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WechM Zeitung

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen :Nack Feierabend".Fürs Saus" undLandwirtschaftliche Beilage."

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;i<LUciDtfuiait ,-jiiiuiifl eriq-mt rug»m, um auenaijme oer ssüiir^ und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 dH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Marli 21) 2.00 M frei inS HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der llniv.-Buchdruckerei Z. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 2t. Telephon 55.

Marburg

Mittwoch, 3. Juli

-tet Anzeige nprels velragl sur die tgcipaltene Zeile oder deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 X, für «Eklamen die Zeile 60 A. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Rabatt gilt al, Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt, «er. bindlrchkeit für Platz., Datenvorschrift und Beleglieferung ausge­schloffen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten

47. Jahrg.

1912.

Erstes Blatt.

Rundschau.

Franko-tschcchische Verbrüderung gegen das Deutschtum.

Der neue Präsident des Pariser Munizipalrates, Galli, ist irn der Spitze einer Abordnung des Pariser Munizipalrates und eines Trupps französischer Gymnasiasten nach Prag, wo zur Zeit der Lokalkongreß stattfindet, gekommen. Das amtliche und nicht­amtliche Prag, Rathaus und Straße, wetteifern in Kundgebungen überschwänglicher Freundschaft für die Söhne dergroßen Nation", die erkorenen Waffenbrüder gegen dengemein, famen Feind", die tschechische Presse ebenfalls. So schreibt ein Blatt in einemEs lebe Frankreich" überschriebenen Artikel unter anderem:Mit überguellendem Herzen begrüßen wir unsere teuersten Freunde, denen der tapfere König Johann schon im Mittelalter die Treue bewies, als er fein Leben bei Creep für ihr Vaterland aufopferte. Für das durch Germanien gedemütigte, um Elsaß und Lothringen beraubte Frankreich hat sich unter allen gesetzgebenden Vertretungskörpern einzig und allein nur die Stimme der tschechischen Abgeordneten gegen das deutsche Bar­barentum erhoben." Und weiter schreibt das Blatt .indem es die tschechische Nation mit den Nachkommen der Gallier die gegen­seitigen Gefühle größter itnb innigster freundschaftlicher Zunei­gung austauschen läßt:Paris wurde mit einemmale über den Ruhm des gegen die deutsche Gewalt unentwegt ankämpfenden kleinen Volkes aufgeklärt und mußte erkennen, daß dieses starke, energische, geistig gereifte und durch Arbeit erstarkte Volk seiner Freundschaft wert sei."

