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Elftes Blatt
Die Drittelparteien.
mit
und und
stattfinden, da beide Teil« damit beschäftigt sind, die Verwundeten Toten fortzuschaffen. Die Rebellen sollen etwa 600 Verwundete Tote verloren haben.
Marburg
Mittwoch, 15 Mai
I fallen. Man brauche den Mut nicht sinken zu lasien. Auf ein ■ Ligny folgte ein Waterloo, aus Kollin ein Leuthen. Frhr. v. Zed- I litz ging dann noch näher auf das Wahlabkommen der Fortschrittlichen Volkspartei mit den Sozialdemokraten ein und den Schaden, I der dadurch im politischen Leben angerichtet worden ist. Er betonte dabei besonders, daß die Fortschrittliche Partei jetzt sehr stark nach der allgemein-demokratischen und sozialdemokratischen Seite neige. Nachdem sich Redner noch mit der Haltung der Nationalliberalen, deren Charakter als Mittelpartei er gefährdet sieht, befaßt hatte, wandte er sich der Politik des Herrn v. Heyde- brandt zu, wobei er betonte, daß der Riß zwischen rechts und links durch das Zusammengehen der Konservativen und des Zentrums einerseits und die starke Gegnerschaft zwischen Zentrum und Liberalismus andrerseits noch immer verbreitert würde. Frhr. von Zedlitz sprach dann weiter über unsere auswärtige Politik und die Politik des Herrn v. Bethmann. Er beklagte es, daß in der jetzigen Zeit kein Mann wie Bismarck die Zügel fest in der Hand habe. Zwar müsie man die Gründlichkeit und Pflichttreue bes jetzigen Reichskanzlers vollauf anerkennen, jedoch genüge das nicht zum Staatsmann. Unserer Regierung fehle es an Kraft und Entschließung sowohl in der inneren als äußeren Politik. Am Schluffe seiner Rede sprach Herr v. Zedlitz des weiteren noch überllsie Aufgaben der Reichspartei sowie über den Ausbau der gewünschten kräftigeren Organisation. Stürmischer Beifall ward dem Redner für seine offenen und klaren Worte zuteil.
** Die Frauen vor! Washington, 18. Mai. Präsident Taft hat eine« Aufruf an die Frauen von Californien «rlaffen, wo morgen die Vorwahlen stattfinden und die Abstimmung der Frauen ausschlaggebend ist. Der Aufruf erinnert an das, was der Präsident während seiner Amtszeit vollbracht hat. Der Aufruf ist der erste seiner Art, der von eine» Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgegangen ist.
*• Mexiko. Mexiko, 13. Mai. Die Rebellen ziehen sich normal zurück und verbrennen die Brücken hinter sich. Heut« dürften deine Kämpfe
zu denen man bislang die Reichspartei und die Nationalliberalen I rechnete, haben fast gleichzeitig in Berlin intereffante Tagungen abgehalten. Die erstere, um nach einem für sie nicht günstigen I Wahlkampf sich aufs neue fester zu organisieren, die letztere, um I alte Streitigkeiten zu schlichten. Heber die Tagung der Nationalliberalen haben wir bereits gestern berichtet, über die Tagung der Reichspartei folgen unten einige Worte. |
