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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und »Landwirtschaftliche Beilage"

T,e v£utrt)eilifd,< Scuung' «.^cheml lagncy um uuMiaqa» ver sunn* und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen S.25 M (ohne Bestellgeld), btt unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei inS HauS. (Für untrer« langt zugesandte Manuslripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der llniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Dienstag, 4. Juni

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zelle 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt alS Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Berbindlichkeit für Platz«, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Post- scheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 de» Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47, Jahrg.

1912.

Die Lage in Marokko

ist den letzten Nachrichten zufolge ziemlich bedenklich. Alle Stra­ßen rings um Fez sind abgeschnitten, sodaß Eilboten nicht mehr abgehen können. Nach einem Funkentelgramm aus Fez vom 31. Mai traf General Lyautey die erforderlichen Maßnahmen, um WzMMM"nordlich von Fez versammelte 1518000 Mann starke Harka zu marschieren und wieder freie Bahn zu schaffen. Im Osten von Fez haben sich zwei neue Harken gebildet. Weitere Meldungen besagen:

Die Hled Fredj griffen die Sanitätsabteilungen an. Vier Kamelreiter wurden verwundet. Aus Afemmur sind eine Kom­pagnie Jäger und Spahis nach dem Lager aufgebrochen. In Nedroma (Algerien) sollten 4 eingeborene Stämme 170 Militär­pflichtige stellen, doch erschien vor der Eestellungskommission nur ein einziger, der Sohn eines eingeborenen Straßenaufsehers. Aus Nedroma sind aus Furcht vor Unruhen 280 europäische Familien geflüchtet. General Liautey beschäftigte sich in den hier ein­gelaufenen Telegrammen hauptsächlich mit Fragen administrativer Natur. In Bezug auf die militärische Frage meldet er, es habe den Anschein, als ob sich die Harka im Nordosten der Stadt ver­größere und Angriffe auf die Etappenstraße nach Fez plane. Die telegraphischen Verbindungen nach Mequinez sind nur zeitweilig In Betrieb.

Paris, 2. Juni. Aus Fez wird gemeldet, General Lyautey bereite den Vormarsch in nördlicher Richtung von Fez vor. Am Samstag wurde ein heftiger Angriff gegen Sefru durch den scheri- fischen Tabor zurückgeschlagen. Der Tabor nahm die Verfolgung sofort auf.

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Italien und die Türkei.

Konstantinopel, 1. Juni. Zahlreiche italienische Fa­milien, etwa 400 Personen, sind gestern abend mit einem Schiff des österreichischen Lloyd abgereist. Weitere Familien reisen heute ab. Das deutsche Generalkonsulat ist benachrichtigt worden, daß 85 Italienern, darunter 30 Israeliten, die ottomanische Staats­angehörigkeit gewährt worden ist.

Konstantinopel, 2. Juni. Der Minister des Innern, der von seiner Reise zurückgekehrt ist, bestätigte die Beschlüsse, nach denen italienische Hospitalärzte, Kranke, Greise, unverheiratete Frauen und Witwen, ferner Wortführer von der Ausweisung aus­geschlossen sein sollen. Nach Meldungen, die bei der Pforte ein­gegangen sind, bombardierten italienische Schiffe Htdja Dandehs an der Küste des Vilajets Smyrna.

Smyrna, 1. Juni. Zwei italienische Torpedoboote er­schienen gestern vor Scalanova im Golf von Samos. Sie fuhren in der Richtung auf Plaka (Abelos) weiter, entdeckten vier Han­delsschiffe, gaben etwa 50 Schüsse auf sie ab und nahmen sie fort.

Paris, 2. Juni. Der Kriegsberichterstatter desStätte" telegraphierte ausDehibad ander tunesifch-tripolitanischenGrenze: Am 31. Mai unternahmen die Italiener, 6000 Mann stark, einen Ausfall aus Bukamech, wurden jedoch von der türkisch-arabischen Reiterei in die Flucht geschlagen und erlitten große Verluste. Die Türken hatten 5 Tote und 23 Verwundete.

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Königin Wilüelmina der Niederlande in Paris.

