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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Setlagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage"

M 132

ZieOberhessische Zeitung" erscheint täglich nut Aufnahme der toonn» j und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <K (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei inS Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch

(Inh.: Dr. L. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonnabend, 8. Juni

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 , bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen bte Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver. bindlichkeit für Platz-, Datenvarschrift und Beleglieferung ausge­schlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg.

1912.

Erttes Blatt.

Rundschau.

Deutsche Orientpolitik.

Der Freiherr v. Marschall hat sich in Konstantinopel verabschiedet. Er kann sich sagen, daß er einen Posten verläßt, auf dem er Außerordent­liches geleistet hat. Marschall ist tatsächlich Träger und Organisator der ganzen Orientpolitik des heutigen Kurses, der jetzt allerdingsein neuer Kurs nicht mehr ist. Man hat vielfach gesagt, daß ie Orientpolitik des Deutschen Reiches der einzige aktive Posten in der Gesamtbilanz sei. Es kann dahingestellt bleiben, ob di« apodiktische Schärf« dieses Urteils nach der negativen Seite hin gerechtfertigt sei, keinem Zweifel aber kann unterliegen, daß di« Stellung Deutschlands im Orient während der Mar- schallschen Tätigkeit eine große und einflußreiche geworden ist. Es ist aber in d«n letzten Jahren auch vielfach behauptet worden, daß diese Orientpolitik ihre Kehrseite in Gestalt vermehrter Reibungsflächen und eines gegen früher enorm erhöhten Risikos für das Deutsche Reich bei jeder Orientkomplikation hat. Es ist das eine Klippe, die wohl vor­handen ist, jedoch gefährlich nur dann wird, wenn man sie nicht sieht. Die heutigen Leiter der deutschen Politik sind sich jedoch darüber klar und wissen, daß das Deutsche Reich sich in Orientschwierigkeiten nur mit gro- her Vorsicht einlassen darf, denn es kann durch zu lebhafte Beteiligung 1n> solchen viel verlieren, ober nur wenig gewinnen. Diese Kehrseite wird Frhr. v. Marschall voraussichtlich auf seinem neuen Posten in Lon­don aus allernächster Nähe praktisch kennen lernen, wenn er auch bisher schon in Konstantinopel mitten in den Dingen stehend oft genug erfahren hat, wie jedes Vordringen Deutschlands im Orient bald mit England, bald mit Rußland, bald mit beiden, zu Schwierigkeiten führt, und wie sorgfältig man vor jeder Aktion abwägen muß, ob ihre Unkosten nicht höher sind, als der Gewinn. Es ist überhaupt unmöglich, prinzipielle Grundsätze für die deutsche Orienipolittk aufzustellen, jeder einzelne Schritt auf diesem Gebiet muß von Fall zu Fall erwogen werden. Das zu tun ist natürlich in erster Linie Sache der Berliner Zentralstelle. Ihr« Besetzung hat häufig gewechselt, während Marschall blieb, und so lag es ohne weiteres auf der Hand, daß di« Stellung des Botschafter» in Kon­stantinopel ein« mehr und mehr bedeutend« wurde. Marschall hat es auch mit außerordentlicher Gewandtheit verstanden, den Türken von Fall zu Fall begreiflich zu machen, daß bei aller Freundschaft des Deutschen Reiches für sie ein gewisser Grad von Parteinahme nie überschritten wer­den kann. Dies ist vielleicht die schwerste Aufgabe des jeweiligen deut­schen Botschafters in Konstantinopel, und hierbei wird der Frhr. v. Mar­schall allen seinen Nachfolgern als Vorbild dienen können.

Eine Lehre der Brüsseler Borgänge.

