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Marburg

Sonnabend, 1. Juni

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47. Jahrg.

1912.

Erstes Blatt.

Rundschau.

, 3 Ein Trinkspruch des Kaisers.

Gelegentlich der Jubiläumsfeierlichkeiten in Brandenburg, über die wir an anderer Stelle berichten, hielt der Kaiser eine Rede, in der er ausführte:Ich spreche der Stadt Brandenburg Meinen herzlichsten Dank aus daran gedacht zu haben, mich zu ihrer Feier einzuladen. Es ist eine Feier gewesen, die weit über die Mauern von Brandenburg hinaus ihre Bedeutung hat, und ich freue mich, baß die Brandenburger gewünscht haben, ihren Kur­fürsten und Markgrafen unter sich zu haben, wie selbstverständlich der Kurfürst sich freut, wenn er unter seinen Brandenburgern wei­ten kann. Die wechselvolle Geschichte, die über unser deutsches Va­terland hingegangen ist, hat manches Geschlecht herangerufen und mit Aufgaben bedacht; und schließlich ist es das Geschlecht meiner Vorfahren gewesen, denen es erst mit vielen Hindernissen gelungen ist, zu dem schweren Werke den Grundstein zu legen und schließlich das Werk zu erbauen: die deutsche Einheit auf brandenburgischer Basis und unter preußischer Führung. Wir wollen nicht vergeßen, daß es für den damaligen Landeshauptmann und späteren Kur­fürsten gewiß ein schwerer Entschluß gewesen ist, aus dem sonnen- !reichen, in der Kultur fortgeschrittenen Süden, dessen Ritterschaft damals auch in hoher kultureller Blüte stand, die Aufgabe zu über­nehmen, in dieses Land zu kommen, und dasselbe wieder neuem Blühen entgegenzuführen. Es ist aus beredtem Munde uns heute schon kund geworden, welch furchtbarer Zustand in dieser unglück­seligen Mark damals herrschte, und wenn es ihm gelang, teilweise wieder Ordnung zu schaffen und die Keime zu neuem Blühen zu säen, so hat die Mark doch noch manchen schweren Sturm erleben müssen und ist auch noch oft der Tummelplatz fremder Reiche und fremder Herren gewesen, bis schließlich der Große Kurfürst und der große König ein für allemal die fremden Völker vertrieben und für die Märker wie die Preußen das Recht schufen, sich selbst leben zu können, ohne ihren Fleiß und ihre Arbeitser^eugnisse fremden Velleitäten zu Liebe verloren gehen sehen zu müssen. Und als so mit Gottes Hülfe endlich der preußische Bau gefügt war und mein seliger Großvater in langer Friedenszeit das Schwert geschlif­fen hatte, was notwendig war, um die deutsche Einheit zu er­reichen, da wurde zum zweiten Male in großem Maßstabs für das ganze deutsche Vaterland dasselbe Werk vollbracht, das einst für die Mark vollbracht worden war. Es gelang ein für allemal, den Fremden zu verweisen, unsere Felder zu zerstampfen und unseren Fleiß zu vernichten, bloß um ihren eigenen Interessen nachgehen zu können. Auf brandenburgischer Grundlage, auf preußischem Unterbau ruht das Deutsche Reich und das Deutsch« Kaisertum und deshalb wollen wir am heutigen Tage der Märker und der Bran­denburger gedenken und nicht zum wenigsten der Brandenburger, die im Jahre 1870 ihr Gut und Blut daransetzten, dem alten Herrn die Kaiserkrone zu erfechten. So lange ein Hohenzoller lebt und so lange es Brandenburger gibt, werden beide an Constantin Al- vensleben, an Pionville und das dritte Korps denken. Das war die alte brandenburgische Treue, wie sie durch alle Jahrhunderte sich erhalten hat, und diese Treue wünsche ich den kommenden Ge­schlechtern der Stadt Brandenburg, und daß diese Treue niemals erlöschen möge, darauf leere ich den Pokal!"

