mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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■vie „Obtrhcssische Zeitung" erscheiul täglich mit ÄuSriahmc der eonn» und Feiertage. — Der BezugSprei s beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <M. lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins HauS. (Für unver« langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hiheroth), Markt 2t. — Telephon 55.
Marburg
Mittwoch, 7. August
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47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Jubiläumstage in Essen.
-An Anwesenheit des deutschen Kaisers begeht in diesen Tagen die Firma Krupp in Essen die Feier ihres einhundertjährigen Bestehens, zugleich die Erinerung an die vor einhundert Zähren erfolgte Geburt Alfred Krupps, des Mannes, der dem Namen Krupp den Weltruf gesichert hat. Es ist nur ein schuldiger Tribut des Dankes, wenn man heut weit über die Grenzen der Fabrikmauern und der Stadt Essen hinaus im ganzen deutschen Reiche sich mit dem großen Werk beschäftigt, das, vor einem Zahrhundert geschaffen, den deutschen Ruhm weit über den Erdkreis getragen und der deutschen Industrie und Arbeit überall höchste Anerkennung gebracht und ihr einen ewig grünenden Siegeskranz gewunden hat.
Als Friedrich Krupp einst den Grund zu dem Werke legte, da brüllten die Kanonen in der Welt ihre erzene Sprache. Unter dem Zeichen der Geschütze ist diese Fabrik einst erstanden, in ihrem Zeichen ist sie groß und mächtig geworden. Ein Omen kann man es darum nennen, daß das Kriegsjahr an der Wiege dieses Riesen- unternehmens Pate stand) aber auch in einem zweiten Sinne noch. Friedliche Zeiten waren es durchaus nicht immer, die über das Haus Krupp dahingingen. Lange Zahre hindurch hatte das seinerzeit auf bescheidenster Grundlage aufgebaute Werk schwer zu kämpfen und zu ringen, und die Eeldsorgen lasteten Jahre hindurch oft recht drückend auf diesem Unternehmen. Erst nachdem die Stürme des Jahres 1848 über die deutschen Lande dahingebraust waren, und die Hoffnungen auf ein einiges deutsches Reich festeren Boden zu fasten vermochten, begann auch das Kruppsche Werk aufzublühen und den ungeahnten Aufschwung zu nehmen, der es in raschem Lauf an die Spitze aller industriellen Unternehmungen der Welt trug.
Es hieße über die Grenzen, die der Tagespreste gezogen sind, weit hinausgehen, wollte man in einem Artikel auch nur einigermaßen alle Gebiete der Technik und der Industrie, der Heeresaus- rllstung und der Organisation zusammenfastend behandeln, in denen sich das Kruppsche Werk, seine Besitzer und Lenker als Meister gezeigt haben. Der eingehenden Festschrift des Jubiläumswerkes selbst und den mannigfachen Zeitschriften ist es Vorbehalten, hier in Einzelheiten zu dringen. Aber einer Tat soll in diesen Zeilen noch kurz, aber mit besonderer Wärme gedacht werden, die mit der Größe des technischen Betriebes Schritt gehalten hat und khr würdig zur Seite steht, das ist das soziale Werk, das die Firma Krupp geschaffen hat und an besten Ausgestaltung unentwegt fortgearbeitet wird. Ein Staat für sich mit musterhafter Ordnung und vorzüglichster Gesetzgebung. Man muß in Esten gewesen sein und die blühende, reinliche, Zufriedenheit atmende Arbeiterstadt der Kruppschen Werke mit eigenen Augen geschaut haben. Die Pflege der Wohlfahrtseinrichtungen für ihre Arbeiter hat in der Familie Krupp stets eine überragende Rolle gespielt, und es ist für den Sinn, der hier heut noch genau so herrscht, wie unter Alfred Krupp, bezeichnend, daß die große erhebende Feier, an der eine ganze Welt teilnimmt, eingesetzt hat mit einer Ehrung der Arbeiter- und Be- amtenjubilare, mit dem Dank an sie für ihre treue Mitarbeit. Auf solcher Basis ist es sicher, daß der hierbei ausgesprochene Wunsch des derzeitigen Leiters der Firma, des Schwiegersohnes des leider unter tragischen Umständen früh verstorbenen Friedrich Alfred Krupp, daß „ein jeder auf seinem Posten zur Ehre der Kruppschen Werke, zur Ehre deutscher Arbeit zu finden sein" möge, sich auch in
82 (Nachdruck verboten.)
