Wer
1912
Marburg
Mittwoch, 8 Mai
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage<4
£te „tbirDrntfme Leitung' tfldjemt täglich mit Duenas-ne i>er «..an- und Friertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteijährlich durch
_ _ die Poft bezogen 9.25 M lohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen
W» 1(17 und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei ins Haus. <Für unver- langt zugeiandtc Manuskripte übernimmt die Redaktion feine-let Verantwortung). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55
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erstes Bl-m.
Rundschau.
Gerüchte.
Wie wir schon kurz berichteten ist der deutsche Botschafter in Konstantinopel Freiherr von Marschall von der türkischen Hauptstadt abgereist und hat sich nach Berlin begeben. Bon dort wird er zusammen mit dem Reichskanzler nach Karlsruhe fahren, um dem Kaiser Vortrag zuhalten. Knüpften sich schon vor der Korfureise des Kaisers die geheimnisvollsten politischen Legenden an die Person des Botschafters — man brachte seinen Namen sogar in Verbindung mit der höchsten Beamtenstelle des Reiches —, so gibt auch seine jetzige Reise der in- und ausländischen Presse Grund zu den gewagtesten Kombinationen. Man munkelt von der Sehnsucht des Herrn v. Kiderlen nach dem goldenen Horn und glaubt in der Tatsache, daß der Londoner Botschafter Graf Wolff-Metter- ntch seinen Posten verlassen wird, genügend Grund dafür zu sehen, daß ein durchgreifender „Diplomatenschub" vorbereitet wird. Man wird diesen müßigen Gerüchten mit einiger Ruhe gegenüberstehen können und es wird nichts verschlagen, wenn man abwartet, was Freiherr v. Marschall und Herr v. Bethmann in Karlsruhe ausgerichtet haben, um dann zu beurteilen wieweit die einzelnen Kombinationen den tatsächlichen Verhältnissen nahekommen.
Das Endziel.
Der Antrag des Stockhkolmer Bürgermeisters „Genossen" Lindhagen tn der Zweiten Kammer auf Absetzung der Dynastie und Einführung der Republik, bildet auch in Deutschland das Endziel der Sozialdemokrat Wenn im Erfurter Programm „Direkte Gesetzgebung durch das Volk vermittels des Vorschlags- und Verwerfungsrechts, Selbstbestimmung und Selbstverwaltung des Volks in Reich, Staat, Provinz und Gemeinde, Wahl der Behörden durch das Volk, Verantwortlichkeit und Haftbarkeit der Behörden dem Volke gegenüber, Entscheidung über Krieg und Frieden durch die Volksvertretung" verlangt wird, so ist diese Forderung gleichbedeutend mit dem Streben nach Einführung der Republik, denn mit einer solchen Staatsverfassung ist die Monarchie unvereinbar. Die sozialdemokratischen Parteiiführer haben es oft genug öffentlich ausgesprochen, dastsie als höchstes Ideal di« Abschaffung des Königtums an- fehen. So hat der Abgeordnete Roske auf dem Magdeburger Parteitage im September 1910 wörtlich erklärt: „Dem Bekenntnis des Kaisers zum Gottesgnadentum und Absolutismus setzen wir bei den kommenden Mahlen entgegen di« Ford«rüng nach einet Republik." Auch in den führenden Parteiblättern hat man solche Bekenntnisse vielfach lesen können. Beispielsweise schrieb die .Leipziger Volkszeitung" am 23. August 1910: „Für die Arbeiterklasse ergibt sich aus der Kaiserrede (in Königsberg) die neue Bestätigung der alten Lehre, daß sie den Kampf gegen die Monarchie allein zu führen hat, daß sie jetzt, und zwar mit allem Nachdruck, den Ruf zu erheben hat: „Es lebe die deutsche Republik!" Aus taktischen Gründen hat die Partei des Umsturzes auf dem vorjährigen Parteitag in Jena ihre eigentlichen Absichten und speziell ihr antimonarchisches Endziel nach Möglichkeit zu verhüllen gesucht, um bei den bevorstehenden Reichstagswahlen die Masten ihrer „Mitläufer" nicht mißtrauisch zu machen und bei den deutschen Wählern den Glauben zu erwecken, daß von der Sozialdemokratie der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung keinerlei Gefahr drohe. In Wirklichkeit weiß aber jeder zielbewußte Sozialdemokrat, daß die Verwirklichung des, der Begehrlikeit des Proletariats schmeichelnden Partei- prvgamms, solange wir eine monarchische Staatsform haben, vollständia ausgeschlossen ist. Darum muß die Sozialdemokratie als Haupt- und Endziel die Beseitigung der Monarchie betrachten! In Schweden haben die bürgerlichen Parteien den sozialdemokratischen Vorstoß geschickt und energisch zurückgewiesen. Bei uns fehlt der Partei trotz der roten „Hun- idustimdffehn" im Reichstage noch die Courage zu solchen Experimenten. - Wenn.freilich die bürgerliche Linke weiter mit der Sozialdemokratie denselben Kurs steuert und deren Position durch die Behandlung als gleichberechtigte Partei stärkt, werden wir uns schließlich auf Skandale wie im Stockholmer Parlament auch noch gefaßt machen müssen!
