47. Jahrg.
1912.
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage "
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und Feiertage. — Ter Bezugspreis betragt merleijährlich lurch die Post bezogen S.25 <X lohne Bestellgeld), oei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 Jl frei ins HauS. (Für unter- langt zngeiandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keine fei Berantwortunq). Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Jnd.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55
Marvnrg
Sonnabend, 4. Mai
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Erstes Blatt.
Rundschau.
■ Die Zwistigkeiten in der Rationalliberalen Partei
sollen jetzt endgiltig beigelegt werden. Nachdem in den letzten Wochen die Resolutionen der einzelnen lokalen Organisationen in reicher Fülle ihren Standpunkt präzisiert haben, hat iiBBerlin eine freie Kommission einen Kompromiß ausgearbeitet, der den Zweck haben sollte, die Zwistigkeiten vor dem eigentlichen Parteitage aus der Welt zu schaffen. Die Frage dreht sich bekanntlich darum, ob die Stellungnahme des Zentralvorstandes gegen die Jungliberalen durch den Parteitag sanktioniert werden soll oder nicht, auf Deutsch, ob die Nationalliberale Partei nach dem Willen des Zentralvorstandes ihre alte Stellung als Mittelparcei behalten will .oder ob sie dem Treiben der jungliberalen Kreise nach links weiter folgen will, für deren Bestrebungen die kürzliche Auslassung der ..Köln. Ztg." so überaus charakteristisch war. Man weiß bis jetzt, daß eine Einigung zustande gekommen ist. Sie soll darauf beruhen, daß die jungliberale Sonderorganisation bestehen bleibt, aber ohne offiziellen Charakter innerhalb der Nationalliberalen Fraktion. Die einzelnen jungliberalen Vereine sind den Provinzialorganisationen angeschlossen und haben dort ihre Vertretung. Genaueres wird erst noch bekannt gemacht werden. Nicht uninteressant ist die Feststellung der „Nationalzeitung", daß die Absicht, den Vertretertag zu verschieben, an dem Widerspruch der Jungliberalen gescheitert ist. Der Vertretertag wird also am 12. Mai doch stattfinden und sich mit dem Kompromiß zu beschäftigen haben. Dann wird man auch entscheiden können, ob die jetzt beschlossene Einigung mehr ist als ein Verkleistern der vorhandenen Gegensätze.
Im österreichischen Parlament
hat nunmehr der Nachfolger des Grafen Aehrenthal, der neue Minister des Auswärtigen, Graf Verchthold, gesprochen. In einer Antrittsrede hat er sein Programm entwickelt, das natürlich die friedlichen Abfichten und das freundschaftliche Verhältnis zu allen anderen Staaten gebührender Weise betont, obne dabei etwas neues zu bringen. Interessant ist, daß das Verhältnis zu Rußland seitens Oesterreich-Ungarns offenbar wärmer geworden ist. Mit Frankreich verbindet Oesterreich-Ungarn das konservative Jnterefie auf dem Balkan, und den italienische-türkischen Krieg verfolgt es mit dem Wunsche des baldigen Friedens. An die Spitze seiner Ausführungen stellte er den Gedanken des Dreibundes und insbesondere das enge Verhältnis zu uns. Mit Wärme spricht er non dem innigen „Solidaritätsbewußtsein" zwischen den beiden Mächten und dem auf tief eingewurzelten Traditionen gegründeten und nach übereinstimmenden Endzielen eingestellten außer- politischen Wirken der beiden Zentralmächte. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß die deutsch-österreichiichen Beziehungen von dem Grafen Verchthold entschiedener und mit größerer Sympathie behandelt werden, als wir das vom Graten Aehrentbal gewohnt waren, der bekanntlich gelegentlich, so z. V. in der Marokkofrage, lauere Wege ging. Deshalb sind auch von besonderem Interests die Erörterungen des Graten Verchtold mit Berng auf das französische Protektorat in Marokko und das dentfck-fran-östfcke Marokkoabkommen, durch das . die «Handelsfreiheit und wirftckaft- liche Gleichberechtigung in Marokko für den Welthandel aettchert worden itt. Infolge unserer Zustimmung iu diesem Abkommen haben wir Anspruch, daß die leitens Frankreichs gemachten Zu- "^r^ägen bei der kommerziellen und wirtschaftlichen Betätigung öller- -ML^reichischer und ungarischer Staatsangehöriger oder Gesellschaften in Marokko eing"balten werden. In unserer seinerzeit abgegebenen Zustimmungserklärung ist dies ausdrücklich konstatiert worden, und wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, daß die unserem sandel und unseren Unternehmungen verbürgten Rechte auch unter dem Protektoratsregimc vollinhaltlich zur Anwendung gelangen."
