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mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

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Sonnabend, 27. Juli

Ter AnzetgenprelS beträgt für die igeipultcne oder deren Raum 15 L, bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 H, für Reklamen die Zeile SO Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver­bindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausge­schlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne PortokÄken unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg.

1912.

Erstes Blatt.

Wochenschau.

Ueber allen Wipfeln ist Ruh' in der inneren Politik. Des Kaisers Nordlandreise verläuft ohne besondere Zwischenfälle, Herr v. Bethmann vereinigt auf Hohenfinow in harmonischer Ruhe die Geschäfte als Reichskanzler und Gutsherr, die deutschen Fürsten weilen in ihren Eommerresidenzen, auf Jagdschlössern oder wie der König von Sachsen und der Fürst von Schaumburg-Lippe in Seebädern, die meisten Exzel­lenzen und Chefs von Ministerien und sonstigen Zentralbehörden haben die Würde und Bürde des Amtes ab- und die leichte, luftige Touristen- Gewandung angelegt. Wo freilich das Parlament keine Sommerpaufe macht, muffen die leitenden Staatsmänner auf den Posten bleiben, wie in Bayern. Dort fand die Abgeordnetenkammer wieder mal Gelegen­heit, ostentativ den echtbayerischen Standpunkt zu betonen, indem sie die Regierungsvorlage, die preußisch-süddeutsche Staatslotterie auch in Bayern gegen Zahlung einer anständigen Pachtsumme einzuführen, ab- lehnte. Dieser Beschluß entsprang keineswegs prinzipieller moralischer Gegnerschaft gegen das Glücksrad, man konnte sich nur mit der Abhängig­keit von Preußen nicht befreunden und stimmte einem Anträge zu, der die Regierung zur Einrichtung einer besonderen bajuvarischen Lotterie als neue Einnahmequelle auffordert. Mögen die Bayern der Göttin Fortuna ihren eigenen Tempel errichten, eine politische Bedeutung haben solche partikularistisckien V- llrebungen heutzutage nicht mehr, denn für das Ausland fällt nicht mehr der einzelne Bundesstaat, sondern allein das mächtige deutsche Einheitsreich ins Gewicht. Rur unter dieser Voraussetzung sind die für die internationalen Beziehungen so bedeut­samen Abmachungen von Baltischport möglich gewesen. Indem Ruß­land und Deutschland sich die Garantie gegenseitiger Freundschaft und Friedensliebe gaben, hat die Entente des Ersteren mit Frankreich und England ihre vorwiegend oder ausschließlich feindliche Tendenz gegen Deutschland verloren. Daß die Franzosen diese ihnen höchst unbequeme Tatsache richtig erkannt haben, zeigt ihr fieberhafter Eifer, immer wieder neuen Zündstoff zur Entfachung einer antideutschen Stimmung in Ruß­land zusammenzutragen. Nur so sind^die Schimpfereien in der fran- zöstschen Presse in der Spionageaffäre Kostewitsch zu erklären. Es wirkt fast komisch, wenn Pariser Blätter den Ruffen zu beweisen suchen, daß die Ueberführung des rnffischen Kapitäns von Berlin nach Leipzig, wo ihm vor dem Reichsgericht der Prozeß gemacht werden soll, als schwere nationale Beleidigung aufzufaffen sei.

