1912
Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55
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steht hier geschrieben?"
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Marburg
Freitag, 31. Mai
hätten und feierten den Sieg in einem Lokale. Als fie hörten, daß das Gegenteil der Fall fei. stürmten ste auf den Markt und bewarfen di« Musikkapelle und die Zuhörer mit Steinen und Eisstücken. Dann zogen fie nach dem Eafä Hennig, dem Treffpunkt der Deutschen, und begannen die Fensterscheiben einzuschlagen. Die Deutschen erbaten aus einem Hotel von den dortigen Deutschen Hilfe, die ihnen auch zuteil wurde. Darauf zogen die Polen vor da» Landratsamt und schlugen sämtliche Fenster ein. Schließlich wurde eine Abteilung Eulmer Zager in die Stadt gelegt, worauf sich di« Gemüter beruhigten.
ok tr<mt den beiden Mädchen, dann seiner Fron unter bie Nase. Aber keine konnte int Augenblick erfassen, um was es sich handelte.
Grete ahnte nichts Gutes, angstvoll umklammerte sie den Arm des Vaters und hascht« nach dem Pavier. Er stieß sie etwas unsanft zurück.
„Halt, das bekommst du nicht, ich gebe es nicht aus der Hand, dazu ist es zu wertvoll.,,
„So sag« doch enlich, was das eigentlich ist."
Er lachte wieder sein dröhnendes Lachen.
' „Kannst du nicht lesen, bist doch sonst so gescheit, da schau her, was
Still streifte ste den Ring vom Finger und legte ihn auf den Tisch. Die Mutier versprach alles zu besorgen. Es war rührend anzusehen, wie tapfer di« geänastigte Frau sich zeigte, obwohl sie vor Leid fast verging. Ste, di« meist still dasaß. di« so selten lachte, st« ersann heut« allx möglichen Geschichten. Sie wurde ganz gesprächig. Grete hielt sich nur mühsam aufrecht. Sie fühlte sich so elend, so müde. 'Sie sehnt« sich darnach, allein zu sein und ihren Schmerz ausweinen zu dürfen. Aber sie wollte nicht zeigen, wie gebrochen sie war. Und sie blieb standhaft. Nur als di« Mutter mit dem einfachen Abendbrot kam, weigert« fie fich, zu essen. Denn das ging beim besten Willen nicht.
„Tue es mir zu liebe, und trinke wenigstens eine Tast« Milch “ bat di« Mutter, „schau, Kind, ich habe solche Angst um dich! Du tust mir ja so furchtbar leid, ich möchte mein Leben dahingeben, könnte ich dir damit nützen, und den frohen Jugendmut zurückgewinnen, den du «inst besaßest. Ich kann ja sogar nichts für dich tun, — so gar nichts!"
Eret« schlang die beiden Arme um der Mutier Hals, und zwang sogar ein Lächeln auf di« Lippen.
„Beruhige dich doch. Hebe Mutter, sorge dich nicht um mich, ich bin gewiß, ich werde den Schlag überwinden. Nur ein wenig Zeit mußt du mir geben. Ich komme schon darüber hinweg. Es ist mir «in« Erleichterung, daß Karl Gronau schon bald auf lange Zeit die Stadt verlassen will,' so brauche ich wenigstens nicht zu fürchten, ihm begegnen zu wüsten,- denn in einer so kleinen Stadt ist das beinahe unvermeidlich.
Dann wird die Wunde noch leichter vernarben."
- Die Mutter küßte sie innig.
„Du bist mein kluges, tapferes Kind.* sagte sie, den Kopf des Mädchens liebevoll an sich drückend.
Dann faßen die drei wieder schweigend und eifrig nähend beisam« ■tu bis Grete endlich di« Arbeit fortwars.
Rundschau.
PTt- : : ' Aus den Reichslanden.
