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mit dem

und den Beilagen:Nach Feierabend",

Fürs Haus" und »Zandwirtlchaftliche Beilage".

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TieCbirheff:f®< Scttung" trWtnt täglich mit &ufnai>me ver evnn« und Feiertage. Der Bezugspreis betrögt vierteliahrlich durch die Post bezogen S.25 Jt lohne Bestellgelds, bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei ins HauS. (Für unser, l-mcit zugeiaudte Manuskripte übernimmt die Nedaktnm keinerlei Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 58__

Marburg

Sonnabend, 18 Mai

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Frankfurt a. M. V

47. Jahr-.

1912.

7 Erstes Blatt

Ter Kaiser und die Ellaß-Lot'rliWr.

Die scharfen Worte des Kaisers über Elsaß-Lothringen sind bis fetzt nicht dementiert. Er scheint sich also bei dem Frühstück in der Tat so geäußert zu haben und zwar gegenüber dem Bürger­meister Dr. Schwander-Straßburg in Gegenwart verschiedener reichsländischcr Abgeordneter und von diesen wohlverstanden. Durch eine Indiskretion des Präsidenten der Zweiten Kammer Dr. Ricklin oder eines anderen Parlamentariers soll die An­gelegenheit in die Oeffentlichkeit gekommen sein. Später ließ der Kaiser sich das Mitglied der Ersten Kammer, den früheren Reichs­tagsabgeordneten Dr. Vonderscher, rorstellen und unterhielt sich mit ihm in sehr ernsthafter Weise längere Zeit über dasselbe Thema. Nach demVerl. Lok.-Anz." soll der Kaiser in nachdrück­lichen Tönen gesagt haben:Hören Sie einmal, Sie haben uns bis jetzt hier nur von der guten Seite kennen gelernt. Ich kann Ihnen aber sagen, daß Sie uns auch von der anderen Seite kennen lernen können. Das kann so nicht weitergehen hier. Wenn die Dinge aber so weitergehen, dann heben wir einfach die Verfassung auf und verleiben Sie Preußen ein."

In Frankreich werden die Worte des Kaisers, wie ja alles, was mit dem Elsaß zusammenbängt, eingehend besprochen, und es tritt dabei, wie ein Berliner Blatt schreibt,der Grundirrtum zutage, daß der französischen Diplomatie ein wesentliches Verdienst um die Einführung der Verfassung für die Reichslande zugesprochen wird. Diese Verfassung bildete, so hört man hier sagen, eine der Voraus­setzungen für die Anbahnung eines relativ besseren Einvernehmens zwischen Deutschland und Frankreich. Darum dürste man in Ber­lin die den Reichslanden gemachten Zugeständnisse nur dann auf- heben, wenn die Aufrechterhaltung der mühsam errungenen an­genehmeren geschäftlichen Deziebunaen zu Frankreich nicht mehr zu den Richtlinien der deutschen Politik gehören sollte."

Man braucht sich wohl über derartige, bestenfalls törichte Vorstellungen nicht weiter aufzuregen. Sie verdienen aber, nie­driger gehängt zu werden, zum Zeichen dafür, wie nötig es ist, im Elsaß eine stramm deutsche Politik zu treiben. In Deutschland haben die Worte des Kaisers das Echo gefunden, das man erwarten durfte. Viele sehen wieder eine Gelegenheit, dem Kaiser den Mund zu verbieten. Lang und breit wird erörtert, daß der Kaiser doch gar nicht die Macht habe, aus dem Elsaß eine preußische Provinz zu machen usw. Mit Verlaub, es ist anzunehmen, daß das der Kaiser auch gewußt hat. Er hat eben in unterhaltendem Ge- sp räch dem Unwillen Ausdruck geben wollen über die Art, wie die Elsaß-Lothringer speziell in der letzten Zeit trotz der vielen staats­rechtlichen Zugeständnissen sich gebärden. Und damit hat er allen Deutschen erfrischend <us dem Herzen gesprochen. Welche staats­rechtlichen Scklußfolgerungen die Regierung aus dem Ver­halten der Elsaß-Lothringer ziehen wird, darüber hat der Kaiser kaum etwas sagen wollen. Das wird auch in verfassungsmäßiger Form erledigt werden. Desten darf man sicher fein.

