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LUcH)t|1Uii;i Otuung etiaiu.u luyiia, mit auer.iujiHt Oet e.-orur- und Feiertage. Ter Bezugspreis betragt vierteliahrlich durch die Post bezogen 2.25 <* (ohne Bestellgeld), be, unteren Le'tungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <H frei inS HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt d,e Redaktron kemerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh ' Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonnabend, 6. Jnlt

deren Raum 15 , bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 A. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver­bindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausge­schlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg.

1912.

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Erstes Blatt.

Tie KaiserbeWnung.

' Baltischport, 4. Juli. Seit dem frühen Morgen hißten die Wp-Iussischen Schiffe am Großmast die deutsche Flagge. Die JachtenStan­dart" undPoljamaja Swjesda" liegen nebeneinander, dazwischen ist der Platz für dieHohenzollern". Etwa um %10 Uhr zeigten bei son- nigem Wetter und stiller See Rauchwolken das Herannahen der deut- scheu Schiffe, von einer russischen Torpedodivision geleitet. Auf dem Meer fuhren dem Kaiser der deutsche Botschafter Graf Pourtal^ mit den Militär- und Marineattachees auf der Jacht des Marineministers Newa" entgegen. Als sich die deutschen Schiffe näherten, gab die Jacht Standort" das Signal zu dem Salut von 33 Schüßen.Poljarnaja Swjesda",Andrei Perwosmany" undImperator Pawel Pjerwy" donnerten über die Bucht.Moltke" antwortete. Bei der Vorbeifahrt derHohenzollern" ertönte ein weitschallendes Hurrah der deutschen und russischen Matrosen. Nachdem dieHohenzollern" verankert war, fuhr der Kaiser von Rußland aus einer Dampferpinasie zur Begrüßung des Kaisers. In dem Gefolge des Kaisers von Rußland befanden sich der Hofminister und der Flaggenkapitän und die zum Ehrendienst des deutschen Kaisers Kommandierten: Generaladjutant Baron v. Mayen- dorff, Kontteadmiral a la suite Graf von Heyden, Flügeladjutant vom Dienst Asienjew sowie der dem Prinzen Adalbert zugeteilte Flügel­adjutant Wolkow. DieHohenzollern" hißte die rusiische Kaiserstan- darte, die deutschen Schiffe salutierten, die rusiischen antworteten. Um 9 Uhr begaben sich der Ministerpräsident, der Minister des Aeußern, der Kriegsminister und der Gouverneur von Esthland an Bord des Poljanaja Swjesda".

Berlin, 4. Juli. DieNord. Allg .Ztg." veröffentlicht den bereits gestern gemeldeten Artikel der offiziösenRossija" anläßlich der Kaiser- Heute widmen alle Zeitungen der Kaiserentrevue Leitartikel. Die Nowoje Wremja" meint, jede neue Begegnung der beiden Monarchen muß allen Anhängern des Friedens und Gegnern der grausamen Politik des Schwertes und des Blutes als ein glückliches Ereignis gelten. Die Zeitung erinnert daran, daß der deutsche Kaiser Admiral der rusiischen Flotte ist und spricht die Hoffnung aus, bei dem nächsten Be­suche werde der Kaiser durch eine mächtigere Flotte, welche den strengsten Anforderungen des erfahrenen Admirals entspreche, begrüßt werden können. Gegen die Meinung eines Berliner Blattes, welches von der Entrevue Vorteile für die Bagdadbahn erhofft, nimmt dieNowoje Wremja" Stellung, indem sie erklärt, es wäre mit der Hochachtung dem hohen Gaste gegenüber unvereinbar, den Besuch mit Handelsinteresien, die Rußland zum Schaden gereichen, in Zusammenhang zu bringen. Auch die übrige Presie bespricht in sympathisch gehaltenen Artikeln die bedeutungsvolle Reise unseres Kaisers und hofft von ihr, daß sie dem Frieden dienen möge. Die Presie der äußersten Rechten tritt warm für eine Annäherung und enge Freundschaft mit Deutschland ein. Semschtschina" überschreibt ihren LeitartikelHistorische Tage!" und verurteilt schärfstens die Erklärungen eines fortschrittlichen Publizisten, daß Deutschland der wahrscheinliche Gegner Rußlands in einem künf­tigen Kriege sei. Das Blatt preist die unerschütterliche Standhaftig­keit und die ritterliche Ofienheit und Treue des deutschen Kaisers zu Rußland zur Zeit des rusiisch-japanischen Krieges. Die fortschrittlichen Blätter anerkennen die Notwendigkeit der Erhaltung guter deutsch- ruffifcher Beziehungen, drücken aber den Wunsch aus, daß die neue An­näherung nicht die Tripleentente stören möge.

