4
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und »Mndwirtschafüiche Vellage"
JB 121
Lrr .Xctritrfiij®# jiknunq" c.'scheint urgttch mn hu.'.ict -ne De: und Feicriage. — Ter Bezugspreis betragt vrerteijährlich durch die Post bezogen 9.25 <R (ohne Bestellgelds, oet unseren Zeitungsstellen und der Sgpebition (Marit 21) 2.00 JL frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Bnchdruckcrei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55
Marburg
Sonnabend, 25 Mai
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4i bei amtlichen und auswärtigen Singeigen 20 für Reklamen die Zeile 60 <zj. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschloffen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Rundschau.
' Zur Lösung der Deckungsfrage.
Die Partei-Presse nimmt zu der Lösung des Reichstages in ziemlicher ruhiger Weise Stellung. Die „Kreuzzeitung" schreibt: „Die Konservativen folgten bei ihrer Zustimmung dazu der alten tleberlieferung ihrer Partei, dem Vaterlande und seiner Wehrkraft jedes Opfer zu bringen, das in ihren Kräften stehe. Bemerkens-' wert war die namens der Verbündeten Regierungen von dem Reichsschatzsekretär Kühn abgegebene Erklärung, daß bis zum 30. April 1913 tatsächlich die in dem ersten Anträge der Kommission ve langte allgemeine Besitzsteuer dem Reichstage vorgelegt werden soll." — Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung": „Eine „allgemeine, den verschiedenen Besitzformen gerecht werdende" Besitzsteuer, so lautet die Formel, über der sich die feindlichen Brüder Erzberger und Bassermann „gefunden", der „schwarz-blaue" Block demonstratio in Scherben gegangen, vielleicht — so hoffen, so fürchten manche — eine allgemeine Neuorientierung unserer inneren Politik und Parteiverhältnisie sich anbahnen wird."
Auf der Linken ist man verdutzt und — enttäuscht, denn man sieht ein so „zugkräftiges" Agitationsmittel abschwimmen und man ahnt nichts Gutes. Das „B. T." sagt: „Schon die Tatsache, daß sich gestern auch noch die Konservativen „bekehrten", sollten doch stutzig machen. Und wenn man gar die Begleitmusik, das heißt die konservativen Reden hörte, so ging daraus mit aller wünschenswerten Deutlichkeit hervor, daß die Konservativen und die Klerikalen in recht geschickter Weise aus der Rot eine Tugend machen. Sie wisien, daß für die verhaßte Erbschaftssteuer eine Mehrheit vorhanden ist, und der gestrige Tag hat das auch der Regierung klar gezeigt. Jetzt kam es für die fchwarzblauen Herrschaften darauf an, den Beweis zu erbringen, daß auch für jede andere Besitzsteuer eine Reichstagsmehrheit zustande zu bringen sei. Graf Westarp von den Konservativen aber erklärte frank und frei, daß die geeigneten Steuerarten, den Besitz heranzuziehen, Dividendensteuer, Ausbau der Talonsteuer und Kotierungssteuer seien."
Sollte die „D. Tgsztg." wirklich recht haben, wenn sie behauptet, der ganze Feldzug wegen der Erbschaftssteuer sei von dieser Seite nur gemacht worden, um die Aufmerksamkeit des Volkes von diesen Steuern abzulenken, die doch gewiß keinen Armen treffen?!
Berliner Versammlungen.
