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1912
Erstes Blatt
Marburg
Sonntag, 26. Mai
Fabriken nicht Einlaß erhielten, große Exzesse verübten, Straßenbahnwagen umstürzten und die Kalvarienkirche demolierten. Er ka mzu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Polizei und Demonstranten. Zahlreiche Personen wurden verwundet. Ein Gastwirt, der Ausschreitende versteckte, wurde verhaftet. Den Metallarbeitern schlossen sich die Arbeiter der Schiffswerften und die Trans- portarbeiter an. Die ausgesperrten Arbeiter wollen eine Versammlung abhalten, was die Polizei bereitwilligst gestattet, weil sie hierdurch eine Beschwichtigung der Leidenschaften erhofft. Amtlich wird die Zahl sämtlicher auf die Polizeiwachen gebrachten Personen mit 380 angegeben. Gegen 40 davon wird das Strafverfahren eingeleitet. Ein großer Teil der Verhafteten ist noch nicht verhört worden. In der Nähe einer Schraubenfabrik kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Streikenden und Arbeitswilligen. Viele Schüsse wurden abgegeben, viele Teilnehmer wurden ver- wundet. Die Unruhestifter stürzten einen mit Mehl beladenen Frachtwagen um und errichteten mit ihm eine Barrikade. Sie steckten die Nauschlossische Fabrik in Brand, indem sie die Umzäu- nung mit Petroleum begossen und diese anzündeten. Die herbeigeeilte Feuerwehr wurde an den Löscharbeiten verhindert und die Truppen mit Steinwürfen und Schüssen empfangen. Das Parlament ist mit starken Militärabteilungen umgeben. Auch mittags dauerten die Exzesie in den Fabrikvierteln fort, trotzdem zahlreiche Demonstranten sich zu den von der Polizei bewilligten Volksversammlungen begaben. An den Stellen, wo die umgestürzten Gaslaternen standen, brennt das Gas. Die Demonstranten feuern von ihren Verstecken mit Revolvern. Weitere Personen wurden verletzt. Der Verkehr stockte in den betroffenen Stadtteilen. Die Büros der Elektrizitätsgesellschaft wurden von etwa 800 Ruhestörern angegriffen. Militär und Gendarmerie gingen gegen die Demonstranten vor und drängten sie Schritt für Schritt zurück, zurück. .
Im ungarischen Parlament ging Ministerpräsident Lucas aus die Vorgänge in Budapest ein. Er führte aus: Den Vorwand zu dem Generalstreik hat die Weigerung gebildet, die Erlaubnis zu einer Kundgebung vor dem Parlament zu erteilen. Die Polizei hat die Abhaltung vieler Volksversammlungen in geschlossenen Räumen gestattet, hielt es aber nicht für zulässig, daß eine Versammlung von 50 000 erregten Menschen einen Druck auf die Verwaltung ausüben dürfe. Auch kann ich es nicht gelten lasten, daß als Ursache des Generalstreiks die Haltung der Regierung zur Wahlreform bezeichnet wird. Erst vor einigen Tagen habe ich erklärt, daß ich die Verpflichtung zur Durchführung der Wahlreform für die Regierung vollkommen anerkenne und daß wir entschlosten sind, diese Frage baldigst zu lösen. Es will mir scheinen, daß die sozialdemokratische Parteileitung eine Kraftprobe veranstalten wollte, um ihren verblaßten Nimbus aufzufrischen. Ob dies Ziel erreicht worden ist oder nicht, weiß ich nicht, aber es ist meine volle Ueber- zeugung, daß die Sache des Fortschritts durch diese Unruhen nicht gewonnen hat. Denn niemand, der ein Freund des Fortschritts der demokratischen Entwicklung ist, wird sich mit solchen Elementen vereinigen, welche ihre Prinzipien durch Raubmord und Brandstiftung kundgeben. sLanganhaltender stürmischer Beifall.) Was die Maßnahmen der Regierung betrifft, so ist außer Polizei und Gendarmerie auch Militär in Anspruch genommen worden. Nachdem auch die hiesige Garnison nicht genügte, wurde auch aus der Provinz Militär nach Budapest beordert. Es können jeden Augenblick weitere Verstärkungen herangezogen werden. Ich will nun noch das Moment der Verantwortlichkeit berühren. Es erscheint mir unerläßlich den unverantwortlichen Faktoren gegenüber, welche über viele Tausende von Menschen mit absoluter Machtvollkommenheit verfügen ,auf die Verantwortlichkeit hinzuweisen, daß sie die Folgen für jeden Mißbrauch ihrer Führergewalt zu tragen haben werden. (Lebhafter Beifall.)