Berlin, 4. Juli. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" ver- veröffentlicht einen Artikel der offiziösenRosiija" anläßlich der Kaiser­zusammenkunft in Baltischport und sagt: Wir schließen uns den Aus­führungen derRosiija" gern an. Auch wir sind überzeugt, daß die Zu­sammenkunft des Kaisers und des Zaren in Baltischport und die poli­tische Aussprache zwischen den befreundeten Herrlchern und den Mi­nistern für die Erhaltung von Frieden und gutem Einvernehmen unter den europäischen Mächten günstig wirken wird.

Spaßhaft ist es anzusehen, in welche Verlegenheit die Pariser Presie durch die Kaiserbegegnung gekommen ist. Verschiedene Blätter sind der Ansicht, daß ihr eine politische Bedeutung absolut nicht zu­komme. Allgemein suchen sie den Spionagefall Kostewitsch zu verwerten. So läßt sich derMatin" melden, der rusiische Kriegsminister habe wegen der Affäre Kostewitsch den Zaren gebeten, ihn von der Reise nach. Baltischpott zu dispensieren. DerMatin" weiß weiter, daß vierMit­schuldige" Dreßlers in Rußland verhaftet worden seien. (Der Grenz- »MIMIIIIIIMM MMBMMMI MM MM I I .11 f

Berliner Brief.

Die Saison der Gewitter scheint am Dienstag in und um Berlin ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Nachdem es schon in den Morgen­stunden zeitweise gedonnert hatte, und im Norden Berlins schon heftige Regengüsie niedergegangen waren, brach gegen Abend ein Unwetter über fast ganz Groß-Berlin herein, wie es glücklicherweise nicht oft vor- kommt. Mit Donnerschlägen, die den Puls der Großstadt sekundenlang aussetzen machte, fuhren die gewaltigen Blitze auf Häuser und Bäume nieder, Hagelkörner, so groß wie Wallnüsie, durchschlugen die Scheiben der Treibhäuser und mancher Wohnungen, verwüsteten den Blumen­schmuck in den Gärten und auf den Balkons, und wolkenbruchartige Regengüsie setzten Keller und Straßen meterhoch unter Wasier. Der verkehr stockte vorübergehend gänzlich, auf vielen Straßenbahnlinien stundenlang. Die gesamte Feuerwehr war dauernd in Anspruch ge­nommen, um den Wasiermengen allmählichen Abfluß zu' schaffen. Am Mittwochmorgen aber waren bereits die gröbsten Spuren des Unwetters beseitigt. In Berlin werden eben entstandene Schäden schnell ausge- pesiert.

Berlin ist mit einer Schönen verglichen worden, die mit ihrer Toi- kette niemals fertig wird, und so ist es in der Tat. Kaum fällt ein, das Dttaßenbild verunzierendes Baugerüst und enthüllt einen neuen Pracht- Hau, so verhüllt sich auch schon daneben das ältere Gebäude hinter der Dallisiadenwand, um der Hacke und Piek« zum Opfer zu fallen. Immer vrößer und ttesenhafter werden die Produkte der modernen Baukunst, mb während im Innern Berlins dir Prachtpaläste filr Eeschäftszwecke Die Wohnhäuser allmählich verdrängen, reiht sich in den Vororten eine Wkietskaserne an die andere, ließet hundert Wohnungen werden in feinem Hause zusammengepfercht und bald wird Berlin in einem mo- feernen Gebäude ebenso viel Menschen beherbergen, wie ein« klein«

kommissar ist bekanntlich schon als unschuldig freigelasien worden.) I Außerdem soll sich der Zar selbst besonders warm für Kostewitsch in» teresiieren, und der Berliner Korrespondent desMatin" bestätigt dazu abschließend und tttumphierend, daß nun doch der berüchtigteSchatten" desFalles Kostewitsch" auf die Tage in den finnischen Schären fallen werde. Es bedarf keines Wortes, daß diese Phantastereien lediglich der Verlegenheit entsprungen sind. Man will ein freundschaftliches Verhält­nis zwischen Rußland und Deutschland nicht mehr haben. Sie suchen daher die Aufmerffamkeit ihrer Leftr auf Aeußerlichkeiten abzulenken. Angenehm fällt dagegen wirklich auf, daß in der rusiischen Presie selbst gerade jetzt, wo der Zar und der Kaiser beisammen sind, sich kein Wort über die angesichts der großen politischen Fragen absolut nebensächlich« Angelegenheit Kostewitsch findet.