Den beiden Tagungen gemeinsam ist eine starke Unzufriedenheit mit den Taten unserer Regierung, der man nicht mehr und nicht weniger vorwirft, als daß sie den stärksten Nachweis jeder Negierung vermissen laffe, daß sie nämlich weder ein festes Ziel noch eine feste Hand habe, bei aller Anerkennung ihrer Pflichttreue «nd politischen Reinheit. Wenn Parteien, deren Vertreter im wesentlichen so einflußreiche Schichten unseres Volkes vertreten, | tote es nun einmal die Nationalliberalen und Neichsparteiler tun, solche Gefühle öffentlich ausdrücken und so bestimmt den Urquell ihres nationalen Schmerzes bezeichnen, so wird man annehmen dürfen, daß sie eine Stimmung zum Ausdruck bringen, die im deutschen Volke weit verbreitet ist, und in der Tat, klare Ziele und feste Hand nach innen und außen verlangt das Volk von der Regierung gerade in der jetzigen Zeit mehr denn je, und gerade in diesem Sinne weckt der Schatten Bismarcks, den Frhr. v. Zedlitz heraufbeschwor, bei uns doch das Gefühl der Enttäuschung. Neben dieser allgemeinen Bedeutung der Tagungen hat die nationalliberale Aussprache eine besonders wichtige für die Partei. Man hat Gegensätze überbrückt, man hat die Einigung, wie sie vorbereitet war, angenommen. Wie der Abg. Lohmann ausführte, war der mittlere Teil der Partei stark genug, die beiden Teile rechts und links an sich heranzuziehen, aber es hat sich doch gezeigt, daß nicht nur die Taktik, sondern auch die Anschauungen in wesentlichen Punkten scharf auseinandergehen. Die Anschauungen des Herrn Rebmann aus Karlsruhe und des Abg. Friedberg über die Sozialdemokratie, ihre tatsächliche Haltung und ihre Entwicklungs- Möglichkeit laffen sich schlechterdings nicht miteinander vereinen. Es ist erfreulich, daß gerade Herr Friedberg die Tagung nicht vor- übergehen ließ, ohne den alten nationalen Standpunkt wieder aufs stärkste zu betonen. Er will die Rede Baffermanns als einen Kampfruf gegen den Sozialismus auffaffen. Für ihn ist das schmähliche Stichwahlabkommen des Freisinns mit den Genoßen einfach unmöglich. Auf diesem Wege dürfte die Wahl der Bebel und Scheidemann durch Nationalliberale künftig nicht zu fürchten sein. Nur bei dem Hochhalten dieser Bennigsenschen Traditionen wird es möglich sein, die Nationalliberalen als Mittelpartei zu erhalten' denn, mögen die Herren sagen was sie wollen, darüber herrscht nirgends ein Zweifel, daß die in Wirklichkeit freisinnigen Jungliberalen drauf und dran waren und sind, die Partei zu einer reinen Partei der Linken zu machen. Zu allem Ueberfluß hat ein nationalliberaler Abgeordneter Maurer kürzlich öffentlich den Gedanken ausgesprochen, daß die Nationalliberale Partei den ftlteit mittelparteilichen Gedanken fahren laffen und sich ganz auf die Seite der Linken stellen muffe. Die Partei verdient dreies Schrasal nicht: denn in Radikalismus werden der Freisinn, die Demokraten und die Genoffen den Nationalliberalen stets über sein, und wer die Ergebniffe der Wahlen aufmerksam verfolgt, kann gerade eine Abwanderung aus den einst so mächtigen liberalen Parteien nach den demokratischen feststellen. Zu einer bedeutungslosen Spielart des national nie zuverlässigen Freisinns herabzusinken, denn da-- wäre die Folge einer verstärkten Linksschwenkung, dazu ist die Partei wirklich zu schade. Bedeutungslos aber würde sie sein, weil sie immer und trotz allem von den anderen Parteien der Linken als des Mangels an „Liberalismus" schuldig befunden würde. Nur der Radikalste hat hier recht. Wenn man aber Herrn Baffermann glauben darf, so will die Partei unter allen Umständen als Mittelpartei ihre im vaterländischen Sinne so bedeutungsvolle Rolle weiter führen. Hoffentlich in Wirklichkeit
ohne Portokosten — unter . Frankfurt a. M.
