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und den Beilagen' ..Nach Feierabend".ftürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage.

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1912

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Sonntag, 14 Juli

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Erstes Blatt.

Sauregmken-Zeit.

--- Die sogenannte Zeit der Sauren Gurke wird allmählich zu Wnee-Legende aus grauer Vorzeit und man mutz wirklich schon ein Journalist der älteren Generation sein, um aus eigener Erfahrung erzählen zu können, daß es einmal etwas derartiges gegeben hat, eine Zeit, wo es schwer hielt, die Spalten eines Blattes zu füllen, so daß man sich mit der berühmten Seeschlange, den hundertjähri­gen Männern und abgebrannten russischen Städten notdürftig aus der Klemme helfen mutzte. Dem Zeitungsmanns von heute klingt das fast wie ein Märchen und der von Jahr zu Jahr ungeheurer anschwellende, immer schwerer zu bewältigende Stoffandrang läßt fhn nach einer solchen Periode der Ruhe und des Stoffmangels fast wie nach einer Erlösung sich sehnen. Ganz ernsthaft gesprochen sehen wir jetzt nächstdem zwei Jahrzehnte hinter uns, in denen die politische Welt überhaupt nicht mehr zur Ruhe gekommen ist. Der japanisch-chinesische Krieg im Jahre 1894, der griechisch-tür­kische im Jahre 1897, der spanisch-amerikanische im Jahre 1898, der Burenkrieg im Jahre 1899, die Boxer-Unruhen im Jahre 1900, der südwestafrikanische Aufstand im Jahre 1903, der russisch-japanische Krieg im Jahre 1904 und die darauffolgende Revolution, Agadir und der türkisch-italienische Krieg im Jahre 1911 und dazwischen hinein der endlose, krisenreiche Marokkohandel man braucht nur diese wenigen Daten zu nennen, um ein drastisches Bild dieser Un­ruhe zu geben. Denn auch d i e Zeit ist vorbei, wo man sich behag­lich hinter dem Ofen davon erzählen konnte, wennhinten weit in der Türket" die Völker aufeinanderschlugen: es kann nichts Be­deutsames mehr vorgehen in der Welt, ohne datz wir im Herzen Europas aufs empfindlichste davon berührt würden. Und nimmt man zu dem allem noch die bunte leider aber meist nicht erfreuliche Vielseitigkeit unseres inneren politischen Lebens, die Endlosigkeit unserer parlamentarischen Tagungen, die ungeheure Ueberprodnk- tion an Gesetzen, so braucht man wirklich nicht mehr zu beweisen, datz der politische Publizist zu dem geplagtesten Geschöpfe der Ge­genwart gehört!

, Eine relativ ruhige Zeit pflegt aber doch mit der alljährlichen Nordlandreise des Kaisers zu beginnen und auch in diesem Jahre läßt sich diese Hoffnung hegen. Die Ankündigung eines unmittel­bar bevorstehenden Waffenstillstandes zwischen Italien und der Türkei dürfte sich zwar als eine Ente erweisen (wie, nebenbei be­merkt, die Meldung von einer Verlobung des Prinzen Adalbert, unseres dritten Kaisersohnes, mit der ältesten Tochter des Zaren- paares als solche sich erwiesen hat), aber auch wenn der Krieg fort­dauert, dürfte die Kaiserbegegnung in Baltischport doch die Be- fürcktung endgültig zerstreut haben, datz auf dem Balkan ein klei­ner Weltbrand sich entzünden könnte. Und damit können wir, be­scheiden wir wir geworden sind, schon zufrieden sein. Auch die Möglichkeit einer Gegenrevolution in Portugal braucht uns nicht allzusehr zu bekümmern, denn die Gewißheit, datz die Dinge dort nicht schlimmer werden können, als sie jetzt schon sind, hat immer­hin etwas Beruhigendes. Wenn Frankreich aber seine liebe Rot hat, in Marokko einigermaßen ruhige Zustände zu schaffen und wenn seine Verhandlungen mit Spanien nicht vom Flecke kommen wollen, so ist in einer solchen ziemlich schmerzensreichen Entwick­lung gerade das ein nicht unerfreuliches Moment, datz uns diese Sorgen nicht allzuviel angehen. Wir dürfen uns also doch viel­leicht anschicken, ein klein wenig Sommerpause zu machen und Ferienruhe zu genietzen; im Vergleich mit derSauregurkenzeit" von ehedem wird es immer noch lebhaft und abwechfelungsreich genug dabei hergehen?

