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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilagen
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Lie „Cbcrljtfiifdje Rettung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch-- die Post bezogen 2.25 <M söhne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition <Markt 21) 2.00 * frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Freitag, 19. Juli
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47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Deutsches Reich-
— Zur Schweizerreise des Kaisers. Vertin, 17. Juli. Wie eine Berliner Korrespondenz wissen will, beabsichtigt man in Frankreich, zum diesjährigen Schweizer Herbstmanöver, zu dem bekanntlich Kaiser Wilhelm seine Anwesenheit zugesagt hat, eine besondere französische Mission zu entsendeir. Sie soll aus einer Reihe von Offizieren bestehen, an ihre Spitze soll der Divisionsgeneral Pau gestellt werden, Mitglied des Obersten Kriegsrats. Diese Maßnahme entspricht offenbar dem Wunsche, zugunsten Frankreichs eine Art von Gegengewicht gegen etwaige Wirkungen des Besuches des Kaisers in der Schweiz auszuüben.
— Aus dem „Reichsanzeiger". Berlin, 17. Juli. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser verlieh dem ordentlichen Professor der medizinischen Fakultät an der Universität Bonn, Geheimen Medizinalrat Karl Binz, den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub.
— Der Reichshaushaltsetat für 1913 wird dem Reichstage bei seinem Zusammentritt im November vorgelegt werden.
— Angebliche Friedensbestrebungen Deutschland-. Im „Echo de Paris" taucht wieder einmal die Behauptung auf, daß Deut'ch- land eine besondere Tätigkeit in der Friedensfraqe entfalte. Wie alle früheren ähnlichen Ausstreuungen ist, so schreibt die „R. p. C." auch diese unbegründet. Deutschland denkt so wenig wie andere Mächte daran, in der Friedensfrage Schritte zu tun. die mit den Auffassungen der kriegführenden Teile nicht in Einklang zu bringen wären.
— Schwarzburg-Rudolstadt. Rudolstadt, 17. Juli. Der Landtag ist zum 4. September einberufen worden. Die sozialdemokratische Mehrheit beabsichtigt, wieder den Genossen Winter (Frankenhausen) zum Präsidenten zu wählen.
— Fünf Deutsch« in Marokko ermordet? London, 17. Juli. Der „Daily Telegrapb" meldet aus Madrid: Ein Telegramm ans Ceuta, das von Montag abend datiert ist, berichtet, daß vor einigen Tagen die Gebrüder Mannesmann, begleitet von einem Direktor der Gesellschaft und dem Dektor Hessen von Tetuan in einer Motorjacht aufgebrochen sind, um das Gebiet von Gomora, wo sie große Bergwerke besitzen, die auch unter deutschem Schutze stehen, aufzusuchen. Einige den Gebrüdern Mannesmann feindlich gesinnte Mauren zwangen die Deutschen, sich zurückzuziehen und verlangten eine Gebühr von 30 Duros pro Kopf, weil die Deutschen ihr Gebiet betreten hatten. Die Deutschen haben die Strafebezahlt. Als sie zurückkamen, erfuhren sie, daß fünf ihrer Landsleute von den Kabylen in Gomora getötet worden waren. Einer der Gebrüder Mannesmann hat sich nach Tanger begeben, um den dortigen deutschen Vertreter über die Vorgänge zu unterrichten. — Bei dem Berliner Auswärtigen Amte ist allerdings von dieser Meldung noch nichts bekannt, und man muß abwarten, ob sie sich bestätigen wird.
— Flottenmanöver. Kiel, 17. Juli. Das zweite Geschwader der Hochseeflotte verließ heute vormittag den Hafen. Die Aufklärungsschiffe folgen heute abend. Um 8 Uhr abends vereinigen sich sämtliche Geschwader bei Gabelsflach zu einem Ostseemanöver.
— Die Einbringung eines Besitzstenergesetzentwurfs durch die verbündeten Regierungen im Reichstage steht, wie die ,.N. p. C." sicher mitteilen kann, fest. Der vom Reichstage angenommene Antrag auf Vorlegung eines entsprechenden Gesetzentwurfs bildet
(Nachdruck verboten.)