Das Ergebnis der allgemeinen Wahlen für das belgische Repräsen­tantenhaus, die zu den gemeldeten blutigen Ausschreitungen geführt haben, enthält eine ebenso wohlverdiente wie beherzigenswerte Lehre. In Belgien hatten, um die nur noch schwache klerikale Mehrheit in der Zweiten Kammer zu beseitigen und die Verwirklichung des Kloster- schulegefetzes zu verhindern, Liberale und Sozialdemokraten ein Wahl- abkommen getroffen ähnlich dem Wahlbündnis, zu dem sich Fortschrittler und Sozialdemokraten anläßlich der letzten deutschen Reichstagswahlen zusammengefunden haben. Aber während die Sozialdemokratie in Deutschland triumphierend auf die bürgerlichen Wähler mit Fingern zeigen kann, die durch ihr Zusammengehen mit der Umsturzpartei dem nationalen Gebote einer unverbrüchlichen Gemeinbürgschast der staats­erhaltenden Parteien untreu geworden sind, haben die liberalen Wähler in Belgien die Zumutung, der Partei des Umsturzes und des Unglaubens ihrerseits zur Herrschaft zu verhelfen, mit aller Entschiedenheit abge­lehnt. Von einer zwangsweisen, wenn auch nur vorübergehenden Koa­lition mit der Partei, die sich selbst oft genug als den unversöhnlichen Feind des BürgeMlms deklariert hat, die die unerbittliche Gegnerin der monarchischen Staatsform ist, haben die belgischen Liberalen nichts wis­sen wollen. Für sie galt es vom ersten Augenblick an als selbstverständ­lich, daß diejenige bürgerliche Partei, di« sich in die Gefolgschaft der Sozialdemokratie begibt und deren Endziele verwirklichen Hilst, sich selbst das Grab gräbt. Denn eine solche Partei verliert dadurch, daß sie mit der Sozialdemokratie paktiert, die Herrschaft über ihre Wähler, zugleich aber auch jedes Vertrauen bei den anderen bürgerlichen Parteien und damit die Möglichkeit, anders als mit sozialdemokratischer Wahlhilfe im Parteikampfe sich behaupten zu können. Die linksliberale Presse in Deutschland veröffentlicht einen Artikel nach dem anderen, der das Zu­sammengehen der Volkspartei mit der Sozialdemokratie entschuldigen und rechtfertigen soll. Das haben die belgischen Liberalen nicht nötig, sie haben im Wahlkampfe selbst auf die ihnen zugemutete Koalition mit der Sozialdemokratie die richtig« Antwort gegeben, indem st«, was ihnen gewiß nicht leicht geworden ist, in großer Zahl klerikal wählten. Da­mit haben die belgischen Liberalen klipp und klar zum Ausdruck gebracht, daß die Sozialdemokratie der schlimmste Feind, die größte Gefahr ist; sie haben damit bewiesen, daß sie schärfer zu denken und richtiger zu emp­finden wissen, als unsere Freisinnigen, die in ihrer unglaublichen Ver­bohrtheit noch immer nicht einsehen wollen, wie sehr sie durch ihre Be­ziehungen zur Sozialdemokratie sich selbst schädigen.

DieGleichberechtigung aller Wähler".

DieVerl .Pol. Nachr." schreiben: Daß das belgische Plural­wahlrecht der Sache der Ordnung einen großen Dienst geleistet hat, bezeugen das sozialdemokratische Zentralorgan und sein ge­treuer Helfershelfer, dasBerliner Tageblatt", durch ihren schlecht verhehlten Steiger über die den belgischen Liberalen und Sozialisten völlig überraschend gekommene Niederlage. Dabei wird auch von demBerliner' Tageblatt" in erster Linie das Pluralwahlrecht für das so sehr unerwünschte Wahlergebnis verantwortlich ge­macht, und gleichzeitig dieGleichberechtigung aller Wähler" in den höchsten Tönen gepriesen, von ihr alles Heil erwartet und vor­ausgesagt. Selbstverständlich geschieht das, um hinterher eine ent­sprechende Nutzanwendung für die preußische Wahlrechtsfrage ziehen zu können. Aber nicht immer ist imBerl. Tagebl." der Grundsatz derGleichberechtigung aller Wähler" so entschieden verfochten worden. Man hat es gelegentlich auch anders gelesen. Es mag daran erinnert sein, daß der römische Korrespondent des