Deutsches Reich-
— Der Kaiser in Straßburg. Pünktlich 11 Uhr 45 Min. traf der kaiserliche Hofzug gestern in Straßburg ein. Zum Empfang ] hatten sich eingefunden Prinz Joachim, Prinz August Wilhelm und andere hochgestellte Persönlichkeiten. Der Kaiser, der mit der Prinzessin Viktoria Luise alsbald den Salonwagen verließ, begrüßte die anwesenden Herrschaften und den ebenfalls erschienenen Fürsten zu Fürstenberg in besonders liebenswürdiger Weise. Dann begaben sich der Kaiser, die Prinzen und die Prinzessin nebst Gefolge durch den Fürstensalon zum Bahnhofsplatz, um die Auto- mobile zu besteigen. Die Einfahrt des Kaisers vollzog sich unter lebhaften Kundgebungen des Publikums. Um 2*4 Uhr trat der Kaiser eine Fahrt nach der Hohkönigsburg an. Im ersten Automobil hatte der Kaiser mit seinen beiden Söhnen und seiner Tochter Platz genommen. Gegen 3% Uhr kamen die Fürstlichkeiten auf der Hohkönigsburg an. Unter Führung des Professors Bodo Ebhardt wurden die neueingerichteten Säle, speziell der Kaisersaak, besichtigt, in welchem die neuen Gemälde von Schnng- Straßburg ausgeführt sind. Die Gemälde fanden den vollsten Beifall des Kaisers, der dem Künstler den Roten Adlerorden 4. Klaffe verlieh. Die Rückkehr des Kaisers erfolgte an den Bergen entlang. Um 7V2. Uhr traf er wieder im Kaiserpalast ein. Spater war Diner beim Statthalter Graf von Wedel, an dem mit dem Kaiser die anderen Fürstlichkeiten und die Umgebung teilnahmen.
— Ein neuer Staatsvertrag zwischen Preußen und Schaumburg-Lippe. Dem preußischen Herrenhaus ist soeben ein neuer Staatsvertrag zwischen dem Königreich Preußen und dem Fürstentum Schaumburg-Lippe zugeganqen. durch d"n die am 20. Oktober 1872, 27. April 1874 und 2S./25. Mai 1907 unterzeichneten Verträge wegen Uebertragung de: Leitung der Erundstückszusammen- legungen, Eemeinheitsteilungen und -Ablösungen auf die Königlich preußischen Auseinandersetzungsbehörden geändert werden sollen.
— Die Budgetkommiffion des Reichstages erledigte im weiteren Verlaufe ihrer Sitzung den Ergänzungsetat für die Flotte ohne Abstriche und begann die Beratung des Hauptetats für die Marine. _
— Die ersten „kurzen Anfragen". Berlin, 133. Mar. Dem Reichstage gingen die beiden ersten sogenannten kurzen Anfragen zu, eine von Dr. Frank (Soz.): Ist der Reichskanzler bereit, Auskunft zu geben, ob Holland der Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein zugestimmt hat? — Die zweite Anfrage stellt Fischer-Berlin sSoz.): Ist der Reichskanzler bereit, Auskunft zu geben, ob bei der demnächst zusammentretenden internationalen Schiffahrtskonferenz die Vertreter der Schiffsleute zu den Verhandlungen zugezogen werden? •
— Auflösung eines Kriegeroereins. Hannover, 13. Mai. Bet der letzten Reichstagswahl haben in dem Orte Hettensen im Kreise Northeim dreiviertel aller Wahlberechtigten ihre Stimme dem sozialdemokratischen Kandidaten gegeben. Infolgedessen war dem Krieger- und Landwehrverein von dem Landrat das weitere Führen seiner Fabne verboten worden. Der Krieger- und Landwehrverein hat sich daraufhin aufgelöst. _ ._______ i
Ausland.
« Die Lage hi Marokko. Mogador, 13. Mai. Die Panzerkreuzer „Gloire" und „Conde" warfen auf der Fahrt an dir Küste Südmaraokkos vor Agadir und Agulu Anker, ohne mit dem Lande in Verbindung zu stehen. Vor Agulu liefen einige hundert bewaffnete Eingeborene zusammen. Admiral Favereau ließ di« Bucht umfaßten ohne feindlichen Kundgebungen zu begegnen. Der „Gloire" ist zur Ankunft des General- residenten Liautey nach Casablanca zurückgekehrt. — Paris, 13. Mai. Nach einer Meldung des .Aernps" wurde der Stabt Fez eine Krtegs- buge von 200 000 Duros auferlegt zur Strafe dafür, daß ein Teil der Bevölkerung an dem Aufruhr vom 17. April teilgenommen hat. — Nach einer Vlättermeldung werden die feit einigen Jahren in Paris und im Lager von Sethonay bei Lyon liegende Zuavenbataillone nach Algerien und Tunis zurückkehren, um die als Verstärkungen nach Marokko entsandten afrikanischen Bataillone zu ersetzen. w . .