Zum Untergang der „Titanic".
Je weiter die Untersuchung in der Titonicanoelenenbeit fortschreitet, um so eigenartigeres Lickt wird auf das Verhalten der Marconi-Gefekl- schaft geworfen. Jett werden weiter« Einzelheiten bekannte di« dringend der Aufklärung bedürfen. Wie Dänische Zeitungen berichten, befand fick bei Dampfer „Birma" der Osiafrtkanilcken Komnagnie in der Nähe der Unfallstelle, während die „Carpatbia" die Ueberlebenden an Bord nahm und fragte bei dieser drahtlos an, ob Lftlfe erforderlich sei. Als Antwort erhielt der dänische Dampfer nur ein lakonisches „Wartet!" Der dänische Kapitän hatte inzwischen alles kür die Ausnahme der Sckisfbrückte-n hergerichtet und bot wiederholt der ..Carpatbia" Unterstützung beim Rettungswerk an. Die endlich eintreffende Antwort lautet«: „Beuntzt Ihr Schiff Apparate der Marconigesellschaft? Ich habe sonst Order, Ihnen kein« Information zu geben." Der dänische Dampfer teilte mit, er habe Apparate nach dem System de Forest und erhielt darauf von dem höflichen Engländer den Rat: „Dann haltet den Mund!" Der dänisch« Telegraphist hat sich bereit erklärt, seine Aussage zu beschwören, so daß di« Angelegenheit für die „Carpathia" und für die Marconi-Eesellschaft noch weitere Folgen haben wird.
London, 2. Mai. Die Untersuchung des „Titanic"-Unglücks hat begonnen. Lord Mersey, der Vorsitzende des Untersuckungsaerichts, er- Affnete die Verhandlungen mit einer Sympathiekundgebung für die Verwandten der Opfer. Sir Rufus Isaacs erklärt« als Vertreter des Han-
, di« Untersuchung müste sehr sorgfältig und eingehend sein. Sechzig Anwälte vertreten di« verschiedenen Interessen. Nach Beendigung -er Erüffnungsformalitäten wurde oi« Verhandlung aus morgen vertagt.
I Der Krieg um Tripolis.
Endlich hat sich die Pforte veranlaßt gesehen, dem Drängen weiter Kreise nachzugeben und die Dardanellendurchfahrt wieder zu gestatten. Am Mittwoch abend überreichte der türkische Minister des Aeußeren den Vertretern der fremden Mächte eine Note, in der die Wiedereröffnung der Dardanellen mit dem Vorbehalte, sie gegebenenfalls wieder zu schließen, bekannt gegeben wird. Die Note hat folgenden Wortlaut: „Das kaiserliche Ministerium des Äußern teilt den auswärtigen Missionen mit, daß die ottomanische Regierung beschloß, die Dardanellen der neutralen Schiffahrt unter denselben Bedingungen wie vor der Sperrung wieder zu öffnen, das heißt, mit der Verpflichtung für die Handelsschiffe, sich den Vorschriften über die Verwendung von Lotsen zu unterwerfen. Die Meerenge wird der Schiffahrt unter den früheren Bedingungen nach der Frist freigegeben, die zur Hebung der die Verteidigung ergänzenden Minen materiell itnerläßlich ist. Selbstverständlich hält die kaiserliche Regierung ihr legitimes Recht unumschränkt aufrecht, die Meerengen vollständig zu sperren, sobald sich das Bedürfnis danach fühlbar machen wird."
