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47. Jahrg^
1912.
Marhrrrg
Mittwoch, 10. Juli
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ..Rack, Feierabend". ..Fürs Saus" und „Landwirtschaftliche Beilage."
üinjetgenpieis veirugi [ur Oie ?(ic|paltene Zcue oder der«" Raum 15 , bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 <8. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, .Datenvorschrift und Beleglieferuna ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten —
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Erstes Blatt.
Tie KalserbekWnunq in Baltiichport.
Die Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Za-en in Baltischport ist vorüber. Kaiser Wilhelm ist zu einem kurzen Aufenthalte nach dem Neuen Palais in Potsdam zurückgekehrt, um morgen sich auf die Nordlandreise zu begeben. Während der Wochen, die diese Reise währt, hat die öffentliche Meinung in Europa und außerhalb unseres Erdteils Zeit, sich mit den Tatsachen abzufinden, deren Feststellung als das Hauptergebnis der Daltischporter Kaiserentreoue anzusehen ist. Die von maßgebender deutscher und russischer Seite vereinbarte amtliche Verlautbarung darüber enthält nicht allzuviele Worte und Sätze, aber was sie sagt, genügt, um die jüngste Kaiserbegegnung zu einer Begebenheit von weittragender Bedeutung zu stempeln, denn man darf nicht vergessen, daß der positiven Seite dieser Begebenheit eine negative gegenübersteht, und daß diese in der ebenso bestimmten wie kräftigen Zurückweisung aller jenen Bestimmungen zu suchen ist, die auf eine Störung der Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland hinausliefen. Man muß sich der in den letzten Tagen vor der Kaiserbegegnung auf allen Seiten verschärft einsetzenden Hetze gegen Deutschland erinnern, um die volle Tragweite der Feststellung zu erkennen, daß in Baltischport auf beiden beteiligten Seiten der feste Entschluß" zum Ausdruck gebracht wurde, die „zwischen den beiden Ländern bestehenden altehrwürdigen Traditionen hochzuhalten". Und wenn weiter betont wird, daß die sich auf sämtliche Tagesfragen erstreckenden politischen Aussprachen die dauernde Bedeutung der Aufrechterhaltung einer auf gegen- seitigem Vertrauen beruhenden Fühlung zwischen Deutschland und Rußland im Interesse der beiden Staaten und des allgemeinen Friedens klargestellt hätten, so heißt das, es werde auch in Zukunft nicht gelingen, in die deutsch-russische Freundschaft einen Keil zu treiben. Der Umstand, daß gerade dieser Punkt in einer zweiten halbamtlichen Note, die von deutscher Seite ausgeht, noch besonders hervorgehoben wird, läßt darauf schließen, daß unsere Regierung in der Sicherung der deutsch-russischen Freundschaft vor weiteren Quertreibereien, an denen es ja nicht fehlen wird, den Hauptwert der diesjährigen Kaiserbegegnung in den finnischen Scharen erblickt. Die doppelte Betonung der dauernden Fühlungnahme zwischen Deutschland und Rußland in allen gtossen politischen Tagessragen ist ein deutlicher avis au lecteur gegenüber den Brunnenvergiftern, mögen sie nun an der Seine oder sonstwo sitzen. Dem Wert dieser Betonung tut ebensowenig die Feststellung Abbruch, daß neue Abmachungen in Baltischport nicht getroffen wurden, wie die zur Beruhigung Frankreichs dienliche Bemerkung, daß es sich keineswegs darum gehandelt habe, irgend welche Aenderun- gen in der Gruppierung der Mächte herbeizuftthren. Courtoisicvoll hat man in der deutsch-russischen Note über die Kaiserbegeanung indirekt sogar dem französisch-russischen Bündnis das Lob gezollt, daß sein Wert für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und des Friedens sich bereits erprobt habe. Freilich könnte man darin auch eine Anspielung auf den friedenerhaltenden Einfluß Rußlands auf Frankreich erblicken. Ob man diese Deutung nebenbei gewollt hat, mag dahingestellt bleiben: die Hauptsache ist die wiederholte Feststellung, daß auf der Basis der von Deutschland wie von Rußland verfolgten Friedenspolitik in Baltischpart die „feste und dauernde Freundschaft" zwischen diesen beiden Reichen bezeugt worden ist. Damit ist diese Freundschaft neben dem Dreibund als unverrückbarer Angelpunkt der deutschen Politik bestätigt. Mit diesem Ergebnis der Kaiserbegegnung von Baltischport hat jetzt die Weltpolitik zu rechnen. Daß wir dieses Ergebnis mit Freuden begrüßen, brauchen wir-nicht erst besonders zu betonen.