' In Frankreich wurde kürzlich eine Vereinigung „Les Jeunes Amis de l'Alsace-Lorraine" gegründet. Nach ihrem Programm, das sich ausdrücklich an alle Franzosen wendet, befaßt sich diese Liga nur mit der elsaß-lothringischen Frage; „denn — so heißt es in dem Programm — diese ist nicht nur ein elsaß-lothringisches Problem, sondern ein französisches durch internationales Recht und weil es Frankreich mehr und mehr bewußt wird, daß Elsaß-Lothringen mit den guten Bauern, Industriellen und Soldaten zurück zu begehren ist." Weiter wird gefordert, die Elsaß-Lothringer in ihrem heroischen Kampf gegen die Eermanisationsbestrebungen zu unterstützen bis zu dem Tage, wo die Umstände es erlauben werden, zu handeln. Die Haltung der Elsaß-Lothringer könne kein Maßstab für die Handlungsweise der Franzosen sein, denn WetterlS habe gesagt: „Man muffe sich eben sein Haus wohnlich machen." Den Beschluß bilden die Worte: „Bewahren wir in der Harmonie, welche sich Frankreich nennt, der Stimme von Elsaß und Lothringen ihre^r Platz. Wir muffen trotz des Unglückes von 1870/71 auch fürderhin die beiden Provinzen als Teile des französischen Organismus betrachten, sie lieben und es sie wiffen laffen. Die Elsaß-Lothringer müffen bleiben, was ste gleich ntftf) dem Kriege waren, die Lieblinge des französtschen Bolkes." In der neuesten Nummer der „Marches de l'Est", die sich mit der „Jeunes Amis des l'Alsace" befaßt, liest man: „Ueberschwemmt in Scharen in den Pfingstferien das schöne, treue Land, zeigt ihm, daß Frankreich es nicht vergeffen hat, sagt ihm, daß alles die Hoffnung erlaubt. Es ist die besondere Aufgabe unserer jungen Leute, das entriffene Land wieder zu erobern." In dem Artikel heißt es weiter: „Sie (die „Jeunes Amis . . .") träumen davon den Abbä Wetterlc? nach Toulouse zu holen und ihm dort zu applaudieren; aber 50 Städte von Frank- reich stritten stch um die Ehre, und der wackere Abgeordnete von Rappoltsweiler, in Anspruch genommen durch seine Aufgabe im Parlament von Elsaß-Lothringen und im Reichstag, kann so vielen Aufrufen nicht entsprechen." Armer Homer, um den stch nur 7 Städte stritten! Ein halbes hundert streiten sich um die Ehre, den „wackeren Abgeordneten von Rappoltsweiler" in ihren Mauern empfangen zu können. Bis jetzt hatten seine Besuche auf französischem Boden wenigstens äußerlich einen harmlosen Anschein. Jetzt aber handelt es sich um das Auftreten in einer Organisation, die offen auf die Rückeroberung Elsaß-Lothringens hinarbeitet. Auch der Harmloseste muß nun allmählich merken, daß in der ganzen Sache System liegt. Dies geht auch aus folgenden Tatsachen hervor: In Eroß-Moyeuvre ist ebenso wie in anderen Städten für die Flugspende gesammelt worden, und zwar unter den Einheimischen 600 cM.. Damit aber keine irrige Auffaffung aufkommt
teilt die „Metzer Zeitung" mit — daß die Sammlung nicht etwa für die deutsche Nationalslugspende bestimmt ist, sondern f ü i bie französische. (!) Hübsch ergänzt wird diese Nachricht durch folgende Meldung aus Paris: Präsident Falliöre wohnte am Montag in den Tuilerien in Anwesenheit einer gewaltigen Menschenmenge dem Vorbeimarsch der französischen und ausländischen Vereine bei, die an dem diesjährigen internationalen musikalischen Wettbewerb teilgenommen hatten. Bei dem Vorbeimarsch der ausländischen Vereine erhob stch der Präsident und grüßte. Die Vereine brachten dem Präsidenten durch Zurufe ihre Huldigung dar. Besondere Ovationen wurden den elsaß-loth- ringischenVereinenbereitet. — Wahrlich, wir können mit Stolz auf diese unsere „Landsleute" in Elsaß-Lothringen blicken! .
Er breitete sorgfältig das Papier aus und deutete mit dem Zeiger finger auf eine Stelle desselben.
