M 134
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage"
-^it! „Lberhesjische Zrnung" erscheint tagliaj mit Nusaahme der Sonn* und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljLhrlich durch die Post bezogen 2.25 JK. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Dienstag, 11. Juni
Der Anzeigenpreis beträgt sür die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 , bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 , für Reklamen die Zeile 60 A. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorfchrist und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
England uns wir.
■ ' In England ist in neuerer Zeit der Vorschlag aufgetaucht, die englisch-französische Entente zu einem Bündnis umzugestalten. Daß sich dies Bündnis gegen Deutschland richten würde und richten müßte ist ohne weiteres Har; denn nur der Gegensatz zu Deutschland hat das britische Jnselreich mit unserem westlichen Nachbarn aus erbitterten Feinden zu Ententemächten gemacht. Fast die gesamte Presie Englands hat zunächst den neuen Vorschlag, sich enger mit den Franzosen zu verbinden, wohlwollend ausgenommen und auch in Paris fand er bei seinem Auftauchen begeisterte Anhänger, wie alles was eine Spitze gegen Deutschland hat oder haben könnte. Das hindert natürlich keinen von ihnen nebenher auch die Friedensschalmei zu blasen und den bösen, kriegsdurstigen deutschen Michel zum tausendsten Male klar zu legen, daß er allein der Störenfried ist und daß er allein durch seine gefahrdrohenden Rüstungen den holden Frieden Europas stört. So beweist zum Beispiel Arthur Balfour in einem interesianten Artikel in der Zeitschrift „Nord und Süd", daß England gar nicht daran denken könne aggressiv gegen Deutschland vorzugehen. Wenn einesteils England eine enorme Flotte brauche, so sei andernteils die Marine für Deutschland nichts nütze. Er führte dann des weiteren aus, daß die Spannung, die tatsächlich zwischen England und Deutschland herrsche, lediglich auf ein Mißverständnis zurückzuführen sei, an dem allerdings der Engländer keine, wir Deutschen natürlich alle Schuld tragen. Dies alles sagt der feine Politiker in der angenehmsten und liebenswürdigsten Form. Auf denselben Ton und die Balfour politisch nahestehenden englischen Blätter gestimmt.
So äußert sich die „Daily Mail": „Wir hierzulande wünschen den Frieden. Wir alle wünschen mit Deutschland in gutem Einvernehmen zu leben. Wenn es aber zu einer Detente kommen soll, dann sind zwei Dinge nötig: einmal, daß Deutschland bereit ist, Frankreich als Freund zu behandeln (?!) und dann, daß es die heutige Politik der übermäßigen Rüstungen einstellt, die die friedlichen Staaten Europas mit Besorgnis erfüllt."
Offener und gewissermaßen ehrlicher sind der „Daily Thron." und die „Daily News". Sie geben zu, daß die Erweiterung der deutschen Rüstungen zusammenhängt mit der Entente Englands, zuerst mit Frankreich und dann mit Rußland, und mit den politischen Folgen dieser Vereinbarungen. Ferner sehen sie ein, daß das gewaltige Anwachsen der deutschen Handelsmarine sowie der schwerwiegende Umstand mitspricht, daß Deutschland sich zwischen zwei gewaltigen Militärmächten befindet, schwer zu verteidigende Grenzen besitzt und unter Umständen ausgehungert werden kann, wenn sich einer seiner Nachbarn mit einer großen Seemacht verbindet. Die beiden Blätter stellen sich dann weiter auf den Standpunkt, daß der Argwohn, der auf beiden Seiten, in Deutschland, ebensowohl als in England herrsche völlig unbegründet sei und sie fordern deshalb, daß darnach gehandelt werde. Losung: Verständigung mit Deutschland! Das klingt ja äußerst vernünftig, nur muß man sich die Sache mit der richtigen Dosis Skepsis betrachten. Um unserer schönen Augen willen sucht England sich natürlich nicht mit uns zu verständigen und aus reiner Friedensliebe tun sie es erst recht nicht.
