mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage “
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Marburg
Freitag, 10. Mai
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47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Tie Reichspartei
kämpft zur Zeit im Reichstage um ihre Anerkennung als Fraktion. Es ist wahr, daß man an sich weniger freikonservative Wähler als Abgeordnete kennt. Fast alle ihre Abgeordneten sind ja Kompromißkandidaten, ob das ein Fehler ist, mag dahingestellt sein. Sicher ist, daß die Partei, die unter der unsicheren Konstellation des letzten Wahlkampfes sehr gelitten hat, für unser politisches Leben in oie- len Zeiten von großer Bedeutung gewHkn ist. Begründet wurde sie bekanntlich zum Zweck der intensiven Vertretung Bismarckischer Politik und sie hat dieser ihrer Geschichte eingedenk an dem nationalen Gedanken mit einer Energie und Zähigkeit festgehalten, wie keine andere Partei. Jetzt soll sie, weil ihr zwei Abgeordnete fehlen, zur Untätigkeit bei den Kommissionsberatungen verdammt fein. Sie wehrt sich gegen dieses Schicksal, schwerlich mit Erfolg, denn dieser Reichstag wird mehr nach Macht als nach Billigkeitsund historischen Gründen entscheiden. Ja der nationalliberale Abg. Junk, der selbst ein Kompromißkandidat ist und ohne die Leipziger reichsparteilichen Stimmen kaum im Reichstag wäre, vertrat die Ansicht, daß die Zeit der kleinen Parteien überhaupt vorbei sei. Kaum mit Recht. Es entspricht durchaus nicht deutscher Denkart, sich für die Extreme zu entscheiden. Mittelparteien werden stets ihre Berechtigung und ihr Publikum haben.
Die Freikonservative Korrespondenz schreibt zu der Angelegenheit:
Die Geschäftsordnung vom Dienstag über die Frage der Zulassung der Reichspartei als Fraktion ergab mit Sicherheit, daß die Nichtzulassung einen Bruch mit einer mehr als 20jährigen Hebung des Reichstages bedeuten würde. Dieser Eindruck war so stark, daß schließlich die Zentrumsredner, Abg. Spahn und Gröber, aussührteu: Die Frage der Fraktionsfähtgkeit habe mit der anderen der Zulassung zum Seniorenkonvent und den Komissionen nichts zu tun, was auch von weiteren Red- ; rxrn bestätigt wurde. Daraufhin erklärte der Abg. Schultz-Bromberg viM'chevMeichspartei, daß nach dem Beschluß des Seniorenkonvents mit dU^Kxfscheidung über den Begriff Fraktion auch über die Zulassung zu ihm uM zu den Kommissionen entschieden sein sollte, da der Seniorenkonvent ausdrücklich die Fraktionsfähigkeit als Voraussetzung für diese Zulassung aufgestellt habe. Der Reichspartei aber komme wenig darauf en, ob man ihr den Namen Franktion geben wolle oder nicht, sondern sie wolle im Seniorenkonvent und den Kommissionen Mitarbeiten: deshalb stelle er jetzt einen neuen Antrag, der diese Zulassung unabhängig von dem Begriff der Fraktion regeln wolle im Sinne aller fraftionslosen Mitglieder des Reichstages! Eine Opposition wurde gegen diesen Antrag nicht laut, sie konnte sich auch gar nicht ergeben, da er km Sinn« der Redner fast aller Parteien war, so daß eine Ablehnung dieses Antrages einen Widerspruch mit ihren eigenen Ausführungen bedeuten mußte.
Trotzdem wurde bei der Abstimmung am Mittwoch auch dieser Antrag wieder abgelehnt, mit 188 gegen 146 Stimmen, bei 2 Enthaltungen. Dieses Resultat muß um so mehr überraschen, als selbst der „Vorwärts" am Mittwoch den Anspruch der Reichspartei auf Zulassung zu den Kommissionen als berechtigt anerkannte: das hinderte aber die Sozialdemokraten nicht, geschlossen dagegen zu stimmen und mit Hilfe der Freisinnigen und Nationalliberalen, sowie eines Teiles des Zentrums den Antrag zu Fall zu bringen. Auf diese Meise haben sich die Parteien der Linken zwar einen kleinen Vorteil bei der Zusammensetzung der Kommissionen gesichert, aber das Recht der Minderheiten angetastet. was ihnen in Zukunft vielleicht einmal Üble Früchte tragen kann. Besonders peinlich ist es in den Kreisen der Reichspartei bemerkt worden, daß unter Führung des Abg. Junck die Nationalliberalen, eine früher der Reichspariei so nahe befreundete Partei, in ihrer großen Mehrheit diese Beziehungen verleugnete. — Zu bemerken ist, daß die Frage der Zulassung zu den Kommissionen und ihrer Voraussetzungen in der Eeschäftsord- MMWskommiffion erst noch endgültig entschieden werden soll:
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Italien und die Türkei.
