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TieCbirbeniftüt jj-nuns' scheint lagncy rnu yutnai,.^,^ «ui. und Feiertage. Ter Bezugspreis betragt viertel ehrlich durch die Post bezogen 5.25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <* frei in» Hau». (Für unver­langt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Unto.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55

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Donnerstag, 30. Mai

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47. Jahrg.

1912.

Rundschau.

Reue Sicherung Helgolands gegen Zerstörung des Seewasiers.

Auf Helgoland werden, wie aus Marinekreifen mitgeteilt wird, demnächst neue Maßnahmen zur Sicherung der Felsen gegen Abbröcklung getroffen werden, nachdem die bisherigen Versuche jetzt zum Abschluß gelangt sind. Es handelt sich darum, das Gestein auf chemischem Wege gegen Abbröckelungen aller Art, die durch Niederschläge, die Meereswellen und durch Frost erfolgen. Es rout« den bereits bekanntlich auf diesem Gebiete Maßnahmen durch An- $age einer Drainage getroffen, ferner wurden Schutzmauern er- richtet und die Kanten abgepflastert. Die Drainage ist hauptsäch- lich zu dem Zwecke angelegt worden, um die Tagewäsier abzufangen. Dadurch wurde auch ihren zerstörenden Wirkungen Einhalt ge­boten. Regen- und Schneewasier, das in die vielen Risse eindrang, erweiterte diese und der Frost trieb sie dann auseinander. Nach­dem diese Maßnahmen mit Erfolg beendet worden sind, will man jetzt daran gehen, das vom Meer bespülte Wasier durch Imprägnie­rung zu schützen. Das Materialprüfungsamt von Berlin-Lichter- felde machte Versuche mit einer Salzlösung von Flußspat und Quarz. Diese Lösung diente zur Imprägnierung von Proben, die von Helgoländer Gestein genommen worden war. Es stellte sich heraus, daß das Gestein mit Hilfe der Imprägnierung zu einer einheitlichen festen Steinmasie verwandelt wird, die weder von der Gewalt der Meereswellen, noch durch Niederschläge irgendwie be­einflußt wird. Dadurch erhält die Insel eine Sicherung, die alle anderen bisherigen Sicherheitsmaßnahmen bei weitem übertrifft. Der große Vorzug dieses neuen Verfahrens besteht darin, daß die Sicherung durch Erhärtung des Gesteins selbst erfolgt und nicht erst durch künstliche Vorbauten und Schutzwände bewerkstelligt werden braucht. Ein weiterer Vorzug dieses neuen Verfahrens ist eine verhältnismäßig große Billigkeit. Es werden dazu Aufwendungen fn Höhe von 2030 000 M notwendig sein. Für die Imprägnie­rung kommt eine Gesamtfläche von ungefähr 110 000 Quadrat­metern in Betracht. Rechnet man auf einen Quadratmeter 35 Gramm der Lösung, dann werden ungefähr 35 000 Kgr. dieser Im­prägnierungsmasse zur Sicherung des ganzen in Betracht kommen­den Teiles der Insel notwendig sein. Helgoland hat bei einer Länge von 1700 Metern und einer Breite von 600 Metern eine ungefähre Größe von 0,60 Quadratkilometern. Nach den wissen- schaftlichen Berechnungen ist die Abbröckelung auf der Insel in den letzten 200 Jahren auch sehr beträchtlich gewesen. Es ist darum mit Genugtuung zu begrüßen, daß jetzt ein Verfahren gefunden ist, das die völlige Unverletzlichkeit der Insel gegen Meeres- und Witte- rungseinflüsie gewährleistet. Andererseits ist durch Landgewin­nungsarbeiten, die kürzlich zum Abschluß gelangt find, eine Ver­größerung des Inselchens erfolgt. An der Südspitze der Insel wur­den Anlandungsarbeiten beendet, die JA Jahr dauerten und durch die ein Neuland geschaffen wurde, das ungefähr die Größe des Helgoländer Unterlandes aufweist. Auch dieses Neuland ist durch Zementierungen und durch Schutzbauten gegen Einflüfie von Wind, Wetter und Wogen geschützt worden.

Alliance oder Entente?