Die antideutsche Stimmung der Franzosen kam auch gelentlich der neuen Flottenvorlage in England durch die auffallend beifällige Begrüßung dieser Rüstungsverstärkung zum Ausdruck. Wie der Marine­minister Churchill im Unterhause erklärte, sei England durch die kürz­liche Flottenverstärkung seitens Deutschlands gezwungen, um seine Vor­machtstellung zur See zu behaupten, den Mannfchaftsbestand zu erhöhen, die Zahl der Schiffe zu vermehren und eine Neuorganisation der Marine vorzunehmen. Der Premierminister Asquith unterstrich die Ausführun­gen des Fachministers noch durch eine große politische Rede, in der er den britischen Rüstungstaumel zu rechtfertigen suchte und die Versicherung abgab, daß auch die britische Flottenstellung im Mittelmeere neu ge­kräftigt werden solle. Da das Kabinett Deutschland als Schreckgespenst an die Wand gemalt hat, sind natürlich Ober- und Unterhaus mit er­drückender Majorität auf seiner Seite. Bei dem Vergleich mit der deut­schen Flotte haben die britischen Minister, um einen möglichst starken Ein­druck hervorzurufen, offenbare Uebertreibungen nicht verschmäht, während ihre Angaben über die Mittelmeerverhältniffe der tatsächlichen Lage bester angepaßt waren. Nur mit einer starken Flotte im Mittelmeer läßt sich im Orient der britische Einfluß aufrecht erhalten, der jetzt auch in der Türkei wieder besonders stark hervortritt. Das neue Kabinett, das unter den größten Schwierigkeiten zustande gekommen ist, dürfte in englischem Fahrwasser segeln, die Aufgaben, die es zu lösen hat, sind überaus schwere. Der Gegensatz zwischen den Jungtürken und der ge­heimen Offiziersliga hat sich aufs äußerste zugespitzt, Albanien befindet sich im Aufruhr und der Krieg mit Italien führt immer unbehaglichere Situationen herbei. So versetzten ein paar italienische Torpedoboote, die nachts eine tollkübne Erkundigungssahrt in die Dardanellen riskier­ten, ganz Konstantinopel in die größte Aufregung. Aus Tripolis werden neue italienische Waffenerfolge gemeldet. Wenn stch eine irgendwie an­nehmbare Friedensbasts fände, würde die Türkei ohne Zweifel zuzu­stimmen bereit fein. England soll nach dieser Richtung eifrig tätig sein. Da der alte Kiamil Pascha, der immer ein überzeugter Anhänger der britischen Politik gewesen ist, wieder eine einflußreiche Rolle spielt, so find wir dem Ende dieses unerfreulichen Krieges vielleicht näher gerückt, als im allgemeinen geglaubt'wird. Zn Rußland, wo der italienische Handstreich auf die Dardanellen recht unangenehm berührt hat, würde man den Friedensbeschluß je eher desto lieber sehen. Augenblicklich hat stch bort das Hauptinteresse der Anwesenheit des japanischen Fürsten Katsura in Petersburg zugewandt. Dieser hervorragende Staatsmann, der mehrere Male Ministerpräsident gewesen ist. soll mit wichtigen Ver­handlungen mit der rnffischen Diplomatie über asiatische Fragen betraut sein. Es soll sich um eine friedliche Auseinandersetzung beider Mächte über ostasiatische Probleme handeln. Die telegraphische Meldung von der lebensgefährlichen Erkrankung des Kaisers von Japan schien die sofortige Rückreise Katsuras notwendig zu machen. Inzwischen bat sich aber das Befinden des Kaisers gebessert und der fürstliche Gesandte hat seine Besprechungen mit dem Minister des Auswärtigen Ssasonow be­ginnen können.

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Eine neue Rede Churchills.

Die Abstimmung über den Flottennachtragsetat gab Anlatz zu einer allgemeinen Debatte über die Erklärung des Marine­ministers. Churchill unterbrach hier und da die einzelnen Redner und ergriff dann das Wort, das im großen und ganzen zur Abwehr des Dorwurfs, daß er zu wenig gefordert habe, diente. Er be­kämpfte die Behauptung, datz England in naher Zukunft nur einen Sicherheitsüberschutz von 4 Schiffen in der Nordsee haben werde. In Wirklichkeit habe England 33 Schlachtschiffe in voller Dienst­bereitschaft zu einer Zeit, wo Deutschland deren 25 habe, und Eng­land würde ein fünftes Schlachtschiffgeschwader von 8 Schiffen haben, die vollständig mit aktiven Mannschaften besetzt sein wür­

