Einzelbild herunterladen
 

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage"

I

M 182

-tius_berl)Chi|dte Rettung" eildjcint luyltd, um auenugme oec V-.OUN- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei ins HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuflripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Vuchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Dienstag, 6 August'

j.et rt n z e l g e -l p r e I S veiragr für Nie igcipnirene ijeue oder deren Raum 15 -j, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 -j. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ber- bindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausge­schlossen. Zahlungen im Postscheckvcrkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg, . 1912.

Die Reichslande und ihre Bevölkerung.

~ ' Aus den Südvogesen wird derPol. Reichs-Korr." geschrieben: Wer seine Ferienwochen zum ersten Male auf den Höhen oder tn den Tälern des alten Wasgenwaldes verbringt, ist zunächst über­rascht von der auf Schritt und Tritt sich immer neu aufdrängenden Tatsache, daß dieses schöne und mit kleinen Ausnahmen wirklich altdeutsche Land nach mehr als 40 Jahren der Wiedervereinigung mit dem Mutterreiche noch einen so überwiegend französischen Cha- rakt?r trägt. Dabei sei völlig abgesehen von denWelschen" des Kaysersberger Tales, oder von der sattsam bekannten und be­sprochenen französelnden Vornehmtuerei der Notabeln und des wohlhabenden Mittelstandes, völlig abgesehen auch von der älteren Generation, deren Lernjahre in die Zeit vor 1870 fallen: befremd­lich und bedauerlich muh aber erscheinen, dah der höfliche Gruß oder der minder höflicheNachruf" der Kinder, der dem Wanderer folgt, in den südlichen Vogesentälern fast immer französisch ist, dah man aus eine deutsche Antwort Frage von dem jüngeren Geschlecht noch zur Not eine deutsche Antwort erhält, dah aber alles spontane Leben sich in der französischen Sprache äußert. Davon sind einige Städtchen wie Rappoltsweiler ausgenommen, die Ausnahmen sind aber nicht zahlreich, und auf den Vauerngehöften ufw. hören sie gänzlich auf. Das führt notwendig zu dem Schluffe, daß in diesem Lande die Schule ihren nationalen Ausgaben bisher offenbar we­nig gerecht geworden ist. Und das ist um so beklagenswerter, als an dem Mißerfolg der politischen Eermanisation unter den Er­wachsenen ein Zweifel wirklich nicht bestehen kann.

Wer etwa noch daran gedacht haben könnte, der große Ver­trauensbeweis der jüngsten Versaffungsreform werde vielleicht doch ein rasches Einlenken der nationalistischen, d. h. der französelnden Bewegungen zeitigen, braucht wirklich nur einmal selbst in das Land zu kommen, um solche phantastische Entartungen ein für alleMal aufzugeben. Damit ist noch nicht gesagt, daß die Ver- faffungsreform zeitgemäß oder nützlich gewesen fei; der Streit da­rüber soll nicht erneuert werden. Es kann auch wohl mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden, daß es auf dem bisherigen Wege des halben Vertrauens, der abwechselnden Anwendung vonPeitsche und Zuckerbrot" erst recht nicht gegangen wäre, wie tausend Exem­pel beweisen. Denn dieses Volk ist vor allem so selbstbewußt und selbstgefällig, von seinem besonderen Wert und seinen besonderen Vorzügen so überzeugt, daß es in jedem neuen Zugeständnis weni­ger das Zugeständnis selbst, als eine leidige Erinnerung daran steht, daß gewisse andere Wünsche immer noch nicht erfüllt werden, und dabei wird seine Neigung zur Wichtigtuerei genährt durch das Gefühl, im Mittelpunkt des Interesses zweier großer Kulturvölker zu stehen. In dieser Beziehung wäre die größte Zurückhaltung auf deutscher Seite am Platze. Je weniger, namentlich auch in der Presse, von der reichsländischen Frage die Rede ist, um so besser. Lasse man die Fehler, die seit 40 Jahren begangen worden sind und doch nicht mehr aus der Welt geschafft werden können, auf sich be­ruhen, lasse man auch die theoretische Erörterung zukünftiger Mög­lichkeiten oder Notwendigkeiten ruhen! Geredet ist wirklich genug und das Reden führt zu nichts.

