l/i a Cw viL -po,r vezv
Jfo lo7 und der Expl
langt zugesc
1912
schloffen.
Marvurg
Sonntag, 7. Juli
zwar eine unabhängige richterliche Behörde, gegen deren Entschei- du/rgen noch an das Oberverwaltungsgericht appelliert werden kann. Reben anderen Wünschen und Ausstellungen wird dann die Bildung von Wafferbeiträgen für jede Provinz bemängelt.
Ein Opfer der französischen Fremdenlegion.
.lei Anzeigenpreis ueiuißt jur Die 7ge]paltene yetle oder deren Raum 15 L, bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für
rung ausge- lortokosten —
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen I „Nack Feierabend". „Fürs Saus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
deren Raum 15 L, bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für in (X Reklamen die Zeile 60 j. Ski Wiederholungen entsprechender Rabatt. «OUyig. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. 8$er« bindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und B
-rie „x.bcii)t|;i|uii ciiuma mufub. mu «u»...u,u«. 0" «vuio> und Feiertage. — Ter Bezugspreis betragt vierteliährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei rnS $auS. (Sur unber» langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktron ktnerte Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Das „Besitzstandsdefcsliqunzs-Gesetz".
Hinter diesem seltsamen Namen, der ohne weiteres nur den „Wissenden" sofort erklärlich ist, birgt sich das Gesetz, das jüngst im preußischen Landtage verabschiedet wurde und dazu bestimmt ist, die „national gefährdeten" Teile von Ostpreußen, Pommern, Schlesien und Schleswig-Holstein gegen das Vordringen und vor dem Ueberhandnehmen antideutscher Elemente zu schützen. Es wird eine Königliche Verordnung vorbereitet, die die Gebiete ,in denen die neuen Gesetzlichen Bestimmungen in Wirksamkeit treten sollen, genau abgrenzen wird. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Amts- und Eemeindebezirke, in denen nachweislich die Gefahr besteht, daß deutscher Besitz in das Eigentum fremdsprachlicher Elemente übergeht.
Es ist der Regierung in letzter Zeit von besonders eifrigen Förderern des Deutschtums in den national bedrohten Landesteilen der Monarchie, der Vorwurf gemacht worden, daß sie nichts genug tue, um dem Vordringen der Polen und Dänen in den bedrohten Grenzgebieten zu wehren. Dieser Vorwurf erscheint aber nicht ganz gerechtfertigt, wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß die Abwehrmaßregeln sich nur gegen eine Vergewaltigung des Deutschtums und gegen Loslösung gewißer Gebietsteile von der Monarchie richten, nicht aber zur Vernichtung der in den Grenzgebieten seßhaften fremden Nationalitäten führen sollen. Mit viel größerem Recht muß die Mahnung an die Besitzer deutscher Güter und Geschäfte gerichtet werden, ihr Eigentum nicht an Fremde zu verkaufen, was leider immer noch in recht erheblichem Umfange geschieht. Sehr beherzigenswert sind die Worte des Kaisers, die er einst auf dem Marktplatze zu Gnesen sprach, in denen er betonte, Daß derjenige, der sein Land an die Gegner unseres Volkstums verkaufe, die deutsche Sache schwer schädige. Gegen dieses einfache Gebot der Selbsterhaltung sündigt aber das Deutschtum selbst immer noch in unverantwortlichem Maße. In jüngster Zeit wurde eine 148 Morgen große Wirtschaft in Erünlinde bei Vandsburg aus deutschen Händen an den Polen Julius Eliszczynski aus Mrotschen für 63 000 M verkauft. Das Hotel des deutschen Stadtverordneten Eraumann in Ostrowo ging durch Kauf für 117 000 kn die Hände des polnischen Rechtsanwalts $ egale über; ferner verkaufte der deutsche Bäckermeister Josef Friedmann sein am Marktplatz in Labischin belegenes Grundstück für 24 000 an den polnischer Bäckermeister Johann Witucki. Sehr zu bedauern ist auch, daß die alte Herrschaft Naffenhaide, die seit Jahrhunderten im Besitz des deutschen Hochadels war, durch Zwangsversteigerung in polnische Hände gelangt ist. Das Rittergut wurde im Auftrage eines bekannten polnischen ELteragenten für 4 200 300 °4l versteigert. Welch großen Wert die polnische Agitation selbst auf den Landankauf für das Polentum legt, erhellt aus einem Artikel im „Kuryer Warszawski", in dem betont wird, daß es gut fei, wenn ein Pole im Posenschen, in Westpreußen, Oberschlesien und Masuren eine Besitzung aus deutscher Hand aufkaufe. Es trage dazu bei, unter der Bevölkerung die Ueberzeugung wieder zu erwecken, daß die Polen nicht nur Bauern und Arbeiter, sondern ebenso Herren im Lande seien, wie die Deutschen. Diese Landkäufe der Polen bilden ein System ihrer nationalen Propaganda und eines der wichtigsten Kampfmittel. Dagegen muß von der Regierung und durch diese unterstützt, von der deutschen Bevölkerung in erster Linie Front gemacht werden.
