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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

unb den Beilagen' ..Nach Feierabend". ..Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage."

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Airvbcrl)ci|i>ä)t nfl ' tL|d)vUU Uigiia, «Ult Wusuuijme oct -L.MM- unb Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <Ä lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Marn 21) 2.00 «Ä frei ins Haus. (Für unver- langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der llniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 12. Juli

-er Anzeigenpreis benagt für die Igcipaltene yeite oder deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver. Kindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausge­schlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

17. Jahrg.: 1912.

Erstes Blatt.

Rundschau.

Die Erbschaftssteuer kommt!?

Die zuweilen offiziös bedientenBerl. Pol. Nachr." machen Mitteilungen über die Vorschläge, die das Reichsschatzamt auf Grund der Besitzsteuer-Entschliehung des Reichstags den verbün­deten Regierungen vorlegen wird. Danach kommt weder die Di­videndensteuer in Betracht noch auch der von konservativer Seite vorgeschlagene Weg, eine Reichsbesitzsteuer durch die Bundesstaaten erheben zu lassen. Hierzu schreiben dieBerl. Pol. Nachr.": Das Vesitzsteuerkompromiß von 1909, das einen ähnlichen Gedanken ver­folgte, ist seinerzeit bekanntlich von den verbündeten Regierungen einstimmig abgelehnt worden. Für dieses Verhalten der verbün­deten Regierungen sind grundsätzliche Fragen finanzpolitischer und finanztechnischer Natur in erster Linie maßgebend gewesen. Für eine Reihe von Staaten, namentlich kleinerer Bundesstaaten, ist verstärkend die Erwägung hinzugetreten, daß keinesfalls die Ge­währ übernommen werden könne, eine Landesbesitzsteuer nach den vom Reiche vorgesehenen Richtlinien in annehmbarer Form zu­stande zu bringen. Diese Bedenken bestehen auch jetzt noch; insbe­sondere ist das aus der Möglichkeit des Verfassers der Landesgesetz­gebung Hergeleitete noch in voller Stärke vorhanden. Es hieße daher die Entschließung über die Frage, ob der Weg der Vermö­genssteuer überhaupt gangbar ist, nur erschweren, wollte man sie noch mit dieser Variante belasten. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß das Neichsschatzamt den verbündeten Regie­rungen den Entwurf einer Reichsvermögenssteuer mit verschiede­nen Varianten (Vermögenszuwachssteuer und dergleichen), neben Entwürfen für die Einführung von Erbschaftssteuern zur Beschluß­fassung unterbreiten wird. Man darf annehmen, daß diese Aus­führungen der genannten Korrespondenz Anspruch auf Glaubhaf­tigkeit habe. Wir hatten seinerzeit einen Artikel des Abg. Arendt verd'ffenKicht, indem dieser betont, daß es das beste sei, die Erbschaftssteuer jetzt durchzubringen, da sie bei Einführung einer anderen Steuer doch immer wieder im Hintergründe stehen würde, und da durch ihre Einführung, die durchaus nicht die Bedeutung hat, die man ihr zuspricht, einer gehässigen politischen Agitation der Boden entzogen wird.

Systemwechsel in der Kolonialverwaltung.

