mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen! ..Nack Feierabend". „Fürs Haus" und „Landwirtschaftlicke Beilage."
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Marvnrg
Dienstag, 9. Juli
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47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Die Qeffentlichkeit unseres Strafgerichtsverfahrens.
Die öffentlichen Gerichtsverhandlungen stnd durch Gesetz eingeführt, em eine Kontrolle der Unparteilichkeit des Eerichtverfahrens und der Rechtsprechung möglich zu machen. Daß dem großen Publikum wenig daran gelegen ist, diese Kontrolle auszuüben, beweist der Umstand, daß bei Gerichtsverhandlungen, von denen ein besonders "interessanter" Verlauf nicht zu erwarten ist, die Zuschauertribünen gewöhnlich eine gähnende Leere aufweisen. Steht jedoch eine an Sensationen reiche Gerichtsverhandlung zu erwarten, dann sind die größten Tribünen unsrer Gerichtssäle nicht weit genug, um die neugierige Menge zu fassen. Also nicht das Interesse an der Ausübung eines Kontrollrechtes veranlaßt vielfach die Bevölkerung, den Gerichtsverhandlungen beizuwohnen, sondern lediglich um die Sucht, sich zu unterhalten. Würde es sich nun lediglich um die Befriedigung eitler Neugier handeln, so könnte man, unbeschadet unsrer Rechtspflege, den Wünschen solcher Juristen nachgeben, die die Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen wieder ab- fchasfen wollen. Es hieße aber das Kind mit dem Bade ausschütten, wollte man die Oeffentlichkeit vollständig beseitigen und damit auch die Kontrolle über den gesamten Gang einer Gerichtsverhandlung, über das Verhalten der Richter, Anwälte und Angeklagten ausschalten. Die unbeschränkte Oeffentlichkeit könnte sehr wohl durch eine beschränkte ersetzt werden und dabei doch der Zweck der Kontrolle gewahrt bleiben.
Die Gerichtsverhandlungen bei Sensationsprozesien, zu denen besonders solche über sexuelle Verbrechen, Mord und dergl. gehören, ferner bei großen Beleidigungsprozessen, versammeln meist ein Publikum im Gerichtssaal, das nichts weniger als geeignet ist, die erstrebte Kontrolle auszuüben, sondern nur mit gespannter Aufmerksamkeit der Verhandlung, als einem unterhaltenden Schauspiel folgt. Ein starkes Kontigent für das Publikum bei solchen Sensationsprozessen stellt auch die Verbrecherwelt. Die Angehörigen dieser, mit den Gesetzen in ewigem Kampfe liegenden Zunft, betrachten diese Strafprozesse als eine Art akademischen Unterrichts für ihre fernere Vervollkommnung. Sie finden oft Erklärungen über die Fragen, welche Fehler der Angeklagte in dem zur Verhanv- lung stehenden Falle begangen hat, die zur Entdeckung seines Verbrechens gefühtt haben, und lernen dabei, wie man noch schlauer! und vorsichtiger verfahren könne. Der müßigen Neugier des Publikums und der ungewollten Unterweisung von Verbrechern könnte man dadurch begegnen, daß dem Gerichtshof, der Anklagebehörde und der Verteidigung gestattet würde, eine bestimmte Anzahl unbestrafter und mündiger Personen als Zuhörer zu den Prozeßverhandlungen zuzulassen. Zu diesem Zweck wären Legitimationskarten auszugeben. Dadurch könnte jede, Nicht der Kontrolle der Unparteilichkeit der Gerichtsverhandlung dienende Oeffentlichkeit ausgefchlosien und die Kontrolle selbst doch gewahrt werden.
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Tie Kaiserzusammenkunft.