Die Unruhen in Budapest.
Bekanntlich hatte die sozialistische Parteileitung in Budapest die Parole ausgegeben, daß der „Generalstreik" zu be- jtnben sei. Ihr ist es wohl selbst unheimlich geworden, als sie sah, welche Gewalten sie entfestelt hat. Doch ihr geht es wie dem ' Zauberlehrling: die Geister, die sie rief, wird sie nicht los. Die ' tzsigel find ihr aus der Hand genommen. Wie gemeldet, leistete ' gewißer Teil der Arbeiterschaft der Aufforderung der . Parteileitung, zur Arbeit zurückzukehren, nicht Folge, hauptsächlich die ausgesperrten Metall- und Eisenarbeiter, welche, als ste in den
Deutsches Reich,
Zwei Gebrüder Mannesmann »o« Marokkanern eingeschlofie«?
Der Korrespondent des „Echo de Paris" in Tanger meldet seinem Blatte, die deutsche Regierung sei benachrichtigt worden, daß zwei Deutsche, nämlich die Gebrüder Mannesmann, in Taru- dant von den Anhängern des zum Sultan ausgerufenen Hiba ein- geschlosten seien. Die deutsche Regierung soll bei dem französischen Gesandten in Tanger dringende Vorstellungen erhoben und die dringende Forderung gestellt haben, sofortige Maßnahmen zur Befreiung der beiden Deutschen zu treffen und ihnen Mittel zu geben, um die Küste ohne Gefahr zu erreichen. Eine Bestätigung dieser Meldung ist jedoch nicht eingetroffen. Der Pariser „Liberts" zufolge hält man allerdings die Meldung für wenig wahrscheinlich. Von den vier Brüdern befinde sich Alfred Mannesmann auf seiner Besitzung in Casablanca, der zweite Reinhard Mannesmann halte sich gegenwärtig in Madrid auf, wo er kürzlich vom König empfangen worden sei. Die beiden Brüder Otto und Robert Mannesmann sollen gegenwärtig im Susgebiet reisen, wohin sie sich auf ihre eigene Gefahr begeben hätten, doch sei ein Angriff gegen sie nicht unternommen worden.
— Die Einnahmen der Eisenbahnen. Berlin, Die „Rordd. Allgem. Ztg." meldet: Die Betriebseinnahmen der preußisch- hessischen Staatseisenbahnen betrugen im April 1912 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr 2,0 Mill. Mark — 3,61 Proz., im Güterverkehr 8,7 Mill. Mark — 7,62 Proz. insgesamt nach Abzug der Mindereinnahme aus den sonstigen Quellen 10,6 Mill. Mark ----- 5,92 Proz. mehr. In Betracht zu
Ein bedeutungsvoller Sessionsabschnilt des Reichstags
4st, um mft*;"ben Worten des Herrn Reichskanzlers zu reden, am Mittwoch beendet worden. Die Hauptarbeit des Reichstages bestand natürlich in der Erledigung des Etats, der in Einnahme und Ausgabe im ordentlichen Etat mit 2751,8 Millionen Mark und im außerordentlichen Etat mit 134,5 Mark abschließt und der in zweiter und dritter Beratung sowohl in der Vudgetkommission wre im Plenum wenig Veränderung erfuhr. Die Etatsberatungen wurden unterbrochen durch mehrere Interpellationen, die vielfach sich über einige Tage erstreckten. Den Reichstag beschäftigten ferner 'eine große Menge kleinerer Beratungsgegenstände. So wurde die Verlängerung der Handels- und Schiffahrtsverträge mit der Türkei bis zum 25. Juli 1914 und mit Bulgarien bis zum 31. Dezember 1917 ohne Debatte beschlossen und diesmal auch ohne weitere Kommissionsberatung die Verlängerung der Brüsseler Zucker- konvention bis zum 31. Dezember 1918 angenommen. Das gleiche geschah mit einem internationalen Abkommen über den Mädchenhandel, mit dem Militärluftfahrfürsorgegesetz und einem Kon- sular-Auslieferungsvertrag mit Bulgarien und Luxemburg. Durch ein gegenseitiges Uebereinkommen zwischen den Reichstagsparteien wurde auch die in der letzten Session nicht erledigte Novelle zum Strafgesetzbuch, welche eine Milderung der Strafen bei Hausfriedensbruchs und Diebstahl von geringwertigen Gegenständen und eine Verschärfung bei Roheitsdelikten gegen minderjährige Personen vorsieht, als gemeinsamer Initiativantrag eingebracht und angenommen. Das Gesetz betr. den Erwerb und Verlust der Reichsund Staatsangehörigkeit fand'noch keine Erledigung und hat erst die erste Lesung in der Kommission überstanden.