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Deutsches Reich.

Der neueste Spionagefall. Breslau, 3. Juli. Bei dem in Strehlen gestern verhafteten Rusten sollen wichtige Aufzeichnungen über die Mobilmachung und den deutschen Aufmarsch an der rus­sischen Grenze gefunden worden sein. Wenn das zutreffen sollte, so dürfte der Fall noch weitere Kreise ziehen, da der Spion in den Besitz der Mobilmachungsnotizen nur durch groben Vertrauens­bruch von deutschen Militärpersonen hätte gelangen können. Dem­gegenüber steht allerdings eine Meldung derSchlesischen Ztg.", die behauptet, nach her Auskunft des Staatsanwalts sei nur ein von den Behörden in Elsatz-Lothringen gesuchter schwerer Ein«, brecher in Strehlen verhaftet und in das Stieget Gefängnis ein­geliefert worden.

Jagdscheine für Ausländer. Ueber die Ausstellung von Jagd­scheinen an Ausländer ist besonders in Preußen, in Baden und in den Reichslanden des öfteren Beschwerde geführt worden, da durch die Aus­übung des Jagdrechts zumal in der Nähe deutscher Festungen Aus­ländern eine leichte Gelegenheit zu Geländeaufnahmen geboten wird, die sich später militärisch verwerten lasien. Man hat sich diesen Er­wägungen denn jetzt auch in den Kreisen der preußischen Regierung nicht verschlosien und daher nunmehr die Ausstellung von Jagdscheinen für Ausländer wesentlich erschwert. Die beteiligten preußischen Resiort- minister haben, wie man schreibt, nähere Ausführungsbestimmungen über Ausländerjagdscheine und unentgeltliche Jagdscheine erlasien, aus denen besonders hervorzuheben ist, daß solche Ausländer (Personen, die nicht Reichsangehöttge sind), die in Preußen keinen Wohnsitz habc-i, auch wenn sie in Preußen Grundeigentum besitzen, einen Jagdschein nur gegen Stellung eines Bürgen erhalten können, der für den Ausländer haft­bar ist. Die zuständigen Behörden haben dabei die Zuverläsiigkeit und Sicherheit des Bürgen besonders zu prüfen. Die Verabfolgung des Scheines ist zu verweigern, wenn die Eigenschaften des Bürgen in dieser Hinsicht nicht ausreichen. Im übrigen kann Ausländern, wenn sie in Preußen einen Wohnsitz oder einen Grundbesitz mit einem Grund« fteuerreinertrage von 150 <M haben, ein Jagdschein zu denselben Be­dingungen ausgehändigt werden wie den Inländern.

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Stadtverordneten-Sitzung

'Marburg, 4. Juli.

Aus der Tagesordnung der heutigen Sitzung der Stadtverord­netenversammlung stand zunächst als einziger Punkt die Frage der

Weiterführnng der elektrischen Straßenbahn.

Der Stadtvetordneten-Vorsteher in Vertretung, Justizrat Rohde, wies kurz darauf hin, daß am 28. November v. I. die mit einem Kostenaufwande von 200 000U, eingerichtete elektrische Straßenbahn in Betrieb gesetzt worden sei. Am 3. April d. I. sel bereits eine Vorlage eingebracht worden, nach welcher 260 000 <M. für Weiterführung der Straßenbahn nach Südbahnhof und Heu­markt, sowie zur Erbauung einer Wagenhalle gefordert wurden. -Dieser Antrag wurde bekanntlich am 10. April abgelehnt und das Ersuchen an den Magistrat gerichtet, wegen der Wagenhalle und der Straßenbahn gesonderte Vorlagen zu machen.

Die heute nunmehr vom Magistrat eingereichte Vorlage lautet: 1. die Linie vom Wilhelmsplatz über die Friedrichsstraße, den Friedrichsplatz, Orleansstraße, Schwanallee, Gistelbergerstraße bis zum Südbahnhof durchzuiühren; 2. die vorhandene Gleis-

Provinzstadt Einwohner hat. Die Vauspeku.lation steht in vollster Blüte. Kaum fettiggestellt kommt oft das Haus schon unter den Hammer, well die Wohnungen nicht vermietet werden können. Kostet doch eine Drei- Zimmerwohnung in den modernen Dororts-Häusern je nach der Lage, 1000 bis 1500 jährliche Miete, eine Fünf-Zimmerwohnung gar bis 2000 M und darüber, die Preise noch größerer Wohnungen sind eigent­lich nur noch erschwinglich für so reiche Leute, die sich auch eine eigene Villa bauen können. Das gilt besonders für die feudalen Vororte des Westens. Im Norden und Osten dagegen herrscht nach wie vor Woh­nungsnot, und in den alten Mietskasernen mit den kleinen lüft- und lichtarmen Stuben sind die zahlreichen Familien zusammengepreßt, daß oft kaum noch ein Quadratmeter Raum pro Kopf übrigbleibt. Aber ge­baut wird im Westen immer mehr, im Norden und Osten Verhältnis- mäßig immer weniger.

