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deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 L, für in Reklamen die Zeile 60 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. 1 • •
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1912
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erreichen konnte.
(Fortsetzung folgt.)
Marburg
Freitag, 14. Juni
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kommandeure dem Kriegsminister gegenüber für die Haltung ihrer Offiziere verantwortlich sein. Die Frage des Avancement», die im Heer eine Krisis verursachte, werde gelöst werden. Demnächst werde er dem Parlament einen Eeetzentwurf vorlegen, der den Zweck habe, das Oberkommando zu verjüngen. Was den von den vereinigten Sozialisten und Revolutionären so heftig angegriffenen Gesetzentwurf über die „Apachen" anlange, demzufolge die vorbestraften Rekruten in die afrikanischen Etrafbataillone geschickt werden sollen, so bemerke er, daß er diesen Entwurf von seinem Vorgänger Messtmy übernommen habe, mit dem er vollständig Lbereinstimme, daß die guten Elemente in der Armee durch die Apachen nicht verdorben werden dürfen. Ebenso sei er der Ansicht, dah die Antimilitaristen und die Antipatrioten in der von ihr verleugneten und angegriffenen Armee keinen Platz finden dürften. Das Wahlkomitee erneuerte zum Schluß dem Kriegsminister sein volles Vertrauen und beglückwünschte ihn zu dem „republikanischen und nationalen" Werk, das er im Kriegsministerium vollbringe.
lich diese Richtlinien. Er betonte insbesondere, daß die Industrie vor Erlah von Gesetzen und Handelsverträgen gehört werden müsse. Zollstreitigkeiten sollten durch ein internationales Schiedsgericht geregelt werden, ferner sei der Wechsel-, Scheck- und Patentschutz, sowie der Markenschutz international zu regeln. Sodann kommt der Redner auf die Lage der Industrie im Inland zu sprechen. Man müsie darauf bedacht sein, datz da« Tempo, in dem die sozialen Lasten verstärkt werden, eine Mähigung erfahre und datz man mehr Rücksicht darauf nehme, wie weit das Ausland uns auf diesem Gebiete allmählich nachkomme. Vielleicht sei auf diesem Gebiete eine internationale Verständigung zu er- wägen. Die Organisationsfreiheit der Arbeiter müsie erhalten werden. Daher müsie auch das Prinzip der Eewerbefreiheit gewahrt werden, das den Arbeitern, die bereit find, unter den Löhnen und Bestimmungen zu arbeiten, die anderen nicht mehr pasien, ermöglicht, zu arbeiten. Industrie und Landwirtschaft sollen sich daran erinnern, dah sie Töchter derselben ehrwürdigen Mutter find, des gemeinschaftlichen Vaterlandes. — Kaufmann Hecht (Berlin) stimmte dann den neuen Richtlinien vom Standpunkte der Exportindustriellen zu, Dr. Köthener (Berlin) von dem des Detailhandels, Obermeister Kniest (Cassel) als Handwerker und Schaper (Leipzig) vom Standpunkte der Angestellten aus zu. — Der neue Geschäftsführer Freiherr v. Richthofen teilte dann noch mit, dah der Hansabund in einer späteren Sitzung bestimmte Vorschläge zum Schutze der Arbeitswilligen machen werde. — In seinem Echluhwort bezeichnete Profesior Dr. Riesier es als unrichtig, dah die Frankfurter Bürgerschaft ihn nach Frankfurt ziehen wolle. Er teilte mit, dah im Herbst des Jahres eine Hansa-Woche veranstaltet werde. Mit einem Appell an die Versammlung, mit altem Idealismus und mit dem vielgeschmähten Optimismus an die Arbeit zu gehen, schloß der Vorfitzende die Tagung.
von einer großen Sorge befreit: die Bezahlung dieser Summe bereitete mir schon manche schlaflose Nacht! Wie ftoh bin ich nun, ich danke dir tausendmal!"
„Ach. mach doch nicht so viel Worte", wehrte Tante Lina, bemüht, ihre eigene Rührung zu verbergen, „ich freue mich ja. dah ich es tun kann und dah wir die Gretel über den Graben brachten! Du hast genug gelitten um das Mädel, — aber sie lohnt ja auch deine treue Pflege und Aufopferung durch ihre Liebe."
Grete reichte der alten Dame die Hand.
„Gewiß Tante, ich will alles tun, was in meinen Kräften steht, um meiner lieben Mutter das Leben zu erleichtern, sie hat schon Schweres genug zu tragen gehabt, und es wäre mein höchster Wunsch, ihr einen recht friedlichen und sorgenlosen Lebensabend bereiten zu können."
