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Letzte Nachrichten.

Jjrlin, 14. Mai. Zn Wansee starb an den Folgen eines Schlaganfalles der Professor an der Universität Leipzig, Dr. Raoul Nichter, Sohn des Malers Gustav Richter und seiner Frau Kor- nelie geborene Meyerbeer.

Berlin, 14. Mai. In der Kantine der Patzendorfer Brauerei kam es heute zwischen den Mitfahrern Krussek und Klostermeyer zu Streitig­keiten. in deren Verlauf Krusseck seinem Gegner so heftig mit drei leeren Bieraläsern auf den Kopf ichlug, daß jener in kurzer Zeit seinen Ver­letzungen erlag. Der Täter stellte sich selbst der Polizei.

Prag, 14. Mai. Zn Asch begingen ein Isijähriger Bursche und ein ISjähriges Mädchen Doppelselbstmord. Zn ihren Abschieds- briefen an ihre Eltern gaben sie unglückliche Liebe als Grund an.

Rogent sur Marne, 14. Mai. Die beiden Automobilbanditen Dallet und Garnier sind in einem Hause eingeschlosien und werden von Polizei­mannschaften belagert. Die Verbrecher feuern mit Gewehren auf die Menge und di« Beamten. Ein Polizeibrigadier route verwundet ins Hospital transportiert. Die Belagerung der Banditenvilla dauert« um 10% Uhr noch fort. Di« von der Polizei vom Eisenbahnviadukt aus geschleuderten Bomben haben zwar das Dach stark beschädigt, aber di« Billa selbst steht noch zum großen Teil. Garnier und Ballet, welche sich zuerst in den Kellerraum geflüchtet hatten, kletterten dann auf den Dachboden und begannen von neuem zu feuern. Gendarmen und Zuaven drangen in ein Nachbarhaus ein und beschossen die Banditenvilla, jedoch allem Anschein nach obne Wirkung. Polizeipräsident L^in« telephonierte an das Pariser Feuerwehrkommando um elektrische Scheinwerfer, um eine wirksame Beschießung der Banditen zu ermöglichen. Ferner wurde das Zeughaus in Vincennes um Dvnamitpatronen ersucht, mit denen das Haus in die Luft gesprengt werden soll, doch ist es möglich, daß man damit bis zum Tagesanbruch wartet. Aus der ganzen Umgegend strö­men unaufhörliche Neugierige herbei. Aus den Zügen, welche den Via­dukt oberhalb der Banditenvilla pallleren, rufen die Reisenden:Nieder mit den Banditen! Di« Villa, roelaje von den Verbrechern kürzlich um den Preis von 400 Francs gemietet worden war, liegt in der Nähe der Marne in einer Gruppe von kleinen Landhäusern, die im Sommer von Fischereiliedhabern bewohnt werden.

Eitschin, 14. Mai. Unmittelbar nach der Theatervorstellung schoß die Sängerin Sudoma auf bett Schauspieler Wrba und ver­letzt« ihn tödlich. Sodann kehrte sie die Waffe gegen sich selbst und brachte sich einen tödlichen Schuß bei. Das Motiv soll unerwiderte Liebe sein.

Konstantinopel, 14. Mai. Die Hafenbehörden erklärten den Schiffsagenten, die Durchfahrt durch die Dardanellen würde am 19. oder 20. Mai wieder frei sein.

Tripolis, 14. Mai. Heute ist eine bedeutungsvolle Bekanntmachung veröffentlicht worden, die von 105 Araberbäuptlinaen aus Trioolis unterzeichnet ist. Die Bekanntmachung preist das Werk der italienischen Zivilisation und rät den Arabern, ihre Augen dem neuen Lichte zu öffnen und di« Illusionen aufzugeben. Sie fordert sie aus, von der ver­geblichen Feindseligkeit gegen die Italiener abzustehen, wodurch sie ihrem eigenen Glück und dem des Landes schadeten.

Depeschen.

