mit dem KreisLlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ..Nack Feierabend". ..Fürs Saus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
” » vci otituita" eiiojctiu tugna, mit äuenuyme Ott «onn- und Feiertage. — Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen HZ und der Expedition (Markt 21) 2.00 A frei ins HauS. (Für unver-
w'=* AW [Qn . ^gesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch
I (Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55._________
Marburg
Dommstag, 11. Juli
itt ei n zeige npreis oeicagl sur Lie Jgtipaltcnc Ze ne oder deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 L, für Reklamen die Zeile 60 L. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Veleglieferung ausge- schlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
*5
47. Jahrg.
1912.
Rundschau.
Nachklänge zur Kaisrrbrgegnung.
Die russischen Blätter besprechen eingehend das Kommuniquee über die Zusammenkunft von Valtischport. „Nowoje Wremja" drückt ihre Freude darüber aus, daß die Freundschaft der beiden Monarchen so aus- «tchttg und herzlich wie früher sei, wodurch die Spannung des gegen- »ärtigen internationalen Lebens gemildert werde. Der Gedankenaustausch der Staatsmänner gebe keinen Grund zur Beunruhigung, sondern müsse in den denkenden Kreisen Deutschlands und Rußlands be- fttedigen, da die Staatsmänner Lbereingekommen sind, daß unter den gegenwärtigen Umständen kein genügender Grund vorhanden ist, neue Abkommen abzuschließen. Die wirklichen Freunde der klugen und starken russisch-deutschen Freundschaft könnten frei atmen. In der Hauptsache bleibe alles beim Alten und Erprobten. Die deutsche „Petersburger Zeitung" hebt die Identität des deutschen und des russischen Kommuni- guees hervor und sagt, daß es klar und unzweideutig die Lösung der Ausgabe der Befestigung und vertrauensvoller deutsch-russischer Beziehungen ausdrücke. Ein Weltenbrand könne nicht entstehen, solange zwischen Deutschland und Rußland Freundschaft herrsche.. Die „Birshe- wija Wjedomosti" schreiben: Die Begegnung war nicht eine Fortsetzung des Potsdamer Abkommens im Sinne derer, die ein neues Abkommen erhofften, aber es bestätigt neuerlich die feste Absicht, die traditionellen Beziehungen zu erhalten.
Paris, 9. Juli. Das „Echo de Paris" schreibt zu dem Kommuniquee über die Kaiserzusammenkunst in Baltischport: Die Worte des Kommuniquees sind sorgfältig abgewogen und ihre Deutung ist die, daß Rußland und Deutschland ohne ihr Bündnissystem zu sprengen, entschlossen sind, in einer offenkundigen Gemeinschaft der Anschauungen und Ideen zu leben und das kann uns trotz alledem nicht gleichgültig lasten. — Der Mailänder Korrespondent desselben Blattes will von einer hochstehenden politischen Persönlichkeit erfahren haben, daß die unmittelbare Folge der Monarchenzusammenkunft von Baltischport wahrscheinlich die Einberufung einer europäischen Konferenz sein werde. Man würde diesmal die Souveränität Italiens über Tripolis nicht erörtern, sondern über Mittel, um zum Friedensschluß zu gelangen, beraten. Auch die türkische Frage würde angesichts der die Integrität der Türkei von allen Seiten bedrohenden Gefahren in den Kreis der Erörterung gezogen werden.
Das Marokkogelbbuch.