. Paris, 1. Juni. Königin Wilhelrnina und Prinz Heinrich der Niederlande sind heut« nachmittag 4 Uhr 15 Min. hier eingetroffen und am Bahnhof vom Präsidenten Fallieres sowie sämtlichen Ministern emp­fangen worden. Das Publikum bereitete ihnen einen sehr herzlichen Empfang. Der Präsident gab ihnen zu Ehren ein Diner, dem 250 Gäste beiwohnten. Während des Festmahles im Elise« drückte Präsident

2) Rachdr. verboten.

Das Haus am Nixenlee.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung.)

Als Karl Gronau endlich gegangen war, sank Liese wie erschöpft auf den nächsten Stuhl und stutzte den Kopf in di« Hand.

Warum wir nur gar kein Glück haben auch nicht ein bißchen Glück," murmelte sie vor sich hin. Sie dachte daran, wie auch in ihrem Herzen das frohe Hoffen auf eine sonnige Zukunft so bald erloschen war. Denn derjenige, dem sie ihr junges Herz mit tausend Freuden zu eigen gegeben hätte, der durfte nichts ahnen von dem, was in ihrem Innern vorging. Jahrelang lebte er neben ihr daheim, und er streckte die Hand nicht aus nach dem, was längst sein eigen war, er ging daran vorüber, ohne es zu bemerkn.

Liese war so in ihr Sinnen und Grübeln versunken, daß sie nicht hörte, wie leise di« Tur« geöffnet wurde. Sie sah erst auf, als Xante Lina ganz dicht vor ihr stand.

Da du nicht zu mir kommst, muß ich halt zu dir kommen", sagte die ölte Dome mit leisem Vorwurf,du hast dich ja schon ein paar Tage nicht sehen lassen, und nun höre ich von meiner alten Aufwärterin, daß Grete so schwer «krankt ist. Weshalb teilst du mir nichts davon mit? Liese, haft du denn dein« alte Tante Lina ganz vergessen?"

Dem jungen Mädchen liefen die Tränen über die Wangen. Es schlang di« Arme um den Hals der alten treuen Freundin, und stam­melt«:Ach Tante, Schweres ist über uns hereingebrochen, meine arme Grete, ich glaube, sie überlebt es nicht, daß Karl Gronau sich von ihr wandte."

Das alte Fräulein blickte sehr erschrocken drein.

Was sagst du da, Liese? Hat Karl Gronau di« Verlobung gelöst?" 3«, Tante, und das hat Grete getroffen wie ein schwerer Schlag." Fräulein Lina Burkhardt richtete sich resolut empor.Na, eine solche Schurkerei ist doch noch nicht dagewesenl" rief sie erzürnt,ja,

Fallieres in einem Trinkspruch die Hoffnung aus, daß der Besuch der Königin und des Prinzgemahls die herzlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Holland befestigte. Frankreich, sagte der Präsiden., sieht in Holland, das mit Recht eifersüchtig auf die Wahrung seiner Unab­hängigkeit und des glänzenden Aufschwungs seiner wirtschaftlichen Macht bedacht ist, das Land, das die Pflegestätte von Wissenschaft und Kunst ist. Der Präsident trank auf das Wohl der königlichen Familie und das Ge­deihen Hollands. Die Königin erwiderte, die französische Kultur fand in den Niederlanden immer begeisterte Verehrer. Sie, die Königin, sei stolz darauf, daß in ihren Adern französisches Blut fliehe. Die Königin gab der Freude über den Empfang, den ihr die Bevölkerung von Paris bereitete, Ausdruck und trank auf di« Gesundheit des Präsidenten Fal­lieres und das Wohlergehen Frankreichs. Nach dem Festmahl wohnten bi? Königin, der Prinzgemahl und der Präsident der Galavorstellung in der Oper bei.

Paris, 2. Juni. Die Königin und der Prinzgemahl gaben heute zu Ehren des Präsidenten Fallieres und Gemahlin in der niederländi­schen Gesandtschaft ein Frühstück, an dem Senatspräsident Dubost, der Präsident der Deputiertenkammer Deschanel und Ministerpräsident Poin- kare teilnahmen. Am Nachmittag legte di« Königin am Denkmal ihres Ahnherrn, des in der Bartholomäusnacht ermordeten Hugenottenführers Admirals de Coltgny einen Kranz nieder.

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Deutsches Reich.