Gegen den. energischen Widerspruch der konservativen und Reick'spartei beschloß der Reichstag auch eine Aenderung seiner Geschäftsordnung insofern, als „kurze Anfragen" eingeführt und in Zukunft Anträge bei der Besprechung von Interpellationen gestellt werden können, wodurch ausgesprochen wird, „daß die Behandlung der den Gegenstand der Interpellation bildenden Angelegenheit durch den Reichskanzler der Anschauung des Reichstages entspricht oder nicht entspricht".
Die wichtigste und bedeutungsvollste Ausgabe aber hat der Reichstag erledigt in der Verabschiedung der Heeres- und Flottenvorlage und der Lösung der Deckungsfrage. Und zwar wurde die Heeresvorlage mit ganz geringfügigen Aenderungen, die Marine- . Vorlage völlig unverändert angenommen und auch über dre Deckungsfrage eine Einigung unter den Mehrheitsparteien erzielt. Die Heeresvorlage bestand im wesentlichen in der sosortigen Durchführung des im Jahre 1911 beschloßenen Quinquennats, in der Erhöhung um zwei Armeekorps und in der Vermehrung der Heeresstärke bis zum 1. Oktober 1915 um 29 000 Mann. Die Marinevorlage vermehrt den Schiffsbestand um drei Linienschiffe und zwei kleine Kreuzer und um jährlich sechs Unterseeboote. Die gesamten Kosten der Wehrvorlagen einschließlich der Erhöhung der Mannschaftslöhnung, die auf Beschluß des Reichstages schon vom 1. Oktober d. I. eintritt, belaufen sich auf rund 660 Millionen Mark. Die Ausgaben für das Jahr 1912 sind auf 94,5 Millionen Mark veranschlagt. .
Größere Schwierigkeiten verursachte anfänglich die Losung der Deckungsiraae. Zwar war der Bedarf für das Jahr 1912 durch die erfreuliche Steigerung der bisherigen Reichseinnahmen, die im Jab re 1911 zu verzeichnen waren, an sich vorhanden. Vorsorge aber mußte auch für die weiteren Jahre bis zum Jahre 1917 getroffen werden. Die Reichsregierung schlug die Beseitigung des Brannt- weinkontingents vor, aus der sie eine jährliche Einnahme von 36 Millionen Mark schätzte. Die zur Vorbereitung dieses Gesetzentwurfes eingesetzte besondere Kommission gab aber dem Entwurf : eine derartige Gestalt, daß nur auf eine jährliche Mehreinnahme von etwa 18 Millionen Mark gerechnet werden kann. Der Ausfall . mußte anderweitig gedeckt werden. Das soll jetzt durch die Vesttz- steuer geschehen, die der Antrag Erzberger-Baßermann fordert.