Baltischport, 6. Juli. Gestern abend um 8 Uhr war Tafel an Bord der Jacht „Hohenzollern". Nach dem Diner fanden kinematographische Vorführungen durch den Photographen Jürgensen statt, bei denen u. a. Szenen von der Norlandreise^dcs Kaisers 1911 und der Mittelmeerreise 1912 gezeigt wurden. Die russischen Herrschaften verließen die „Hohenzollern" gegen 11 Uhr. Heute vormittag 10y2 Uhr empfing der Kaiser auf der „Hohen- zcllern" das Offizierkorps des Regiments Nr. 75. Den Herren wurden Erfrischungen gereicht, während die Kapelle der „Hohenzollern" konzertierte. Die Abschiedsfrühstückstafel war an Bord des „Standart". Nach der Tafel ging die „Hohenzollern" mit den Begleitschiffen in See nach Swinemünde. Der Kaiser gedenkt sich am Montag vormittag zu kurzem Aufenthalt nach dem Neuen Palais zu begeben und am Dienstag nach Swinemünde zurückzukehren und von dort die Nordlandreise anzutreten. Der Reichskanzler begibt sich heute von hier über Reval nach Petersburg.
Swinemünde, 7. Juli. Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist. gefolgt von dem „Sleipner", heute nachmittag unter dem Salut der Festung hier eingelaufen. Das Wetter ist herrlich. Der Kaiser reist um 6 Uhr 30 Min. abends vom Hauptbahnhof ab und trifft um 11 Uhr 7 Min. auf Station Wildpark ein.
Preßstimmen.
Das offiziöse Wolfbüro verbreitet zu der Kaiserzusammenkunst folgendes Nachwort:
Die Begegnung des Kaisers und Königs mit dem Kaiser von Rußland trug einen besonders herzlichen Charakter und bildete einen neuen Beweis für die Freundschaftsbeziehungen, die die beiden Herrscher seit langen Jahren verbinden. Der Gedankenaustausch, der aus diesem Anlaß zwischen den in Begleitung der Monarchen befindlichen Staatsmännern stattgefunden hat, ergab aufs neue den festen Entschluß, die zwischen beiden Ländern bestehenden altehrwürdigen Traditionen hochzuhalten. Die politischen Aussprachen, die sich auf sämtliche Tagesfragen erstreckten, befestigte?: beiderseits die Ueberzeugung, daß es für die Interessen der beit.» Nachbarreiche und des allgemeinen Friedens dauernd von der l ch sten Bedeutung bleibt, die wechselseitige auf gegenseitigem Vertrauen beruhende Fühlungnahme aufrechtzuerhalten. Es konnte sich weder um neue Abmachungen handeln, da hierzu ein besonderer Anlaß nicht vorlag, noch auch darum, irgendwelche Aende- rungen in der Gruppierung der europäischen Mächte herbeizuführen, deren Wert für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts und des Friedens sich bereits erprobt hat. Die Begegnung in Valtisch- port kann daher mit vollem Recht allenthalben mit Genugtuung begrüßt werden. Während sie einerseits eine feste, dauernde Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland bezeugt, bedeutet ße andererseits auch einen beredten Ausdruck der friedlichen
Grundrichtungen ,die die Politik beider Reiche in gleichem Maße bestimmen.
Die „Nordd. Allgemeine Zeitung" schreibt: In dem Geist, wie sie geplant war, ist die Kaiserzusammenkunft vor Baltischport verlaufen. Schöne Tage ungetrübten Beisammenseins wurden unserem Kaiser durch die Gastfreundschaft des Kaisers Nikolarw in den russischen Eewäsiern bereitet. Sie verliefen in herzlichem verwandtschaftlichen Verkehr zwischen den Mitgliedern der beiden Herrscherhäuser und boten Gelegenheit zu offener und vertrauensvoller Besprechung der politischen Fragen durch die Monarchen und ihre Minister. Ueberraschungen sollten dabei nicht vorbereitet werden. Der Wert der Aussprache liegt darin, daß sich auf beiden Seiten der Wille gefestigt hat, dauernde Fühlung zwischen Deutschland und Rußland in den großen Tagesfragen zur Wahrung des europäischen Friedens zu unterhalten. Die vor Valtischport ausgetauschten deutsch-russischen Freundschaftskundgebungen sind in der Preffe entstellenden Deutungsversuchen weniger ausgesetzt gewesen, als frühere Zusammenkünfte. Wir möchten namentlich mit dem Ausdruck der Befriedigung darüber nicht zurückhalten, daß bei der Ankunft Kaiser Wilhelms in den russischen Gewässern die russische Preffe viele Aeußerungen einer freundlichen oder unbefangenen Gesinnung gegen Deutschland gebracht hat. Daß wir diese Gesinnung erwidern, bedarf keine» Versicherung.
