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1912.
Erstes Blatt
ist ruhig.
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beschäftigte sich heute mit der Spionagesache des früheren Schutzmanns Elauß aus Wilhelmshaven. Nachdem Elauß von England nur wegen Diebstahls ausgeliefert und vom Landgericht Aurich zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, und der mitschuldige Schutzmann Jänicke in Geisteskrankheit verfallen ist, konnte die heutige Verhandlung nur gegen den Obersignalmaat Ehlers aus Wilhelmshaven eröffnet werden. Ehlers ist am 15. März 1883 in Saarbrücken geboren und bisher gerichtlich noch nicht bestraft. Er soll nach dem Eröffnungsbeschluß gemeinschaftlich mit Elautz und Jänicke Teile des Signalbuches der deutschen Marine und andere geheim gehaltene Gegenstände in Wilhelmshaven und in Auslandsorten an eine fremde Regierung, die englische, verraten haben, obwohl er wutzte, datz diese Sachen im Jnteresie der Landesverteidigung geheim zu halten sind. Erschienen find 9 Zeugen und
zwei Matinesachverfiändlge. Elautz ist unter deck Zeugen. Er | Mgjonen Bushel Getreide in Schiffen oder Elevatoren find im hiesigen wurde von Zuchthausbeamten nach Leipzig transportiert. Die ...... -
Oefentlichkeit wurde wegen Gefährdung der Staatssicherheit für die ganze Dauer der Verhandlung ausgeschlofien. Ehlers wurde wegen Verrats militärischer Eeheimnifie zu 6 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust, Entfernung aus seiner Marinestellung und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.
— Weitere Ausdehnung der inneren Kolonisation. Bom Landwirtschaftsminister ist eine weitere Ausdehnung der Matznahmen beabsichtigt, die bisher in den Provinzen Ostpreuhen und Pommern, sowie in dem Regierungsbezirk Frankfurt a. O. auf dem Gebiete der inneren Kolonisation ergriffen worden sind. Es ist vorerst die Ausdehnung der Matznahmen auf die Provinz Brandenburg geplant, da sich die Ausführung dieses Planes als wünschenswert erwiesen hat. Bekanntlich ist der preutzische Staat bereits mehrfach'bei gemeinnützigen Siedelungs- gefellschaften in Ostpreutzen, Pommern und Brandenburg beteiligt. Zur Ausdehnung der inneren Kolonisation auf die ganze Provinz Brandenburg ist eine größere Beteiligung an den Sied-lungsgesellschaften notwendig. Es sind auch auf diesem Gebiete Schritte zum Teil bereits durchgeführt, zum Teil in Aussicht genomen.
Marburg
Somialend, 29. Juni
unsere Rasse."
"Die sranzöfisch-spanischen Verhandlungen. Paris, 27. Ium. Zu den französisch-spanischen Verhandlungen wird aus Madrid gemeldet: Die fachmännische Kommisiion, die mit der Neuordnung der Dinge und damit zusammenhängenden Zoll- und sonstigen Finanzfragen zu prüfen hatte, hat ihre Arbeiten beendet. Sie wird nur noch einmal zur Unterzeichnung des Abkommens zusammentreten. Der Vorsitzende der fron- zösischen Delegation Goyot verbleibt noch einige Zeit in Madrid, um verschiedene, die wirtschaftliche Entschädigung betreffenden Fragen za
Hafen durch den Londoner Dockarbeiterstreik aufgchalten worden. Die Schiffer weigern sich. Eetteide als Fracht anzunehmen. Der Dampfer „Afghanin" ist von London mit einer Getreideftacht zurückgekehrt, die er vor zwei Monaten exportiert hatte.
• • Bom Balkan. Konstantinopel, 27. Juni. Gerüchte, wonach vier Bataillone in der Gegend von Monastir desertiert seien, werden nicht bestätigt. Bisher sind desertiett in Monasttr 4 Offiziere und Soldaten, in Perlepe 2 Offiziere und 25 Soldaten. Das Gerücht über die Abberufung des Kommandanten des Armeekorps von Monasttr entspricht nicht den Tatsachen. Die Deserteure verlangen einen Wechsel der Minister bis auf den Minister des Innern, sowie Auflösung bezw. Reinigung des jungtürkischen Komitees. Gerüchten zufolge ist das Komitee geneigt, das Kabinett teilweise zu opfern. In Kreisen der Regierung herrschen zwei Strömungen. Einige Minister, darunter der Minister des Innern, befürworten Veruhigungsmittel, andere treten für strenge Maßregeln ein.