PoMsche Umschau.
Anträge zum Waffergesetz.
Zur Beendigung der ersten Lesung des Waffergesehes in der Kommission wird mitgeteilt: Der Wasserwirtschaftliche Verband, die größte wasserwirtschaftliche Jntereffenvertretung in Deutschland, hat dem Abgeordnetenhause eine Anzahl von Resolutionen überreicht, in denen er Stellung zu dem preußischen Wassergesetz- entwurf nimmt. Der Verband, der die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung der Wasiergesetzgebung anerkennt und die Vereinigung des Wasiergesetzes mit den Fragen der Abwäsier und der unterirdischen Gewässer gutheißt, stellt in diesen Resolutionen einige, nach seiner Ueberzeugung unumgängliche Forderungen auf. Zunächst verlangt er, daß eine Verschlechterung de? jetzt für das Bergwesen geltenden Rechtszustandes durch das Waffergesetz wegen der bergbaulichen Jntereffen unter allen Umständen vermieden werde. Starke Bedenken hat der Verband gegen die Anerkennung staatlichen Eigentumsrechtes an öffentlichen Flüffen. Das Bett dieser Flüsse soll „gemeines Eigentum", die fließende Welle jedoch eine „res nullius“ sein. Auch bei privaten Flüffen soll nur das Bett des Fluffes, nicht aber die fließende Welle Privateigentum fein dürfen. In der Einrichtung des Rechtsinstituts der Verleihung und Ausgleichung wird als wünschenswert bezeichnet, daß die Verleihung als dauernd gegeben wird, wenn zeitliche Begrenzung vom Antragsteller verlangt wird; äußer etwa bei Wasserläufen erster Ordnung, wenn öffentliche Interessen entgegenstehen. Ferner sollte die Verleihung auf Häfen- und Liegeplätze erweitert werden. Die Wasserbücher sollen, wie im sächsischen Waffergesetz, zwar nicht öffentlichenElauben, aber doch die Vermutung der Richtigkeit bis zum Beweise des Gegenteils erhalten. Im weiteren wendet sich der Verband gegen die behördliche Organisation des Entwurfes, indem er seine Kritik besonders gegen die Absicht richtet, als letzte Instanz gegen die Bezirksausschußentscheidungen die Minister zu berufen. Er verlangt eine zweite Instanz, und
Die „Deutsche Zeitung" erhält von einem höheren Beamten eines deutschen Bundesstaates folgende Zuschrift: „Am 20. Februar 1912 ist mein Sohn Franz Albrecht spurlos aus dem Hause verschwunden, alle Nachforschungen waren vergebens. Da ich am meisten Verdacht auf die französische Fremdenlegion hatte, wandte ich mich durch unser Ministerium an das Kaiserliche Auswärtige Amt und erhielt prompt die Auskunft: Franz Albrecht ist nicht in der französischen Fremdenlegion. D. h. der Gesandte scheint einfach gefragt zu haben und hat die verneinende Antwort als ausreichend angesehen; meiner Meinung nach hätte die Nachforschung wohl etwas anders stattfinden müssen. Mein Sohn befindet sich in der Tat dort und zwar unter dem Namen Francois Arnow, 2. Reg. Etr. 10. Eomp. Eäryville (Afrique). Nun habe ich sofort mich wieder an das Auswärtige Amt gewandt und hoffe auf die Auslieferung des Jungen. Ich frage nun: Dürfen die Franzosen minderjährige Deutsche (mein Sohn ist I6V2 Jahre alt) ohne Papiere und ohne jeglichen Ausweis in die Legion einstellen, gibt es nicht Abmachungen zwischen Deutschland und Frankreich, die das verbieten?" — Hoffentlich nimmt sich das Auswärtige Amt dieses Falles mit allem Nachdruck an, um so mehr, als es von den französischen Behörden zunächst über den Verbleib des jungen Deutschen getäuscht worden ist.