Erst nach den bekannten Ereignissen des letzten Sommers, die unseren Vettern gezeigt haben, daß wir auch im tiefsten Frieden auf dem „Qui vive" sind, machte man scheinbar in England ernst und es schien auch, als ob die Mission Lord Haldanes einigen Erfolg zeitigen würde. Die alte britische Politik, die stärkste Macht des europäischen Festlandes als Gegner anzusehen und die dort stärkste Seemacht mit allen wirksamen Mitteln zu bekämpfen, bot eben keinen rechten Ausblick auf Erfolg mehr. Die Ungewißheit über die Größe bts Risikos bei einem Kriege mit Deutschland ist schließlich der bestimmende Faktor dafür geworden, daß man eine Verständigung für notwendig hält, einfach deshalb für notwendig hält, weil sie den Engländern zur Zeit viel mehr zum Vorteile gereichte, als wenn sie sich weiterhin auf eine unfruchtbare und gefährliche Opposition gegen Deutschland und seine Politik beschränkte. Heute haben wir eine Frage, in der dem Inselreiche die deutsche Unterstützung von größtem Werte werden könnte' das ist die Frage des Orients und der Erledigung des türkisch-italienischen Krieges. Es wird sich nun fragen, ob Deutschland bereit s-in würde, für England gewisse Kastanien aus dem Feuer zu holen. Rur wenn es dies wäre, könnte man auf ein Freundschaftsverhältnis zwischen den beiden Mächten rechnen. Im gegenteiligen Falle aber würde nach bewahrtem Muster Deutschland als der Friedensstörer bei den Mächten Europas angeschwärzt und England als die verfolgte Unschuld hingestellt, die durch unsere Haltung sich ge- zwungen sieht, mit anderen Mächten gegen uns eine Schuügemein- schaft, oder was eben das neueste ist, ein Schutzbündnis zu schließen.
—— ♦--
Eine neue Katastrophe der französischen Marine.
25- September 1911 ging erst Das französische Panzerschiff „Liberty mit 338 Seeleuten unter, und schon wieder meldet der Draht ein Unglück der französischen Marine. Das Unterseeboot „Bend^miaire" stieß mit dem Linienschiff „Saint Louis" zusammen und wurde von diesem entzweigeschnitten. Es sank sofort und liegt zu tief als daß Taucher bis zu ihm gelangen können. Der Zusam- menstoß erfolgte einige Seemeilen nördlich der Meerenge von Raz- Blanchard mit dem Linienschiff „St. Louis". Im Verlauf einer .«ngriffsübung geriet der „VendSmiaire" unter den Vordersteven
des Linienschifes, welches das Unterseeboot wahrscheinlich zerschnitt. Ein starkes Aufschäumen der See wurde bemerkt. An Bord des Unterseebootes befanden sich 25 Mann unter dem Kommando des Leutnant Prieul. Vermutlich liegt der „Vend6miaire in 53 Meter Tiefe. Die Bergungsarbeiten sind sofort eingeleitet worden. Ma- rineminister Delcasss reiste heute nachmittag 3 Uhr 38 Min. nach Cherbourg ab. „Vend^mtaire" war nach demselben Typus gebaut, wie der vor zwei Jahren in der Nähe des Hafens von Calais von einem Postdampfer in den Grund gebohrte „Pluviose". „VendS- mitttie“ war mit Heberingen versehen und noch vor kurzem wurden Versuche vorgenommen, an einem derselben unter Wasser Rettungsketten zu befestigen. Ein Seeoffizier erklärte einem Berichterstatter, daß man sich in Marinekreisen jeden Tag auf ein derartiges Unglück gefaßt mache, denn, wenn die Angriffsübungen der Unterseeboote auch notwendig seien, so seien sie doch außerordentlich gefährlich. „VendSmiaire" habe offenbar das Panzerschiff „St. Louis" gesichtet, das Periskop eingezogen, um zu tauchen und unter dem „St. Louis" durchzuschwimmen. In diesem Augenblick sei „Vend6miaire" wahrscheinlich von einer unbekannten Strömung erfaßt worden und mit dem „St. Louis" zusammengestoßen.