Die Worte des Kaisers verdienen sicher allseitige Zustimmung. Die Tatsache, daß das Deutsche Reich und Kaisertum auf Brandenburgischer Grundlage und preußischem Unterbau ruht, kann kein Haß und kein Reid aus der Welt schaffen. Und dazu haben alle Einrichtungen, die der preußische Staat geschaffen hat, geholfen, auf dieses Ziel haben die preußischen Markgrafen und Könige hingearbeitet und die vielgeschmähte preußische Eigenart ist es gewesen, die alle Opfer und Mühen willig auf sich genommen hat, um das große Ziel zum Besten des großen deutschen Vater­landes zu verwirklichen. Das preußische Volk hat es erlebt, daß alles, worauf Preußen-Deutschland stolz sein darf, verdächtigt und geschmäht wurde. Aber die in agitatorischer Absicht, aus Aerger und Wut über die Aussichtslosigkeit eines Angriffs auf Preußen geübte Kritik mag noch fo oft in Schmähungen und Beschimpfungen sich überbieten, es bleibt darum doch wahr, daß Recht und Ordnung nirgends so gesichert sind wi eim preußischen Staate, es bleibt un­bestreitbar, daß die Finanzlage Preußens eine durchaus gesunde und geradezu glänzende ist. Der preußische Staat bat mehr, als es in irgendeinem anderen Staate geschehen ist, die Grundsätze der steuerlichen Gerechtigkeit und des sozialen Ausgleichs zur Geltung gebracht, der preußische Staat trägt noch heute, wie et es vor Zeiten getan,.willig große und dauernde Lasten zugunsten des Reiches, und immer wieder müssen ehrliche Beurteiler des preu­ßischen Staatswesens zugestehen, daß der preußische Staat, so oft es sich darum handelt, die Wohlfahrt Gesamtdeutschlands zu för­dern, noch niemals versagt hat.

Freihere von Hertling.

Im Reichsrate führte Ministerpräsident Frhr. v. Hertling bei der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern aus, er be­trachte die Sozialdemokratie keineswegs als bloße Arbeiterpartei. Die Sozialemokratie sei ihrem Grund und Wesen nach eine revolu­tionäre Partei. Die verstandesmäßige nüchterne Formulierung !der sozialdemokratischen Ideen mit aufreizenden Schlagworten "habe eine Werbekraft, wie sie die frühere Zeit niemals gekannt. .Es werde gesagt, der moderne Industrialismus scheide die Welt in

zwei große Lager, auf der einen Seite die besitzlosen Arbeiter, auf der anderen die Besitzenden, die Kapitalisten. Das Interesse der Arbeiter gehe auf hohe Arbeitslöhne und kurze Arbeitszeit, das Interesse der Arbeitgeber auf möglichst lange Arbeitszeit und mög­lichst niedrige Löhne. Daraus ergebe sich ein Jnteressenkonflikt ärgster Art. Von klein auf werde der sozialdemokratischen Jugend die Feindschift gegen diese zerrüttete bürgerlich« Gesellschaft", ge­gen den Staat eingefößt. Was soll man, fuhr v. Hertling fort, nun dagegen tun? Die bürgerliche Gesellschaft hat alle jene Waffen ausgeliefert, mit denen die Sozialdemokraite gegen sie ankämpft: die Versammlungsfreiheit, Vereinsfreiheit, Preßfreiheit; sie geben der sozialdemokratischen Agitation den weitesten Spielraum. Aus­nahmegesetze können nicht in Betracht kommen. Da sage ich: Man darf in der Sozialpolitik nicht müde werden. Wir müssen den be­rechtigten Wünschen der Arbeiter möglichst entgegenkommen. Wit bütfen uns in bet fortgesetzten Sozialpolitik nicht baburch abhalten lassen, baß sie bisher einen Erfolg nicht hatte, ben viele erhofften. Ueberaus wichtig ist auch bie fortgesetzte Belehrung unb Aufklä­rung bei bet Arbeiterjugend. Es muß ihr klargemacht werden, baß bas, was ihr als Ziel bezeichnet wirb, eine Utopie ist, bie sich nicht verwirklichen läßt. Mit allem Rachbruck muß auch an dem Grunb- fatz festgehalten werben: bet Beamtenkötper muß von febet sozial­demokratischen Beeinflussung fteigebaltcn werben. Zur schärfe­ren Erklärung bes Standpunktes über ben Schutz, ben bas Mini­sterium ber christlichen Religion angedeihen lassen solle, bezog sich bet Ministerpräsibent auf bie Worte bes bayerischen Bischofs Ket­telet. Auch bie jübische Minorität habe vollen Anspruch auf ben ihm seit Jahrunderten gewährten Rechtsschutz. Es sei beabsichtigt, bas alte jübische Ebikt von 1813 ben heutigen Verhältnissen unb Wünschen ber Israeliten gemäß umzugestalten. Im weiteren Verlaufe betonte ber Ministerpräsibent hinsichtlich seiner unb Bayerns Stellung zum Reiche, baß er bestrebt sein werbe, in Bayern ben Reichsgedanken hochzuhalten unb im Bundesrate bie Interessen Bayerns nachbrücklich zu vertreten. Die Pressemittei­lungen in ber letzten Zeit, nach benen in bem Verhältnis zwischen ber Reichsleitung und der bayerischen Regierung eine Trübung entstanden sei, entbehrten jeder tatsächlichen Grundlage. Auch in Zukunft werde von einer Trübung dieses Verhältnisses keine Rede fein.