----*----
Deutsches Reich.
— Herr von Schuckmann und di« Jenaer Stichwahlbedingungen. Berlin, 5. Juli. Ans dem sozialdemokratischen Patteitag für die Provinz Brandenburg hatte Genosse Wels behauptet, der konservative Uhrmacher Walter aus Arnswalde habe bei dem letzten Wahlkampfe in Friedeberg-Ainswalde mit der Sozialdemokratie verhandelt und in Aussicht gestellt, daß Herr von Schuckmann, der konservative Kandidat, die Jenaer Stichwahlbeschlüsse vielleicht dann unterschreibe, wenn die „Genossen" in der Stichwahl für ihn stimmen würden. Zu dieser Behauptung schreibt die „Kreuzzeitung": „Die Fortschrittspresse erblickt, ehrlich wie sie ist, in diesen „Enthüllungen" einen Beweis dafür, daß die Konservativen sogar durch schriftliche Verpflichtungen sozialdemokratische Wahlhilfe zu ergattern suchten, sie macht also ohne weiteres aus der Annahme eine Tatsache, für Tie sie noch dazu die ganze konservattve Partei verantwortlich machen will. — Die Kons. Korr. schreibt: Gegenüber Mitteilungen, die in den letzten Tagen in liberalen Blättern int Anschluß an den sozialdemokratischen Parteitag in Brandenburg am 30. Juni erschienen waren, sind wir ermächtigt, folgendes zu erklären: Weder Herr v. Schuckmann, noch irgendwelche Beauftragte der konservativen Partei haben den Uhrmacher Walter, noch irgend anders jemand beauftragt, mit der Sozialdemokratie zu verhandeln ober derselben irgend welche Erklärungen abzugeben. Auch dem fraglichen Flugblatt stehen sowohl Herr v. Schuckmann wie die konservative Pattei des Wahlkreises Arnswalde- Friedeberg vollständig fern; von dem Erscheinen des Flugblattes haben sie überhaupt erst nach erfolgter Verbreitung Knnntnis erhalten.
— Die Kongo-Kamerun-Kommission. Paris, 4. Juli. Der „Stöcke" will mitteilen können, daß die in Bern tagende deutsch-französische Kongo- Kamerun-Kommission die Grenzlinien zwischen Französisch- und Deutsch- Kongo festgesetzt habe und über die Arbeitsmethode der französisch-deutschen Erenzbestimmungskommiffion einig geworden sei. Sie beschloß, daß die Eebietsübergabe zeremonienlos erfolge. Die Deutschen würden einfach Truppen oder Kolonialbeamte in die neuerworbenen Gebiete schicken. Die Umgestaltung der französischen Konzeffionsgesellschaften in deutsche werde die Lösung von heiklen juristischen Fragen notwendig mach-n, doch glaube man, daß es möglich sein werde, ein die beiderseitigen Interessen schonendes Uebergangsrsgime zu finden. Unter diesen Umständen sei es möglich, daß man das Verständigungsprotokoll bereits im Laufe der nächsten Woche werde unterzeichnen können.
