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1912.
Erstes Blatt
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(Fortsetzung folgt.)
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umfaßt; seine Gefolgschaft beträgt 1050 0000. Der Bericht verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß der Verein Hetzarbeit gegen fremd« Staate« treibe. Er wirke nur aufklärend. — Zum Ort der nächsten Tagung wurde Bremen gewählt und darauf di« Versammlung mit Dankesworte« des Vorsitzenden geschloffen.
Marvnrg
Mittwoch, 12. Juni
mal offen gezeigt wurde, was es mit der Friedensliebe der Engländer auf sich hat. Beffer konnte Herr Haldane kaum beweisen, wie berechtigt das Mißtrauen war, da» weite Keife unseres Volkes seiner Vermittlungsaktion und den Freundschaftsbeteuerungen seiner Landsleute entgegenbrachten. Intereffant ist übrigens, daß zu gleicher Zeit wie der englische Kriegsminister der deutsche Eroß- admiral v. Köster eine Rede über unsere Flotte hielt. Wir berichten darüber an anderer Stelle. Bemerkenswert ist, daß ihr ein Vertreter des Reichsmarineamts beiwohnte. Wenn auch nicht anzunehmen ist, daß die in dieser Versammlung aufgestellten Forderungen schon in absehbarer Zeit praktische Folgen zeitigen werden, so find fie immerhin bezeichnend für die Stimmung in der Bevölkerung, unter denen es sogar viele gibt, die glauben, daß der Staatssekretär des Reichsmarineamts selbst mit seiner eigenen Vorlage nicht zufrieden sei. Die Köstersche Rede gewinnt neben der Haldaneschen ganz besonders an Bedeutung.
merte schon stark, als sie den Nixensee im Rücken hatte, und auf das freie Feld binausichritt.
Vor ihr her ging ein junges Pärchen in eifriger Unterhaltung. Grete beachtete die beiden nicht weiter, sie bemerkte nur, daß der junge Mann zuweilen verstohlen nach der Hand der Dame haschte und dieselben an seine Lippen zog. Das helle Auflachen der vor ihr Gehenden t3nte manchmal an Gretes Ohr und ihr war es, als hätte fi« dieses Lachen schon irgendwo gebärt; fi« wußte nur nicht gleich wo. Angestrengt dacht« sie nach. Und es fiel ihr «in. wo dies gewesen sein könnte. Es war, als Tante Lina fi« neulich in Gesellschaft Charlotte Walters besuchte. Ja, genau so hatte die junge Braut damals gelacht. Aber die vor ihr gehend« Dame konnte unmöglich Charlotte Walter sein, wenigstens war der Herr, der fier begleitete, sicher nicht Otto, Charlottens Verlobter. Und wie käme sie dazu, sich von einem andern die Hand küffen zu laffen? Nein, es mußte «ine Täuschung sein.
Grete sah fich um. Kein Mensch war zu sehen weit und breit. Da» vor ihr geheime Pärchen schmiegte fich eng zusammen. Grete beschleunigt« ihre Schritte, das Paar sing an, sie zu interessieren. Die Dame war elegant gekleidet, trug einen modernen Sommerhut mit rotem Mohn garniert. und ein Helles Kostüm. Unter dem Hut leuchtete ein rötlicher dicker Haarknoten hervor.
Grete hatte Charlotte Walter nur selten gesehen, und die Dämmerung sank merklich herab.
Nun wandte der Herr plötzlich den Kopf; er bemerk« das Mädchen und neigte sich blitzschnell zu seiner Begleiterin. Er schien ihr eine Mit- teilung zu machen; dann beschleunigten di« beiden auffallend ihr« Schritt«, und ehe Grete ihnen folgen konnte, waren sie um die nächst« Wegbiegung verschwunden. Sie mußten von da an fluchtartig getauft« sein, denn als Grete die Ecke erreicht«, war keine mehr von ihnen zu sehen.
Das erschien doch seltsam. Sollte es doch Charlotte Walter gewese« sein, die da mit einem andern in der Dämmerung promenierte? An «in -solch schamlos«» Benehmen wollte Grete nicht glauben. Und doch schi«« alles darauf hinzudeuten. Die Figur, das Haar, di« Kleidung, alle» sttmmte. Grete dacht« darüber nach, ob sie über den Vorfall schweigen sollt« oder nicht. Bestimmtes wußte fie allerdings nicht, so war e» wohl bester, den Mund zu halten. Aber war es nicht Pflicht, darüber zu sprechen? Sie nahm fick) vor. wenigstens Liese auf di« Sache ausmerksiu« z«
fen- Was sollte werden, wenn der Unglückliche nicht von seiner Id« abzubringen war?