Das Tor des Lebens.
Roman von A n n y W o t h e. < ' ; * - ■
(Fortsetzung.)
„Wie gut Sie sind, lieber Doktor", lächelte Hrinrike zu dem alten Freunde aus. „Wie oft haben Sie mich schon getröstet, wenn ich verzogen wollte. Sie haben recht, ich bin undankbar gegen das Schicksal, . das mich in aller Not doch noch so glücklich geführt hat. Doch nun kommen Sie her, lassen Sie uns doch noch ein wenig plaudern. Es ist so gemütlich drinnen, wenn der Herbststurm ums Haus fegt. Hören Sie ihn? Fast unheimlich wütet er. Hier, nehmen Sie noch eine Taste Tee und eine Zigarette. Brennt sie? So, und nun erzählen Sie mir von Ihren Patienten, von Ihrem Neubau. Wie weit sind Sie vorgeschritten? Kann man bald etwas sehen? Ich brenne darauf."
Rolf Bandener gab getreulich Bescheid, und Heinrike hört« mit Kroger Teilnahme zu. Da war nicht das geringste an dem, was ihn interestierte, das sie außer acht ließ. Und dann sprachen sie, wie oft I kn stillen Abendstunden, über Musik und Kunst, und Heinrike lauschte der weichen feinen Stimme.
Eine blaue Stunde war's die Rolf und Heinrike hier am Kamin I verplauderten, eine blaue Stunde, von der die Dichter träumen und I fingen, die lange noch im Gemüt nachzittert und tausend Wunderblumen I treibt.
Die hohen weißen Chrysanthemen am Kamin neigten ihre blasten I Blumenangesichter jetzt wie gesenkte Fackeln hernieder, und glutrot I knisterten die Flammen. I
Da sprang Rolf erschreckt auf, um hastig Abschied zu nehmen. I Schwül dünkte es ihm in der £>alk, fast zum Ersticken. I
Als aber Heinrikes Augen so wunderklar in ihrem goldenen Glanz I ben seinen begegneten, da küßte er wie abbitt-sd zum Abschied ihre I weißen Hände, und ein fast frohes Lächeln sonnte sein hageres Gesicht. I
Er war reich und glücklich in Heinrikes Freundschaft. Mehr wollte I et nicht.
Unb mit dieser tiefen, inneren Freudigkeit trat er hinaus in die J Herbstliche Nacht. |
Zukunft verwirklichen wird. Der Deutsche Kaiser aber kann, wenn er beglückwünschend als Freund des Hauses die Schwelle der Villa Hügel überschreitet, getrost zugleich als Dolmetsch des gesamten deutschen Volkes auftreten.
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Die Auflösung der türkischen Kammer.
Einigermaßen überraschend ist nun die Auslösung der türkischen Kammer gekommen, lleberraschend ist das, weil man nicht annehmen konnte, daß die Regierung diese Konzession an die Opposition machen würde: denn die Auslösung der Kammer war eine der Hauptforderungen der aufrührerischen Albaner. Mit diesem Erfolge der Opposition ist der jungtürkischen Partei ein schwerer Schlag versetzt worden, sie, die Partei für Einheit und Fortschritt", hat es nicht vermocht, die innere Eährung und Zersetzung im türkischen Reiche hintanzuhalten. Sie ist aus der Macht verdrängt worden und hat stark an dem Vertrauen, das man ihr nach dem Systemwechsel entgegenbrachte, eingebüßt. Hebet die letzten Vorgänge, die zu dem bedeutsamen Entschluß geführt haben, ist noch zu berichten:
Die Kammersitzung, die am Montag 9 Uhr begann, stand von Anfang an unter dem Zeichen größter Erregung. Sofort nach Eröffnung der Kammer hielt Dschavid Pascha eine heftige Rede gegen die Regierung, die tyrannisch fei.-4Et erklärte, die Abgeordneten würden jeder Drohung widerstehen. Im Anschluß an diese Rede erfolgte ein sehr geschickt inszenierter Gegenzug der Opposition, womit sie der vom Senate beschloßenen Auflösung zuvorkam. Auf Vorschlag Dschavid Paschas sprach nämlich die Kammer der Regierung ihr Mißtrauen aus und vertagte sich sodann auf unbestimmte Zeit. Durch diese Abstimmung hat sich die Kammer der Verlesung des Dekrets über die Schließung der Kammer entzogen. Die Regierung hatte dem Präsidenten mitgeteilt, daß das Dekret um 1 Hhr nachmittags verlesen werden würde. Da die Kammer sich auf unbestimmte Zeit vertagt hat, konnte die Regierung das Dekret der Kamtner nicht vorlegen. Außerdem dürste die Regierung, wie es in einer Konstantinopeler Meldung heißt, der die Kammer das Mißtrauen ausgesprochen hat, gemäß der Verfassung als gestürzt gelten. Der Präsident der Kammer erklärte, er habe die Mitteilung der Regierung, in der die Verlesung des Dekrets betreffend den Schluß der Tagung ange- kundigt wurde, erst vor der Sitzung der Kammer erhalten. Der Präsident hat dem Kabinett den Beschluß der Kammer, sich zu vertagen, mitgeteilt, und sich zum Sultan begeben, um ihm das Tadelsvotum gegen das Ministerium bekanntzugeben.
