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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilagen
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Die „Cbetliefiiidit,Rettung" erf'djeint täglich mit Ausnahme Der Donn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 Jt (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei in« Hau». (Für unver- langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlandet Untv.-Buchdruckerei Z. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Donnerstag, 1. Juli
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der „Villa Hügel". Am nächsten Tage soll in Gegenwart des Monarchen eine mächtige Erinnerungsplatte in der Fabrik gewalzt werden. Hieran wird sich ein Festspiel in Form eines Tourniers anfchließen, in dem 24 gepanzerte Reiter auf gepanzerten Rosien ihre Lanzen mesien sollen. Weitere Darbietungen haben aus Mangel an Zeit abgelehnt werden müsien, u. a. auch eine geplante Huldigung der christlich-nationalen Arbeiterschaft.
47. Jahrg.
1912.
Aus der türkischen Kammer.
Der türkische Minister de» Aeustern gab in der Kammer ein Expose, indem er u. a., wie wir bereite gestern berichteten, die delikate Stellung Oesterreich-Ungarns und Deutschlands zu den beide« kriegführenden Rationen anerkannte. Trotzdem aber hätten Italiens Verbündete, die die Freunde der Türkei seien, es an Beweisen der Freundschaft nicht fehlen lasien, was Dank verdiene. Der Minister widerlegte sodann die Behauptungen, daß Schwierigkeiten zwischen der Türket und Rußland aufgetaucht seien, welche eine zum Kriege führende Richtung genommen hätten. Rußland, das ebenso wie die anderen Mächte durch den gegenwärtigen Krieg in Besorgnis versetzt sei, habe selbst gewisse Schritte unternommen, um der blutigen Tragödie ein Ende zu machen. Sie blieben erfolglos. Der Minister schloß mit der Bemerkung, daß die Beziehungen der Türkei zu den Valkanstaaten selbst während des jetzigen Krieges sehr intim seien. Später ergriff dann der Großwesir das Wort. Er bezeichnete als Programm der Regierung in Bezug auf den Krieg die unbeschränkte und tatsächliche Anerkennung der Rechte der Türkei. Er ging dann auf den Angriff auf die Dardanellen, die Schließung und Wiedereröffnung derselben ein. Die Pforte erklärte bei dieser Gelegenheit, sie würde die Meerenge wieder schließen, sobald ein neuer Angriff Italiens stattfinde. Die Besetzung der Inseln im Aegäischen Meer werde natürlich nicht von Dauer sein, wenn auch manche daraus den Nutzen zu ziehen wünschten. Die Türkei würde dies als einen Angriff auf ihre Unantastbarkeit onsehen, die alle Osmanen verteidigen würden. Wenn die Italiener andere Inseln angreifen wollen, so würden die Dardanellen zur Vorsicht wieder geschlosien. In Smyrna sei ein großes Armeekorps gebildet, zum Schutze der Dardanellen seien gleichfalls beträchtliche Truppenmasien zusammengezogen. Bezüglich der italienischen Angriffe im Roten Meer erklärte der Eroßwesir, die Pforte teilte den Mächten mit, daß sie Angriffe auf Pilger als inhuman betrachte. England nahm die Erklärung günstig auf und sei in Rom vorstellig geworden. Der Krieg w erde nicht ewig dauern und werde mit einem Frieden enden, aber das bedeutet nicht, daß die Türkei sofort Frieden machen wolle. Die Bedingungen müßten vielmehr annehmbar fein. Man habe der Türkei gewisie Anerbietungen für den Frieden gemacht. Die Bedingungen genügen aber nicht für den Frieden. Die Entschädigung könne in zweiter Linie diskutiert werden. Das Ziel der Regierung sei jedoch die unbeschränkte tatsächliche Aufrechterhaltung der Souveränität. Das Land könne nicht für Geld verkauft werden. (Beifall.) Der Eroßwesir erinnerte an die Gerüchte betreffend den Schritt Rußlands wegen der Dardanellen und den Schritt der Pforte in Petersburg, wobei diese ihr Erstaunen ausgedrückt habe. Mit England habe die Pforte einige Meinungsverschiedenheiten über die Eisenbahn und andere Fra- ißen, welche das Kabinett beizulegen wünsche. Zur Kretafrage führte der Eroßwesir aus, daß der Schritt der Regierung und der Schutzmächte den Rechten der Türkei Achtung verschaffte und daß >«uch Griechenland gemäß der Haltung der Mächte sie respektiere. Der Eroßwesir erstattete sodann ein längeres Expose über die fnnere Politik.