W. § o m B m t g, 15. Mai. Der Tod des Königs von Däne­mark, der in den frühesten Morgenstunden durch Extrablätter be­kannt gemacht wurde, hat allenthalben in der Bürgerschaft die schmerzlichste Teilnahme erweckt, da der König ein häufiger und gern gesehener East in Hamburg war. Gestern abend hat sich der König noch sehr wohl befunden. Er äußerte sein« Freude, daß er bald wieder in Kopenhagen sein werde. Abends 10 Uhr unter­nahm er noch einen Spaziergang. In der Räbe des Hamburger Hofes, in dem das Königspaar abgestiegen war, wurde er von einem Unwohlsein befallen und bewußtlos in ein Automobil ge­bracht. Da man den König nicht erkannte, wurde er zunächst ins

graphisch Mitteilung gemacht, «eite« Dispofittonen werven l« Lauf« des Tages getroffen werden.

^V. Konstantinopel, 15. Mai. Rach amtlicher Meldung ist bei einem verstorbenen Soldaten als Todesursache Cholera fest- gestellt worden.

Literarisches.

** C. von Dornau, Brief« ein er angehenden Schwieger­mutter. Ein humoristischer Romann. Trowitzsch & Sohn, Berlin. Geheftet 2 Jk, originell gebunden 8 <AL Aus Kissingen, wo sie mit ihrer Tochter zur Kur weilt, schreibt eine zärtlich liebende Frau und Mutter ihrem Gatten fast täglich alle kleinen und großen Erlebnisse, Sorgen und Empfindungen, und da sie phantasiebegabt und leicht erregbar ist, da­neben aber eine herzerquickende Frische besitzt, steigern sich ihre Mittei­lungen hie und da zu dramatischen Bildern. Besondere Veranlassung zu Aufregungen gibt ihr ein junger Assessor aus der Heimat, der wegen Herzkrankheit" ebenfalls Kissingen aufsucht und es immer so einzurichten versteht, daß er sich zufällig da einfindet, wo die Damen sind. Während die Tochter sehr kühl und zurückhaltend ist, führt di« Mutter einen be­ständigen Kleinkrieg mit ihm. Sehr fein kommt der Kampf zum Aus­druck zwischen der unausgesprochenen bebenden Angst, ihr Töchterlein zu verlieren, und der überwiegenden Mutterliebe, di« nut ihres Kindes Glück will. Schließlich lösen sich alle Scharmützel und Disharmonien auf, als es zur Verlobung kommt, und jubelnd schließt dieglücklich« Alte" ihre Korrespondenz mit dem Ausruf:Es ist doch wircklich ein reizend liebenswürdiger Mensch mein Schwiegersohn!"

** Eriebens Reiseführer, Band 76:Wiesbaden, Schlangen- bad, Langenschwalbach", 10. Auflage, mit 2 Karten und einem Grundriß (Jl 1.). Verlagsbuchhandlung Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. Besucher des eleganten Weltbades Wiesbaden werden das Er­scheinen der neuen, zehnten AuflaM dieses Führers, zu Beginn der Früh- jahtfaison mit Freuden begrüßen. Das Buch trägt nach Möglichkeit allen den zahlreichen Umwälzungen im Kur- und Verkehrsleben des Badeortes Rechnung und ist ein vortrefflicher Ratgeber für die Kur­gäste und Touristen, di« das im Frühlingsschmuck prangende Weltkurbad Wiesbaden, die idyllischen Taunusbäder Schlangenbad und Langen- schwalbach, sowie den weltberühmten Rheingau bis Aßmannshausen be­suchen. Das gut revidierte Kartenmaterial bildet eine zweckmäßige Er­gänzung des vortreflichen Führers.