Ob nun im Westen oder Osten, im Norden oder Süden, der Zug hinaus aus dem Häusermeer, hinaus an die See oder ins Gebirge, weht durch die großen wie die kleinen Wohnungen und wer es nur möglich machen kann, läßt sich eine kleine Erholungsreise nicht entgehen. Der eine verläßt Berlin mit einem rundlichen Paket von Tausendmark, scheinen, der andere mit den mühsam ersparten wenigen Hundert-Mark. Jener reist monatelang in die Ferne, um zu Wasser oder zu Lande viel zu sehen, viel zu genießen, dieser geht in ein kleine» Ostseebad oder einen bescheidenen Luftkurort, um drei bis vier Wochen mal teilt« Lust zu atmen.

Wie viel Geld in Berlin für die Sommerreise übrig ist, davon legt der jetzt schon beginnende Lettehr auf den Fernbahnhöfen beredtes Zeugnis ab. Der Abzug hat bereits begonnen, wird aber feinen Höhe­punkt am Freitag mit dem Begienn der Sommerferien und in den darauf folgenden Tagen erst erreiche«. Am Sonnabend beginnen die Eonderzüge gen Norden an die See und gen Süden in» Gebirge zu

strecke vom Wilhelmsplatz bis zum Heumatkt int Iahte 1913 p» elektrisieren; 3. für die Durchführung der elektrischen Bahn vom Heumarkt bis zur Elifabethkirche über den Steinweg das Pro­jekt bearbeiten zu lassen; 4. auf dem Vauer'schen und Rauch'schen Grundstücke am Südbahnhof die endgültige Wagenhalle zu er­richten; 5. zu alledem einen Betrag von 220 000 M zur Ver­fügung zu stellen.

Justizrat Rohde machte dann eingehende Mitteilungen aus den früheren Begründungen wegen der notwendig gewordenen Er­bauung einer Wagenhalle, die sich nicht länger mehr hinausschieben laste, weil das jetzige Provisorium nicht mehr genüge und ein wei­teres Provisorium auch nicht wieder geschaffen werden solle. An der jetzigen Stelle ließe sich, wie Sachverständige ausgeführt haben, weder ein Umbau noch eine Veränderung der Halle einrichten. Für die neue Halle selbst fei ein Betrag von 60 000 M, nämlich 20 000 J4. für das Gelände und 40 000 M für die Halle, eingestellt. Die Halle, in der 16 Wagen Platz finden werden, soll auch eine Veamtenwohnung enthalten. Für die Halle kämen nun verschie­dene Plätze in Frage. Die Kommission halte die Verwendung des Platzes am Werk aus verschiedenen Gründen, die Rücksicht auf die Universität, das Stadtbild, den Verkehr usw., nicht für richtig. Dagegen sei ein Platz am Südbahnhof sehr zu empfehlen. Das Grundstück liege zwar im Uebcrschwemmungsgebiet, doch würden seitens der Regierung keine Schwierigkeiten bereitet. Ferner käme noch das Matthüi-Weishauptsche Gelände an der Gistelbergerstraße in Betracht. Beim Südbahnhof koste der Quadratmeter 2, 2,75 und 3 Ji, an bet Gistelbergerstraße 5 und 3 Jl. Neu hinzugekom­men sei noch ein Platz bei der Gasanstalt. Es wurden dann die Gründe im einzelnen vorgetragen, welche gegen die Errichtung bet Halle bei bem Werke sprechen; gegen bie Benutzung bet Wiesen bei bet Gasanstalt spreche auch ber Umstand, daß sie zu weit von bet Straßenbahn ab, ganz im lleberschwemmungsgebiet liegen unb ein Gleise für 22 000 M, zusammen 87 000 M nötig sei. Für bie Grundstücke am Südbahnhof, die den Herren Rauch, Bauer und Mengel gehören, liege bie Sache viel günstiger. Hier stellten sich die Gesamttosten auf 58 300 ,41. Der vierte Bauplatz, nämliche der­jenige in der Gistelbergerstraße, sei auch bester. Soweit es Herrn Weishaupt gehört, sind 13 650 M und für dasjenige des Herrp Matthäi 11 586 M, zusammen 25 236 ,41 nötig. Die Halle koste hier 69 736 Jl, dann sei auch noch ein Anschlußgleise für 4000 ,44. hier nötig. Am günstigsten, meint die Kommission, sei der Platz am Südbahnhof. Die verschiedenen Behörden, z. B. die Eisenbahn« behörde, das Landratsamt usw. machen keine Schwierigkeiten. Die Kommission hat mit allen gegen 3 Stimmen sich gegen den Platz neben dem Wett und der Gasanstalt ausgesprochen.