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Politische Umschau.
versuche mit neuen Nachtsturmsignalen.
Auf Verfügung des Reichsmarineamts wurden im vorlaen Jahr an der deutschen Küste Versuche mit neuen Nachtsturmsignalen vorgenommen, die den Vorzug der leichteren Verständlichkeit haben. Die Nachtsturmsignale mit 3 Laternen haben sich nicht bewährt, da sie nicht aus allen Himmelsrichtungen gleich gut zu erkennen sind. Das hauptsächlichste Erfordernis für ein Nacht- sturmsignal besteht darin, daß es nicht mit anderen aus Lichtern gebildeten Nachtzeichen für Schiffer verwechselt werden kann. Für Deutschland hat sich in dieser Richtung bisher das sogenannte „Zwei Lichter-Signal" am besten bewährt. Es hat nicht nur den Vorzug der leichtesten Bedienung, sondern auch der leichtesten Erkennbarkeit. Insbesondere hat es sich herausgestellt, daß es aus allen Himmelsrichtungen gleich gut zu erkennen ist. Das Reichsmarineamt hat darum angeordnet, daß die früheren Versuche mit dem „Zwei Lichter-Signal" wieder ausgenommen werden, damit während einiger Monate neue Erfahrungen gesammelt werden können, die für die Einführung dieses Nachtsturmsignals entscheidend sein werden. , Die Versuche erstrecken sich über die ganze deutsche Küste. Es ist bestimmt worden, daß auf folgenden Sturmwarnungsstationen die Versuche angestellt werden: Borkum, Bremerhaven, Cuxhaven, Hamburg, Darsserort, Friedrichsort, Greifswalder Oie, Hela, Pillau, Brüsterort und Memel. Um einen klaren Ueberblick über die Wirkung der „Zwei Lichter-Signale" zu allen Jahreszeiten zu haben, wurde bestimmt, daß die Versuche bis zum 1. Januar 1912 fortgesetzt werden sollten, damit die Er- ^hsungen im Sommer, Herbst und Winter und teilweise im Frühling verwendet werden können. Die Ergebnisse mußten von
| den in Betracht kommenden Schisfahrtskreisen bis zum 31. Januar 1912 der Deutschen Seewarte mitgeteilt werden und wurden nun dort einer Bearbeitung unterzogen. Ob eine internationale Einführung dieses Signals, die sehr erwünscht wäre, möglich sein wird, erscheint zur Zeit noch fraglich, da sich der internationalen Einführung in mehreren Ländern, besonders in Frankreich, Schwierigkeiten entgegenstellten, die heut noch nicht gehoben sind. Trotzdem ist die Möglichkeit aber nicht von der Hand zu weisen. Sollte eine internationale Einführung erfolgen, dann würde dadurch eine für die gesamte Schiffahrt hochbedeutende Einrichtung geschaffen werden, da nächtliche Sturmrichtungssignale von allen Seiten als sehr wünschenswert anerkannt würden.
Rosyth.