Mit Bedauern muß ja festgestellt werden, daß die Befürchtungen eingetroffen sind, welche man seinerzeit zur Ablehnung der el-ah- lothringischen Versasiungsfrage geltend gemacht hatte. Es handelt sich hier nicht um Fragen der Form und der Etikette, sondern um eine Lebensfrage und eine Frage der Ehre des Deutschen Reiches. Es ist wirklich hohe Zeit, daß die Elsaß-Lothringer in der Praxis kennen lernen, daß sie für das Deutsche Reich da sind, aber nicht das Deutsche Reich für die Erfüllung ihrer politischen Launen und zur Duldung ihres reichsfeindlichen Gebarens. Sehr treffend schreibt in diesem Sinne auch dieTägl. Rundschau":Es wird nicht an Stimmen fehlen, die sich in Bedenken aller Art erschöpfen werden. Man würbe aber mit dieser Kritik nur dieser sehr berechtigten und sehr ernsten kaiserlichen Mahnung Abbruch tun, ohne dem Wesen und dem Hauptinhalt der kaiserlichen Worte gerecht zu werden. Was heute schon erkannt werden muß, in Deutschland sowohl wie namentlich in Elsaß-Lothringen, das ist, daß es so nicht weiter- gehcn kann, und daß es sich das Deutsche Reich nickt aus die Dauer gefallen lasten kann, daß das Reichsland in offener Auflehnung und in grimmer Verspottung und Verhöhnung aller ihm erwie­senen Wohltaten sich Kaiser und Reich gegenüberstellt. Das sollen die Elsaß-Lothringer endlich bedenken, und wenn sie der kaiserliche Faustschlag aus ihren Selbständigkeitsphantasten und ihrer Fran- zosenäfferei aufschreckt, so hat er seine Wirkung getan."

DerVorwärts" freilich nennt die Worteverfastungswidrige Drohung", und dasB. T." findet sie unverantwortlich und ähn­lich die anderen Eesinnungsgenosten. Sie fasten dabei die Worte des Kaisers als fix und fertiges Regierungsprogramm auf und lasten stch die Gelegenheit zu politischen Staatsaktionen nicht aus der Hand gehen. DerVorwärts" meint sogar:Die Drohungen richteten stch auch gegen die Reichsverfastung. Bei der Beratung des Etats des Reichskanzlers am nächsten Freitag werde stch Ge­legenheit bieten, die Angelegenheit zu erörtern. Man müsse vom Reichstag fordern, daß er diesmal die Ablehnung des persönlichen Regiments-gründlich, und ohne sich einschüchtern zu lasten, voll­ziehe. Herr v. Bethmann-Hollweg aber habe klare Antwort zS geben, ob er die Verfassung und die Rechte des Parlaments zu wahren imstande sei oder als willenloser Höfling seines Herrn die Ueußerungen decken wolle." Huh?

Die Parlamente und das Kaiserwort.

Im Reichstage hat der Welfifche Abgeordnete Colshorn, der ßn Melle-Diepholz für den früheren Abgeorneten Wachhorst de toente gewählt worden ist, folgendekurze Anfrage" eingebracht:

Ist dem Herrn Reichskanzler der authentische Wortlaut der Kund­gebung Sr. Majestät des Kaisers und Königs von Preußen vom 13. Mai an den Bürgermeister von Straßburg i. E., Dr. Schwandet, bekannt, welche eine eventuelle Aufhebung der elsaß-lothringischen Verfassung und eine eventuelle Einverleibung Elsaß-Lothringens in Preußen zum Gegenstand gehabt haben soll? Ist der Herr Reichskanzler in der Lage, dem Reichstage den authentischen Wort­laut dieser kaiserlichen Kundgebung bekannt zu geben, und über­nimmt der Herr Reichskanzler die verfastungsmäßige Verantwor­tung für dieselbe?"

Straßburg, 15. Mai. Die Zentrumsfraktion der Zweiten Kammer brachte einen Antrag auf Aufhebung des § 28 der Ver­fassung ein. Dieser Paragraph sieht vor, daß eine Verfassungs­änderung nur mit Genehmigung des Reichstags erfolgen kann. Bei der Beratung dieses Antrags soll auch eine Besprechung der auf die Versastung von Elsaß-Lothringen bezüglichen Aeußerungen des Kaisers erfolgen.