Es war für viele Gegenden die höchste Zeit, daß die Schiffahrt in den Dardanellen wieder freigegeben wurde. Wie aus Urmia gemeldet wird, find infolge der Verhinderung der Eetreidezufuhr durch die Türkei die Eetreidepreife derart gestiegen, daß ein Haufen ausgehungerter Frauen von dem russischen Konsulat erschienen ist, die dringend um Maßregeln gegen die künstlich geschaffene Hungersnot baten. In dem Hafen von Konstantinopel befanden sich in den letzten Tagen nahezu hundert Handelsschiffe, die meist englischer oder griechischer Nationalität waren.
Wie wir gestern schon kurz meldeten ist in den Dardanellen wiederum ein Dampfer auf eine Mine gestoßen und in die Luft geflogen. Es handelt sich um den in dem Dienste der Admiralität stehenden. Schlepper „Semendria". Der Unfall, bei dem der Kapitän und 12 Mann ihr Leben einbüßten, rief bei der Bevölkerung große Erregung hervor.
- * *
Tripolis, 2. Mai. Gestern früh unternahmen die Luftschiffe „P. 2" und „P. 3" einen Erkundungsflug längs der Straße Fonduk-Tokar-Suani-Benaden-Azi.zia. Die Luftschiffe, die unter dem Befehl des auf „P. 3“ befindlichen Majors Denti standen, stellten die Streitkräfte und die Stellungen des Feindes fest. Als sie über den feindlichen Lagern eintrafen, wurden sie mit lebhaftem Eewehrfeuer und mit Granaten empfangen, blieben jedoch unversehrt. Gegen 10 Uhr befand sich „P. 2“ über dem Lager von Azizia und bombardierte es mit großem Erfolge, indem es 30 Bomben fallen ließ. „P. 3“ ließ etwa 12 Bomben in die Lager von Suani und Denaden fallen, die dem Feinde schwere Verluste zufügten, da sämtliche Bomben regelmäßig erplodierten. Nach drei- stünd'aer Fabrt kebrten die Luftsckiffe zurück.
Konstantinopel,2. Mai. „Sabah,, meldet, daß das italienische Linienschiff ..Re Umberto" beim Landen von Truppen in Said, westlich von Tripolis, an einem Felsen gescheitert und gesunken sei.
D-uMes Reich.
— Bon Kaiser. Achilleion, 2. Mai. Venizelos ist heute mittag 12 Uhr im Achilleion eingetroffen, wurde vom Gesandten Freiherrn von Jenisch empfangen und nach der Achellesteraste geleitet, wo der Kaiser ihn in Gegenwart der Gesandten v. Jenisch und v. Wangenheim in Audienz empfing. Dann fand Frühstückstafel statt, an welcher auch der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland teilnabmen. Venizelos saß links vom Kaiser.
- Aus den Kommissionen. Berlin, 2. Mai. Die Komnuchon des Reichstags betreffend die BeseiMnng des Branntweinkoatin- gents beriet den ii 2 der Vorlage weiter, der die Ermäßigung d'r Verbraucksabgabe für die i# Bayern, Württemberg und Vaden von den Bernnern inncrboll ihrer Kontingents hergestellten AUo- bolmengen (um 0.075 tnb für gewerblicke Brennereien um 0 05 K für den Liter Alkohol) Mi freßt. Die Kommission nahm m-t 21 Stimmen den Antrag Voot-Eraikrheim in folgender Fassung an: In § 2 Absatz 1 ist nach 0,075 Jk einzuschalten: Bei den vor dem 1. April 1912 betriebsfähig hergerichteten Brennereien mit einer Jahreserzeugung von nicht mehr als 100 Hektoliter um 0,12, und von nicht mehr als 100 bis 300 Hektoliter 0,10 <*. — Die Budgetkommission des Reichstages hat den 8 5 des Gesetzentwurfes zur Abänderung des Reichsmilitärgesetzes in folgender Fällung genehmigt: Das Gebiet des deutschen Reiches wird in militärischer Hinsicht in 25 Armeekorps eingeteilt. Auf eine Anfrage gab Generalmajor Wandel Erklärungen über die Neueinteilnng der Korpsbezirke infolge Errichtung der beiden neuen Korps. Das 20. Armeekorps werde im westlichen und Südlichen Teile Ostpreußens bis zur Weichsel stehen, das 21. Armeekorps werde von der Südgrenze des jetzigen achten Armeekorpsbezirks nach Elsaß-Lothringen hinüberreichen. — In der Budgetkommistion des Reichstages wurde der sozialdemokratische Antrag, die Herabsetzung der Dienstzeit der Kavallerie, mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten außer den Sozialdemokraten die Fortschrittspartei, die Polen und ein Zentrumselsässer. Der übrige Teil des Antrages, der die Dienstzeit der Artillerie auf zwei und die der Infanterie auf ein Jahr herabsetzen will, wurde abgelehnt.