Mit Spannung wird schon seit geraumer Zeit das Erscheinen des Eelbbuches über die vorjährigen Marokkoverhandlungen erwartet. Die Ausgabe hat sich verzögert, angeblich wegen des großen Umfanges des Buches. Demgegenüber tauchen aber allenthalben Gerüchte auf, daß das Buch zurückgehalten wurde, da wesentliche und wichtige Teile der zwischen Deutschland, Frankreich und England gepflogenen diplomatischen Verhandlungen darin ausgelassen worden seien. Nach dem „Cri de Paris" sollen sich die weggelaffenen Teile des Eelbbuches auf die zwischen Caillaux und de Selves einerseits und dem englischen Staatsministerium andererseits über die Entsendung mehrerer französischer und englischer Schiffe nach Agadir ausgetauschten Schriftstücke beziehen. Die zweite Streichung soll sich auf den kritischsten Abschnitt der vorjährigen Marokkoverhandlungen beziehen, als zwischen den Regierungen der beiden Wcstmächte allen Ernstes die Frage eines militärischen Zusammengehens erwogen worden sei. Das genannte Blatt veröffentlicht Einzelheiten über diese Streichungen. So wird behauptet, daß Deutschland die Unterdrückung des Notenwechsels Lberdie Forderung einer Flottenbasis im Atlantischen Ozean verlangt habe. Es hätte tatsächlich seinerzeit den Wunsch ausgedrückt, Mogador und damit einen vorwiegenden Einfluß im Susgebict zu erlangen. Bereits in Kissingen aber auch später sei davon die Rede gewesen, jedoch da Caillaux sich ablehnend verhielt, habe Deutschland nachgegeben. Da dies bekanntlich Herr v. Kiderlen im Reichstage gelegentlich der Marokkointerpellationen bestritt, habe Herr v. Schön verlangt, daß diese Mitteilungen aus dem Eelbbuche gestrichen wurden. Dies sei auch geschehen, jedoch habe Poincar-i als Eegenleistung verlangt, daß Deutschland nicht darauf bestehe,
Das Tor des Lebens.
Roman von AnnyWothe.
8 (Nachdruck verboten.)
(Copyright 1910 by Boll & Pickardt, Berlin.) (Fortsetzung.)
„Seht ihn blinken in der Linken!" klang es fest aus Sibos Munde, aber war es nicht, als ob das Wort ihm unter des Freundes Handdruck erstürbe und ihm in der Kehle stecken bliebe? Schwankte nicht seine breite Gestalt? Wurde er nicht weiß bis in die Lippen?
„Schwöre!" gebot Rolf Bandeners Blick.
Heinrike glaubte zu sehen, wie ein Zittern durch Sibos hohe Gestalt lief und er kein Wort hcrvorbringen konnte, aber mit Aufbietung aller Kraft rang es sich dann aus seinem Munde:
„Halten will ich stets auf Ehre, Stets ein braver Bursche sein!"
Rolf drückte den Freund fest an seine Brust. Heinrike sah, wie es feucht in seinen Augen schimmerte, als er voll unendlicher Liebe und Nachsicht auf das jetzt tief gesenkte Haupt Sibos blickte, über das weiter der Gesang der Burschen hinbrauste.
Heinrike schluchzte leise auf. Wie zerschlagen fühüe fie sich und drängte zum Aufbruch.
„Was hast du denn, Kind?" forschte Tante Babett besorgt. „Ja, wich hat's auch mächtig ergriffen!" fuhr sie sott, als sie mit den Mädchen durch die weiche, warme Maiennacht die stillen Straßen entlang wan- derte. „Wer das erlebt, der kann nie schlecht werden im Leben!"
„Nie schlecht werden!" wiederholte Heinrike. „Nein, das kann er nicht."
Und dann lag sie noch lange wach und hörte verworren, was Tante i Pabett, die im Nebenzimmer schlief, ihr die halbe Nacht ans ihren 2ugendtagen erzählte, dabei dachte sie immer wieder an die dreihundett ®t«t, die fie Sibo für morgen früh versprochen hatte, «nd die sie von
die Vergebung der Hafenarbeiten in Casablanca mittels öffentlichen Wettbewerbs zu fordern. Deutschland sei bereit gewesen, diese Forderung für alle öffentlichen Arbeiten in Marokko fallen zu lasten, England jedoch habe auf der Aufrechterhaltung dieser Bestimmung des Algecirasvertrages bestanden. Man wird das Erscheinen des Eelbbuches, das übrigens neueren Meldungen zufolge noch weiter hinausgeschoben worden ist, abwarten müsten, um zu sehen, wie weit den Angaben des „Cri de Paris", der als Sensationsblatt bekannt ist, Glauben zu schenken ist.
----*----
Deutsches Reich-
— Vom Kaiser. Berlin, 9. Juli. Der Kaiser ist heute nachmittag 21/2 Uhr in Begleitung des Generalarztes von Jlberg, des Flügeladjutanten Obersten v. Kleist und des Majors v. Dommes auf dem Bahnhof Pankow-Heinersdorf eingetroffen und im Sonderzuge nach Swinemünde abgereist.