* * Marokko. Mazagan, 27. Juni. Ein Brief aus Marrakesch vom 23. Juni berichtet von ernsten Gefechten, die am Freitag vor den Stadttoren zwischen Anhängern El Elauis und Mtugis stattfanden. Die europäischen Kolonien flüchteten in die Konsulate. Eine Abteilung Soldaten bewacht die Tore des Ghettos. Die Gegend von Mazaga»
regeln.
“ Der Seemannsstreik in Frankreich. Paris, 27. Juni. Aus Marseille wird gemeldet, daß bisher infolge des Seemannsstreiks im ganzen 59 Schiffe abgetakelt werden mutzten, die zusammen eine Besatzung von 300 eingeschriebenen Seeleuten hatten.
während der letzten Sitzungstage erneuerten die oppositionellen AK geordneten täglich vor dem das Abgeordnetenhaus umgebenden Milk tärkordon ihren Protest. Der Eindruck, schwächte sich aber schließlich vollkommen ab.
** Dir französischen Kanadier. Paris, 27. Juni. Ueber den gegenwättig in Quebec tagenden Kongreß der Kanadier französischen Stammes wird den Blättern u. a. gemeldet: Erzbischof Langevin hielt eine Rede, in der er erklätte, daß die in Amerika wohnenden 3 Millionen Franzosen sich vereinigen müßten, um ihre Jntereffen und ihre Religion zu verteidigen. Für die französischen Kanadier, die von niemand etwas zu erbitten, sondern nur die Achtung ihrer Rechte zu fordern hätten, seien infolge der Flut der Einwanderer, die weder ihre Geschichte noch ihre Rechte kennten, ein kritischer Augenblick gekommen. Die französischen Kanadier hätten der britischen Fahne Treue geschworen, sie verlangten dafür aber den Schutz ihrer Freiheiten. „Wir sind," schloß der Erzbischof, „Franzosen geblieben, weil wir Katholiken sind. Wenn wir unsere Religion verteidigen, verteidigen wir auch
Ja, Gretel, dir will ich es gestehen, — aber du mußt mich nicht ansehen, sonst kann ich es nicht sagen, so — nun mach mal geschwind die Augen zu, - also seit gestern —" Sie stockte und schluckte ein paarmal, ehe, sie sortfuhr: „Seit gestern — bin ich Braut!"
Grete zeigte sich wenig überrascht von der Nachricht, sie hatte es lange kommen sehen. t , .
Liese schlang in ausbrechender Freude bte Arme um den Hals der Schwester und schmiegte ihre glühende Wange an deren Gesicht. In dieser Stellung verblieb sie, als sie rasch hervorsprudelte:
„Daß ich Otto schon lange lieb hatte, das wußtet ihr alle, nur et — er dürfte es nicht ahnen. Ich mußte mich aber auch tüchtig zusammennehmen, damit er nichts merkte. Und gestern, da sprachen wir von der Vergangenheit, von Charlotte Walter, und Otto versicherte mir, daß er fie verachte und daß dieser Abschnitt seines Lebens abgetan sei, für alle Zeit Und dann, ach Grete, dann sagte er, er habe eigentlich immer nur mich gern gehabt, aber das sei ihm erst viel später zum Bewußtsein gekommen. Und ob ich ihn noch haben wolle, ob ich vergessen könne, was geschehen sei. Als ich ihm dann erzählte, daß ich säst gestorben wäre, vor Gram, als er eine andere wählte, da — doch das brauchst du nicht zu wissen, aber ich sage dir, ich bin einfach selig, daß alles so gekommen ist. Und Tante Lina erst! Die freute sich, als wir ihr erzählten, daß wir uns doch noch gefunden. Geweint hat sie vor Glück. Heule kommt sie her, um mit der Mutter zu reden und mit dem Vater." Liese seufzte. ^Das einzige, was mir noch Kummer macht, ist der Vater!"
Sie ließ zwar den Kopf hängen, aber es dauerte nicht lange. Ueber ihr Schelmengesicht huschte gleich wieder ein sonniges Lächeln. Ungestüm riß sie sich los, setzte ihr einfaches Hütchen auf die blonden Locken ,nd wollte zur Türe hinaus, als eben die elegante Equipage Breders- dorffs vor dem Hause hielt.