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Ter Tod des Königs von Dänemark.

Der plötzliche Tod des Königs von Dänemark hat überall großes Bedauern hervorgerufen. Der deutsche Kaiser hat seine Teilnahme an den Wiesbadener Festlichkeiten sofort abgesagt. In Kopenhagen, wo man sich anschickte, in diesen Tagen große Früh- lingsfeste zu feiern, ist die Trauer eingekehrt.

Der Sohn des Königs, Harald, ist gestern mittag in Be­gleitung des Kammerherrn von Bull Korsoer und Kiel nach Ham­burg abgereist. Der Leichnam des Könias wurde nach Trckvemünde gebracht, wo er unter großen Feierlickkeiten auf dieDanebrog" übergefübrt wurde. Der verstorbene König Friedrick VITT. W. am 3. Juni 1843 geboren und feit 43 Jahren mit Prinzessin Louisa von Schwedenvermählt. Am 26. Januar 1906 gelangte er zur Regie­rung. Er bat 8 Kinder gebabt, von denen noch 7 am Leben sind. Der zweite Sohn, Prinz Karl, ist als Haakon VIT. feit dem 18. No­vember 1905 König von Norwegen. Der bisherige Kronprinz Christian Earl Friedrich Albert Alexander Wilhelm ist am 26. September 1870 geboren, seit 14 Jahren mit Alexandrine Herzogin zu Mecklenburg vermählt.

Der verstorbene König war ein Freund des Kaisers Friedrich. Sein Verhältnis zum Deutschen Reiche war ein andauernd freund­liches, wenn er auch den Dänen Schleswigs gewiste Sympathien entgegenbrachte. Die Nominierung des neuen Königs ist bereits erfolgt. lieber den plötzlichen Tod des Königs Friedrich VIII. liegen noch folgende ausführliche Meldungen vor:

Hamburg, 15. Mai. Der König, der am Montag abend hier eingetroffen und im Hamburger Hof abgestiegen war, verließ gestern abend gegen 10 Uhr ohne Begleitung seinen Gasthof, um sich in der Stadt zu ergehen. Er trug einen Jackettanzug und unterschied sich im Aeußern von den andern Pastanten durch nichts. Unterwegs fühlte er sich plötzlich von Unwohlsein befallen und drohte ohnmächtig hinzusinken. Ein Schutzmann sprang schnell hinzu, unterstützte den fremden Herrn und rief eine Droschke herbei mit der Weisung, den Ohnmächtigen nach dem Hafenkrankenhaus zu fahren, da der König keine Angaben mehr machen konnte. Schon unterwegs trat der Tod ein, und zwar durch Herzschlag. Die Leiche wurde dann im Hasenkrankenhause niedergelegt. Als der König in den frühen Morgenstunden noch nicht in das Hotel zurückgekehrt war, setzte sich seine Begleitung mit der Hotelleitung in Verbin­dung, um Nachforschungen anzustellen. Zunächst wurden die in Betracht kommenden Lokale der Stadt abgesucht und alsdann die einzelnen Polizeireviere benachrichtigt, die nun ihrerseits Ermit­telungen anstellten. Als man beim Hafenkrankenhause anfragte, hörte man, daß nachts die Leiche eines unbekannten Herrn aus offensichtlich ungesehenem Stande eingeliefert worden sei. Der Augenschein ergab auf den ersten Blick, daß es der vermißte König war. Die Leiche wurde nunmehr in das Hotel zurückgebracht und oufgebahrt.

Hamburg, 15. Mai. Der Gynäkologe Dr. Ludwig Seelig- mann teilt mit: Gestern abend gegen 1411 Uhr sah ich einen älteren Herrn auf der Treppe der Scklächterei Bürk neben dem Casä Opera sich niederlaffen, da er sich leidend fühlte. Ich richtete ihn auf und fragte nach feiner Wohnung. Der Herr entwertete: Ich wohne im Hamburger Hof Mein Anerbieten, ihn in einem Wagen dorthin zu geleiten, lehnte er mit dem Bemerken ab, daß er sich wieder wohler fühle und zu Fuß geben werde. Nach einigen Schritten brach er zusammen. Ich suchte ihm aufzuhelfen und kon­statierte, daß er schon ohne Puls war. Dem ersten Scklaganfall mar offenbar sehr rasch ein zweiter gefolgt, der den Tod herbei- führte. Ich sorgte sofort für die Ueberführung in ein Kranken­haus.