— Der Reichskanzler in Petersburg. Petersburg, 9. Juli. Der'Reichskanzler v. Bethmann Hollweg erledigte heute vormittag verschiedene Arbeiten. Er fuhr dann zur Besichtigung des Neubaues der deutschen Botschaft und einiger Kirchen und frühstückte auf der deutschen Botschaft. Für den Nachmittag ist eine Fahrt nach Peterhof und die Besichtigung der Schlöster und Parkanlagen vorgesehen. Am Abend findet bei dem Ministerpräsidenten ein Diner zu 60 Gedecken in dem Sommerpalast auf der Ielagin-Insel statt. Zu dem Diner sind die anwesenden Minister, die Mitglieder der deutschen Botschaft und der bayerische Gesandte geladen.
— Beileidskundgebungen zum Tode des Ministers a. D. Ho- brecht. Berlin, 9. Juli. Aus den zahlreichen Beileidskundgebungen an die Hinterbliebenen des entschlafenen Finanzministers a. D. Hobrecht sind die folgenden hervorzuheben. Seine Majestät der Kaiser und König haben die Meldung von dem Hinscheiden Ihres Herrn Vaters, des ehemaligen Staats- und Finanzministers Hobrecht mit Schmerz und Bedauern entgegengenommen, und lasten den Hinterbliebenen Allerhöchst Ihr wärmstes Beileid zu dem schweren Verluste aussprechen. Arch Allerhöchsten Befehl her geheime Kabinettsrat v. Valentini. — Die Nachricht von dem Hm- scheiden Ihres von mir so hochverehrten Gemahls erfüllte mich mit aufrichtigster Teilnahme. Mögen Eure Exzellenz in Ihrem tiefen Schmerze Trost an dem Bewußtsein finden, daß die Verdienste, die sich der Verewigte im Laufe seines gesegneten Lebens um unsere vaterländische, wirtschaftliche und kommunale Entwicklung erworben hat, ihm den Dank des Vaterlandes über das Erab hinaus sichern. 'Reichskanzler. — Schmerzlich bewegt von dem Hinscheiden Ihres Gemahls, meines hochverehrten früheren Amtsvorgängers, spreche ich Ihnen meine aufrichtige Teilnahme aus. Das Finanzministerium wird das Andenken an seinen früheren Chef stets treu bewahren. Unterstaatssekretär Michaelis ist beauftragt, mich bei der Leickenfe'"r zu vertreten. Finanzminister Dr. Lenste.
— Aus dem Reick,sanzeiger. Berlin, 9. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht den Wortlaut des Fürsorgegesetzes für militärische Luftfahrer. Das Gesetz tritt heute in Kraft.
— Die Studienfahrt englischer Studenten na» Deutschland. Berlin, 8. Juli. Für die Studienfahrt englischer Studenten aus Orford', Cambridge, London und Manchester nach Hamburg. Berlin, Jena, Weimar und München hat sich ein Komitee einflußreicher Männer gebildet, dem die Rektoren der Universitäten Berlin und München, sowie die Oberbürgermeister beider Städte an- gehören mit Exzellenz Holleben an der Spitze. In Berlin weilen die Belucker vom 14. bis 19. Juli.
— Die Münzprägung im Juni. Im Monat Juni sind in den deutschen Münzstätten zur Ausprägung gelangt für 6 026 400 M Doppelkronen, sämtlich auf Privatrechnüng, für 1394 092 M Dreimarkstücke, für 799 848 .M Zweimarkstücke, für 587 164,50 <4 Fünfzigpfennigstücke, für 560 733,80 ,« Zehnpfennigstücke, für 213158,55 <M. Fünfpfennigstücke, für 36198,50 Ji Zweipfennigstücke, für 81826,96 M Einpfennigstücke.
ihrem Vater für ihn erbetteln wollte. Ja, so würde es gewiß gehen. Und wenn er es abschlug, dann hatte sie ja noch die Brillantbrofche von ihrer seligen Mutter, die würde sie Sibo geben. Er konnte sie verkaufen; sie hatte einen viel höheren Wert. Das Herz tat ihr ja weh, wenn sie daran dachte, daß sie das Andenken an die Mutter misten sollte, aber wie gern und freudig brachte sie Sibo dieses Opfer. Stolz und glücklich wollte sie fein wenn er das Opfer von ihr annahm. Er würde es gewiß tun, wenn sie ihm sagte, daß sie das Geld beim besten Willen nicht beschaffen konnte. Er wußte ja, wie eigen ihr Vater in Geldangelegenheiten war.
