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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ..Nack Feierabend". »Fürs Saus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
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4.ie „£berlKftnd,c o^uuiib" uL|ct)cuu lußiio^ um tiusiiuyiut: Dii <onn> und Feiertage. — Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei inS Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der llniv.-Buchdruckrei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonnt -g, 30. Juni w
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47. Jahrg.
1912.
Srites Blatt.
Sicherung von Banforderungen.
Man schreibt uns:
Eine wilde Vauspekulation und unsolides Bauunternehmertum haben in weiten Kreisen des Erwerbslebens in den Großstädten Zustände gezeitigt, die enorme finanzielle Verluste zur Folge haben und dringend der Abhilfe bedürfen. Bei jedem Neubau ist eine große Anzahl der verschiedensten Handwerker und einfacher Lohnarbeiter beteiligt, die meist in achttägigen Fristen ausgezahlt, beziehungsweise abgelohnt werden. Die Gesamtsumme solcher wöchentlichen Auszahlungen geht »ft in die Tausende. Dieser Brauch im Baugewerbe ist von gewissenlosen Bodenspekulanten und — man kann sie leider so bezeichnen — „erwerbsmäßigen" Vauschwindlern zu unerhörten Betrügereien benutzt worden, von denen die kleinen am Bau beteiligten Leute meist am schwersten betroffen werden. „Geschoben" wird die Sache folgendermaßen: Der Bodenspekulant verkauft einem Bauunternehmer ohne Anzahlung ein Grundstück und verpflichtet sich noch außerdem, ihm in bestimmten Raten, je nach Fortschreiten des Baues oder auch wöchentlich zahlbar, Baugelder vorzuschießen. Der Erundstückspreis und das Baugeld werden zur Sicherung des Bodenspekulanten im Grundbuch an erster Stelle hypothekarisch eingetragen. Auf Grund seines Vertrages mit dem Bodenspekulanten findet der sonst völlig mittellose Bauunternehmer leicht eine Bank, die ihm unter Verpfändung der Baugeldraten wöchentlich so viel vorschießt, daß er während des ersten Teils der Bauperiode seinen Verpflichtungen den Handwerkern und Arbeitern gegenüber nachkommen kann. Findet der Bauunternehmer — was durchaus nicht selten ist — einen Handwerker, der sich mit einer Abschlagszahlung für die gelieferten Arbeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt der Bauperiode einverstanden erklärt und den Rest seiner Forderung bis zur Fertigstellung des Baues stundet, um so bester für den Unternehmer. Es geht alles ehrlich zu bis zur Auszahlung der letzten Vaugeld- rate. Diese steckt der Unternehmer ruhig in die Tasche und erklärt seine Zahlungsunfähigkeit. Bei der nun folgenden Subhastation des Grundstücks „erwirbt" es der Bodenspekulant als Besitzer der 1. Hypothek, die kleinen Leute, die Handwerker und Arbeiter, fallen mit ihren Forderungen aus, da sonst von dem mittellosen Bauunternehmer nichts mehr zu holen ist. Was nützt es ntm, wenn im besten Falle der Unternehmer wegen Bauschwindels bestraft wird? Den schweren pekuniären Schaden, den die kleinen Leute durch seine betrügerischen Manipulationen erlitten haben, kann ihnen kein Mensch ersetzen.
Um diesem ruinösen Unwesen im Baugewerbe zu steuern, und die kleinen Leute vor schweren Verlusten zu bewahren, wurde das Gesetz zum Schutze der Bauforderungen geschaffen, desten zweiter Teil aber nur durch landesherrliche Verordnung in Kraft treten kann. Dieser zweite Teil bestimmt, daß alle Forderungen der an einem Bau beteiligten Handwerker und Arbeiter auf das Grundstück eingetragen werden sollen, und zwar so, daß sie den Vorzug von allen anderen Forderungen und selbst vor der 1. Hypothek haben. In den Handwerkerkreisen fast aller Großstädte, namentlich in Groß-Berlin, wird die Einführung des zweiten Teiles des Gesetzes zum Schutz der Bauforderungen verlangt. Zweifellos würden diese gesetzlichen Bestimmungen den Bauforderungen einen wirksamen Schutz gewähren. Andererseits aber sind die Bedenken nicht von der Hand zu weisen, daß das Bauunternehmertum eine gewaltige Einschränkung erfahren würde, die möglicherweise die Baulust so zurückdämmen könnte, daß in absehbarer Zeit ein Wohnungsmangel eintritt. Es wäre jedenfalls zu begrüßen, wenn die Kommistion des Architektenvereins zu Berlin, die aus allen am Baumarkt interestierten Körperschaften, Verbänden und Vereinen heraus gebildet worden ist, Mittel und Wege finden würde, um durch bestere Anwendung der bestehenden Gesetze zur Ausmerzung unsolider Elemente aus dem Baugewerbe und weitere Ausgestaltung des ersten Abschnitts des Gesetzes zur Sicherung der Bausorderungen, die Einführung des zweiten Teiles des Gesetzes mit seinen bedenklichen Nebenwirkungen unnötig machen würde.