Kopenhagen, 15. Mai. Als der erste-Kammerdiener des Königs von dem Tode hörte, bekam er einen Schlaoa-mll und wurde ins Hospital gebracht.

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Deutsches Reich-

Der Ueberfall der Franzosen ans die deutsche Farm in Marokko.

Dresden, 14. Mai. Zu bet Nachricht französischer Blätter, baß bie Farm Renschenhausen in Marokko Deserteure versteckt habe, hat Abolf Renschhausen in Koetzenschenbroda von seiner Firma in Tanger folgendes Telegramm er halten: Französische Pleste- nachrichten sinb unzutreffenb. Unsere Leute in Blaab-Bestam ver­neinen aufs bestimmteste, Deserteure auf der Farm versteckt zu haben. Am 7. Mai hat bie französische Gesandtschaft in Tanger auf Grund der vom kaiserlichen Gesandten Freiherrn v. Seckendorfs

gemachten Vorstellungen durch Eilboten vom französischen Kom­mando Aufklärungen verlangt. Die sind bis heute nicht eingetrof­fen, obgleich die Antwort bereits am 10. Mai hätte in Tanger fein können.

Woher die Herren Franzosen bie Behauptung, baß auf bei Farm Deserteure versteckt gewesen seien, haben, ist nicht einzusehen, ba sie boch angeblich noch keine Nachrichten erhalten haben. Im übrigen lasten sie den deutschen Gesandten reichlich warten.

Bom Kaiser. Metz, 15. Mai. Das Manöver bei Mör- chingen war um 1 Uhr mittags zu Ende. Der Kaiser hielt darauf eine Besprechung mit den Offizieren ab. Bei seinem Ritt durch Mörchingen wurde er von den Vereinen und Schulen lebhaft be­grüßt. Der Kaiser nahm daraus einen Vorbeimarsch des Armee­korps und der bayrischen Brigade ab und nahm militärische Mel­dungen entgegen. Er begab sich hierauf mit dem Hoszuge nach Amanweiler. Als die Nachricht von dem Ableben des Königs von Dänemark kam, ordnete der Kaiser an, daß der vorgesehene Besuch von Wiesbaden und Frankfurt a. M. aufgegeben werde. Er begab sich am Mittwoch abend nach Homburg v. d. H., wo er am Donnerstag morgen 7 Uhr mit großem Gefolge auf dem Staats» bahnhos eintraf. Zum Empfange waren erschienen Prinzessin Vik­toria Luise, Oberhofmeister Frhr. v. Mirbach, Kammerherr Frhr. o. Spitzenberg, Oberbürgermeister Lübke. Nach herzlicher Begrü­ßung wurde die Fahrt nach dem Königlichen Schlosse angetreten. Am Gottesdienste, der vormittags in der Erlöserkirche stattfand, nahmen das Kaiserpaar und Prinzession Viktoria Luise teil. Infolge der Absage des Kaisers find sämtliche städtische Festlich­keiten in Frankfurt, die für Dienstag den 21. Mai angesetzt waren, aufgehoben worden. Oberbürgermeister Adickes will versuchen, nach Rücksprache mit dem Oberhofmarschallamt den Kaiser zu be­wegen, an einem späteren Termin zu den Festlichkeiten nach Frank­furt zu kommen. In Wiesbaden, das bereits vollen Festschmuck angelegt hat, finden, obwohl der Kaiser nicht nach dort kommt, die Festspiele im Hostheater doch statt; nut das Galakonzert im Kurhaus und die Kaiserparade fallen aus.