Paris, 7. Juli. Das Kommunique über die Zusammenkunft von Valtischport wird in der hiesigen Preffe im Großen und Ganzen günstig besprochen. Der „Temps" meint: Wir haben unserem Verbündeten niemals die Kränkung angetan, in dieser Monarchenbegegnung geheime Kombinationen und versteckte Nebenabsichten zu suchen. Unsere Vertrauen war immer voll und ganz geblieben. Wir haben diesmal wie in ftüheren Fällen ohne Beunruhigung gesehen, wie die beiden Monarchen ihre überliefe- rungsmäßigen Besuche aufnahmen und wir bedürfen zu unserer Beruhigung nicht der amtlichen (Kommuniques. Der französische Botschafter wird von Sasonow die Versicherung erhalten können, daß Rußland und Deutschland kein für Frankreich beunruhigendes Abkommen getroffen haben. Das amtliche Kommunique, welches feststellt, daß die Ettmmung Europas immer mehr den Wunsch nach Gleichgewicht kundgibt, daß sich in den diplomatischen Beziehungen nichts geändert hat und daß die Politik Rußlands und Deutschlands von friedlichen Absichten erfüllt ist, wird mit Befriedigung ausgenommen werden.
Zusammenkunft des Reichskanzlers mit dem russischen Ministerpräsidenten.
Petersburg, 6. Juli. Reichskanzler v. Bethmann-Holl- weg traf am Sonnabend in Petersburg ein, wo er bis zum Mittwoch auf der deutschen Botschaft wohnen wird. Am Sonntag findet beim deutschen Botschafter ein Esten statt, an dem Ministerpräsident Kokowzow und der Minister des Aeußern teilnehmen werden. Für Dienstag hat Ministerpräsident Kokowzow den Reichskanzler und den deutschen Botschafter nach Jelagin eingeladen. Der Reichskanzler wird mit dem Minister des Aeußern im Auswärtigen Amt konferieren.
Empfang des französischen Botschafters bei Kokowzew und Ssasonow.
Petersburg, 6. Juli. Wie „Birschewyja" melden, wird der französische Botschafter in Petersburg Louis gleich morgen, Sonntag, sofort nach der Rückkehr des Ministerpräsidenten Kokowzew und des Ministers des Aeußern Ssasonow von ihnen empfangen werden. — Herr Louis bat's also eilig.
Deutsches Reich-,
— Parlamentarier als Kaisermanövergäste. Das preußische Kriegsministerium hat den Referenten und den Korreferenten des Militäretats in der Budgetkommission des Reichstages, die Abgeordneten Eans Edler von Putlitz und Erzberger, zur Teilnahme am Kaisermanöver eingeladen. Die beiden Militäretat-Referenten werden von Dienst wegen einquartiert werden, es wird ihnen für die Eefechtstage vom 10. bis 14. September ein Heereskraftwagen zur Verfügung gestellt, und sie werden von einem Offizer des Kriegsmini st er i ums begleitet fein. Ein Präzedenzfall für diese Einladung liegt insofern vor, als das Reichsmarineamt bereits mehrfach Reichstagsabgeordnete zur Teilnahme an den großen Manövern der Hochseeflotte eingeladen hat und hierbei auf Schlachtschiffen untergebracht hatte.
— Die Rationalflngspende. Hamburg, 6. Juli. Bei dem Hamburgischen Komitee für die Nationalflugspende find bisher insgesamt rund 230 000 <41 eingegangen.
— Unglücksfall. Mainz, 7. Juli. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern gelegenrlich einer Erkundigungsübung der 2. Abteilung des 2. Raff. Feld-Art.-Regts Nr. 63, Frankfurt a. M., beim Vororte Drais. Durch Mückenstiche wurden die Pferde eines Vizewachtmeiffers und eines Einjährigen scheu. Der Mzewacht- meister wurde vom Pferde geschleudert, mehrere Meter geschleift und kam mit einem Armbruch davon. Das Pferd des Einjährigen rannte wider eine Mauer) es war sofort tot, während der Reiter außer anderen leichten Verletzungen eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Die beiden Verletzten wurden in einem Kraftwagen ins hiesige Garnisonlazarett überführt.