Frau von Bredersdorff mochte di« Gedanken de« Mädchens erraten; fi« sprach beruhigend auf dasselbe ein: „A«ngsttg«n Sie fich nicht, Fräulein, 6t« werden bald erlöst sein, dann können Sie zu den Ihrigen zurück- kehren. Oder soll ich den Diener mitschicken?"
„Nein, nein," wehrte Grete, „ich kann ganz gut allein gehen, den Weg kenne ich genau, sorgen Eie fich nicht um mich, gnädige Frau."
Sie plauderten von allen möglichen Dingen und wurden in der kurzen Zeit so verttaut mit einander, als wären fie schon Jahr« lang bekannt. Nur von ihren häuslichen Berhältniffen mochte Greta nicht sprechen, obwohl Frau von ©refersborff mehrmals den Wunsch äußert«, auch Mutter und Schwester kennen lernen zu dürfen. Greta versprach, Liese an einem der nächsten Tage mitzubringen. Die Mutter würde wohl schwerlich zum Mitg«hen zu bewegen sein, meinte Grete, fie hielte sich ängstlich von allen fremden Menschen fern und vermeide es, mit jemand in Verkehr zu treten und neue Bekanntschaften anzubahnen.
In reger Unterhaltung war wohl eine Stund« verfloffen. Die Sonne war als rotglühender Ball im See untergetaucht, alles ringsum in Gold und Purpur hüllend. Nun schwamm ein leichter, weißlicher Nebel über dem Wasser, es begann kühl zu werden, Grete fröstelte leicht.
„Ich glaube. Eie können es jetzt wagen, fich p» entfernen," flüsterte Frau von Bredersorff dem Mädchen zu, „sehen Eie, er beachtet Sie jetzt gar nicht mehr."
Sie beutele auf ihren Gatten, der in der Tat geradeaus ins L«re starrte, und von seiner Umgebung keinerlei Notiz zu nehmen schien. Er rührt« fich auch nicht, als Grete aufstand und ihrer neuen Bekannten abschiednehmend di« Hand reichte. Frau von Bredersdorff lächelte ihr freundlich zu.
„Auf baldiges Wiedersehen, Fräulein Sommer, ich freue mich auf- richttg. Eie kennen gelernt zu haben, kommen Eie doch schon morgen wieder, ich bitte Eie darum!"
Greta versprach es gern.
„Eie brauchen nicht zu fürchten, daß Eie durch meinen Mann roieber so lange aufgehalten werden, wahrscheinlich hat er morgen schon wieder eine ganz andere Idee. Jedenfalls haben Sie mir heute «in angenehme Abwechslung bereitet, ich danke Ihnen herzlich dafür."
Nachdenklich schritt Greta den wohlbekannt«» Weg dahin. Es däm-
Hauptverjammlung des beutfcfen Flottenvereins.
8. & H. Weimar, V. Juni.