----♦---- Deutsches Reich-
— Born Kaiser. Berlin, 28. Juni. Der Kaiser trifft voraussichtlich morgen zu einem kurzen Besuch bei der Kaiserin im Neuen Palais bei Potsdam ein. An dem Programm für die bevorstehende Fahrt nach den Finnischen Schären wird dadurch nichts geändert.
— Zur russisch-deutschen Kaiserbegegnung. Wie man aus diplomatischen Kreisen hört, wird an der Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren auf russischer Seite außer dem Ministerpräsidenten Kokowzew auch der Minister des Aeuhern Easanow teilnehmen.
Berliner Brief.
Wenn man zurückdenkt an die Zeiten, als von Forkenbeck und später Kirschner auf ihre Bestätigung als Oberbürgermeister von Berlin warten wußten, bis man schließlich glaubte, sie würde überhaupt nie erfolgen, und jetzt Zeuge ist von der so prompt eingeiroffenen Bestätigung des neuen Stadtoberhauptes. Seiner Exzellenz des Staatsministers Wermuth, so wird man sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß der neue Oberbürgermeister geebnetere Wege in seinem neuen Wirkungskreis betritt, als es seinen Vorgängern vergönnt war. Die Berliner erhoffen viel von ihm; vieles ist zu schaffen, viel Versäumtes ist nachzuholen und fast noch mehr Angefangenes und aus halbem Wege Stehengebliebenes ist zu Ende zu führen.
Zu diesem letzteren Kapitel gehört auch die endliche Lösung der Frage, wie das dem Eisenbahnfiskus gehörige Gelände des alten Friedhofes am Potsdamer Bahnhofe, das immer noch durch einen vorsintflutlichen Bretterzaun von der übrigen Welt abgeschlossen wird, zu erwarten ist. Der Besitzer hat beschlosten, dort ein — einfaches Cafe zu erbauen, — wahrscheinlich weil erst einige Dutzend derartiger Etablistements den Potsdamer Platz zieren. Aber gegen dies Projekt erheben sich die Stimmen der berufenen Kreise und legen Protest ein gegen solche „Verunstaltung" des Potsdamer Platzes. Aus ästhetischen Rücksichten spricht sich auch der Architektenausschuß von Groß-Berlin dagegen aus, und der Eisenbahnfiskus wird sich sein Cafe wohl oder übel verkneifen müsten. Der Bau wäre schon deshalb ganz ungeeignet, weil er die Freitreppe tzum Potsdamer Bahnhof zum großen Teile verdecken und die Orien-
— Verabschiedung des Oberbürgermeisters Kirschner. Berlin, 28. Juni. Oberbürgermeister Kirschner verabschiedete sich heute am Schlusie der Magistratssitzung in herzlicher Form von den Mitgliedern des Kollegiums.
— Ein neuer deutsch-russischer Zwischenfall? Berlin, 27. Juni. Wie die „Braunschweigische Landeszeitung" mitteilt, ist Leutnant Dahm vom Niedersächsischen Feld-Artillerie-Regiment 46, der nach Rußland beurlaubt war, in Alexandrowa von der russischen Polizei ohne Grund plötzlich verhaftet und trotz seines Protestes nach Warschau transportiert worden, wo man ihn im Militärgefängnis interniert. Das Regiment hat sich bereits des eigenartigen Vorfalles angenommen.