„Zehntausend Mark!" las Eret« angstvoll, und ihre entsetzten Auge« hefteten sich auf das rote, aufgedunsene Gesicht des Vaters, der ihr nickend fortfuhr:
„Brauchst keine Angst zu haben, es ist nicht gefälscht und nicht gestohlen «5 ist «ine Anweisung für die Kreditbank, und wenn du mich morgen früh dahin begleiten willst, so kannst du dich überzeugen, daß mir di« Summe von zehntausend Mark anstandslos ausbezahlt wird. Ja, gelt, da staunst du und reißt den Mund auf! Kannst dich bedanken bei Frau Baurat Gronau, ste ist eine noble Dam«, di« weiß, was fich gehört. Sie war heute selbst bei mir auf meinem Geschästszimmer und erzählt« mir ein« lange Geschichte von ihrem Sohn, deinem Verlobten, der tritt eine große Reise an, und —•**
Weiter kam er nicht. Grete hatte gellend ausgeschrien.
„Bater, um Gotteswillen, was hast du getan? Du hast Geld genommen? — Du mußt «« zurückgeben, gleich, — heute noch, — ich kann keine ruhige Stunde haben, so lang« es in deinen Händen ist!"
Ihr« zitternden Ftllger spannten fich um seinen Arm und ihre Augen suchten in angstvolter Bitte diejenigen de» Mannes, der fie heftig abzuwehren suchte."
„Gib das Geld zurück, Vater! O, mein Sott!“
(Fortsetzung folgt )
Deutsches Reich.
Exkönig Manuel in Deutschland. Sigmaringen, 29. Mai. Heute Abend 7.13 Uhr wird Exkönig Manuel von Portugal zum Besuch am fürstlichen Hofe eintreffen.
— Frhr. v. Hertling in Dresden. Dresden, 29. Mai. Der bayrische Ministerprässdent Frhr. v. Hertling trifft am Montag hier ein, um dem König seine Aufwartung zu machen, und dem Minister des Aeußern seinen Antrittsbesuch abzustatten.
— Die Vertreter Berlins in Wien. Bekanntlich hatte die Stadt Wien die städtischen Kollegien Berlins zu einem Besuch der österreichischen Hauptstadt eingeladen. Dieser Besuch ist jetzt am Mittwoch erfolgt. Die Herren der Berliner Stadtvertretung unter Führung des Oberbürgermeisters Kirschner trafen Mittwoch früh in Wien ein und wurden am Nordwestbahnhof von Vertretern der Stadt Wien unter Führung des Bürgermeisters Dr. Neumeyer empfangen und aufs herzlichste begrüßt.
— Grafenstaden. Mülhausen, 29. Mai. Wie dem W. T. B. mitgeteilt wird, hat Direktor Hailer von der Erafenstadener Fabrik sich im Jntereffe der Arbeiterschaft entschloffen, seine Entlassung einzureichen. Diese wurde von dem Aufsichtsrat der Gesellschaft genehmigt.
Gegen die Lxinkgelderbesteuerung. Köln, 28. Mai. Nachdem i>ie Studt.Duisburg die Besteuerung der Trinkgelder der Straßenbahnschaffner durchgeführt hatte, andere rheinische Städte eine solche Steuer geplant haben, wandten sich verschiedene Ortsgruppen des Straßenbahneroerbandes in Eingaben an den Steuerausschuß des Abgeordnetenhauses, worin diele Trinkgelderbesteuerung als unhaltbar bezeichnet wurde. Daraufhin wurde laut dem „Düffel- dorfer Tageblatt" vom Finanzministerium ein genauer Bericht eingefordert; nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts sei die Dssteuerunq nicht zulässig.
— Die Potsdamer! Die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung hat eine vom Magistrat angeforderte Summe von 900 für eine Wagenfahrt der nach Berlin kommenden Mitglieder des englischen „Royal Institute of Public Health" abaelehnt und zwar mit großer Mehrheit, da die unfreundliche, feindliche Haltung der englischen Reaierung gegen Deutschland, wie sie namentlich in der vorjährigen Krisis zum Ausdruck gekommen sei, ein besonderes Entgegenkommen nicht angebracht erscheinen laffen.... Sehr richtig!