Blattes vor kaum 14 Tagen anläßlich der Wahlrechtdebatten in der italienischen Kammer in einem Artikel, der die lleberschrift trugDas Wahlrecht der Analphabeten", über das neue ita­lienische Wahlgesetz, das das Wahlrecht auch auf diejenigen aus­dehnt, die nicht lesen und nicht schreiben können, folgendes Urteil abgegeben hat:Und die Folge dieser Reform?" Statt daß der Staat die Schule und die Volksbildung verallgemeinert, lockt er durch die sog. Erweiterung des Wahlrechts eine Phalanx von In­dividuen hervor, die auch nicht einmal jene bescheidene Ahnung von politischen Dingen hat, die die Lektüre eines Winkelblättchens verschafft . . . die, wie Blinde mit geschlossenen Augen inmitten der modernen Welt- und Lebensprobleme herumtasten, und die Satelliten aller lokalen Kamarillas, die Opfer aller tönernen Phrasen sind und sich hier von der Klerisei, dort von skupellosen Demagogen wie eine Hammelherde leiten lassen. . . . Von den 69 Provinzen Italiens wird in wohl 31 mit 215 Wahlkreisen die Mehrheit der Wähler aus Analphabeten bestehen. Das heißt, es werden ein ganz unerhörter Fall! 215 Deputierte (von 508) den Willen der Analphabeten und deren intellektuelle und mo­ralische Erziehung zum Ausdruck bringen. . . . Kein Zweifel, die Einführung eines solchen Wahlrechts bedeutet für Italien einen Sprung ins Dunkle und kann die Entfesselung von allerhand Kon­flikten, namentlich kirchlicher Natur, bedeuten." Das ist alles andere, nur kein begeistertes Lob derGleichberechtigung aller Wähler!" Man liest förmlich zwischen den Zeilen das Verlangen nach einem Pluralwahlrecht, das der Vernunft ihr Recht werden läßt und die Gefahr, durch die Mandatare derHammelherde" terrorisiert zu werden, von der italienischen Kammer abwenden solle. Man steht, dasBerl. Tagebl.", das das vorstehende Urteil seines Mitarbeiters ohne jede Bemerkung übernommen hat, kann auch anders: es kann skeptisch werden bezüglich der angeblichen Vorzüge derGleichberechtigung aller Wähler", wenn es sich um Italien handelt!

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Deutsches Reich.

Freiherr v. Härtling beim Reichskanzler. Berlin, 6. Juni. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Der Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg empfing den bayrischen Ministerpräsidenten Freiherrn v. Hertling.

Erkrankung des Präsidenten des preußischen Abgeord­netenhauses. Pößneck, 6. Juni. Der Präsident des Abgeordneten, Hauses Frhr. v. Erffa erlitt am Sonnabend einen leichten Schlag­anfall. Er liegt im Schloß Wernburg, Lebensgefahr besteht nicht. Der Präsident wird für den Sesstonsrest durch die beiden Vize­präsidenten vertreten, da sich für die zwei Tage die Reise nach Berlin nicht verlohnen dürfte. Das Befinden ist verhältnis­mäßig gut.

DieNordd. Allgem. Ztg." zum Besuche des bulgarischen Königspaares. Berlin, 6. Juni. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Das Königspaar von Bulgarien, Kronprinz Boris und Prinz Kyrill treffen morgen, begleitet vom Ministerpräsidenten Eeschow, in Potsdam ein, um zum ersten Male nach der Errichtung des bul­garischen Königreichs den deutschen Kaiserhof zu besuchen. In nahezu 25jähriger Regierung hob und befestigte der König die Stellung Bulgariens in Europa zusehends. Mit eindringendem Verständnis für die tüchtigen Eigenschaften des bulgarischen Volkes legte er den Grund zu der wirtschaftlichen Blüte, die dem seiner Leitung anvertrauten Lande eine glückliche Zukunft ver­spricht. An den großer» Fortschritten Bulgariens auf allen Ge­bieten hat der Monarch einen hervorragenden persönlichen Anteil. Bekannt ist fein Interesse an der für Bulgarien in seiner Bedeu­tung als Transitland wichtigen Entwicklung des Verkehrswesens, nicht minder der Förderung von Kunst und Wissenschaft, worin wie die gelehrte Forschung anerkennt, der König mit eignen Leistungen auf dem Gebiete der Tier- und Pflanzenkunde sich her­vorgetan hat. Es ist das besondere Verdienst des Königs, daß er große Erfolge für Bulgarien zu erringen verstand, ohne die Sicher­heit feines Landes oder den Frieden Europas zu gefährden. Seiner klugen Führung, die auch unter den schwierigsten Verhält­nissen nicht versagte, verdankt das bulgarische Volk seine ruhige Entwicklung in stetig fortschreitender, von politischen Leiden­schaften ungestörter Arbeit. Aus dem Vertrauen, das der König in dieser Beziehung genießt, beruhen die Sympathien, die er sich auch in Deutschland erwarb, und die Hoffnungen auf fortdauernd freundschaftliche Beziehungen zwischen Bulgarien und Deutschland. Auf der Höhe des Lebens stehend, fand der König in der Königin eine Gefährtin, die aus ihrer deutschen Heimat ein warmes Herz für das bulgarische Volk mitgebracht hat, das sie in fürforgendem Wirken in ihrem hohen Beruf betätigte. Sie wurde auch den Söhnen ihres Gemahls, die wir in ihrer hoffnungsvollen Ingens neben ihren Eltern begrüßen, eine zweite Mutter. Wir hoffen, daß die Gäste des Kaisers durch die hier empfangenen Eindrücke sich von der freundlichen Gesinnung Deutschlands für Bulgarien überzeugen.