Di« Lage in Marokko.

Daß die Besitznahme von Marokko seitens der Franzosen nicht so einfach ist, wie sie die französische Regierung hinzustellen versucht, besagt eine Depesche des Generals Liautey an bas Aus­wärtige Amt in Paris, übet bie Lage in Fez, aus bem u. a. folgen* bes Stück veröffentlicht wird:Es ist unerläßlich, die ehemaligen Behörden, von denen keine Sput mehr vorhanden ist, raschestens wiederhetzustellen. Ich habe int Laufe meinet Unterredung mit dem Sultan erkannt, daß wir uns hier wie in Feindesland befin­den und nur auf unsere Truppen, jedoch auf keinerlei lokale Unter­stützung rechnen dürfen. Im Einvernehmen mit bem Konsul Caillatb unb bem General Moiniet habe ich bereits Maßnahmen getroffen, um wenigstens bem Anschein nach die Autorität bes Wachsens wieberhetzustellen. Ich appelliere an diejenigen, die noch etwas Ansehen und Einfluß besitzen, unb biefe werben bie tra» bitionellen täglichen Audienzen beim Eroßwefier wieder aufneh­men. Fez, 39. Mai. Am Abend des 28. Mai hatte eine franzö­sische Truppenabteilung, bestehend aus drei Bataillonen, drei Bat­terien unb fünf Eskadrons, bie außerhalb bet Stabt Wache hielt, ein Gefecht mit einer feinblichen Abteilung, bie von bem im Norb- westen ber Stabt liegenden Berge Talagk herabkam. Aus Saffi wird vorn 25. Mai gemeldet: Die Gegend ist in Aufruhr. Die Mehrzahl der Albastämme empörte sich gegen ben Kaid. Die ein­geborenen Polizeittuppen würben butch Gerüchte, sie konnten nach anberen Orten geschafft werben, erregt. Paris, 30. Mai. Aus Fez wirb unterm 27. Mai gemelbet: Die Nacht ist, abgesehen von einigen Gewehrschüssen, bie aus Gärten abgefeuert wurden, ruhig Dorübergegangen. Alle Vorsichtsmaßregeln waten getroffen unb bie Garnison verstärkt. Jeder wat bewaffnet wie an den Tagen des Aufruhrs. Der Feind rührte sich nicht. Die Haltung bet Be­völkerung ist ruhig. Die energischen Maßnahmen, welche bie Fran­zosen ergriffen hatten, um einen Angriff zurückzuweisen, tiefen einen ausgezeichneten Eindruck hervor. Die drei Heiligengtäbet, bie im Osten bet Stabt bei Taudert liegen unb Meuterern unb Plünbetern seit ben Tagen bes April als Zufluchtsort bienten, würben durch Genietruppen mit Melinit in bie Luft gesprengt. Die Haltung ber Stämme im Westen kennt man nicht. Wenn biefe gegen Fez marschierten, würde bie Lage kritisch unb eine Ver­stärkung ber Truppen notwendig werden. Augenblicklich liegen in Fez und Dardebibogh sieben Bataillone mit 4500 Mann, außer ber Kavallerie und Artillerie. Gestern abend telegraphierte General Lyautey, daß am 28.- Mai nachmittags erhebliche Streit­kräfte die Nord- und Ostfront von Fez angegriffen haben, aber zurückgefchlagen worden sind. Einige hundert Berber drangen in die Stabt ein. Im ersten Augenblick befürchtete man, bie Straßen ber Stabt Schritt für Schritt oerteibigen zu müssen. Infolge ber getroffenen Maßnahmen besserte sich bie Lage ber Stabt jedoch 10 Uhr abends. Da die Feinde durch bie Kämpfe außerhalb ber Stabt erschöpft waren unb bie Bevölkerung sie nicht unterstützte, verloren sie bie Fühlung mit ben französischen Truppen. Sie er­griffen jedoch beim lagesgrauen am 29. Mai bie Offensive im Norben von Fez, wo in einer Entfernung von 10 Kilometern feindliche Ansammlungen bemerkt wurden. Man erwartet heute abend Verstärkungen aus Mekines, die große Munittonsvorräte mitbringen. Die Franzosen hatten 5 Tote unb 8 Verwundete.