— Freisinnige Boykottierung von Lehrern. Berlin, 25. Mai. Der freisinnige Bürgermeister Achilles-Sagan hat im vorigen Jabre verfügt, daß Lehrer, die es ablehnen würden, stch bei Vieh- und Volkszäblunaen ehrenamtlich zu betätigen, bei der Vergebung des Unterrichtes an der gewerblichen Fortbilduna-rchuke nicht auf Berücksichtigung zu rechnen hätten. Die konservative „Lav^-'-buter Zeitung" batte dieses wenig lehrerfreundliche Vorgehen des frei» sinniaen Bürgermeisters entsprechend kritisiert und war daraufhin von Herrn A-billes verklagt worden. Diese Klage hat nun mik einem Mißerfolae geendet, indem das Schöffenaericht dem Ange-
< Rachdr. verboten.
‘ Das Haus am Nixensee.
Oringina-Roman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
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und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch hie Post bezogen 8.25 Jt (ohne Bestellgeld), bet unseren Leitungsstellen und der Expäntion (Markt 21) 2.00 * frei in» Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktton keinerlei
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Der 4. Parteitag der Demokratischen Bereinigung hat in den Pfingsttagen zu Nürnberg stattgefunden. Aus den Verhandlungen ist bemerkenswert, daß Parteisekretär Dr. Glaser (Schöneberg) bei dem Geschäftsbericht ausfühtte: Der Pessimismus, der nach den Wahlen eingetreten sei, und den Austritt verschiedener Mitglieder herbeigeführt habe, sei ausgeglichen worden durch die Neugewinnung vieler anderer Mitglieder, sodaß die Partei in dieser kritischen Zeit nur 504 Mitglieder gegenüber dem Vorjahre eingebüßt habe und gegenwärtig 10 275 Mitglieder zähle. — Der Parteivorsitzende H. v. Eerlach sagte: Mehr als je sei jetzt die Existenz einer bürgerlichen demokratischen Partei notwendig, die nicht im Klaffenintereffe, sondern aus dem idealen Gesichtspunkt des demokratischen Gedankens heraus eine freiere Gestaltung der politischen Verhältnisse in Deutschland erstrebe.
Bei der Wahl des Vorstandes wurden zum ersten Vorsitzenden H. v. Eerlach, zum zweiten Vorsitzenden Oberst a. D. Eädke gewählt. Eine längere Debatte entwickelte sich über die Stellung der Partei zur Sozialdemokratie. Von allen Rednern wurde betont, daß die Partei keine Zwei-Fronten-Theorie, keinen Kampf gegen dieSozialdemokratiewolle, daß sie aber auch die prinzipiellen Gegensätze zur Sozialdemokratie nicht verwischen wolle. Eine Resolution in diesem Sinne wurde angenommen. In der Schlußsitzung des Demokratischen Parteitages begründete Roß (Neukölln) den von einer Kommission ausgearbeiteten Entwurf eines demokratischen Kommunalprogramms, das u. a. die Ausdehnung des Reichstagswahlrechts auf die Gemeinden fordert. Der zweite Vorsitzende Oberst a. D. Eädke schloß den Parteitag mit einer Ansprache, in der er der Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß die Tagung die volle Einmütigkeit der Partei in allen Fragen des Prinzips und der Taktik ergeben und außerdem den Beweis erbracht habe, daß die Partei nicht nur ihre Existenzberechtigung habe, sondern daß fie geradezu für das politische Leben Deutschlands eine Notwendigkeit sei. (Hurra!) — Im Laufe der Tagung fand ein Festkommers statt, an dem sich auch der sozialdemakra- tische Reichstagsabgeordnete Peus beteiligte. Er betonte in einer Ansprache, bei allen grundsätzlichen Gegensätzen zwischen Sozialdemokratie und demokratischer Vereinigung Griffe er den ehrlichen demokratischen Willen der Partei anerkennest- Er habe es oft schmerzlich vermißt, daß im Reichstage nicht eine bürgerliche Partei vertreten sie, die in den allgemeinen Fragen der Demokratie Schulter anSchulter mit derSozial- demokratiekämpfe. (Das ist deutlich! Eine solche Partei brauchen die Eenoffen!)