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Deutsches Reich.
— Der Kaiserbesuch bei Krupp. Esten, 16. Juli. Im Anschluß" an die Nordlandreise wird der Kaiser, wie bereits bekannt, nach Esten gehen, um der Jahrhundertfeier der Firma Krupp persönlich beizuwohnen. Aus dem Programm der Festtage wird folgendes bekannt: Es ist zunächst eine offizielle Begrüßung durch die Stadt vorgesehen. Hierauf begibt sich der Kaiser in das Verwaltungsgebäude der Krupp-Werke, um dem eigentlichen Festakt beizuwohnen. Auf dem Hügel ist ein besonderer Saal gebaut, in dem später das große Festmahl stattsindet. Der Kaiser übernachtet in
Das Tor des Lebens.
Roman von AnnyWothe.
16 (Nachdruck verboten.)
(Copyright 1910 by Voll & Pickardt, Berlin.)
(Fortsetzung.)
„Uebermut? War es Uebermut, der Sie zwang, mit den Herzen, die sich leider Ihnen wir der Hexe da oben auf dem alten Felsen am Rheinstrom willenlos zuneigten, Ihr frevelhaftes Spiel zu treiben? War es Uebermut, der Sie zwang, mir damals in jener mondhellen Zaubernacht zu sagen, daß Sie mich lieben, während Sie sich kurz vorher mit jenem armen Kerl fürs Leben versprochen hatten, den ich einen Lugner schalt, als er mir eines Tages strahlend versicherte, daß Sie feine Braut seien? Ich habe damals, als ich Klaus Wolfert zur Mensur bis zur Abfuhr forderte und ich ihm eins fürs Leben versetzte, nicht gewußt, daß er im Recht war. Ich habe nur gehört, daß Sie Ihr Verlöbnis mit ihm, meine Küste auf den Lippen, nicht gehalten haben, und daß mein Gegner damals fast mit seinem Leben Ihre Schuld gezahlt. Ich habe bitter an der Erinnerung gelitten, und als ich eines Tages la Wiesbaden einen siechen Mann im Rollstuhl sah, der nicht älter war als ich, und der doch einem Greise glich, da — da haßte ich Sie, die Sie eine so grenzenlose Schuld auf meine Seele gewälzt durch Ihr kokettes Spiel und Ihre herzlose Art, mit der Sie über Menschenglück und -leben schritten. So, das wollte ich Ihnen sagen, die Sie den Mut gehabt, mit hier den Weg zu kreuzen, der jetzt frei vor Ihnen liegt. Steigen Sie hinab nach Mariaspting, lachen, kokettieren Sie weiter wie einst mit den Studenten in Bonn. Wiegen Sie sich weiter im Tanze, wie vorhin mit dem leichtfertigen Eschenbach, schmiegen Sie sich in seine Arme sootel Sie wollen, mich soll'? nicht kümmern, aber hüten Sie sich, je wieder etwas zu tun, woran sich wie einst zwei Menschenleben verbluten, da» eine in unerwiderter Liebe, al» Sie sich van dem Kranken,
— Der Reichskanzler. Berlin, 18. Juli. Der Reichskanzler hat sich über die Eindrücke und Ergebnisie seiner russischen Reise zu seiner hiesigen Umgebung in höchstem Maße befriedigt geäußert. Er wird zunächst noch einige Tage hier bleiben, um verschiedene laufende Geschäfte zu erledigen, dann wird er nach Hohenfinow übersiedeln, wo er bis zur Rückkehr des Kaisers bleibt. Nach den Esiener Jubiläumsfeierlichkeiten wird er seine Badereise nach Gastein antreten. Während seines Aufenthalts in Oesterreich wird er Gelegenheit nehmen, mit dem österreichischen Minister des Aeußern zusammenzutreffen und so desien Besuch in Berlin zu erwidern.