Ja f0 würde cs gehen. Heinrike faltete fast glücklich die schlanken Hände über der jungen Brust und blickte sinnend in die Mondnacht hinaus Ein Lächeln flog über ihr zartes Antlitz, ein glückliches Lächeln.
Sie hörte nicht mehr, wie Tante Babett noch zu ihr herüber rief: ,Du glaubst nicht, Heinrike, wie flott der Heinttck einst war, und der Jobst erst, sag' ich dir, ein Draufgänger wie sein Sohn Sibo, voll Mut und Kraft. Mein altes Herz ist ganz närrisch vor Glück, und Stolz, daß ich das alles hier mit erleben kann. Aber du schläfft wohl, Heinrike?"
Wirklich, sie schlief!
„Glückliche Jugend!" dachte Tante Babett und drehte sich behaglich auf die Seite, um noch ein bißchen mit wachen Augen von alten Zeiten träumen zu können, die unwiderbringlich dahin waren, und die doch heute wieder wie eine entschwundene Wunderwelt vor ihr auflebten, deren strahlendes Bild sie gern feschalten wollte als Wegzehrung für die letzte Fahrt, die vielleicht nahe war.
„Du, Mirjam!" fragte im letzten Augenblick Ditta Hellwig ihre Schwester, mit der sie das Schlafzimmer teilte. „Was hast du eigentlich mit Bendheim? Mir kam es so vor, als hätte et dich nicht einmal gegrüßt!"
„Bendheim?" gab Mirjam gedehnt zurück. „Wer ist denn das eigentlich? Auch ein Fttdune? Lieber Gott, Kleine, ich habe wirklich ein schlechtes Gedächtnis für Namen."
। „Na, nun erlaube mal!" tief Ditta. sich energisch im Bett austichtend I und die blonden Locken aus dem glühenden Antlitz stteichend.
Ausland.
** Der Krieg in Tripolis. Rom, 9. Juli. Heute morgen traf < folgende Depesche des Generals Camerana ein: Mesurata ist in unserer Gewalt. Heute um 3 Uhr 30 Min. nachmittags genau einen Monat nach unserem Siege bei Zanzur ist unter freudigen Rufen: Es lebe Italien! die italienische Flagge auf der Kasba von Mesurata gehißt worden. Um 4Uhr morgens gingen alle ver- r fügbaren Truppen zum Angriff über, während Kriegsschiffe die Küste vom Cap Zuruk bis Zeira überwachten. Unser rechter Flü- । gel sollte von den Höhen an der Küste auf dem schwierigen Terrain voller Hinterhalte den linken Flügel des Feindes umfasien, während im Zentrum die Hauptmacht im offenen Gelände vorrückte I und Kavallerie den linken Flügel schützte. Der Kampf begann ! sofort sehr lebhaft. Die gesamte verfügbare Artillerie trat bald ; in Tätigkeit und beschoß sehr wirksam die feindlichen Schanzen. Der Feind, der in stark befestigter Stellung am Ostrande der Oase von Mesurata war, leistete erbitterten Widerstand, aber weder sein heftiges Feuer noch sein Widerstand konnten den stürmischen Angriff unserer tapferen Truppen aufhalten. Der Kampf nahm alsbald den Umfang einer großen Schlacht an. Der rechte italienische Flügel fand stärkeren Widerstand, warf sich aber verstärkt durch ein Bataillon der Reserve mit unwiderstehlicher Wucht auf den Feiyd, durchbrach seine Flanke und griff ihn von rückwärts mit dem Bajonett an. Um 10 Uhr befand sich der Feind hier in voller Flucht gegen den rechten Flügel des Feindes, der das Hindernisreiche Terrain ausnützte und immer wieder hartnäckigen Widerstand leistete. Erst nach Einahme des Dorfes Zuruk, dadurch wiederholte heftige Bajonettangriffe genommen wurde, konnte der Vormarsch der Italiener, wenn auch unter Schwierigkeiten, bis nach Mesurata fortgesetzt werden. Als die Italiener in Mesurata ankamen, setzte der Feind seine planlose Flucht ins Innere des Landes fort. Die Türken ließen ihre Toten auf dem Kampfplatze zurück. Ihre Verluste sind noch nicht festgesteltt, übersteigen aber viele Hundert. Die Italiener hatten 9 Tote und 121 Verwundete. .