Paris, 28. Mai. Der Londoner Korrespondent desExcel- stor" veröffentlicht eine Unterredung mit einer dem englischen Mi­nister des Aeußern Grey nahestehenden Persönlichkeit über die An­regung einer konservativen englischen Zeitung betreffend die Um­wandlung der Entente Cordiale in ein Bundesverhältnis, der u. a. gesagt haben soll: Ich würde mich nicht wundern, wenn dieMor- ningpost" und andere konservativen Zeitungen bei ihrer Anregung den Hintergedanken an die Einführung der allgemeinen Wehr­pflicht in England gehabt hätten. Ein Bündnis ohne eine natio­nale englische Armee wäre für die Franzosen ein leerer Köder. Wozu sollte Frankreich ohne Gegenleistung seitens Englands unge-

16 Rachdr. verboten.

. Das Haus am Nixensee.

f r. ' Oringina-Roman von Irene v. Hellmuth.

(Fortsehung.)

Ra, da kommen Sie nur ein andermal wieder. Wenn es Sie inter­essiert. führe ich Sie durch das Haus, ich glaube, Sie werden da manches finden, was Sie mit Bewunderung und Staunen erfüllt. Das Kostbarst« und Wertvollste ist zwar seinerzeit fortgefchafft worden, mein Herr besitzt alle möglichen Sammlungen, die einen geradezu fabelhaften Wert haben, aber es gibt immer noch genug zu sehen. Ost schon packte mich die Angst, daß die Herren Spitzbuben sich hier «infchleichen, und uns manches davonschleppen möchten. Aber so oft ich mit der gnädigen Frau davon sprach, hatte sie für meine Besorgnisi« immer nur ein gleichgültiges Lächeln.

Was liegt daran," pflegte sie zu sagen,laß nur alles wie es ist, wohin sollten wir all diese Sachen schaffen?"

Auf alle meine Vorschläge wollte sie nicht eingehen. Freilich, die Herrschaft könnte es verschmerzen, wenn man das Haus ausgeräumt hätte, bei solchem Reichtum käme ein derartiger Verlust gar nicht weiter in Betracht, aber mir war es doch immer« ein« geheime Sorge, das Haus hier so gänzlich ohne jede Aufsicht zu wißen. Nun, gottlob, es fehlt stricht das kleinste Stück, und wenn Sie wieder kommen, dann sollen Sie alles sehen.

Das ist sehr freundlich von Ihnen," lächelte Grete,doch jetzt muß ich wirklich gehen, ich werde zu Hause gewiß längst erwartet."

.Wohl von Ihrem Herzallerliebsten?" neckte der Alt« mit breitem Grinsen.

Grete schüttelt« stumm den Kopf. Ihr« Augen umflorten sich, sie dacht« mit brennendem Weh, wie ost Karl ihr früher ein Stück Weges entgegengegangen war, wie er dann wohl, wenn er sie von weitem er­blickte, fein« Schritte beschleunigt«, und in seinen Armen auffing, um sie

| heure Lasten im Mittelmeer auf sich nehmen? Niemals aber wird in England eine liberale Regierung für die allgemeine Wehrpflicht zu haben sein und welchen Sinn würden die wiederholten Besuche Haldanes in Deutschland haben, durch die eine deutsch-englische Verständigung herbeigeführt werden soll, wenn die englische Re­gierung daran dächte ein regelrechtes Bündnis mit Frankreich zu schließen. Unsere Minister haben anderes zu tun, als den Wagen der äußeren Politik Englands nach verschiedenen Richtungen zu ziehen. Welche Verstimmung würde ein französisch-englisches Bünd­nis in Deutschland Hervorrufen? Die deutsch-englischen Beziehun­gen würden dadurch nur gespannter werden, ohne daß Frankreich bezüglich seiner territorialen Sicherheit auch nur eine einzige Bürg­schaft mehr erhielte und für die französisch-deutschen Beziehungen würde dies den Gnadenstoß bilden. Nein, bleiben wir wo wir sind.

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Deutsches Reich.

Die Reis« des Prinzen Waldemar von Preußen nach Ost- afien. Nach einem Telegramm der Deutschen Kabelgrammgesell- schaft ist Prinz Waldemar von Preußen am Sonntag in Schanghai eingetroffen. Er ist im deutschen Generalkonsulat abgestiegen, wo gestern abend von der Deutschen Kolonie ein großes Festmahl ge­geben wurde. Prinz Waldemar besichtigte am Montag die Hafen- und industriellen Anlagen, am Dienstag die deutschen Schulen. Am Donnerstag wird der Prinz die Reise nach Tsching-Kiang, Nanking, Hankau und Tsingtau fortsetzen.

