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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Marvmg
Freitag, 3 Mai
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Frankfurt a. M.
11. Jahrg, 1912.
Erstes
i; Der neue Schlachlschissiyp.
L-*. Man schreibt uns:
.■/_ Am vergangenen Sonnabend lief auf er Schichauwerst zu Danzig das Schlachtschiff „König Albert", oder wie es bis zum Stapellaufe hieß, „Ersatz Aegir" vom Stapel. Der „König Albert" ist das letzte der drei ’eus dem Etat 1910 stammenden Schlachtschiff« und wird, wie die beiden anderen auch, im Herbst 1913 dienstbereit sein. Der „König Albert" gehört der sogenannten neuen Kaiserklasse an, die sich dadurch so sehr be- lerkenswert von der ihr vorangegangenen Klasie unterscheidet, daß sie zwei schwere Geschütze weniger besitzen, nämlich zehn anstatt zwölf. Wenn man sich im allgemeinen an die Idee gewöhnt hatte, je neuer ein Schlachtschiff, desto stärker und mächtiger sein« Armierung, so ist hier das Gegenteil der Fall. Die Artillerie der König-Albertklasse ist um zwei 30,5 om-Kanonen schwächer, als die der Helgolandklasse. Im Ausland« hat das sehr viel Aufsehen erregt, während in der deutschen Oeffentlich- keit zurzeit das Interesse für Einzelheiten unserer neuen Schlachtschtff- typen ein merwürdig geringes ist. Gewiß ist es bedenklich, ganz besonders in Anbetracht der notwendigen Geheimhaltung aller derartigen Einzelheiten, eine detallierte Kritik vorzunehmen, um dann mit einem günstigen oder ungünstigen Urteile zu schließen. Dazu ist ein modernes großes Kriegsschiff ein viel zu verwickelter Apparat. Um ihn als Ganzes überhaupt beurteilen zu können, muß man ihn nicht nur in allen Einzelheiten genau kennen, sondern man muß auch über die Er-. Wägungen unterrichtet sein, die gerade zu diesem Typ geführt haben und zu den Unterschieden von der vorhergehenden Klasie. Zudem wird man von unserer Marineverwaltung sagen müssen, daß sie ihre 1906 gegebene Erklärung, daß von jenem Jahr« an nur noch wirklich vollwertige Schiffe für die deutsche Marine gebaut werden sollten, in ausgezeichneter Weise verwirklicht hat.
Trotz aller dieser Erwägungen kann man sich doch eines gewissen Bedauerns und Bedenkens nicht enthalten, eben wegen jener Verringerung der Artilleriearmierung. Gewiß muß zugegeben werden, daß die Aufstellung dieser Gesckütze in gewisser Weise praktischer ist, als auf der Helgolandklasie. Ein Turm ist hier T» ausgestellt, daß er noch beiden Seiten des Schiffes schießen kann, während, auf der Helgo!andklvffe auf - jeder Seite des Schiffes je ein Turm stand, der nur nach der einen Seite zu schießen vermochte. Man hat also, um an Raum und an Gewicht zu sparen, di« zwei Türme durch einen Turm gewissermaßen ersetzen wollen. Theoretisch läßt sich darüber streiten. Praktisch erledigt sich die Frage schon dadurch ziemlich einfach, daß zwei getrennt von einander stehende Türme menschlicher Voraussicht nach dem Unbrauchbarwerden durch feindliche Geschosse weniger ausgesetzt sind, als ein-einziger Turm. Selbstverständlich sind diese Schiffe im übrigen durchaus vollwertig und haben keinen Ansatz, irgendeinen gleichalterigen Gegner einer anderen Marine im Gefechte zu fürchten. Der Tvp aber, den sie repräsentieren, wird nut als ein solcher des Ueberganaes zu betrachten sein. Und wenn im nächsten Jahre die wesentlichen Angaben über die dann folgende Klass« bekannt sind, wird man sehen, daß der llebergang hinsichtlich der Artillerieaufstellung dann ganz vollzogen und daß man auf die Mittelschiffsaufstellung aller schweren Ceschütztürme in einer Linie gekommen fein wird.
