1912.
Marburg
Mittwoch, 29. Mai
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain
und den Bellagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und ^Landwirtschaftliche Beilage"
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Erstes Blatt.
Rundschau.
Zum Wahlkampf in Amerika.
'Prästdentenwahlkämpfe in den Vereinigten Staaten pflegen bei uns mit ziemlichem Eleichmute betrachtet zu werden. Das ist auch ziemlich natürlich, schon deshalb, weil eigentlich immer „Wahlkampf" in den Vereinigten Staaten ist. Kaum ist der eine Präsident gewählt, so beginnt auch schon der Kampf für die nächste Wahl, zum mindesten die Vorbereitungen dazu, und auch diese sind stürmisch und lärmend genug. Man hat bei uns auch wenig Geschmack für die Art dieser sonderbaren Kämpfe mit all ihren grotesken Begleiterscheinungen. Nichtsdestoweniger ist es doch eine Frage von naheliegender und großer Bedeutung, welche Folgen nach außen etwa die Wiederwahl Roosevelts für die Vereinigten Staaten und somit für die politische Welt haben würde. Diese Frage drängt sich um so mehr auf, als die bald bevorstehende Fertigstellung des Panamakanals die Vereinigten Staaten vor teilweise neue Aufgaben und folgenschwere Entscheidungen stellt. Die Vereinigten Staaten verfügen heute über eine Flotte, die ungefähr die gleiche Stärke besitzt wie die deutsche. Vor zwölf bis dreizehn Jahren hatten die Vereinigten Staaten keine Flotte von nennenswerter Stärke, und daß in dieser kurzen Zeit so Großes geschaffen werden konnte, verdanken die Vereinigten Staaten allein Roosevelt. Er hat durch seine großen agitarischen Fähigkeiten und Leistungen alle Widerstände überwunden. Unter Taft ist nicht gerade ein Stillstand eingetreten, aber doch eine Verlangsamung, und anscheinend hat auch das öffentliche Interesie an der Marine in den Vereinigten Staaten nachgelasien. Wenn Roosevelt fetzt wieder ans Ruder käme, so ist es höchst wahrscheinlich, daß er alles daran setzen würde, um ein schnelleres Flottenbautempo in Gang zu bringen unter dem Gesichtspunkte des Kanales und aller politischen und militärisch«» Folgeerscheinungen seiner Fertigstellung, sowie unter dem Gesichtspunkte der wachsenden japanischen Gefahr. Es ist wohl kaum zu bezweifeln, daß, gerade weil die Taftfche Pause eingeschoben war, eine neue Rooseveltsche Werbetätigkeit von Erfolg begleitet sein würde. Das aber müßte von außerordentlichem Einfluß auf die ganze Weltlage sein und nicht zum wenigsten auf die Dislokationsnotwendigkeiten der britischen Flotte. Deshalb hat auch Deutschland alle Ursache, mit Aufmerksamkeit die Gestaltung der Dinge in den Vereinigten Staaten zu beobachten. Im übrigen erscheint es nach den bisherigen Ergebnissen, als ob Roosevelt ganz sicher den Sieg über Taft davontragen würde: denn sogar in Ohio, dem Heimatsstaate Tafts, wurden in der Urwahl von 48 Delegierten 38 für Roosevelt gewählt.