Bis zum 26. November hat der Reichstag seine Pforten ge- > schloßen. Mit berechtigter Genugtuung über die geleistete Arbeit ; find die Vertreter des deutschen Volkes in ihre Heimat zurück- ' gekehrt. Hassen wir, daß sowohl die Reichsregierung wie die bürgerlichen Mehrheitsparteien des Reichstages in den nächsten Mo- ■ naten Mut und Kraft in hinreichendem Maße finden, um allen ! Internationalen Mächten, die am Bestände des Reiches zu rütteln ; versuchen, mit größerer Energie und stärkerer Entschlußkraft entgegenzutreten, als das im letzten Sessionsabschnitt leider geschehen i Ist. Die gründliche Abrechnung mit der Sozialdemokratie, die im Letzten Sesstonsabschnitt unverfrorener denn je ihre letzten Ziele ", enthüllt hat, darf nur aufgeschoben sein.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
.und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Saus" und Landwirtschaftliche Beilage:
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4. für Reklamen in die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt alS Varrabatt Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschloßen.— Zahlungen im Post- scheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 deS Postscheckamtes Frankfurt a. M.
ziehen hierbei ist, daß der April 1912 einen Sonntag -wenig« und einen Werktag mehr hatte als im Vorjahr.
— Die Flugspende. Potsdam, 24. Mai. Der Vorstand bet Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg stiftete für die Flugspende 3000 Jt.
*- Noch ist Polen nicht verloren. Bisher verlangte man, baß , n Deutschland nur deutsche Stimmzettel bei den Wahlen verwen- , jet würden. Nun ist's auf einmal anders geworden. Denn bei der j letzten Reichstagswahl waren in Hohenfalza 282 Stimmzettel abgegeben worden, die folgende Bezeichnung trugen: „Wojciech Trampcynski, adwokat t notaryusz w Poznaniu (Posen)". Der Wahlvorstand in Hohenfalza erklärte diese Zettel nach der bisherigen Praxis für ungültig. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags aber erklärte diese Zettel alle für gültig. Nun werden icherlich bei der nächsten Wahl dänische, französische, wendische, kassubische, littauische, vielleicht auch chinesische Stimmzettel auftauchen. Arme Wahlvorstände
— Aenderungen im Betriebe bet „Kreuz-Zeitung". Berlin, 24. Mai. Die „Kreuz-Zeitung" teilt mit, daß mit Rücksicht auf gewiß« Aenderungen, die die Geschäftsbetriebe der „Kreuz-Zeitung" und zugleich die Stellung des Chefredakteurs berühren, der jetzige Chefredakteur des Blattes, Ministerial-Direktor a. D. Dr. Hermes auf seinen Wunsch demnächst aus seiner Stellung scheidet.
— Erheuchelte Entrüstung. Die badischen Sozialdemokraten haben das unwiderstehliche Bedürfnis empfunden, ihre flammende Entrüstung über die gewaltsame Entfernung des „Genoßen" . Borchardt aus dem Sitzungssaal« des preußischen Abgeordneten- ' Hauses zum Ausdrttck zu bringen. Nach einer Protestversammlung in Stuttgart zog eine rote Rotte mit roten Fahnen vor das preu- ’ ßische Gesandtschaftsgebäude und ließ sich nach dieser „heldenmütigen Demonstration" von der Polizei nach allen Windrichtungen auseinandertreiben. Man könnte über eine solche Kinderei ». einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn dieser Vorgang nicht eine recht eigenartige Illustration auf Grund folgender Tatsachen erfahren würde. Am 12. August 1909 hat nämlich die ganze sozialdemokratisch« Fraktion in der württemb«gischen Abgeordnetenkammer für die Enblockannahme der neuen Geschäftsordnung gestimmt, die dem Präsidenten die Macht gibt, renitente Abgeordnete nötigenfalls aus dem Sitzungssaale zu entfernen. Hieraus läßt stch ermeßen, wie viel Heuchelei in dem ganzen Entrüstungsrummel der schwäbischen Genoßen steckt.