Paris, 9. Juni. Aus Brest wird gemeldet: Der Befehlshaber des „Saint Louis" hatte vor der Abfahrt nach Cherbourg zu einem Freunde gesagt: Die Uebungen, welche wir vorhaben, sind überaus gefahrvoll. Ich werde die Kommandobrücke nicht einen Augenblick verlassen, so sehr fürchte ich eine Katastrophe. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Panzer „Saint Louis" den „Vend6-. miaire" entzweigerissen hat. Das sofort nach dem Zusammenstoß wahrgenommene Brodeln und Aufschäumen, welches an zehn Mi- nuten dauerte, wurde von dem aus dem Riß des Unterseebootes heransdringenden Luftmassen verursacht, die in großen Blasen an die Meeresoberfläche gelangten. Einige Sekunden später breiteten sich auf der Wasseroberfläche fettige Lachen aus, welche von dem geborgenen Oel- und Petroleumreservoirs herrühren.
Paris, 9. Juni. Die gesamte Presse gibt der Trauer und der Bestürzung über den Untergang des ..Vendsmiaire" Ausdruck. Mehrfach wird bemerkt, daß die französische Kriegsmarine über 50 Unterseeboote besitze, welche seit dem Unglück des „Pluviese" an 6000 Tauchübungen vorgenommen haben. Bei dieser großen Zahl von Tauchübungen sei es fast unvermeidlich, daß sich eine Kata-> strophe ereignete. Die Unterseeboote stellten gleich den Flugzeugen eine Ueberlegenheit Frankreichs dar, sie seien aber auch gleich diesen von beständigen Gefahren bedroht. Delcsss, dessen Politik vor allem das Interesse Englands berücksiibtige, habe den Irrtum begangen, die Verteidigung der Nordküsten fast ausschließlich der llnterseebootflottille anzuvertrauen, welcher dadurch übermäßige und wegen der Meeresverhältnisse besonders gefahrvolle Anstrengungen auferlegt worden seien.
Cherbourg, 9. Juni. Marineminister D"lcass<r ist hier vergangene Nacht eingetroffen und begibt sich am Vormittag zur Unglücksstätte an Bord des Panzerkreuzers „Gloire". Den unter« gegangenen Seeleuten wurden unter allgemeiner Bewegung die letzten Ehren erwiesen. Nach dem Fahnensalut ertönte die „Mar- feillaise", dann folgten Kanonenschüsse. Na«b einem k"rien Besuch an Bord der „Saint Louis" begab sich Delcallck an Land zurück, wo er die Station der Unterseeboote besuchte. Mittags reiste er nach Paris zurück. Der «nette Offizier der ..Saint Louis" versicherte, er habe den Augenblick 8-'s aenau gesehen, mie der
„Vendckmiaire" in zwei Teile zerschnitten worden sei. Die Besatzung müsse augenblicklich den Tod gefunden haben.
------*------ ..VT
Italien und die Türkei.
Rom, 8. Juni. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Homs: Morgens ist eine italienische Abteilung in der Nähe von Margheb vom Feinde beschossen worden. Der Feind erhielt Verstärkungen und war schließlich 500 Mann stark. Die italienische Artillerie trat unterdessen in Aktion. Ein wirksames Feuer zwang den Feind, sich unter Verlusten, die beträchtlich waren, zurückzuziehen. Der Feind setzte das Feuer aus großer Entfernung fort. Auf feiten der Italiener wurden 5 Soldaten leicht verletzt, einer wird vermißt.