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Italien und die
Die italienischen Blätter widmen der Ausweisung der Italiener aus der Türkei lange Berichte und erzählen zablreiche Grausamkeiten,^ die die Türken bei der Ausweisung begangen haben. „Corriere d'Italia" meldet aus Philippopolis, daß gestern drei italienische Arbeiter an der afiati- schenKLst« ermordet und ihre Mörder nicht verhaftet worden seien. Das Blatt behauptet ferner, die Türkei verhetze durch die Ausweisung die Kapitulationen, nach denen alle in der Türkei lebenden Fleuchen dem gemeinen Recht unterständen, und weist darauf hin. daß alle Staaten an bet Aufrechterhaltung der Kapitulationen das größte Interesse haben. — „Tribuna" fordert die Regierung auf. energisch gegen den Feind vorzugehen, bisher habe Italien der besonderen Lage der Türkei Rechnung getragen und alle mögliche Rücksicht geübt. Aber dieseArt derPolitik werde schwierig, da die Türkei Italiens Langmut für Schwäche halte. Es stehe jetzt noch «in Weg offen, um den törichten und anmaßenden Feind zur Vernunft zu bringen. „Corriere de la Sera" meldet vom 24. Mai aus Athen, daß bisher 4000 Italiener Smyrna verließen. Weitere 6000 Italiener werden Smyrna verlassen, sobald die genügende Anzahl von Dampfern vorhanden sei. Die Ausgewiesenen hätten sich über schlechte Behandlung seitens der türkischen Behörden beklagt. Drei italienische Eisenbahnarbeiter seien ohne jede Ursache getötet worden. Einem weiteren Telegramm des Blattes Uifolg« ließ General Ameglio aus den Gefängnissen von Rhodos die Efpiroten, Albanesen, Mazedonier, Bulgaren sowie politische Gefangene frei. Auch den politischen türkischen Gefangenen, die nach der Insel Rhodos verbannt waren, gab er die Freiheit wieder. — Die „Agenzia Ctefani" verbreitet weiter Meldungen über ausgewiesene Italiener. Danach seien diese vor ihrer Abreise vielfach vollständig ausgeplündert worden. Einige von ihnen mußten unter Androhung von Gefängnis den türkischen Beamten ihre letzten Erparnisse ausliefern, die ihnen unter dem Vorwand abgenommen wurden, es müßten der türkischen Regierung die Steuern für ein Jahr im voraus bezahlt werden. Die italienische Regierung gewährt den Ausgewiesenen jede llnterstützung: von allen Seiten, von Privatpersonen und öffent- lichen Anstalten werden ihr Geldmittel und Arbeitsgelegenheit für die Ausgewiesenen angeboten.
Rom, 25. Mai. (Agenzia Stefani.) Die Zahl der bisher nach Italien transportierten Gefangenen von Rhodos beträgt 1289. Mit verschwindenden Ausnahmen handelt ee sich um Soldaten. Das Seerettung swesen der Insel ist reorganisiert. In Psithos, Lindos und Castellos sind Truppenabteilungen als Garnison zurückgelassen worden. Die Lage ist vollkommen ruhig. „Corriere d'Italia" erfährt, daß die italienische Regierung den gefangenen türkischen Offizieren dieselben Bezüge ausbezahle, wie sie die italienischen Offizier« gleichen Grades erhalten. Die gefangenen Soldaten erhalten dasselbe Traktement, wie die italienischen Soldaten. Im Falle der Not wird den Familien bedürftiger Gefangener Unterstützung gewährt.
Die Blockade der Insel Rhodos wird heute aufgehoben, jedoch bleiben die Kriegsgesetze für die Insel zunächst in Gültigkeit. Während der Nacht dürfen Fahrzeuge den Hafen von Rhodos nicht verlassen bezw. dort einlansen.
Der Aufstand auf Cuba.
Der Ausstand auf Cuba wird, wie aus den neuesten Meldungen hervorgeht, immer gefährlicher. Die Aufständischen zerstörten die Eisenbahn, sowie die Telegraphenleitungen an verschiedenen Orten. Den Weißen in der Ostprovinz hat sich einer Panik bemächtigt, sie haben in den Städten Zuflucht gesucht. Die Zuckerfabriken sind geschlossen. Da die Eigentümer der amerikanischen Plantagen keinen Schutz durch die Behörden sich verschaffen können, haben sie den Kommandanten der amerikanischen Flottenstation Euantamemo gebeten, Marinesoldaten zu entsenden. Zuvor ist hierzu jedoch die Einwilligung der kubanischen Regierung notwendig. Eine amerikanische Fabrik ist verwüstet. Weiter wird gemeldet, daß eine Bande bewaffneter und berittener Neger die Plantage Eleilo, 15 Meilen von Santiago entfernt, überfallen und eine An- zahl Pferde und eine Meng« Vorräte mitgenommen hat. Man glaubt, daß die Regierung versuchen wird, mit den Rebellen zum Zwecke der Festsetzung von Bedingungen, die sich auf eine allgemeine Amnestie gründen sollen, in Verhandlungen einzutreten.
