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keinerlei

1912

87

Stickereien zu geben, die

als geschätzte Kunsterzeugnisse hin­

haltend, und

wieder das Wohlgejühl köstlichen

Immer weiter folgte sie Gier

4?

Vie dort mit

Engelsgesang

ausgingen Auch Friedens.

in die Welt.

hier empfand Heinrike

Heinrike lauschte.

Wie sie

und Feiertage. Dec Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 JH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen

sich, noch immer durch den herbstlichen Garten wandelten, um alle Einzel« Helten der Uebersiedelung des Kindes in die Eschenbach'sche Villa z« besprechen.

Ueber kahle, fahle Hügel

Streicht der Dämm'rung kühler Flügel,

Dunkelt wie erstarrte Träume

Ctch'n im Tal entlaubt die Bäume." stand, Jrmeles Händchen fest in der ihren

Bettlerin auf unserer Schwelle. Sie dauerte uns, und wir pflegten sie. Als sie sich erholt, bat sie, bei uns bleiben zu dürfen. Sie versprach zu arbeiten, und erfüllt ihre Pflichten auch gewisienhaft. Sie redet mit niemand, nur mit Irmele. Oft habe ich sie schon überrascht, wenn sie heimlich das Kind mit Liebkosungen überschüttete und zärtlich zu ihr sprach, als wäre sie nicht bei Sinnen, so das? mir Angst um Irmele wurde. Da ist es mit besonders recht, daß Sie die Kleine von der unheimlichen Person sortnehmen, die nun vielleicht auch wieder ruhiger wird. Irmele mutz sie an jemand erinnern, den sie einst gekannt hat, vielleicht gar an ein eigenes Kind, das sie verloren. Sehen Sie hier", fuhr die Oberin abbrechcnd fort,unsere Arbeitszimmer".

Berlin, 30. Juli. DieNordd. Allg. Ztg7' schreibt zum Ableben des Kaisers von Japan: Mit der langen, ereignisreichen Regierung des verstorbenen Kaisers bleibt der Eintritt Japans in die Reihe der Großmächte verknüpft. Nach dem Herkommen seines Landes und nach seiner persönlichen Eigenart ist der Kaiser Mutsuhito in der Öffentlichkeit wenig hervorgetreten. Dennoch kann kein Zweifel sein über einen wesentlichen Anteil, der dem entschlafenen Monarchen an der bewundernswerten Ueberführung Japans in ein modernes Staatswesen und an dem Aufschwung des Volkes zukommt. Von Näherstehenden wird rühmend berichtet, daß sein Leben von uermüdlicher Arbeit für das Wohl des Landes ausgefüllt war. Ein deutscher Kenner Japans hat die der Ge­schichte angehörende Wirksamkeit des Heimgegangenen Kaisers wie folgt zusammengefaßt: ^.Durch die feierliche Würde und vorbild­liche Hinnahme der durch die neue Weltstellung des Landes erfor­derlichen Abänderungen einer geheiligten Tradition durch eine anscheinend selbstverständliche Anknüpfung des neuen Fremden an das graue Altertum und die nationale Eigenart leistete er für die Übergangsperiode den wichtigen Dienst eines Schildhalters der gefahrvollen Umwälzung. Wiederholt haben Mitglieder deutscher Fürstenhäuser, die bei Besuchen in Tokio vom Kaiser gastfreundlich empfangen wurden, seine edle Persönlichkeit kennen und würdigen gelernt. Der Trauer des japanischen Volkes um den Verlust seines geliebten und geehrten Herrschers schließen wir uns voll auf­richtiger Teilnahme an. Dem ersten Kaiser des neuen Japans bleibt in Deutschland ein ehrendes Andenken gesichert."