— Freisinn und Sozialdemokratie. Berlin, 25. Juni. Wir lesen in der „Deutschen Tgsztg.": Für das freundnachbarliche Verhältnis zwischen Freisinn und Sozialdemokratie ist auch ein Vortrag über „Vaterland und Freiheit" bezeichnend, den Friedrich Naumann kürzlich in Brandenburg a. H. gehalten hat. In diesem Vortrage, der sonst nichts Bemerkenswertes bot, hat Naumann nach dem Bericht des „Brandenburger Anzeigers" unter anderem ausgeführt, die Sozialdemokratie verweigere nicht aus Mangel an Patriotismus die Bewilligung der Mittel für Heer und Flotte, sondern weil ihr „die Uebersicht über das fehle, was in der Welt notwendig sei". Herr Naumann will das den einzelnen Sozialdemokraten überdies gar nicht Lbelnehmen, nur tadelt er ganz sanft „die Sozialdemokratie als Richtung, weil sie es Unterlasten habe, das wirklich geschichtliche Verständnis zu gewinnen." Die Sozialdemokratie betreibe dabei „eine Art Biedermeierpolitik", indem sie auch jetzt noch behaupte, daß die Fürsten^ Regierungen und Kapitalisten den Krieg machten. — Die Sozialdemokraten als „Biedermeier", das ist wirklich eine allerliebste Erklärung für die vaterlandslose Haltung der Umsturzpartei. Uns will scheinen, daß der Freistnft, wenn er die Sozialdemokratie sogar gegen den Vorwurf eines Mangels an Patriotismus in Schutz nimmt, eine gewiste Biedermeierrolle spielt — allerdings nicht in dem ästhetischen Sinne, in dem auch Friedrich Naumann das Wort verstanden wissen will!
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Ausland.
** Neue Ausständige unter den französischen Hafenarbeitern. Bordeaux, 28. Juni. Eine Anzahl Hafenarbeiter, die mit der Löschung des englischen Dampfers „Rosemount" beschäftigt waren, sind gestern abend in den Ausstand getreten; sie fordern Lohnerhöhung. Die Hafenarbeiter auf dem deutschen Dampfer „Rudolf" sind heute morgen ihrem Beispiel gefolgt. Auch auf zwei anderen Dampfern droht der Ausstand. Die Messageries Maritimes zahlen den Passagieren nach Chile ihr Fahrgeld zurück.
** Die Wahlkämpfe in Amerika. Baltimore, 27. Juni. Bei der heutigen Abstimmung des demokratischen Nationalkonvents haben die Konservativen, die tatsächlich die Mehrheit besitzen, für Wilson gestimmt, der es an Popularität am ehesten mit Roosevelt aufnehmen könnte. Gouverneur Wilson gehört zu den progressiven Demokraten und seine Wahl ist stillschweigend von Bryan gebilligt. Der allgemeine Eindruck ist der, daß das konservative Element Bryan dieses Zugeständnis gemacht habe, um eine Spaltung der Partei zu verhüten. Es ist indessen noch nicht ganz klar, ob die Konservativen bereits die definitive Nominierung Wilsons ins Auge fasten oder ob sie bei ihrer heutigen Abstimmung nur taktische Zwecke verfolgen.
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Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhest Ztg> gestattet.)
Marburg, 29. Juni.
* Akademischer Gottesdienst findet morgen früh in der reformierten Stadt- und Universitäiskirche statt. Die Predigt hält Herr Prof. Bornhäuser.
* Städtische Sparkasse. Wegen des starken Andranges des sparenden Publikums in den ersten 3 Tagen im Monat Juli kann die Bezahlung der Hypothekenzinsen erst vom 4. Juli ab beginnen.
tierung sehr erschweren würde. Deshalb bleibt die Frage auch weiterhin ungelöst, denn zum Bahnhof will doch jeder Mensch schnell und glatt gelangen, wenn es sich um Abreise handelt.
Wie hätte der junge Defraudant Zebell wohl so schnell verschwinden können, wmn nicht die Abreise von Berlin so leicht und bequem wäre. Der Kaste,ibote Zebell ist momentan die „Sensation" von Berlin. So interessant der „Fall" für das Publikum und besonders für die Kriminalpolizei ist, so schmerzlich ist es für die „Landwirtschaftliche Ceniral- Darlehnskasse für Deutschland" in der Dorotheen-Straße, daß ihr Kastenbote am letzten Sonnabend die ihm zur Ablieferung an die Reichsüank übergebenen 120 000 auf seiner plötzlichen Abreise über München nach der Schweiz mitgehen hieß. Zu den traurigen Hinterbliebenen zählt auch die verlastene Braut des jungen Zebell. 2000 M Belohnung sind auf die Ergreifung des „wertvollen Durchbrenners" ausgesetzt, und 5 v. H. der wieder herbeigeschafften Summe. Also Heil dem glücklichen Finder!