Sturmszenen in der Kammer.
Nach der Abstimmung in der Kammer entstand ein unbeschreiblicher Wirrwarr. Einige Albanesen fühlten sich durch die Worte bet Jung- türken beleidigt und wollten sich auf diese stürzen. Es entstand ein Handgemenge. Der Deputierte Rahmt zog einen Revolver, schoß aber nicht. Das Durcheinander dauerte einige Minuten, dann wurde die Ruhe wie- derhetgestellt. Der Präsident wiederholte den Beschluß der Kammer und erklärte, die Verhandlungen seien aus unbestimmte Zeit vertagt. Trotzdem aber verlas der Eroßwesir %3 Uhr nachmittags in Gegenwart von elf Deputierten und sechs Senatoren ein Dekret, durch das die Kammer, deren Mandat auf Grund bet gestrigen Beschlüsse des Senats abgelaufen ist, aufgelöst w i r d. Der Text des Dekrets über die Schließung lautet: Wegen der zwischen dem früheren Kabinett Said Pascha und der früheren Kammer entstandenen Differenzen über die Abänderung der Verfassung ist die alte Kammer aufgelöst, die neugewählte Kammer wird zum 18. April einberufen. Nach dem Beschluß des Senats war die neue Kammer ausschließlich dazu bestimmt, sich als Schiedsrichter über den Streitpunkt, den ber Artikel 35 der Verfassung bildet, auszusprechen. Nachdem diese Aufgabe erfüllt ist, muß das Parlament geschloßen unb Neuwahlen ausgeschrieben werden. Nachdem dieser Beschluß verlesen ist, ordnen wir die Schließung des Parlaments und Neuwahlen gemäß der Verfaßung an. Gez. Mehmed Nechard."
Wildwogend brauste der Rhein und Sturmwolken fegten am nächtlichen Himmel daher.
Rolf Bandener schritt rüstig vorwärts, immer dem Lichte nach, das ihm von seinem Sanatorium so traulich entgegenwinkte.
Dort wartete viel Arbeit auf ihn, die beste Trösterin und sein treuer Weggeselle, durch lange Leidensjahre treu erprobt.
Heinrikes Lächeln begleitete ihn wie ein lichter Schein, den konnte keine Sturmnacht verdunkeln, keine schwarzen Wolken verhüllen.
Immer und immer sah et das Licht.
Als Sibo von Eschenbach vor mehr als einer Stunde das Haus verlaßen, um noch in ber nicht allzufernen Stadt den Klub aufzusuchen, wütete auch schon der Herbststurm mit heftigem Ungestüm. Sibo schwankte erst, ob er nicht den Wagen beordern sollte, aber die eisige Luft kühlte so wohltuend seine heiße Stirn, daß er doch beschloß, ben Weg zu Fuß zurllckzulegen.
. Mit weitausholenden Schritten ging et dem Rheinuser zu. Dort führte ein schmaler Pfad ihn schneller ans Ziel.
In dem Augenblick, wo Sibo sein Haus verließ, hatte sich eine dunkle Gestalt von einem Pfeiler nahe bet Pforte losgelöst, die ihm nun lautlos, wie ein Schatten, folgte.
Er ging ziemlich schnell; den Hut hatte er abgenommen.
Heinrike hatte es ihm heute wieder recht schwer gemacht. Es war doch wirklich ein Unglück mit einer Frau, die den ganzen Tag grübelte, ob sich noch in irgend einer Falte seines Hetzens etwas verberge, was sie nicht kannte.