— Zur Dresdener Univerfitiitsfrage. Dresden, 15. Juli. Wir hatteq»Mitgeteilt, daß die sächsische Staatsrcgierung zur Dresdener Universttätsfrage eine ablehnende Erklärung abgegeben hat. Die „Dresdener Nachrichten" bemerken dazu: „Ob mit dieser Erklärung das letzte Wort in der für Dresden so bedeutsamen Angelegenheit gesprochen ist, steht dahin. In Dresden wird man jedenfalls in weiten Kreisen von dieser Stellungnahme der Regierung mit schmerzlichem Bedauern Kenntnis nehmen.
— Die Deutschen in Tarudant haben nach einer Blättermeldung am 11. Juli Agadir zur See verlasien und sind nach Mogador abgereist.
— Die deutsche Auswanderung 1911. Berlin, 16. Juli. Im Jahre 1911 sind nur 22 690 Deutsche ausgewandert, während die Zahl der deutschen Auswanderer im Jahre vorher 25 531 betragen hatte. Die niedrigste Ziffer hatte seit 40 Jahren das Jahr 1908 mit 19 883 Auswanderern aufgewiesen.
— Der Spionagefall Kostewitsch. Berlin, 16. Juli. Zur Spionageangelegenheit des russischen Hauptmanns Kostewitsch verlautet, daß gestern der Untersuchungsrichter beim Reichsgericht, Landgerichtsdirektor Groß aus Leipzig in Berlin eingetroffen ist, um die weitere Untersuchung zu leiten. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte diese Ende dieser oder Anfang nächster Woche abgeschlossen werden.
— Der Präsident der Reichsversicherungsanstalt über Pensionsberech- ttgung der Beamten. Der Präsident des Direttottums der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte hat vor kurzer Zett'eine Erklärung über den Umfang der Pensionsberechtigung und Hinterbliebenenfürsorge der bei der Reichsversicherungsanstalt anzustellcnden Beamten abgegeben. In der Entscheidung weist der Präsident "herauf hin,, daß die Büro-, Kanzlei- und Unterbeamten kündbar angestellt werden. Desgleichen wird ihnen eine Pensionsberechtigung nicht zugebilligt Die Beamten der Reichsversicherungsanstalt sind darum vor ihrer Anstellung zu fragen, ob sie unter diesen Umständen beabsichliaen. die Stellung bei der Reichs- versicherungs anstatt anzunebmen. Sie werden zugleich darauf hingewiesen, daß sie aus der Angestelltenversicherung Ansprüche auf Pension und Hinterbliebenenversicherung haben.
— Bei der Neufassung der Anvkührungsbestimmungen zum Reichsstempelgesetz sind eine Reihe von Bestimmungen, die weniger die Ausführung als vielmehr die Auslegung des Gesetzes betrafen, zunächst aus- geschiedrn worden. Diese Besttmmungen sind nunmehr besonders zusam- mengestM^ durch eine Reihe anderer Vorschriften, die in der Praxis des Reichsstempelgesetzes hervorgetretene Zweifelsfragen lösen, ergänzt und in dieser Form als „Grundsätze zur Auslegung des Reichsstempelgesetzes" vom Bundesrat genehmigt worden. Diese für die Anwendung des Gesetzes vielfach grundlegenden Vorschriften sind soeben in einem Sonderhefte veröffentlicht worden, desien buchhändlerischer Vertrieb Carl Hey- manns Verlag, Berlin W. 8, Mauerst:. 43/44, übertragen worden.ist. Der Ladenpreis beträgt 30 Pf.
Elenden entsetzt abwandten, das andere in tiefer, aualvoller Reue. Witten Sie Klaus Wolferts Weib geworden, ich hätte Sie gesegnet! Daß Sie ihn verließen, macht mich schaudern, trotzdem ich Sie geliebt habe, wie wohl selten ein Weib."
Gerhards Stimme brach: aber gleich hob er fast unwillig den dunklen Kops, und sein Blick traf Hari das tiefgessnkte Mädchenantlitz, das, unter der Wucht seiner Anklage leichenblaß geworden, nervös zusammen- zuckte.