Rom, 8. Mai. Die „Agenzia Stefani" erklärt, daß die Meldungen des türkischen Kriegsministeriums über die Einnahme von Lebda am 3. Mai, die Kämpfe von Homs am 4. Mai, sowie einen angeblichen Kampf östlich von Tripolis 'am 4. Mai vollständig falsch sind. Der Kampf bei Lebda sei ein vollständiger Sieg der Italiener gewesen, die 9 Tote und 56 Verwundete gehabt hätten und endgültig die Stellungen von Lebda besetzten. Die Türken feie« zurückgeschlagen worden und hätten 300 Tote gehabt. Am 3. Mai hätten die Italiener, die nur unbedeutende Verluste hatten, in der Oase von Sliten Araber und Türken unter großen Verlusten in die Flucht geschlagen. Was Tripolis anbetreffe, fand dort am 4. Mai kein Kampf statt.
Rom, 8. Mai. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Rhodos vnterm gestrigen Datum: Der Zerstörer „Ostro" nahm im Hafen von Lindos den Mali von Rhodos und seine beiden Sekretäre gefangen, als sie sich anschickten, die Insel zu verlassen. Der Walt, und seine Sekretäre werden bei erster Gelegenheit nach Italien geschickt. 4 türkische Offiziere und 28 Soldaten ergaben sich den italienischen Truppen. Die Haltung der Bevölkerung ist ruhig und achtungsvoll.
Konstantinopel, 8. Mai. Minister Talaat teilte privatim eine Depesche des Walis von Smyrna mit, worin gemeldet wird, daß nach einem Telegramm des Käimakams von Marmaritza die türkischen Truppen auf Rhodos die Italiener zurückgeschlagen und tausend Gefangene gemacht hätten. Die Italiener sollen zahlreiche Tote verloren haben.
Tripolis, 7. Mai. Zur Vervollständigung der Befestigungen, die Taigura mit Tripolis verbinden, wurden gestern zwei Züge und dreißig Lastautomobile mit dem erforderlichen Material eit Ort und Stelle transportiert. Die mit den Arbeiten beschäf-
I tigten Truppen werden von einer Kavalleriebrigade, zwei Bataillonen Infanterie und einem Bataillon Askari gedeckt. Die Arbeiten blieben bisher ungestört.
Konstantinopel, 8. Mai. Türkische Blätter melden: Der Plan der Italiener, die Garnison von Rhodos zur Uebergabe zu zwingen, ist gescheitert. Die Truppen erreichten nach erbittertem Widerstande eine sichere Position. — Der Kaimakan der Insel Koa meldet, ein italienisches Torpedoboot kreuze in der Umgegend.
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Politische Umschau.
Bau einer neuen strategischen Rhein-Brücke.