Was aber nicht entschieden genug verlangt werden kann, ist, dah man ein wachsames Auge auf die Schule habe. Und weiterhin wäre dringend zu wünschen, daß ein wachsender Strom auch von Ferienreisenden und namentlich auch von solchen aus den wohl­habenderen Schichten des deutschen Volkes in die Vogesen sich er­gießt. Die Sprache des wirtschaftlichen Vorteils wird überall ver­standen, nicht bloß in Grafenstaden, und findet der Elsässer, daß er

II (Nachdruck verbalen.)

Das Tor des Lebens.

Roman von AnnyWothe.

(Sortierung.)

Geh hin zu dem Papa, Irmole, und bitte ihn um Verzeihung", mahnte Heinrike.

Die dunklen Augenwimpern des Kindes legten sich trotzig auf die blühenden Wangen.

Irmele will nicht", entgegnete sie mit zuckendem Mündchen. Jrmele will wieder ins Kloster zu den frommen Frauen, und zur Traute; Jrmele will nicht zu dir!" fuhr sie. zornig gegen Sibo auf­sehend, fort.Du bist nicht gut, und die Mama weint über dich; die hab' ich lieb, dich nicht!"

Kleine, giftige Natfer!" rief Sibo erbost, die Hand zum Schlage gegen das Kind erhebend. Heinrike hielt ihm die Hand fest und sagte streng zu de« Kleinen:

Du gehst jetzt sofort zu Bett, Jrmele. Du bist sehr unartig und die frommen Frauen werden sehr traurig über dich sein, wie ich es auch bin. Ich werde heute nicht zu dir kommen und mit dir beten, und morgen wirst du kein Obst, keinen Kuchen und keine süße Speise erhalten. Geh jetzt mit JE!"

Jrmele stand mit tiefgesenkten Wimpern. Eine schwere Träne löste sich langsam aus den verschleierten Augen und floß ihr heiß über die rosige Wange.

Sie sagte kein Wort, aber die Art, wie sie plötzlich Heinrikes Hand ergriff und demütig ihre Lippen darauf preßte, hatte etwas Erschüttern­des für die junge Frau.

Sie wollte rwch ein begütigendes Wort sagen, aber die Kleine war schon, unter Zurücklassung ihrer neuen Puppe, gefolgt von dem schreien­den, kleinen Jungen, aus der Halle geflüchtet.

Da haben wir uns ja was Schönes eingebrockt", grollte Sibo. -Ra, es war ja überhaupt Wahnsinn, ein fremdes Kind, von dessen Her- «nft man gar keine Ahnung hat, hier einfach ins Haus zu pflanzen; «ber Heinrike war ja ganz närrisch auf den Balg. Wirst du es glauben, ]

die deutsche Sprache braucht, wenn er sich nicht an seinem Geld­beutel geschädigt sehn will, so wird er auch deutsch sprechen. Sobald aber allenthalben oder überwiegend deutsch gesprochen wird, wird diefranzösische Invasion", die sich jetzt noch ganz zu Hause fühlt, von selbst sich zurückziehen. Und dieser Rückzug könnte wohl auch noch dadurch gefördert werden, daß von der deutschen Flagge ein etwas weniger sparsamer Gebrauch gemacht wird. Die Gasthöfe schmücken sich mit einer rotweißen oder weißroten Flagge, in den Basarbuden an derSchlucht" jenseits der Grenze lagern zu hun­derten die blauweißroten Demonstrantenfähnchen mit dem Auf­druckVive la France!" Eine schwarzweißrote Flagge hat der Schreiber dieser Zeilen während drei Wochen in den Vogesen nicht gesehen. Und doch sollte gerade in diesem Lande jedes öffentliche Gebäude sie tragen, schon damit die Franzosen nicht meinen, sie seien die Herren im Haus!

--------

Deutsches Reich-

Rückkehr des Kaisers. Swinemünde, 3. Aug. DieHohen- zollern" mit dem Kaiser und die BegleitschiffeBreslau" und Sleipner" sind heute Abend %6 Uhr unter dem Salut der Festun­gen und Kriegsschiffe hier eingetroffen. Die Besatzung der im Hafen liegenden Kriegsschiffe hatten Paradeaufstellung genom­men. Eine große Menschenmenge begrüßte den Kaiser jubelnd am Bollwerk. Das Wetter ist gut. Nach dem Besuch des Kaisers in Essen wird er bis gegen Ende des Monats in Wilhelmshöhe verweilen, um sich dann nach Berlin zu begeben und an der Herbst- Parade teilzunehmen. Anfangs September tritt der Kaiser die Schweizerreise an und begiebt sich dann von dort aus sofort ins Manöverfeld.