„So ist's recht", lobte Tante Lina, „bist ein gutes Kind. Na, nun sag mal, hast du dich um den Karl Gronau so gegrämt, daß du so schwer krank wurdest?"
Sie legte den Zeigefinger unter das Kinn des Mädchens und hob den gesenkten Kopf in die Höhe.
Grete sah sie offen an und schüttelte den Kopf.
„Nein, Tante! Anfangs tat es mir zwar sehr wehe, aber diese Krankheit steckt wohl schon länger in mir, so recht gesund war ich ja vorher nie. Aber seit ich wieder genesen bin. fühle ich eine Lebensfreude in mir, die mir bisher fast fremd war. Und den Schmerz um Karl Gronau habe ich überwunden. Ich kann ohne Groll an meinen ehemaligen Verlobten denken, ich kann von ihm sprechen ohne Erregung und wundere mich oft über mich selbst. Die Krankheit hat alles Bittere mit hinweggenommen, mir ist, als wäre ich neugeboren. Als ich heute so dahinschritt im Frühlingssonnenschein, da freute ich mich über jede Blume und jeden Vogel. Freilich, bis ich wieder ganz hergestellt fein werde, wird es noch einige Zeit dauern, ich fühlte, daß ich recht müde und matt war. Viel Aufenthalt in frischer Lust verlangt der Arzt immer, das sei das beste für mich. Aber ich kann doch nicht immer so untätig sein und spazieren gehen. Wir müsien arbeiten, um zu leben, die Mutter hat lange genug zu sorgen gehabt, nun ist es an mir, sie zu entlasten!"
„Was wir brauchen, verdienen wir immer, mein liebes Kind", fiel die Mutter rasch ein, das Mädchen auf die Stirn küssend, „Liese hilft auch tüchtig und an Arbeit ist Gott sei Dank fein Mangel. Du darfst nicht den ganzen Tag flbet der Näherei sitzen, da» schadet dir, rmd ich leide e»
Eine Rede Millerands.
In einer Rede, in der Millerand vor dem sozialistisch-republikanischen Komitee seines Wahlbezirks seine Tätigkeit als Kriegs- ministgr schilderte, erklärte er u. a., Frankreich dürfte um keinen Preis den Vorsprung verlieren, den es im Flugwesen «reicht habe. Die Opfer, die das Parlament und die Bevölkerung tAfür gebracht hatten, hätten gleichzeitig in den Herzen eine machtvolle Begeisterung und Zuversicht hervorgerufen. Von seiner Besichtigungsreise in den Ostprovinzen sei er nicht mit einem Gefühl des gedankenlosen Optimismus, sondern des wohlbedachten Vertrauens zurückgekehrt. Er habe die Absicht, die befestigten Plätze an der Ostgrenze, namentlich Belfort, Verdun, Toul und Eppernay mit den Errungenschaften der Elektrizität auszustatten. Er habe, so führte Millcrand weiter aus, von allen Offizieren die vollständige loyale Gesinnung gegen die Republik verlangt und werde dafür, sorgen, daß dies beachtet werde. Aber in Zukunft würden nur die Korps-
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Rachdr. verboten.
Das Haus am Nixensee.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
(ftortfefeung.)
Dritter Deutscher Hansatag.
S. & H. Berlin, 12. Juni.
Am heutigen dritten Jahrestage seiner Gründung trat der Hansa- hund für Gewerbe, Handel und Industrie zu einer Ausschußsitzung zusammen. Es waren etwa 220 Vertreter erschienen. Nach Eröffnung der Sitzung stellte der Vorsitzende Geheimer Iustizrat Profesior Dr. Riesier der Versammlung den neuen Geschäftsführer des Hansabundes, Reichs- tagsabgeorbneten Freiherrn v. Richthofen vor, ferner den Obermeister Kniest-Casiel, der die Leitung der für das Handwerk zu leistenden Ar- beit im Hansabund übernommen hat. Sodann führte er aus: Unzählige Mal totgesagt, überschreitet der Hansabund mit 710 Organisationen fest- geschlossen die dreifach ihm gewährte Frist. Er kam dann auf die letzten Reichstagswahlen zu sprechen, die für den Bund der Landwirte so schlecht ausgefallen seien. Dagegen seien die kübnsten Hoffnungen des Hansabundes bei den Reichstagswahlen übertroffen worden. 56 Mitglieder des Hansabundes seien im Reichstage und 33, die auf dem Boden der Richtlinien des Hansabundes stehen. Jedenfalls fei erreicht, daß die Mehrheit, welcher einer extrem agrarischen Politik günstig war, im neuen Reichstag beseitigt sei. Eine Erhöhung der Agrarzölle oder gar ein lückenloser Zolltarif wird daher in diesem Reichstag nicht durchgehen. Der Hansabund hat bei den letzten Wahlen unverbrüchlich an dem Grundsatz festgehalten, nicht Parteien, sondern lediglich Kandidaten zu unterstützen, die die Parität aller Erwerbszweige gewahrt wisien wollen. Der Hansabund werde daran sestbalten, daß er selbst feine Kandidaten aufftelle. Er hält in seiner Wirtschaftspolitik und in feiner politischen Stellungnahme an der mittleren Linie fest. Dazu ge- höre sowohl die Fühlung nach rechts, wie die Fühlung mit der bürgerlichen Linken. Politischen und literarischen Wegelagerern gegenüber, die das widerliche Geschäft der Verleumdung auch nach den Wahlen fortsetzen, weide der Hansabund den Kampf führen. (Langanhaltender Beifall.)