Ein offiziöser Kommentar zum Besuch« des Grafen Bercht- hold. An den Besuch des Grafen Berchthold in Berlin waren ver­schiedene Gerüchte geknüpft worden, daß über Abmachungen bezüg­lich der Zustände auf dem Balkan gesprochen worden sei. Diesen Gerüchten tritt dieKöln. Ztg." entgegen. Das Blatt erklärt offen­bar in offiziösem Auftrage:Wenn auch gerade die kriegerischen Verwicklungen das Hauptthema der Unterhandlungen der Staats- mäner gewesen sein mögen, so können doch angesichts des strengen Standpunktes und der starren Forderungen der Kriegführenden die neutralen Mächte solange nichts ausrichten, bis nicht von der einen kriegführenden Partei Nachgiebigkeit gezeigt wird und Beding­ungen gestellt werden, die begründete Aussicht zum Frieden ge­währleisten."

Staatssekretär Sols. Berlin, 28. Mai. DerReichsanzei­ger" meldet: Staatssekretär des Reichskolonialamts Dr. Solf trat eine etwa viermonatige Dienstreise nach Deutsch-Südwestafrika und den englischen Kolonien Südafrikas an.

Die Beisetzung des Herzog» von Eumberland. Gmunden, 28. Mai. Die Beisetzung des Herzogs Georg Wilhelm von Eum­berland fand heute vormittag im Mausoleum zu Gmunden statt. Erzherzog Josef Ferdinand wohnte als Vertreter des Kaisers Franz Josef der Beisetzung bei. Zahlreiche Fürstlichkeiten und De- putolionen waren zugegen.

Lord Haldane. Göttingen, 28. Mai. Lord Haldane gedenkt Göttingen heute zu verlasien. Er suchte mehrere bekannte Aerzte auf und stattete seiner Penfionsmutter aus der Studienzeit, einem hochbetagten Fräulein, einen längeren Besuch ab. Als nächstes Reiseziel gilt Eoblenz.

Deutsche Lehrerversammlung. Berlin, 28. Mai. Unter Be­teiligung von etwa 8000 Lehrern aus ganz Deutschland u.id dem Ausland« begann gestern die deutsche Lehrerversammlung.

EinZeppelin-Flugzeug". Auf dem Flugplatz Teltow wurden soeben die ersten gelungenen Aufstiege mit einemZeppe­lin-Flugzeug" gemacht. Das Flugzeug ist auf der Zeppelinwerft zu Friedrichshafen nach eigenen Grundsätzen erbaut worden. Graf Zeppelin, der heute unbestritten als der erste Luftschifferbauer der Welt gelten kann, hat damit aufs neue bewiesen, welch großes Interesse er neben den Luftschiffen auch den Flugzeugenschwerer als die Luft" entgegenbringt. Schon früher, als einmal das Wort

zu küssen. Das war vorbei, vorbei. Sie drängte gewaltsam ihre Tränen zurück, die ihr bei dieser Erinnerung in die Augen steigen wollten; dann reichte sie ihrem neuen Freunde die Hand zum Abschied.

Also, auf Wiedersehen, vielleicht morgen."

Der Alte sah der schlanken Gestalt nach, wie sie eilig daoonschritt, und murmelte:Scheint auch schon einen Kummer zu haben, das junge Ding, ich glaub« ich habe an etwas Schmerzliches gerührt, als ich von ihrem Herzallerliebsten sprach. Sicher ist da etwas nicht in Ordnung

Als Grete zu Hause anlangt«, fand si« Mutter und Schwester eifrig bei der Arbeit. Sie legte Hut und Jacke ab und ftagte, wie sie täglich tat:War Karl nicht hier?"