— Freisinnig« Kampfesweise. Berlin, 6. Juli. Wir lesen in der „D. T." folgende köstliche Geschichte: Das „Riederbarnimer Kreisblatt" brachte kürzlich eine Anzeige, in der das der Gemeinde Weißensee gehörige Rittergut Birkholz Speisekartoffeln anbot. Das „Weißenseer Tageblatt" fragte darauf, warum denn diese Kartoffeln so lange zurückgehalten worden seien. Die „Eberswal- der Zeitung" glaubt noch ein übrige« tun zu sollen, indem sie be«
| hauptet, von anderer Seite werde berichtet, daß Landwirte noch immer mit ihren Kartoffelvorräten zurückhielten, und die Worte hinzufügt: „Die Profitwut dieser Leute läßt befürchten, daß sie die Kartoffeln lieber verfaulen laffen, als daß sie durch stärkeres Angebot die Preise drücken." Der Humor dabei ist nun, daß das Rittergut Birkholz doch einet liberalen Gemeindeverwaltung gehört, daß also unmöglich seine „Kartoffelpolitik" den bösen Agrariern in die Schuhe geschoben werden kann.
— Wegen Majestätsbeleidigung verurteilt. Der Bankbeamte Schatz aus Saargemünd, der gelegentlich einer Versammlung des Souvenir lorraine die Kaiserbüste mit dem Gesicht nach der Wand gedreht und dann auf den Kaiser bezügliche beleidigende Worte gebraucht hatte, wurde zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. >
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Tn? Weidenhäuser Grabenfest.
Marburg, 7. Juli.
Hoffmanns Liesche •'
Hoffmanns Liesche,
Dreht sich dreimal rum di bum!
Wir haben schon mehr als einmal über das historische Fest unserer Weidenhäuser Mitbürger berichtet und stets dabei auch „Hoffmanns Liesche" erwähnt. Wer ist eigentlich „Hoffmanns Liesche"? wirt mancher fragen. Wir wiffen es wirklich nicht genau, weshalb bei Weibenhäuser „Figaro", bem bei allen Gelegenheiten bie Hauptrolle zugedacht wird und der von Jung und Alt getanzt wird, ob die Beine mit- wollen ober nicht, diese Bezeichnung erhalten hat. Wer auf dem Graben- fest das Tanzbein schwingt, muß auch einmal mit „Hoffmanns Liesche» seine Kunst versuchen. Diesmal konnten es die Kleinen dank ihres gute« Lehrmeisters aber doch am besten.
Also Grabenfest wird jetzt gefeiert. Warum, das wiffen unsere Leser; sie wiffen auch schon, daß es gerade 10» Jahre sind, just in der Franzosenzeit, daß die Weidenhäuser Erlengrabengesellschaft die fruchtbaren Länder, das Resultat jahrelanger schwerer Arbeit, als bleibendes Eesell- schaftseigentum von Rechtswegen zugestanden erhielten. Und weil ei IOC Jahre sind und dabei auch zugleich die neue städtische Festhalle ein- zuweihen ist, deshalb mußte das Erabenfest diesmal besonders gefeiert werden.
Der Eingang zum Festplatze, den die neue Festhalle flaniert, ist wieder mit bem alten Stadtbild im Vordergründe Weidenhausen geschmückt. Die zur Volksbelustigung dienenden Schaubuden usw. befinden sich außerhalb des Festplatzes. Am Sonnabend nachmittag wurde das Erabenfest mit einem Konzert der Jägerkapelle eröffnet. Es fanden sich hierzu schon zahlreiche Besucher ein; besonder« in der städtischen Festhalle, in der sichs ganz gut sein läßt, gabs großen Betrieb. Wir hatten einem freundlichen Ersuchen, für gutes Wetter zu sorgen, in unserer Sonnabend- nummer Folge geleistet und Grabenfestwetter prophezeit und bis jetzt hats auch gestimmt. Schon am Sonnabend richtete sich das Wetter ganz und gar nach unterer Prophezeiung und gestern am Hauptfesttage natürlich erst recht. Aber wir können wirklich nichts dafür.