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Die Lage in Marokko.
Ten Franzosen ist es naturgemäß äußerst peinlich, daß sich Muley Hafid gerade in dem Augenblick mit Abdankungsgedanken getragen hat, als der Protektionsvertrag mit Frankreich ihm zur Unterschrift vorgelegt werden sollte. Man war unangenehm überrascht, daß der Sultan die französische Politik so desavouieren und sich von Fez nach Rabat zurückziehen wollte. Es wurde versucht, ihn davon zurückzuhalten, er aber drang darauf und kam plötzlich mit der Behauptung heraus, daß er mit der französischen Regierung einen Vertrag geschlossen habe, nach dem letztere sich verpflichtete, dem Sultan gegebenenfalls zu gestatten, abzudanken und zu leben, wo es ihm beliebe. Dieser Vertrag ist nun eigenartiger Weise vollständig geheim geblieben, weder der Ministerpräsident noch der Direktor der politischen Angelegenheiten hatten davon Kenntnis. Dies gesteht jetzt auch eine offiziöse Mitteilung zu, die In dem „Journal des Dubais" erschienen ist. Darin wird weiter ausgeführt, es handele sich in der Tat um ein Abkommen, dem man ohne Wortbruch sich nicht entziehen könne, ob zwar sich die Regierung vollständig klar darüber ist, daß die vom Sultan beabsichtigte Steife nach Rabat sehr bedauerlich sei. Demzufolge habe der Minister Millerand nach Rücksprache mit dem Eeneralrefidenten Liautey dem Gesandten Regnault und dem General Moinier telegraphisch die Weisung erteilt, alles zu versuchen, um den Sultan -on seinem Entschluß abzubringen, jedoch für den wahrscheinlichen Fall, daß ihre Bemühungen vergeblich blieben, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um etwaige unangenehme Zwischenfälle auf der Reise des Sultans nach Rabat zu verhindern. Im übrigen soll untersucht werden, wieso das fragliche Abkommen bisher ge
heim gehalten werden konnte und in den häufigen Unterredungen, welche der Gesandte Regnault und die Abteilungsdirektoren des Ministeriums des Aeußern mit Poincarö über die Ausarbeitung des Protektoratsvertrages gehabt haben, dieses Abkommen mit keinem Wort erwähnt worden ist.
Par is, 6. Mai. Aus Fez wird gemeldet: Eine aus 3 Bataillonen Fußtruppen, 2 Reiterschwadronen und zwei Batterien bestehende Abteilung, die ursprünglich zur Begleitung Regnaults und des Sultans Mulay Hafid nach Rabat bestimmt war, ist gestern früh aufgebrochen, um die 10 Meilen östlich von Fez ange- sammelte Harka zu vertreiben. Rach einem gestern Abend aus Fez abgesandten Funkentelegramm des „Matin" hörte man daselbst Kanonendonner, woraus geschlossen wurde, daß es zwischen den Franzosen und der Harka zu einem Kampf gekommen sei.