Die Sozialdemokratie versteht ihr Geschäft. Auf die Lärmszenen in den Parlamenten folgen regelmäßig große Volksversammlungen, die als Echo und Resonanzboden wirken sollen. Bei den letzten vorgestrigen Versammlungen wurde eine Entschließung angenommen, die folgende anmutige von der bekannten Friedensliebe durcknvehte Worte enthält: .Die Versammlung konstatiert, daß das Parlament der Dreiklaffenschmach, das durch schnöden Wortbruch ins Leben getreten ist, durch die Nichteinführung des feierlichen Versprechens der Thronrede am Leben erhalten werden soll. Die Versammlung drückt ihre völlige Uebereinftimmung mit der Kritik aus, die die sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstag und im Landtag an dem preußischen System der Volksknechtung geübt haben, und erklärt st chmit ihnen durchaus soli- darischs" — Erfreulicherweise regt es sich nun auch auf der Gegenseite^ So berichten Berliner Blätter von einer großen Protestversammlung, die vom V. D. St. nach dem Tiergartenhof einberufen war. Es sprachen Frhr. v. Zedlitz zu Neukirch, Profeffor Schiemann, Graf Westarp, die Abgeordneten Schultz und Ramdohr. llniv.-Profeffor Geh. Rat v. Gierke führte aus: „So viel Deutschland auch auf anderem Gebiete, in künstlerischer, sittlicher Hinsicht getan hat, seine staatliche Kraft ist aus Preußen erwachsen. Warum haßt man Preußen? Man haßt in ihm die alte heilige Tradition, die starke Monarchie, die feste Ordnung, die starke Zucht und den echten deutschen Gedanken. Man will den preußischen Staat entmannen, ibm gerade das nehmen, was ihn befähigt, Führer von Deutschland zu sein. Wir sind dankbar, daß die radikale Partei ihren Haß in diesen Tagen so deutlich gezeigt hat. Kommilitonen, wir wollen diesen Haß mit Haß vergelten."
Die Erbschaftssteuer.
Zu der Frage Wehrvorlage und ihrer Deckung hat sich der frei- konservative Abg. Arendt in intereffanter Weise in der „Post" geäußert. Wir entnehmen diesem Artikel folgendes:
. . . Daß der Kampf um die Erbschaftssteuer mit deren Einführung endet, war 1909 bereits zweifellos. So sicher, wie das Reich immer und immer wieder Finanzbedürfniffe haben wird, so sicher ist es auch, daß die überwiegend volkstümliche Steuer, für welche der gegenwärtige Reichstag eine entschiedene Mehrheit aufweist, auf die Dauer gar nicht abzuwenden ist. Es sind nicht die Freunde, es sind die Gegner der Erbschaftssteuer, die dereinst darüber klagen werden, daß sie die schwersten Opfer brachten, um das Unabwendbare zu hindern. Während man im Lande behauptet, daß die Agrarier aus kraffem Eigennutz die Erbschaftssteuer ablehnten, trägt schon jetzt an den Ersatzsteuern die Land-' wirtschaft viel schwerer als sie an der Erbschaftssteuer von 1909 jemals zu tragen gehabt hätte. Die Landwirtschaft hat die Erhöhung des Umsatzstempels für Grundstücke samt der Wertzuwachssteuer erhalten, sie trägt die Kosten bei der Aenderung der Branntweinsteuer und bei der beabsichtigten Aufrechterhaltung der Zucker- steuer — das mobile Kapital trägt diesmal gar nichts bei, und 1909 hat es weniger neue Lasten erhalten als der Grundbesitz. Es
wäre vom reinen Jntereffenstandpunkt aus sicher für den Grunds besitz vorteilhafter gewesen, wenn 1909 die Erbschaftssteuer zustande kam. Man sollte deshalb doch anerkennen, daß der Widerstand gegen die Erbschaftssteuer auf politischen und prinzipiellen, nicht aber auf klaffenegoistischen Gründen beruht. Ist aber wirklich die Erbschaftssteuer die „sozialgerechteste Steuer", ohne deren Annahme der soziale Friede nicht hergestellt werden kann, wie ihre Anhänger behaupten, oder ist sie so ganz unerträglich und unannehmbar, wie ihre Gegner behaupten? Können es die eifrigsten Anhänger oder die schärfsten Gegner der Erbschaftssteuer verantworten, daß dieser Streit den inneren Frieden Deutschlands dauernd gefährdet und die wachsende Feindschaft zwischen den bürgerlichen Parteien der Sozialdemokratie immer größere Vorteile bringt, so daß wir schließlich selbst zu der Gefahr von Verfassungskonflikten und Revolutionen geführt werden? Es ist wohl kaum jemals eine Frage so übermäßig aufgebauscht worden, in Wahrheit ist die Erbschaftssteuer an sich keine erfreuliche Steuer, sie ist aber andererseits in der Form