Deutsches Reich.

Hohenzollernfeier in Brandenburg. In Gegenwart bes Kaisers würbe in Branbenburg bie fünfhunbertjährtge Wiebet- kehr bes Einzugs ber Hohenzollern in Branbenburg gefeiert. Es fanbea beshalb bie Wiebereinweihung bet altehrwürdigen St Katharinenkirche nach umfassender Wiederherstellung des Innern, die Enthüllung bes Kurfürstenbrunnens mit Reiterstandbilb bes Kurfürsten Friebrich I. von Professor Monzel unb bie Einweihung bes aus ben Ruinen neuerftanbenen Rathauses statt. Die Altstabt mit bem schonen Festsaal, welcher bem öffentlichen Gebrauch zurück- gegeben ist, unb bie Straßen verschwinden unter einer Flut von Laubgewinden, Fahnen unb Bannern. Ueberall waren Ehren» Pforten errichtet. Schulen unb Vereine bilbeten Spalier. Der Zn» zug aus ber ganzen Provinz, auch aus Berlin, war gewaltig. Um 10 Uhr vormittags traf ber Kaiser, begleitet von Prinz Oskar, unter bem Geläute ber Glocken unb ben Hochrufen ber Menge vorn Neuen Palais hier ein. Der Kaiser würbe am Portal ber St Katharinenkirche, nachdem et die Front der Ehrenkompagnie bep Infanterieregiments Nr. 35 abgeschritten, von ben städtischen Be­hörden unb bet Geistlichkeit empfangen. Von ber Kirche begab sich ber Kaiser im Automobil unter weiteren stürmischen Kund­gebungen bes Publikums zum Denkmalsplatz. Hier war das Kaiserzelt errichtet sowie Tribünen für die Damen. Nachdem der Kaiser unter bem Kaiserzelt Aufstellung genommen hatte, hielt Oberbürgermeister Dreifert eine Rede in ber et u. a. ausführte, bie Bürgerschaft habe ben heutigen Tag lange herbeigesehnt, um durch Aufrichtung eines würdigen Denkmals bem Kurfürsten Friedrich I. bem Danke für all bas Gute sichtbaren Ausdruck zu geben, das bie lanbesväterliche Fürsorge bes Herrschergeschlechts Hohenzollern ein halbes Jahrtausend der ganzen Mark und auch der alten Kur- stabt Brandenburg gebracht hat. Redner dankte für das Erscheinen des Kaisers und wies darauf hin, daß bie machtvolle Persönlichkeit bes Burggrafen Friedrich von Nürnberg verhütet habe, daß mit ber bem Untergang geweiht scheinenben Mark die gesamte Ostmark vom Deutschen Reiche absplitterte. Damit sei ber Erunb zu einet großartigen Entwickelung Branbenburg unb Preußens gelegt ge­wesen. Eingebenk bes alten Wahlspruches: Hie gut Brandenburg allewege! erneuere Brandenburg dos Gelübde unverbrüchlicher Treue. Redner schloß mit einem von ber Versammlung begeistert aufgenommenen Hurra auf ben Kaiser unb König, Kurfürsten unb Markgrafen Wilhelm II. Die Hülle fiel unb bie Musik spielte bie Nationalhymne. Der Kaiser äußerte sich Professor Manzel gegen­über außerorbentlich anertennenb. Nach einem Gang um bas Denkmal betrat bet Kaiser bas alte Rathaus unb begab sich zum Festsaak in ben oberen Stock. Hier würbe et mit Fanfaren emp­fangen. Nachbem bet Kaiser sich in bas golbene Buch eingetragen hatte, nahm et vom Bürgermeister ben Ehrentrunk entgegen unb hielt eine Ansprache. Der Oberbürgermeister brachte ein aber­maliges breifaches Hoch auf ben Kaiser aus. Der Kaiser ließ sich eine Reihe Stabtoertretcr vorstellen. Nach dem Vorbeimarsch bet Ehrenkompagnie verließ ber Kaiser nach 12 Uhr unter erneuten andauernden Hochrufen bet Bevölkerung Brandenburg. Nachmit­tags wurde ein historischer Festzug abgehalten.