Angesichts der Wirren auf Cuba ist ein amerikanisches Geschwader mit dem Schlachtschiff „Nebraska" an der Spitze nach Key-West in See gegangen. Es soll sich für alle Fälle bereit halten. Demgegenüber rich- tote Präsident Gomez gestern an den Präsidenten Taft ein Telegramm, in welchem er in freundschaftlicher aber fester Weise gegen das Eingreifen der Vereinigten Staaten protestiert. Nach Meldungen aus Santiago ist die Lage in der Provinz Oriente andauernd beruhigend. Bei Parral kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Truppen und den Aufständischen: die Aufständischen hatten dabei zahlreiche Tote und Verwundete. Nach einem Gerücht soll der Führer der Ausständischen, Estenos, zum Präsidenten der neuen Republik ausgerufen worden sein.
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Deutsches Reich.
• — Der deutsche Kaiser in der Billa Wesendonck. Wie amtlich bekannt gegeben wird, hat der Schweizer Bundesrat beschlossen, dem Kaiser für seinen Aufenthalt in Zürich die Villa Wesendonck zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich um die bekannte Villa in der Richard Wagner, durch den der Name der Familie Wesendonck und insbesondere der von Mathilde Wesendonck in die Kunstgeschichte Übergegangen ist, verkehrt hat. Das kleine Häuschen auf derselben Anhöhe, das Wagner einst bewohnte, steht nicht mehr. In Interlaken wird dem Kaiser für den Aufenthalt im Berner Oberland das Hotel Viktoria am Höhenweg zur Verfügung gestellt.
— Kaffer-„Enten". Einige englische Blätter, darunter der „Daily Expreß" brachten ausführliche Schilderungen über den Stapellauf des „Imperator", worin es heißt, daß Kaiser Wilhelm mit genauer Not einem Unfall entgangen sei. Ein schweres Ketten- stück sei in der Nähe des Standortes des Kaisers zu Boden gefallen. Wie das „Hamburger Fremdenblatt" mitteilt, ist an der ganzen Erzählung kein wahres Wort. Der Kaiser befand sich beim Ablauf des „Imperator" gar nicht in der Nähe des Schiffes, sondern mehrere 100 Meter entfernt. — Die „Rordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die Exchange Telegraph Company verbreitete aus Berlin folgende Meldung: Der Kaiser hat die Einladung, der Leichenfeier für den verstorbenen Prinzen von Cumberland beizuwohnen oder sich dort vertreten zu lassen, abgelehnt. Es wird hier sogar erzählt, daß der Kaiser befohlen habe, daß kein Mitglied der Familie Hohenzollern bei der Leichenfeier zugegen sein solle. Diese Handlung hat großes Aufsehen hervorgerufen. Die Haltung des Kaisers und Königs zu dem Trauerfall im Hause Cumberland wird in der eben wiedergegebenen Meldung gröblich entstellt. Wir weisen darauf hin, daß der Kaiser, sobald ihm der Todesfall bekannt geworden ist, dem Herzog von Cumberland drahtlich seine herzliche Teilnahme aus- gedrückt hatte, wofür der Herzog in einem ebenso warm gehaltenen Telegramm gedankt hätte. Im Auftrage des Kaisers begaben sich Prinz Eitel Friedrich und Prinz August Wilhelm sofort nach Nackel und erwiesen dort der Leiche des Prinzen Georg Wilhelm die letzten Ehren.