— Die Debatte über den Jesuitenerlaß in Bayern wurde gestern fortgesetzt. Im Laufe derselben führte Abg. Müller (Soz.) aus, das Ministerium Hertling müsse sich den Vorwurf einer Verletzung von Reichsgefetzen gefallen lassen. Die Sozialdemokraten
würden aber für vollständige Aufhebung des Jefuitengefetzes eintreten. Dr. Quidde (Lib.) wies darauf hin, daß bei der Abhaltung der sogenannten Missionen in Kirchen, wie sie der neueste Erlaß der bayerischen Regierung gestatte, das psychologische Moment der Kirche ins Gewicht falle. Weiter bemerkte er, der Kultusminister habe gestern verschwiegen, daß Konferenzen in Kirchen erlaubt sein sollen, auch wenn die Spendung der Sakramente damit verbunden werde. (Lebhafte Bewegung im ganzen Haufe.) Abg. Casselmann erklärte, er müsse feststellen, daß die gestrige Behauptung des Kultusministers, die Regierung habe den Jesuitenerlaß vom früheren Kultusminister in der ganzen Fassung übernommen, nicht der Wahrheit entspreche. Kultusminister Knilling wies den Vorwurf zurück und bemerkte, gegen die Sakramentsspendung in der Kirche wollten wohl auch die Liberalen nicht sein. Gegen diese Ausführungen protestierten die Redner der Liberalen, worauf der Kultusminister nochmals die Spendung der Sakramente bei den Jesuitenkonferenzen als harmlos bezeichnete. Darauf wurde die Debatte geschlossen.
— Zur Zweikampfsfrage. Berlin, 2. Mai. Die Zentrumsfraktion des Reichstages wird, wie die „Köln. Volksztg." mitteilt, einen Antrag zum Militärgesetz, nicht zur Wehrvorlage, einbringen, wonach kein Offizier wegen einer gesetzlicken Handlung, also auch wegen Verweigerung des Duells, aus dem Heere entfernt werden darf.
— Ankauf zweier Farmen durch de« deutschen Kaiser. Nach einem Telegramm der „Deutschen Kab«loramm-Eesellsckaft" aus Windbuk bat der Kaiser die Farmen ..Dick Dorn" und ..Kolok" im Bezirke Gideon für 96 000 auf den Rat des gegenwärtig Deutsch- Süd-West-Afrika bereisenden Hofkammerrats kiaekel gekauft. Die Farmen sollen dem Betriebe der Wollickafzucht dienen. Der bisherige SRefifrer, der Farmer Emil von Könen. W-Ml b—
— Die Hockseeflotte ist mittags auf dem Wege um Skagen nach der deutschen Nordseebucht ausgelaufen, um mit Helgoland als Stützpunkt bis zum 4. Juni Nebungen auszuführen.
— Militärisches. Bei der Infanterie'ckteßsckule in Svandau finden nach der „R. p. C." in diesem Jahre vier llntertnethtnisfnrte für Seeoffiziere statt. Der Rurtng für Stabsosfteierr ist vom 12. bis 21. Juni, di« drei Kurte für Kopssänfeutnannts und ältere Oberfeutn-"'te finden in der Zeit vom Mai bis Aug"st statt und dauern je drei Wochen. — Bon den neu zu errichtenden 6dteinn'erten"'-'en bte den P-onter- bataiston-n angeoltedert werden, erbost Preust-n 20. Baoern 3. Sackten 2 und Würstemberq einen. Si« sind dazu bestimmt. das schwere und leickte fahrbare und das leickte traabar« Scke'Nw<"'feraerät zu bedienen, mit dem man auf Entfernungen bis zu 3000 bezw. 2000 bezw. 1200 Metern signalisieren kann.
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Ausland.