Der Kronprinz. München, 4. Aug. Der deutsche Kronprinz ist heute früh, von Berlin kommend, mit Freiherrn v. Zabeltitz und Freiherrn v. Frankenstein hier eingetroffen. Kurz nach 9 Uhr fuhr der Kronprinz mit seinen beiden Begleitern nach Possenhofen zum Besuch der Herzoginwitwe Karl Theodor. - Er wird heute mittag die Reise im AutomoM durch das Allgäu nach Hopfreben (Bregenzer Wald) fortsetzen, wo er sich zur Jagd länger aufhält.

Zur Beisetzung des Kardinals Fischer. Köln, 3. Aug. Bei der Beisetzung der Leiche des Kardinals Fischer hielt Bischof Dr. Schulte die Weiherede, der er den Satz zugrunde legte:Sei getreu bis in den Tod und ich werde dir die Krone des ewigen Lebens geben. Anwesend waren u. a. Kardinal Fürstbischof Dr. Kopp- Breslau, Mercier-Mecheln, die Bischöfe von Münster, Limburg, Osnabrück, Metz, Fulda, Lüttich, Namur und Vertreter der Bischöfe von Mainz und Trier, die Aebte von Marialaach, Betron und Marienstadt. Der Kaiser spendete einen Kranz, ebenso die Prin­zessin von Schaumburg-Lippe.

Die Kruppsche Jubiläumsfeier. Essen-Ruhr, 3. Aug. Für heute nachmittag waren 821 Jubilare der Kruppschen Betriebe aus den Jahrgängen 1911 und 1912 zum Hügel geladen, wo in der neu­erbauten Festhalle die Feier für die Jubilare stattfond. Nachdem Herr und Frau Krupp von Bohlen und Hallbach sich mit ihrem kleinen Sohne Alfred und die übrigen Mitglieder des Hauses ein­gefunden hatten, erklang das Vorspiel zur OperDie Meister­singer". Nach einer Rezitation des FestgedichtesAn die Jubilare" ertönte das großeHalleluja" aus KlopstocksWelten" von Hum­mel, worauf Herr Krupp von Bohlen und Hallbach eine Rede an die Jubilare hielt. Darauf wurden die Jubiläumsandenken ver­teilt. NachdemDeutschlands Gebet" vom Kruppschen Männer­gesangvereinGemeinwohl" vorgetragen worden war, beschloß man die eindrucksvolle Feier. Sodann fand im Festzelt an der Ruhr

Rolf, daß sie behauptet, Jrmele sähe mir sogar ähnlich, und sie hätte den kleinen Fratz mit dem störrischen Sinn darum doppelt lieb?"

Rolf Bandener, der am Kamin lehnte und schweigend den ganzen Auftritt verfolgt hatte, nahm dankend den Tee aus Heinrikes bebenden Händen entgegen und sagte lächelnd:

Daß es nicht ganz leicht ist, Kinder zu erziehen, das werdet ihr ja nach an eurem Jungen selber erfahren. Aber ein fremdes Kind nach unseren eigenen Wünschen und Prinzipien ummobeln zu wollen, ist eigentlich immer ein Gewaltakt. Du solltest die störrische, kleine Men­schenseele, die auch vielleicht nur scheu ist, °nicht zwingen, Sibo, sich dir zuzuneigen, wenn sie es nicht freiwillig tut."

.Na, erlaube mal, für mein Geld werde ich' doch wohl verlangen können, daß son hergelaufenes Ding sich anständig benimmt! Man hat sich da was aufgehalst, das man nie wieder loswerden kann und das sich vielleicht zu einer Plage für uns entwickelt, vor der mir graut!" Heinrike errötete vor Scham über die letzten Worte ihres Mannes. Ihre Augen sahen flehend zu Doktor Bandener hinüber, der ihr mit seinen guten, treuen Augen beruhigend zulächelte.