Mehr Spaß als Zebell macht den Berlinern eine famose Erbschaft, die unserer Stadt zugefallen ist. In seinem Testament bestimmt der Erblaster, daß das Kapital zinsbar anzulegen xnb die Zinsen so lange zum Kapital zu schlagen seien, bis dieses den Betrag der städtischen Schulden erreicht hat. Uno dann erst darf die Hälfte der Zinsen verbraucht werden. Die Schulden der Stadt Berlin betragen über 600 Millionen Mark, das Vermächtnis — 2000 Mk.! — Wann dürfen die ersten Zinsen verbraucht werden? Preisaufgabe! Wenn überhaupt, so wird diese Frage wohl erst nach den Hundstagen gelöst werden, denn zurzeit darf man eigentlich nur die Fragen stellen: „Wann reisen
* Synode. Auf der am Mittwoch hier tagenden Synode der lutherischen Diözese Oberhessen wurde, wie man uns schreibt, nachstehende Resolution einmütig gefaßt: „Im Hinblick auf die erneuten Versuche des llltromantanismus, das Jesuitengesetz vom 4. Juli 1872 zu beseitigen,oder es wenigstens unwirksam zu machen, spricht die Synode die bestimmte Erwartung aus, daß Staatsregierung und Volksvertretung allen derartigen Versuchen ein entschie- denes Nein entgegensetzen werden. Sie tut dies nicht aus „Jesuitenangst", sondern um des konfessionellen Friedens willen, dessen unser Volk so dringend bedarf und dessen erbittertster Feind, wie - die Geschichte lehrt, der Jesuitenorden allezeit gewesen ist."
• Für Handwerker. Ein bedeutsames Unternehmen für den Hand- ■ werkerstand wird in kurzer Zeit zum ersten Mal ins Leben treten, näm- > lich das erste „Werkstättenhaus" auf gemeinnütziger Grundlage für , kleine Handwerker. Das Werkstättenhaus soll an dem Großschisfahrts- ; wege Berlin-Stettin errichtet werden. Die Organisation dieses ge- \ meinnützigen Unternehmens umfaßt eine große Anzahl von wirtschaft- lichen Vorteilen für den kleinen Handwerker. Das Werkstättenhaus j wird nämlich mit allen Einrichtungen und technischen Errungenschaften der Neuzeit ausgestattet sein, die sich ein kleiner Handwerker allein nicht leisten kann. Durch das Fehlen dieser Einrichtungen in den kleinen Werkstätten ist der Handwerker dem großen Unternehmer gegenüber im Nachteil. Diesem Uebel soll das Werkstättenhaus abhelfen. Jeder Handwerker, der hier eigentlich seine Werkstätte hat, soll in die Lage gefetzt fein, für billiges Geld eine schöne Werkstätte zu besitzen und die modernsten Maschinen benutzen zu können. Ein zweiter großer Vorteil dieses gemeinnützigen Werkstättenhauses ist darin zu sehen, daß bei dem Bau alle Anforderungen der Eesundheitslehre und der Sicherheit, wie gute Lüftung, große Helligkeit der Räume, genügende Anzahl der Ausgänge berücksichtigt werden. Die Mieten werden mit 4 Mark pro Quadratmeter bemessen und sollen nur der Verzinsung des Anlagekapitals dienen, da ein Ueberfchuß nicht erstrebt wird. Da» Werkftättenhaus wird Anschluß an die Bahn erhalten, so daß der Transport der Arbeiten leicht und billig von statten gehen kann. Das Werkftättenhaus bietet demgemäß den kleinen Handwerkern alle Vorteile in technischer und hygienischer Hinsicht, die bisher nur bei kostspieligen Anlagen erreichbar waren.
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Unpolitische Tagesnachrichten.
Explosion. Sosnowice, 28. Juni. Infolge einer Explosion in der Chemischen Fabrik Ströms in Strshemschzyzy ist ein Brandschaden von 100000 Rubel entstanden. Drei Arbeiter find umgekommen, ein vierter liegt hoffnungslos darnieder.
Die Wettfahrt Kiel-Travemünde. Kiel, 28. Juni. Bei günstigem Wetter begann die Seewettfahrt des Kaiserlichen Jachtklubs und des Norddeutschen Regattavereins von Kiel nach Travemünde. Der Kaiser begab sich um 8 Uhr an Bord des „Meteor". Zum Mitsegeln waren geladen: Admiral a la suite von Usedom, Vizeadmiral a. D. Satan» don, Fregattenkapitän Widenmann. Als der Kaiser auf dem „Meteor" den Hafen verließ, begrüßten ihn aus den Kriegsschiffen die paradierenden Besatzungen mit einem dreifachen Hurra. Die Flotte feuerte Salut.