— Saatenstand in Preußen. Berlin, 4. Juli. In den Bemerkungen der statistischen Korrespondenz zum Saatenstand in Preußen heißt es: Infolge des überwiegend fruchtbaren Wetters war fast überall eine befriedigende Weiterentwicklung der Saaten und Futterpflanzen zu verzeichnen. Allerdings wurde auch das Gedeihen von Unkräutern aller Art begünstigt. Sodann leiden mitunter Halmfrüchte an Rost, Flug- brand, die Kartoffeln an der Blattroll- und Kräuselkrankheit. Von den gewöhnlich vorkommenden tierischen Schädlingen sollen die Drahtwürmer, Erdflöhe und die Engerlinge am stärksten auftreten. Von den Winfer- halmfrüchten sollen die von Winterschäden betroffenen Weizensaaten trotz der starken Befeuchtung auf Wiederbelebung der Fehlstellen die gesetzte Hoffnung nicht erfüllt haben. Bei Roggen haben die Regengüsse in bedeutendem Umfange Schaden verursacht, sodaß die Aehren nicht voll geladen sind, sondern Lücken gelassen haben. Infolge der ungünstigen Frühjahrswitterung zeigte Roggen häufig auch keine gute Bestockung. Seine Löhnung an Korn wird voraussichtlich int großen und ganzen aber doch mehr- als die Normalernte ergeben. Die Güte des Kornes dürfte jedoch, wenn die Niederschläge nicht bald Nachlassen und nicht mehr Sonnenschein kommt, als bisher etwas zu wünschen übrig lassen. Wie die Winterung, so hat auch die Sommerung im allgemeinen gute Fortschritte gemacht. Etwas fraglicher lauten allerdings die Nachrichten über Sommerroggen und Hafer, die wegen ungewöhnlicher starker Verunkrautung und Jnsektenftaßes nicht viel ober gar nicht zunehmen konnten. Den Hülsenfrüchten war die Witterung fast in allen ©egenben sehr zuträglich. Allgemein in ber Entwicklung noch zurück waren bie Hackfrüchte. Die Kartoffeln sinb trotz bet vielen Rieberschläge sehr ungleich oberknum aufgelaufen unb lassen in manchen Felbern noch keine verläßliche S urteilung zu. Zucker- unb Futterrüben, namentlich erstere, mußten infolge bes Insektenfraßes oftmals neu gepflanzt werben, sodaß sie vorläufig wenig Fortschritte aufzuweisen haben. Der Klee hat, soweit bie Pflanze überhaupt noch vorhanden war, ein tüchtiges Wachstum gezeigt unb läßt ebenso wie bie Luzerne einen guten zweiten Schnitt erwarten. Von den Wiesen war fast überall, ausgenommen bie nord- östlichen Landesteile, der erste Schnitt genommen unb bas Heu zum Teil gut eingebracht, manches aber doch verdorben. Das trocken geborgene
Heu soll, wie hin unb roiebet berichtet wirb, von vorzüglicher Qualität sein.
-----*----
Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nut mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 6. Juli.
* Bom Erabenfest. Unsere Weidenhäuser Mitbürger schicken sich wieder einmal yn, ihr althistorisches Erabenfest zu begehen. Diesmal erhält es eine besondere Bedeutung dadurch, daß zugleich das 100jährige Bestehen der Erlengrabengesellschaft und die Einweihung unserer städtischen Festhalle damit verbunden werden kann. Weshalb das Erabenfest gefeiert wird, haben wir in einem längeren Artikel in den letzten Nummern unserer Beilage „Nach Feierabend" zur Genüge in Erinnerung gebracht und auch rnttgee teilt, wie die Erlengraben-Gesellschaft in Weidenhausen entstand« Es erübrigt sich deshalb, jetzt nochmals darauf einzugehen. Dis Marburger Lokalfeste, das Ketzerbacher Vachfest sowohl wie auch das jetzt bevorstehende Weidenhäuser Erabenfest, üben immer einen eigenartigen Reiz und eine große Anziehungskraft aus, beide sind immer Volksfeste für ganz Marburg gewesen und so wird es auck diesmal wieder sein. Das Fest beginnt heute Sonnabend um 8 Uhr auf dem schön zurechtgemachten städtischen Festplatze vor Meidenhausen mit einem Konzert der Jägerkapelle. Die meiste Anziehungskraft wird jedoch wieder der Festzug ausüben, der sich am Sonntag nachmittag um 2>/2 Uhr am Weidenhäusertor aufstellt und folgende Straßen passiert: Weidenhausen, Universitäts- straße, Kasernenstraße, Wilhelmstraße, Haspelstraße, Frankfurterstraße, Am Erün, Rudolphsplatz, durch Weidenhaufen nach dem Festplatz. In der Hauptsache werden hier die Gruppen „Jung- Weidenhausen" wieder das beste tun müssen. Das Programm ist schon mehrmals in der Zeitung mitgeteilt worden. Weidenhausen aber selbst schmückt sich wie eine junge Maid an ihrem Hochzeitstage. lleberall wird die letzte Hand angelegt und Vorbereitungen dazu getroffen, frohe Gäste zu empfangen. Am meisten freuen sich die Kinder, welche die ganze Zeit schon fleißig „Hoffmanns Lieschen" üben. Jedenfalls dürfte es auf dem Erabenfest, besonders wenn das „Grabenwetter" nicht versagt, gemütlich werden. An „Erabenöl" fehlt es nicht und „Erabenwürste" gibt es auch, besonders Sonntag nachmittag um 4y2 Uhr in der städtischen Festhalle.