Kaiserparade in Berlin. Berlin, 1. Juni. Der Kaiser hielt heute vormittag auf dem Tempelhofer Felde Parade über die Truppen der Garnison Berlin und Nachbarorte ab. Das Wetter war schön. Die großen Tribünen waren gut besetzt, ebenso war ein großer Wagenpark angefahren, unter dessen Insassen man viele Angehörige des diplomatischen Korps bemerkte. Große Menschen­mengen umsäumten das Paradefeld und die Anmarschstraße. Hm 9 Uhr war die Truppenaufstellung beendet. Die Parade befehligte General v. Löwenfeld. Die Kaiserin wohnte der Parade nicht bei. Der Kaiser traf gegen 9 Uhr im Automobil vom Neuen Palais ein, stieg dann zu Pferde und ritt sogleich die Fronten ab. Ihm folgten zu Pferde die in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzen, die Prinzessin Eitel Friedrich, Prinzessin Viktoria Luise, der junge Erbgroßherzog von Oldenburg, ferner in einem Vierspänner die Prinzessinnen Friedrich Leopold und Viktoria Margarete. Eine glänzende Suite schloß sich an. Es folgte ein zweimaliger Vorbei­marsch der Truppen. Der Kaiser führte beide Male das zweite Earderegiment z. F. Nach der Kritik führte der Kaiser unter den Hochrufen des dichtgedrängten Publikums die Feldzeichen in das Schloß zurück. Zu Beginn der Parade kreiste eine Flugmaschine über dem Feld. Den Paradetag beschloß eine Festvorstellung im Opernhause, wobei LauffsDer Große König" zur Aufführung kam. In den oberen Rängen saßen Chargierte und Mannschaften. Der Hof nahm in den Seitenlogen Platz. Nach der Vorstellung kehrte der Kaiser ins Neue Palais zurück.

Der König von Sachsen in Berlin. Neues Palais bei Pots­dam, 2. Juni. Der Kaiser nahm heute morgen 8V? Uhr am Gottes­dienst teil. Die Predigt hielt als Probepredigt Konsistorialrat Superintendent Vorwerk aus Roßla. Hm 12 llbr empfing der Kaiser den neuernannten belgischen Gesandten Baron Eqens in Gegenwart des Staatssekretärs und Einführers des diplomatischen Korps v. Röder. Um 12% Uhr trafen der König und der Kron­prinz von Sachsen, welche heute morgen in Berlin anaekommen und in der sächsischen Gesandtschaft abgestiegen waren, mit Gefolge im Automobil int Neuen Palais ein und wurden vom Kaiser empfangen. Um 1 Uhr fand Frühstückstafel bei dem Kaiser statt, an der außer den anwesenden Prinzen und Söhnen Prinzessin Vik­toria Luise, die beiderseitigen Gefolge und der sächsische Gesandte teilnabmen. Nach der Tafel besichtigte der König die sächsischen Mannschaften des Lehr-Jnfanterie-Bataillons und kehrte mit dem Kronprinzen nackt herzlicher Verabschiedung des Kaisers im Auto- MmL HIMIM! >! II IIHl HB»IHI-I II Il li wußte denn her SBengel nicht, was er tat, als er sich verlobt«." Ist trenn so «in armes Ding wie ein altes Kleid, das man einfach wegwirst, wenn es einem nicht mehr gefällt? Ist das eine Welt heutzutage, man findet gar keine Treue mehr. Ja, ja, Kindchen, da wird deine Mutter wieder neuen Kummer haben. Ach, btt arm« Kreuzträgerin, was muß sie alles leiden! Wo ist sie denn?"

Ci« ist oben bei Grete, Tante, soll ich sie herunterholen?"

Nein, laß nur Kind, ich gehe nachher mal hinauf, ich will euch gern oblösen in der Pfleg«, damit ihr wenigstens ein paar Stunden ausruhen könnt."

Ach, die Mutter ist ja nicht vom Bett wegzubringen! Du mußt ihr ordentlich zureden, Tante, daß sie sich ein wenig niederlegt, sonst macht fte sich auch noch krank. Ich sorge mich um die Mutter beinahe eben so viel wie um Grete."

Na, na. beruhige dich nur mein Kindchen", lautete der tröstende Zuspruch.Vielleicht wird es gar nicht so schlimm mit Erete. Was meint denn der Arzt?"