* Die Bach und Händel an der Orgel sind dünn gesät. Nicht jedem Orgelspieler ist es gegeben, gleich diesen Heroen, die Königin der Instru­mente, die Orgel, souverän zu meistern. Vielen bieten sich Schwierig­keiten namentlich dann, wenn es gilt, eine passende, mit den Regeln der Harmonie in Einklang stehende Ueberleitung von einem Lied zum andern zu finden, oder auch einige geeignete Eingangs- oder Schlußtakte zu im­provisieren. Allen diesen empfehlen wir ein bei P. I. Tanger in Köln soeben erschienenes Wetkchen:Präludium in allen Dur- und Molltonarten, für Orgel oder Harmonium", bearbeitet von Heinrich Bungart. (Tangers Taschen-Musik-Album Band 57, schön und stark kartoniert JH 1.). Auch der routinierte Spieler wird das Bändchen mit Interesse zur Hand nehmen, gibt es ihm doch manch« An­regung zu freier Entfaltung seiner Fantasie, manchen Fingerzeig für die Praxis. Der Sah ein durchaus orgel- bezw. Harmonium gemäßer und wird auch den kritischen Kenner befriedigen.

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MltteMWen aus Dem Leserrreff^

Unter dieser Rubrik veröffentlicht die Redaktion Stimmen aus HveWs Leserkreis. Für di« hierin ausgesprochenen Ansichten und Tendenzen übernimmt di« Redaktion (außer der preßgesetzlichen) keine Derantz«

Wartung, diese bleibt vielmehr dem Einsender überlassen. -

Die Anlagen am Friedrichsplatz sind im Sommer ein kleines Parwi dies. Mit ganz besonderem Behagen schaut des Abends der Musensohn auf sie herab, bis eine Dam« heulend in sein Zimmer bringt, anO Fenster stürzt und unter krampfartigem Ach- und Wehgeschrei auf bt4 Erwürgung einer ganzen Bogelfamilie durch einen blutgierigen Jagd­hund aufmerksam macht. Jeder wird wissen, was di« paar Zeilen hi« wollen. Schutz den Vögeln, di« in den Hecken des Friedrichsplatze« nisten. Jeder anständige Mensch wird seinen Hund dort an der Lei« führen auch ohne Polizeigebot. i

Ein ehemaliger Marburger Student.

Kirchliche Nachrichten.

Himmelfahrt. Donnerstag, 16. Mai. *j

Pfarrkirche. 9% Uhr: Pfarrer Heermann. 2 Uhr: Pfarrer Petschar. I;

Elisabethlirche. 9% Uhr: Pfarrer Manger. 2 Uhr: Pfarrer Metz.

In beiden Kirchen Kollekte für mehrere Hess. Gemeinden.

9tef. Stadt, und Universitäts-Kirche. 8 Uhr: Lic. Baltmann. %10 Uhkl Pfarrer Eisenberg. (Kollekte für hessische Gemeinden.)

Katholisch« Kirche. Ehristi Himmelfahrt; ewiges Gebet. 7% Uhr: Hl. Mess« und Frühlehre, Kaplan Witzel. 9% Uhr: Amt und Predig^ Pfarrer Dr. Weber. 6 Uhr abends: letzt« Betstunde und Segen,

Evangel. Gemeinde. (410 Uhr: Predigtgottesdienst.

Landeskirchl. Gemeinschaft Marburg-Süd, Schwanallee 53 A. Abends 814 Uhr: Evangelisation. Freitag fällt di« Bibelstunde aus.

Methodisten-Eemeind«. 9 Uhr: Gebetsvereinigung. 9% Uhr: Predigt, Prediger Straehle. 3 Uhr: Gemeindefest. Soli-, Duett- und Chor­gesänge. Ansprache von Herrn Prediger Eürlis, Kirchhain. Ein­tritt 30 Pfennig.

Aerztlicher Sonntagsdienst: Herr Dr. v. Heusinger Herr Dr. Schröder,

Sonntagsdienst der Apotheken:Trauben-Apotheke*.

Für die Redaktion verantwortlich: Gustav Kellner, Marburg.

Amtlich.

Das Verzeichnis nebst Karte über die Landwege im Kreise Kirch­hain liegt vom 15. d. Mts. ab 4 Wochen zu Jedermanns Einsicht auf meinem Büro offen. !

Kirchhain, den 14. Mai 1912. '

Der Königliche Landrat.

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Wetterausstchten für Donnerstag, 16. Mai 1912: Meist wol­kig, einzelne RegenfSlle, teilweise mit Gewitter, spater Abkühlung.

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