Mit bemerkenswertem Nachdruck werden seit Monaten die Arbeiten an dem neuen britischen Kriegshafen Rosyth am Firth of Forth betrieben. Weit über 3000 Arbeiter sind dort zusammengebracht, den Ausbau dieses modernen Flottenstützpunktes zu vollenden, dessen Umfang und Anlage erkennen lassen, daß die britische Admiralität mit diesem Kriegshafen einen Flottenstützpunkt allerersten Ranges, also ein zweites Portsmouth, zu schaffen beabsichtigt. Dabei sind die umfassendsten Vorkehrungen getroffen, daß nicht Unberufene Sie ausgedehnten Anlagen besichtigen, wie überhaupt die englische Marineverwaltung streng auf Geheimhaltung der Pläne und Fortisikationen ihrer Flottenstützpunkte hält. Die Fertigstellung des neuen, strategisch so überaus wichtigen Kriegshasens, der u. a. künftig den größten Teil der zahlreichen britischen Torpcdoflotte beherbergen soll, wird mit so fieberhafter Eile betrieben, daß man in Marinekreisen bestimmt damit rechnet, den neuen Kriegshafen bereits vor dem 1. April 1914 bezogen zu sehen. Mit dem Augenblick, wo der neue Flottenstützpunkt am Firth of Forth seiner Bestimmung übergeben werden wird, dürfte Englands Kriegsaufmarsch vollendet sein. Von hier aus wird es den überlegenen Seestreitkräften Albions möglich, sowohl die nördliche Wasserstraße nach dem atlantischen Ozean, als auch die Ausfahrt aus der Ostsee, ja selbst aus der Elbe zu sperren, sowie gegebenenfalls Landungstruppen an die jütländische Küste zu werfen, ohne daß dies von deutscher Seite wirksam gehindert werden kann. — Die Eile, mit der England jenen Hafenausbau betreibt, steht mit der britischen Flottenhäufung in der Nordsee in merkwürdigem Gegensatz zu den immer wiederkehrenden britischen Versicherungen, daß England nichts ferner liege, als eine politische Gegensätzlichkeit zum Deutschen Reiche.
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Deutsches Reich.
— Die Nordlandsreise des Kaisers. Der Kaiser weilte Montag zu kurzem Besuch seiner Gemahlin im Neuen Palais bei Potsdam. Das Befinden der Kaiserin ist erfreulicherweise ein so befriedigendes, daß ein Aufschub der Nordlandsreise, die nach den letzten Bestimmungen am 9. Juli von Swinemünde aus angetreten werden soll, nicht in Aussicht genommen wurde.
— Verliehen. Berlin, 8. Juli. Der „Reichsanzeiger" meldet: Dem Generalmajor z. D. Gerard de Eraaff-Berlin-Halensee wurde der Stern zum Königlichen Kronenorden zweiter Klasse, dem Obersten z. D. Charles de Beaulien in Berlin-Steglitz der Königliche Kronenorden zweiter Klasse verliehen. ■
— Der Reichskanzler in Rußland. Petersburg, 8. Juli. Heute vormittag besuchte der Reichskanzler das deutsche Schulschiff „Hansa" und die Eremitage unter Führung des Barons Foelker- samb. Darauf fand beim Minister des Aeußern Sasonow ein Frühstück statt, an dem sämtliche in Petersburg anwesende Minister, die hohen Beamten des Auswärtigen Amts, alle Mitglieder der deutschen Botschaft, der bayerische Gesandte v. Grunelius, General v. Tatitschtschew und Botschafter Swerbejew teilnahmen. Nach dem Frühstück fuhr der Reichskanzler nach Zarskoje Sfelo. Abends findet in der Botschaft ein Diner statt, wozu geladen sind, der Ministerpräsident, der Marineminister und der Ackerbauminister mit ihren Damen, Gräfin Kleinmichel, und die Mitglieder der . Hofgesellschaft.
— Minister a. D. Hsbrecht Staatsminister a. D. Hobrecht, der älteste Ehrenbürger Berlins, ist, 88 Jahre alt, einem Schlaganfall erlegen.
— Bevorstehende Enteignung? Nach einem Berliner Blatte soll in Posen das Gerücht verbreitet sein, daß die erste Enteignung bevorstehe. In Aussicht genommen sei dafür das in der Nähe der russischen Grenze belegene Rittergut Glembokie bei Kruschwitz mit dem Vorwerk Maszenica. Das ganze Besitztum ist etwa 4000 Mor- gen groß und unlängst von Herrn Dominik v. Jezewski an Herrn v. Twardowski verkauft worden. Demgegenüber erfährt der „Berl. Lok.-Anz." von zuständiger Stelle, daß die Nachricht nicht auf Tatsachen beruhe. Es scheint demnach, als ob die Regierung vorläufig von ihrem Enteignungsrecht nach keinen Gebrauch zu machen gedeokt.