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Italien und die Türkei.
* Zur Schließung der Dardanellen.
Konstantinopel, 1. Mai. Die Pforte sagt in ihrer Antwortnote, die gestern der russischen Botschaft abgegeben worden ist, die Bestimmung keines Vertrages hindere die Türkei, in Kriegszeiten die Dardanellen zu schließen. Trotzdem wolle die Pforte die Dardanellen öffnen, sobald es die Umstände gestatteten. Man versichert, daß der russische Botschafter Giers gestern in einer Unterredung mit Sem türkischen Minister des Aeußern Assin Van wiederum die Notwendigkeit der Oeffnung betone, durch Verlängerung der Schließung verscherze sich die Türkei die Sympathien der öffentlichen Meinung Europas.
K o n st a n t i n o p e l, 1. Mai. Der „Tanin" verzeichnet ein Gerücht, daß die Pforte die Dardanellen nur einmal für drei Tage öffne, um die Durchfahrt der im Hafen anaesammelten Schiffe zu ermöglichen, dann werde sie die Dardanellen schließen. Weiter meldet der „Tanin": Antwortlich der russischen Note erklärt die Pforte: Wenn die Italiener die Kabelleitungen im Archipel nicht durchschnitten hätten, so würde die Pforte zuverlässige Nachrichten über die Bewegungen der italienischen Flotte erhalten haben und die Wiedereröffnung der Dardanellen wäre nicht schwierig.
Parts, 1. Mai. Mehrere Marseiller Schiffahrtsgesellsckaften beschlossen, den Levante- und Schwarzenmeerdienft bis zur Wiedereröffnung der Dardanellen einzustellen. Die Dampfer der Meffa- geries maritimes halten jedoch ihre Fahrten zu der Levante und bem Schwarzen Meere aufrecht.
Zu der Katastrophe der »Texas*
wird ergänzend gemeldet: Die „Texas" hatte 111 Passagiere an Bord, davon sieben erster Klasse, während die übrigen im ?"is^on- deck untergebracht waren. Von diesen waren 50 Tf' - - aus
Saloniki, 25 Türken aus Mytilene, die anderen au« '* —d
Dedeagatfch. Die Besatzung zählte 25 Mann. Bis r.c* "> 67 Personen gerettet, von denen viele Verletzungen erli. o Personen gelten für verloren. Unter den Ertrunkenen befindet sich der Belgier Voucart. Deutsche sind nicht verunglückt. Der Inspektor des jungtürkischen Komitees im Archipel Nessimi und der Attache des Gouverneurs in Mytilene Schefket sind gerettet. Der erste Kapitän, der Grieche Makrie, wurde verletzt. Der Oester- reichifche Lloyd sandte den Dampfer „Earniolia" mit Aerzten und Hilfsmitteln zu Hilfe. Die Unterstützung wurde jedoch von den Behörden abgelehnt, da bereits alle Vorbereitungen zur Pflege der perletzten getroffen waren. Alle offiziösen Nachrichten schreiben
dem Kapitän die Schuld an der Katastrophe zu. Nack einer andern Version ist die „Texas" nicht an eine Mine geraten, sondern von einer Granate getroffen worden. Die „Texas" folgte in größerer Entfernung einem Lotsenfahrzeuge, als von den Festungswerken zwei blinde und sodann vier scharfe Schüsse abgefeuert worden seien. Der vierte dieser Schüsse schlug mitten in die „Texas" ein und verursachte eineExplosion des großen Kessels. Die „Texas" war ein alter Dampfer von ungefähr 500 Tonen und gehörte dem griechifch-ottomanifchen Reeder Hadfcht Daud, der, um sich der Entrichtung der Hafengelder und der Kontrolle der Behörden zu entziehen, die den Dienst nicht ganz einwandsfreier Fahrzeuge nicht zulassen wollten, auf dem Schiffe die amerikanische Flagge hissen und den Namen des Dampfers, ursprünglich „Olympia", in „Texas" umwandeln ließ.