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Vellage "
und mit Erfolg.
Die Berliner Tagung hat trotz aller Einigung Gegensätze stehen lassen. Der Gedanke der Notwendigkeit einer großen Mittelpartei war stärker. Er Hai gesiegt. Die Jungliberalen und Altliberalen haben beide nachgegeben. Im übrigen aber bleibt alles beim alten. #
In der am Sonnabend in Berlin abgehaltenen Sitzung des Eefamtvorstandes der Reichs- und freikonservativen Partei führte u. a. der Vorsitzende Frhr. v. Gamp aus, die Reichspartei fei durch die letzten Wahlen zwar geschwächt, aber nicht besiegt worden. Es gelte darüber zu beraten, wie die Partei wieder zur alten Große und zum früheren Glanze zurückgeführt werden könne. Vor allem müsse man die Organisation nach allen Richtungen hin weiter ausbauen, da die Gründe für die Schwächung der Partei keineswegs In ihren Grundsätzen und ihrer Taktik, sondern vielmehr in Umständen außerhalb der Partei zu suchen feien, so dürfe man hoffen, ihrer Herr zu werden. Redner berief sich auf die hohen Ziele der • ®artei und stellte fest, daß zur Mutlosigkeit keine Ursache sei. Nach den Ausführungen des Vorsitzenden ergriff Freiherry. Zedlitz das Wort zu einer längeren Rede. Er erörterte des näheren die besonderen Ursachen des starken Rückganges der freikonservativen Mandate und sand den stärksten Grund dafür in dem Stichwahlabkommen der Freisinnigen mit den Sozialdemokraten. Doch wür- den in Zukunft diese für die Partei ungünstigen Verhältnisse fort-
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und 'Feiertage. — Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 8.25 (ohne Bestellgeld), bei unseren Leitungsstellen und der Expeditton (Markt 21) 2.00 * frei in» Haus. (Für unverlangt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Redaktton keinerlei Berantwottunq). Druck und Verlag der Univ.-Buchbruckerei I. A. Koch
(Jnb.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55
* Universität. Die endgiltige Immatrikulation der Stu- j dielenden des diesmaligen Sommersemesters findet am nächsten । Sonnabend, den 18. Mai, in der Aula der Universität statt, und zwar um 10 Uhr für die Juristen und Mediziner, um 11 Uhr für i die Theologen und Philosophen. — Die Wahl von drei studentt- , schen Mitgliedern in den Vorstand der akademischen Lesehalle ' findet am nächsten Freitag statt. Die Mitglieder werden ersucht, ihre Wahlzettel von 3—6 Uhr in der Universitäts-Registratur abzugeben. — Der akademische Turnabend ist eröffnet. Die Uebungs- stunden finden jeden Mittwoch nachmittag von 6—8 Uhr in der akademischen Turnhalle statt.
* Polizeisekretär Sparsam -si. Ein verdienter städtischer Beamter, Herr Polizeisekretär Sparsam, hat heute früh nach ganz kurzem Leiden das Zeitliche gesegnet. Der Verblichene, der nur ein Alter von 41 Jahren erreichte, kam im Jahre 1900, als die Polizei von der Stadt übernommen wurde, von Neu-Ruppin nach Marburg. Von frühester Jugend an im Polizeiverwaltungswesen aufgewachsen und ununterbrochen darin tätig, konnte er als Fachmann in dieser Beziehung und als Organisator des neueingerichteten Marburger Polizeiwesens gelten. Auf Grund seiner langjährigen Erfahrung gab er den vielen bei ihm Rat Suchenden, die stets in seinem Büro und auch sonst bei ihm vorsprachen, sofort und in liebenswürdigster Weise Auskunft. Sein Andenken dürfte von allen, die ihn kannten, in Ehren gehalten werden.
* Städtisches. Die Städtische Schwimm- und Badeanstalt ein- , schließlich Lust- und Sonnenbad wird am 15. Mai eröffnet. — Der Südbahnhofsweg von der Schützenpfuhlbrücke bis zum Eingang zur Cappelerstraße hat die Bezeichnung „Frauenbergstratze" erhalten.