Unterstaatsfekretär im Auswärtigen Amt Zimmermann stat­tete am Dienstag vormittag der japanischen Botschaft einen Be­such ab. um das Beileid der kaiserlichen Regierung auszusprechen.

sämtliche 270 Kleinstaaten Japans beseitigen und alle Vorrechte des Adels aufheben. Nun folgten einander die Reformen mit un­glaublicher Schnelligkeit. Im Jahre 1870 wurde die Justiz von der Verwaltung getrennt und der Telegraph eingeführt. 1871 folgte die Schöpfung einer modernen Armee, der Reichspost und eines neuen Münzsystems, 1872 die allgemeine Schulpflicht und die erste Eisenbahn von Tokio nach Yokohama, 1873 die allgemeine Wehrpflicht und die Annahme des Gregorianischen Kalenders. Aber bald wurde die Entwicklung durch neue Aufstände unter­brochen, in denen sich der tollkühne Mut der alten Ritterschaft der modernen Staatsmaschine entgegenwarf. Doch in einem langen, blutigen Feldzuge blieb die Negierung siegreich, und seitdem hat der alte Adel keinen Aufstand mehr gewagt. Auf den Rat Itos bildete der Kaiser im Jahre 1885 ein Ministerium nach euro­päischem Muster) 1888 wurde die Städteordnung gegeben und schließlich, im Jahre 1889, die mit Spannung erwartete japanische Verfassung. Am 20. November 1890 konnte Mutsuhito in feier­licher Form das erste japar. Parlament eröffnen. Die groß­artigen Erfolge, die Japan seither besonders in der auswärtigen Politik erzielt hat, sind allbekannt.

Marburg

Donnetstag, 1. August

Keine Welle hörst du rauschen, Änne Stimme hörst du klingen. D't des Lebens Gruß zu bringen."

Rein, kein Hauch des Lebens Kampf und Streit, von de« Lues Lärm drang hier in diese Abgeschiedenheit.

Nur als stummes Bild der Gnade, Wie auf Golgatha, am Pfade Siehst du dort, ans Kreuz geschlagen, Durch die Nacht den Heiland ragen."

, Dir Oberin machte das Zeichen des Kreuzes, Abschied nehmend, über Jrmeles Stirn und Mund; dann schritt Heinrike, das Kind an der Hand, durch die Pforte, hinaus in den Abend, niederwärts zum Rhein, wo da« Schifflein wartend lag, das sie heimführen sollte, dorthin wo ihr lieber, kleiner Junge sehnsüchtig auf die Gespielin wartete, dt ste ihm zu hole» versprochen hatte. (Fortsetzung folgt.)

tlschen Augenblick der türkischen Geschichte übernahm. Es wird die Hoffnung ausgedrückt, daß die Nation die Aufgabe der Regierung durch ruhige Haltung unterstütze. Die Ursache der gegenwärtigen Schwierigkeiten seien die ungesetzlichen Eingriffe der Behörden bei den Parlamentswahlen, die Teilnahme der Offiziere an den politi­schen Parteien, die Gesetzesübertretungen und die verfassungs­widrigen Maßnahmen. Die Regierung werde die provisorischen Gesetze, die mit der Verfassung nicht im Einklang ständen, besei­tigen und werde alle Rechte achten, die die Verfassung allen Na­tionen zusichere. Um die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu zer- streuen. werde die Regierung jede ungesetzliche Einmischung in die öffentlichen Angelegenheiten zu verhindern suchen. Bezüglich des Krieges hob die Erklärung die seit zehn Monaten gebrachten Opfer der arabischen Truppen rühmend hervor. Die Regierung werde die Verteidigung des Landes fortsetzen, bis eine das Recht und die Wurde der Regierung entsprechende Grundlage für den Frieden gefunden sei. In der äußeren Politik werde die Regierung die bis Ende Januar 1909 eingeschlagene Politik fortsetzen, weil sie dem Empfinden der Nation entspräche. An die Regierungserklärung schloß sich eine lebhafte Geschäftsordnungsdebatte. Schließlich wurde gegen den ausdrücklichen Wunsch der Regierung beschlossen, die Sitzung bis zur Drucklegung der Regierungserklärung zu ver­tagen.