— Der Besuch des Grafen Berchthold. Neues Palais bei Potsdam, 25. Mai. Graf Berchthold traf um 12y2 Uhr in Begleitung des österreichischen Botschafters hier ein und wurde vom Kaiser allein empfangen. Graf Berchthold wurde zur Frühstückstafel geladen. Wie das Wolffsche Bureau von gut informierter Seite erfährt, ist Graf Berchthold von der Aufnahme, die ihm hier von allen maßgebenden Kreisen bereitet wurde, sowie von dem gnädigen Empfang, den ihm der Kaiser gewährte, außerordentlich befriedigt. Die eingehenden Unterredungen, die er mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär des Aeußern gepflogen, wobei alle politischen Tagesfragen durchgesprochen wurden, ergaben, daß man in Berlin für die konservativen Ziele der österreichisch-ungarischen Politik volles Verständnis hat und auch einsieht, welch' großen Wert für die Nachbarmonarchie infolge ihrer geographischen Lage und wirtschaftlichen Interessen am Balkan die ungestörte Erhaltung der Ruhe im Osten Europas hat. — Zu dem Versuch des Grafen Berchthold schreibt das Wiener „Fremdenblatt": Die warme, herzliche Aufnahme, die Graf Berchthold bei seinem Besuch in Berlin fand, gibt abermals Zeugnis von den unverändert festen und innigen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und der österreichisch-ungarischen Monarchie. Wenn solche Bekundungen der unerschütterlichen Freundschaft der beiden Zentralmachte auch nicht außergewöhnlich find, so entbehren fie doch niemals der höheren politischen Bedeutung. Gerade im jetzigen Augenblick wird den Besprechungen Graf Berchtholds mit den leitenden Persönlichkeiten des Deutschen Reiches gesteigerte Wichtigkeit beigemessen werden, da es ja selbstverständlich ist, daß bei den Unterredungen alle die Auswärtige Politik berührenden Fragen erörtert werden. Die jetzige ziemlich kompliziert« auswärtige Lage wird der Erörterung Überaus reichen Stoff geliefert haben. — Berlin, 26. Mai. Der
österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen Graf Berchthold' ist heute vormittag 9 Uhr 20 Min. nach Dresden abgereist von wo er dann nach Wien zurückkehrt.
— Minister Haldane in Deutschland. Göttingen, 25. Mai. Der englische Kriegsminister Haldane weilt seit Donnerstag in» cogntto hier, um fich einige Tage von den Strapazen seines verant» wortungsvollen Amtes zu erholen.
— Kardinal Kopp zum zweite« Male operiert. Die „Schlef. Volkszeitung" berichtet folgendes über das Befinden des Breslauer Fürstbischofs Dr. Kopp: Nach dem regelrechten Verlauf der Krankheit konnte angenommen werden, daß durch den ersten operativen Eingriff der Abschluß der Bauchhöhle erreicht sei. Infolgedessen wurde Sonnabend vormittag der zweite operative Eingriff ausge- führt und der Blinddarmabszeß geöffnet. Es entleerte fich reichlich Eiter. Die Operation, die diesmal unter einer leichten Aethernar- kose ausgeführt werden mußte, nahm einen schnellen und glatten j Verlauf. Der Zustand des Fürstbischofs nach der Operation ist ! durchaus befriedigend.
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PreWmmen.
Ueber das Reichstagspräsidium schreibt die „Kreuzzeitung": „In verschiedenen fortschrittlichen Blättern ist mitgeteilt, daß der Führer der süddeutschen Demokratie, Abgeordneter v. Payer, als künftiger Reichstagspräsident in Aussicht genommen sei. Die „Vosstsche Zeitung" bezeichnet die Meldung als Unsinn. Ganz abgesehen davon ist zu bemerken, daß die Fortschrittliche Volkspartei die beiden Präsidentenstellen, die ihr vor ein paar Monaten zugefallen find, nicht in Erbpacht hat. Sie hat ja sogar wiederholt erklärt, daß sie mit der Besetzung dieser Stellen ein Opfer gebracht habe. Der Sorge, für den scheidenden Herrn Kämpf einen Ersatzmann zu stellen, wird sie vielleicht ganz enthoben werden. Es ist doch ein gar zu starker