— Zum Befitzsteuerantrag Bassermann-Erzberger. In einem durch eine Zeitschrift veröffentlichten Artikel des Herrn Dr. Strese- mann, welcher der Verherrlichung des Herrn Vassermann gewidmet ist, wird diesem die Urheberschaft des Besitzsteuerantrags Bassermann-Erzberger zugeschrieben. Diese Behauptung trifft nicht zu. Das Verdienst, dieses Kompromiß angeregt zu haben, gebührt dem Abg. Schiffer. Herr Vassermann ist nur auf seine Anregung bereitwillig eingegangen.
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Besitzbefestigungsgesetz. Demselben Blatte zufolge schließt der Reichshaushalt für das Rechnungsjahr 1911 nach dem Endabschluß der Reichshauptkasse mit einem Eesamtüberfchuß von 249131 174.91 J*. ab.
— Freisinnig-nationalliberales Wahlabkommen. Stuttgart, 8. Juli. Das Wahlabkommen der Nationalliberalen Partei und der Volkspartei für die Landtagswahlen wurde heute nachmittag endgültig unterzeichnet.
— Die Marseillaise vor dem Nrederwalddenkmal. Eine son- derbare Demonstration haben sich kürzlich halbwüchsige Burschen aus Hanau geleistet. Als auf einer Rheinfahrt beim Passiere« des Niederwalddenkmals eine Kapelle auf dem Schiffe das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" intonierte, ließen sie ihre eigene Vereinsmusikkapelle die Arbeitermarseillaise spielen. Sie selbst aber sangen diese kräftig mit. Das ist zwar an sich nicht weltbewegend, zeigt aber doch, wie weit es die sozialdemokratische „Erziehung" gebracht hat.
— Die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit In Deutschland bildet fortgesetzt den Gegenstand ernster Aufmerksamkeit der zuständigen Behörde und Organe. Die Sommerhitze des Jahres 1911 hat eine enorme Steigerung der Säuglingssterblichkeit im Gefolge gehabt. Die Zahl der verstorbenen Säuglinge betrug allein in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1911 etwa 30000 mehr als durchschnittlich in dem gleichen Zeitraum der vorangegangenen Jahre. Das Kaiserin Auguste-Viktoria-Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche hat ein Flugblatt und Hitzmerkblatt zur Belehrung der Bevölkerung herausgegeben, dessen Verbreitung vom preußischen Minister des Innern den Behörden empfohlen worden ist.
— Das „Berliner Tageblatt" als Gift. Es ist noch in aller Erinnerung. wie der Verein für das Deutschtum im Ausland im Frühjahr d. I. infolge eines Irrtums die Auslandsausgabe des „Berl. Tagebl." empfahl. Hierzu schreibt der in Blumenau erscheinende deutsch-brasilianische „Urwald--btte": „Das „Bert. Tagebl" ist leine Zettung für Deutsche, am wenigsten für Deutsche im Ausland, denen man die Freude am alten Vaterland erhalten und den Stolz auf ihr Volkstum stärken soll. Beide werden von dem „Berl. Tagebl." systematisch ertötet. Dasselbe ist nicht nur beflissen, die deutsche Regierung und die deutschen Staatseinrichtungen in jeder Weise herabzusetzen, es leistet auch der Sozialdemokratie jeden möglichen Vorschub und hat für deutsch-nationale Bestrebungen nur ätzenden Spott. Außerdem wird in seinen Spalten dem frivolsten Sensationsbedürsnis Rechnung getragen. Deutsche Gesinnung ist dem von Juden geleiteten Blatte fo fremd wie der Sinn für Reinlichkeit. Und das soll eine geeignete Lektüre für die Deutschen im Auslande sein!? Die Deutschen im Auslande werden, mit wenigen Ausnahmen, an dieser Empfehlung berechtigten Anstoß nehmen. Ihnen kann nur mit der Lektüre solcher reichsdeutschen Zeitungen gedient fein, die bewußt auf deutsch-völkischem Standpunkt stehen. Das „Berl. Tage-' blatt" ist Gift für sie."