Die Mutter nickte nur stumm mit dem Kopf

Grete faßte si« schärfer ins Auge, und es entging ihr nicht, daß sie seltsam erregt war. Ihr« Hände zitterten und um den fest geschloffenen Mund zuckte es wie von verhaltenem Weinen Grete ahnte neues Un­heil und ihr Herz begann in raschen Schlägen zu pochen. Was mochte geschehen sein? Auch Liese hielt den Kopf tief auf di« Arbeit gesenkt und stichelte ohne aufzusehen daraus los. als gelte es, noch heute ein« ganze Ausstattung fertig zu machen. Grete fing ebenfalls zu nähen an, aber ihre Blicke wanderten immer wieder zu den beiden schweigsamen Frauen hinüber, und es wurde ihr klar, daß man sich bemühte, ihr irgend etwas zu verbergen. Sie zwang sich zur Ruhe und erzählte schein­bar unbefangen von dem, was sie draußen am Nixensee gesehen, und daß das stille Haus fortan wieder bewohnt sein werde. Die beiden andern gaben nur einsilbige Antworten, so daß die Situation dem jungen Mädchen nachgerade unerträglich wurde. Sie vermochte nicht länger mehr an sich zu halten

Sagt doch, was eigentlich geschehen ist," begann sie beklommen. Weshalb wartete Karl nicht auf mich, oder warum ging et mir nicht entgegen, ihr wußtet doch, wohin ich gegangen war."

Die Mutter seufzte leise auf un Liese hob den Kopf, bann warf fie plötzlich die Arbeit weg und umschlang die Schwester mit beiden Armen, i

.Grete," sagte fie, mit Mühe ba» schmerzliche Zittern der Stimm«

von der Gegnerschaft der beiden Arten, die Luft zu durchfahren fiel, hat Graf Zeppelin erklärt, daß von einer Gegnerschaft nicht die Rede sein könne, sondern daß es sich um einen friedlichen Wett­bewerb, ähnliche Ziele auf verschiedenen Wegen zu erreichen, handle. Die Zeppelinwerft hat sich darum schon seit ungefähr Jah­resfrist mit dem Bau eines eigenen Flugzeuges beschäftigt. Das Flugzeug ist ein Eindecker, der eine Breite von 11% m und eine Länge von 10 m hat. Bei dem Bau wurden die reichen Erfah­rungen verwertet, die bisher auf dem Gebiete der Flugkunst ge­macht worden find. Bevor die ersten Flugversuche gemacht wur­den, sind eingehende Erfahrungen über die Stabilität und Trag­fähigkeit des neuen Flugzeuges gesammelt worden. Die Ergebnisie dieser Untersuchungen waren günstig, so daß mit dem Einbau eines 70 L8-Argusmotor begonnen werden konnte. Die ersten Flugver­suche auf dem Flugplätze Teltow wurden von dem Fliegeroffizier Leutnant Coler gemacht, und es stellte sich heraus, daß das Flug­zeug auch in der Praxis den Erwartungen entsprach, die darauf gesetzt worden find. Man kann erwarten, daß dieses neue Werk der Zeppelinwerft, welche der Luftschiffahrt schon so außerordentlich» Dienste geleistet hat, den Leistungen der besten deutschen Flugzeug« gleichkommen wird.

Erfunden. Hamburg, 28. Mai. Das W. T. B. berichtet! In einigen englischen Blättern wurde in den Berichten über beit Stapellauf desImperator" behauptet, daß der Kaiser dabei einem schweren Unfall mit genauer Not entgangen sei. Es sei beim Ab­läufe des Dampfers eine Kette gerissen und ein Stück davon in der unmittelbaren Nähe des Kaisers zu Boden gefallen. Die Meldung ist nicht nur soweit fie sich auf die Gefährdung der Person des Kaisers bezieht, sondern auch in allen Einzelheiten unrichtig. Zu­nächst ist festzustellen, daß sich der Kaiser, wie bekannt, beim Ablauf des Schiffes mehrere hundert Meter von der Ablaufstelle entfernt, durch eines der großen Hafenbecken davon getrennt, auf dem Kai der Hamburg-Amerika-Linie. also überhaupt nicht auf der Vulkan­werst. befand. Weiter ist festzustellen, daß sich bei dem Stapellauf überhaupt nicht der geringste Unfall und nichts unvorgesehenes er­eignete. Insbesondere ist die Mitteilung von dem Kettenbruch beim Ablaufen des Schiffes und dem Herunterfallen eines Sft"-ke« der Ketten auf die Werft ein vollständig frei erfundenes Märchen.