Paris, 6. Mai. Rach einer Blättermeldung aus Fez hat General Moinier die Regierung um die schleunige Absendung von drei Bataillonen nach Marokko ersucht, da dieselben für die Ueber- wachung der Etappenstraße von Fez nach Rabat unerläßlich sei. Man glaubt, daß diele Verstärkungen noch vor der Ankunft des Generals Liautey in Fez abgehen sollen. Die Regierung hat auch die Absendung mehrerer Artilleriebatterien nach Marokko ins Auge gefaßt.
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Deutsches Reich-
— Vom Kaiser. Achilleion, 6.^Mai. Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge der drei Kabinettschefs und begab sich mittags nach Korfu, um den König der Hellenen zum Namenstag zu beglückwünschen. Der Kaiser verweilte eine Stunde im königlichen Polais.
— Gewährleistung eines Mindesteinkommens für die Eisenbahner. Wie mitgeteilt wird, besteht die Absicht, die Stundenlohnsätze für die Arbeiter in den Werkstätten der preußisch-hessischen Staatsbahnen zu erhöhen, und ihnen ein Mindesteinkommen zu gewährleisten. Es bestebt für die Stückarbeiter in den Werkstätten, obwohl sie nach Stückpreisen bezahlt werden, eine bestimmte Lohnstaffel, die nach dem Lohndienstalter festgesetzt ist. Diese Lohnsätze haben zur Zeit nur soweit Bedeutung, als nach ihrem Maßstab der Eesamtverdienst einer Apbeitergruppe verteilt wird, die mit einer gemeinsamen Arbeit beauftragt sind. Die Arbeiter in den Werkstätten haben daher den Wunsch geäußert, es solle die Bedeutung dieser Stundenlobnsätze erweitert werden und die Lohnsätze ihnen unter angemessener Erhöhung als Mindesteinkommen gewährleistet werden. Es würde dadurch eine Sicherung der Arbeiter gegen größere Schwankungen ibres monatlichen Verdienstes erreicht. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Berechtigung dieses Wunsches anerkannt. Beim Stückverfabren ist die Möglichkeit eines unaünstigen Auftrages nicht ausgeschlossen, so daß ein Arbeiter zu Zeiten unzureichenden Verdienst erzielen kann. Auf Vorschlag der Merkstättenkommisston ist deshalb in Aussicht aenommen werden, den Arbeitern den Stundenlobnsaß als Min- desteinkammen zu gewährleisten, das ihnen auf jeden Fall ausbezahlt wird, auch wenn der Stücknerdienst ausnahmsweise hinter ihm zurssckhleiben sollte. Da die Stundenlobnsätze aeaenwärtiq so bemessen sind, daß die Arbeiter bei ordnungsmäßiger Leistung etwa 50 % durchschnittlich, gelegentlich auch mebr Ueberrierdienst erzielen, würde die neue Maßnahme für die Arbeiter bedeutungslos sein. Es ist darum beabsichtigt, die Stundenlobnsätze so zu erhöhen, daß die Spannung nur noch 20 % beträgt, so daß die Arbeiter die Möglichkeit haben, durchschnittlich einen Ueberverdienst von ca. 1/5 der Stundenlobnsätze zu erreichen. Eine Höchstgrenze wird nicht festgesetzt, es bleibt den Arbeitern vielmehr Überlassen, durch größeren Fleiß größeren Verdienst zu erzielen..
— Eine Kaiser Wilhelm ll.-Denkmünze. Wie eine Berliner Korrespondenz zu melden weiß, beabsichtigt der Kaiser für sein am 15. Juni 1913 stattfindendes 25jähriges Regierungszubiläum ein am Bande zu tragende Denkmünze zu stiften, die an alle Staatsbeamte, die Offiziere. Unteroffiziere und Mannschaften des Heeres und der Flotte, sowie an diejenigen Personen verliehen werden soll, diezu dem preußischen Köniqshause in besonderen Beziehungen stehen. Wie es weiter beißt sollen Entwürfe zu der Medaille und der Farbenzusammenstellunq des Bandes dem Kaiser bis zum Herbste d. I. zur Entscheidung vorgelegt werden.