Die Beteiligung der deutschen Beamtenschaft an der Natio­nalflugspende. Im Verbände Deutscher Beamtenvereine ist eine gemeinsame Beteiligung der deutschen Beamtenschaft an der Na­tionalflugspende angeregt worden. Um die Schwierigkeit bei der individuellen Bemessung der Höhe des Beitrags zu beheben und doch auch eine unbillige Inanspruchnahme des Einzelnen zu ver­meiden, wird vorgeschlagen, ein halbes Tausendstel 50 Pfg. auf 1000 J*. des Beamteneinkommens als Einheitssatz zugrunde zu legen. Um eine umfassende Beteiligung der gesamten deutschen Beamtenschaft herbeizuführen, wird in dem Organ des Verbandes als zweckmäßig auDeregt, daß bei jeder einzelnen- Behörde des

deutschen Vaterlandes einige Beamten aus eigenem Antriebe die Sammlung in die Hand nehmen und für Abführung der Betrage sorgen.

Das deutsche Geschwader in Amerika. Washington, 6. Juni. Die deutschen Offiziere besuchten die Marinakademie in Anna­polis. Der Besichtigung schloß sich ein Frühstück an. Gestern abend fand im Weißen Hause ein glänzendes Diner zu Ehren bet deutschen Marineoffiziere statt.

Die Schiffsbautechnische Gesellschaft. Kiel, 6. Juni. In der Marineakademie trat heute vormittag die Schiffsbautechnische Gesellschaft zu ihrer diesjährigen Sommerversammlung zusammen. Nach den einleitenden Worten von Professor Busley sprach Ma­rinebaurat Berling-Kiel über die Entwicklung der Unterseeboote und ihrer Hauptmaschinenanlagen. Danach hielt Regierungs­und Baurat Schultz-Kiel einen Vorttag über den Kaiser Wilhelm- Kanal und seine Erweiterung. Prinz Adalbert von Preußen, der Ches der Marinestation der Ostsee Cörper und viele andere hohe Marineoffiziere wohnten der Versammlung bei. Die Versamm­lung sandte an den Kaiser folgendes Huldigungstelegramm: Eurer Majestät bringen die in Gegenwart des Prinzen Adalbert zu ihrer Sommerversammlung vereinigten Mitglieder der Schiff­bautechnischen Gesellschaft ihre untertänigste Huldigung dar. Ge­treu den Anschauungen Eurer Majestät sind wir bemüht, in freundschaftlichem Gedankenaustausch mit unseren österreichischen, englischen und ftanzöfischen Schiffsbauern die Schiffsbaukunst weiter zu entwickeln. Auch an den Eroßherzog Friedrich August von Oldenburg, der verhindert ist, an der Versammlung teil­zunehmen, wurde ein Begrüßungstelegramm abgesandt.