lleber den Ausfall der Wahl in Hagenow-Erevesmühlen wird wohl kaum ein Unbefangener erstaunt fein, während man es andererseits von der freisinnigen Parteipreffe nicht anders erwartet, als daß sie über denendgültigen Sieg der gerechten Cache"in freudiges und erstauntes Entzücken gerät. Die Konservativen sollen zum Schlüsse noch furchtbar gekämpft haben, aberdennoch hat die- Fortschrittliche Bolkspartei einen wohlverdienten Sieg errungen" usw. Diese ganzen Tiraden haben natürlich nur den Zweck, dem gutgläubigen Leser im Brustton bet Ueberzeugung über die Tatsache hinwegzuhelfen, daß mit Herrn Sivkovich ein Mann in den Reichstag einzieht, dem die Genossen sogar bei der Hauptwahl schon Pate gestanden haben. DieRhein. Wests. Ztg." kommt in einem Artikel(Ein neuer Höriger bet Sozial­demokratie" nochmals auf die Wahl zu sprechen und führt aus: Schon die Ungültigkeitserklärung bet Wahl des aus Potsdam herübervet- xflanzten konservativen Handwerkervertreters Pauli ist nicht mit der Unparteilichkeit" verhandelt worden, die eine Streitfrage des öffent­lichen Rechts zu beanspruchen hätte, und die Forderung, die Wahl- ptLfungsangelegenheiten den Händen betRichter in eigener Sache" zu entroinben unb einem unabhängigen, ordentlichen Gerichtshof zu über­tragen, empfing neue Nahrung. Einefalsche" Stichwahlsituation sollte Diesmal um jeden Preis vermieden werden. Zu dem Ende wies schon einige Tuge vot per Wayl betVorwärts" in einer sonst giinzlich UN, beliebten Manier auf bie biesmalige schwierige Sage ber Partei im Reichstage hin, ber burch bie noch Lübeck unb anderen Küstenplätzen im Sommer übersiedelnden Bauhandwerker ein großer Prozentteil ihrer Wähler verlustig gingen usw. Da es früher bie Soziolbemokratie gerade in diesem Wahlkreis verstanden hatte, selbst im Hochsommer ihre Ge­treuen von den auswärtigen Arbeitsplätzen für den Wahltag an ihre zuständige Wahlurne zu befördern, fo lag auf der Hand, daß die Draht­zieher diesmal befchloffen hatten, die im Januar zum ersten Mal in größerem Stil und mit zahlreichem Eriolg befohlene und ausgeübte Taktik derDämpfung" anzuwenden, damit derfchworz-blaue" Block einen neuen Verlust erleide. Die feit einer Woche von bet Preffe bet bürgerlichen und sozialen Demokratie gegen diese Vermutung vorge­brachten S che i n orgumente haben nicht vom Gegenteil zu überzeugen vermocht. Die Konservativen hingegen litten unter ber politischen Un- ßunft ber Heuernte, die in agrarischen Disttikten alle Hände in Anspruch nimmt und um der großen, witterungsgefährdeten Werte willen selbst die ländliche Sonntagsheiligung suspendiert. Trotzdem haben die Kon­servativen im ersten Gang nm- 20. ds. nur 269 Stimmen gegenüber ber Januarwahl eingebllßt. Rachbern sich bie Sozialdemokratie durch ihre eigene Taktik außerhalb des Wettbewerbes gestellt hatte, lag auf ber Jjanb, wie die Würfel gestern fallen mußten. Mit Sivkovich zieht ein neuer Höriger der Sozialdemokratie in den Reichstag ein. Denn dieser Herr ist durch das vor bet Ballonmütze ausgerichtete kau« dinische Joch gegangen: er hat bie sozialdemokratischen Stichwahlbe- bingungen unterschrieben. An den Machtverhältniffen bet Parteien wird durch feinen Eintritt ins Parlament nichts geändert. Die Konservativen, die sich wacker gescklagen haben, werden den Verlust des braven Tischler- meisters und guten Mittelstandspolitikers in ihrer Fraktion sehr ver- missen." i

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Die Marokkolnterpellation in der französischen Kammer.

*' Die französische Deputiertenkammer setzte am Montag die Ver- ^Handlungen über Interpellationen und den Marokkovertrag fort. I Barthou, der Vorsitzende der Kommission für die auswärtigen An- gelegenheiten, wandte sich gegen die Rede Jauräs, indem er dessen 'Behauptungen zahlreiche Zeugnisse von der Tapferkeit und Mensch, jjlichkett der französischen Truppen gegenüberstellte. Niemand habe j ven Preis vergessen, den Frankreich für die Ablösung der deutschen Interessen gezahlt habe. Weshalb überNeß es England in Aegyp. ^Ien und Italien in Tripolis volle Freiheit, weshalb überließ es Dpanien bie marokkanische Zone und Deutschland das schmerzlich l^lsgegebene Kongogebiet, wenn nicht darum, um Frankreichs " Rechte an Marokko als unantastbar anerkannt zu sehen? Barthou 'Billigte die Politik des soeben abgeschlossenen Protektorates, wel- L Des sich au» dem Vertrage vom 4. November ergebe. In der Frage tHr Schützlinge verlas Barthou den ftanzösifch-deutschen «ertrag

| und erklärte, man würde zunächst die Listen und dann die Ma­drider Konvention revidieren müssen. Er erinnerte daran, daß Poincarö behauptet habe, Schützlinge, die man bewaffnet anträfe, würden nicht Schutz reklamieren können und der Prätendent des Susgebietes, der unter deutschem Schutz stehe, könne sich auf Schutz nicht berufen. Die Lage der Schutzbefohlenen müsse baldigst ge­regelt werden; denn sie gebe Anlaß zu Zwischenfällen und Miß­bräuchen. Barthou billigte die Politik hinsichtlich Marokkos. Ver­schiedene Berichterstatter malten die Lage sehr schwarz. Er, Barthou, wolle nicht Pessimist sein, aber das mindeste, das man sagen könne, sei, daß die Lage ernst sei.