K o n st a n t i n o p e l, 30. Juli. Die jungtürkischen Führer erschienen gestern abend beim Erotzwesir und erklärten, ihre Partei rönnte die gesetzmäßige Auflösung der Kammer annehmen unter der Bedingung, daß die unparteiische Durchführung der Neuwahlen garantiert und dasselbe Verwaltungspersonal beibehalten w^de. Der Eroßwesir erwiderte, er werde seine Kollegen zu Rate zi n. Die Jungtürken glauben, daß sie unter Beibehaltung der Gouver­neure dank ihrer Organisation bei den Wahlen die Majorität er­halten. Es verlautet, daß sie als Bürgschaft für die Unparteilich­keit einen anderen Minister des Innern wünschen. Man nennt Hussein Hilmi Pascha, zu dem die Jungtürken Vertrauen zu hegen scheinen. Alle Ortsgruppen der jungtllrkischen Komitees werden im Auftrage der Negierung überwacht, ebenso das Haus des früheren Ministers des Innern Hadfchidil, woselbst die Zusammen künfte der komiteetreuen Offiziere stattfinden. Zwei Offiziere sin verhaftet Gwrden.

Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroih), Markt 21. Telephon 55.

liefet Abendfrieden senkte sich aus den Garten des Klosters zur hei­ligen Anna hernieder. Still wanderte hier und dort eine Nonne mit ihrem Brevier in der Hand die Gartenwege auf und nieger. Die ). ,« kende Sonne webte rosenrote Streifen in ihre Schleier, und in der Lust lag ein Duft von letzten, sterbenden Rosen.

Vom Kreuzgang her klang der Gesang der Kinder, Schwester Berthaldis sangen, deren hoher Sopran wie über den Stimmen der Kinder schwebte.

Heinrike wich betreten zurück. Was wollte das Weib von ihr? Weshalb flammten ihre Augen ihr so voll Hatz entgegen?

Schäme Dich, Traute!" verwies die Oberin streng die Magd, ge­lassen das Kind aus den sie umschlingenden Armen lösend.Ich habe Dir schon wiederholt gesagt, daß Deine stürmische Art hier bei uns keine Stätte findet, und daß Deine Zärtlichkeit, mit der Du Irmele überhäusst, dem Kinde und Dir zum Schaden gereicht. Es ist gut, daß Irmele sortkommt, denn sonst hättest Du gehen müssen. Wir dienen dem Hei­land in unserem stillen Kloster, das vergißt Du immer wieder, und nicht den Menschen. Geh an Deine Arbeit und bete, dann wird Dein Herz ruhiger werden, Traute, bete!

Die Magd sah den Frauen, die mit dem Kinde an der Hand davon­schritten, mit großen, weitgeöffneten Augen nach: dann aber brach ein Schrei von ihren Lippen, so voll herzzerreißenden Jammers, daß die jungen Schwestern Hortgunde und Berthaldis, die im Garten beschäftigt waren, bestürzt herbeieilten. Sie fanden die fremde Magd, die erst seit kurzer Zeit im Kloster weilte, vor dessen Pforte man sie eines Nachts, ohnmächtig, zu Tode erschöpft, gefunden, bewußtlos auf den Steinfliesen ^liegen.

Es war ein Kreuz mit bet Armen. Sie wat von Sorgen und Ent­behrungen so entkräftet, daß man immer wieder Nachsicht mit ihr haben mußte. Ausbrüche leidenschaftlichen Schmerzes kamen jetzt so oft. Sie war gewiß sehr krank, die Atme.

Wer wat das seltsame Geschöpf?" fragte Heinrike, als sie jetzt be- stchtigend durch den Schlafsaal der Kinder schritten, wo Bettchen an Bettchen sich reihte.

Das ist Jrmeles Bett", erklärte die Oberin, zärtlich über die Decke des kleinen Vettchens streichend: bann aber sah sie sinnend vor sich hin, »Is sie, sich Heintikes Frage erinnernd, antwortete:

1Ich glaube, die arme Traute ist schwer leidend. Sie redet ost von einer großen Sünde, die sie auf sich geladen hat. Wir fanden sie al«

Aus der Turkes.

Kov'^antinopel, 30. Juli. (Kammer.) Kurz vor Be­ginn der Sitzung entfernten sich die Truppen, die vor dem Eingang des Parlamentsgebäudes aufgestellt waren. Die Sitzung wurde gegen 1 Uhr eröffnet. Alle Mitglieder des Kabinetts waren an­wesend. Der Eroßwesir verlas sodann das Programmatische der Regierungserklärung, in der hervorgehoben wird, daß die Regie­rung die Macht inmitten großer Schwierigkeiten und in einem kri-

zit ,Xt>crl)efii|d)c Leitung" eijajcnn teignet, nui riusnuyuie oet tecmn

(Nachdruck verboten.)