Unterlegen. •*-
; Novelle von D. Feußner.
(Forttohung.)
Segen Mittag traf bann auch Karls Mutter — eine korpulente Dame — ein und ging sofort zu ihrem kranken Sohne. Dieser machte auf sie aber garnicht den Eindruck eines Kranken, im Eegenteli, er schien ihr gesünder, denn je. Und dieses lieh sie die Schwiegertochter auch sofort fühlen.
„Was — fällt — Dir — denn — eigentlich — ein —“ fing sie schwerfällig und unbeholfen an, „mich — in — eine — solche — Angst — zu — jagen —. Ich — glaube — Du — bist — krank —, wenigstens — nicht -- recht — gescheut — kommst — Du — mir — vor —.“ *
„Nicht wahr, Mutter, ich bin doch garnicht krank?" unterbrach sie Karl.
„I — bewahre — mein — Junge, — Du — bist — nicht — krank —, möchte — wißen, — was — Dir — fehlen — sollte?"
Josephine war totenbleich geworden und richtete ihren Blick starr aus di« Schwiegermutter, dann drehte sie sich langsam um und verlieh das Zimmer. Der ganze Groll gegen die ihr bisher zuteil gewordene Behandlung rang mit einmal nach Befreiung. In ihrer Brust bereitete sich eine Eruption vor, die, wenn noch länger durch die Banden des Schweigens niedrrgehalten, den Tempel der klaren Vernunft zerstören würde.
„Nun — sieh — doch — nur — die — timpliche — Eans —“ fing die alte Frau Tn ihrer gewohnten langsamen Weise an. „Habe — ich — Dir — nicht — gleich — gesagt. — Du — solltest — die — Zierpuppe — nicht — heiraten. — aber — ihr — jungen — Leute — bildet — euch — rin —, man — wollte — sich — eurem — Glück — entgegenstellen — anb — rennt — erst — rech! — mit — Volldampf — hinein — in — den — Ehehafen, — aber — hernach — kommt — dann — die — Reue; — ja — ja — mein — Junge. — so — ist — es."
„Mutter, Josephine ist eine gute Frau."
„Gute — Frau — sagst — Du? — Mit der — Schönheit — ist — das — Gute — nicht — immer — verbunden. — Arbeiten — mag —> sie — nicht — und — und —
.Aber ich bitte Dich Mutter," unterbrach sie Karl, „ich habe immer
einen Bestandteil des bezügl. Gesetzes, das nach der Zustimmung der verbündeten Regierungen in Kraft getreten ist. Damit hat die Regierung die Vorlegung eines Gesetzentwurfs im Sinne des vom Bundesrat angenommenen Antrages des Reichstages übernommen und wird demgemäß auch verfahren.
— Vertrauensbruch. Berlin, 17. Juli. Wieder einmal ist dem „Vorwärts" ein Schriftstück infolge groben Vertrauensbruches auf den Redaktionstisch geflattert. Es ist eine Mitteilung der Schichauwerft an das Marineamt, in der geschrieben wird, daß zwar das Liniens^ff „Oldenburg" trotz des Streiks rechtzeitig fertiggestellt werden würde, daß es aber nicht gelingen werde, dies bei dem „König Albert" zu erreichen, da auch nach Beendigung des Streiks sich die Leistungsfähigkeit der Arbeiter infolge der Verhetzung erheblich vermindert habe. Daß der „Vorwärts" erklärt, die unverhältnismäßig niedrigen Löl :e bei Schichau seien allein Schuld an diesen mißlichen Verhält, ssen, ist wohl selbstverständlich, ändert aber nichts an der Tatsaä ', daß das Eenoßen- organ wieder einmül infolge Vertrauensbruc'"s zu einer Mitteilung gekommen ist, die nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war.