In Anwesenheit des Großherzogs Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar trat hier der Deutsche Flottenoerein zu seiner 12. Tagung zusammen, zu der Delegierte aus allen Teilen des Reiches erschienen waren. Auch andere nationale Vereine hatten Vettreter entsandt. Nachdem der Vorsitzende Großadmiral v. Koester die Erschienenen begrüßt hatte, gedachte «r der Toten des letzten Jahres und nahm dann das Wort zu einer programmatischen Rede. Er führte u. a. aus: Im Jahre 1917, also im Jahre des Abschlusses für unser Flottengesetz wird Deutschland über drei akttve und zwei Reservegeschwader verfügen. Zum gleichen Zeitpuntt wird England voraussichtlich sechs Geschwader und zwei Reservegeschwader haben. In Frankreich werden zwei aktive und zwei Reservegeschwader mit acht Aufklärungsschiffen vorhanden sein. D<ü> russische Programm weist bis zum Jahre 1917 ein Geschwader an Groß-Panzerschiften und eins an großen Kreuzern auf. Unser Verhältnis zu England wird 1817 das von 1: 2 sein, dürfte sich aber noch zu unsern Ungunsten verschlechtern, liefet die politische Lage und namentlich über unser Verhältnis zu England will ich mich hier nicht aussprechen. Da jeder von ihnen sich ein eigene» Urteil gebildet Hafen wird. In Frankreich ist der Chauvinismus wieder mehr erwacht. In Rußland hat der Minister des Auswärtigen sein Wohlwollen für Deuttchlond betont, dafei aber zum Ausdruck gebracht, daß di« Ententenmächta unter allen Umständen berücksichtigt werden müßten. Mit Freuden ist es zu begrüßen, daß di« Marinevor- läge im Reichstag« einstimmig genehmigt wurde. Dagegen find unsere Hoffnungen durch den in Ausficht genommenen Zuwachs von drei Linien- schiffen und zwei kleinen Kreuzern nicht ganz in Erfüllung gegangen. Mit der Schaffung des 3. Geschwaders sind wir einverstanden. Unser Wunsch geht dahin, daß die Personalvermehrung eine so reichliche sein möchte, daß di« Organisatton diese« 8. Geschwaders möglichst bald zum Abschluß kommt. Der Bauplan läßt die Panzerkreuzer ganz unferückückttiat, die von immer größerer Wichtigkeit werden. Sie find auch die bedeutsamen Repräsentanten deutscher Kraft int Auslände. Schafe ist es, daß das nach Amerika entsandte Geschwader nicht vor Puebla erscheinen könne, um die Deutschenmorde zu rächen. Wir wünschen also für 5 Jahre 5000 Mann mehr für die Reserveflotte und den Ban von 5 Panzerkreuzern, die in den Jahren zu bauen wären, in denen kein weitere« Linienschiff gebaut wird. Deutschland ist ein wohlhabende« und opferwilliges Volk und hat auch den krieger'/fen Sinn, festen jede groß« Natton bedarf, noch nicht verloren. Wir wollen nur die Durchführung des Flottengesetzes. Über seinen Rahmen gehen wir nicht hinaus. Wenn wir dafür wirken, werden uns alle pattiotischen Männer danken. lAnhaltender großer Beifall.)
Er folgte eine lebhafte Diskussion, in der di« Vertteter der ver- schiedenen Landesverbände ihre Zustimmung zu den Ausführungen des Großadmirals gaben. Ein« Resolutton wurde nicht gefaßt. Aus fern Jahresbericht ging hervor, daß fei Verein jetzt 813 000 Einzelmitgliefer
■vie „Lferhestische Zeitung" erfajcint laginy nut Ausnahme der «onn. j und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
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, , ... frei ins Haus. (Für unverlangt zugefandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Deutsches Reich.
— Das Beileid de» Kaisers. Berlin, 10. Juni. Anläßlich des Untergangs des „VendSmiaire" ließ der Kaiser dem hiesigen französischen Botschafter durch feinen Flügeladjutanten Kapitän z. 6. von Bülow allerhöchstseine Teilnahme aussprechen. Der deutsche MarineattachS in Paris Freiherr von Bibra begab sich in das Marineministerium, um das Beileid des Staatssekretärs von Tirpitz zum Ausdruck zu bringen.
— Das Bulgarische Königspaar in Berlin. Berlin, 10. Juni. Gestern abend besuchten der König und die Königin von Bulgarien ittdvegleitung des Prinzen und des Ministerpräsidenten Eeschew mit Gefolge die bulgarische Gesandtschaft, wo ihnen die hiesige bulgarische Gesandtschaft vorgestellt wurde. Die Majestäten unterhielten sich leutselig mit den Erschienenen. Der Gesandte Eeschow hielte eine Rede, die in einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Majestäten und die gesamte Dynastie ausklang. — Heute vormittag 11 Uhr verließ das Königspaar mit den Prinzensöhnen Berlin.