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Rom, 1. Mai. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Derna: Heute früh eröffneten einige feindliche Abteilungen das Feuer in den Flanken einer Kompagnie, die die Arbeiten an dem kleinen Forts Lombardia deckte und gegen Alpenjäger, die mit dem Bau der Schanze Verona beschäftigt waren. Italienische Artillerie und Maschinengewehre vertrieben -mit ihrem Feuer den Feind, dessen letzte Abteilung gegen zwei Uhr sich zurückzog. Zwei italienische Alpenjäger wurden leicht verletzt.
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Tie Lime in Mnolka.
P a r i s, 1. Mai. Zn einer anscheinend offiziösen Mitteilung wird bemerkt, daß der französische Vertreter in Tanger, de Billy, nicht beauftragt gewesen sei, das dortige diplomatische Korps amtlich von der Übertragung der gesamten Befugnisse an den General- residenten zu verständigen. Billy dürfte seinen Kolleaen lediglich im Privatgespräch mitgeteilt haben, daß die französische Gesandtschaft, in eine einfache Agentur umgewandelt werden soll, da Tanger als internationale Stadt in dem Bereich der Amtsgewalt bes.tteuernannten Generalresidenten stehe.
Paris, 1. Mai. Aus Madrid wird gemeldet: Nach einer Meldung au Larrasch soll die am linken Lukkosufer lagernde fron- zöstsche Mahalla das Dorf Hura angegriffen und sich des Viehs bemächtigt sowie eine eingeborene Familie, einen deutschen Schutzbefohlenen und acht spanische Schutzbefohlene gefangen genommen haben.
Paris, 1. Mai. Offiziös wird als Grund für die Entsendung der Panzerkreuzer „Eloire" und „Condo" nach Marokko angegeben: Der französische Geschäftsträger in Tanger habe dem Mi- nisterinm des Aeußern bestätigt, daß der Aufruhr in Fez auch auf Tanger eine gewisse Rückwirkung ausgeübt habe und daß namentlich die jüdische Bevölkerung sich sehr beunruhigt zeige. Um die Befürchtungen der fremden Ansiedler und der jüdischen Bewohner zu zerstreuen, habe die Regierung die Entsendung der beiden Krieosschiffe beschlossen.
P a r i s, 1. Mai. Wie aus St. Nazaires gemeldet wird, wurden bei der Abfahrt der „Gloire" der zweite Offizier, Freaatten- kapitän Auvergne und ein Obermaatsmann von der Kette des Schleppdampfers erfaßt und sehr schwer verletzt.
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Politische Umschau.
Die IesUiteninterpellation im bayrischen Abgeordnetenhaus.
In der bayrischen Kammer der Abgeordneten führte Ministerpräsident v. Hertling in Beantwortung der Interpellation betreffend den Iesuitenerlaß u. a. aus, nachdem er betont batte, daß bem Ministerium Hertling der Erlaß als Erbschaft van dem vorhergehenden Ministerium überkommen sei: „Der Erlaß vom 11. März befaßt sich mit der Interpretation der vom Bundesrat zu einem Reicksgesetz erlassenen Vollzugsbekanntmachung vom 5. Juli 1872. Das Wort Ordenstätigkeit, das vom Bundesrat nicht näher erläutert worden ist, stellt keinen eindeutigen klar umschriebenen Begriff dar. Es ist weiterer und engerer Auslegung fähig, je nachdem man entweder alle seelsorgerischen Funktionen einbezieht oder jene priesterlichen Handlungen ausschließt, bei denen der Ordensangehörige einer anderen Aufsichtsgewalt als der für die Ordensleitung unmittelbar untergeordnet ist. Beide Auslegungen sind nach Anschauung der bayerischen Regierung an sich möglich und mit dem Wortlaut der reichsrechtlichen Vorschriften zu vereinbaren. Die bayrische Regierung ging bei dem Erlaß von der Auffassung aus, daß sie nur von der den Einzelstaaten zukommenden Bewegungsfreiheit für den Eesetzvollzug Gebrauch mache. Für die bave- rische Regierung war bei dem llebergang zu einem milderen Vollzug die Erwägung bestimmend, daß in dem allgemeinen Urteil ü6er den Jesuitenorden feit dem Erlaß des Reichsgesetzes vom 4. Juli 1872 ein Umschwung zu gunften des Ordens eingetreten ist. Dies erhellt sich schon aus der Aufhebung des § 2 des Iefuiten- gesetzes. llm allen Zweifeln an der Loyalität der bayerischen Regierung zu begegnen und auch nicht den Schein einer Trübung des Verhältnisses der bayerischen Regierung zur Reichsleitung aufkommen zu lassen, hat sie vor kurzem beim Bundesrat einen Antrag auf^eine authentische Interpretation des Begriffs „Ordenstätigkeit" eingebracht. Hierdurch hat die bayerische Regierung zu erkennen gegeben, daß sie bereit ist, diejenige Auslegung sich zu eigen zu machen, die das Organ, das allein zu einer verpflichtenden Interpretation berufen ist, nämlich den Bundesrat für richtig erklärt."