Der Staatssekretär des Reichskolonialamts Dr. Solf erklärte noch in einer der letzten Reichstagssitzungen, ein Wechsel im System habe seit Dernburg nicht stattgefundcn. Aber jetzt zeigt sich, daß in der Tat ein Systemwechsel stattgefunden hat beziehungsweise angebahnt wird. In Ostafrika, wo bis vor kurzem das Dernburgsche Regierungsprinzip noch in voller Geltung war, hat man bereits gegen das Tun und Treiben der Inder, über welche nur zu berechtigte Klagen kamen, energische Maßnahmen getroffen. Die Daressalamer Sanitätskommission hatte sich um die skandalösen Zustände im Inderviertel niemals gekümmert. Wenige Tage, nachdem Frhrn. von Rechenbergs Abschied endgülttg fest­stand, stellte die Kommission eine Untersuchung an und fand, daß die dortigen Häuser fast durchweg baufällig, schmutzig und die Wohnräume übervölkert waren: vielfach befanden sich auch die Brunnen unmittelbar neben den Senkgruben. Die Ansiedler haben immer geltend gemacht, diese Zustände bildeten für den sonst so schmucken Ort gesundheitlich eine große Gefahr. Sie behaupteten weiter, die Inder nähmen es besonders Schwarzen gegenüber mit den Maßen und Gewichten nicht gerade genau. Kein Mensch kümmerte sich früher so recht darum. Jetzt wurde amt­lich ein Riesenschwindel ausgedeckt. In dem Berichte des Bezirksamtes heißt es ausdrücklich, daß die Mehrzahl der Inder falsch geeichte Maße und Gewichte gebrauche. Sogar der Macher dieser falschen Eichungen ist ermittelt und festgenommen worden: er sieht seiner Bestrafung entgegen. Die Ansiedler betonten weiter, daß die Kulis politische Wühler seien. In der Nordwestecke der Kolonie, in Ruanda, hat man jetzt einem solchen Wühler, einem indischen Händler, der sich fortgesetzt über die deutsche Rechtspflege und Verwaltung lustig machte und englische Propaganda trieb, das Handwerk gelegt. Er wurde sofott über die Grenze bekördert. Auch die Truppe durfte nun wieder fester zufasien.Außer der Jagd hätten keine Gewehre geknallt, solange di« Aera Dernburg-Rechenberg gedauert habe", behaupten gewisse Leute. Die Gegend am Kiwusee war darum allerdings das Dorado für Verbrecher, auch aus vem Belgischen und Englischen geworden. Eine Unzahl von großen Höhen mit schmalen Zugängen sind typisch in diesen vulkanreichen Gegenden. Dorthin flüch- teten sich die schwarzen Uebeltäter und bedrohten nicht nur die Kara­wanenstraßen, sondern auch das politisckf von uns unterstützte Sultanat Msinga in Ruanda. Jetzt hat in jenen Höhlen ein scharfes Gefecht statt­gefunden; viele Schwarze wurden getötet oder gefangen, der Haupt- schuldige, der berüchtigte Häuptling Lukarra, wurde zum Tode verurteilt. Es ist dies gleich falls ein Zeichen des vollzogenen Systemwechsels.

In Südwest waren es schädliche Diamantenregulationen und eine verfehlte Eisenbahn- und Verwaltungspolittk, die dem Lande ungeheuren Nachteil brachten. Tief einschneidende Aenderungen haben auch hier stattgefunden, die lautesten Klagen sind verstummt, die Ansiedler haben wieder. Vertrauen zur heimischen Behörde, und mit welcher Dankbarkeit sie das Wirken des neuen Mannes anerkennen, davon reden deutlich sogar die kurzen Kabelberichte, die über die Reise des Staatssekretärs veröffentlicht werden. Daran ist nicht zu zweifeln, eine starker Wechsel de» kolonialen Berwaltungsfystems ist eingetreten, und wahrscheinlich nicht zum Schaden unserer Kolonien.

Der Tnmorraprozeß

In Viterbo hat nun sein vorläufiges Ende gesunden. Nach einer Verhandlung von 16 Monaten wurden die Angeklagten zu harten Strafen verurteilt. Das hätten wohl wenige, Kenner der Ver­hältnisse jedenfalls überhaupt nicht erwartet. Die Macht der Damorra ist noch immer groß und ihrer Rache ist noch jeder ver- fallen, der ihr entgegengetreten ist. Die Geschworenen, die Richter Mb die Zeugen in diesem Prozesse find Ihre» Leben» nicht mehr

sicher, denn trotz der verzweifelten Versuche, der Camorra den Kopf zu zertreten, besteht ihr Einfluß ungeschwächt fort. Ganz Süditalien steht auf ihrer Seite. Ist ihre Macht doch so groß, daß sie nicht nur die Verwaltung Neapels beherrscht,, sondern sie ihre Vertreter auch in das Parlament entsenden kann. Man erinnere sich nur des Ministers Nasi, der auch der Camorra angehörte und sein Amt zu Fälschungen, Unterschlagungen, Diebstählen usw. be­nutzte, und der dann zu harter Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Um ihn trauerte seinerzeit ganz Süditalien und einstimmig wurde er als Deputierter für das Parlament erkürt. Auch jetzt wird es nicht an Versuchen fehlen, die Verurteilten als Märtyrer hinzu- stellen und sie nach Möglichkeit noch vor der drohenden Strafe zu bewahren oder, wenn dies nicht gelingt, sie wenigstens zu rächen. Wahrscheinlich wird der Prozeß nochmals ausgenommen werden, und dann ist es mehr als zweifelhaft, ob der Schuldspruch genau so lauten wird; denn die weitverzweigte Brüderschaft hat viele Mittel an der Hand, gefährdeten Eenosien beizustehen.