Er sprach sich nicht offen aus, aber er machte ein sehr bedenkliches Gesicht bei der Untersuchung und murmelte etwas von schwerem Nerven- fieber. Ich schlich ihm nach, als er hinausging, und fragte ihn, ob es sehr gefährlich sei: er zuckte die Achseln und meinte:Erst abwarten, mein Fräulein! Bei dieser zarten Konstitution ist eine solche Erkrankung freilich gefährlich. Und wenn Ihre Schwester gesund wird, dann wird sie sehr lange brauchen, bis sie sich ganz erholt hat. Also wappnen Sie sich mit Geduld, di« Kranke bedarf der aufopferndsten Pflege und Sorgfalt"

Xante Lina nickte traurig vor sich hin.

Da» sind traurige Aussichten. Mein Gott, da habt Ihr wieder neue Sorgen; aber auch bei mir ist die Sorge «ingezogen, Kindchen

Als Liese fragend auf ihre alte Freundin blickte, fuhr diese beklom­men fort:Ja, siehst du Liese, die Wahl, die mein Neffe getroffen hat, ist so gar nicht nach meinem Sinn; ich fürchte, daß er das Glück nicht findet, das er sich erhofft. Das Mädchen gefällt mir ganz und gar nicht, und Otto ist blind verliebt in diese rothaarige Hexe. Al» er mir von

mobil nach Berlin zurück, von wo heute abend die Rückfahrt nach Dresden erfolgte.

Denkmalsenthüllung. Berlin, 1. Juni. In Anwesenheit des Prinzen Eitel Friedrich wurde heute nachmittag in Neukölln das Denkmal Friedrich Wilhelms I. enthüllt.

Der Prinz von Eumberland. Berlin, 1. Juni. Heute vor­mittag trafen Prinz Ernst August von Cumberland und Prinz Max von Vaden per Auto in Friesack ein. Im Auftrag des Kai­sers war der Landrat des Kreises Ruppin, Bernus, zum Empfang erschienen. Außerdem hatte sich der mecklenburgische Hofstall­meister v. Maltzahn-Schwerin eingefunden. Vor dem Rathause in Friesack wurden die Prinzen vom Landrat und von den Stadtver­ordneten begrüßt und in die oberen Räume geleitet, wo auch der Gesangverein, der beim Trauerkondukt mitgewirkt hatte, versam­melt war. Die hohen Herrschaften sprachen den Erschienenen ihren Dank für die bewiesene Teilnahme aus und begaben sich eine halbe Stunde später an die Hnfallstelle bei Nackel sowie zum Schloß des Herrn von Hagen. Die Weitersahrt soll alsdann nach dem Schloß Grabow bei Schwerin gehen.

Abreise des Kriegsministers Haldane. Wetzlar, 2. Juni. Kricgsminister Haldane ist lautWetzlarer Ztg." gestern abend nach England abgereist.

Freiherr v. Marschall. Konstantinopel, 2. Juni. Die deutsche Kolonie veranstaltete zu Ehren des am 3. Juni abreisenden Botschafters Freiherrn v. Marschall ein Abschiedsfest.

Aus demReichsanzeiger". Berlin, 1. Juni. DerReichs­anzeiger" gibt die Verleihung des Kreuzes zum Eroßkomture des Hausordens der Hohenzollern an den Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg und des Kronenordens 1. Klasse an den Staatssekretär des Reichsamts Kühn bekannt.

Zeppelin in Hamburg. Hamburg, 1. Juni. Bei dem heu­tigen Empfang des Grafen Zeppelin hielt vor der neuerbauten Luftschiffhalle Edmund Siemers eine kurze Ansprache an den Grafen, der in wenigen Worten allen dantte, die zum Bau der neuen Luftschiffhalle beigetragen haben. Abends gibt Siemers zu Ehren des Grafen Zeppelin ein Diner, zu dem die Bürger­meister, mehrere Senatsmitglieder und verschiedene Herren der hiesigen Luftschiffervereine geladen sind. Kurz nach der Lan­dung desZ 3" traf Prinz Heinrich im Automobil auf dem Lan­dungsplatz ein und beglückwünschte Graf Zeppelin zu der glücklich verlaufenen Fahrt. Hamburg, 2. Juni. Der Senat gab heute mittag im Kaisersaale des Rathauses zu Ehren des Grafen Zep­pelin ein Frühstück; an dem Prinz Heinrich, Vertreter der Bürger­schaft, der Luftschiffahrtsaktiengesellschaft und einige Verwandte des Grafen Zeppelin teilnahmen. Auf die Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Dr. Vurchard antwortete Graf Zeppelin in einer längeren Ansprache und brachte ein Hoch auf den Senat und die Bürgerschaft aus. Das LuftschiffZ 3" ist unter Führung von Graf Zeppelin mit dem Prinzen Heinrich und Bürgermeister Burchard um 3.50 Uhr aufgestiegen. Nach einigen Manövern trat das Luftschiff die Fahrt nach Bremen an. Beim Heberfliegen der Stadt wurde das Fufischiff überall mit brausenden Jubelrufen be­grüßt. Bremen, 2. Juni. Das LuftschiffZ 3" ist von Hamburg kommend 5.15 Hhr über der Stadt eingetroffen. Es machte einen großen Bogen und ist dann zum Flugplatz gefahren, jedoch trat es wegen eines Hnwetters sofort den Rückweg nach Hamburg an. Den übrigen Flugveranftaltung"n machte ein starker Platzregen und Gewitter ein vorzeitiges Ende.