Koloniales.
Die deutsche Frau in den Schutzgebieten. Die „Neue Frauen- Korrespondenz" bemerkt zu der Tagung des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft folgendes: „Der Bund, der von Anfang an eine günstige Entwicklung genommen hat, zählt heute 14 000 Mitglieder. Seine Arbeitsgebiete, die sich bisher auf Südwestafrika beschränkten, sollen eine Ausdehnung auch auf Ostafrika erfahren. Die beiden Schöpfungen des Bundes, das Heimathaus in Keetmanshoop und das Jugendheim in Lüderitzbucht, erfreuen sich guten Gedeihens. In Keetmanshoop werden die ankommenden Mädchen zwei bis drei Monate im Haufe behalten: auch finden Frauen der naheliegenden Farmen im Notfälle in der Wöchne- rinnenabteilung des Heims Aufnahme. Im Jugendheim konnte eine schöne Bücherei eingerichtet werden. Die Zahl der weißen weiblichen Bevölkerung in unseren Kolonien ist nach den neuesten Berichten vom Jahre 1911 ' auf 5643 gestiegen. Es waren verheiratet in Deutsch-SLdwestafrika 1760, in Deutsch-Ostafrika 494, in Kamerun 109, Togo 30. Deutsch-Südsee 87, Samoa 55. Von den ledigen Frauen in den Kolonien sind besonders stark die katholischen Schwestern vertreten. Es kann nur wieder betont werden, daß die Tätigkeit des kolonialen Frauenbundes eng zusammen- hängt mit jeglichem Fortschritt, der drüben zu verzeichnen ist. Namentlich der Dienstbotennot wird wirksam entgegengearbeitet, indem die Mädchen während ihres Aufenthaltes in dem Keeimans- hoper Heim sich gegen Entgelt die nötigen Kenntnisse für den afrikanischen Haushalt aneignen können. Wenn erst alle Frauen — auch die unbemittelten — sich ein deutsches Mädchen halten können, dürfte manche Gefahr im Keim erstickt werden.
----♦---- Ausland.
** Friedensgerüchte. Die jetzt unmittelbar nach der Mon- archenbegegnung in Baltischport auftauchenden Gerüchte über einen bevorstehenden Waffenstillstand im italienisch-türkischen Kriege geben vielfach zu der Annahme Veranlassung, daß dis deutsche und die russische Regierung einen Schritt in dieser Richtung getan hätten. Wie verlautet, ist sicher, sowohl von den Monarchen wie von ihren Staatsmännern die Frage, ob und wie eine Basis zur Einstellung der Feindseligkeiten gefunden werden könne, erörtert worden. Es ist aber durchaus unwahrscheinlich, daß bereits irgend welche Vorschläge in Rom ober Konstantinopel gemacht worden sind. Im türkischen Ministerium besteht noch keine Einigkeit über etwaige Friedensverhandlungen, und scheint auch die kritische Lage in Albanien die leitenden Kreise in Konstantinopel nicht dazu bestimmen zu können, einmütig ernsten Erwägungen über einen Friedensschluss näher zu treten.
** Portugal. Paris, 8. Juli. Aus Madrid, wird gemeldet, daß 300 portugiesische Monarchisten bei Euilarez in Portugal ein- gebrungen seien und daß zwei Abteilungen von je 300 Mann monarchistischer Verschwörer hart an der Grenze auf portugiesischem Gebiet lagern und eine Abteilung portugiesischer Kavallerie za« rückgeschlagen hätten. Die spanische Regierung sprach dem Gouverneur von Orense wegen der von ihm geübten mangelhaften Ueberwachung lebhaften Tadel aus. — Lissabon, 8. Juli. Die mon«*