Tripolis, 9. Juni. Um die Beherrschung der Oase von Zanzur den Italienern zu sichern, machte eine Abteilung, bestehend aus 14 Bataillonen Infanterie, einigen Batterien Artillerie und eine Kavallerie-Brigade einen Vorstoß in westlicher Richtung. Das Ziel waren einige Anhöhen südlich von Marsa un dSidi ab del Eilt. Die Reserve, gebildet aus einem Bataillon Askaris, einet Kavalleriebrigade und einer Batterie Eebirgsgeschützen, war südlich der dritten Schanze von Eargaresch ausgestellt. Außer diesen Streitkräften in Bumiliana wurde die Brigade Montouri, bestehend aus fünf Bataillonen Infanterie und einer Batterie Gebirgsgeschützen, bereitgehalten. Um 4% Uhr verließ die Division Camerana die Verschanzungen von Eargaresch und machte auf den feindlichen Linien mehrere erfolgreiche Angriffe mit dem Bajonett. Gegen iy2 Uhr erreichte sie bas Ziel. Mehrere Abteilungen bes 40. Infanterieregiments vertrieben den Feind durch ^Bajonettangriffe aus seiner Stellung auf der Höhe von Sidi ab bei Eili. Zur selben Zeit machten zahlreiche feindliche Streitkräfte, die von Süden kamen, einen heftigen Angriff in der Richtung auf Eargaresch gegen den linken Flügel der Division Camerana. Die Reserve und die Artillerie der dritten Schanze von Eargaresch griffen schnell in den Kamps ein, brachten den Feind zum Stehen und trieben ihn mit Hilfe der Brigade Monturi zurück, die in Eilmärschen.von Bumiliana kam und dem Gegner in die Flanke fiel. Mittags war es nur noch in einem Teil der Oase Zanzur, wo sich noch größere Abteilungen befanden, aber ein energischer Angriff der Brigade Rai-
naldi trieb auch diese vollständig in die Flucht. Gegen 1 Uhr war der Feind auf allen Punkten in vollem Rückzüge.
Konstantinopel, 9. Juni. In der Gegend von Smyrna finden zur Zeit größere Truppenkonzentrationen statt. Außer der Redifdiviston in Konia werden die Redifdivistonen in Uschak, Aidin, Smyrna und Denizili mobilisiert. Mit der zweiten Nizam- diviston von Konstantinopel und mit der bestehenden halben Ni- zamdivision von Smyrna sollen im ganzen etwa 6y2 Divisionen i im Smyrnaer Rayon zusammengezogen werden. Sicherem Verneh- i men nach erhielten zwei Regimenter der Redifdiviston in Jsiia ! Mobilifierungsbefehle. Infolge der Gefahr eines Angriffes gegen j Mytilene beschloß die Regierung, die dort befindlichen Würden» ! trüget des alten Regimes nach Balikesti auf dem asiatischen Festlande zu bringen.
—— *-—
Deutsches Reich.
— Der König von Bulgarien in Berlin. Bei der (Balatafel zu Ehren des bulgarischen Königspaares brachte der Kaiser einen Trinkspruch aus, in dem er die bulgarischen Majestäten bewillkommnete. U. a. führte er aus: Mit aufrichtiger Teilnahme wird __ in Deutschland das segensreiche Lebenswerk verfolgt, dem Eure * Majestät während bet nunmehr bald 25jährigen Regierungszeit ihre besten Kräfte gewidmet und durch das das rastlos empot- strebende Vulgatenvolk zu einem wichtigen Faktor des Friedens und des kulturellen Fortschritts geworden ist. Daß es Euter Majestät vergönnt sein möge, noch lange in der gleichen segensreichen Weise Ihrem Lande und dem Frieden zu dienen, ist meti; aufrichtiger Wunsch und ich gebe ihm Ausdruck, indem ich mein Glas leere zum Wohl Euter Majestät und der ganzen bulgarischen Königsfamilie! — Der König der Bulgaren antwortete ebenfalls in deutscher Sprache. Et sagte u. a.: Ich bin glücklich zu vernehmen, daß mein erster Besuch hier als unabhängiger Monarch ein neues Unterpfand sei für die bereits bestehenden freunb^oftlidien Beziehungen zwischen unseren Häusern und Staaten und kann Eure Majestät verfichetn, daß die Pflege dieser Beziehungen meinen aufrichtigsten Wünschen entspricht. Die unvergleichliche Armee Euter Majestät hat stets für mein Heer vorbildlich gewirkt. Eure Majestät hatten die Güte, mich der aufiichtigen Anteilnahme zu versichern, mit der Deutschland mein Lebenswerk. dem ich meine ganzen Kräfte gewidmet habe, sowie den kulturellen Fortscktitt verfolgt hat, welchen Bulgarien während meinet 25jährigen Regierung erreichte. Ich und das bulgarische Volk schätzen hoch diese Beweise der Sympathie eines Landes, dem ein großer Teil unserer Jugend jene Bildung verdankt, welche in so hohem Maße dem fortschrittlichen Aufschwünge Bulgariens zum Soaon gereicht hat.