Beim Schlüsse der Sitzung gab es noch erregte Auftritt». Als der Abg. Quidde (lib.) um 2% Uhr einen AntragLnf Vertagung
stellte, erklärte der Vorsitzende der Zentrumsfraktion, Abg. Lerno, daß das Zentrum die Besprechung der IesUiteninterpellation heute beendigen wolle. Es entspann sich eine lange und erregte Debatte, über die Geschäftsordnung, in deren Verlauf die Abgeordneten Timm (Soz.) und Hübsch (lib.) dem Zentrum Vergewaltigung der Minorität und Unanständigkeit vorwarfen. Sie erhielten dafür Ordnungsrufe. Schließlich arteten die Lärmszenen derart aus, daß der Vizepräsident Frank sich genötigt sah, die Sitzung für geschlossen zu erklären. Die Linke nahm diese Erklärung mit stürmischem Beifall auf.
Die Sefeitigungs des Branntweinsteuerkontingents.
Die Reichstagskommission betreffend die Beseitigung des Branntweinkontingents nahm den Paragraphen 1 der Vorlage an, nach dem der Kontingent der Branntweinbrennereien für Bayern, Württemberg und Baden aufrechterhalten, im übrigen aber beseitigt wird. Der nichtigere Abgabensatz von 1,05 M. für den Liter Alkohol wird aufgehoben. Mit 15 Stimmen wurde ferner ein von den Konservativen, Nationalliberalen, Polen und dem Zentrum eingegangener Zusatzantrag angenommen. Aus dem Ertrage der Verbrauchsabgabe werden jährlich 16 Millionen aus der Betriebsauflage dem angesammelten Eeldbestande zugeführt und gemäß des Paragraphen 54 ff. des Vranntweinsteuergesetzes zu dem Zwecke der Vetriebsauflage verwendet. Ein sozialdemokratischer Abgeordneter erklärte, man müsse bestrebt fein, anstelle der Branntweinsteuerbelastung eine Besitzsteuer zu setzen. In diesem Falle würden seine Freunde die Erbschaftssteuer annehmen. Er sagte: „Wir Sozialdemokraten bewilligen für den Militarismus, so auch für die jetzige Heeres- und Flottenvorlage, deren Annahme wir leider nicht verhindern können, keinen Mann und keinen Eroten. Wenn wir aber, wie in der gegenwärtigen Situation erreichen können, daß eine indirekte Steuer durch eine direkte ersetzt werden kann, so sind wir bereit, für eine solche direkte Steuer, z. B. die Erbschaftssteuer, zu stimmen. Zu dieser Erklärung bin ich durch meine Fraktion ermächtigt." — Diese Erklärung bat allem Ansckein nach die Fraae „Erbschaftssteuer ober nicht?" wieder in Fluß aehraehf- dann wie verlautet, last die Fortf^rfttl!'»'e Volkspartei beabsichtigen, in der Kommission einen Gesetzentwurf über die Erbschaftssteuer in Form eines Initiativantrages einzubringen.
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Deutsches Reich.