Nonsens, daß die fünfstärkste Fraktion im Reichstage zwei Präsidenten aus ihren Reihen nominiert. Außerdem ist ja nunmehr doch die Enthüllung des heimlichen Stichwahl» bündnisses erwiesen, daß ein Fortschrittler wegen seiner fast unbedingten Abhängigkeit von der Sozialdemokratie sich zum Präsidenten des Reichstages nicht gerade eignet. Dieser veränderten Situation werden die bürgerlichen Reichstagsfraktionen bei der nächsten Präsidentenwahl wohl Rechnung tragen müssen. Das geht auch daraus hervor, daß die „Freisinnige Zeitung" aus dem amtlichen Stenogramm mit Befriedigung feststellt, daß Herr Kämpf an den „Genossen" Scheidemann nur zwei tatsächliche Ordnungsrufe erteilt hat, also nicht in der Lage war, die Frage nach Wortentziehung zu stellen. Die übrigen vier Ordnungsrufe waren stark verklausuliert und eigentlich nur Androhungen. Danach hat also der fortschrittliche Präsident, offenbar im Bewußtsein der Parteiabhängigkeit von der Sozialdemokratie, nicht einmal gewagt, mehr als zwei wirkliche Ordnungsrufe zu erteilen. Es wäre mithin anzunehmen, daß Herr Kämpf der peinlichen Aufgabe, einen entscheidenden Ordnungsruf auszusprechen, ausgewichen sei. In ähnliche Verlegenheiten sollte der Reichstag seine Präsidenten nicht mehr bringen, also von der Wahl des Fortschrittliers an die erste Präsidentenstelle unbedingt Abstand nehmen."
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Ausland.
* * EisenbahnerstreU in Spanien. Madrid, 27. Mai. In Andalusien sind zahlreiche Eisenbahnangestellte ausständig. Die Bezirke von Cordova und Sevilla haben sich der Bewegung angeschlos» sen. Die Züge werden von den Ingenieuren und Assistenten geführt; nur die Post führenden Züge verkehren. Die Regierung trifft Maßregeln, um die Aufrechterhaltung des Dienstes zu sichern und im Fall von Verwicklungen schnell einzugreifen.
* * Die Lage in Marokko. Im französischen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten ist die Nachricht eingetroffen, daß es sich bei den beiden in Tarudant festgehaltenen Deutschen tatsächlich um zwei der Gebrüder Mannesmann handelt. Der Pascha dieses Ortes hätte den beiden keineswegs als Gefangene behandelten Deutschen nahegelegt, den der Stadt und Umgebung drohenden Ueberfall des Eegenfultans Mohammed Hitane, des Sohnes des „blauen Zauberer", durch Eeldzuwendungen abzulenken, da sonst das Besitztum der Brüder Mannesmann ernstlich bedroht wäre. In Paris hält man dieses Vorgehen des Paschas für ein Erpressungsmanöver. In dieser Vermutung wird man durch folgende Meldung bestärkt: Mogador, 23. Mai. Die in der Nachbarschaft von Tarudant und Tisnit wohnenden Stämme, die sich für Mohamed Hiba erklärten, haben die Paschas dieser Städte schriftlich aufgefordert, die Europäer auszuweisen. Bisher ist es zu keinem Gewaltakt gekommen. Der Pascha von Tisnit setzte die Europäer der Stadt von der Forderung der Stämme in Kenntnis. Die Europäer boten darauf Geld, das auch angenommen wurde. Vermutlich haben es die Stämme hauptsächlich auf Geld abgesehen. — Die Franzosen scheinen jetzt mit aller Macht daran zu gehen, den unerquicklichen Zuständen in Marokko ein Ende zu bereiten. Nach einer anscheinend offiziösen Meldung hat General Stautet) vorläufig als Verstärkungstruppen drei Infanteriebataillone, womöglich Marineinfanterie, bann eine Eebirgsbatterie und zwei Reiterabteilungen verlangt Die Regierung fei entschlossen, dem General alles zu bewilligen, was er zur Durchführung seiner ihm anvertrauten Aufgabe fordern sollte. Stautet) habe aus seiner Ansicht über di« Schwierigkeiten dieser Aufgabe kein Hehl gemacht. — Unterdessen ist es gelungen, die auf der Farm Renfchhausen gefangenen deutschen Schutzangehörigen frei zu bekommen. Eine Meldung au« Tanger vom 25. Mai besagt: Außer dem in Diensten des deutschen