Der Weckruf der Jägerkapelle
der gestern morgen am Grün und in Weidenhausen vor sich ging, war für die Kleinen nicht mehr nötig. Sie waren schon alle auf den Beinen, in fröhlicher Erwartung der großen Dinge, zu dem sie heute berufen waren. Marburg erfreute sich gestern sowieso eines großen Fremdenbesuchs. Daß das Erabenfest dazu nicht wenig beigetragen haben mag, dürfte jedenfalls sicher sein. Die große Menschenmenge welche gestern unsere Stadt durchflutete, konzentrierte sich schon von 2 Uhr an in dem diesmal durch das Miteinflechten der Südstadt etwas ourqebeljnterem Straßennetz, welche bet
Erabenfestzug
burchziehen sollte. Früher erfolgte bie Aufstellung am Grüner Tor, diesmal ginge von Weidenhaufen aus teilweise durch die am Sonnabend mitgeteilten Straßen und von da zurück nach bem Festplatz. Der Festzug paßte sich gestern besonbers bem historischen Charakter d-s Festes an unb fand ben ungeteilten Beifall bet fremden unb einheimischen Zuschauer, welche dichtgedrängt bie Straßen umsäumten. Der von Herrn L. Aborf arrangierte Zug wurde durch einen Herold eröffnet. Es folgten Komitee- mitglieber und eine Anzahl Wagen, in denen Vertreter bet Stabt und die Vorstände der Erlengrabengesellschaft Platz genommen hatten. Nach bet Musik kamen Ehrendamen unb Koiniteemitglieber unb ihnen schloß sich bie erste Gruppe, eine Anzahl Knaben und Mädchen mit allerhand Arbeitsgerätschaften und zwei mit Blumen geschmückten Schiebkarren an. Sie stellten sinngemäß die Urbarmachung der Erlensümpfe, bet jetzigen Erabenlänbet, dar. Ein« weitere ähnliche Gruppe, beten Teilnehmer Körbe mit allerhand Gemüse trugen, zeigte, daß die mühevolle Arbeit auch reichen Segen trügt. In bei dritten Gruppe marschierte stolz, begleitet von zwei Soldaten der französisch-westfälischen Armee, ber damalige König Jerome, der sieben Jahre über unser Heffenland herrschte. Ihm schloffen sich alleruntertänigst drei Mitglieder des damaligen Magistrats, alle in ber Tracht, wie es „anno bazumal"Mobe war, an. Weiter flnb befonbers *u erwähnen ber von 4 Pferden gezogene historische Fest- wagen, auf bem sich eine von künstlerischer Hand hergestellte Nachbildung des Weidenhäuser Tores, wie es früher war, befand. (Es wäre gut, wenn diese mühevolle Arbeit irgendwo, vielleicht auf dem Schlöffe bei der Alter- tiimetfammlung, einen Platz finden könnte.) Ferner die blumenstreuen- ben Mädchen unb die Viebetmeiet-Etuppe, hinter ber wieder Euitlanben unb Blumen tragende Mädchen gingen. Auch bie 4 Jahreszeiten, bie eine weitere Gruppe barfteltte, fand ebensolche Anerkennung, wie die schön dargestellte kleine Pagengruppe, welche bas Marburger Stabt» wappen als Stanbarte führten. Ein Page, begleitet von Mädchen, ber eine zum Geschenk für ben Vorsitzenden bestimmte Vase trug, gefiel auch. Den Schluß bildeten, wie immer, Hunderte von Kindern, Mädchen und Knaben, die Zukunft Weidenhausens, die mit strahlenden Gesichtern ihr Kränze, Blumen unb Fähnchen trugen. Ein reizvolles Bild, das unter ben Zuschauern große Begeisterung Hervorrufen mußte. Es erinnerte an die Zeit der früher in Marburg so beliebten unb jetzt seit Jahren ganz fallengelaffenen Jugendfeste. Für das was bem Zuge folgte, war Weidenhausens Straße zu enge, ebenso der Grabe« und wenn dort ein Passant in seinen Sonntagskleidern ein Bad nahm, so tat et bies nicht, wie böse Zungen behaupten, weil er sich für den Mo»