Rücktritt des türkischen Kriegsministers.

Konstantinopel, 10. Juli. Der Kriegsminister Mah­mud Schewket Pascha ist zurückgetreten und zum Senator ernannt worden. Der Marineminister ist mit der Führung der Geschäfte des Kriegsministers beauftragt worden. Die Demission ist zwei­felsohne durch die Ereignisse in Albanien veranlaßt worden. Ein­geweihte Kreise schreiben ihr eine große, für die Türkei eventuell verhängnisvolle Bedeutung bei. Man sieht in ihr einen Beweis für die grunderschütternde Zersplitterung im türkischen Offizier­korps und glaubt, daß mit Mahmud Schewket der Zusammenhalt in der Armee verschwindet. Sein Rücktritt bedeute unter Um­ständen den Zusammenbruch des jungtürkischen Regimes. Die Türkei würde unter allen Umständen Frieden schließen und alle italienischen Bedingungen annehmen müssen, wenn nicht Ereig­nisse eintreten sollten, die das Vorgehen aller Balkanstaaten gegen die Türket zur Folge haben könnten!

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Deutsches Reich.

Gerüchte. Das Gerücht über die bevorstehende Verlobung des dritten Sohnes des Kaisers, Prinz Adalbert, mit der Tochter des Zaren, Großfürstin Olga, tauchte bereits vor der Monarchen­begegnung in Baltischport auf. Die sensationslüsterne Pariser Presse, die Erfinderin jener Nachricht, sucht das nun nötig gewor­dene Dementi mit einer gegen das deutsche Kaiserhaus gerichteten Spitze auszuschmücken, indem sie die unwahre Behauptung aufstellt, das Zarenpaar habe schleunigst seine Tochter mit einem Ver­wandten verlobt, als sie von des deutschen Kaisers Absicht gehört hatte, seinen Cohn um die Großfürstin werben zu lassen. An der ganzen Geschichte ist natürlich kein wahres Wort. -In diesen Jn- triguen spiegelt sich nur der Zorn der französischen Presse über den glänzenden Verlauf der Valtischporter Entrevue.

Der Reichskanzler in Petersburg. Petersburg, 10. Juli. Der Reichskanzler besuchte nach dem Diner beim Ministerpräsiden­ten das Volkshaus. Vormittags arbeitete der Reichskanzler und besuchte das Winterpalais. Abends findet ein Abschiedsdiner in der deutschen Botschaft statt, wozu der Kommandant und einige Offiziere des SchulschiffesHansa", der deutsche Generalkonsul und die Spitzen der deutschen Kolonie geladen sind. Um 11 Uhr reist der Reichskanzler nach Moskau ab.

Die Verhandlungen von Baltischport. Petersburg, 4. Juli. DerRjetsch" will aus angeblich diplomatischer Quelle erfahren haben, daß bei den Verhandlungen in Baltischport deutscherseits erklärt wurde, man hätte gegen eine weitere Befestigung der fran­zösisch-russisch-englischen Entente durchaus nichts einzuwenden, son­dern Deutschland werde im Gegenteil danach streben, einen engeren Anschluß an Frankreich und England zu finden.