— Die Ernennung des Kronprinzen zum Oberst und Regimentskommandeur dürfte, wie die Tägliche Rundschau hört, noch im nächsten Monat, und zwar voraussichtlich zum 6. Geburtstage feines ältesten Sohnes, des Prinzen Wilhelm am 4. Juli erfolgen. Der Kronprinz ist zum Kommandeur des Köninsberger Grenadiers regiments Kronprinz Nr. 1 ausersehen, bei dem er a la suite geführt wird. Sobald der künftige Thronerbe die Führung des Danziger Leibhusaren-Regiments nieberlegt, wahrscheinlich nach Beendigung der großen Herbstmanöver, wird er die Führung der Königsberger Kronprinzengtenadiete erhalten und damit vor die Aufgabe der Führung eines Infanterie-Regiments gestellt werden. Es darf angenommen werden, daß der Kaiser dem Kronprinzen das Regiment persönlich übergeben wird, wenigstens erzählt man sich, daß eine derartige Aeußerung des Kaisers vor einiger Zeit gefallen ist.
— Herzog Johann Albrecht hat nach Schluß der Tagung der Kolonialgesellschaft in Hamburg den Vertretern der Presse an ihrem Tische seinen Dank für ihre Mitarbeit ausgesprochen und dabei angeführt: „Sie haben eine Arbeit hinter sich, die manchmal garnicht recht verstanden und gewürdigt wird. Ich habe mit Genugtuung beobachten können, daß das Verständnis für die koloniale Sache fortgesetzt durch die deutsche Presse geweckt und gefördert wird. Dazu gehört allerdings auch, daß Sie sich stundenlang plagen und allen, auch den schwierigsten Fragen Interesse und Verständnis entgegenbringen müssen."
— Ein deutscher Flieger in Frankreich. Metz, 8. Juni. Gestern wurde über Pont-L-Mousson ein deutscher Aeroplan, längs der Mosel fliegend, gersichtet. Es handelt sich dabei nicht um einen Flieger der Metzer Garnison, wie anfangs angenommen wurde, vielmehr um einen Teilnehmer am Ueberlandflug. Er hatte die Richtung verloren. Als er bei Pont-ä-Mousson seinen Irrtum erkannte, kehrte er um.
— Das deutsche Geschwader in Amerika. Washington, 8. Juni. Nach der Rückkehr von Mountvernon fand gestern an Bord der „Mayflower" eine vom Staatssekretär der Marine, Meyer, veranstaltete musikalische Unterhaltung mit Tanz statt, an welche sich ein Frühstück anschloß, von Rebeur-Paschwitz hielt eine Ansprache, in der er die amerikanische Gastfreundschaft feierte, Staatssekretär Meyer erwiderte, die amerikanische Flotte sei stolz darauf, die Deutschen begrüßen zu dürfen, in Erwiderung der von ihnen den Amerikanern in Kiel erwiesenen Gastfreundschaft. Er hoffe, daß die deutschen Ofsiizere die Reise ebenso genußreich finden werden, wie die Amerikaner die ihrige im verflossenen Sommer. Ich gratuliere den Deutschen zu dem glänzenden Werk der Flottenbaukunst, des „Moltke". Redner schloß mit einem Hoch auf den deutschen Kaiser. — Die deutschen Marineosiziere reiften gestern Abend nach Hampton und Newport-News zurück. 500 Offiziere und Mannschaften der deutschen Kriegsschiffe besichtigten die Schiffswerft von Newport-News, insbesondere das neulich vom Stapel gelaufene Kriegsschiff „Texas". Später begaben sie sich nach Vuckreebeach,