Große Zolldefraudation. Hamburg, 31. Mai. Große Zoll- defroud"^ion-n sind der Oberrnlld'-oktton nur Kenntnis -mkom- tnen. Eine Berliner Eisengroßhandlung hat in Hamburg mit Hnterstützung einer Hamburger Firma brauchbares Eisen und Me­tall als altes Eisen verzollen lassen und dadurch die Zollverwal­tung um hohe Beträge geschädigt . Geaen die Hamburger und die

feiner Liebe sprach, da bin ich zu Tode erschrocken, und konnte meine Ent­täuschung nicht verbergen. Aber er wurde sebr ungeduldig, und dann bat und flehte und schmeichelte er wieder, daß ich ordentlich weich wurde, denn ich habe den Jungen doch so lieb, als wär er mein eigen Kind. Ich gelobte bei dem Tode seiner Mutter beilig, über ihrem Sohn zu wachen, ihn zu behüten, so viel in meiner Macht steht. Und dieses Ge­löbnis habe ich bisher treu gehalten. Ich hott« auch für di« Zukunft nur fein Bestes im Auge. Da spielt er mir den Streich, sich in diese Charlotte Walter zu verlieben, die meines Erachtens gar nicht zu ihm paßt. Ge­stern nun hat er sie mir gebracht, und der erst« Eindruck, den ich von ihr erhielt, bestätigt nur meine geheimen Befürchtungen. Ach Liefe, du hättest sie nur sehen sollen, wie geringschätzig sie mit ihrem langstieligen ßcrgnc.n meineEinrichtung musterte. Nun ja, es ist altmodisch, aber ich hänge doch daran, denn den Vergleich mit dem modernen Firlefanz hält es immer noch aus. Aber diese Charlotte Walter gab sich nicht die ge­ringste Mühe, bas spöttisch« Lächeln zu unterdrücken, das ihr beständig um die Lippen schwebte. Ich bereitete den Tee und holte meine feinsten Tassen aus dem Glasschrank, aber bas Getränk schien ebenfalls nicht ihren Beifall zu finden, nippte kaum daran, und ließ schließlich meinen selbstgebackenen Zwieback samt dem Tee stehen. Als sie dann gegangen war, und Otto, der sie nach Hause begleitete, zurückkam. machte er mir Vorwürfe, daß ich mit seiner Braut nicht freundlich genug gewesen fei. Sie habe sich bitter über mich beklagt. Nun ja, ich gebe zu, ich habe mir die Verstimmung merken lassen, aber zu beklagen brauchte sie sich darüber nicht; jetzt hat diese Sirene es fertig gebracht, daß ich mich mit Otto er­zürnte. Ich bitte dich, Liefe, wegen dieser rothaarigen Hex«, die ich nicht mit gebührender Hochachtung behandelte, weil sie mir unsympathisch ist, geht nun Otto umher und spricht kein Wott mit mir. So lange er bet mir ist. gab es nicht die geringste Meinungsverschiedenheit zwischen uns. Da tut es mir nun doppelt weh, baß es diesem Mädchen so leicht gelang, mich aus feinem Herzen zu verdrängen. Was waren das für schöne Zetten, als ihr beide, du und Otto, fo luftig zusammen spieltet, und ich mir immer ausmalte, wie es werden sollte in Zukunft. Nun ist alle» gang ander» gekommen." (Fortsetzung folgt)