— Spionageaffiire Kostewitsch. Der Beschluß des Untersuchungsrichters in der Spionagesache Kostewitsch, demzufolge der verhaftete russische Gardekapitän am Montag nach.Leipzig übergeführt werden wird, läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß das gegen Kostewitsch gesammelte Material genügt, um das Hauptverfahren wegen Spionage gegen ihn zu eröffnen. Der Prozeß dürfte schon in allernächster Zeit vor dem Reichsgericht zur Verhandlung kommen.
— Typhuserkrankungen sind in den letzten Tagen in Dresden vorgekommen. Im ganzen sind erkrankt oder krankheitsverdächtig in Dresden ungefähr 60, in den umliegenden Ortschaften ungefähr 20. In den beiden städtischen Krankenhäusern liegen 53 Erkrankte, darunter 9 auswärtige. Heute sind zwei Personen neu erkrankt. Um eine Epidemie handelt es sich nach der genaueren Untersuchung nicht. Grund zur Beunruhigung liegt auch nicht vor, zumal alle Vorsichtsmaßregeln getroffen find.
— Die deutschkonservative Partei gegen neue Steuer«. Eine bemerkenswerte Erklärung über die Stellungnahme der deutschkonservativen Partei zu der Frage der neuen Besitzsteuern veröffentlicht die parteiamtliche „Konservative Korrespondenz": „Ein wirklicher Finanzbedarf für ein durchgreifendes Besitzsteuerprojekt ist nicht vorhanden. Steuern haben den einzigen Zweck, dem Staate die erforderlichen Mittel zu beschaffen; Steuern auf Vorrat zu bewilligen, dazu werden die Konservativen schwer bereit sein. Sollten die Verhältniffe sich ändern und namentlich neue Bedürfnisse des Reichs die Erschließung neuer Einnahmequellen erfordern, dann wird unsere Partei nicht versagen. Die Finanzen des Reichs werden durch die letzte Reichsfinanzreform auf eine so gesunde Grundlage oestellt, daß es hoffentlich in absehbarer Zeit nicht notwendig sein wird, das Volk durch die Einführung neuer Steuern neuerdings zu beunruhigen." Hoffen wir dies?
— Seuchenstatistik. Berlin, 17. Juli. Nach den Veröffentlichungen im Ministerialblatte für Medizinalangelegenheiten sind im preußischen Staate in der Zeit vom 28. April bis zum 1. Juni d. I. nachstehende Erkrankungen (Todesfälle) an übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: Diphtherie 6379 (448), Fleckenfieber 0 (—), übertragbare Genickstarre 18 (12), Kindbettfieber 3395 (109), spinale Kinderlähmung 5 (—), Körnerkrankheit 1190, Lungen- und Kehlkopftuberkulose (4314), Milzbrand 23
steuern muffen, sie arbeitete mir zu viel. Nein, damit tust Du ihr ganz gewiß uniecht."
„Verteidige — sie — auch — noch, — wirst — schon — sehen —, wirst — schon — noch — anders — denken — lernen."
„Ich kenne Josephine."
„Ich - auch."
Beide schwiegen eine Weile. Plötzlich stand Karls Mutter auf und sagte: „Ich — muß — Josephine — doch — einmal — allein —sprechen. — Wo — wird — sie — denn — hingegangen — sein?"
„Wahrscheinlich ist sie im Garten, sei aber bitte nicht allzu hart gegen sie!"
„Ich — weiß, — was — ich — zu — tun — habe." Mit diesen Worten ging sie etwas schneller, als es sonst ihre Art war, aus dem Zimmer und hinunter in den Garten, wo sie Josephine auch richtig antraf.
.„Nun, — was — bringst — Du, Mutter?" fragte die junge Frau in sanftem Tone und ging der Ankommenden entgegen. Der Sturm in ihrem Innern hatte sich schon wieder etwas gelegt; sie besaß eben eine geradezu heroische Beherrschungskraft.
„Ist — da, — vielleicht — eine — Art — und — Weise, — wenn — ich — da — bin, — so — ohne — weiteres — aus — dem — Zimmer — zu — laufen, — um — wie — ein — gescholtenes — Schulmädchen — zu — schmollen?" fing die Schwiegermutter, endlich etwas schneller sprechend, an.