Es wird gemeldet, daß die Erbauung einer neuen festen Eisenbahnbrücke bei Bingen-Geisenheim zwischen Rheingau und Rheinhessen beabsichtigt ist, bei der es sich um ein Werk von großer strategts.k>er Bedeutung an der deutschen Westgrenze handelt. Die zur Ueberbrückung des Rheins in Aussicht genommene Stelle des Rheinlaufes liegt so, daß die neue Brücke die kürzeste, dann bestehende Verbindung zwischen Preußen und Elsaß-Lohtringen darstellen wird, nämlich eine direkte Verbindung Frankfurt-Saarbrücken-Metz. Die militärische Bedeutung Saarbrückens ist erst in letzter Zeit bedeutend gewachsen. Es wird also aut diesem Wege möglich sein, im Notfälle schneller als bisher auf irgend einem anderen Wege deutsche Truppen vom Norden ans nach Frankreich zu werfen. Es ist wenn man die Verhältnisse kennt, ganz sonnenklar, wie dringend notwendig eine solche Verbindung ist. Zwischen Mainz uitö Köln, also auf einer Strecke von ungefähr 100 Kilometer, ist der Rhein jeder Brücke völlig bar. Hm im Kriegsfälle dort Truppen über den Rhein zu schicken, kann aifv nur mit Schiffbrücken geholfen werden. Vor allem fehlt aber die Eisenbahn. Ihr soll die neue Brücke dienen, eigentlich nur ihr, denn, soviel man bisher hört, ist, aus militärischen Gründen, beabsichtigt, die Brücke nur für Eisenbahn-, allenfalls noch für Fußgängerverkehr einzurichten. In der Nachbarschaft der künftigen neuen Brücke steht man dem Plan übrigens mit recht gemischten Gefühlen gegenüber, und es ist bereits ein Jnteressenstreit der feindlichen Schwestern Mainz und Wiesbaden entbrannt. Mainz fürchtet, daß die Brücke bei Bingen den Verkehr nach dem Elsaß und nach Lothringen, der bisher über Mainz geht, ablenken wird. Wie wir hören, find bisher besffmmte Dispositionen über die Einzelheiten der Rheinbrücke noch nicht getroffen worden. Natürlich kann es fich bei einem Werke von so großer strategischer Bedeutung einzig und allein darum handeln, die Interessen der Landesverteidigung zu berücksichtigen. Der Plan wird voraussichlich in nächster Zeit die Regierungen von Preußen und Hessen beschäftigen. Welchen Einfluß die neue RheinbrLcke auf den Verkehr haben wird, wird sich erst feststellen lassen, wenn der Plan greifbare Gestalt angenommen hat. Wie dem aber auch sei, letzten Endes werden die Interessen der Landesverteidigung lokalen Interessen voranzugehen haben. Immerhin darf man von den Regierungen erwarten, daß die wichtige Frage der neuen Rheinbrücke in einer Weise gelöst werden wird, die ntemonb zu Leide und allen zum Vorteil gereichen wird.
Stärkere Heranziehung von Luftschiffen und Flugzeugen
In dem diesjährigen Kaisermanöver werden die Luftschiffe und Flugzeuge in stärkerem Maße herangezogen werden, als es bisher der Fall war. Im vorigen Jahre sind bekanntlich zum ersten Mal Flugzeuge zur Verwendung gelangt, während Luftschiffe schon ftüher in den Manövern zur Verwendung gelangten. Während aber im vorigen Jahre.bekanntlich nur 8 Fliegeroffiziere zur Verwendung gelangten, werden in diesem Jahre viel mehr Flugzeuge an dem Kaisermanöver teilnehmen. Es ist außerdem bestimmt worden, daß an einer größeren Anzahl anderer Manöver gleichfalls Flugzeuge. teilzunehmen haben. Die günstigen Erfahrungen, welch- im var-aen Jahr mit den Flugzeugen gemacht waren find, und die vorn Kaiser auch mehrfach anerkannt wurden, haben den Kaiser veranlaßt, die Bestimmung zu treffen, daß eine großzügige Verwendung der Flugzeuge allenthalben Platz greifen solle. (Es befinden sich schon jetzt in mehreren Festungsstädten und bei Truppenteilen Flugzeuge, die zu Manöverzwecken herangezogen werden. Hebet bte Beteiligung von Luftschiffen an dem diesjährigen Kaisermanöver sind bisher endgültige Bestimmungen noch nicht getroffen worden. Jedenfalls ist es sicher, daß an den diesjährigen Manövern ein Zeppelinluftschiff teilnehmen wird. Als Basis für die Tätigkeit des Zeppelinluftschiffes ist die Luftschiffhalle in Gotha anzufehen, wo er Station machen wird. Man nimmt an, daß 3 Luftschiffe an dem Kaisermanöver beteiligt sein werden. InieressanteHebungen werden bei dem diesjährigen Kaisermanöver mit der schnellen Abmontierung und Verladung von Flugzeugen auf Automobilen gemacht werden. Auch in der Fertigstellung von Zelten für die Flugzeuge werden Hebungen veranstaltet werden. Es ist bestimmt worden, daß von Flugzeugtypen in erster Reihe die bisher im Heere bewährten Fluozeugtvpen „Albatros" und „Taube" zur Verwendung gelangen sollen. Ob a"ch andere Cnsierne zur versuchsweisen Verwendung kommen werden, hängt von den Erfolgen der nächsten Ereignisse ab. Bekanntlich hat das Kriegsministerium fich bereit erklärt, in diesem Jahre mehrere Flugzeuge derjenigen Systeme anzukaufen, die bei den Wettbewerben dieses Sammers siegreich sein wer- den. Die diesjährigen Kaifermanöver werden also eine äußerst mannigfaltige und großzügige Verwendung der deutschen Flugzeuge bringen, so daß ihre Kriegsbrauchbarkeit in noch weit höherem Maße als im vorigen Jahre erprobt werden kann, zumal in diesem Jahre bereits gewisse Erfahrungen vorhanden sind, auf die man weiter aufbauen kann. Die Ansprüche, die in kiefern Jahre an die Fliegeroffiziere gestellt werden, werden naturgemäß bei weitem größer fein, als sie im vorigen Jahre waren.