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Politische Umschau.

Eine Red« Lord Ereys.

Wieder einmal hat sich der englische Minister Grey ausführ­lich über die auswärtigen Beziehungen seines Landes zu den an­deren Mächten geäutzert. Besonders interessiert uns Deutsche dabei, was er über die Beziehungen zu unserem Land und über die Mittelmeerfrage verlauten lieh. Er führte u. a. aus: Die Beziehungen Englands zu Deutschland seien gegenwärtig aus­gezeichnet und absolut frei von irgend einer Frage, durch die die beiderseitigen Jnteresien berührt würden. Er glaube, falls solche Fragen sich ergeben würden, ob dies nun im Zusammenhang mit den wechselnden Jnteresien in Südafrika oder aber in Verbindung mit der Vagdadbahn geschehen würde, würden beide Regierungen die steberzeugung hegen, datz ihre gegenwärtigen Jnteresien ehrlich ausgeglichen werden könnten. Ueber den Plan, die englische Flotte aus dem Mittelmeer zurückzuziehen, der nichts anderes als eine grundlegende Aenderung der traditionellen Politik Englands bedeute, führte er aus:Was das Mittelmeer anlangt, so iögere ich nicht zu sagen, datz wir bori entweder eine genü­gende Streitmacht haben oder in kurzer Zeit dort­hin entsenden muffen um jedem dort möglicherweise ein« tretenden Ereignis begegnen zu können. Uns droht augenblicklich feine Gefahr, aber wir sind im Begriff, das Mittelländische Meer aufzugeben und uns selbst in eine Lage zu -versetzen, in der wir Unsere Interessen im Mittelländischen Meer nicht schützen können. Andererseits ist es nicht nötig, eine Streitmacht tm Mittelmeer zu Unterhalten, die jeden Augenblick imstande ist, sich gegen alle Anderen Flotten zu behaupten. Gegenwärtig ist keine Aus« Acht, auf irgend einen Streit mit irgend einer anderen Macht im LJRttteliMt» vorhanden. Ich glaube nicht, daß es eine einzige

Macht gibt, die gegen uns feindliche oder nachteilige PISne er­wägt. Aber wenn wir das Mittelmeer gänzlich aufgeben, würde sich die Tendenz herausbilden, mit uns nicht mehr zu rechnen. So­weit kann ich die Dinge heute abend erkennen. Ich gebe zu, daß wir eine ausreichende Seestreitmacht im Mittelmeer unterhalten müssen, um uns zu den Seemächten des Mittelmeers zu rechnen. Die Frage des Stärkestandards kann ich nicht erörtern, aber um als eine Seemacht des Mittelmeeres angesehen zu werden, müssen wir dort über eine ansehnliche Flotte verfügen."

Rach Grey ergriff der Führer der Opposition Bonar Law das Wort. Er drückte die allgemeine Billigung für die Erklärungen des Staatssekretärs aus, kritisierte jedoch die Haltung in der Mittelmeerfrage und erklärte, Englands Mittelmeerflotte müsse stark genug sein, um jeder wahrscheinlichen Angriffskombination überlegen zu sein. Nach allgemeinen friedfertigen Worten führte er aus:Ich glaube nicht, datz ich von Natur ein Alarmlst bin, aber unsere Lage hat sich in den letzten sieben oder acht Jahren vollständig geändert. Die zweltgrötzte Seemacht steht uns gegenüber, wenige Stunden von unserer Küste. Ich glaube nicht, daß das, was ich sage, provozierend ist. Die Deutschen können mit gleicher Berechtigung sagen, datz unsere Flotte eine geladene Kanone ist, die a u f s l e g e r i ch t e t ist. Die Deutschen sind keine nervöse und schreckhafte Nation und fürchten sich nicht."