— Zur Angelegenheit der „deutschen" Maschinenfabrik Grafenstaden im Elsaß ergreift jetzt auch die „Nordd. Allg. Zta." in ihren Rückblicken das Wort: „Die Verwaltung der preußischen Staatseisenbabnen und der Reichsbahnen bat sich zu ihrem Vorgehen erst entschlossen, nachdem auf ihren Wunsch die essaß-loih- ringische Landesregierung den Sachverhalt untersucht und dabei festgestcllt batte, daß die erhobenen Anschuldigungen begründet sind. Auslchlaggebend ist die Erwägung gewesen, daß es mit der Ehre und der Selbstachtung deutscher Staatsverwaltungen schlechthin unvereinbar ist. ein Werk zu unterstützen, dessen Leiter deutschfeindliche Gestnnung bei seiner Geschäftsführung betätigt. Daß dabei eine Begünstigung der alldeutschen Konkurrenz beabsichtigt werde, ist eine haltlose Unterstellung. Die Ei^ ''bahnverwal- tungen haben — ohne Rüchsicht darauf, daß ein großer Teil des Aktienkapitals im Ausland untergebracht ist — dem Grafen- stadener Werke seit lanaem bedeutende Lieferungen zugewendet, weil sie den Wunsch haben, dem Reichslande das große Unter- nebmem lebensfähig zu erhalten. Die Bedingungen für weitere Aufträge stnd derart, daß der Gesellschaft die Erfüllung möglich ist. Wenn also — wovon im elsaß-lothringischen Landtag und in der Presse die Rede gewesen ist —die Forderung der Verwaltung zur Stillegung der Grafenstadener Fabrik und zur Brotlosmachung
ihrer Arbeiterschaft führen sollte, so würde die Verantwortung allein die Gesellschaft treffen. Die Interessen des Werkes werden aber eine Stillegung des Werkes verbieten, und wenn sie geschähe, so würde alsbald ein neues gleichartiges Unternehmen entstehen, das frei von fremden Einflüssen die gesamten Reichs- und Staatsaufträge übernähme und die Interessen der Arbeiterschaft sicherstellte."
— Wie die Sozialdemokratie „Jugendpflege" treibt. Einige Beispiele dafür, wie die Sozialdemokratie schon in der unreifen Jugend den Klassenhatz schürt, werden einer Verl. Korrespondenz mitgeteilt: Die Beispiele, die früheren Nummern der sozialdemokratischen Zeitschrift „Arbeiter-Jugend" entnommen sind, zeigen mit erschreckender Deutlichkeit, wie dringend nötig der von der Regierung und von der Oeffentlichkeit jetzt so energisch aufgenommene Kampf um die Jugend ist. Die genannte Zeitschrift veröffentlicht die folgenden „lehrreichen" Dialoge, durch die die jungen Leute von der sozialen Ungerechtigkeit unserer Gesellschaftsordnung und unseres Staatswesens überzeugt werden sollen: Der Richter: „Gestehe, Scheusal," Du hast Dein Kind in der Geburt er» stickt?" Die Mutter: „Ich gestehe. Ich war bettelarm und einsam auf eisiger Landstraße. Da erbarmte ich mich des Wurmes." Darauf der Richter: „Auf bas Schaffst, Verruchte!" — Der Richter: „In Deiner Fabrik stirbt jährlich ein Viertel der Arbeiter an' Schwindsucht?" Der Unternehmer: „Jawohl, ich habe es zu einem großen Betriebe gebracht." Der Richter: „Der scharfe Staub zersetzt ihre Lungen?" Der Unternehmer: „Jawohl, wo eine große Produktion ist, gibt es viel Staub." Der Richter: „Und das läßt sich nicht vermeiden?" Der Unternehmer: „Nein, denn es würde die Unkosten steigern." Der Richter: „Dein E«lchäft geht aber?" Der Unternehmer: „Ich kann nicht klagen. Wir verteilten im letzten Jahre 20% Dividende und gaben außerdem ein halbes Prozent in die Waisenkasse." Der Richter: „O, Du wohltätiger Mann, würdest Du wohl die Gnade haben, mir 2 bis 3 Aktien zu vrekaufen?" Jedes Wort des Kommentars zu diesen typischen Beispielen sozialdemokratischer Kampfesweise erübrigt sich.