Di« Norblanbreise bes Kaisers wirb sich nach ben bisherigen Bestimmungen an bie Kielet Woche anschließen, bie für ben Kaiser voraussichtlich am 28. Juni ihr Enbe erreicht. Zur Begleitung bes KaiferschiffesHohenzollern" sinbBreslau" unbSleipner" in Aussicht genommen. Auch bei ber biesjährigen Nordlandreise wer­ben sich mehrere Gelehrte unb Künstler im Gefolge bes Kaisers be* finben. Die Rückkehr dürfte voraussichtlich Ende Juli erfolgen.

Die Berliner Stabteertreter in Wien. Wien, 30. Mai. Der deutsche Botschafter unb Gemahlin gaben heute anläßlich bes Be­suches bet Berliner Stadtvertreter ein Frühstück, zu dem bie Herren ber Botschaft, Oberbürgermeister Kirschner, ber Stadtverordneten- vorsteher-Stellvertreter, v. Cassel, einige Stadträte unb Stadtver­ordnete von Berlin, der Bürgermeister und die drei Vizebürget- meister von Wien geladen waten. Der Kaiser empfing in Schön­brunn ben Berliner Oberbürgermeister Kirschner in längerer Aubienz.

Militärisches. Aus ben soeben veröfentlichtenFormations- änberungen usw. aus Anlaß des Reichsbaushaltsetats 1912 bringt dieReue politische Corresponbenz" fotgenbe Festsetzungen von all­gemeinem Interesse:Sofort werben errichtet bie Bezitkskom- manbos V unb VI Berlin, eine Kommandantur auf Borkum, eine Traininspektion in Berlin, sechs Kommandos bes Trains als Regi­mentskommandeurstellen in Danzig, Posen, Berlin, Hannover, Koblenz, Straßburg i. E., eine Lehr- unb Versuchsanstalt für bas Militärflugwesen in Dobritz. Diese besteht schon als Provisorium, sie wirb jetzt etatifiert unb ben gesammelten Erfahrungen ent» sprechens) ausgestattet. Sodann wird die Stelle bes Kommandan­ten von Diebenhofen in eine solche mit Rang unb Gebührnissen eines Brigabeokmmanbeurs umgewanbett. In Helgoland wirb eine Fortifikation als bauernde Einrichtung geschaffen. Am 1. Ok­tober erfahren bie Bespannungen ber Fußartillerie eine Vermeh­rung um fünf Befpannungsabteilungen unb bie Trainbataillon« eine Erhöhung ihres Etats um je 20 Pferbe. Diese jetzt veröffent­lichten Aenberungen bringen noch nichts von bem, was sich aus bet Annahme ber Heeresvorlage ergibt. Wie wir hören, werben biefe Bestimmungen erst gegen Ende Juni bekanntgegeben werben.

Zur Entdeckung bes Erregers bet Maul- unb Klauenseuche, Berlin, 39. Mai. Wie betHannoversche Kurier" sich aus Rostoch melben läßt, soll bas Ministerium in Schwerin sich bereits bet (Ent* deckung bes Präparators Erugel angenommen haben unb ihre Ver­wertung vorbereiten. Es wäre jeenfalls seht erfreulich, wenn btefl Nachricht sich in vollem Umfange bestätigen würbes J