— Der Kaiser bei der „Kieler Woche". Hebet die Teilnahme de» Kaisers an der Kieler Woche ist folgendes bestimmt worden: Voraussichtlich wird der Kaiser bereits an den Veranstaltungen „Bor der Kieler Woche" teilnehmen, die am Montag den 10. Juni mit den Wettfahrten um die „Eouvr du Eercle de la Voile be Paris" auf der Kieler Föbrde beginnen. Sie werden fortgesetzt am 15. Juni mit einer Seewettfahrt des I. S. E. auf der Flensburger Föhrde, die am 16. Juni ihren Fortgang nimmt. Am Montag den 17. Juni ist die Seewettfahrt des Kaiserlichen Jachtklubs und des F. S. C. von Glücksburg nach Kiel. Am 18. Juni schließen die Veranstaltungen des Abschnittes „Vor bet Kieler Woche" mit einer Wettfahrt bes Norbbeutschen Regatta-Vereins an bet Unteretbe. Der Kaiser dürfte vielleicht den ersten SBeranitalhtnoen bis zum 16. Juni nicht beiwohnen. Dagegen trifft er am 17. Juni voraussichtlich in Cuxhaven ein. um an bet Unterelbe-Regatta teilzunehmen. Ganz bestimmt ist feine Anteilnahme an bet eigentlichen „Kieler Woche", die am 18. Juni beginnt. Der Kaiser wird um 1 Uhr am Mittwoch ben 19. Juni Mir Teilnahme an bet Kieler Wecke eintreffen.
— Aus bet Vudgetkommission. Berlin, 1. Mai. Die Budget- kommission des Reichstages nahm heute mit den Stimmen aller - bürgerlichen Parteien den neuen § 3 des Militärgesetzes an, wonach die gesamte Heeresmacht des deutschen Reiches aus 25 Armeekorps besteht (bisher 23).
— Die hessischen Branntweinbrenner gegen die Beseitigung des Branntweinkontingents. Frankfurt a. M., 30. April. Die Vranntwei nbrenner des Gtoßberzogtums Hessen beschlossen heute in einer hier stattgehabten Versammlung eine Resolution, in der die Ablehnung des Gesetzentwurfes über die Beseitigung des Branntweinkontingents gefordert wird. Im Fall, daß der Gesetzentwurf Annahme finden sollte, soll die Perbrauchsabgabe auf 117,05 «Al pro Hektoliter festgesetzt werden.
— Die Einheitsstenographie. Berlin, 30. April. Am 29. und 30. April trat im Kultusministerium zu Berlin unter dem vom Reichskanzler ernannten Vorsitzenden Geh. Regierungsrat Klatt der 23er Ausschuß zusammen, der zur Schaffung einer deutschen Einbeitsstenographie eingesetzt ist. Die Verhandlungen führten zu bem Ergebnis, daß zunächst ein Unterausschuß ernannt wurde, welcher die Aufgabe hat, das eingelaufene Material zu prüfen und dem Hauptausschuß darüber zu berichten und die Fragen zu formulieren, welche den Ausgangspunkt der zweiten Beratung des Hauvtausfchusses bilden und zur Gewinnung der Richtlinien für die Aufstellung von Einbeitssystementwürfen dienen soll. Das künftige Einheitssystem soll eine fest geregelte Verkehrsschrift besitzen und durch seine Kürzungsfähigkeit als Redeschrift die Erreichung aller schnellschriftlichen Zwecke ermöglichen.
— Die Wormser Spionagcaffäte. Worms, 1. Mai. Die in der Spionage-Angelegenheit eingeleitete Voruntersuchung hat ergeben, daß es sich tatsächlich um Verrat militärischer Geheimnisse handelt. Der verhaftete Musketier Schindler stammt aus Teupitz bei Weißenfels in bet Provinz Sachsen unb ist von Beruf Techniker. Im Ofen des Hotelzimmers wurden ungebrannte Papierschnitzel gefunden, aus welchen hervorgeht, daß der verschwundene Reisende, bet sich Runblet genannt hatte, tatsächlich aus Neapel gekommen ist.
— Indienststellung eine» Linienschiffes. Kiel, 1. Mai. Das Linienschiff ..Oldenburg", bas vierte bet Helgolandüasse, ist heute '