• Zur Feier des 70. Geburtstages von Herrn Geheimrat Cohen hatten stühete Schüler unb ältere Freunde am Donnerstag abend eine Gesellschaft — darunter 40 Studierende — in das Haus bet gribeticianet geloben. Das Fest wat eine Zusammenkunft bet „Marburger Schule" und ihrer Gesinnungsfreunde aus nah und fern. Die Einmütigkeit in der wissenschaftlichen unb sittlichen Grundrichtung bet Teilnehmer bestimmte daher auch den harmonischen, beglückenden und erhebenden Verlauf bes Festes, bas bie meisten sicherlich als eine ihrer schönsten (Erinnerungen zeitlebens im Herzen bewahren werben. Aus demselben Geiste entsprangen auch die Reden, die während bes Festmahles gehalten würben. Die Hauptrebner waten Prof. Natorp, Prof. Rabe unb Privatbozent Dt. Easfitet. Den Gegenstand bet Reben bilbete bie Gemeinsamkeit bet wissenschaftlichen Gtundauffassung bet Schule, die ihrer ethischen Tendenzen, in welcher Hinsicht die beiden Reden der Vertreter ber russischen unb spanischen Schüler Prof. Eohens zu erwähnen sinb, unb bas starke persönliche Gemeinschaftsgefühl, bie „Einhei i bes Hetzens" ber Freunde, im Zeichen ber gemeinsamen Liebe und Treue zum gleichen Lehret. So scheint bas Fest, bas mit musikalischen Darbietungen unb ungezwungener Unterhaltung bis lange nach Mitternacht sick hinzog, einen Markstein für die Festigung unb Erweiterung bes Zusammengehörigkeitsgefühles bieses Schulkreises bebeuten zu sollen. Wie zum Schluß bes Mahles Prof. Cohen selber seinen Freund und Kollegen Prof. Natorp als den feierte, ohne dessen jahrzehntelange Mitarbeit er das nicht habe leisten können, was er geleistet habe, so sprechen wir hier die Hoffnung aus, daß nach Herrn Prof. Cohens Rücktritt von der amtlichen Tätigkeit durch die Wahl des Nachfolgers diese Grundlage gleichgerichteter und gemeinschaftlicher Arbeit für eine intensive philosophische Wirksamkeit an unserer Hochschule anerkannt werde unb erhalten bleibe.
* Konseroativ-nationalliberale Versammlung. Der Vorstand des hiesigen konservativen und der des nationalliberalen Vereins hatten für gestern abend in den Freidhof eine Versammlung von Anhängern der beiden Parteien einberufen, in der Herr Landtagsabgeordneter Prof. Dr. Vredt Bericht erstattete über die verflossene Landtagssession und die politische Lage. Nachdem Herr Fabrikant Schäfer die Anwesenden im Namen des gemeinsamen Vorstandes begrüßt hatte, ergriff Herr Prof. Vredt das Wort zu feinen Ausführungen. Zunächst sprach er über die Stellung der Parteien wie sie heute ist. Den Sozialdemokraten gegenüber gelte es noch immer, sie aufs schärfste zu bekämpfen. Dieselbe Stellungnahme sei der Fortschrittlichen Partei gegenüber angebracht, die durch ihr bekanntes Stichwahlbündnis die Sozialdemokratie gefördert und damit das Verhältnis zur Rechten verschlechtert habe, was auch bei den Etatsberatungen hervorgetrrten fei. Näher ging dann Redner auf die nationalliberale Partei ein und betonte dabei, daß zwischen seiner Partei und den Nationalliberalen im Landtage sympathische Beziehungen beständen, was sich besonders bei der Beratung des Besitzbefestigungsgesetzes gezeigt habe. Herr Prof. Vredt kam dann auf den bekannten „Zusammenstoß" der Herren Hennings (kons.) und v. Kardoff (freikons.) zu sprechen. Die Angelegenheit habe andere Gründe als in der Presse angeführt worden- seien. Von einem Linksabmarsch der Freikonscr- vativen dabei zu sprechen, sei unrichtig. Weiter erörterte Redner die Stellung des Zentrums und besprach dabei die innere Konstruktion desselben sowie die Ereignisse der vergangenen Legislaturperiode. Er kam zu dem Resultat, daß das Zentrum nicht unbedingt mehr zur Rechten zu zählen fei. Alles in allem fei di«