Die Kommission habe auch über die Linienführung lange be­raten und unter Ausschaltung aller übrigen Vorschläge die heute vorliegende Linie vorgeschlagen und auch Rentabilitätsberech­nungen angestellt. Ein weiterer Teil ber Vorlage betreffe auch bie Altstabt. Die Bedenken bestünden nur in der Enge der Bar« füßerstraße, die jedoch beseitigt seien. Die Kommission habe be* schlossen, die Strecke zum Heumarkt bis zum Jahre 1913 zu machen und die Fortführung nach der Elisabethstraße für das folgende Jahr vorzusehen. Alles in allem seien zu der Bahn 220 000 K nötig. Der Vorsitzende brachte dann einige neue Eingaben, z. B. diejenige des Bürgervereins, welche die Halle neben das Wett wünscht, zur Verlesung. Ebenso wurde auch mitgeteilt, baß einige Einwohner gegen die Führung der Straßenbahn das Barfüßertor entlang, Verwahrung einlegen. Die aus leicht begreiflichen Grün­den heikle Frage, wie nun zuerst abgestimmt werden solle, ob für bie Halle ober bie Wetterführung, trug teilweise einen heiteren Charakter. Man verhanbelte zunächst bie Linienführung. Dazu würben nochmals bie schon vielfach mitgeteilten Rentabilitäts­berechnungen, auf bie man nicht mehr näher eingehen kann, not« getragen. Vorher wurde ein Schreiben des Architekten Spahr ver« lesen, baß er sowohl wie auch noch sonstige Anwohner bes Fried- richsplatzes nichts gegen bie Führung bet Bahn über diesen Platz ^g^^gggHggggBBHMMMMBZMNMMMMBBMMMiMMMHBMBMKl faßten. Die Eisenbahnverwaltung hat zur Bequemlichkeit des Publi­kums und zur Entlastung der Beamten den Vorverkauf zu den Sonder- zügen an den Schaltern ihrer Fernbahnhöfe eingerichtet. Kaum zwei Stunden dauert der Verkauf der Fahrkarten für einen Sonderzug, bann heißt es schon:Ausverkauft". Aber Hunderte erwarten geduldig den Wiederbeginn des Vorverkaufs für immer neu eingelegte Züge. So wird es wohl mindestens noch acht Tage dauern, bis die reiselustigen Ber- ; liner glücklich expediert sein werden, und mancher wird ein oder gar zwei bis drei Tage feines Urlaubs dem Abwarten opfern mästen, bi» für ihn ein Platz zu haben ist.

Und doch wird man in Berlin kaum etwas merken von dem unge­heuren Menschenabfluß in der ersten Juliwoche; es bleiben noch immer genug Einwohner zurück und der Fremdenandrang füllt manche Lück« aus. 20 amerikanische Kliniker mit ihren Familien weilen zurzeit in Berlin, um mit ihren hiesigen Kollegen neben bem Besuch aller Sehens­würdigkeiten ein wenigFach zu stmpeln". Anfang August kommt eine französische Reisegesellschaft aus Paris, die au» 500 bis 600 Personen bestehen soll, für einige Tage nach Berlin. (Eine noch größere Zahl von Fremden wird bet, vom 25. bis 28. Juli in Berlin tagenbe Kongreß der englischen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege nach der Reichs- 'hauptstadt ziehen, wohin Berliner Autoritäten die Gesellschaft einge­laden haben. Endlich find noch einige 50 amerikanische Lehrer unb 320 Lehttrinnen von New Pott aus unterwegs, bie auch noch im August in Berlin eintreffen sollen.

Auch unsere durchgebrannten Kastenboten reisen noch immer lustig in bet Welt umher. Kein Zebell mit 120 000 <*, kein Brüning mit 260 000 M läßt seine Mitmenschen die auf ihre Ergreifung gesetzten Be­lohnungen von 8000 unb 10 000 M verdienen unb weder Kriminalpolizei noch bi« verwendeten Polizeihund« finden eine Spur von k^nen. Hoffentlich erweckt ihrGlück" nicht weiteren Appetit!