Im Falle Kostewitsch ist bisher keine Wendung eingetreten, auch dürfte, wie ein Berliner Blatt wissen will, eine Entscheidung über die weitere Behandlung des Falles kaum vor dem 20. Juli zu erwarten fein. Das Untersuchungsverfahren gegen den russischen Offizier bringt auch einige Schwierigkeiten insofern mit sich, al» er der deutschen Sprache fast gar nicht mächtig ist und nur mit Hilfe eines ihm bestellten Dolmetschers auf die während des Verhörs an ihn gerichteten Fragen Auskunft geben kann. Beim Verlesen des Protokolls pflegen sich sodann weitere Verzögerungen einzustellen, da Kostewitsch seine inzwischen in die deutsche Gerichtssprache über­tragenen Aussagen nicht immer als richtig wiedergegeben zu er­kennen vermag, deren abermalige Rückübersetzung aber zeitraubend ist. In russischen Kreisen glaubt man übrigens der Entscheidung über die Schuldfrage des Kapitäns zuversichtlich entgegensehen zu können, zumal man dort nach wie vor der Ansicht ist, daß die Ver­haftung des Offiziers auf ein Mißverständnis zurückzuführen fei.

Steuererlaß für die Kriegsveteranen. Lübeck, 9. Juli. Der Senat hat dem Ersuchen der Bürgerschaft gemäß bestimmt, daß den Kriegsteilnehmern an den Feldzügen bis einschließlich 1870/71 die Einkommensteuer zu erlassen sei, sofern sie nicht mehr als ein Ein­kommen von 1500 «M. zu versteuern haben. Selbstverständlich sollen die staatsbürgerlichen Rechte unter diesem Steuererlasse nicht leiden.

SLrtnereiausschüsse bei den Landwirtschaft-kammern. Wie verlautet, werden bereits in naher Zeit »n die preußischen Land­wirtschaftskammern Anweisungen über die Bildung von Sonder­ausschüssen für Gärtnerei ergehen. Diese Eartenbauausschüsse wer­den vermutlich mit eigenem Wahlrecht und eigener Veitragspflicht ausgestattet sein.

Ermordeter Deutscher. Berlin, 10. Juli. Aus Deutsch-Neu- Guinea meldet ein Telegramm de» Gouverneur», daß auf Kaiser

Wilhelms-Land der Paradiesvogeljäger Petersen mit drei farbigen Arbeitern von Eingeborenen in der oberen Gogolebene ermordet worden ist. Eine Strafexpedition ist bereits unterwegs. Die Mordtat trug sich in einem unerschlossenen dem Einfluß der Ver­waltung bis jetzt noch nicht zugänglichen Gebiet im Innern dr» sogenannten Festlandes Neuguinea zu.

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Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen QuellenangabeOberhess Ztg/ gestattet.)

Marburg, 11. Juli.

* Schulamtliches. Zur Ablegung der Rektorenprüfung hat das Kgl. Provinzialschulkollegium Termin auf den 28. November, zur Ablegung der Mittelschullehrerprüfung auf den 22. November an­gesetzt. Bewerbungen sind bis zum 15. September einzureichen.

* Jugendpfleger. Als Jugendpfleger sind nachgenannte Herren durch den Herrn Regierungspräsidenten ernannt worden: Real­schuldirektor Professor v. Hanxleden für Cassel-Stadt und -Land; Turnlehrer Kemner für Schmalkalden; Turnlehrer Heinemann für Hersfeld; Turnlehrer Fischer für Marburg und Kirchhain; Lehrer Atzert für Hünfeld; Rektor Kaufmann für Gelnhausen; Seminar- Oberlehrer Sander für Rotenburg a. F.; Lehrer Eucker für Ziegen­hain; Lehrer Koch in Haine für Frankenberg; Kreissekretär Krug für Gersfeld.

* Missionsfest. Das diesjährige Missionsfest der lutherischen Diözese Oberhessen findet am Mittwoch, den 17. Juli in der luthe­rischen Pfarrkirchehier statt.

* Zur Beachtung. Die An-, Um- und Abmeldungen werden in letzter Zeit wieder vielfach versäumt. Es sei darauf hingewie­sen, daß nicht nur die Mieter- und Aftermieter, sondern auch die Vermieter der Anmeldepflicht unterliegen. Insbesondere müssen auch die Studenten an- und abgemeldet werden. Die Anmeldung bei der Universitätsbehörde allein genügt nicht.