* Zum Kreiskriegerdenkmalfonds. Als Ueberschuß von dem am * 28. April veranstalteten Unterhaltungsabend des Turnvereins zum Besten des Denkmalsfonds wurden dem Denkmalsausfchuß 338,12 M. überwiesen.
* Himmelfahrt. Die Fahrkartenausgabe empfiehlt, die Fahrkarten zu den Ausflügen am Himmelfahrtstage möglichst am Mittwoch lösen zu wollen. Dadurch würde das allbekannte Gedränge an den Fahrkartenschaltern sehr eingeschränkt. Z. B. könnten Korporationen, Vereine, die eine Tour mit etwa 25 Teilnehmern vorhaben, schon am Tage vorher für etwa 20 Personen die Fahrkarten lösen lassen. — Himmelfahrtsausflüglern fei übrigens der ( Taschenfahrplan der „Oberhessischen Zeitung", der in der Geschäfts- ‘ stelle zum Preise von 15 Pfg. zu haben ist, empfohlen. Das Hand- . liche Büchlein enthält nämlich auch ein Verzeichnis schöner Aus- . flüge in die nähere und fernere Umgebung unserer Stadt. ;
I * Brotaufschlag. Die Bäckerinnung gibt bekannt, daß das Brot wieder um 2 Pfg. teurer geworden ist.
* Besitzwechsel. Das Florabad am Webrdaerweg ging durch Kauf an Herrn Tanzlehrer Brandt über. — Das Motorboot kaufte Herr Closmann, der nächstens ein modernes Fahrzeug ^r^ffen . will. ’
* Badet in Luft und Sonne! Uns wird geschrieben: Die warme Witterung erlaubt es uns, jede freie Stunde in der schönen Natur frische Lust und Sonne zu genießen. Bei einem gewöhn- 1 lichen Spaziergang aber nutzen wir Luft und Sonne nur zum Teil aus, da sie ihre ganze Wirkung auf uns erst bei unbekleidetem Körper ausüben. Baden muß man in Luft und Sonne und hierzu hat ein jeder Gelegenheit in dem vom Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise an der Eroßseelheimerstraße angelegten Licht-Luft-Bade, das namentlich auch von älteren Personen wegen seiner ruhigen, schönen Lage gern besucht wird. Bei dem Worte „baden" denkt man gewöhnlich nur an das Messer, und es mag manchem erst sonderbar vorkommen, daß er auch in Licht und Luft baden soll; doch ist der günstige Einfluß des Licht-Luft-Bades von der Wissenschaft nachgewiesen. Die Sonne wirkt durch ihr Licht und ihre Wärme. Bleichsüchtige Menschen, die immer in der
I Stube hocken und sich die Außenwelt nur durch die Fevstc
1 ansehen, bekommen im Sonnenlicht ihre Farbe wieder,^ bctn v.t Sonne fördert die Bildung roter Blutkörperchen.
das Sonnenlicht ein natürliches Desinfektionsmittel und überall da am Platze, wo Bakterien Hausen, bei eitrigen Wunden, Flechten usw. Die Sonncnwärme treibt den Schweiß und damit die giftigen Abfallprodukte des Körpers durch die Haut nach außen. Auch die Luft tut dabei das ihre. In Gemeinschaft mit der Sonne bewirkt sie eine intensivere Durchblutung der Oberhautgefäße, wodurch das Herz wesentlich entlastet wird. Die Förderung des Blut- umlaufs übt einen günstigen Einfluß auf den Stoffwechsel aus, worunter wir den ständigen Abbruch und Neubau verbrauchter Zellen verstehen, dem die Ausscheidung durch die Haut folgt. Herzkranken, Leuten, die an irgend einem Katarrh, an ©1^, S^eum« tismus, Fettsucht leiden, sei aus diesen Gründen das Licht-Lus»
Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß § 18 bes Urheberrechts nur der deutlichen Quellenangabe „Oderhess. Ztg." gestattet.)
Marburg, 14. Mai.