Zur Förderung des Marschgesanges und der Marschmufil bei den Fußtruppen hat der Kaiser soeben acht Marschliedei unter Begleitung durch die Spielleute und vier Märsche für Spielleute eingeführt. Ferner hat der Kaiser befohlen, daß da» Singen anstößiger Lieder allgemein zu verbieten ist.

Zur Haftentlassung des Erenzkommifiars Drehler. Nach einer Reihe von Wochen ist der deutsche Erenzkommifiar Dreßler, der wegen des Verdachtes der Spionage bei einer lleberschreitung der Grenze auf russischem Boden verhaftet und festgehalten wurde, aus der Haft entlasten worden. Wie derB. Z. am Mittag" aus Eydtkuhnen berichtet wird, ist der Erenzkommistar das Opfer einer Denunziation geworden. Ein Bäckergeselle in Kibarty namens Scheller soll, um sich bei den russischen Behörden beliebt zu machen und in Rußland naturalisiert zu werden, den Grenzkommistar der Spionage beschuldigt haben. Unter anderem hat auch Staatssekre­tär Kiderlen-Wächter den Erenzkommistar zu seiner Hastentlastung beglückwünscht.

Die Pfadfinder. Berlin, 28. Mai. Auf dem Exerzierplatz am Babnhof Eichkamp wurde am Pfingstsonntag die Heeresschau der Pfadfinder durch Generalfeldmarschall Frhr. von der Eoltz ab­gehalten. Gestern war Ruhepause. Am Abend versammelten sich die Pfadfinder am Ostbahnhof, von wo im Sonderzug die Fahrt nach Harnekop, dem Schloste des Grafen Häseler angetreten wurde. Hier angekommen, bezogen die Pfadfinder in drei Dörfern Nacht­quartier.

beherrschend,nimm es dir nicht allzusehr zu Herzen, vielleicht ist e» am besten so, ich denke, du bist zu stolz, einem Manne nachzutrauern, bet deine Liebe nicht zu würdigen weiß, der si« verschmäht."

Stete schaute mit erschrockenen Augen auf die Schwester. Sie wußte, daß die nächsten Minuten ihr eine schreckliche Gewißheit bringen würden. Trotzdem sie es schon seit längerer Zeit ahnte, traf es sie doch mit ver­nichtender Gewalt. Ein Zittern durchlief ihren schlanken Körper und der leidende Zug in ihrem Gesicht trat schärfer hervor.

Bitte, sage mir die Wahrheit, Liefe! Was wollte Karl, hat er dir etwas an mich aufgetragen?"

3a, er wird morgen wiederkommen und es dir selbst sagen, «r beab­sichtigt nämlich eine Reise um die Welt zu machen, di« ihn auf unbe­stimmte Zeit von hier feitibält. Reisen sei heutzutage notwendig, er­klärte er. und da et noch nie hinausgekommen sei, so müffe er das Ver­säumte nachholen. Das sei er sich selbst schuldig. Und da du wegen deines leidenden Zustandes vorläufig an eine Heirat nicht denken dürftest, et aber von feiner Mutter fortwährend gedrängt werde, so hielte er es für bas beste und vernünftigste, die Verlobung aufzulösen. Menn heirate, so wolle er eine gesunde Frau und kein« kranke. Er sprach tu- so allerlei, als hätten wir ihm verheimlicht, daß du leidend bist; mich packte etwas rote Ekel vor diesen Ausführungen, Grete, ich glaube, et hat dich nie geliebt, sonst könnte er bi« Sache nicht so kühl und geschäfts­mäßig behandeln. Er sagte aber, er wolle im Frieden von dir gehen, deshalb will et dir persönlich feine Gründe auseinandersetzen."

Grete hatte die Hände vor das Gesicht geschlagen. Sie meinte bitter­lich. Die beiden anderen störten sie nicht. Sie wußten und fühlten, dich es am besten war, man ließ fie gewähren, bis der erste Schmerz über­wunden war. So verging eine geraume Weil«. Endlich hob Stete den Kopf.

Mutter," flehte sie,wenn Karl morgen kommt, bitte, gib ihm be« Ring zurück, und sorge dafür, daß ich ihn selbst nicht mehr zu seh«» brauch«. Wozu diese unnütze Qual?"

(SottfetaM folgt.)___