„Sie verdammen, ohne gehört zu haben", rang es sich bann schwer aus Mirjams Munde. „Ich wäre lieber gestorben, als daß ich Klaus Wolferts Weib geworden wäre. Ich war ein Kind, als ich mich ihm gedankenlos verlobte, und ich schauderte nachher vor dem siechen Mann, den ich nie, niemals geliebt, und dem mein Leichtsinn fast das Leben kostete."
„Sie konnten aber gutmachen. Warum lösten Sie Ihr Wort nicht ein, wenn es auch ein Opfer war?"
Mirjam schloß die Augen. Golden glühte der letzte Schein der Abendsonne auf den goldenen Wimpern, die wie leuchtend« Flammenstreifen auf ihren Wangen lagen.
„Lurlei", dachte Gerhard wieder, und sein Auge hing wie gebannr an ihrem ganz erblaßten Munde, aus dem es sich jetzt mühsam wie in Todesschmerzen rang:
„Ich konnte nicht, weil ich einen anderen liebte, glühend, wahr und treu!"
Doktor Dendheim lachte hart auf.
„Ihr täuscht Euch selber, schöne Fee", frnttefte er. „Ihr habt kein Herz. Das seelenlose Ding da in Eurer Brust -ft zu arm, um noch irgendwelchen Glauben zu wecken. Glück auf den Weg, Frau Lurlei, und grüßt mir den Rhein! Der alt« Storni da unten, Euer, Oheim, hat gestern bei dem Kommers von den Toren des Lebens gestochen. Eines hat et vergeßen: das hemmende Tor, da» uns zurSSweist, wenn wir den glühenden Kelch an die Lipen fetzen wollen, da» hemmende Tot, das Ihr
Koloniales.
Zur «eitere» Entwicklung des Schutzgebiete» Reu-Euiuea geht das Gouvernement damit vor, das in Händen von Eingeborenen befindliche, wirtschaftlich nicht benutzte Land für den Fisku» zu erwerben, um es so zur planmäßigen Ausnutzung zu bringen. So ist auf den West-Karolinen umfangreiche» Land von den Eingeborenen erworben und an die West-Karolinen-Gesellschast verpachtet worden, die dort Kokospalmen- Plantagen anlegt.
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Ausland.
*• Unruhen i» Zürich. Zürich, 16. Juli. Die gestern verfügte Durchsuchung des Volkshauses führte nacht» zu bedrohlichen Volksausläufen, die da» Anrücken von Militär nötig machten.
M Amnestie. Paris, 16. Juli. Auf Vorschlag des Iustizminisier» Briand unterzeichnete Präsident Fallieres einen Erlaß, durch welchen den wegen politischer oder ähnlicher Verbrecher Verurteilten der Rest der abzubüßenden Sttafe erlasien wird. Unter den Begnadigten befinden sich Hervö und eine Anzahl anderer Antimilitaristen. Es wurde Befehl zur soforttgen Entlastung der Begnadigten erteilt.
•* Marokko. Paris, 16. Juli. Aus Mazagan wird mittels Funken- telegramm vom 14. Juli gemeldet: Der französische Konsul habe di« Franzosen dringend aufgefordert, Marakesch zu verlasien, da im Fall« eines Erfolges des Präsidenten El Hiba ernste Ereigniste zu befürchten seien.
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Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nut mit der deutlichen Quellenangabe „Odethesi Ztg." gestattet)
Marburg, 17. Juli.
* Ostmarkenverein. Auf der Generalversammlung am 15, ds. Mls. im Restaurant Freidhof wurde der Vorstand z. T. neugewählt. Herr Wirkt. Geh. Oberregierungsrat Dr. Steinmetz legte den Vorsitz nieder. Aus der Versammlung wurde ihm lebhafter Dank für seine langjährige Tätigkeit in der Ortsgruppe, deren Gründer er ist, ausgesprochen. Den Vorsitz übernimmt Herr Universttätskurator Geh. Oberregierungsrat Hasienpflug. Schriftführer und Schatzmeister ist jetz* Herr Dr. Gaze, Frankfurterstr. 52.