Sodann wurden die vom Vorstand vorgeschlagenen Zuwahlen zum Direktorium und zum Eesamtausschuß guiaesieißen. — Hierauf erstattete der Geschäftsführer des Hansabundes, Asiesior Dr. Kleefeld, den Geschäftsbericht, aus dem zu entnehmen ist, daß neben der Submissionszentrale die Gründung eines besonderen Industrierates beabsichtigt ist. Der Hansabund zählte im Juni 1912 67 Landes-, Provinzial- und Ve- zirksgruppen. 63 Ortsgruppen, 1600 Vertrauensmänner und 823 ange- schlosiene Vereine und Verbände. — Nach dem Bericht der Revisionskommission legte der neue Geschäftsführer Freiherr v. Richthofen Satzungsänderungen vor, die ohne Debatte genehmigt wurden.
Hierauf trat der Hanfatag in die Beratung des wichtigsten Gegenstandes der diesjährigen Tagung ein, in die Schäftung neuer Richtlinien des Hansabundes. Direktor Dr. Waldschmidt erläuterte ausführ-
Nundschau.
i Eine gründliche Abfertigung. >-'
Die „Kölnische Zeitung" läßt sich aus Berlin, offenbar auf Veranlassung der Wilhelmstraße, schreiben: „Es wird immer wieder von gewissen Seiten versucht, durch Verbreitung alberner Erfindungen Deutschland bald bei diesem, bald bei jenem Staate zu verdächtigen. Dazu gehört auch die von der „Rowoje Wremja" ausgeheckte Erfindung, Italien werde eine oder mehrere der im Aegäischen Meere besetzten Inseln demnächst dem Deutschen Reiche abtreten, das bann seinen durch den Bau der Bagdadbahn schon vorgezeichneten Gelüsten auf Kleinasien freien Lauf lasten würde. Die Erfindung ist so unbeschreiblich dumm, daß es uns eigentlich widerstrebt, uns mit ihr zu beschäftigen. An nichtsnutzigen Unterstellungen und Beschuldigungen Deutschlands hat es niemals gefehlt, aber etwas so Hirnverbranntes ist seit langer Zeit nicht vorge- bracht worden. Wir würden es deshalb nicht für der Mühe wert halten, uns überhaupt mit diesen Dingen zu beschäftigen, wenn sich nicht abermals in ihrer Verbreitung ein offenes System zeigte, das allerdings in unerlaubter Weise auf die Leichtgläubigkeit und Torheit der Leser rechnet. Der von der „Rowoje Wremja" aufgeworfene Ball wird mit Begeisterung vom Pariser „Figaro" ausgenommen und ebenso von der „Times", die in einem Petersburger Telegramm auf die schrecklichen Gefahren hinweist, die von der „Rowoje Wremja" enthüllt werden. Nach dem "Figaro" unterliegt es keinem Zweifel, daß die wichtigsten der von Italien besetzten türkischen Inseln demnächst in die Hände von Deutschland fallen werden, die diese bald in kräftige Flottenstationen urn- roanbeln wird. Diese sogenannte Idee erscheint dem Petersburger Vertreter des „Figaro" außerordentlich bemerkenswert, und dieser kundige Thebaner gelangt an der Hand aller möglichen Erwägungen zu dem Schlüße, daß sich die in neuester Zett veränderte Haltung der deutschen Preste gegenüber Italien — von der wir übrigens nichts wisten — nur durch die jetzt eröffnete Aussicht auf Abtretung türkischer Inseln erklären laste. Der Dreiverband, so wird weiter gefolgert, müsie also alle Aufmerksamkeit darauf richten, daß diese ehrgeizigen Absichten des Deutschen Kaisers hintertrieben würden. Drei kapitolinische Gänse, die „Rowoje Wremja", der „Figaro" und die „Times", find also aufgeboten worden, um einhellig von den abscheulichen Absichten Deutschlands auf türkische Inseln zu schnattern, und die Türkei gegen Deutschland scharf zu machen. Daß bas in drei Ländern des Dreiverbandes gleichzeitig geschieht, überrascht uns keinen Augenblick, aber wir müsien uns doch darüber wundern, daß die Verbreiter solcher Nachrichten und die Drahtzieher, die dahinter stehen, nicht auf einigermaßen annehmbarere und glaubwürdigere Derleumdungen verfallen sind. Die Herren müsien mit ihrem Latein doch ganz gründlich zu Ende fein, wenn sie zu Verhetzungszwecken ihren Lesern nichts anderes als solche in ihrer Absicht ganz durchsichtige dumme Räubergeschichten aufbinden." Die Sprache ist zwar sehr kräftig, aber angesichts der fortwährenden Treibereien gegen Deutschland nur zu berechtigt.