Wick schwer Heinrike überhaupt das Leben nahm! Kaum auszuhalten wat es! Nicht einmal dazu konnte sie sich auftaffen, sorglos und fröhlich zu fein. Uebetall sah sie Hemmungen, überall hemmte sie ihn. Mit welcher Tatkraft wat et ins Leben gestürmt, und wie hatte et es gemeistert, als er so nahe daran wat, unterzugehen! Was hakte Heinrike gesagt?
Es hätte genügt, wenn sie ihm ihr Geld gegeben hätte? Seine heißen Bitten, ihm zu folgen, ihm zu helfen, ihn zu erlösen, wären nichts als Phrase gewesen?
Natürlich hätte bas Geld genügt. Aber ohne Heinrike hätte er es doch nicht bekommen. Lächerlich, daß sie immer von bent Gelbe sprach; es war auch nicht gerade sehr taktvoll.
Freilich, sie hatte so merkwürdige Ideen von ihr«« Pflichten, auch
Die Errichtung einer Kleinhandels-Berufs- Genossenschaft.
s. & H. Berlin, 5. «ug.
Seit langem kämpfen die Detaillisten um eine ihnen genehme und geeignete Form der Unfallfürsorge für ihre Angestellten. Sie sind fich klar darüber, daß fie nur in einer eigenen Berufsgenoßenschaft ihre Unfallversicherung zweckmäßig unb billig gestalten können. An bet Leistungsfähigkeit einer solchen Berufsgenoßenschaft ist nicht zu zweifeln, da es sich um das an Zahl bet Betriebe umfangreichste Gewerbe handelt. Die Berufsgenoßenschaft würbe etwa 200 000 Betriebe umfaßen. Erwiesen ist auch durch Berechnungen auf Grund amtlichen Materials, daß die Weiterversicherung ber Detailbetriebe in der Lagerei-Verussgenoßen- schaft ihnen finanzielle Opfer auferlegt, welche in gar keinem Verhältnis zu ihrer geringen Unfallgefahr stehen, derart, daß sie jedes Jahr Über % Millionen Mark beiträge zu Gunsten der Spedittons-, Stauerei- und Eroßhanbelsbetriebe zahlen müßen. Bisher haben die Detaillisten vergeblich gegen den Einfluß der Großbetriebe in der Lagereiberufs-Ee- noßenschaft anzukämpfen versucht, diese sind natürlich nicht gesonnen, die in ihrer Hand liegende Vormacht aufzugeben. Die Lagerei-Verufs- genoßenschaft wendet selbstverständlich alle Mittel auf, um die guten Zahler zu behalten, die ihr nicht der Gesetzgeber, sondern die Rechtsprechung des Reichsdersichetungsamtes in Vormundschaft gegeben hat. Das Reichsversicherungsaxnt befürchtet eine Mehrbelastung durch Katasterschwierigkeit, trotz der Tatsache, daß das Detailhandelsgewerbe die genauesten Merkmale aufweist und sich leichter umgrenzen läßt als z. B das Gärtnereigeroerbe, welches jetzt auch eine eigene Berufsgenoßenschast erhalten soll. Erfreulicherweise ist festzustellen, daß das von den Detaillisten beigebrachte umfangreiche Material über ihre Benachteiligung in der Lagereiberufsgenoffenfchaft weite Kreise, welche sich ernstlich mit den einschlägigen Fragen befaßen, überzeugt haben, daß die Forderung der Detailliften eine berechtigte und leicht erfüllbare ist, daß eine eigene Berufsgenoßenschast leistungsfähig, zweckmäßig und segensreich für die in Betracht kommenden 200000 Detailbetriebe sein wird. So haben von den Handelskammern sich 62 für die Errichtung einer Kleinhandels- Berufsgenoßenschaft ansgefprochen unter eingehender Begründung unb Würdigung aller Umstände; 12 Handelskammern erkennen die Uebel- stände der Lagerei-Berufsgenoßenschaft an, sprechen sich aber für eine Handelsberufsgenoßenschaft aus. Nur 18 Handelskammern reden der Weiterversicherung ber Detaillisten in der Lagereiberufsgenoßenschaft das Wort. Auch der Deutsche Handelstag, in nwelchem der Detailhandel nur einen sehr geringen Einfluß hat, hat sich in einer Kommissionssitzung mit 28 gegen 18 Stimmen für eine Kleinhandelsberufsgenoßenschaft ausgesprochen. Um so unverständlicher ist es, daß sich die letzte Ausschußsihung in Köln mit einet Stimme Mehrheit gegen die Kleinhandels-Berufs- genoßenfchaft ausgesprochen hat. Wenn der Deutsche Handelstag dem Bundesrate, welcher Anfang Oktober über die Errichtung einer Berufs- genoßenschaft für die offenen Verkaufsstellen (Kleinhandels-Berufs-Ge- noßenfchaft) beraten wird, überhaupt ein maßgebendes Urteil vorlegen will, so kann es nur ein solches aus dem Selbstintereßentenkreise jein, dessen Einberufung der Deutsche Handelstag infolge seiner machtvollen Organisation auch kurz vor Toresschluß noch schnell unb sicher ermöglichen fann. — Auch die Einwürfe des Verbandes Deutscher Waren- und Kaufhäuser gegen die Kleinhandels-Berufsgenossenschaft sind hinfällig. De, Verband befürchtet.eine Steigerung der Verwaltungskosten, übersieh! aber, daß die Detailbetriebe bereits durchschnittlich 12,99 M Vermal tungskosten pro Betrieb zu tragen haben. Bei den Fleischern uni Schmieden ermäßigt sich dieser Betrag auf 3,12 bezw. 2,76.