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Deutsches Reich.
— Die Rückkehr des Kaisers. Karlsruhe, 7. Mai. Der Reichskanzler v. Vethrnann-Hollweg wird am Sonnabend vormittag hier erwartet. Der Kaiser wird ungefähr zu derselben Zeit hier eintreffen. Ob der Botschafter Freiherr Marschall v. Bieberstein mit dem Kaiser zusammentreffen wird, scheint noch nicht festzustehen. Jedenfalls wird er sein in der Nähe von Freiburg liegendes Gut besuchen.
— Aus der Budgetkommisfion. Die Budgetkommission des Reichstages genehmigte den Ergänzungsetat entsprechend den ge- |
faßten Beschlüssen über das neue Militärgesetz. Der Antrag de« Zentrums, die Mannschaftslöhne um 8 Pfg. zu erhöhen, wurde bi« zur Beratung des ordentlichen Etats zurückgestellt, die Beschlußfassung über die vorgesehenen Aenderungen des Reichshaushaltsetats ist bis nach erfolgter Klärung der Deckungsfrage ausgesetzt worden. Hierauf wurde der Etat für die Verwaltung des Reichsheeres beraten. Die achte Kommission des Reichstages betreffend die Beseitigung des Branntweinsteuerkontingents setzte ihre Beratungen bei den §§ 10 bis 12 fort, die den Durchschnittsbrand betreffen. Rach lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des Durchschnittsbandes wurden die zu den §§ 11 und 12 vorliegenden Anträge gegen 12 bezw. 13 Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen abgelehnt, sodaß die §§ 10 bis 12 nach der Vorlage angenommen sind.
— Der Rücktritt des Oberbürgermeisters Kirschner. Berlin, 8. Mai. Oberbürgermeister Kirschner richtete heute folgende« Schreiben an den Magistrat: Nach erneuter Rücksprache mit dem Stadtverordnetenvorsteher und dessen Vertreter erkläre ich im Einverständnis mit den beiden genannten Herren schon heute, daß ich mein Entlassungsgesuch vorn 3. März wiederhole. — In dem Schreiben vorn 3. März erklärte Oberbürgermeister Kirschner, daß er zu der Heberzeugung gelangt sei, es entspräche dem Interesse der Stadt, eine jüngere Kraft in sein Amt zu berufen, daß er aber bereit sei, sein Amt noch bis September 1912 zu verwalten.
— Wahlprüfung. Berlin, f' Mai. Die Wahlprüsungskom- misston des Reichstages beschloß über die Wahl des Abgeordneten Kopsch (Fortschr. Volksp.), Liegnitz-Löwenberg, Beweiserhebung.
— Zur Wahl in Varel-Jever. Berlin, 8. Mai. Entsprechend dem Vorgehen der nationalliberalen Reichstagsfraktion sandte auch die preußische Landtagsfraktion der Nationalliberalen bezw. in ihrem Auftrage der Abgeordnete Dr. Friedberg ein Telegramm an den Vorsitzenden der Wahlkreisorganisation der Nationalliberalen in Varel-Jever. Dr. Bartikowski, und ersucht ihn und die dortigen Parteifreunde, bei der morgigen Reichstags-Stichwahl geschlossen für den bürgerlichen Kandidaten Landtagsabgeordneten Dr. Wiemer von der Fortschrittlichen Volkspartei gegen den Sozialdemokraten Hng einzutreten.