Die friedfertigen Worte des Ministers können doch nicht di« Tatsache aus der Welt schaffen, datz England von dem wichtigsten Teile seiner bisherigen Politik, dem Schutze des Mittelmeeres, absieht, um diegegen uns gerichteten Kanonen" in der Nord­see möglichst stark zu machen. Sind die Beziehungen Englands zu Deutschland wirklich so gut und sollen sie weiter so bleiben, so ist die tatsächliche Politik unverständlich.

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Deutsches Reich.

Vom Kaiser. Bergen, 12. Juli. Der Kaiser machte heute vormittag bei warmem Wetter einen Spaziergang und begab sich, alsdann auf den KreuzerBreslau", wo er mit dem deutschen Konsul Mohr und mit einigen Herren des Gefolges das Frühstück einnahm. DieHohenzollern" nahm im Hafen Kohlen ein.

Die Deutschen in Tarudant. Ueber das Schicksal der Deut­schen in Tarudant, unter denen sich zwei Herren Mannesmann oder deren Leute befinden, dürfte näheres erst bekannt werden, wenn die vom Prätendenten El Hlba nach Agadir geleiteten, dort angelangt sein werden. Nach den vorliegenden Nachrichten liegt kein Grund zur Besorgnis um das Leben der aus Tarudant aus­gewiesenen Deutschen vor. Es ist diesen zwar längst, in Anbetracht der wachsenden Unsicherheit in Südpmrokko, der Rat erteilt wor­den, das Susgeblet zu verlassen, weil für ihr Leben gefürchtet werden mutzte: indessen scheint jetzt der Prätendent El Hiba selbst für die Sicherheit während der Reise bis Agadir Sorge zu tragen. Es ist von Berlin aus noch nicht einmal festzustellen, ob es sich um einen feindlichen Akt oder einen Freundschaftsdienst vonseiten El Hibas Deutschland gegenüber handelt.

Mitwirkung der Standesämter 6er den Erhebungen über den Geburtenrückgang. Die Standesämter sind angewiesen wor­den, bei den Erhebungen über den Geburtenrückgang mitzuw-rken, damit die Unterlage für die von derNordd. Allg. Ztg." angekün­digten Maßnahmen gefunden werden. Ueber den Zeitpunkt, wann die Erhebungen zum Abschluß gelangen, lassen sich beute noch nicht Bestimmungen treffen.

Das deutsch-französische Abkommen über die Staatsangehö­rigkeit im Konqogebiet. Der französische Senat hat den Gesetz­entwurf über das deutsch-französische Abkommen wegen der Staats­angehörigkeit der Europäer und Eingeborenen in den im Kongo ausgetauschten Gebieten angenommen.

In die Lehrpläne der Mittelschulen soll eine zweite Fremd­sprache als fakultativer Lehrgegenstand ausgenommen werden, da die Prüfung-für den einjährig-freiwilligen Dienst, bei der die Kenntnis zweier Fremdsprachen verlangt wird, jetzt unmittelbar nach Abgang von der Mittelschule abgelegt werden kann, bett Prüflingen also keine Zeit bleibt, sich selbständig die Kenntnis der zweiten Sprache anzueignen.

Di« Umarbeitung der Marinestgnalbücher scheint infolge der letzten Splonagesälle aufs neue nötig geworden zu sein. Der Tägl. Rdsch." wird aus Marinekreisen geschrieben, daß mit der Umarbeitung wohl bald begonnen werden dürste. Der jetzige Departementsvorstand int Reichsmarineamt, Vizeadmiral Capelle, hat seinerzeit als Korvettenkapitän aus dem gleichen Anlaß das ganze Flaggensignalbuch schon einmal vollständig umgearbeitet. Vor drei Jahren wurde es außerdem, wenn auch nicht so durch­greifend, ebenfalls teilweise umgeändert.