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— Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
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„Siehst du, meine Ahnung hat mich nicht betrogen", jammerte Tante Lina, „ich wußte es ja, daß Charlotte den armen Jungen zum Besten hat. Otto erzählte mir neulich schon von einem Vetter Charlottes, der ganz unvermutet aus Amerika zurückgekommen fei, und schwer reich fein fall. Wie ich aus den Reden entnahm, verkehrt der junge Mann viel im Hause seiner Verwandten, und Otto scheint auch rasend eifersüchtig auf ihn zu sein. Wenn man Otto nur überzeugen könnte, wenn man ihm nur Beweise zu bringen vermöchte, dann müßte er doch glauben. Mein Gott, was soll man tun?“
„Sorge dich doch gar nicht so sehr", beruhigte Frau Sommer die Freundin, über kurz ober lang kommt bie Geschichte ja boch zum Klappen. Wenn Charlotte Walter es so weit treibt, mit einem andern herumzulaufen. so wird es nicht lange ein Geheimnis bleiben. Denn in unserer guten Stadt gibt es genug „liebe Freunde", bie ohne bein Zutun dem Otto die Augen öffnen werden. Er wird bann freilich viel zu leiden haben, aber vielleicht ist es am besten so, und er wird geläutert aus der Prüfung hervorgehen."
Tante Lina war sehr unruhig geworden.
„Ich mutz nach Hause", sagte sie ausstehend, „es wäre doch möglich, daß Otto meiner bedürfte, und da will ich auf dem Posten fein.“
An der Türe blieb sie nochmals stehen, griff in die Tasche und reichte der Freundin einige Papiere hin.
„Da nimm", sagte sie, „fast hätte ich es vergessen, ich habe dir etwas Mitgebracht."
Frau Sommer wußte nicht, wie ihr geschah. Sie hielt die quittierten Rechnungen von Doktor und Apotheker in der Hand, deren Bezahlung ihr schon so manche Sorge bereitet hatte, denn die lange Krankheit Gretes kostete viel Geld, und Frau Sommer wußte nicht, woher sie die Mittel nehmen sollte, da ihr Gatte sich weigerte, etwas herauszugeben. Tränen der Rührung traten der vielgeprüften Frau in die Augen, sie stteckte der treuen Freundin beide Hände entgegen und lächelte unter Tränen: „Ach, du Gute, du Edle, wie soll ich dir danken! Gott lohne es dir, du hast mich.
Deutsches Reich.
— Aus der Diplomatie. Berlin, 12. Juni. Wie die „Rordd. Allgem. Ztg." hört, ist für den Eesandtenposten in Lisiabon, der durch das Ausscheiden des Freih«rn von und zu Bodman seit einiger Zeit unbesetzt ist, ist der bisherige Gesandte in Bukarest, Dr. Rosen, in Ausficht genommen. An defien Stelle tritt der Wirkliche Geheimrat Gesandter v. Waldthausen, der in Kopenhagen durch den bisherigen Generalkonsul in Budapest, Grafen v. Brockdorff-Rantzau, erseht werden wird. Als Nachfolger des Wirklichen Geheimrats Gesandten v. Bülow in Bern, der bekanntlich nach dem Besuch des Kaisers in der Schweiz den Posten des preußischen Gesandten in Dresden übernimmt, ist der derzeitige vortragende Rat im Auswärtigen Amt Freiherr von Romberg ausersehen.