Es war ein- eigener, innerlicher Zwang, der mich veranlaßte", fuhr sie, zu Bandener gewandt, fort,gerade dieses Kind in unser Haus zu nehmen. Sie glauben gar nicht, wie reizend Jrmele sein kann. Jobst, vber immer so still war ohne Gespielin, ist schon ganz aufgelebt. Sie follten nur sehen, wie mütterlich lieb sie für unseren Jungen sorgt, wie sie ihn hütet und wie sie mit ihm herumtollt. Daß sie unartig zu Sibo ist, kann ich leider nicht leugnen; aber Kinder haben ein feines Emp­finden für Menschen, die es gut mit ihnen meinen.

Na, zum Donnerwetter, soll ich's denn noch besser mit diesem Bettelkind meinen? rief Sibo aufgebracht, sich hastig eine Zigarette anzündend.Ich habe es jetzt wirklich satt! Adieu, Rolf! Laß dir von Heinrike man hübsch vorklagen, was ich für ein Barbar bin, das versteht sie ja meisterhaft.

Rolf hatte eine heftige Entgegnung auf den Lippen, aber ein bitten­der Blick Heinrikes ließ ihn verstummen.

Ich kann nicht lange bleiben", gab er kühl zurück.Wir erwarten noch heute abend ein paar neue Patienten, da muß ich zur Stelle fein."

Euer Ausschank scheint ja flott zu gehen", höhnte Sibo lachend, als er zur Tür hinausschritt.Na, Glück zu! Adieu, schönste Frau!"

| em festliches Beisawensein statt, wobei bet Meister Hoesel mit einer kurzen Ansprache namens bet Jubilate bankte.

Wieder zwei Deutsche ermordet. Aus Mexiko wird eine neue, gegen deutsche Reichsangehörige begangene Bluttat genei­det: Unter den von bett mexikanischen Aufstänbischeu Gehängten befinben sich bie Deutschen Johann Hertling und Guido Schübels

Noch ein Deutscher in Marokko verschwunden. Nach einer englischen Nachricht aus Tanger sind ein deutscher und schmelzt 1 Kolonist aus Marrakesch spurlos verschwunden.. >

Der Fall Opitz. Tanger, 4. Aug. Die hiesige deutsche Vev tretung steht wegen des Falles Opitz durch Funkenspruch bis Mogas bot unb von bort burch Eilboten in Verbinbung mit bem beutschen Konsularagenten in Marakesch, bet die Nachforschungen nach Opitz unablässig fortsetzt. Bisher ist webet eine sichere Sput entdeckt, baj Opitz lebt, noch ist bie Leiche gefunben worben. Von bett französi­schen Behörden in Marokko werben bie Bemühungen bes Konsulat­agenten unterstützt. Der Pascha von Marrakesch zeigt besonberen Eifer zur Aufklärung bet Sache. Für bett Fall, baß Opitz einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, muß man bannt rechnen, baß, da bie Marokkaner in solchen Fällen bie Spuren sorgfältig zu ver­wischen pflegen, bie Nachforschungen längere Zeit beanspruchen.

Zwei deutsch-dänische Bade-Zwischenfälle haben sich inner­halb kurzer Zeit ereignet. Der erste Fall betraf einen Deutschen namens Dr. Muskat, der sich ungebührlich benommen haben sollte und bann, als er von bem dänischen Arzt Dr. Pauli zur Kurver­waltung gebeten würbe, vor bet Babegefellschaft in eine Schlägerei geraten ist. Dr. Muskat hat zugegeben, baß er bie Schuld trüge unb hat sich gut Zahlung einer Buße unb eines Schmerzensgelbes freiwillig bereit erklärt. Ein anderer Fall, bet bem erwähnten zeitlich voraufging, betrifft bie gewaltsame Entfernung einer beut« scheu Flagge, bie ein Badegast, ein ehemaliger deutscher Offizier, an einem Flaggenmast gehißt hatte. Auf dänischer Seite beruft man sich darauf, daß ein allgemeines Verbot besteht, fremde Flag­gen zu hissen und daß somit der Strandwächter in Hornbäk berech­tigt gewesen sei, die Entfernung der deutsche nFlagge zu verlangen und selbst vorzunehmen. Diesepolizeiliche Befugnis" des Strand­wächters unterliegt jetzt der Nachprüfung.