Unterschlagungen. Saarburg (Bez. Trier), 28. Juni. Unterschlagungen in Höhe von 18000 M wurden durch eine Revision nach dem Tode des Rentmeisters der Eemeindekasse der Bürgermeisterei Freudenburg-Orscholz entdeckt. Die Unterschlagungen gehen bis auf 10 Jahre zurück. 12000 M. der veruntreuten Summen sind bereits gedeckt, der Rest wird in einigen Tagen gedeckt werden können.
Der Gerichtsvollzieher und der König. Paris, 28. Juni. Ein im Jrrenhause verstorbener Rentner namens Sapene hatte dem König von Spanien sein ganzes 21A Millionen Francs betragendes Vermögen vermacht. In dem Erbschaftsprozeß, den die Schwester Sapenes anstrengie, hat das Zivilgericht von St. Eaudens (Dep. Ober-Pyrenäen) die Klägerin ermächtigt, den König Alfons durch einen Gerichtsvollzieher cmzufordern, am 29. Juli vor dem Gerichtshof zu erscheinen.
Eroßfeuer infolge einer Explosion. S t u t t g a r t, 28. Juni. Heute Nacht kurz vor 1 Uhr entstand in dem Hanterhause Schloßstraße Nr. 60 eine starke Explosion. Sofort schlugen die Flammen aus dem Hause empor und ergriffen die Veranden des Vorderhauses und zum Teil auch die des Hauses Nr .58, zugleich auch die Dachftöcke dieser beiden Häuser. Die zwei Feuerwachen waren sofort zur Stelle, ebenso die beiden Dampffeuerspritzen, welche zwei Stunden lang enorme Wassermassen schleuderten, bis der Brand lokalisiert war. Man vermutet, daß die Explosion im ersten Stock des Hantergebäudes, wo sich die Filmzentrale E. m. b. H. befindet, entstanden ist. Nach Auslage des Geschäftsführers lagerten dort 200 000 Meter Filmbänder mit einem Anschafiungswert von nahezu 200 000 -it. Ein Teil dieser Films sollte dieser Tage in
Sie?" — „Wohin geht,s in diesem Jahre?" — „Wie lange bleiben Sie?" u. a. m. Alles andere tritt vor diesen Kardinalfragen in den Hintergrund.
Nur die obligatorischen Ausflüge und Sommerfeste der unzähligen Berliner Vereine müssen noch vor der „großen Sommerreife" erledigt werden. Ob aber die Festteilnehmer immer so viel Spaß an ihrem Ausfluge haben, wie ein ganz unbeteiligt. Zuschauer, ist zwar prinzipiell nicht festzustellen, aber in dem Falle von Nedlitz am Jrngfernte am letzten Sonntage war dies zweifellos nicht der Fall. Schon fiüh waren sie ausgezogen, die Nereinsmitglieder mit Fran und Kindern. „Satti“ hatte sich beizeiten in Stimmung gesetzt und sich erheblich die Nase begossen. Auf „Muttis" strengem Antlitz zog sich ein Gewitter zusammen, und Töchterchen Frida hing ängstlich am Arme des Verlobten. Alles beobachtete „Vatti“, der „ulttg" wurde und trotz der Mahnrufe der Kollegen: „Mach' Dir doch nicht zum Affen“, ein schwankend Boot bestieg, welches zum Glück an einem Pfahle angebunden war. „Du fällst noch ins Wasser", grollte der erste Donner aus Muttis Gewitterwolken. „Nee,“ lachte Vatti, „ick halte mir hier ja fest" und wollte den Pfahl umklammern. Aber Vatti sah bereits doppelt, er umarmte den falschen Pfahl, jampelte mit den Händen in der Lust und schwab — i weg war Vatti! — Blitz und Donner zugleich aus Muttis düsteren! Zügen! — Frida verdeckte die Augen an des Verlobten Brust. Vatti stand eine Minute lang wie ein begossener Pudel auf dem Bootssteg, j der Anzug trippte von allen Enden, — dann verschwand die Familie^ und — der Verein. Mit Satti war „bat tanze Verjnijen in t Wasser, gefallen“. ..... ......., ■