Das Tor des Lebens.

Roman vonAnnyWothe.

(Fortsetzung.)

freundlichen Führerin. Die Schul­zimmer, die Spielzimmer, alles wurde in Augenschein genommen.

Auch in die Kapelle traten sie noch, wo eine Schar Kinder den Altar mit bunten Herbstb-umen schmückten, während die Orgel leise summte, und die hoben Stimmen der Nonnen feierlich vom Chor herniederschweb­ten, die dort ihre Singübungen hielten.

An langen, weißen Holztaseln saßen die Zöglinge der Anstalt emsig bei der Arbeit. Frische, rotwangige Kinder und blühende, halberwach­sene Mädchen . Sie zogen feine Goldfäden durch düftige Gewebe, und eine junge Schwester ging ab und zu, den Zöglingen Anweisungen zu den herrlichen Stickereien zu geben, die als geschätzte Kunsterzeugnisse hin-

der Gesang der Hellen Kinderstimmen bewegte!

Ein tiefes Schluchzen drängte sich ihr auf die Lippen. All daß Leid, das ihre Seele bedrückte, löste sich in stille Wehmut, als es weiter über den stillen Klostergarten aus Kindermund erklang:

Tiefe Stille, tiefes Lauschen,

Und bann stand Heinrike mit ber Oberin roieber im Klostergarten, glücklich, baß Irmele ihre runben Finger jetzt auch zutraulich in ihre Hanb geschoben hatte unb leise fragte:

Du wie heißt denn Dein kleiner Junge, mit dem ich spielen soll?" Jobst von Eschenbach, Irmele. Wirst Du ihn liebhaben?"

Die Suppenkelle, mit der die Klostermagd soeben im Kreuzgang des Klosters, in dem hellgescheuerte Tische und Bänke standen, der hungrigen, mit ihren Tellern herandrängenden Kinderschar die Abend­suppe aussüllen wollte, fiel klatschend in den Kessel zurück, so daß die Kinder, unterdrückt aufireischend zurückwichen.

Dann aber waltete die Magd wieder ruhig ihres Amte«; nur von Z<it M Zeit jlog ihr Blick |* den Frauen hinüber, die, da, Kind zwischen

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaWche Beilage".

~Ci Anzeigenpreis betragt für ine /gehaltene Zette ober beten Raum 15 J, bei amtlichenund auswärtigen Anzeigen 20 A, für Setlomen bie 3eile 60 4- Bei Wiederholungen entf ' 1

-------------- -i. _ Deutsches Reich.

Aus der Diplomatie. Berlin, 30. Juli. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg empfing am Montag den Besuch des österreichisch-ungarischen Botschafters Grafen v. Szögyeny-Marich, der vor dem Antritt seines Sommer­urlaubs der Einladung des Reichskanzlers und Gemahlin nach Hohenfinow folgte.

Fortbivung der Gerichts-Assessoren. Berlin, 30. Juli. Dei preußische Justizminister hat nunmehr die als beabsichtigt bereit­gemeldete Verfügung über die Fortbildung der Gerichts-Assessoren erlassen. Sie ist an die Gerichtsbehörden gerichtet und bezeichnet es als erwünscht, daß diese Assessoren in der aus die große Staats­prüfung folgenden Zeit ihre rechtswiss?nschaftlichen Studien fort- setzen oder auf anderen, insbesondere wirtschaftlichen Gebieten neue Erfahren und Kenntnisse sammeln.

Eine neue Spende aus der deutschen Carnegie-Stiftung. Soeben ist eine neue Spende aus der deutschen Earnegie-Stiftung zur Auszahlung gekommen. Die Rheinisch-Westfälische Hütten- und Walzwerksberufsgenossenschaft zu Essen hatte in diesen Tagen

! Der Thronwechsel in Japrn.