— Frhr. v. Erffa -fr. Pößneck, 10. Juni. Der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses Freiherr v. Erffa ist heute mittag i/21 Uhr auf Schloß Wernburg gestorben. Die Beerdigung findet Donnerstag Uhr statt. — Berlin, 10. Juni. Der erste Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Dr. Porsch widmete dem verewigten Präsidenten v. Erffa folgenden Nachruf: Der Präsident des Hauses der Abgeordneten, Hermann Hartmann Freiherr v. Erffa, Majoratsherr auf Schloß Wernburg (Thüringen), Kammerherr, Rittmeister der Landwehr a. D. und Ehrendoktor der Universität Halle ist heute nachmittag 1 Uhr auf seiner Besitzung Wernburg in Thüringen nach kurzem, schweren Leiden entschlafen. Der Heimgegangene gehörte dem Hause seit 1885 als Vertreter der thüringischen Kreise Schleusingen-Ziegenrück an und war ein hervorragendes Mitglied der konservativen Frattion, in der er in den letzten Jahren das Amt des Vorsitzenden bekleidete. Den Vorsitz in der Vudgetkommission führte er seit 1898 bis zu seiner im Januar dieses Jahres erfolgten Wahl zum Präsidenten des Hauses. Zu den beiden arbeitsreichen und verantwortungsvollen Aemtern legte der Verewigte stets die größte Eewiffenhaftigkeit und Pflichttreue an den Tag. Das Andenken des verdienten und verehrten Mannes wird dem Abgeordnetenhaus allezeit teuer sein. — München, 10. Juni. In der Kammer der Abgeordneten machte zu Beginn der Sitzung Vizepräsident Frank Mitteilung von dem Ableben des Präsidenten des Abgeordnetenhauses v. Erffa und erbat die Ermächtigung, ein Beileidstelegramm an das Preußische Abgeordnetenhaus zu senden. Die Abgeordneten hatten sich von ihren Sitzen erhoben.
— Der Verein deutscher Ingenieure. Stuttgart, 10. Juni. Die 53. Hauptversamlunq des Vereins deutscher Ingenieure wurde heut« durch den Präsidenten Reichsrat Dr. v. Miller eröffnet. Im Namen der würtiembergischen Staatsregierung begrüßte Staatsminister Dr. v. Pischek die Versammlung. Weitere Begrüßungsansprachen hielten Oberbürgermeister Lautenschläger namens der Stadt, Rektor Profeffor Bantlin für die Technische Hochschule, Pro- festor Dr. Wislicenus für die Universität Tübinaen, Direktor Sorae im Namen verschiedener technischer Vereiniaunaen. Der
Der A 11 z e r g e n p re t s betragt für die Tgcfpaltene Zette ober feien Raum 15 4, fei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 -j, für
Nachdr. verboten.
Das Haus am Nixensee.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
26 (Fortsetzung.)
Greta nickte eifrig „Ja, gewiß, gnädige Fran, die Ruhe hat mir sehr gut getan, hier ist es wie im Paradies; ich dank« Ihnen herzlich für all« Güte."
„O, bitte, ich freue mich, wenn es Ihnen fei uns gefallen hat; kommen Sie nur, so oft Sie Lust Hafen. Sie werfen den Park ftets offen finden. Nicht wahr, ich darf hoffen, daß Sie bald wieder zu uns kommen?"
Greta versicherte lächelnd, daß sie den Wunsch der gnädigen Frau mit Freuden erfüllen werfe, und wollt« fich eben auf den Weg machen, al« der Kranke,- der bisher schweigend, aber mit eigentümlich lauerndem Wick dageseffen, ein großes Geschrei erhob.
„Annemarie darf nicht wieder fortgehen, — Annemarie muß dableiben, ich leide es nicht, daß fie fortgeht!"
Frau v. Bredersdorff war tief erblaßt. In ihre Augen trat ein , Zug Herfen Schmerzes und sie winkte Greta mit der Hand, auf die Idee des Unglücklichen einzugehen. Er klammerte sich fest an das Kleid de« Mädchen«, daß man ihn nur mit Gewalt hätte losbringen fSnnen. Geduldig setzte sich Grete wieder auf di« Bank und das schien eine beruhigende Wirkung auf fen armen Kranken auszuüfen; er lächelte fern Mädchen zu und streichelie ihr« Hände.
„Bitte, bleiben Sie," flehte Frau von Bredersdorff dringend. „Sie dürfen jetzt nicht fortgehen, sonst verfällt er in eine Art von Tobsucht, und das ist schrecklich. Wir haben eine ähnliche Szene schon einmal erlebt, «mb ich zittere noch heute, wenn ich daran denke. Binnen kurzem wird mein armer Mann sich beruhigt Hafen; bann wird er sich gegen Ihr Fortgehen nicht mehr sträuben. Ich werde Ihnen dankbar sein, wenn 6te fern bedauernswerten Kranken den Wunsch erfüllen. Er lebt nun wirklich in fern Wahn, seine Tochter vor fich zu Hafen."