Die Polenkrawalle in Schwitz vor Gericht.
Eraudenz, 29. Mai. Die Aufsehen erregenden Polenkrawalle, die in Schwetz am Tage der letzten Reichstagsstichwahl stattfanden, beschäftigen von heute ab unter großem Andrange des Publikums das hiesige Schwurgericht. Der Wahlkreis Schwetz ist ein heißumstrittener nationaler Boden und war bisher durch den polnischen Abgeordneten v. Saß-Jaworski im Reichstage vertreten. Der Wahlkampf wurde von beiden Seiten mit großer Erbitterung geführt. Angeklagt sind im ganzen 16 Personen, meist jüngere Arbeiter und Handwerker. Die Anklage stützt sich auf die §§ 125 und 113 des St. G. B. Bei der Bildung der Eeschworenenbank lehnte die Staatsanwaltschaft alle Geschworenen mit polnisch klingenden Namen ab. Bei der Vernehmung der Angeklagten erklären diese, daß fie zwar bei den Vorgängen dabei gewesen seien, sie hätten sich aber absolut nichts zu schulden kommen laffen und seien über ihre Verhaftung sehr erstaunt gewesen.. Bei dieser Vernehmung werden die inkriminierten Vorgänge vom Vorsitzenden eingehend erörtert. Die Polen glaubten zunächst, daß sie gesiegt
„Ich kann nicht mehr," flüstert« fie, „ich bin müde, mein Kopf schmerzt mich, ich möchte mich niederlegen."
„Ja, ja, gehe nur, Kind, gehe nur, es ist spät geworden, du bedarfft der Ruhe, ich mach« mir ernstliche Vorwürfe, daß ich dich nicht schon früher ins Bett schickte."
„Sie warf einen Blick auf die Schwarzwälder Ahr: „Wirlich, es ist gleich zwölf, geh du auch, Liese, für heute ist es genug."
„Ich bleibe noch auf, wir wollen auf den Vater warten."
Die Mutter seufzt« bang.
„Geht nur, Kinder, wer weiß, wann er heimkommt, wir können doch nicht darauf warten."
Di« beiden Mädchen wollten eben das Zimmer verlassen, um ihr kleines Schlafgemach im ersten Stock aufzusuchen, als die Glocke an der Haustür« mit schrillem Klang anschlug.
Frau Sommer eilte hinaus, um zu öffnen, denn fie wußte aus Erfahrung, daß ihr Gatte immer gleich sehr ungeduldig wurde.
„Weiß nicht, wo ich meinen Hausschlüssel hingebracht habe," sagt« der Eintretende, alle Taschen durchsuchend. Er war zwar nicht ganz fest auf den Beinen, man sah es ihm an, daß er wieder getarnten hatte, denn di« Augen blickten verschwommen, doch schien er wenigstens seiner Sinne noch mächtig zu sein. Offenbar war er in bester Laune. Als er Eret« erblickte, ging er auf ste zu und wollte den Arm um st« schlingen. Sie wich zurück vor seiner Berührung, aber et bemerkte es kaum, sondern lachte aus vollem Halse.
„Du Racker, du feiner," gröhlte et mit heiserer Stimme, so daß das Mädchen noch einen Schritt zurücktrat, „gut hast du deine Sache gemacht, Gretel. Wenn dir das noch ein paarmal gelingt, find wir fein heraus. Du hast da mit einem Schlag mehr verdient, als ich in ein paar Jahren mit meinen Agenturgeschäften, — bist ein Teufelskerl!"
Grete blickte entsetzt auf den Vater; offenbar war et wieder betrunken, daß er nicht wußte, was er sprach; auch die beiden anderen schauten verständnislos drein. Er lachte nur noch lauter.
„3a, gelt, da horcht ihr, aber ihr werdet staunen, wenn ich sage, was los ist! Sehr einmal her, was ich da habe, — hier, — dies Papi«, wißt ihr, was darauf steht? Ja, ja, seht euch das mal fenan an!"
Er hatte umständlich seiner Brieftasche ein Papi« entnommen und