den, gegenüber 4 deutschen Reserveschiffen. England würde also 41 Schlachtschiffe haben, während Deutschland insgesamt 29 zur Verfügung ständen. Es sei ganz richtig, daß 8 von den 41 Schiffen in Gibraltar wären, aber diese würden sich sehr häufig in den hei­mischen Gewässern aufhalten, und es werde so eingerichtet werden, datz sie dann in der Heimat sein würden, wenn ihre Gegenwart erforderlich erscheinen könnte. Deshalb spreche ich auch, fuhr Chur­chill fort, von einem englischen Minimum und einem absoluten Maximum, das auf Seiten Deutsch­lands verfügbar sein könnte. Hinsichtlich des Zurück­ziehens der Schlachtschiffe aus dem Mittelländischen Meer erklärte Churchill, datz die Schiffe in die Heimat zurückgekehrt seien, weil sie-für die Wahrung der englischen Interessen keinen Wert mehr gehabt hätten. In dem Augenblick, wo andere Mächte in ihrer Stärke im Mittelmeer eine neue große Entwicklung oder eine sehr schnelle Entfaltung zeigen würden, sei die Notwendigkeit für Eng­land gegeben, seine Streitmacht im Mittelmeer, möglicherweise durch Veränderung ihrer Zusammensetzung und durch Schaffung eines Dreadnoughtgeschwaders, zu verstärken. Das könne notwen­dig werden, aber dieser Fall sei noch nicht eingetreten, und so werde es ganz leicht sein, dieser Lage auf verschiedene Weise Rech­nung zu tragen. Es würde genügend Zeit sein, die nötigen Ver­stärkungen vorzunehmen. England würde, abgesehen von einer weiteren Ausdehnung seines Bauprogramms, in der Lage sein, wenn nötig, im Jahre 1915 seine Streitmacht im Mittelmeer zu verstärken. Ein Mitglied der unionistischen Partei stellte die An­frage, ob genügend Mannsch'aften zur Verfügung stehen würden. Churchill erwiderte daraus, datz die Mannschaften bis zum Jahre 1915 in ausreichender Anzahl zur Verfü­gung ständen, bis wohin es auch möglich sein werde, wenn erforderlich, die Zahl der Schlacht­schiffe in voller Dienstbereitschaft über 33 hin­aus sogar um 3 oder 4 zu vermehren. Bis zum Jahre 1915 sei die Lage durchaus zufriedenstellend. In diesem Jahre habe Deutschland zwei neue Schiffe auf Kiel gelegt, während Eng­land vier auf Kiel lege; ,im nächsten Jahre solle, wie berichtet werde, Deutschland ein Extraschiff auf Kiel zu legen beabsichtigen. England werde dann zwei Extraschiffe bauen. Der Hauptgrundsatz des deutschen Flotten­gesetzes sei die Schaffung ein es dritten Schlacht­schiffgeschwaders, welches gegen Ende 1914 in Dienst 0 e ft eilt sein werde; England werde dann bereits das neue Geschwader besitzen, das in der ganzen Welt einzig da st ehe. WirsinddieHerren der Situation, und Panik oder Alarm ist unnötig. Jetzt kann keine Entwicklung eintreten, die für das Jahr 1914 in Betracht kommt, und jeder neuen Entwicklung, die für 1915 und 1916 in Betracht kommen kann, kann wirksam entgegen- getreten werden, sobald sie bekannt wird.

In der Diskussion erweckte nur die Rede des Liberalen Sir Comptoir Richett Interesse, der ausführte, er stimme der Er­klärung der Regierung nicht zu, datz England nicht einem Bünd­nis zwischen Italien und Oesterreich würde ent­gegentreten müssen. Diese Länder seien Mitglieder des Drei­bundes, und der Druck, den Deutschland auf sie ausüben könnte, um eine Ablenkung von der Nordsee zu schaffen, möchte vielleicht zu stark sein. Die Verhältnisse seien derart, datz England eben mehr tun müsse, als es tue, und es müsse den Tatsachen zuvor­kommen, denen es wahrscheinlich im Herbst oder im nächsten Jahre geaenüberstehen werde. Deutschland habe England eine Heraus­forderung geschickt, und England müsse sie entschlossen und be­stimmt annehmen.

Darauf wurde ein Antrag der Radikalen, den Kostenanschlag für Neubauten herabzusetzen, mit 281 gegen 32 Stimmen abgelehnt und der Kostenanschlag bewilligt.

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Politische Umschau.

Die türkische Krisis.