„Vielleicht war es gut, daß ich ging, und vielleicht wolltest du ja auch gern auf einige Minuten mit Karl allein sein."
„Ich habe mit deinem Mann keine Eeheimniffe zu besprechen, wohl aber muß ich mit dir ein paar Worte reden." Ein Funken von mütterlicher Besorgnis war doch in ihr erwacht und hatte ihr einige Unruhe bereitet, denn mit der Krankheit ihres Sohnes mußte es am Ende doch etwas haben, und das wollte, das mußte Frau Vogel, die Aeltere, erfahren. „Sag' mal, Josephine", fuhr sie fort, „wie bist du denn eigentlich auf den Gedanken gekommen, dein Mann sei krank?"
„Durch die Ueberzeugung, daß er wirklich krank ist."
„Er ist nicht krank I" rief die alte Frau, gleichsam, um sich selbst zu trösten.
„Dann weißt du ee eben besser, als die Aerzte, denn alle, welche ich bisher fony ..e, hielten Karl für krank. Zwar sagten fie mit nie
I (2), Pocken 46 (7), übertragbare Ruhr 37 (3), Scharlachfieber 6107 (279), Trichinose 0 (—), Unterleibstyphus 673 (91), Fleisch-, Fisch- und Wurstvergiftung 116 (2), Bißverletzungen durch tolle oder tollwutverdächtige Tiere 15. Von den Erkrankungen (Todesfällen) entfielen 5 tö) auf Schlesien, 3 (2) auf Westfalen, 5 (1) auf die Rhejnprovistz und 5 (6) auf die übrigen Provinzen.
Auslimd.
** Hervös Begnadigung und sein Dank. Wir hatten schon kurz berichtet, daß unter denen, die der Amnestie gelegentlich des französischen Nationalfeiertages teilhaftig wurden, sich auch der Antimilitarist Hervö befindet. Dieser war bekanntlich 1911 wegen einer wüsten antimiltaristischen Propaganda zu insgesamt sechs Jahre Gefängnis verurteilt worden. Weit entfernt nun davon, dankbar für die Abkürzung seiner Strafe zu sein, veröffentlicht er ein-Schreiben an den Ministerpräsidenten und an den Justiz- minister folgenden Inhalts: „Bevor ich die Zelle verlaße, in der ich durch Ihre Unverschämtheit und Dummheit und durch die Ihrer Vorgänger und des republikanischen Parlaments wegen eines Zeitungsartikels 26 Monate lang faß, und das im 20. Jahrhundert, suche ich die Worte, um Ihnen für Ihre Gnade zu danken. Ich finde nur ein Wort, das Wort Cambronnes ... Ich richte dieses Wort an Sie als Zeichen meiner Dankbarkeit. Hervö." Der Inhalt des Schreibens wird verständlicher, wenn man hinzufügt, daß „das Wort Cambronnes" eine verzweifelte Aehnlichkeit hat mit der berühmten Aufforderung Götz von Berlichingens. Demnach scheint es, als ob der Enadenakt bei Hervö auf recht unfruchtbaren Boden gefallen ist und man muß sich wundern, daß die Pariser Preffe angesichts dieser Brüskierung mit ihm im allgemeinen einverstanden ist.
•** Strafanzeige der ausgewiesenen Abgeordneten. Ofen, 16. Juli. Zweiundsiebzig oppositionelle Abgeordnete, die mit Polizeigewalt aus dem Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses entfernt worden waren, haben gegen den Grafen Stephan Tisza und die Polizeibeamten, die bei der Ausweisung mit wirkten, beim Strafgerichtsbofe Strafanzeige wegen Gewalttätigkeiten-erstattet
** Besuch des Königs von Spanien in Marokko. Paris, 16. Juli.^Aus Tanger läßt sich die „Libertö" melden, daß die spanischen Behörden davon benachrichtigt wurden, daß König Alfons nach Beendigung der spanisch-französischen Verhandlungen die spanische Einflußsphäre in Marokko besuchen werde. Er werde nach den Städten Ceuta, Tetuan, Larrache und Elkaßar kommen. Dazu meldet noch der „Temps", daß die Spanier zwischen Tetuan und Larrache bereits einen förmlichen Boulevard angelegt haben, auf welchem ein reger Verkehr von Kraftwagen und Fahrzeugen mit Materialien aller Art herrscht. Ueber den Negronfluß haben die Spanier eine Zementbrücke gelegt.