Grafenstaben in der BudgetkommUfion des preußischen Ab- geordnetenbauses. In der Budaetkommission des preußischen Ab­geordnetenhauses erklärte Minister v. Breitenbach, er habe den Auftrag, den diesjährigen Anteil der Grafenstadener Werke zurück­zuhalten, da die von der elsaß-latbringilchen Reaierung erbetenen Aufklärungen über das Werk dxe deutschfeindlichen Bestrebungen der Direktion klar erwiesen hätten. Daher könnten weitere Staatsaufträge nur unter Zusicherung der Garantien, daß diesen Uebelständen abgeholfen werde, erteilt werden. Sie definitiv ganz zu entziehen, habe bas Interesse bet großen Arbeiterschaft zu Be- denken Anlaß gegeben. Auf btf» Einschreiten des Ministers seien durch bie Generaldirektion ber elsässischen Staatsbahn bündige Garantien gefordert worden.

Die Wahl Wermuths zum Oberbürgermeister. Berlin, 15. Mai. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten erfolgte die Wahl des neuen Oberbürgermeisters. Es wurden 116 Stimm­zettel abgegeben, darunter 42 weiße und ein ungiltiger. Von 73 gütigen Stimmen entfielen 72 auf Staatssekretär a. D. Wermuth, der somit gewählt ist.

Zum Besuch des deutschen Geschwaders in Amerika. Rew- york, 16. Mai. Das Bürgerkomitee gab ein längeres Festpro­gramm zum Besuch des deutschen Geschwaders bekannt. Am 10. Juni gibt die Stadt den deutschen Gästen zu Ehren ein großes Bankett, am 11. Juni find bie Offiziere bes deutschen Geschwaders? Gäste von James Speyer auf besten Landsitz, am Abend desselben Tages Gäste Cornelius Vanderbilds. Die deutschen Vereine stellten gleichfalls ein gemeinsames Festprogramm auf.

Der Fall Dreßler. Stallupönen, 15. Mai. Zu dem Fall Dreßler Haden dieOstdeutschen Erenzboten" aus russischer Quelle Nachrichten erhalten, Dreßler sollte von Kowno nach Suwalki über­geführt worden fein. Dieser Umstand dürfte zu der Annahme, daß die Freilasiung bereits angeordnet sei, geführt haben. In Suwalki solle demnächst vor dem Prokureur eine gerichtliche Verhandlung gegen ihn ftattfinben. Anbererseites rnieber verlaute, baß man bie Freilassung Drcßlers zum 19. Mai, am Geburtstage des Zaren erwarte. Wie von russischer Seite weiter versichert wirb, habe bie bisherige Untersuchung ber russischen Behörden keinerlei Beweis für die Schuld Dreßlers erbracht. Auch die bei einem Photographen, einem Agenten und einem jüdischen Speisewirt in Kibarty vor- genommenen Haussuchungen unter Leitung einer gerichtlichen Kommission aus Suwalki sind ergebnislos verlaufen. Dreßler sollte mit diesen Personen in Verbindung gestanden und von ihnen Material erhalten haben. In Wirklichkeit ließ er sich bei dem Pbotographen einmal photographieren, die beiden anderen kenne er überhaupt nicht.

Eine Erkrankung bes Kardinals Kopp. Wie dieSchief. Vokksztg." mitteilt, erkrankte Kardinal Kopp letzter Tage an fieberhaften Erscheinungen. Das Konsilium der behandelnden Aerzte stellte Mittwoch vormittag eine Blinddarmreizung fest, er­achtete aber einen operativen Eingriff nicht als erforderlich.

Ein neuer Deckungsvorschlag bes Zentrums. In der Budget­kommission hat das Zentrum beantragt, folgende Bestimmung über die Deckung der Kosten der Verstärkung von Heer und Flotte an­zunehmen:Der Zeitpunkt für die Herabsetzung bet Zuckersteuer wird unter Aufhebung bes Artikels 5 bes Gesetzes betreffend die Aenderung im Finanzwesen vom 15. Juli 1909 (gemeint ist damit die sog. große Finanzreform) auf den 1. Oktober 1916 festgesetzt.* Bei der Finanzreform von 1909 ist bet Termin bet Herabsetzung ber Zuckersteuer von 14 auf 10 «M, auf ben 1. April 1914 festgesetzt worden. Die jetzt beantragte Hinausschiebung dies» Termin» eifc