssammen- rajfend. „Aber ich glaube, du redest irre. Das Kind, das in meinem Hause ist und mit meinem Jungen erzogen wird, hat mit dir nichts z« schaffen, und das meine ist es auch nicht. Aber wie gesagt, wenn du niorgen zu mir in die Fabrik kommest, will ich eingehend mit dir reden und dich für all die erlittene Unbill schadlos halten. Sei doch vernünftig Fränze; du mußt doch einsehen, daß ich weiter nichts tun kann Jetzt aber mach'mir Platz!" fuhr er sie an. „Schon zu lange habe ich mich von dir aushalten lassen. Im übrigen steht dir ja noch immer der Weg offen, mich gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen."
Er wußte, daß er sie damit nur reizte, aber er konnte nicht anders. E-nen Augenblick schog ihm auch der Gedanke durch den Kopf: „Gib ihr
Kind und alles Geld, was du flüssig machen kannst, und schick, sie damit bis an das Ende der Welt." Aber das ging nicht. Wie sollt, w 66 Heinrike gegenüber motivieren, daß et ihr das Kind nahm? Dl em*tCer^U*te’ ^län$2 gefügiger zu machen, wenn er mit feinen Vater- imt^ten - er lachte im geheimen darüber - operierte, die ihn zwängen, nun erst recht da» Kind zu behalte«?
- - (Fortsetzung folgt.; . j
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Iß I diePG bezogen 2.25 <^"5 Bestellgeld), bei unseren Zeitungsftellen
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