der Vorlage von 1909 eine ertragbare Steuer. . . Wenn die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf die Kinder sich auf die wohlhabenden Klaffen beschränkt und eine ausreichende Sicherheit für die Heranziehung des mobilen Kapitals geboten wird, so fällt ein erheblicher Teil der Gründe gegen die Erbschaftssteuer fort. Sie wird damit keineswegs eine wirklich sozial gerechte Steuer, denn sie wirkt da am schärfsten, wo Krankheit und Tod häufiger eintritt und die Leistungsfähigkeit mithin eine geringere ist. Aber einen Kampf, bei dem die wichtigsten vaterländischen Interesien aufs Spiel gesetzt werden, um ihretwillen zu führen, das ist Partei-, aber nicht Vaterlandspolitik. Es ist durchaus verständlich, daß die Parteien, welche im härtesten Wahlkampfe standen, weil sie 1909 die Erbschaftssteuer ablehnten, es nun aufs bitterste empfinden würden, wenn 1912 dis Erbschaftssteuer ihnen wieder gegenübergestellt wird. Wenn aber, wie jetzt Anforderungen der Landesverteidigung neue Steuern nötig machen — dann wären Zentrum und Konservative nicht die Besiegten, sondern die Sieger, wenn sie bewiesen, daß ihrer Vaterlandsliebe kein Opfer zu groß ist. . . Wenn aber die Erbschaftssteuer durchgeführt sein wird, dann geht's der Linken wie mit der Liebesgabe — ein Schlag- und Hetzwort zur Bearbeitung der Wählermaffen geht ihr verloren, und die nüchterne Wirklichkeit stellt sich völlig anders dar, als gutgläubige Leser liberaler Leitartikel es sich vorgestellt Haden."
----♦----
Der Stapellanf des „Imperator*.
„Imperator", der neueste Dampfer der Hamburg-Amerika- Linie, das zur Zeit größte Schiff der Erde, ist gestern, wie schon gemeldet, glücklich vom Stapel gelaufen. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich zu dem Festakt eingefunden. Der Kaiser selbst kam mit Gefolge morgens 8 Uhr 20 Min. auf dem Dammtorbahn- bof an, wo er von dem preußischen Gesandten v. Bülow und dem Hamburger Bürgermeister empfangen wurde. Er begab sich mit seiner Begleitung sofort nach den Landungsbrücken und ließ sich in der Staatsbarkasse nach der Werft übersetzen. An den Landungsbrücken traf er mit Herzog Albrecht von Württemberg zusammen, der kurz vorher mit dem Ehef der Hochseeflotte Admiral v. Holtzen« dorsf, aus Brunsbüttel eingetroffen war. Die Herrschaften kamen gegen 9 Uhr nach kurzer Fahrt durch den reich mit Flaggen geschmückten und mit Schiffen, die über Top geflaggt hatten, besetzten Hafen, am Werft Höft an, wo sie in einem gelb ausgeschlagenen Pavillon von den leitenden Herren der Werft und der Hamburg« Amerika-Linie begrüßt wurden. Der Kaiser begab sich mit seiner Begleitung sofort zur Taufkanzel, wo der präsidierende Bürgermeister Burchardt das Wort zur Taufrede ergriff, in der er ausführte, daß er jetzt schon zum dritten Male Gelegenheit habe, einem Schiffe der Hamburg-Amerika-Linie das Geleitwort mit auf den Weg zu geben. Mit dem 1899 in Stettin vom Stapel gelassenen, für Ostafien bestimmten Dampfer „Hamburg" hab« die Gesellschaft den ersten Schritt auf neuer verheißungsvoller Bahn getan. Sie bekundete damit, daß sie von nun an überall da in Wettbewerb treten werde, wo es gelte, neue Wirtschaftsgebiete über See zu erschließen oder erschlossene ertragreicher zu gestalten. Mit dem Dampfer „Kaiserin Augusta Viktoria", der 1905 seinem Elemente übergeben wurde, habe die Hamburg-Amerika-Linie einen neuen glanzvollen Typus ihrer Flotte einverleibt. „Aber die Zeit schreitet fort, die Ansprüche wachsen, nach wenigen Jahren galt es wiederum neues zu schaffen, mächtigem Wettbewerb in oft erprobter und doch jugendlich gebliebener Tatkraft zu begegnen. In seinen gewaltigen Abmeffungen ragt das neue Schiff empor aus der Menge aller übrigen deutschen Scbfffe, wie der Sterne Schar um die Sonne sich stellt, wie der Kaiser dasteht unter Deutschlands Fürsten. Schon jetzt ist es ein Triumph deutscher Schiffbaukunst, ein Beweis zuversichtlicher Verkehrsfreudigkeit, erfolgreichen deutschen Wettbewerbs und zukunftsfroher Machtstellung auf allen befahrenen Meeren. Vor allem aber stellt dies Schiff sich dar als eine Schöpfung hochkultivierter Friedenszeit und des unter dem Schutze der Kaisermacht blühenden selbstbewußten deutschen Bürgertums."