Poincar^ erklärte, die bemerkenswerte Rede Barthous er­leichtere ihm seine Aufgabe. Durch die Ernennung Liauteys habe die Regierung auf den größten Teil der Bemerkungen bereits ge­antwortet. Der Name Liautey sei ein ganzes Programm, das schon in Madagaskar und in den algerisch-marokkanischen Grenz­gebieten angewandt worden sei. Planmäßige, rationelle und fort­schreitende Ausdehnungspolitik und Umsicht seien da die wesent­liche Vorbedingung für den Erfolg, wo die Armee die Rolle des Quartiermachers für die Zivilisation spiele, ohne die militärischen Pflichten zu vernachlässigen. Die Armee sei die Organisation auf dem Marsche und die Avantgarde der Verwaltung, des Handels und des Unterrichts. In Marokko verfüge Frankreich gegenwärtig über Truppen, die sich im westmarokkanischen Grenzgebiet auf 11000 Mann beziffern. Frankreich werde jedes Programm der Eroberung, der direkten Verwaltung und des Gegensatzes zu den internationalen Abmachungen verbieten. Es werde den Sultan nicht beseitigen .habe aber das Recht, ihn zu einem protegierten Souverän zu machen. Der Protektoratsvertrag ist eine Folge de» Vertrages vom 4. November 1911. Wir haben die Formalität der Ratifizierung des Vertrages beschleunigt. Unglücklicherweise wurde sie erst im März vollzogen. Indem Sie diesen Vertrag an» nahmen, haben Sie gleichzeitig für das Protektorat gestimmt. Poincars erinnerte an die Bemühungen Regnaults, schleunigst die Genehmigung des Vertrages durch den Suita nzu erlangen, der aber Widerstand entgegensetzte, ihn ftitlRerte und Abdankungs­gelüste zeigte. Der Vertrag ist das Ergebnis gegenseitiger Be­sprechungen mit dem Sultan, der ihn in voller Freiheit annahm. Der Sultan bat nur, daß der Vertrag einige Zeit geheim gehalten werde und daß Regnault ihn nach Rabat begleite. Leider war es unmöglich, den Vertrag geheim zu halten, und die Unterzeich­nung des Vertrages wurde in französischen Blättern wahrscheinlich durch eine Indiskretion des Machsen bekannt gegeben, bevor wir die Depesche Regnaults erhalten hatten, die um die Geheimhaltung bat. Ich weiß nicht, ob die Verzögerung um einige Zeit nicht aus« gereicht hätte, um die Bevölkerung von Fez und die Stämme auf ein besseres Verständnis des Protektorats vorzubereiten. Es ist sicher, daß parteiische und übelwollende Kommentare verbreitet wurden und am Tage nach der Unterzeichnung unter den Ein­geborenen Unzufriedenheit schaffen kannten. Trotz alledem kam dis Meuterei in Fez unerwartet und überraschte den französischen Gesandten und die Militärbehörden. Die Behörden fanden sich da wohl einer vis major gegenüber. Die Aenderung ber Besol­dung der scherifischen Truppen war an anderen Orten ohne Zwischenfall durchgcführt worden. Die Reduktion des Soldes war nur scheinbar. Cs handelte sich nur darum, die Truppen besser unterzubringen und besser zu beköstigen. Die Kammer nahm den Protektoratsvertrag betreffend Marokko mit 460 gegen 79 Stimmen an. * , , -

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Deutsches Reich.

Die Kaiserreise nach den finnischen Schüren. Berlin, 1. Juli. Die Abreise des Kaisers von Potsdam erfolgt heute abend 10 Uhr. Der Kaiser wird zunächst nach Danzig und morgen abend nach den finnischen Schären fahren, wo die Zusammenkunft mit dem Zaren in Valtischport, einem kleinen Hasen im Norden Est­lands, am 4. Juli stattfinden wird. Als Vertreter des Auswär­tigen Amtes wird sich während der Monarchenzusammenkunft der Geheime Legationsrat Graf Mirbach-Harff, der u. a. in Peters­burg deutscher Botschaftsrat war und gegenwärtig im Auswärtigen Amte Dezernent der Abteilung für russische Angelegenheiten ist, in der Begleitung des Reichskanzlers befinden. Am 8. Juli vor­mittags trifft der Kaiser mit derHohenzollern" vor Swinemünde ein, um noch am selben Tage seine Nordlandsreise anzutreten.