* Prüfung für den einjährig-freiwilligen Dienst. Diejenigen im Regierungsbezirk Cassel gestellungspflichtigen jungen Leute, welche die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Dienst durch eine Prüfung nachweisen wollen, haben ihr Gesuch um Zulassung zur Prüfung bis zum 1. August d. I. bei der Prüfungs­kommission für Einjährig-Freiwillige in Cassel einzureichen. Da­bei ist anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen der sich Mel­dende geprüft werden will, sowie ob, wie oft und wo er sich einer Prüfung vor einer Prüfungskommission bereits unterzogen hat. Außerdem sind die im § 89 der Deutschen Wehrordnung aufgeführ­ten Papiere in Urschrift einzureichen. Die Unbescholtenheitsrcug- nisse müssen über die Zett vom vollendeten zwölften Lebensjahre bis zur Gegenwart lauten. In dem Lebenslaufe ist das Religions­bekenntnis anzugeben.

* Rationalflugspende. Wie wir erfabren, sind für die Natio- nalflugsvende in Marburg bei sämtlichen Sammelstellen insgesamt etwa 2700 <11 eingegangen.

lieber bett Genußeiskalter" Getränke zur Sommerszeit schreibt der Herr Regierungspräsident: Von beachtenswerter Seite ist darauf htngewiesen worden, daß die auf den Straßen feilgehaltenen Mineral­wässer, wie Selterswasser, Sodawasser u. a. m. an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß des kalten Wassers leicht Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich zieht. Im Auftrag« des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Ange- legenheiten werden daher die Verkäufer von Mineralwässern im Aus­schanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin nur in einem der Trinkwasser-Temperatur entsprechenden Wärmegrade von etwa 10 Grad Celsius äbzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genuss« eiskalter Getränke überhaupt, affo auch des zu kalten Bieres, insbe­sondere aber der Mineralwässer, gewarnt.

Sacrapant Heute (Donnerstag) abends 8y2 Uhr wird in Marbach George PeelesSacrapant" zum ersten Male in deutscher Bearbeitung dargestellt. Unserer Universitäts­stadt gereicht diese quasi Uraufführung zu umso größerem Ruhme, als das Stück In seinem Heimatlande selbst, in England, seit der Zeit der Entstehung (1595) nicht mehr über die Bühne gegangen ist. Bildet daher der heutige Abend einen würdigen Zusatz zu den soeben beendetenAkademischen Festspielen", so steht dieses eng­lische Märchenstück in glücklicher Nachbarschaft zu der erst letzte Woche so stnnig dargestelltenVersunkenen Glocke" Gerhardt Hauptmanns. Könnten schon solch zwingende äußere Gründe zum Besuch der Vorstellung einladen, so muß es uns Deutsche aber ganz b sonders packen, einen unmittelbaren Vorgänger und Zeitgenossen Shakespeares zu uns sprechen zu hören. Wir kennen ja den großen Briten besser, als ihn seine Landsleute kennen. Durch diese Verehrung sind tr'r aber gewohnt, ihn nur noch in seiner gigantischen Einsamkeit zu sehen. Davon, daß andere durch ihr Schaffen ihm die Wege gebahnt, und er ohne diese Kleineren un­denkbar wäre, ist nicht mehr die Rede. Nur noch Christopher Mar­lowe ist uns vertraut, aber nicht Shakespeares sondern Goethes wegen. Auf den Inhalt vonSacrapant" einzugehen, hieße die Spannung auf den heutigen Abend erheblich herabsetzen. Sie wird aber nur noch größer durch den Hinweis darauf, daß wir höchst be­merkenswerte Aehnlichkeiten nicht nur mit Shakespeareschen Stücken, sondern auch unmittelbar mit GrillparzersDer Traum ein Leben" werden feststellen können. Möchte das Bestreben de» deutschen Bearbeiters, unsere Kenntnis von der englischen Bühne zur Zeit Shakespeares zu erweitern, durch zahlreichen Besuch der heutigen Vorstellung belohnt werden. Alfred Schumann.

* Abschaffung der Spucknäpfe in den v-Zugwage«. Wie mit­geteilt wird, werden in den v-Zugwagen der Eisenbahn die Spuck« Näpfe im Interesse der Gesundheitspflege versuchsweise abgeschafst, werden. Dafür wird in jeder Abteilung de» Wagen» ein SchM