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Ausland.

** Groh« Lärmszenen fn der belgischen Kammer. Brüssel, 11 Juli. In der Kammer kam es am Donnerstag nachmittag zu großen Larm- szenen, in deren Verlauf der Alterspräsident sich veranlaßt sah, die Sitz­ung auf die Dauer von dretviertel Stunden zu unterbrechen. Man hotte Ausdrücke wie Schmutzfink! Elender! Feigling! usw. Der Präsident rief zwei sozialistische Abgeordnete zur Ordnung. Am Schluß der Sitzung kam es wiederum zu ungeheuren Lärmszenen. Schließlich bezichtigten die Führer der Liberalen und der sozialisttschen Pattel den Abg. Brifaut der Feigheit und Tattlosigkeit. Unter großer Erregung wurde die Sitzung geschloffen. Infolge des Zwischenfalle» sandte bet Liberale Delvaux dem katholischen Brifaut seine Zeugen.

| * Der Bahnbau TangerFez. In der Bereinbatung übet da»

J Bahnprojett TangerFez wurde festgestellt, daß der künftigen französtsch- | spanischen Gesellschaft nut bet Betrieb bet direkten Linie TangerFez

übertragen werben soll, für bte Zweiglinien rote bie nach Larrasch wer­den andere Gesellschaften gebildet werden. Die französisch-spanisch« technische Kommission ist zu einer grundsätzlichen Verständigung in bet Frag« der Bahn TangerFez gelangt. ,

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Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß § 18 de» Urheberrecht» nur mit der deutlichen QuellenangabeOdeihess. Zig/ gestattet.)

Matburq, 13. Juli.

* Universität. Wie man aus Straßburg meldet, wird Pro­fessor Dr. Ernst Hertel, Direktor der Augenklinik zu Straßburg, dem Ruse an die hiesige Universität keine Folge leisten. Er sollte - hier an Stelle von Geheimrat Prof. Bach treten. Wie wir weiter erfahren, hat der ordentliche Professor der vergleichenden Sprach­wissenschaft an der Wiener Universität Dr. Paul Kretschmer einen Ruf nach Bonn als Nachfolger von Professor Solmsen erhalten. Prof. Kretschmer ist wirkliches Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften. 1897 kam er als Extraordinarius nach Mar­burg und Michaelis 1899 nach Wien als Ordinarius an Stelle von Hofrat Professor Müller.

* Professor Disse f. Unserer gestrigen kurzen Notiz über das Hinscheiden des ersten Prosektors am hiesigen anatomischen Uni» versttätsinstitut, Prof. Dr. Josef Disse in Bad Oberstdorf, tragen wir noch nach, daß der Verblichene von 1880 bis 1887 als Professor an der kaiserlich-japanischen Anatomie in Tokio wirkte. Von da kam er an die Universität Göttingen und spater nach Halle. Am 1. Oktober 1895 übernahm er ein Lehramt an der hiesigen Uni­versität, wo er ununterbrochen bis jetzt wirkte.

* Deutsches Schützenfest in Frankfurt. An dem nächsten Sonn­tag in Frankfurt stattfindenden großen Schützenfest beteiligt sich auch der hiesige Schützenverein. Die Abfahrt der Teilnehmer er­folgt spätestens Sonntag früh 6 Uhr 58 Min. ab Hauptbahnhof. Sammelplatz in Frankfurt: 9 Uhr am Untermainkai zwischen Nr. 48 und 54. Abmarsch 9% Uhr zum Aufstellungsplatz Textor« stratze.

* Vom Fechtsport. Man teilt uns mit: Wie dieDeutsche Turn-Zeitung" berichtet, hat die im vorigen Jahre begründete Fechterabteilung des Turnvereins Marburg beschlossen, als Stoß­waffe das deutsche Florett nach der vom Verbände deutscher Fecht« meister empfohlenen Kreußlettchen Schule einzuführen.