Verliehen. Berlin, 1. Juli. DerReichsanz." meldet: Dem Oberregierungsrat Günther v. Czirn-Terpitz in Merseburg wurde der Rote Adlerorden 2. Kl. mit Eichenlaub, dem General- major Auler, Inspekteur ber 1. Ingenieur-Inspektion, der Stern zum Kgl. Kronenorden 2. Kl. und dem Obersten v. Voigt-Rhetz, Kommandeur des 5. Erenadierregiments, der Kgl. Kronenorden 2. Kl. verliehen.

Aus demReichsanzeiger". Berlin, 1. Juli. DerReichs- anzeiger" meldet: Der bisherige Vortragende Rat im Reichsamt des Innern Geh. Oberregierungsrat Wulffram wurde zum Vor­tragenden Rat im Finanzministerium und zum Wirklichen Geh. Oberfinanzrat mit dem Range eines Rates erster Klasse ernannt Dem Wirklichen Geh. Oberfinanzrat und Vortragenden Rat im Finanzministerium Rathjen wurde der Charakter Wirklicher Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen.

Spionage. Leipzig, 1. Juli. Vor dem zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts begann heute vormittag der Spio- nageprozeß gegen die Buchhalterin Else Pfitzner, zuletzt wohnhaft in Posen. Die Angeklagte wurde am 26. November 1911 im Posener Hauptbahnhof verhaftet, als sie nach Rußland fahren wollte, anscheinend, um Festungspläne zu veräußern, die sie aus

der Wohnung ihres Geliebten, des Festungsfeldwebels Schröder, entwendete. Die Oeffentlichkeit wurde für die ganze Sitzung aus­geschlossen. Die Angeklagte wurde wegen versuchten Verrats miN- tärischer Geheimnisse zu 1% Jahren Gefängnis, 12 Jahren Ehr- Verlust und Stellung unter Polizenaufsicht verurteilt Vier Mo- nate der Untersuchungshaft wurden angerechnet. Kiel, 1. Juli. Die Polizei verhaftete in einem hiesigen Hotel eine Person, die verdächtig ist, Spionage betrieben zu haben. Der Name wird ge­heim gehalten.

Der Spionagefall Kostevitsch. Berlin, 1. Juli. Der Fall hat soweit eine Klärung erfahren, daß die Ueberführung des Ver­hafteten aus dem Untersuchungsgefängnis in Moabit nach Leipzig zum Reichsgettcht int Laufe der Woche erfolgen dürfte. Der Militärattache« bei der hiesigen russischen Botschaft hat den tele» graphischen Auftrag erhalten, nach Petersburg abzureisen, um dort über die Affäre Kostevitsch mündlich und ausführlich Bericht zu erstatten. Wie aus Petersburg gemeldet wird, hat die deutsche Negierung der russischen die offizielle Mitteilung zugehen lassen, daß Hauptmann Kostevitsch der Spionage überführt fei, die et auf eigene Faust betrieben habe. - : ,|--i

Ausland.