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Koloniales
Deutsche Mission in Reukamerun. In Neukamerun, dem durch bas deutsch-französische Abkommen erworbenen Konqogebiet, befindet sich nur eine französische katholische Ordens-Mission. Diese beabsichtigt, sich aus ihrem bisherioen Tätigkeitsgebiet zurückzuziehen. Sowohl in deutschen katholischen wie evangelischen Missionskreisen soll das Kongogebiet mit eigenen Missionen besetzt werden. Von evangelischer Seite will man tn Uesso am Zusammenfluß des Sanga und des Ngoko eine Station schaffen. Die hierüber eingeleiteten Verhandlungen sind noch nicht zum Ab- schlutz gekommen.
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Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orginalarttkel ist gemäß § 18 des Urheberrecht- nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhess Ztg." gestattet)
Marburg, 7. Mai.
* Universität. Mit dem gestrigen Tage find die Immatrikulationen zum Sommersemester an der hiesigen Universität offiziell zu Ende gegangen. Die Gesamtzahl der Studierenden ist ungefähr die gleiche wie im vorigen Jahre, sie beträgt 2289, darunter 128 Damen. Es studieren Theologie 201 (darunter 3 Damen), Jura 396, Medizin 470 (21) und Philologie 1212 (104). Das genaue Resultat ist erst später aus dem Studentenverzeichnis zu ersehen.
• Militärisches. Das Militärwochenblatt meldet: Oberst v. Leys« ist zum Generalmajor befördert und unter Ernennung zum Kommandeur der 43. Insanteriebrigade in Cassel mit bet Führung dieser Btigatx beauftragt worden.
• Ja eigener Sache. Zuschriften, welche für den redaktionellen Test unserer Zeitung bestimmt find, werden recht oft an den Verleger ober an ein einzelnes Mitglied der Redaktion adressiert. Da hierdurch unlieb- ferne Verspätungen bei der Veröffentlichung entstehen können, empfiehl« es sich, solche Sachen überhaupt nur mit der Ausschrift „Redaktion" gl versehen.
* Witterungsrückschlag und Bogel-Rückzug. Die in diesem Frühjahr so plötzlich und anhaltend aufgetretenen Spätfröste haben viele Zugpögel veranlaßt, einem Tod durch Erfrieren und Verhungern durch Rückzug vorzubeugen. Es ist beobachtet worden, daß Störche, Stare, Lerchen, Schwalben, Rotschwänzchen und Rotkehlchen wieder in südlichere Gegenden abwanderten, als di« Spätfröste unter ihnen Opfer forderten.
* Die Marburger Wach- und Schließgesellschaft teilt uns mit: Im Monat April wurden 2285 Türen und Tore laufend zu- und aufgeschlossen; zu ungewöhnlichen Nachtstunden standen 198 Haustüren, 90 Hintertüren, Läden, Kontore, Lagerräume, Balkonzimmer. Keller, Waschküchen, Werkstätten, Fabriken, Kohlenställe, Restaurants usw. und 47 Fenster offen und wurden geschlossen. In 63 Fällen wurde Licht festgestellt und gelöscht, 28 steckengebliebene Schlüssel abgeliefert, 5 nicht heruntergelassene Jalousien gemeldet. 4 in Ställen losgerisiene Pferde festgebunden und auch 333mal zu bestimmten Zeiten Personen geweckt. Ferner wurden gefundene Geaenstände der verschiedensten Art zurückgegeben, 9 Fahrräder in Sicherheit gebracht und in 3 Fällen defekt gewordene Wasserleitungen gemeldet. In einer Werkstatt wurde nachts Feuer bemerkt; es gelang dem Wächter, bas Feuer zu löschen, es hätte, wenn cs später bemerkt worben wäre, unbedingt großen Umfang angenommen, da die Werkstatt voll von Brennstoffen war. Postsachen wurden wieder des öfteren von den entfernt liegenden Behausun» | gen zum Kasten mitgenommen.