Der Kaiser sprach hierauf die wenigen Worte: „Ich taufe dich Imperator" und ließ die Flasche mit Schaumwein am Bug des Schjffes zerschellen. Dann brachte Bürgermeister Burchardt das Kaiserhoch aus, das die Kapelle des Infanterieregiments Hamburg begleitete und über die Werft und den ganzen Hafen hinweg brausenden Widerhall fand. Alsdann begab der Kaiser sich an Bord eines Salondampfers nach dem gegenüberliegenden Ellerholzhöft, von wo aus der Ablauf des Schiffes in seiner ganzen Ausdehnung
zu beobachten war. Um 9 Uhr 45 Min. lief das mächtige Schiff, an Bug und Heck mit Girlanden und am Achterdeck mit der Hapag«
flagge geschmückt, glatt und ohne den geringsten Zwischenfall vom Stapel, von tausendstimmigen Hochrufen begleitet, als das mächtige Heck die Wogen der Elbe hoch aufwühlte. Damit war der ein
fache, aber eindrucksvolle Akt beendet. Nach dem Stapellauf wurde der Kaiser vom Bürgermeister Burchardt nach der preußischen Gesandtschaft geleitet, von wo er sich zu einem Frühstück in das Haus
-r--------
des Bürgermeisters Burchardt begab. Bei dieser Gelegenheit überreichte Generaldirektor Ballin dem Kaiser im Namen der Hamburg-Amerika-Linie ein in Silber ausgeführtes Modell des „Imperator". Am Nachmittag reiste der Kaiser vom DammtorLahnhof nach Wildpark zurück.
Deutsches Reich.
— Des Kaisers Beileid. Berlin, 23. Mai. Wie man erfährt, ließ der Kaiser gestern durch den Gesandten v. Jenisch dem Geschäftsträger der russischen Botschaft Schebeko und den Mitgliedern der Botschaft telegraphisch aus Homburg v. d. H. sein tiefempfundenes Beileid anläßlich des Ablebens des Botschafters v. d. Osten- Sacken ausfprechen, dessen verdienstvolle Tätigkeit Se. Majestät stets warm anerkannte.
— Der Nachfolger des Frhrn. Marschall v. Bieberstein. Berlin, 23. Mai. Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge ist als Nachfolger des Botschafters in Konstantinopel, Frhrn. Marschall v. Bieberstein, der Gesandte in Athen, Frhr. v. Wangenheim in Aussicht genommen.
— Aus dem Abgeordnetenhaus«. Berlin, 23. Mai. Das Preußische Abgeordnetenhaus nahm das Besitzbefestigungsgesetz in dritter Lesung endgiltig in namentlicher Abstimmung mit 212 gegen 99 Stimmen an. — Der Landtag stimmte nach kurzer Debatte dem Anträge des Staatsministeriums auf Vertagung des Landtages vom 8. Juni bis zum 22. Oktober zu.
— Ein Nachfolger des Herrn Kämpf? Wie verlautet wird Herr Kämpf den Ausgang der beschloffenen Untersuchung in Sachen seines Mandates nicht abwarten, sondern sogleich zurücktreten. Es hätte dann Neuwahl staitzufinden, bei der er vielleicht nicht wiedergewählt würde. Man ist auch schon um einen Nachfolger auf dem Präsidentenstuhl besorgt und zwar ist es der Demokrat von Payer, der gegenwärtig in Berlin weilt trotz der Tagung des würt- tembergischen Landtages, dem er als Präsident angehört. Von freisinniger Seite wird die Vermutung, Herr v. Payer solle Herrn Kämpf ersetzen, bestritten. Vorläufig ist ja auch im Reichshaufe auf ein halbes Jahr Ruhe. Herr Kämpf hat sich freilich nicht mit Ruhm bedeckt.