** Italien und die Türkei. Rom, 30. Juni. DieAgenzia Stefani" meldet aus Mesurata, daß eine Eskadron Kavallerie bei einer Rekognoszierung im Süden der Oase Mesura auf feindliche Kavallerie- und Jnfanterietruppen stieß, die durch kurzes Artil­leriefeuer in ihre befestigten Stellungen zurückgetrieben wurden. Aus Homs wird derAgenzia Stefani" gemeldet, daß in der Nacht zum 29. Juni die Redoute bei Mergheb von Araber ange­griffen wurde, jedoch durch Eewehrfener in die Flucht geschlagen wurden. Die Verwundeten nahmen die Araber mit. Ein Araber wurde gefangen. Die Italiener hatten keine Verluste. Auch gegen das Fort Lombardia bei Derna wurden am 28. Juni mehrfache Angriffe unternommen. Arn 29. früh kam es zu mehrfachen Ge­fechten zwischen vorgeschobenen italienischen Posten und dem Feinde, der zurückgeschlagen wurde. Die Italiener hatten keine Verluste. Rom, 1. Juli. DieAgenzia Stefani" meldet aus Ferua: Abteilungen von Askaris, unterstützt von einem Bataillon Grenadiere und einer Eefechtsbatterie unternahmen am Vormit­tag Erkundungen; sie stellten fest, daß das Eros des Feindes sich nach Regdaline zurückgezogen und kleine Gruppen bei Sidi-Ali gelassen hatte. Diele wurden durch einige Schüsse vom Kriegsschiff Jride" zerstreut. Konstantinopel, 1. Juli. Das Kriegs Mini­sterium veröffentlicht über den Kampf bei Sidi Said am 28. Juni einen Bericht, nach welchem be Italiener nach einem Kampfe von 7 Stunden unter großen Verlusten sich zurückgezogen haben. Die Türken hatten 150 Tote und 200 Verwundete.

** Vom Balkan. Saloniki, 1 .Juli. Der erste Sonderzug mit 700 Mann ausgewählter Truppen ist von Konstantinopel kommend' in Monastir eingetroffen und weitergefahren. Weitere Transport« werden erwartet. Er verlautet, der Kommandant dieser Truppen besitze Vollmachten zum Vorgehen gegen die Meuterer, falls dies« nicht sofort in ihre Kasernen zurückkehren. Konstantinopel, 1. 3uli. Der Kriegsminister bat an alle Korpskommandanten eine Ztrknlardepesche gerichtet, in der die Ereignisse in Monastir als Beweis für die schlimmen Folgen ber politischen Betätigung von Offizieren bezeichnet und die Ausarbeitung der angekündigten Gesetzesvorlage angezeigt wird. Vis zur Eesetzwerdung der Vor- läge werden Offiziere, die sich mit Politik befassen, gemäß den be­stehenden Dorfchrtsten streng bestraft. Sie dürfen nicht politischen Parteien angehören, politische Klubs besuchen oder komiteeartige Vereine gründen. Fethi Pascha, der Kommandant des 6. Armee- korps, der verdächtigt wird, mit den Meuterern zu sympathisieren, ist abberufen worden. Der Brigadegeneral Kenan Pascha wurde nach Monastir entsandt, um das gerichtliche «erfahren gegen die Meuterer zu leiten. Da die letzte Frist abgelaufen ist, sollen bie etwa noch hier weilenben Italiener durch die Behörden aus» gewiesen werden.

** Ausweisung zweier russischer Korrefpondeitten aus bet .Konstantinopel, 1. Juli. Blättermeldungen zufolge hat die Regierung beschlossen, den Korrespondenten derNowoje Wremja", Maschkow, der früher Konsul 1n Monastir gewesen, und den Korrespondenten derRußko-Jeslowo", Polunin, wegen Ver- breitung falscher und tendenziöser Meldungen auszuweisen.

* Zur Wahl in Amerika. Baltimore, 1. Juli. Bryan et« klarte gestern, bas, was er gegen Clark einzuwenden habe, fei nfgjt, daß jener unrecht tat, sondern daß er es unterließ, e+roas zu tun, als seine Leute beständig mit Reaktionären zusammen ar­beiteten, wofür ste Clark, wenn et es auch nicht billigte, doch auch nicht zurechtgewiesen habe. Bryan fugte hinzu: Ich glaube, daß! Clark int Grunde ein gerechtet Mann ist, aber in den letzten J Tagen irregeleitet wurde.

Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller vrginalarttkel ist gemäß 8 18 de» Urheberrecht- nur mit bet deutlichen QuellenangabeOberheff. Ztg? gestattet i

Marburg, 2. Juli.

* 70. Geburtstag. Geheimrat Prof. Dr. phil. Hermann Cohen, der bekannte Lettreter der Philosophie an bet hiesigen Universität, feiert am 4. Juli seinen 70. Geburtstag.

* Militärisches. Ein auf dem Marsch« nach bem Griesheimer Schießplatz begriffenes Regiment Artilleti« passierte gestern in' den frühen Morgenstunben unser« Stabt.