— Eine Kundgebung des Papstes. Augsburg, 12. Juni. Die „Augsburger Postzeitung" «hielt von dem apostolischen Nuntius in München Frühwirth folgende Mitteilung: Die Erklärung des Monstgnores Heiner entspricht den Auffassungen des Heiligen Vaters. Der Heilige Vater ist immer von dem Wunsche beseelt, die unzeitigen Meinungsverschiedenheiten in Deutschland ein Ende nehmen zu sehen. Seine Heiligkeit, die treue Liebe der deutschen Katholiken kennend, segne sie von Herzen und ermuntere alle, insbesondere die Arbeiter, daß sie fortfahren wollen in Eintracht zu arbeiten für das Wohl der Kirche und des Vaterlandes, treu sich haltend an den päpstlichen Weisungen unter Führung und Leitung der zuständigen Bischöfe.
— Die deutschen Seeleute in Amerika. Newyork, 12. Juni. Kontreadmiral v. Rebeur-Paschwitz und die Offiziere fuhren mit der Privatjacht „Diana" nach Scarborugh am Hudsonfluß, wo sie Gäste James Speyers waren. Darauf lud Frl. Helene Eould die deutschen Gäste zu einer festlichen Veranstaltung ein.
— Zum Deutschenmord in Mexiko. Mexiko, 12. Juni. Der deutsche Gesandte hat sich nach Zacatecas begeben, zur Untersuchung der Ermordung des Deutschen Hugo Beel.
auch nicht, denn bu sollst gesund werben. Ich bin ja so glücklich, baß du roteber mit hellen Augen in bie Welt schaust "
Tante Lina war gegangen unb bie brei saßen noch lange eifrig arbeitend beisammen. Liese war sehr schweigsam unb bie Mutter seufzte manchmal verstohlen auf; denn her Zeiger ber Wanduhr rotes schon auf Mitternacht unb noch immer kam ber Gatte nicht nach Hause.
Am folgenden Tage roanberte Grete roiebet hinaus nach dem stillen Haus am Nixensee. Flimmernd lag bie Sonne auf bem Wasser. Grete schritt ohne Zögern in ben herrlichen Park hinein. Immer roteber blieb sie stehen unb betrachtete mit Entzücken bie Blumenpracht ringsum. Ihre Augen konnten sich kaum satt sehen an ber Fülle ber blühenden, duftenden Frühlingsktnder. Die Luft war förmlich getränkt von Wohlgeruch, jeder Windhauch brachte ganze Wolken von Duft mit. Es war schon sommerlich warm unb eilfertig flogen bie Schwalben hin unb her.
„Wie schön, wie herrlich ist es hier", flüsterte Grete immer roiebet. Als sie an ber Stelle varbeikam, wo ein paar Stufen zum See hinab- fühtten, schrak sie heftig zusammen. Auf ber Treppe mit bem Rücken dem Wasser zugekehrt, stand Herr von Bredersdorff unbeweglich, geradeaus ins Leere starrend. Eine einzige Bewegung und er fiel rücklings hinab in bie Tiefe. Er war sich natürlich ber Gefahr nicht bewußt, in ber er schwebte. Offenbar wat sein Wärter ein unzuoerläsiger Mensch, ber es mit seinen Pflichten nicht allzu genau nahm, unb Herr von Bre- dersdorsf war ihm in einem unbewachten Augenblick entwischt unb zum See gegangen. Kein Mensch befanb sich in ber Nähe. Mit leisem Gurgeln schlugen bie Wellen heran, als lauerten sie bereits aus bas Opfer, bas ihnen verfallen zu sein schien. Grete unterbräche mit Mühe ben Schrei, ber sich von ihren Lippen lösen wollte; denn es fuhr ihr durch den Kopf, baß sie baburch bas drohende Unglück herbeisühren könnte. Aber wenn sie sich bem Geisteskranken näherte, mutzte er nicht unfehlbar ins Walser stürzen? „Was soll ich anfangen, ihn zu retten?“ murmelte sie angstvoll. Roch hatte er sie nicht gesehen, und sie wagte nicht, sich zu rühren. Peinoolle Sekunden verlebte sie, immer in ber Angst, ben Irren hinabstürzen zu sehen. Sie bebetfte die Augen mit der Hand — plötzlich bückte sie sich und pftückte ein paar rotglühende Tulpen, die sie gerade