Ueberführung gefallener Kämpfer von 1870/71. Nancy, 4. Aug. Heute vormittag fand in Jarvilla die Ueberführung der Gebeine von 58 1870 gefallenen deutschen Soldaten vorn alten nach dem neuen Kirchhof statt, wo ein Denkmal für sie errichtet ist. An der Feier nahmen der zur deutschen Botschaft nach Paris kom­mandierte Rittmeister Frank, der Vertreter der Präfektur, bet Bürgermeister mit ben Beigeordneten, eine Reihe Offiziere teil. Die Kompanie des 79. Linienregiments, sowie eine Husaren- und Artillerie-Abteilung erwiesen die militärischen Ehren.

Elsässisches. DenB. N. N." wird aus Straßburg geschrieben: denen wir die Verantwortung für diese ungeheuerliche Meldung naturgemäß überlasten wüsten, wird aus Straßburg geschrieben: Der in Kolmar erscheinende Nouvelliste des nationalistischen Zentrumsabgeordneten Wetters bringt eine neue Flegelei gegen die Altdeutschen, die für ihn natürlich die Pangermanen sind. Er schreibt davon, wie sie ins Elsaß gekommen mit ihrem Grundsatz: Gedenke, daß du ein Deutscher bist" und bann burchihre lär­mende Weise" unbihre gut beschuhten Füße" zu erkennen geben, woher sie sind. Dann empfiehlt er den Elsässern zehn Gebote zur Beherzigung, die er einem polnischen Hetzblatt entnommen hat, darunter: Meide die Deutschen, meide sie immerdar! Und dieser Hetzer rühmt sich, der Freund des elsaß-lothringischen Staatssekre­tärs Zorn v. Bulach zu fein. Er darf sich rühmen, seinen wegen Beleidigung der deutschen Armee verurteilten Sitzredakteur durch tief et Heinrike zu, seine Fingerspitzen küssend.Ich bleibe doch immer Euer Sklave!"

Heinrike sank, als Sibo die Halle verlassen, wie vernichtet in einen Sessel.

Beide Hände schlug sie vor ihr Antlitz, und ein leiser Seufzet rang sich übet ihre Lippen.

Rolf Bandener stand, die Hände geballt, unbeweglich am Kamin und blickte auf die Frau, die für ihn unerreichbar war, und die et so überaus qualvoll leiden sah. Am liebsten wäre et ihr zu Füßen gestürzt und hätte sie wild in feine Arme gerissen, ihf alles Leid von der Seele zu küssen, aber er durfte nicht. Er mußte weiter dulden und schweigen.

Verzeihen Sie. lieber Freund", nahm Heinrike, sich aufraffenb, mit schmerzlichem Lächeln das Wort,daß ich mich wieder so gehen ließ. Sie wissen ja, wie töricht ich oft bin, und Sie kennen ja am besten meine Angst und meine Sorge.

Sie nehmen das Leben zu ernst, Frau Heinrike, ich habe es Ihnen ja so oft gesagt. Ich glaube wirklich, sie tun Sibo oft unrecht. Er hat sich doch wirklich außerordentlich bewährt. Er ist tüchtig, fleißig, er hat es zu etwas gebracht, und er ist gewissermaßen in bet Geschäftswelt, wenn es gilt neue Transaktionen zu machen, als ein Genie bekannt. Seine ganze innerliche Art kann er natürlich nicht ablegen, aber das kann Sie doch nicht so unglücklich machen. Sie kannten ihn ja, und was er in feiner Jugend aus Leichtsinn gesündigt, das haben Sie und wir alle ihm ja längst verziehen. Denken Sie nut, liebe verehrte Freundin, wieviel junge Leute im Jugendübermut irgend eine Dummheit, eine Schlechtigkeit begehen, die, wenn sie bekannt wird, hinreichi, dem Hebet« tätet für fein ganzes Leben einen Makel aufzudrücken. Hätte man zur Zeit den jugendlichen Verbrecher bestraft, so wäre et für das ganz« Leben verloren gewesen, während man so Tausende von Fällen $at, baß junge Leute, die in der Jugend gefehlt, nicht nut sehr brauchbar« und nützliche Mitglieder der Gesellschaft sondern sogar Zierden de< Standes geworden sind. Und weil es so ist, darum darf Sie auch di« Furcht nicht immer peinigen, Sibo könnte in seine alten Fehler zurück« fallen. Sibo ist leichtsinnig, aber et hat doch einen guten Fonds, unk ich möchte meine Hand für ihn ins Feuer legen, daß et gut und btaf geworden ist, und daß er Sie lieb hat, so recht aus Herzensgrund, »K Sie ee verdienen. (Fortsetzung folgt.) ?