„Donnerwetter," rief Liese, die einen raschen Blick auf das Gefahtt geworfen hatte, „wer ist denn der schöne Mann?"
Grete aber stand unbeweglich mitten im Zimmer, pe hielt die Hand
— Verliehen. Berlin, 27. Juni. Der „Reichsanzeiger" meldet die Verleihung des Roten Adlerordens zweiter Klasse mit Stern an den Bankier Arthur Freiherrn von Schickler-Paris, die Rettungsmedaille am Band an den Fleischergesellen Meier-Berlin. Der erbliche Adel wurde verliehen dem Direktor des Verwaltungsdepartements des Reichsmarineamts Vizeadmiral Capelle sowie dem beständigen Sekretär der Akademie der Wissenschaften Wirkt. Geh. Oberregierungsrat Profefior Dr. Auwers.
— Aus der badischen Kammer. Karlsruhe, 27. Juni. Die Zweite Kammer hat heute nach zweitägiger Beratung die Novelle zum Wafiergesetz von 1899 einstimmig angenommen. Durch diese Vorlage soll die badische Wasserwirtschaft, insbesondere die Ausnutzung der Wafierkräfte, weesntlich gefördert werden unter möglichster Schadloshaltung der Anlieger und Hinterlieger.
— Die Reichstagsstichwahl in Hagenow-Erevesmühlen findet am heutigen Freitag statt. Sie hat bekanntlich zu erfolgen zwischen Pauli (Kons.) und Sivkovich (Fortschr. Vpt.). Da sowohl die nationalliberale wie die sozialdemokratische Partei des Wahlkreises Hagenow-Erevesmühlen die Parole ausgegeben haben, bei der Stichwahl für den Volksparteiler Sivkovich einzutreten, dürfte defien Wahl gesichert sein.
— Spionageprozetz. Leipzig, 27. Juni. Das Reichsgericht
auf das pochende Herz gedrückt und brachte kein Wott, keinen Gruß her- I vor, als der Ankömmling nun über die Schwelle schritt. Er mußte sich I bücken unter der etwas niedrigen Tür. Freudig streckte Hans von I Bredersdorff Grete die Hand entgegen, indem er lachend rief: „Ach I Fräulein, wo bleiben Sie heute so lange? Meine Mutter erwartet Sie I schon seit einer Stunde mit Ungeduld!" I
Dann wandte er sich an Liese mit einer artigen Verbeugung: „Ich I habe wohl die Ehre vom Fräulein Schwester?" 1
Als diese bejahte, stellte er sich vor und fuhr dann, stch wieder an I ©rete wendend, fort: „Ich konnte es mir nicht versagen, persönlich vor- I zusprechen. Meine Mutier konnte sich Ihr langes Ausbleiben nicht er- I klären, sie drängte mich, Sie zu holen, und läßt Sie zugleich bitten, den I heutigen Abend bei uns zuzubringen. Sie ist rein außer stch vor Freude. I Der Kleine ist schon ganz zutraulich geworden, er läßt geduldig alle die I stürmischen Liebkosungen über sich ergehen; meine Mutter will das Kind I den ganzen Tag nicht von sich lasten. Auch der Vater, besten Befinden | heute wieder ein ganz ausgezeichnetes ist, lächelt glückselig, wenn der I Bengel in seine Nähe kommt. Der wird nun richtig verzogen werden. I Der Junge, der bisher von einem Park keine Ahnung hatte, betrachtet jede Blume, jeden Schmetterling als ein Wunder. Den ganzen Vormit- I tag tummelte er sich im Freien; er braucht beständig jemand zur Auf- I sicht. Meine Mutter ist in steter Sorge, er möchte in den See fallen." I
Hans von Bredersdorff warf einen Blick durch das Fenster und auf I die Pferde deutend, setzte er rasch hinzu: „Sehen Sie nur, Fräulein, die feurigen Tiere wollen gar nicht stehen, der Kutscher hat seine Not mit I ihnen, also ich bitte, beeilen Sie sich." I
Dann wandte er sich wieder an Liese, die vor Ungeduld brannte, I fortzukommen: „Darf ich Sie einladen, Fräulein, mit uns zu fahren?" I
Doch diese wehrte rasch ab: „Es ist mir leider unmöglich, Herr von I Bredersdorff, bitte verzeihen Sie, aber ich — ich werde bereits erwartet." I
„Ach so", machte der Angeredete mit heiterem Lachen, „gewiß in I dringender Angelegenheit?" I
Sie ging lachend auf den Ton ein. I
„Ja, mein Herr, sehr dringend!" I
„Kann es mir denken." I
(Stete war rasch ins Nebenzimmer geschlüpft, sich ihren Hut zu holen. | Sie stellte Hans von Bredersdorff ihrer Mutter vor, er sagte in verbind- , lichem Ton: „Verzeihen Sie, daß ich Ihnen die Tochter für den ganzen I
Oie igcipoiiene yetle ober
Rachdr. verboten.