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Marburg und Hmgegenb«
Nachdruck aller Orglnalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberheff Ztg." gestattet )
Marburg, 18. Juli.
* Akademischer Gottesdienst. Der letzte akademische Gottesdienst in diesem Semester soll am Sonntag, den 21. Juli, %10 Uhr in der reformieren Stadt- und Unioersitätskirche gehalten werden. Profeffor D. Simons wird predigen.
* Beamtenperfonal-Rachrichten. Ernannt: der Eerichtsaßeßor Hückmann aus Homburg v. d. H. zum Amtsrichter in Fritzlar; der Amtsgerichtssekretär Stingel in Neukirchen zum Stellvertreter des etwas genaueres, bis heute morgen unverhofft ein junger Arzt, namens Kellermann, kam, meinen Mann untersuchte und mir klaren Wein ein- schentte.--Karl ist so krank", fuhr sie nach einer kleinen Pause fort
--„daß er in eine Anstalt für---“
„An--Anstalt--für--für--Verrückte--wohl
--gleich!" schrie jetzt die alte Frau förmlich. „Du Satan, Du, das hat kein Arzt gesagt, nnd wenn es einer gesagt hat, dann ist er nicht recht gescheut gewesen,--wie du nicht recht gescheut bist. Wenn du gerne
wieder von deinem Manne loskommen willst, braue ihm doch lieber gleich ein Trünkchen, das ihn für immer heilt, bann kannst du nachher machen, was du willst."
Ans der alten schwerfälligen Frau war plötzlich eine Furie geworden, um eine scharfe Geißel über ihrem Opfer zu schwingen. Aber Josephine war in diesem Augenblick auch eine Andere, denn hochaufgerichtet und mit seltsamen Blicken stand sie vor der erzürnten Schwiegermutter, willens, jeden Schlag zu parieren, jede erniedrigende Verdächtigung von sich zu weisen. Ihre Stimme klang fast drohend, als sie sagte: „Jetzt ist es aber genug, Mutter! Engelsgeduld müßte ich haben, um noch länger schweigen zu können. Da ich diese aber nicht habe, fe kann ich auch nicht länger mehr schweigen, nicht mehr länger dulden, daß mich die Mutter meines Mannes so maßlos verdächtigt. Du stellst mich hin als eine, gegen welche die verworfenste Dirne ein Engel tft, du dichtest mir dämonische Eigenschaften an und weißt nicht, daß du mich dadurch ins Herz triffst. Drum wird es dich auch nicht wundern, wenn ich dir sage, daß wir beide nicht länger unter ein und demselben Dache weilen können, eine wird, eine muß von hier weichen, und das wirst du sein! Hoffentlich hast du mich verstanden?"
Josephine schwieg und sah ihr Gegenüber scharf an. Die Wirkung ihrer Worte war nicht gering, denn die alte Frau rang mühsam nach Fassung. Sie erkannte die sonst so sanfte Schwiegertochter nicht mehr wieder. Aus deren Blicken sprach etwas „Rätselhaftes". Ein grenzenloses Weh, und dieses doch nicht allein, eine Art Verzweiflung und doch nicht die, welche kampflos die Wogen des Geschickes über sich zusammenschlagen läßt, sondern eine Tat zu begehen gedenkt, welche dein Bewußtsein entspringt: „Ich spiele den letzten Trumpf aus und laße mich über das, was ich jetzt noch tun werde, nicht mehr zur Rechenschaft ziehen. — Braust-über mich, Unglückswogen, wenn thr wollt, begrabt mich iw eurem Schoße!" (Fortsetzung folgt.) .