Der Präsident der türkischen Kammer teilte am Donnerstag nachmittag mit, daß ein Offizier am Abend vorher in seinem Hause einen von der Offiziersliga unierzeichneten Brief hinterließ, in dem die Schließung der Kammer binnen 48 Stunden ver­langt wird. Der Präsident erklärte unter anhaltendem begeister­ten Beifall, das Abgeordnetenhaus werde seine patriotische Pflicht tun. Der Text des Briefes lautet:Nach so vielen schlechten Taten, die ihr im Komitee sowie in der Kammer begangen habt, erfuhr unsere Liga von euren Schritten und Jntriguen beim Sultan. Diese Taten verdienen die schwersten Strafen. Aber da wir uns nicht mit schmutzigem Blut beflecken wollen, so halten wir es für notwendig, euch zu benachrichtigen, daß ihr beweisen müßt, daß ihr nicht aufhalten, sondern erleichtern wollt die Erfüllung des drin­gendsten Wunsches der Nation und der Armee, nämlich: die Kam­merauflösung, oder vielmehr des Klubs, dieses Theaterklubs. Wenn ihr nicht in 48 Stunden so handelt, so benachrichtigen wir euch, daß wir unsere patriotische Pflicht vollständig erfüllen wer­den." Das Ultimatum rief einen Sturm der Entrüstung hervor. Alle Redner sprachen der Liga ihre Verachtung aus und erklärten, die Abgeordneten würden bis zum Tode Widerstand leisten. Die Kammer beschloß einstimmig, den Eroßwesir und den Kriegsmini- ster um Erklärungen zu ersuchen, und erklärte eine Dauersitzung.

Konstantinopel, 25. Juli.Jkdam" veröffentlicht an­der Provinz eingetroffene Depeschen, tu welchen Befriedigung über die Bildung des neuen Ministeriums ausgedrückt wird. Dagegen

berichtet derTanin" von zahlreichen Depeschen an das Präsidium der Kammer sowie an die Regierung, in denen die durch die Er­eignisse der letzten Tage hervorgerufene Aufregung geschildert wird. Bei Besprechung dieser Telegramme erörtert derTanin" die Nachteile, die eine Auflösung der Kammer hätte. Selbst wenn die Partei für Einheit und Fortschritt eine Majorität bei den Neuwahlen erlangen könnte, würde diese doch nicht eine Mehrheit ergeben, die genügend stark sei, die Regierung zu unterstützen. Das Blatt verlangt, daß das Kabinett durch die Ausscheidung einiger Minister einen wirklich unparteiischen Charakter annehme.Peni Eazetta" erklärt, die Aufregung dauere fort, weil das Kabinett noch nicht alle Wünsche der Nation befriedigt habe, namentlich was Amnestie und die Untersuchung der letzten Wahlen betreffe, die notwendig fei, um endgültig über das Los der Kammer zu ent­scheiden. Das Blatt hebt die dringende Notwendigkeit hervor, die Wunsche bald zu erfüllen. Jede Verzögerung wäre ein Fehler, welcher zukünftig unüberwindliche Schwierigkeiten Hervorrufe.

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Deutsches Reich.

Bom Kaiser. Balestrand, 25. Juli. Der Kaiser unternahm heute bereits vor dem ersten Frühstück einen Spaziergang. Heute nachmittag findet ein Tanzfest auf derHohenzollern" statt. Das Wetter ist andauernd schön. Die Rückkehr nach Swinemünde soll am 3. August abends erfolgen. An Bord ist alles wohl.

Die Zusammenkunft v. Bethmann-Hollwegs mit dem Gra­fen Berchthold wird, wie nunmehr feststeht, auf österreichischem Bo­den erst Anfang September nach Beendigung der Badekuren beider Staatsmänner stattfinden.

Die Arbeiten am Reichshaushalte. Berlin, 25. Juli. Die Arbeiten zur Fertigstellung des Reichsetats sind in vollem Gange. Dem Vernehmen nach besteht die Absicht, spätestens Anfang Ok­tober die Ausstellung des Reichshaushaltsentwurfes zu beenden, damit der Reichstag den neuen Etat gleich bei seinem Zusammen­tritte vorfinden und möglichst noch vor Weihnachten in die zweite Lesung eintreten kann, um die Etatsberatung vor dem im kommen­den Jahre recht frühzeitigen Ostertermine zu beendigen.