— Ein plumper Berschleierungsversuch. D« sozialdemokratische Abgeordnete Scheidemann hat am Mittwoch im Reichstage unmittelbar vor der Vertagung noch den Versuch gemacht, seine berüchtigte Rede vorn 15. Mai abzuschwächen. Er bestritt, daß der radikale Flügel etwa darauf dringe, etwas mit Gewalt zu erreichen, was er erstrebt. Hält „Genöße" Scheidemann das deutsche Bürgertum wirklich für so beschrankt, daß es stch einreden laßen sollte, eine Staatsumwälzung im sozialdemokratischen Sinne wäre in Deutschland mit seinen zahlreichen, auf die treue Anhänglichkeit der Bevölkerung stch stützenden Fürstenhäusern, ohne Gewalt möglich? Kein vernünftiger Mensch wird daran glauben, daß die deutsche Bevölkerung freiwillig die heutigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältniße jemals mit diesem sozialdemokratischen Idole zu vertauschen geneigt sein würde. Man wird den sozialistischen Führern so viel Urteilsvermögen zutrauen müßen, daß ste selbst die Durch- führbarksit ihres Programms nur auf gewalttätigem Wege für möglich halten.
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Ausland.
*» Frankreich und Ne deutsch« Heeresverwaltung. Paris, 24. Mai. Einer Zeiiungsmeldung zufolge trogen stch einzelne Parlamentarier mit der Absicht, im Hinblick auf die deutsche Heeresvermehrung den Antrag einzubringen, daß für die Kavallerie und Artillerie die dreijährig« Dienstzeit wieder eingeführt wird, da hierdurch der Bestand der beritte- nen Truppen erheblich verstärkt werden könnte. Die Verletzung des Grundsatzes der Gleichheit könne vielleicht dadurch gut gemacht werden, daß man den Kavalleristen gewiß« Entschädigungen, z. B. eine Prämie von 800 Francs gewähren könne, di« auf ihre dreijährig« Dienstzeit verteilt würden. Dieser Vorteil würde viel« junge Leut« bestimmen, stch freiwillig zu den berittenen Truppen zu melde«.
** Deschanel französischer Kammerpräsident. Paris, 23. Mai. Bei der Wahl zum Kammerpräsidenten entfielen in dem ersten Wahlgang« auf Deschanel 210, auf Etienne 128, auf Tocherr, 98, auf den Sozialisten Vaillant 67 Stimmen. Zersplittert waren 23 Stimmen. Im zweiten Wahlgange erhielt Deschanel 292 Stimmen, Etiene 208 Stimmen. Des- chanel ist somit zum Kammerpräsidenten gewählt und zwar Dank den geeinigten Sozialisten, welche ihm als Anhänger des Verhältniswahlsystems ihre Stimme gaben.
" Marokko. Paris, 24. Mai. Aus Oran wird gemeldet: In Ns- droma kam es gestern anläßlich der Aufstellung des Verzeichnißes der gestellungspflichtigen Eingeborenen abermals zu lärmenden Kundgebungen. Banden von Arabern durchzogen unter feindseligen Rufen die Straßen und feuerten gegen einige von Europäern bewohnte Häuser Revolverschüße ab. Eine Schwadron afrikanischer Jäg« stellte di« Ruhe wieder her. Mehrere europäische Familien haben den Ort verlaßen. — Set Sonderberichterstatter des „Malin" in Fez meldet, Mulay Hafid habe ihm erklärt, daß es sein« unwiderrufliche Absicht sei, abzudanken, beim ei bedürfe der Ruhe. Was seinen Nachfolger anbelange, so sei die« ein« sehr einfache Frage, über die er sich mit Frankreich verständigen würde.' Bei seinem Rücktritt roerbe er das befriedigende Bewußtsein haben, allen französischen Forderungen entsprochen, alle seine Verpflichtungen gegen Frankreich erfüllt und alle schwebenden Angelegenheftau geregelt zu haben. Er teilte dem Korrespondenten ferner mit, dcUar ein Buch über die Geschichte des marokkanischen Volkes ausarbeiten roerbe, in dem er den Beweis erbringen wolle, daß die Schuld « bet Zerstückelung nicht 1 ihm beizumessen sei. - i
»s' i»Wint täglich mit Lus.uayuir oer «.an- und Feiertage. — Ter Bezugspreis betragt vierteljährlich durch die Post bezogen 5.25 <M, (ohne Bestellgeld), bei unseren Leitungsstellen
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