* Vom Marburger Rathaus. Durch den Beginn des Rathaus- An- und Erweiterungsbaues ist das Interesse an der Erhaltung des alten Marktbildes von neuem rege geworden. Wir berichteten kürzlich über das Gutachten des Geh. Rats Lutsch aus Berlin, das bekanntlich dahin geht, den Giebel des Anbaues in der alten Art tueber herzustellen. Regierungsbaumeister Dr. phil. et ir.g. A. Holtmeyer, durch feine großartige Arbeit der Inventarisation der Bau- und Kunstdenkmäler von Gaffel in Sachverständigenkreisen bestens bekannt, äußert sich in dem soeben bei Elwert erschienenen 1. Heft Alt-Hessen, die Rathäuser enthaltend, über Marburgs Rathaus folgendermaßen:Vom Standpunkt der Kunstgeschichte und der Denkmalspflege gleiche Beachtung verdient das schöne Rat­haus in Marburg, wohl der vornehmste unter den Eemeinde- bauten am Laufe der Lahn. Wer diesen Bau errichtete, hat ge­wußt, welche Eigenschaften das hervorragendste Haus der Kom­mune besitzen muß. Gewaltig hebt sich der dreigeschossige Mastivbau mit seinen Staffelgiebeln heraus aus dem wahrlich an gefälligen Einzelheiten nicht armen Stadtbilde, das wie der Hintergrund eines Dürerfchen Gemäldes an der Berglehne sich aufbaut. Auch der großartige Eruppenbau des Schlosses auf der Höhe und die feierliche Hall» der Elisabethkirche im Tale können dem einfachen Architekturstück nichts von seinem vornehmen Eindruck nehmen. Vielleicht ist es gerade die außerordentlich schlichte Form, die dem Hause das Würdevolle verleiht: vier Wände und ein steiles Dach, durch kleine Ecktürmchen und einen Dachreiter belebt. Nicht aus malerischen Gründen, sondern um den Raum nicht zu verengen, ist der sechseckige Treppenturm der glatten Marktfront vorgelegt. Als einzige Skulptur grüßt sinnig über dem Spitzbogenportal das Relief der sympathischen, Marburgs Bürgern so wohlvertrauten Landesherligen. Die an diesem ausgezeichneten Bilde ange­brachten Wappen des Landgrafen und der Stadt verweisen den 1512 begonnenen und 1524 vollendeten Bau, der zwar der Markt- halle tm Erdgeschoß nicht entbehrt und im abfallenden Sockel sogar besondere Fleischscharren aufweist, in die Klasse der in landes­herrlicher Abhängigkeit errichteten Rathäuser, die vorzugsweise als Verwaltungsgebäude gedacht waren. 1586 sah sich die Stadt vor die Aufgabe gestellt, die Amtsraume zu erweitern. Das war die Zeit, wo mit einer neuen Kultur ein neuer Stil in Deutsch­land eingezogen war. Es ist sicher, daß weder der Rat der Stadt noch der Meister des neuen Baues einen Augenblick zweifelte, in welchem Stil die Vergrößerung des alten Hauses vorzunehmen sei. Nichts lag der gesund empfindenden Zeit ferner, als der Wille, einer abgestorbenen Richtung zu neuem Leben zu verhelfen. Man wollte modern sein und nur die eine Sorge bestand, dem neuen Werke eine solche Form zu geben, daß es den alten Bestand nicht gefährdete und als selbständige Leistung von Zeitgenossen und kommenden Geschlechtern anerkannt wurde. Man trug nicht nur kein Bedenken, dem gotischen Hauptgebäude einen Renaissance» ttügel hinzuzufügen, sondern auch die Veränderungen am Altbau selbst tm Sinne der Zeit vorzunehmen. So entstand als Gehäuft für die Uhr der kühn vorkragende Eiebelaufbau auf dem Treppen­turm, dessen originelle Form dem Hause verstärkten Eharatter gibt. Der Maler und Architekt, der Historiker und Kunst­geschichtler sind dem -weiten Meister des Rathauses betfbat Uw