— Freie Bahnfahrt für Urlauber. Dresden, 8. Mai. Die Erste Kammer verhandelte über einen Antrag auf Bewilligung von Mitteln zur freien Eisenbahnfahrt für die im Reichsland dienenden Soldaten bei Urlaubsreifen in die sächsische Heimat. Der Finanzminister erklärte, die Regierung hielte es für erwünscht, die Angelegenheit nicht einseitig, sondern im Einvernehmen mit den verbündeten Regierungen zu verhandeln. Die gleiche Ansicht wie Sachsen vertreten die Regierungen von Preußen, Bayern, Württemberg und Baden, mit denen die sächsische Regierung sich inzwischen ins Einvernehmen gesetzt hat. Die Regierung werde im Bundesrat Gelegenheit nehmen, der vorliegenden Frage im Sinne der Wünsche des sächsischen Landtages näher zu treten. Die Kammer faßte den Beschluß, die Regierung zu ersuchen, im Bundesrat dahin zu wirken, daß den Mannschaften bei Heimatsurlaub einmal im Jahre freie Hin- und Rückfahrt zwischen den Garnisonen gewährt wird.
— Für das deutsche Volkslied. Berlin, 8. Mai. Von Angehörigen aller bürgerlichen Parteien ist im Abgeordnetenhause ein Antrag eingebracht worden, die Königliche Staatsregierung möge in dem nächstjährigen Etat als erste Rate die Summe von 10 000 <41 einsetzen zur Unterstützung der Sammlung der deutschen Volkslieder.
— Die Wormser Spionageangelegenheit. Worms, S. Mai. Der verhaftete Soldat hat ein Geständnis abgelegt, an die Nachrichtenbüros in Belfort Informationen und Nachrichten gegeben zu haben, die fich auf die Landesverteidigung bezogen. Die Militärbehörde nimmt an, daß der Soldat die Informationen nur durch die Mitschuld dritter Militärpersonen bezogen haben kann, und hat nach dieser Richtung hin Erhebungen angestellt, die aber noch nicht abgeschlossen sind.
— Der Kamps gegen die Mädchenhändler. Erfurt, 7. Mai. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Mädchenverschleppungen, die in letzter Zeit aus der Provinz Sachsen und aus Thüringen gemeldet wurden, hat die Eisenbahndirektion zu Erfurt verfügt, daß die Zuabegleitungsbeamten durch Beobachtung während der Fahrt zur Aufdeckung des verbrecherischen Treibens der Mädchenhändler beitragen sollen. Verdächtige Personen sollen an Stationen, für die die Fahrkarten gelöst sind, telegraphisch vorausgemeldet werden. Die Eisenbahndirektion gewährt den Beamten, durch deren Mitwirkung die Entdeckung von Mädchenhändlern oder wenigstens die Rettung der Opfer gelingt, besondere Eeldbelohnungen.
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Ausland.
** Die Lage in Marokko. Paris, 8. Mai. Wie aus Fez gemeldet wird, hat der Sultan infolge der eindringlichen Vorstellungen des Gesandten Regnault und des Generals Moinier ein« gewilligt, feine Abreise zu verschieben und die Ankunft des General- residenten Lyautey abzuwarten. — Fez, 7. Mai. El Mokri und Ben Erabit als Vertreter des Sultans, und General Moinier, Oberst Brulard, eine Anzahl Offiziere, der Gesandte Regnault, die Konsuln sowie die europäische Kolonie versammelten fich gestern am Grabe der Opfer des Ausstandes vom 16. April. El e Mokri verlas im Namen des Sultans ein Schreiben, in dem dieser den Tod der Opfer bedauert und seinen Unwillen über die begangenen Verbrechen ausspricht. Regnault und Moinier gaben bte bestimmte Versicherung, daß die schmerzlichen Tage nicht das Werk, der Zivilisation Frankreichs in Marokko aufijalten würben, —