Die kommende Besitzstcuer. DieFrankfurter Zeitung" hatte an den Reichskanzler die Forderung gestellt, eine Mitteilung darüber ergehen zu lassen, welche Besitzstcuer er vorzulegen gedenkt. DieBerl. Polit. Nachrichten" schreiben dazu: Zur Erfüllung einet Forderung derFrankfurter Zeitung" hat der Reichskanzler keine Verpflichtung. Was aber in bezug auf die Ausführung des be­kannten Besitzbesteuerungsbeschlusses des Reichstages geschieht, ist bekannt. DasReichsschatzamtarbeitet.wiewirbe- reits mitgeteilt haben, Vermögens-und Erb» schaftssteuerentwürfe aus; es tut dies, um dem Be­schlüsse, der die Einführung allgemeiner Besitzsteuern ver­langt, gerecht zu werden. Denn es ist nicht ersichtlich, welche an­deren Besitzsteuern als allgemeine anzusprechen sind.

Schwedische Journalisten in Deutschland. Berlin, 25. Juli. In Erwiderung des Besuches, den vor zwei Jahren eine Anzahl deutscher Journalisten auf Einladung der schwedischen Presse in Schweden abgestattet haben, werden Anfang September Vertreter der Presse Schwedens in Deutschland eintreffen und nach mehr­tägigem Aufenthalt in Berlin den Einladungen von Vertretern der Presse in Dresden, Leipzig, Bremen, Hamburg und Lübeck Folge leisten. Zwischen dem Aufenthalt in Leipzig und Bremen findet auf Grund einer besonderen Einladung ein Besuch der Kruppschen Werke in Essen statt.

Ruhrerkrankungen. Berlin, 25. Juli. 'Beim militärischen Arbeitskommando auf dem Truppenübungsplatz Döberitz sind in den letzten Tagen 6 Mann an ruhrverdächtigen Erscheinungen er­krankt. Bei vier von den Erkrankten ist bakteriologisch Ruhr fest- gestellt worden. Der Verlauf der Krankheit ist durchweg leicht. Die Militärbehörde traf alle Vorkehrungen, um der Wcit-rver- breitung der Krankheit vorzubeugen. Es wird angenommen, datz die Krankheitsfälle mit der vorjährigen Ruhrepidemie ursächlich zusammenhängen.

Der Umfang der öffentlichen Arbeitsnachweise in Deutschland. Der Umfang der öffentlichen Arbeitsnachweise geht aus neuen Angaben hervor, die soeben bekannt werden. Im Berichtsjahre 1910 umfaßte die Tätigkeit des Nachwcisverkehrs auf dem deutschen Arbeitsmarkt, mit Ausschluß der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung, ungefähr 3 Millio­nen Vermittelungen. Gegen das Jahr 1909 ist eine erhebliche Steigerung zu verzeichnen. Von dieser Tätigkeit entfallen auf die öffentlichen Arbeits­nachweise 1087 439 (1909 915 331) Vermittlungen, auf die Arbeigeber- nachweise 915 238 (504 319), die Arbeiternachweise rund 300 000 (1909 ebenso), die Herbergen zur Heimat 159119 (133 899), die paritätischen Facharbeitsnachweise rund 120 000 (1909 ebenso), die Jnnungsnachweise umd 200 000 (1909 ebenso), die kaufmännischen Vereine 35 712 (30 476), die Vereine technischer Angestellter 2026 (1812). Die landwirtschaftlichen Vermittelungen vermittelten an ausländischen Wanderarbeitern 102 907 (80 052), an ständigem Personal 10 235 (7782). Die Zahl der industtiel- len ausländischen Wanderarbeiter betrug 10 419 (9093). Die Gesamtzahl der öffentlichen Nachweise betrug zu Beginn des Jahres 1911 475, d. h. gemeintliche oder gemeintlich unterstützte. i

Der Fall Bredereck.

Der Berliner Rechtsanwalt Bredereck hatte seinerzeit seinen Mandanten, den Defraudanten Haase überredet, daß er ihm den Versteck des von ihm veruntreuten Geldes anvertraue, und daß er ihn ermächtige von dieser Mitteilung dem Untersuchungsrichter gegenüber Gebrauch zu machen, sodaß das Geld wieder herbeige­schafft werden konnte. Auf Herbeischaffung des Geldes aber waren 4009 <M Belohnung ausgesetzt worden, auf die nun eigenartige»1 weise der Rechtsanwalt Anspruch erhob. Da» Verfahren wuMj'