So blieb Trete, obwohl sie wußte, daß ihre Mutter sich wegen ihre» j langen Ausbleibens ängstigen würfe. Aber sie hatte nicht den Mut, dies zu sagen. Unablässig verfolgte der Kranke jede Bewegung de« Mädchen«, immer bereit, sich an dasselbe zu hängen, sobald e« sich an- schickte, aufzustehen. Gretas Herr begann angstvoll und unruhig zu klop-
mit dem KreisLlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", «Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage"
Eine Rede des englischen Kriegsministers.
Nach dem „Berl. Tgbl." hat Lord Haldane, der englische Kriegsminister, der ja eben erst von seiner Reise nach Deutschland zuriickgekehrt ist, in London eine bemerkenswerte Rede gehalten, ign dieser Rede, die übrigens von dem offiziösen Telegraphenbureau nicht gebracht wurde, betonte Lord Haldane die Nützlichkeit und Notwendigkeit starker Rüstungen. Er forderte für England Unbedingt die Herrschaft zur See. Bald würde die Heft kommen, wo die Kolonien zu Lande und zu Waffer sich selbst ' verteidigen würden. Das würde England von schweren Lasten befreien. So würden die England zur Verfügung stehenden Streit- ffräfte für die Verteidigung der eigenen Heimat frei werden, und Has sollte England in kurzer Zeit zur mächtigsten Land-undSeemacht machen, die es jemals gegeben habe. Für den Augenblick hätten die Engländer über ihre nationalen Interessen zu wachen und ihr Bestes zu tun mit den Hilfsmitteln, die zu ihrer Verfügung stehen. Worauf man am meisten hoffen Müsse, fei, daß es auch in der militärischen und maritimen Politik tat jener Beständigkeit komme, die in der auswärtigen Politik schon fange an der Tagesordnung sei. Im ganzen, glaube er, sei Eng- fand auf dem richtigen Wege mit seinem System der Landesverteidigung.
Es ist dies eine eigenartige Rede für Lord Haldane, der angeblich in einer Friedensmisston zu uns kam. Daß England die stärkste Seemacht bleiben soll, haben wir schon oft gehört, haß aber Haldane Großbritannien auch zur mächtig st en Landmacht machen will, das schlägt allen Versicherungen von Her großen Friedensliebe Englands ins Gesicht. Freilich möglich |ft ein solches Programm nur durch Einführung der allgemeine n W e h r p f l i ch t, für deren Einführung Lord Haldane jeder- tzeit zu haben sein würde.
Auch die Pariser Blätter, die die Rede Haldanes sehr eingehend besprechen, greifen diese Tatsache besonders auf. So schreibt der „Eaulois" zu der Anspielung auf die allgemeine Wehrpflicht: „Ein englischer Kriegsminister kann sich, welche persönlich« Tendenz er auch immer haben mag, von der Politik seiner Regierung nicht trennen, besonders wenn diese von der Mehrheit des Landes .gebilligt wird. Es liegt übrigens auf der Hand, daßdiemili» tärischen Abmachungen, welche im Laufe des fetzten Jahres von dem französischen und dem englischen Eeneralstab abgeschlossen wurden, Nicht ohne Zustimmung des Oberhauptes der englischen Armee erfolgen konnten. Deshalb braucht man der Reise Haldanes nach Deutschland keine allzugroße Wichtigkeit deizumessen. Die jüngst vom deutschen Reichstag bewilligten neuen Heeres- und Marinekredite und die Worte des englischen Kriegsministers genügen uns, um unsere Besorgnisse zu zerstreuen, wenn wir solche empfunden hätten." „Echo de Paris" sagt: „Haldane sieht die Möglichkeit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht zwar noch als eine entfernte an, aber seine Worte bedeuten gleichwohl einen bemerkenswerten Fortschritt."
Man ersieht aus alledem, daß die so viel besprochene Friedensmission Lord Haldanes nichts weiter war, als ein Düpieren Deutschlands. Erfreulicherweise aber haben sich die maßgebenden Stellen nicht einfangen laffen und es ist gut, daß jetzt wieder ein»
öindlichkeit für Platz-, Datenvorfchttft und SBeleglteferung ausgeschloffen. — Zahlungen im Postscheckverkshr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.