— Vermehrte Hinterbliebenenfürsorg« für die Eisenbahnbeamte«. Wie mitgeteilt wird, ist die Durchführung einer vermehrten Hinterbliebenenfürsorge für die Eisenbahnbeamten so gut wie gesichert. Die vom Verbände der Eisenbahnvereine für Preußen und das Reich geplante Gründung einer Hilfskaffe, der gegenüber sich der Minister ablehnend verhielt, ist mit Sicherheit zu erwarten, da der Minister sich auf Grund der vorgelegten Versickierungstech- nischen Gutachten und unter Würdigung der ausführlichen Begründung der Notwendigkeit und der als sicher zu erwartenden Lebensfähigkeit bereit erklärt hat, unter gewiffen Umständen feine Bedenken fallen zu lassen. Bedingung ist, daß alle erforderlichen Vorsichtsmaßregeln zum Schutze der Kaffe gegen Aufnahme schlechter Risiken getroffen werden und daß ein anfänglicher Bestand von 1000 Mitgliedern nachgewiesen werden kann. Bei der großen Zahl der Eisenbahnbeamten stehen der Aufbringung der geforderten Mindest-Mitgliederzahl kaum Schwierigkeiten entgegen, zumal die Bedeutung der geplanten Kaffe allgemein anerkannt wird. Besonders für die Oberbeamten ist die Gründung der Hilfskaffe von Bedeutung, da die Hinterbliebenen der in jüngeren Dienstaltern verstorbenen Oberbeamten den meisten Schwierigkeiten ausgesetzt sind, weil es ihnen am schwersten fällt, einen ihrer Vorbildung und ihren sozialen Verhältniffen entsprechenden Nebenerwerb zu finden. Die in einzelnen Bezirken angestellten Erhebungen haben überaus günstige Resultate ergeben. Es stellte sich heraus, daß die vorgesehenen Beiträge und Renten selbst bei einer verhältnismäßig kleinen Mitgliederzahl einen so guten Abschluß ergeben, daß noch ungefähr 11 % der Beiträge als Sicherheitszuschlag zur Verfügung stehen. Es kann also ein nicht unerheblicher Ausgleichsfond erwartet werden, aufgrund deffen in absehbarer Zeit nach der Kassengründung eine Rentenerhöhung erhofft werden darf.
— vom Hansabund. Berlin, 23. Mai. Gemeinsam mit Assessor Dr. Kleefeld wird der Reichstagsabgeordnete Legationsrat a. D. v. Richthofen Geschäftsführer des Hansabundes sein. Das Mitglied des Direktoriums Dr. Stresemann übernimmt als wirtschaftlicher Beirat die Bearbeitung wichtiger Fragen betreffend Handel und Industrie, ferner solche Fragen, welche diese Stände und die Angestellten gemeinsam berühren. Die Leitung der Arbeiten für das Handwerk übernahm das Mitglied des Direftoriums Obermeister Kniest, Vorsitzender des Jnnungsausschuffes in Cassel.
— Das neue Zeppelin-Luftschiff für das Heer. Friedrichshafen, 22. Mai. Das Luftschiff „Z. 3" hat seine Werkstättenfahrt beendet. Ende dieses Monats wird seine Ueberführung nach Hamburg erfolgen. Don Hamburg aus wird es Fahrten über die See unternehmen. Die Uebernahme durch die Heeresverwaltung erfolgt Anfang bis Mitte Juni.
— Religion und Politik. Die „Freisinnige Zeitung" berichtet über die Tätigkeit des freisinnigen Vereins in Leipzig und bemerkt in diese» Zusammenhänge ganz stolz: „Auch der Vorttagsabend am 29. April, an dem Pfarrer a. D. Jatho (Köln) vor 3000 Personen über „Geschichtliche, und persönliche Religion" sprach, hat di« Fortschrittliche Volkspartei wrtt