Schamlose Weiber. Hamburg, 6. Juni. Empörende Bil­der von dem widerlichen Flirt, den junge Hamburgerinnen mit den von Hagenbeck ausgestellten Beduinen tteiben, entwirft der Hamburger Berichterstatter desLeipz. Tageblattes: Im Tier­park herrscht seit einigen Tagen unter der tapferen Veduinenscko- Unzufriedenheit, die bisweilen in temperamentvollen, fertigen Meinungsäußerungen zum Ausdruck kommt. Schuld da­ran tragen aber nicht die Beduinen, sondern die vielen jungen Frauen und Mädchen, die sich geradezu um die Gunst d--- Beduinen reißen. Wenn man die flammenden Blicke dieses schönen Geschlechts und dabei die Ausdauer sie schleichen rn ermüdlich stundenlang um die Beduinenstätte herum berück­sichtigt, so wird man verstehen können, daß die heißblütigen Be­duinen diesem reizvollen Spiel nicht länger widerstehen können und die Gelegenheit, ein bischen auf arabische Art zu flirten, wahr­nehmen. Leider hat dieses Spiel unangenehme Begleiterschei­nungen im Gefolge gehabt. Am zweiten Pfingstfeiertage ist es des schönen Geschlechts wegen unter den Beduinen zu Tätlichkeiten ge­kommen, die das sofortige Einschreiten der Polizei und der Wach- und Schließgesellschaft notwendig machten. Es ist tief bedauerlich, daß die deutschen Frauen, die, was Charatter und Moral an­betrifft, anderen Leuten sonst zum Vorbild dienen, sich so weit herablassen und ihr eigenes Ich in den Schmutz ziehen. Noch be­dauerlicher aber ist es, wenn Mutter und Tochter, wie es hier der Fall gewesen ist, ein gemeinsames Liebeswerben beginnen und sich dabei gegenseitig Konkurrenz machen.

Unter Spionageoerdacht. Jena, 6. Juni. Die Zeiß-Wsrke teilen mit: Ingenieur Oggerin der hiesigen Werke in Petrivkow (Rußland) ist dieser Tage unter dem Verdacht der Spionage ver­haftet worden, aber, wie er selbst der Firma mitgeteilt hat, sofort wieder freigelassen worden, nachdem der Verdacht sich als völlig unbegründet herausgestellt hat. Er wurde seitens der russischen Behörden gut behandelt.

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Ausland-

* * Italien und die Türkei. Konstantinopel, 6. Juni. Der Deputierte von Deschebel Charbi, Suleiman El-Baruni, richtete an die türkische Kammer und die türkische Presse ein Telegramm, aus Deilbal babiert. In demselben beschworen die Tripolitaner die Türken, sie nicht aufzugeben, da dies der Beginn der Aufteilung der Türkei sei und das Vertrauen der Welt zum Islam erschüttere. Selbst wenn die Türken Tripolis aufgäben, würden sie weiter kämpfen und den Feind vernichten oder zugrunde gehen. Gestern abend reiften 700 Italiener mit dem DampferThasos" ab. Morgen geht ein weiterer Dampfer ab. Bis gestern abend wur­den 2000 Pässe für 5000 Personen verabfolgt.

* * Die Lage in Marokko. Paris, 6. Juni. Aus Fez wird vom 5. ds. Mts., 8 Uhr abends, gemeldet: General Lyautey sagte dem Sultan heute Lebewohl und wünschte ihm glückliche Reise. Der Sultan lud ihn zum Tee. Am nächsten Morgen, einer De­pesche von 6 Uhr morgens zufolge, ist der Sultan mit dem Ge­sandten Regnault abgereift. General Lyautey gab ihnen einige Kilometer weit das Geleite. Vom rechten Ufer des Sebu werden neue Unruhen gemeldet. Bis jetzt sind 785 Askaris wieder an­geworben ; 255 weigerten sich. Aus Fez wird gemeldet, daß die neue Harka, die sich nordöstlich von Fez angesammelt hat, eine zaudernde Haltung beobachtet. Zwischen den Führern der Harka finden Beratungen statt, ob die Stämme den Marsch gegen Fez fortsetzen oder heimkehren sollten.

* * Die Vorgänge in Belgien. Brüssel, 6. Juni. Im ganzen ist der gestrige Abend in Belgien ruhig verlaufen. Rur in Lüt­tich sollen einige Kundgeber die Fenster einer Kirche eingeworfen haben. In Brüssel hat die Polizei etwa 15 Verhaftungen vor­genommen, und es sollen bei den Zusammenstößen mit der Gen­darmerie und der Polizei vier Personen verwundet worden sei». In L» Louviöre und Joliment vorsuchten die Vertreter des sozia-.