** Der Aufruhr in Portugal. Lisiabon, 9. Juli. Wie verlautet, haben die Kammern gestern Abend einstimmig und ohne Diskussion die Regierung ermächtigt, die konstitutionellen Garantien in den Orten, wo es notwendig ist, aufzuheben. — Die Royalisten griffen mit zwei Geschützen die Stadt Chaves an, wurden aber durch die Artillerie der Republikaner mit Verlusten zurückgeworfen. Die Republikaner hatten keine Verluste. Die Dauer des Kampfes betrug zwei Stunden. — Ein Offizier wurde in Chaves, als er feine Soldaten ausforderte, die Waffen gegen die Republik zu erheben, von denselben getötet. Die Verluste der Kolonne Conceiro betragen 30 Tote und 100 Verwundete. — Vorgestern Abend sollen die Verschwörer über die Berge von Serra de Eerez zurückgeschlagen worden sein. Der Kreuzer „Almiranie" ist auf seiner Reise bei Espozende aufgelaufen. Er wurde bald wieder flott. Nach Vlättermeldungen sollen mehrere Kriegsschiffe nach Norden gehen oder schon gegangen sein. Land- und Marinetruppen seien an die Grenze entsandt worden. Außer in den Erenzbezirken herrsche allenthalben Ruhe. — Paris, 9. Juli. Rach einer Blättermeldungaus Madrid waren die Waffen- und Munitionsvorräte der portugiesischen Aufrührer durchweg spanischen Ursprungs. Man frage sich, wie es den Aufrührern ohne Mithilfe der spanischen Behörden möglich war, sich Gewehre, Uniformen und sogar zwei Kanonen zu verschaffen. Ein Teil der Soldaten der monarchistischen Expedition soll aus der spanischen Provinz Galicien stammen. Canalejas habe erklärt, daß er Nachforschungen über die Verzweigung der Verschwörer angeordnet habe und Maßnahmen gegen alle jene treffen werde, die im Verdacht stehen, die Machenschaften der portugiesischen Monarchisten gefördert oder auch nur geduldet zu haben.
Schlaf doch, Ditta!" mahnte die Schwester. „Es ist ja möglich, daß ich ihn kenne, aber du siehst ja, er hat mit so wenig Eindruck g» macht, daß ich ihn vergeßen habe!"
Ditta preßte die kleine Hand fest auf die Brust. Wie merkwürdig Mirjam ost war! „Vergeßen!" hatte sie gesagt. Konnte man denn s« etwas überhaupt vergeßen, wenn man mit einem, den man gern gehabt, beim Mondenschein über’n Rhein gefahren ist und sich geküßt hat, wie es Ditta selbst gesehen?!
Mit einem tiefen Seufzer legte sich Ditta in bte weichen Ktssen zurück.
So was würde sie gewiß nie vergeßen, nie! Bloß freilich, sie hatte noch keiner geküßt. Fips — der war ein Esel, der traute sich ja nicht. Und ein anderer? Pah! Fips war doch noch der Beste!
Mirjam aber lag mit weitgeöffneten Augen und starrte ins Leere.
Der blühende Flieder trug weiche Duftwolken durch das geöffnete Fenster in bas stille Gemach, in dem eine bleierne Schwüle lastete.
Wie ein qualvolles Stöhnen kam es aus Mirjams Brust.
„Mirjam, du weinst doch nicht?"
Ditta fragte es angstvoll.
Kein Laut kam mehr aus Mirjams Munde. Die Hände auf bei» glühenden Mund gepreßt, lag sie da, schwer atmend, mit wogender Brust und fiebernden Pulsen.
Die Glocke der Johannisttrche kündete Stunde um Stunde.
Als der Morgen tagte, brachen im Garten die ersten Rosen euf. Mirjams Augen, die keinen Schlaf gefunden, sahen ihr erstes Erglühen.
Auf ihren Wangen waren die Rosen verblichen in dieser Maiennacht. Eie mochte keine Rosen sehen, seit der Stunde, in bet sie damals mit bem einen Rosen in die Wogen streute, als sie gemeinsam den grünen Rhein zu Berg fuhren, immer der Sonne nach.
Run war die Sonne verglüht, und obwohl der Morgen tagte, nxu es Nacht um fie geworden. Durch eigene Schuld.
(Fortsetzung folgt.)