VRC. Das Marburger Rhcnanenhaus und das Oberverwaltungsgericht. Man schreibt uns: Eine Daupolizeiordnung kann nicht vorschreiben, daß in einem Landhausviertel nur Wohnhäuser errichtet werden dürfen. So das Oberverwaltungsgericht. Di« akademische Verbindung Rhenania zu Marburg a. d. Lahn wollt« sich ein Haus zur Kneipe einrichten. Die Polizei erteilte die Bau- eriaubnis, zog sie aber bald auf Beschwerden der Nachbarn zurück, die für ihren Schlaf in der Nacht fürchteten. Zur Begründung ber Zurücknahme machte die Polizei geltend, daß der Errichtung eines Kneiphauses in dem betreffenden Viertel mehrere Bestimmungen der Marburger Baupolizeiordnung entgegenstünden, insbesondere die, daß in Gegenden, für die eine landhausmäßige Bebauung vorgeschrieben sei, nur Wohnhäuser errichtet werden dürften. Der Philisterverband der Rhenania klagte darauf im Verwaltungsstreitverfahren und beantragte, die polizeiliche Verfügung, in der die Zurücknahme der Bauerlaubnis ausgesprochen wird, aufzuheben. Diesem Anträge gab der Bezirksausschuß mit ber Begründung statt, auch ein studentisches Verbindungshaus fei ein Wohnhaus. Dem stehe nicht entgegen, daß es in erster Linie Kneip- zwecken dienen solle. Die gegenteilige Auffassung der Polizei fef falsch. Gegen diese Entscheidung legte die Polizeiverwaltung Berufung ein, doch ohne Erfolg. Das Oberverwaltungsgericht wies sie in höchster Instanz zurück: In der Bestimmung der Marburger Baupolizeiordnung, daß in einem Landhausviertel nur Wohnhäuser errichtet werden dürfen, finde die Zurücknahme der Bauerlaubnis keine rechtliche Stütze. Eine solche Bestimmung sei nn« giltig, weil sie des notwendigen polizeilichen Beweggrundes entbehre. Zu demselben Thema hat der 9. Senat in einer vor zwei Jahren ergangenen Entscheidung u. a. etwa folgende» ausgeführt:
in Eurem Begebren nicht kennt, schöne Fee, und bas doch immer, dunkel, drohend, seine Pforten vor Euch verschließen sollte, weil Ihr zwei Menschen elend gemacht habt, grenzenlos elend."
Er neigte stumm das Haupt, dann schritt et vor ihr bett schmalen Burgpfad hinab.
Mirjam sah ihm mit glühenden Augen nach. Die Hände gegen di« wogende Brust gepreßt, stand sie unbeweglich und starrte vor sich hin.
Sie wußte selber nicht, was in ihrer Trust vorging.
Sie wußte nut, daß das Leben für st« nichts mehr wat al» ein flatternder Reigen. Die Sonne war längst gesunken, und Mirjam stand noch immer auf der alten Ruine. Verloren irrte ihr Blick zu dem schmalen Turm, dem Luginsland, empor, ber neben dem starken Bergfried sich so leicht empothob. Sie dachte daran, daß auf seiner Spitz« Falken horsten, und sie wünschte sich, ein Falke zu sein, um mit kräftigen Flügeln empotschweben zu können, weit hinein in unbekannte Weiten, Ihr Blick flog in bas blauende Land mit dem zitternden Sternenglanz, ber langsam auffunkelte.
Ringsherum bie schlummernde Weite.
In Mirjams Seele war etwas, das geworben war
Da unten unter den Buchen im Mondenschein wiegten sich noch immer die Paare im Reigen, und eine Lust kam plötzlich Über Mirjam, auch mitzutun. Tanzen wollte sie ohne Unterlaß.
Wit gejagt, floh sie den steilen Burgweg hinab.
Gerbard Bendheim, den sie in bet Mondnacht auf dem Rhein geküßt, sah sie nicht mehr, aber Sibo von Eschenbach, ber tanzte mit Hei« rite Gehrmann, unb diese hing so selbstverg-sien in seinen Atmen, datz Mitjam laut auflachte Über das törichte Kind.
Ein Lächeln von ihr, und Sibo stand an ihrer Sette, und er tanzt« mit ihr, nur mit ihr. und Heinrike stand blaß wie eine Ron« tm, Mondenlicht und starrte fie mit toten Augen an.
Da» war auch ei» Triumph.
«orqetzmW foV-I