Wie wir bereits gestern kurz mitteilten, ist der Kaiser von Japan seinem schweren Leiden erlegen. Er starb nach japanischer Zeit um 12 Uhr 43 Min., am Dienstag früh, also am Montag nach­mittag 2 Uhr 42 Min. nach mitteleuropäischer Zeit. Der Tod er­folgte an Herzschlag. Zwar hatte sich zu Beginn der vorigen Woche jtm Befinden des Kaisers eine leichte Besserung bemerklich gemacht, doch konnte dies die Aerzte über den schließlichen Ausgang der Krankheit nicht täuschen. Am Montag trat die entscheidende Wen­dung zum Schlimmen ein. Die Aerzte verständigten die kaiser­liche Familie, die im Beisein des Ministerpräsidenten einen Fa­milienrat abhielt, zu dem später auch di« anderen Mitglieder des Kabinetts hinzugezogen wurden. Die letzten Bulletins, die über das Befinden des Kaisers berichteten, riefen in Tokio große Auf­regung hervor. Tausende von Menschen belagerten den kaiserlichen Palast. Viele lagen auf den Knien und beteten unablässig. In allen Tempeln winden ununterbrochen Gottesdienste für die Ge­nesung des Kaisers abgehalten. Ein kaiserlicher Palastwächter beging Harakiri, um sich den Göttern für Erhaltung des kaiserlichen Lebens zu opfern. Wie groß die Erregung der Menge war, erh.llt aus der Tatsache, daß sie mehrere Photographen, die versuchten, mit Magnesiumlicht Ausnahmen zu machen, steinigte und dabei schwer verletzte. Im Palaste selbst wurde in mehreren Gemächern ebenfalls feierlicher Gottesdienst abgehalten. Die Kaiserin wich trotz Bitten der Aerzte nicht vom Krankenlager. Nur die Aerzte, sowie die kaiserliche Familie und die Dienerschaft hatten Zu­tritt zum Krankenzimmer. Der Kaiser hatte in den letzten Tagen Kampferinjektionen bekommen, so auch am Montag, als das Leben rasch seinem Ende zueilte. Als der Leibarzt des Kaisers die Ueber- Beugung zu haben glaubte, daß der Tod in kurzem eintreten werde, trat er aus dem Sterbezimmer des Kaisers in den Saal, in dem sich die kaiserliche Familie, die ältesten Staatsräte und die Mi­nister versammelt hatten, um zu melden, daß der Kaiser noch höch­stens eine Stunde zu leben habe. Auf Bitten des Kronprinzen gab der Leibarzt dem Kaiser noch eine Kampfereinspritzung, doch war alles vergeblich. Langsam ebbte das Leben ab. Der Kaiser hatte bereits feit länger als 24 Stunden das Bewußtsein verloren. Bald darauf war alles vorüber. Der Kronprinz sank weinend am Sterbelager seines kaiserlichen Vaters zusammen, als der Leibarzt die Mitteilung von dem Ableben machte. Die Todesnachricht ver­breitete sich in der Stadt sehr schnell.

Gleich «ach dem Hinscheiden des Kaisers fand im Palast die feierliche Uebergabe von Schwert und Siegel an den Kronprinzen und jetzigen Kaiser Poshihito statt. Der neue Kaiser übernahm Zugleich die höchste' priesterliche Gewalt und hielt ein feierliches litual im Sanctuarium seiner kaiserlichen Ahnen ab. Der neue Kaiser von Japan ist am 31. August 1879 geboren. Am 10. Mai 1900 vermählte er sich mit ber Prinzessin Sadako. Die Kaiserin stammt aus dem Hause Konoye. Der Ehe sind drei Söhne ent­sprossen, von denen der älteste, Hirohito Miti-no-Miya, geboren 6m 29. April 1901, jetzt Thronfolger ist.

Der verstorbene Kaiser, Tenno Mutsuhito, war Japans erster moderner Herrscher, der 45 Jahre lang in einer Aera unerhörter Erfolge über Japan regiert hat. 1867 bestieg er als ISjäbriger den Thron. Sein Regierungsantritt fiel in die Zeit, da in Japan die ersten Einflüsse Europas wirksam zu werden begannen. Jahr­hundertelang hatten die Schogune, die Hausmaier, geherrscht und weiter kämpften diese für ihre Macht gegen den Kaiser. Doch ver­geblich. Ihr Widerstand wurde überwunden, und am 17. Juni 1869 konnte der junge Kaiser durch ein Dekret mit einem Schlage