Das Haus am Nixensee.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth. - (Fortsetzung.)
Abend entführen will, aber es ist heute ein so herrlicher Tag und abends möchten wir auf dem See rudern."
Grete lehnte einen Augenblick ihre Wange zärtlich an die der Mutter.
„Es tut mir leid, daß du so allein bleiben mußt, aber —
„Mache dir doch um mich keine Sorgen, Kind." unterbrach sie das Mädchen, „ich freue mich ja, wenn du heraus kommst aus bet engen Stube; mit wirb die Zeit nicht lang, ich habe meine Arbeit.
„Aber" — Grete zögerte noch immer — „ich mußte eigentlich h>ei bleiben und dir helfen, du kannst ja doch nicht alles allein fertig orrngen.
„Das kann ich sehr gut, Gretel, laß mich nut machen.
Das Mädchen nestelte mit zitternden Fingern an dem Hut herum, der heute durchaus nicht sitzen wollte, so daß die Mutier mehrmals ytv wunderte Blicke auf die Tochter warf.
„Na, aber Grete beeile dich doch," mahnte sie.
Endlich wat Grete fertig. In der ganzen Nachbarschaft standen bt< Leute hinter den Gardinen und betrachteten neugierig den schönen, hoch- gewachsenen Mann, der jetzt neben dem Mädchen im Wagen saß. De, Kutscher schnalzte leicht mit der Zunge, das Gefährt flog davon. Biel« neidische und neugierige Blicke folgten dem eleganten Wagen n^ch.
Wieder wat ein Iaht dahingeschwunden. Manches hatte sich ver. ändert im Laufe der Zeit. Liese, die im Frühjahr als glückselige jung« Frau in Tante Linas Haus übergesiedelt war, versicherte jedem, der es hören wollte, daß sie keinen Wunsch mehr habe. Sie fühle sich vollkommen glücklich, erklärte sie. Denn ihr Otto trage sie förmlich auf $änS8enn die beiden sich, eng aneinanbergefömiegt, auf bet Straße zeigten, so schaute wohl mancher ihnen nach, benn das Glück stand deutlich zu lesen auf den lachenden, jungen Gesichtern. Man erzählte sich in der ganzen Stabt, daß Fräulein Charlotte Walter fast geplatzt wate vor Neid und Berger, als sie die beiden Glücklichen einmal au; der Straße sah. Sie gestand offen ein, daß es sehr dumm von ihr gewesen war, als sie ihr Glück mit Füßen von stch stieß. Denn jener Vetter, um dessen- willen die Verlobung mit Otto gelöst wurde, hatte stch schon langst lachend aus dem Staube gemacht. Et dachte niemals daran, die verwohnte junge Dame zu heiraten; und fie fahndete jetzt eifrig nach einem neuen Verehret. Aber allen ihren aufgewandten Künsten wollte es nicht gelingen, einen solchen einzufangen. Man erzählte sich, daß sie täglich bet Karl Gronau Fensterpromenaden mache, aber der beiße nicht an. — —
(Schluß folgt.)
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Ausland.
•• Ungarn. Budapest, 27. Juni. Das Abgeordnetenhaus wurde durch ein königliches Reskript bis zum 17. September vertagt. Auch
• • Die Eefchvtzexplofion auf dem „Jules Michelet". Paris, 27. Juni. Bezüglich der Vorgänge bei den Schießübungen an Bord des ^Jules Michelet" erklärte Handelsministet Delcasse: Die Spezial- kattnschen mit schwacher Ladung für Ilebungsschießen wurden erst kürz- lich aus einem Pulver fabriziert, das völlig unverdächtig ist. Die Entzündung der Kartuschen ist zurückzuführen auf das Zurückschlagen der Flamme und durch Erhitzung des Geschützes, welches den fünfzigsten Schuß abgab. Drei Verwundete seien gestorben.