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Deutsches Reich.
— Som Kaiser. Swinemiinde, 5. Aug. Der Kaiser hörte heute vormittag auf der „Hohenzollern" die Vorträge der Chefs des Zivil-, des Militär- und des Marinekabinetts. Der Reichskanzler hat sich zum Vortrag beim Kaiser nach Swinemunde begeben.
dem kleinen Jobst gegenüber, und nun gar noch Jrmeles wegen, deren Aufnahme in sein Haus er längst schwer bereute.
Sibo hatte aber Heinrike den Wunsch bezüglich des Kindes, der sich fast zu einer krankhaften Idee gesteigert hatte, nicht abschlagen mögen, weil er sich wirklich seiner Frau gegenüber in etwas unbehaglicher Stimmung fühlte.
Er stand einen Augenblick still, um Atem zu schöpfen.
Lautlos verharrte wenige Schritte von ihm die dunkle Gestalt, die ihm folgte. Es war, als wollte sie sich auf ihn stürzen, um ihn zu vernichten; aber sie rührte sich doch nicht und stand, die Hände fest auf die Brust gepreßt, unb starrte ihm finster nach.
Der Wind zauste wilb an den Kleidern bet nächtlichen Wanderin, bie jetzt Sibo dicht auf den Fersen wat. Das dunkle Tuch war der Frau vom Kopfe geglitten, sie achtete nicht darauf. Ihr Blick suchte glühend dre hohe, kräftige Gestalt, die da so fiegessicher durch das Dunkel vor ihr herschtitt. Es wat, als kämpfe die Frau einen schweren Kampf mit sich selbst, als zögere sie jetzt. Mit einem Male aber flog sie wie fljtogt vorwärts, an Sibo vorüber, ihm so den Weg versperrend. „Was soll das?" fragte er unwirsch, indem er prüfend die vor ihm Austauchende musterte.
Sie standen auf dem schmalen Fußpfad, dicht an dem steilen abfallenden Ufer des Rheins.
„Mein Kind will ich haben!" tief die Frau wild. „Mein Kind sollst du mir wiedergeben!"
„Geht nach Hause, gute Frau", mahnte Sibo, sich von seinem Erschrecken etwas erholend. „Ich weiß von keinem Kinde." Und in der Meinung, eine Geisteskranke vor sich zu haben, fuhr er fort: , Euer Kind kann wohl schon zu Hause fein; da habt Ihr etwas, lauft ihm was Schönes."
Et hielt ihr ein blankes Geldstück, bas et seiner Westentasche entnahm, entgegen. •
höhnend auf und schlug ihm mit kräftiger Gebärd« das Geldstück aus ber Hand, daß es die steile Böschung hinabrollte.
„Geld. schrie sie ihm wild ins Gesicht. „Geld willst du mir geben, bu ehrloser Wicht? Du, der mir alles genommen hat: Ehre und Vater- haus alles?! Keinen Schritt weiter!" herrschte fie ihn an. „Oder ich |<t)rete deine ganze Schmach und mein Leid hier laut in die Nack' hi», aus, daß bie Steine reden übet deine Verruchtheit." (Friß folgt) 1