“ Der franzöjche Kriegsminister an der Grenze. Paris. 30. Avril. Der Kriegsminister Millerand hat sich gestern in Begleitung des Ehef« des Großen Generalstabes Joffre an die Ostarenze zur Besichtigung der Forts begeben. Die Reite, auf welcher er Verdun, Tauten. Nancy, Luneville. Evinal und Belfort zu besuchen gedenkt, wird die ganze Woche in Ansvruch nehmen. — Aus Nancy wird gemeldet daß man in militärischen Kreisen der Besichtigungsreise des Krieosministers Millerand beträchtliche Bedeutung beimesse. Man weist besonders darauf hin. daß es feit 1873 das erste Mal fei, daß ein Kriegsminister eine so lange Be» sichtigungsreite an der Ostgrenze unternehme. Die Garnisonen von Nancy, Luneville, Eommerey und St. Nicola du Port auf dem Manöverfelde von Malzeville werden unter dem Befehl des Kommandeurs des 20. Armeekorps. General Gpetscky, in Gegenwart des Krieosministers eine Uebung ab halten, di« mit einer Truppenparade abschließen wird. Er heißt, der Krieqsminister werd« die Gelegenheit benutzen, um in Begleitung der Generäle Ieffre und Goettchn die Froo« der östlichen und nordöstlichen Berteidi-'unnsmerke von Nancy zu studieren.
“ Der 1. Mai in Frankreich. Paris, 2. Mai. Verschiedene Blätter weifen mit Befriedioung auf den ausnehmend ruhigen Verlauf de» 1. Mai hin und erblicken darin einen sehr bemerkenswerten Mißerfolg des revolutionären Arbeiterverbandes, der vergeblich versucht hatte, durch leidenschaftliche Aufruf« di« Arbeiter zur Veranstaltung von Straßenkundgebungen anzustiften. Auch die zwei Versammlungen, fti denen die Redner diesmal insbesondere für die sogenannte „englisch« Woche" eintraten, gaben zu keinem bemerkenswerten Zwischenfall Anlaß, obgeiehen vielleicht von der Verhaftung zweier Leute, die Hochrufe auf den Banditen Bonnot ausbrachten.
* * Frankreich und Spanien. Madrid, 2. Mat. Im Verlaufe des Ministerrates teilte der Ministerpräsident dem König mit, die in bat französisch-fpani'ckM Verband'ungen ausgetretenen Schwierigkeiten seien ausgeglichen. Es fei zu hoffen, daß die Verhandlungen schnell zu einer beftiedtoenden Lömna fuhren.
“ Zur Lage in Marokko. Paris, 2. Mai. Aus Fez wird vom 1. Mai gemeldet: Die Harka. die im Osten von Fez zu dem Zwecke gebildet worden, auf Fez vorzurücken, löste sich auf. Die Beni Urain entschlossen sich nicht, gegen Sefru zu marschieren. — Es verlautet, daß in Fez ein« Kriegskontribution zwecks Entschädigung der Opfer der dortigen Unruhen erhoben werden soll. — Der Dampfer „Armenie" ist von Bastia (Korsika) mit einer Batterie des zweiten Eebirgsartillerieregimentr nach Casablanca abgegangen.
“ Reorganisation der englischen Flotte. London, 2. Mai. Die Zeitungen veröffentlichen eine Mitteilung der Admiralität über eine geplante Reorganisation der Flotte: Das erste und das zweite Geschwader werden aus Dreadnoughts und dem „Lord Nelsons" bestehen. Das dritte Geschwader, die bisherige atlantische Flotte, wird aus den acht Schiffen der „Eduard VH."-Klasse neugebildet werden. Im Laufe des Sommers wird die gegenwärtige Mittelmeerfahrt Gibraltar als Basis erhalten und in das vierte Geschwader umgewandelt werden; es wird aus der „Duncan"-K ässe bestehen. Diese vier Geschwader bilden di« erste Schlachtflotte. Das fünfte Geschwader, da» jetzt die dritte Division heißt und aus Schiffen mit Stammannschaften besteht, wird au» den acht Schiffen des Formidable-Schiffs sich zusammensetzen. Das siebte Ge» chwader (Dritte Flotte) wird acht Majestics erhalten und diesem 5e» schwader wird die «eue erste Reserve zugewtesen. Die beiden SchiW der 1