• • Zum Londoner Dockarbeiterstreik. Montreal, 27. Juni. Drei
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen' ..Nack Feierabend". ..ftürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage.
Politische Umschau.
Der Spionagefall Kostewitsch.
Die Angelegenhet des verhafteten russischen Spions Kostewitsch scheint, wenn man den neuesten Meldungen Glauben schenken darf, weitere Kreise zu ziehen. So wird aus angeblich amtlicher Quelle laut „B. T." mtgeteilt, daß Kostewitsch von der Hauptartillerieverwaltung nach Verständigung der deutschen Negierung durch das russische Ministerium des Aeußern nach Berlin zu chemischen Studien abkommandiert worden sei. Die Bitte der russischen Regierung, Kostewitsch den Besuch der deutschen staatlichen Fabriken, wo Chemie angewandt werde, zu gestatten, sei höflich aber bestimmt abgeschlagen worden. Da Kostewitschs Aufenthalt in Berlin der deutschen Regierung amtlich bekanntgegeben worden sei, und desgleichen sein Zweck, so habe die russische Regierung die Forderung der sofortigen Freilassung Ko st e- witschs gestellt und eine Entschuldigung der deutschen Regierung gefordert, falls diese nicht imstande sei, die Spionagetätigkeit Kostewitschs zu beweisen. Schließlich stelle die russische Regierung Kostewitsch frei, die Schadens- ersatzklage nach dem Völkerrecht gegen die deutsche Regierung einzuleiten. Einige russische Offiziere schlagen in der Presie vor, als Antwort auf die Verhaftung Kostewitschs einige deutsche Offiziere, von denen sich zur Erlernung der russischen Sprache immer einige in Rußland aufhalten, festzunehmen und ihnen in Zukunft die größten Schwierigkeiten in den Weg zu legen. — Eine andere Lesart verbreitet die „V. Z.". Das Blatt behauptet, erfahren zu haben, daß für die Verhaftung des Hauptmanns Kostewitsch wichtige Gründe vorgelegen haben, und zwar Tatsachen, die zu scharfem Vorgehen berechtigten; auf bloßen Verdacht hin sei die Verhaftung nicht unternommen worden. Die russische Regierung habe auch keineswegs die Forderung der sofortigen Freilafinng Kostewitschs oder dergleichen bei der Reichsregierung erhoben, sondern fie habe nur, wie es in solchen Fällen geschehe, an das Auswärtige Amt die höfliche Frage nach den näheren Umständen der Verhaftung Kostewitschs gerichtet. Es sei ihr darauf die Mitteilung gemacht worden, daß die preußische Behörde erst -ingeschritten sei, als wichtige Verdachtsmomente vorlagen, und daß diese Verdachtsmomente zur Zeit der gerichtlichen Prüfung unterlägen. Dasselbe Blatt führt auch aus, daß dem russischen Militärattache, Oberst Basarow, die Erlaubnis, den Gefangenen zu sprechen, für die nächste Zeit verweigert worden ist. Oberst Basarow, der sich am vormittag nach dem Untersuchungsgefängnis begeben hatte und dort einen ausweichenden Bescheid erhielt, hat nach einem Besuch im Auswärtigen Amt nochmals versucht, mit Kostewitsch zu konferieren, ist aber auf richterliche Anordnung nicht mehr vorgelassen worden. Ebenso ist es der Gattin des Hauptmanns vorläufig nicht gestattet, den Verhafteten zu besuchen. Allerdings ist ihr erlaubt worden, durch Sendungen von Obst und anderen Speisen die Beköstigungsverhältnisse ihres Mannes zu verbesiern.
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Deutsches Reich-
— Vom Kaiser. Kiel, 27. Juni. Der Kaiser nahm heute vormittag im Kaiser Wilhelm-Kanal Besichtigungen vor. Mittags speiste der Kaiser auf der Jacht „Utewana".
_ie „iCUci l)tfii|d)e öeininu ' eqajcuu taguoj nut tiuenuijine Cer ksoniu und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen .Ito 150 und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei ins Haus. (Für unver- *1=‘ langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei
Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
deren Raum 15 L, bei amtlichen unb auswärtigen Anzeigen 20 L, für in Reklamen die Zeile 60 H. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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